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Grobe Annäherung an eine Präsidentenwahl

Um 14.11 Uhr legt Peter Struck Gesine Schwan kurz die rechte Hand auf die linke Schulter. Es folgt ein Blick, der als tröstend gewertet werden darf: Das war’s!

Der Anfang seines Artikels klingt, als ob der Parlaments-Korrespondent der “Frankfurter Rundschau” ganz genau hingesehen hat bei der Bundesversammlung gestern: auf die Hand, ins Gesicht, auf die Uhr.

Aber das täuscht.

Dass er schreibt, Horst Köhler habe bei der Wahl “eine [Stimme] mehr als erforderlich” bekommen, obwohl Köhler doch keine einzige Stimme mehr bekam als erforderlich, ist wohl nur ein Flüchtigkeitsfehler. Aber dann fügt er hinzu:

Dass der kurze, zwar stets geleugnete, aber eben doch stattgefundene Wahlkampf seine Spuren hinterlassen hat, wird nun an Kleinigkeiten deutlich: Als erster aus der SPD gratuliert Peter Struck, nicht die unterlegene Kandidatin.

Im Gegenteil: Wie die Fernsehbilder zeigen, war Gesine Schwan die erste überhaupt, die Köhler die Hand gab.

Köhler dankt in seiner kurzen Ansprache den demokratischen Mitbewerbern (also auch denen von Linkspartei und Rechtsradikalen).

Nun, dass Köhler tatsächlich ausdrücklich nicht den Mitbewerbern, sondern den “demokratischen Mitbewerbern” dankte, lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass er den rechtsextremen Kandidaten der NPD damit nicht meint.

Eine grüne Köhler-Wählerin hatte sich zuvor geoutet: Uschi Eid, die sie im Bundestag “Mama Afrika” nennen.

Nein. Uschi Eid hatte, nachdem sie abgestimmt hatte, dieser Darstellung deutlich widersprochen. Auf Nachfrage erklärte sie einer Fernsehreporterin, dass sie ihr Wahlverhalten geheim halten wolle. Sie stellte dabei auch klar, dass sie entgegen anderer Berichte nicht gesagt habe, für Köhler stimmen zu wollen, sondern sich nur dagegen ausgesprochen habe, dass die Grünen-Fraktion sich auf Gesine Schwan festlegte.

Mit Dank an Norbert J.!

Meckel, Stellenkürzungen, ARD-Börse

1. Miriam Meckels Antwort
(miriammeckel.de, Miriam Meckel)
Miriam Meckel antwortet auf Stefan Niggemeiers Artikel in der FAZ. Sie hält die momentane Debattenkultur um die Zukunft des Journalismus (online wie offline) für ein “Trauerspiel”. Sie selbst sei zu einem “Gegner (…) stilisiert” worden, der sie nicht sei. Sie habe “viele sehr kluge und interessante Kommentare in den Blogs gefunden, aber auch ziemlich viel Bullshit.”

2. Kein öffentliches Echo auf Stellenkürzungen
(nzz.ch)
Die drastischen Stellenkürzungen bei den Schweizer Zeitungen “Tagesanzeiger” und “Bund” werden laut NZZ zwar wahrgenommen, es finde aber “kein Aufschrei, höchstens ein wenig Stirnrunzeln und ein bisschen Empörung vonseiten der schwachen Arbeitnehmerorganisationen” statt. Gründe für die lauen Reaktionen seien die allgemein schlechte Wirtschaftslage sowie das Überangebot an Medientiteln.

3. ARD-Börsenexpertin arbeitet für DAX-Firmen
(carta.info, Marvin Oppong)
Anja Kohl, Börsenexpertin der ARD und oft persiflierte Figur, ist regelmässig für die Privatwirtschaft tätig, so Marvin Oppong. Er wirft ihr vor, Veranstaltungen moderiert zu haben, die von “DAX-Firmen, die auch Gegenstand von Kohls Börsenberichterstattung in der ARD sind” mitfinanziert worden sind.

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Bild.de, n-tv, RTL  etc.

Medien erklären Patrick Swayze für tot

Gegen halb sieben gestern Abend haben RTL, n-tv und Bild.de Patrick Swayze sterben lassen. RTL berichtete in seinem Magazin “Exclusiv” vom Tod des krebskranken Schauspielers und sendete gleich einen Nachruf:

Der Schwestersender n-tv hatte zuvor ins laufende Programm die Breaking News eingeblendet: “US-Medien: Patrick Swayze stirbt an Krebs”, meldete auf Twitter: “Der amerikanische Schauspieler stirbt nach langer schwerer Krankheit” und ließ sich den Tod von seiner Korrespondentin in New York bestätigen. Bild.de brachte die Meldung (“US-Schauspieler Patrick Swayze ist an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben”) unter Bezug auf n-tv, n-tv nannte daraufhin “Bild” als Quelle.

Eine echte, verlässliche Quelle hatten sie alle nicht. Die Nachrichtenagentur dpa meldete um 18.54 Uhr, sie bemühe sich um eine Bestätigung, aber: “Zur Zeit gibt es dafür keine Quellen in den USA”. Um 19.10 Uhr MESZ veröffentlichte die amerikanische Zeitschrift “People” auf ihrer Homepage das Dementi einer Sprecherin Swayzes, um 19.29 Uhr berichtete dpa darüber.

Die Falschmeldung haben in Deutschland unter anderem auch die Online-Auftritte von “B.Z.” (“Patrick Swayze ist tot”), “Express” (“Patrick Swayze ist tot”), RTL (“Patrick Swayze ist tot”) und “Rheinischer Post” (“Patrick Swayze offenbar gestorben”) verbreitet.

Mehr zum Thema:

Townhall, CDU, Schwule

1. Kuschel-Townhall mit Angela Merkel
(carta.de, Robin Meyer-Lucht)
Robin Meyer-Lucht hat sich auf RTL das Town Hall Meeting mit Angela Merkel angesehen. Er nennt die Sendung, die dem direkten Austausch zwischen Politik und Bürgern dienen soll, ein “Armutszeugnis für den politischen Journalismus”. RTL sei mit der Rückkehr auf die politische Bühne “grandios gescheitert”. Wie es richtig geht, zeigt Barack Obama (ab Min. 17:30).

2. CDU fordert werbefreie Öffentlich-Rechtliche
(neininger.wordpress.com, Norbert Neininger)
Die CDU hat ein medienpolitisches Manifest verfasst. Sie fordert im ersten Schritt eine Gleichstellung von Sponsoring mit Werbung in öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland. Langfristig fordert die CDU “eine vollständige Werbe- und Sponsoringfreiheit”.

3. Die Schwulenfeindlichkeit des Wladimir Kaminer
(stefan-niggemeier.de/blog, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier hat sich die Berichterstattung zum Grand Prix angesehen. Vor dem Hintergrund der gewaltsamen staatlichen Übergriffe gegen Schwule in Moskau am Rande des Grand Prix, seien die schwulenfeindlichen Kommentare des Autors Wladimir Kaminer Opferverhöhnung und “das Letzte”.

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3sat  

Colin Powell und die Atombombe

Vorab: Natürlich weiß die Menschheit inzwischen, dass der Irak-Krieg 2003 auch deswegen zustande kam, weil die USA mit (formulieren wir es mal vorsichtig) nicht ganz richtigen Tatsachenbehauptungen der Welt glauben machen wollten, der Irak sei im Besitz ganz fürchterlicher Dinge (oder aber zumindest ganz kurz davor, sie zu besitzen).

3sat geht da allerdings noch ein Stück weiter: In einem Beitrag der Sendung “Kulturzeit”, der die These aufstellt, eine Weltregierung könne womöglich die Probleme des Planeten lösen, heißt es über den Auftritt des damaligen US-Außenministers Colin Powell vor der UNO:

Schamlos behauptete er, der Irak besitze abschussbereite Atomwaffen.

Damit soll die These des Beitrags untermauert werden, dass Organisationen wie die UNO “hemmungslos hinters Licht geführt” werden, um Kriege anzetteln zu können (nachzulesen u.a. auch bei 3sat.de).

Was 3sat ihm da unterstellt, hat Powell bei seiner Rede vor der UNO am 5. Februar 2003 aber dann doch nicht getan. Powell sprach lediglich davon, dass der damalige Diktator entschlossen sei, sich Atomwaffen zu besorgen und dass er bei der Entwicklung solcher Waffen anscheinend verhältnismäßig weit fortgeschritten sei. Vom Besitz “abschussbereiter Atomwaffen” war in Powells ganzer Rede vor der UNO nicht die Rede.

Mit Dank an Henryk G.

Bild  

Outing leicht gemacht

Wir vermuten einfach mal, dass es eine eher rhetorische Frage ist, die “Bild” nach dem Auftritt von Dirk Bach bei Stefan Raab am vergangenen Dienstag gestellt hat:

Ui-jui-jui, was hat sich denn Dirk Bach (48) bei diesen Sätzen gedacht?

Die Sätze, die “Bild” meinte, drehten sich um eine Szene, die Bach für seine neue Sendung “Einfach Bach” gedreht hatte und in der ein Bruce-Darnell-Darsteller dem auf dem Weg zur Kreuzigung befindlichen Jesus zeigt, wie man so ein Kreuz richtig trägt. Bach beschrieb das in “TV Total” u.a. mit folgenden Worten:

Und dann kommt eben Bruce Darnell und ich guckte auf einmal so raus in den Park und sah zwei, drei völlig entsetzte Rentner, die unschuldig in diesem Park entlang spazierten und dachten, was geschieht ihnen jetzt? Jesus und ein homosexueller, schwarzer Mann — was ist jetzt geschehen?

Was “Bild” wiederum zu der, um im Bild zu bleiben, scheinheiligen Frage veranlasst:

bach_darnell2

Die Antwort darauf lautet — unbeschadet davon, ob das nun als ein “Outing” gemeint war oder nicht: Nein. Denn den Job haben andere schon präzise erledigt: :

Mark Medlock, Bruce Darnell — ich bin im Arbeitsleben umgeben von Schwulen, und wir ergänzen uns perfekt.

So ließ sich bereits am 17. März ein gewisser Dieter Bohlen zitieren. Und um bei den rhetorischen Fragen zu bleiben: Haben Sie eine Ahnung, von wem?

Mit Dank an Tom K. und Timo L.

Biss, Zeitungsverträger, Killerspiele

1. “Zeitungsverträger: Verleger drücken ihre Löhne”

(youtube.com, Video, 5:30 Minuten, teilweise Dialekt)

Die Löhne in der Printbranche werden gesenkt. Unter den Betroffenen sind die, die so oder so schon wenig verdienen, dabei aber mitten in der Nacht und bei jedem Wetter zuverlässig sein müssen: Die Zeitungsverträger.

2. “Keine Informationsfreiheit zur Schulqualität”

(recherche-info.de, Sebastian Heiser)

Sebastian Heiser beantragte in Berlin unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz “Einblick in alle bisher erstellten Schulinspektionsberichte”. Das wurde abgelehnt, unter anderem, weil “personenbezogene Daten von Lehrern zu schützen” seien.

3. “Prima leben dank Hartz IV?”

(notatio.blogspot.com, Kurt)

Ein langer Blogeintrag über die Fernsehpräsenz der Familie Fesselmann aus Essen: “Der angebliche Langzeitarbeitslose Wilfried Fesselmann ist in Wirklichkeit offenbar ein versierter Langzeitarbeitslosendarsteller, der sich über Auftragsmangel in der Vergangenheit nicht beklagen konnte, war er doch – nebst Familie – bereits vor Jahren mehrfach in der Rolle als armer aber im Grunde glücklicher ALG2 Empfänger im Fernsehen zu bewundern.”

4. “Killerspiele – Gegendarstellung”

(youtube.com, Video, 9:58 Minuten)

Eine aufwändig produziertes Video räumt mit einigen von Medien und Politik verbreiteten Fehlinformationen über “Killerspiele” auf.

5. Biss verkaufen in München

(sueddeutsche.de, Video, 3:37 Minuten)

BISS, Bürger in sozialen Schwierigkeiten, ist eine Zeitschrift aus München. Ein Portrait eines Verkäufers des Magazins.

6. “Human landscapes from above”

(boston.com/bigpicture, Bilder)

Menschliche Landschaften von oben, die neuste der vielen gelungenen Bildergalerien von The Big Picture.

Schmidt, Brigitte, Stockfotos

Schmidt bei Bauerfeind: Ja. Nein.

1. Interview mit Harald Schmidt

(youtube.com, Video, 27:52 Minuten, Katrin Bauerfeind)

Harald Schmidt macht wieder mal Pause und gibt Katrin Bauerfeind eines der Interviews, die er, wie er verrät, nie absichtslos gibt. In den ersten Minuten erzählt er, dass er lieber Interviews gibt als welche macht, da ihn kaum jemand interessiert (und er das auch gar nicht kann). Einigermassen erheiternd ist die Schilderung des Besuchs einer sehr leicht bekeideten Pro7-Journalistin, die er nur mit Ja- und Nein-Antworten wieder nach Hause schickte.

2. “Privater Maulkorb für Filmjournalisten”

(heise.de/tp, Matthias Huber)

“Der Besuch der ‘Wolverine’-Pressevorführung verhängt mal wieder eine Sperrfrist – jetzt sogar für jede private Meinungsäußerung.”

3. “Döpfner: Internet macht Journalismus besser”

(informationweek.de)

Aus einem leider nicht in Volltext auffindbaren Interview [Update: hier ist es] mit Axel-Springer Vorstandschef Mathias Döpfner: “Wer versucht, mit möglichst wenig Journalismus möglichst viel Geld zu verdienen, wird scheitern. (…) Ich glaube, dass das Internet den Journalismus besser machen wird.”

4. “Die Rolle von Stockfotos in Blogs”

(alltageinesfotoproduzenten.de, Robert Kneschke)

“Es gibt nur wenige deutsche Blogs, die Stockfotos einsetzen. Woran könnte das liegen?”

5. “Journalismus: mein Wunschzettel”

(fragerei.wordpress.com)

Ein schöner Wunschzettel an den Journalismus – die Frage dazu wird gleich geliefert: “Gibt es für diese Art des Journalismus überhaupt ein Geschäftsmodell?”

6. “Alles doppelt, oder was?”

(tagesspiegel.de, Simone Schellhammer)

“Zwei Medien, eine Redaktion: G + J legt ‘Brigitte’ mit brigitte.de zusammen.”

Netz-Evangelisten, Musical, Krise

1. Das große Unverständnis (Carta, Matthias Schwenk) Warum die alten Medien skeptisch sind: “Die Netz-Evangelisten prahlen mit Reichweite und Netzwerkmacht, während die Skeptiker zurecht die Frage nach den Umsätzen stellen”, schließlich sei derzeit auch für gute Blogs die Luft in Sachen Monetarisierung reichlich dünn. 2. Gute Überschriften gegen die Krise (JakBlog, Christian Jakubetz) Ein Bild-Haudegen trainiert die Redaktion der Passauer Neuen Presse – und Jakubetz ätzt: “Ein über 60-jähriger Ruheständler soll jetzt also als probates Krisenmittel altgedienten Zetungsredakteuren zeigen, wie man Überschriften und Bildtexte macht. Sprechen wir uns doch mal, sagen wir, im Sommer 2010 wieder.” 3. Medien-Blogger unter der Armutsgrenze (Ruhrbarone, David Schraven) Bernd Ziesemer, Chefredakteur des Handelsblatt auf Wirtschaftsjournalismus-Tagung in Köln: “Eine ‘besondere Kategorie von Dummschwätzern’ finde sich unter den Medien-Bloggern (…) die versuchten ‘ein paar lousy Pennys zu verdienen, dabei aber nicht mal auf Hartz-IV-Regelsatz kommen’. Diese würden dennoch den Journalisten täglich empfehlen, ihre Printprodukte einzustampfen und nur noch auf Online zu setzen – obwohl dort offenbar nicht so viel Geld zu verdienen sei.” » weiterlesen: Bilderklau, Volltextfeed und ein tolles Video

Obama-Kult “jetzt” auch bei “Express Online”

Zugegeben: Es ist Feiertag und der Beginn eines extrem langen Wochenendes. Da fehlen einem schon mal die ganz großen Themen.

Die Notbelegschaft bei “Express Online” hat sich trotzdem was einfallen lassen für ihre Startseite:

Hier stottert der US-Präsident: Teleprompter-Panne - Obama hilflos

Im Artikel heißt es über einen Fernsehausschnitt, in dem Barack Obama ins Stocken gerät:

Ein Video bei YouTube zeigt jetzt Obamas peinlichen Auftritt bei einem Teleprompter-Ausfall.

Der Clip ist in den USA inzwischen Kult.

Ein Video, das jetzt bei YouTube steht und inzwischen Kult ist — das geht ja schnell in diesen USA.

Andererseits steht das Video, das “Express Online” freimütig verlinkt, bereits seit dem 24. Juli 2008 bei YouTube. Dadurch wirkt nicht nur die Angabe “jetzt” ein bisschen unpassend, auch die Schlagzeile “Hier stottert der US-Präsident” ist genau genommen falsch — denn der Mann, der da stottert, ist zwar Barack Obama, aber der war zu diesem Zeitpunkt allenfalls Präsidentschaftskandidat.

Mit Dank an David M.

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