Suchergebnisse für ‘youtube’

BeHaind, Griechenland, Daniel Steil

1. “Schluss damit!”
(youtube.com, Video, 7:46 Minuten)
Nutzer BeHaind ist genervt vom Quotendruck bei YouTube. Er will zukünftig weniger boulevardeske Inhalte erstellen: “Dieses YouTube-Deutschland, was sich da gerade aufbaut, von dem möchte ich kein Teil mehr sein. (…) Ich möchte nicht mehr ‘masturbieren’ in den Titel schreiben müssen, damit ihr klickt. Denn wenn ihr nur deswegen klickt, dann klickt ihr bei mir aus den falschen Gründen.”

2. “Jung, cool, lustig sein”
(dirkvongehlen.de)
Stefan Raab befasst sich in “TV Total” auf ProSieben (tvtotal.prosieben.de, Video, 5:47 Minuten) mit der Nachrichtensendung Heute+.

3. “Eine Frage des Zeitpunkts”
(taz.de, Ferry Batzoglou)
Der stellvertretender Finanzminister der griechischen Regierung, Dimitris Mardas, klagt gegen “Bild”, und zwar “wegen Beleidigung seiner Persönlichkeit, verleumderischen Diffamierung und Beschimpfung auf ‘die Wiederherstellung der Wahrheit, seiner Ehre und seines Ansehens'”.

4. “So funktioniert Rufmordmaschine gegen Varoufakis”
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
Urs P. Gasche geht Medienberichten nach, die vermeldet hatten, dass der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis von ungenannten Quellen als “Spieler”, “Amateur” und “Zeitverschwender” bezeichnet wurde. “Varoufakis italienischer Minister-Kollege Pier Carlo Padoan hat in der Folge öffentlich dementiert, dass es diese Beleidigungen bei dem Treffen gegeben habe. Dieses Dementi hinterliess aber in den Medien keine grösseren Spuren. Daraus muss man schliessen, dass in den europäischen Medien von anonymen Quellen verbreitete Beleidigungen, zudem ohne mit Namen identifizierte Beleidiger, mehr zählen als der abweichende Bericht des italienischen Finanzministers, der sich mit Namen zitieren lässt.”

5. “‘Relevant ist, was die Masse der Menschen interessiert'”
(meedia.de, Georg Altrogge)
Daniel Steil räumt ein, dass “Focus Online” mit “einigen Berichten” zur “Verwirrung über den Gesundheitszustand” von Michael Schumacher beigetragen hat. “Journalisten erklären häufig, was sie selbst für relevant erachten. Ob das immer mit dem Relevanzgedanken der meisten User übereinstimmt, bezweifle ich stark – unsere Userlab-Befragungen zeigen andere Ergebnisse. Grundsätzlich halte ich eher das für relevant, was die Masse der Menschen interessiert.” Siehe dazu auch “Sie haben bisher immer das falsche Online-Angebot gelesen!” (stefan-niggemeier.de).

6. “Schreiben: Zehn Tipps”
(tomhillenbrand.de)

Bunte, Verräter, Mehrfachfragen

1. “Wie wir Jürgen Klopp fast zu Real gebracht hätten”
(deutschlandfunk.de)
Fußball: “Radio Deutschland” meldet angeblich, dass Jürgen Klopp einen Vertrag bei Real Madrid unterschrieben habe.

2. “Depressiv werden in den Medien: Vom Schreiben ins Schweigen”
(kress.de, Sophia-Therese Fielhauer-Resei)
Sophia-Therese Fielhauer-Resei schreibt einen Text über Depressionen. Und über die Arbeitsbedingungen bei der Zeitschrift “Bunte” 1993: “Chefredakteur Franz Josef Wagner brüllt und schreit so tief, dass die Wände wackeln, Wagner schmeißt das Magazin kurz vor Druck komplett um, kündigt Mitarbeiter um vier Uhr morgens und erinnert sich am gleichen Vormittag nicht mehr daran. Wagner glorifiziert den Autoren Helge Timmerberg, der zumeist in Havanna oder Marrakesch sitzt – ein Großteil dessen, was die Stammbesetzung schreibt, wird nach Kuba und Marokko gefaxt, auf der Schreibmaschine von ihm umgedichtet und retour gefaxt. Das Selbstwertgefühl von Teilen der Redaktion leidet erheblich.”

3. “Seitenwechsler, Verräter: Lieber Christof Moser”
(davehertig.com)
Dave Hertig schreibt an Christof Moser, der Journalisten, die in PR-Abteilungen wechseln, als “Verräter” bezeichnet hatte. “Die meisten Journalisten, die auf der aus deiner Sicht ‘guten Seite’ arbeiten, sind eine Blackbox. Ob sie selbständig und unabhängig denken und nicht auch ein bisschen gekauft und gesteuert sind, das werde ich nie erfahren. Als Leser weiss ich nicht, wem ich vertrauen kann.”

4. “Ein Plädoyer gegen Mehrfachfragen”
(abzv.de, Tim Farin)
Warum Mehrfachfragen nicht zielführend sind: “Man könnte schon verwirrt reagieren, oder? Es könnte aber auch sein, dass man so etwas schon kennt – und nur auf die Frage antwortet, die einem gerade mehr in den Kram passt. Nach dem Motto: Ich suche mir aus, worauf ich antworte.”

5. “Marie, 19, Instagram-Star”
(gruenderszene.de, Hannah Loeffler)
Ein Interview mit Marie von Behrens, deren Instagram-Konto mvb412 derzeit 88000 Abonnenten hat.

6. “Adel royale – Königliche Berichterstattung”
(youtube.com, Video, 3:36 Minuten)

Hoax, Trash, Flattr

1. “Trash und Trash”
(sashs-blog.de)
Fragen zur Regenbogenpresse: “Wieso sollte man zur Unterhaltung unwahre Geschichten über echte Menschen lesen, die vorgeben, wahr zu sein? Wieso sollte man sich falsche Stories über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher reinziehen, anstatt entweder eine fiktive Geschichte über einen Menschen mit einem Schicksalsschlag oder eine tatsächlich recherchierte Doku über Michael Schumacher? Ich verstehe nicht einmal, wieso man sowas schreiben sollte.”

2. “Ausländische Banden und deutsche Einzeltäter”
(heise.de/tp, Wolfgang J. Koschnick)
Wolfgang J. Koschnick macht sich ausführlich Gedanken darüber, ob und wie individuelle Eigenschaften von Menschen in einer Story vorkommen sollten: “Alle Kodices stimmen darüber überein, dass die Zugehörigkeit zu einer Minderheit nur erwähnt werden soll, wenn sie im thematischen Zusammenhang relevant ist. In der journalistischen Alltagspraxis machen es sich jedoch die meisten Redakteure zu einfach: Sie verschweigen sie grundsätzlich und scheinen zu glauben, dadurch seien sie aus dem Schneider.”

3. “Hoax-Kampagnen: Opium fürs Empörungsvolk”
(youtube.com, Video, 42:30 Minuten)
Deef Pirmasens und Christian Schiffer stellen verschiedene Hoaxes vor. Ab Minute 18:30 wird ein Beitrag von LeFloid analysiert.

4. “5 Jahre Flattr: Erinnerung an eine gescheiterte Revolution”
(get.torial.com, Stefan Mey)
Das Bezahlsystem Flattr hätte eine ökonomische Revolution sein können, glaubt Stefan Mey: “Die ökonomische Revolution im Netz ist heute klar gescheitert. Und das ist ein Verlust für alle, für Leser*innen, Blogger*innen und auch für Verlage, denen durch eigene Schuld seit fünf Jahren Einnahmen entgehen. Paid Content meint heute das vorsichtige Aussperren von Nutzern und gilt mit der Definition weitgehend als alternativlos. Mit dafür gesorgt hat eine Fehlentscheidung der Verlage. Und das war vielleicht deren größte kollektive Fehlentscheidung nach der Unterschätzung des Internets in seinen frühen Tagen.”

5. “Der ‘Bild’-Aufzug fährt wieder nach oben”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber kommentiert die Nachricht, dass Christian und Bettina Wulff wieder ein Paar sind: “Die Versöhnung im Kleinen scheint mit einer Versöhnung im Großen einherzugehen, der Versöhnung eines zum Boulevard gewordenen Paares mit dem Boulevard.”

6. “Emily Surname’s immigration report”
(youtube.com, Video, 3:36 Minuten, englisch)
Ein TV-Bericht zur Zuwanderung von Emily Nachname.

Eritrea, Geo Epoche, Freizeit im Blick

1. “Freizeit im Blick, Realität aber nicht”
(topfvollgold.de, Moritz Tschermak)
“Wie schlimm steht es wirklich um ihn?”, fragt die Zeitschrift “Freizeit im Blick” bezüglich dem Ende März verstorbenen Karl Moik.

2. “Letzter Platz: Pressefreiheit in Eritrea”
(ndr.de, Video, 6:28 Minuten)
David Isaak sitzt bereits 14 Jahre im Gefängnis. Als Journalist einer Wochenzeitung veröffentlichte er einen offenen Brief, in dem Reformen gefordert wurden.

3. “Friedemann Karig: Die Abschaffung der Wahrheit”
(youtube.com, Video, 51:54 Minuten)
Friedemann Karig beschäftigt sich mit Verschwörungstheorien und ordnet sie auf einer Achse von heterodox bis orthodox.

4. “Frau Zschäpe und ich”
(journalist.de, Tom Sundermann)
Tom Sundermann ist einer von vier freien Journalisten, die einen Platz am NSU-Prozess zugelost erhielten: “Lange Erklärungsabsätze, in denen die Verbindung zwischen dem Zeugen X und dem NSU-Trio hergestellt wird, sind unvermeidlich. Andernfalls würde ich Berichte über den Prozess zur geschlossenen Veranstaltung machen. Die Diskussion in den Onlinekommentaren bestimmt ein fester Kern aus Lesern, die die Artikel zum Thema genauestens verfolgen – meist vor dem Hintergrund einer eindeutigen politischen Haltung.”

5. “‘Geo Epoche’ irritiert mit verzerrtem ‘Buback-Nachruf'”
(tagesspiegel.de, Eckhard Stengel)
Eckhard Stengel wirft “Geo Epoche” vor, selektiv beziehungsweise nicht ausführlich genug zu zitieren: “226 Zeilen lang war der Text, doch die meisten Medien zitierten daraus immer wieder nur vier Zeilen: ‘Meine unmittelbare Reaktion, meine ‘Betroffenheit’ nach dem Abschuß von Buback ist schnell geschildert: ich konnte und wollte (und will) eine klammheimliche Freude nicht verhehlen.'”

6. “Einfach mal das Mikrophon niedersinken lassen!”
(katzundgoldt.de)

Sexismus, ZDF-Lobbyradar, Urheberrecht

1. “‘Sie träumen nachts von mir?'”
(sueddeutsche.de, Christina Koormann)
Zu oft werden Politikjournalistinnen zu Sexismus-Opfern, schreiben französische Journalistinnen in einem Manifest (liberation.fr, französisch): “Die Journalistinnen beschreiben, wie hochrangige Politiker sie während eines gemeinsamen Fluges auf einer Geschäftsreise schlafend fotografierten, wie ‘politische Schwergewichte’ lieber mit ihnen in ein Hotelzimmer gehen wollten anstatt ein Interview fortzuführen, oder wie ein Abgeordneter sich wünschte, dass sie unter einer Arbeiterkluft während einer Fabrikbesichtigung ‘besser nichts anhätten’.”

2. “Warum wir ein neues Urheberrecht brauchen”
(faz.net, Andrea Diener)
Ein Interview mit Julia Reda zum Urheberrecht: “Wir haben das Problem, dass das Urheberrecht nicht mit der technischen Entwicklung schrittgehalten hat. 2001, als es zuletzt auf europäischer Ebene reformiert wurde, gab es noch kein Youtube, es gab kein Facebook, und auch Wikipedia fing gerade erst an. Damals hat man in Europa Mindeststandards für den Schutz von Rechteinhabern erstellt, aber keine Mindeststandards für den Schutz der Allgemeinheit. Die EU legt also fest, was mindestens verboten sein muss, aber nicht, was mindestens erlaubt sein sollte.”

3. “Verteilungskampf in der Bundesliga”
(deutschlandfunk.de, Daniel Theweleit)
Fußball: Bundesliga-Vereine wollen neue Kriterien bezüglich der Höhe von an die Clubs ausgeschütteten Fernsehgeldern besprechen: “Zum Beispiel die Einschaltquoten bei den Live-Spielen im Bezahlfernsehen. Oder die Auslastung des eigenen Stadions. Oder die Menge der Auswärtsfans, die einen Klub begleiten.”

4. “Warum das Lobbyradar so kaum zu gebrauchen ist”
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat bespricht das ZDF-Lobbyradar: “Das Lobbyradar ist in der jetzigen Form kaum zu gebrauchen. Es ist visuell zu überladen und hilft mit seiner einzigen Funktion, der Suche, nicht dabei, Lobbyismus transparenter zu machen.”

5. “Der Hochstapler”
(ndr.de, Video, 30:26 Minuten)
Geschädigte eines Hochstaplers, unter ihnen Journalisten des ZDF und von Zeit.de, erzählen. Siehe dazu auch “Richtig reingelegt” (taz.de, René Martens).

6. “Astro TV sagt sich selbst schlechte Quoten voraus und stellt vorsorglich Sendebetrieb ein”
(der-postillon.com)

Bild, Bild.de  etc.

Das “Bild”-Tagesmenü: Gerüchte aus eigenem Anbau

“Bild” fragt heute:

Dieses Gerücht — Gündoğan (Dortmund) gegen Götze (Bayern) — mache derzeit die Runde, und weil dieser “Mega-Tausch” “wirklich ein Hammer” wäre, erschien online kurz darauf gleich der nächste Artikel:

Was Zorc dazu sagt (“Ich kann mir das nicht vorstellen”), stand zwar schon im ersten Artikel, aber warum die Kuh nicht zweimal melken, wenn’s gerade so gut flutscht?

Jedenfalls: Eine Sache verschweigen “Bild” und Bild.de in allen Artikeln konsequent, nämlich wer diese “wilden Gerüchte” überhaupt in die Welt gesetzt hat. Nur soviel:

Beim “Sport1-Doppelpass” sprachen die Experten über ein mögliches Tauschgeschäft zwischen dem BVB und Bayern.

Nun ja. Genauer gesagt wurde das Tauschgeschäft nur von einem ganz speziellen Experten in die Runde geworfen, und zwar von Walter M. Straten — dem Sport-Chef der “Bild”-Zeitung. Der war nämlich auch zu Gast bei “Doppelpass” und sagte:

Wir müssten mal wissen, was Karl-Heinz Rummenigge und Hans-Joachim Watzke bei ihrem Vier-Augen-Gespräch im Käfer letzte Woche besprochen haben. Ich weiß nicht, ob Ihr da Wanzen versteckt hattet — wir hatten’s leider nicht –, deswegen können wir nur spekulieren. (…) Das war nicht das Vorstandsessen, wo mehrere Ohrenzeugen am Tisch saßen, sondern das waren nur die beiden. Da kann ich mir vorstellen, dass es a) um Gündogan ging… ich weiß es nicht, ich erzähl’ jetzt einfach mal: Vielleicht geht’s ja auch mit Tausch, Götze zurück… Gündogan…

(Gelächter in der Runde und im Publikum)

Moderator: Also das wird jetzt ‘ne gewaltige Kaffesatzleserei! Vielleicht sollten wir an dieser Stelle stoppen. (…)

Straten: Also es ist wirklich Spekulation. Aber es wäre ja nicht unlogisch, Götze und Pep Guardiola, das ist irgendwie auch nicht so die ganz große Liebe, und man hat das Gefühl, dass sich Mario Götze auch nicht so weiterentwickelt hat… ich weiß nicht, ob er noch ein Jahr bleiben will bei Bayern oder ob man wirklich darüber gesprochen hat.

Darauf basieren also die “wilden Gerüchte”, die unzähligen Artikel und die ganze Aufregung um Götze und Gündoğan: auf dem, was “Bild”-Mann Walter M. Straten nicht weiß.

Mit Dank an Andreas G.

Newtopia, Annegret R., Harald Welzer

1. “Scripted Entertainment: Talpa demontiert ‘Newtopia'”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Die Sat.1-Sendung Newtopia: “Seit vergangener Nacht ist jetzt dokumentiert, was in der Branche ohnehin niemanden überrascht: In der Praxis ist ‘Newtopia’ Scripted Entertainment. Wenn das erklärte Ziel der Sendung darin bestand, zu erfahren, ob die für das Format ausgewählten Pioniere im Alleingang eine neue Gesellschaft aufbauen können, dann lässt sich an diesem 13. April sagen: Experiment gescheitert.”

2. “Vulkanasche auf das Haupt des ORF”
(kobuk.at, Moriz Büsing)
Die Nachrichtensendung “Zeit im Bild” berichtet über einen angeblich aktuellen Vulkanausbruch in Island: “Die Bilder sind zwar echt, aber schon ziemlich alt. Dasselbe Bildmaterial wurde schon im November 2014 auf Youtube veröffentlicht.”

3. “Wie RTL die Vierlings-Schwangerschaft vermarktet”
(tagesspiegel.de, Maria Fiedler)
RTL berichtet exklusiv über die Schwangerschaft einer 65-jährigen Frau: “Mit anderen Medien darf Annegret R. nicht sprechen, das ist vertraglich so vereinbart. Sprecher Bolhöfer bestätigte, dass es für Annegret R. einen ‘finanziellen Ausgleich, eine Aufwandsentschädigung’ gebe.”

4. “Journalismus – Dienst an der Gesellschaft”
(br.de, Video, 15 Minuten)
Teil 1 einer sechsteiligen Serie zur Medienethik mit Zuschauerinterviews, Immanuel Kant, Horst Köhler, dem “Spiegel”-Urteil des Bundesverfassungsgerichts und dem Empörungsjournalismus.

5. “‘Journalisten hängen an Klickzahlen wie Junkies an der Nadel'”
(osk.de/blog)
Ein Interview mit Journalist Lars Wienand: “Aufgebauschte Un-Skandale in einer an Informationen überbordenden Welt führen zum Empfinden, dass ‘die Medienmenschen’ in einer abgehobenen Welt leben. Ich spreche hier nicht einmal von unsauberem Journalismus, sondern von Prioritätensetzung bei knappen Ressourcen.”

6. “‘Einfach mal Löcher in die Luft starren!'”
(berliner-zeitung.de, Joachim Frank)
Ein Interview mit Harald Welzer: “Wir bejubeln jede beschissene App oder den Fernseher, der auf Sprachkommandos reagiert. Aber zugleich sind wir empört über Angriffe auf unsere Privatsphäre, obwohl wir den Angreifern Tür und Tor öffnen. (…) Es wäre doch Micky-Maus-Denke, anzunehmen, dass eine Veränderung der Verhältnisse an einem so entscheidenden Punkt zu haben wäre, ohne einen Preis dafür zu bezahlen. Widerstand kostet. Schlimmstenfalls das Leben, wie wir aus der Geschichte wissen. Uns hingegen erscheint es schon als zu teuer bezahlt, wenn wir auf Whatsapp verzichten sollten. Obwohl wir wissen, dass wir uns mit jeder Message einer Totalüberwachung ausliefern.”

Die mit den virtuellen Wölfen tanzen (2)

Journalismus kann so einfach sein.

Bei „Focus Online“ zum Beispiel. Ein Mitarbeiter stößt irgendwo auf ein tolles Video, …

Youtube-Video mit dem Titel 'Wolves Attack Police Officer!!!'

… lädt es bei „Focus Online“ hoch, …

Das gleiche Video, diesmal bei 'Focus Online'

… schreibt ein paar Sätze dazu, …

Eine ganz normale Straßensperre in Russland: Ein Auto wird aufgehalten, weil es nur einen funktionierenden Scheinwerfer hat. Während der Polizist noch mit dem Fahrer redet, taucht plötzlich ein Rudel Wölfe aus dem nichts auf. Gerade noch kann sich der Polizist retten.

… denkt sich eine “Focus Online”-würdige Überschrift aus, …

Das muss passieren, wenn man kein Bußgeld zahlen will

… fertig!

Vermeiden sollte man bei dieser Form des Journalismus natürlich jegliche Recherche, sonst könnte sich ja zum Beispiel zeigen, dass das Video ein vier Jahre alter Fake ist und als Teil einer Wodka-Werbekampagne verbreitet wurde und dass schon andere Medien darauf reingefallen sind.

Wobei wir uns in diesem Fall nicht ganz sicher sind, ob „Focus Online“ den Fake nur aus Recherchefaulheit verbreitet oder gar mit Absicht. Die Tags unter dem Video lauten:

Rusland[sic], Schwindel, Polizei, Rettung, Wölfe

Mit Dank an Leo und Stefan G.

Nachtrag, 14. April: Inzwischen weisen die Leute von “Focus Online” im Artikel darauf hin, dass es sich um einen Fake handelt. Den eigenen Fehler erwähnen sie dabei konsequent — nicht.

Nachtrag, 23. Dezember: Der Presserat hat “Focus Online” für den Artikel öffentlich gerügt.

Erdogan, Tillich, Mediapart

1. “Medien-Analyse zum Germanwings-Absturz”
(munich-digital.com)
Munich Digital wertet Soziale Medien zum Absturz von Germanwings-Flug 9525 aus: “Rund die Hälfte aller auf den Facebook-Pages der überregionalen Tageszeitungen in der Woche vom 24.03.-31.03. veröffentlichten Kommentare enthält Kritik an der Berichterstattung. Dabei waren 795 der insgesamt 904 kritischen Kommentare negativ-destruktiver Natur (ca. 88%), d.h. nur verneinend und die Schuld einzig beim Medium selbst suchend. Dabei beziehen sich die Kommentare am häufigsten auf das journalistische Niveau: Sogar vermeintliche Qualitätsmedien wie die FAZ oder die ZEIT werden in diesem Zusammenhang als sitten- und pietätlos bezeichnet.”

2. “Bilder einer Hinrichtung”
(djv.de, Hendrik Zörner)
Hendrik Zörner weist hin auf ein Video, das er als “Hinrichtung des US-Bürgers Walter Scott durch einen Polizisten” bewertet. “Der entscheidende Unterschied zu früheren Gewaltbildern besteht darin, dass nicht nur die Darstellung der Schüsse, sondern auch die Existenz des Amateurvideos dem Fall in den USA Bedeutung verleihen. Denn weil ein Bürger gefilmt hatte, konnte der Polizist der Falschaussage überführt und wegen Mordes angeklagt werden. Das dürfte denn auch der Grund sein, warum sich hierzulande niemand über die Ausstrahlung des Streifens aufregt. Hoffentlich.”

3. “So zerstört Erdogan die Demokratie”
(faz.net, Hidayet Karaca)
Hidayet Karaca schreibt einen Brief “aus seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Nr.6” in Silvri. Staatspräsident Erdogan und seine Regierung führe eine Hexenjagd über die Medien, über die sie direkt oder indirekt herrschen: “Die Medien müssten die wichtigste Stütze für das Recht auf Information bilden, aber sie werden zu einem beträchtlichen Teil unter die Kontrolle der Regierung gestellt, die oppositionellen unter ihnen werden isoliert und wirtschaftlichem Druck ausgesetzt.”

4. “Wie ‘Mediapart’ unabhängigen Journalismus im Netz vormacht”
(get.torial.com/blog, Tobias Gillen)
Die französische Website Mediapart verzichtet auf Werbung und finanziert sich mit Abonnements: “107.000 Abonnenten zählt sie, macht damit im vergangenen Jahr 8,8 Millionen Euro Umsatz, 1,4 Millionen Euro Gewinn. Und auch die Belegschaft wächst stetig: Waren es 2008 noch 30 Beteiligte, sind es Ende 2014 immerhin 25 mehr.”

5. “‘Einem reicht’s jetzt’ – zum ‘Mopo’-Bericht über das FB-Profil des Ministerpräsidenten”
(flurfunk-dresden.de, owy)
Hintergründe zum einem Bericht der “Morgenpost Sachsen” über Bedrohungen auf dem Facebook-Profil von Stanislaw Tillich, dem Ministerpräsident von Sachsen.

6. “Wie ertragen die Eltern des Amokjournalisten das bloß”
(youtube.com, Video, 2:43 Minuten)

Schnelligkeit, Spekulation, Witwenschütteln

1. “Der Aufstieg des Lesers”
(freitag.de, Katharine Viner)
Eine Rede von Katharine Viner, der designierten “Guardian”-Chefredakteurin: “Von der Frage, wozu Journalismus dient, hängt alles ab. Wenn man findet, er soll außerhalb der Macht stehen und den Mächtigen die Wahrheit sagen, wird man für das offene Netz eintreten, den offenen Journalismus, den freien Fluss von Engagement, Kritik und Debatte mit den Leuten, die früher Publikum genannt wurden. Wenn man aber meint, Journalismus solle dazu dienen, zwischen der Macht und den Bürgern zu vermitteln, Einfluss zu nehmen und Herrschaft zu festigen, so wird man das Netz so weit wie möglich eindämmen und die Debatten auf ein Minimum beschränken.”

2. “Guter Journalismus macht keine Kompromisse”
(spiegel.de, Florian Harms)
“Spiegel Online” setzt sich neue Ziele: “Früher lautete unser Leitspruch ‘Schneller wissen, was wichtig ist.’ Aber Schnelligkeit ist für sich allein genommen inzwischen kein Mehrwert mehr. Schnelle Informationen finden Sie heute im Internet überall, leider allzu oft eher halbrichtig als wirklich stimmig – oder sogar ganz falsch. Das ist nicht unser Weg. Unser Anspruch ist es, jeden Tag, auch unter dem Zeitdruck eines minutenaktuellen Mediums, so exakt, ausgewogen, transparent und wahrhaftig wie irgend möglich zu berichten. Damit Sie nicht nur eine einseitige oder verkürzte Darstellung von Ereignissen bekommen, sondern sich anhand verlässlicher, häufig investigativ recherchierter Nachrichten, kundiger Erläuterungen und pointierter Meinungsbeiträge aus unterschiedlichen Perspektiven Ihr eigenes Bild von der Welt machen können.”

3. “An die Medienvertreter”
(facebook.com/Welovehalternamsee)
Menschen in der von Reportern belagerten Ortschaft Haltern am See fühlen sich nach dem Absturz von Germanwings-Flug 9525 in ihrer Trauer gestört: “Wer zum Gedenken eine Kerze abstellen oder einen Moment an der Treppe zum Gymnasium innehalten möchte, fühlt sich wie im Zoo oder auf einem Laufsteg: Vor einer Front aus teilweise über 50 Kameras wird jeder Emotionsausbruch von den geifernden Kameraleuten schnell eingefangen und geht kurz darauf um die Welt und wird von distanzierten Stimmen kommentiert.” Siehe dazu auch “Es gibt Tage, da schäme ich mich Journalist zu sein” (facebook.com/bjvde, Michael Busch).

4. “Appell an die Chefredaktionen: Witwenschütteln – Das wollt Ihr alle nicht erleben”
(facebook.com, Sandra Schink)
“Lasst die Menschen einfach trauern”, bittet Sandra Schink und erzählt, wie ihre Familie 1982 von Mitarbeitern einer Boulevardzeitung besucht wurde: “Viele Jahre später führte mich das Schicksal in die Branche und die Redaktionen, für die die Männer von damals arbeiteten. Ich begegnete beiden wieder, und ich stellte beide zur Rede. Keiner konnte sich an ‘diesen Fall’ erinnern. Vielleicht wollte sich auch keiner erinnern. Und während der eine, der mit der sonoren Stimme, empört bestritt jemals ‘so etwas’ getan zu haben, wurde der andere sehr still, als ich ihn fragte, wie oft er diesen Job gemacht hat in seinem Leben.”

5. “Livejournalismus zu 4U9525: Warum wir nicht innehalten”
(n-tv.de, Christoph Herwartz)
Christoph Herwartz verteidigt den Versuch, “dem grenzenlosen Informationsbedürfnis der Leser hinterherzukommen”: “Wenn Menschen am Düsseldorfer Flughafen von dem Absturz erfahren und sich weinend in den Armen liegen, dann kann man davon in einem Liveticker genauso gut berichten wie in einer Reportage. Ein Liveticker ist nicht per se anrüchig. Und eine Zeitung ist nicht per se taktvoll.”

6. “Wir wollen nicht spekulieren…”
(youtube.com, Video, 5;54 Minuten)
TV-Ausschnitte, in denen “nicht spekuliert” wird. Und ein Pro und Contra zum Umgang mit dem Unglück.

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