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“Spiegel” will “Neo” sein, Menschen mit Behinderung, Lebenslange Haft

1. “Wir müssen alle Neo sein”
(journalist.de, Jan Freitag)
In einem lesenswerten Interview mit dem “journalist” spricht “Spiegel”-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit über die Herausforderungen des Nachrichtenmagazins und Verlags in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, die Bedeutung von Kooperationen und das neue Projekt “Neo”, mit dem der “Spiegel” gezielt jüngere Zielgruppen ansprechen will: “Wir bemühen uns so stark wie nie um junge Nutzerinnen und Nutzer und stellen das gesamte Haus auf deren Mediennutzungsverhalten ein.”

2. Helden trotz … Wie berichten über Menschen mit Behinderung?
(ardaudiothek.de, Katrin Aue & Sabine Wachs, Audio: 14:48 Minuten)
Die Sendung “Medien – Cross und Quer” des Saarländischen Rundfunks setzt sich mit der angemessenen Berichterstattung über die aktuell laufenden Paralympics auseinander: Wie sollen Medien über Menschen mit Behinderung berichten? Wo liegt der schmale Grat zwischen Sensibilisierung für das Thema Behinderung und der Stereotypisierung von Menschen? Katrin Aue und Sabine Wachs befragen dazu Alexander Röhm, der sich an der TU Dortmund unter anderem mit strategischer Kommunikation für Inklusion und Teilhabe beschäftigt.

3. Lebenslange Haft für Mord an Reporter
(reporter-ohne-grenzen.de)
Der Fall des ermordeten US-Investigativreporters Jeff German in Las Vegas erinnert an einen Krimi: Ein ehemaliger Verwaltungschef von Clark County wurde wegen Mordes an German zu lebenslanger Haft verurteilt, nachdem der Reporter über dessen Fehlverhalten im Amt berichtet hatte. Der Fall war von dramatischen Wendungen geprägt, darunter die Beschlagnahmung von Germans Recherchematerial durch die Polizei und mehrfach verschobene Gerichtsverhandlungen. Die Organisation Reporter ohne Grenzen begrüßt das Urteil als wichtiges Signal für Gerechtigkeit und den Schutz der Pressefreiheit.

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4. Oberster Gerichtshof in Brasilien lässt X abschalten
(spiegel.de)
Der Oberste Gerichtshof Brasiliens habe die sofortige Sperrung der Plattform X/Twitter angeordnet, weil das Unternehmen von Elon Musk keinen Rechtsvertreter in Brasilien benannt und sich geweigert habe, Accounts zu sperren, die falsche Informationen verbreiten. Der zuständige Richter, Alexandre de Moraes, habe entschieden, dass die Sperrung so lange aufrechterhalten werde, bis X den gerichtlichen Anordnungen vollständig nachkomme.

5. Rundfunkträte gehen auf Sendung
(verdi.de)
Volker Nünning berichtet, dass einige öffentlich-rechtliche Rundfunkräte in Deutschland ihre Sitzungen mittlerweile per Livestream übertragen, um mehr Transparenz zu schaffen. Andere Gremien verzichten hingegen aus Datenschutzgründen oder wegen der Kosten darauf. Insgesamt würden sieben von elf Aufsichtsgremien die Möglichkeit eines Livestreams nutzen, wobei die Entscheidung dafür oder dagegen von den jeweiligen Gremien und gesetzlichen Vorgaben abhänge.

6. Newsletter Netzwerk Recherche
(netzwerkrecherche.org, Stefanie Dodt)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. In der aktuellen Ausgabe plädiert Stefanie Dodt dafür, dass Medienschaffende, insbesondere im investigativen Bereich, stärker zusammenarbeiten sollten, um durch Kooperationen statt Konkurrenz bessere und wirkungsvollere Ergebnisse zu erzielen. Außerdem gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

KW 35/24: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Jung, viral, rechtsradikal?
(ardmediathek.de, Nadja Baschek & Michael Trammer, Video: 29:56 Minuten)
Das “Y-Kollektiv”-Reportage-Team um Nadja Baschek und Michael Trammer hat in monatelanger Recherche aufgedeckt, wie rechtsextreme Influencerinnen Soziale Medien nutzen, um rechtsextreme Ideologien zu verbreiten und junge Menschen zu beeinflussen. Baschek und Trammer fanden heraus, dass diese Influencerinnen oft harmlose Inhalte posten, um Vertrauen zu gewinnen, letztlich aber Falschinformationen und subtile Propaganda verbreiten: “Wie setzen diese Influencerinnen ihre Wirkung als Frauen gezielt ein? Wie verdienen sie Geld? Und gibt es einen Zusammenhang zur geplanten Influencer-Agentur, die bei dem rechten ‘Geheimplan’-Treffen in Potsdam vorgestellt wurde?”

2. Krieg der Bilder – der Nahostkonflikt auf Social Media
(youtube.com, Christoph Koopmann, Video: 1:34:20 Stunden)
In seinem Vortrag spricht Christoph Koopmann, Redakteur bei der “Süddeutschen Zeitung”, über die Rolle Sozialer Medien im aktuellen Nahostkonflikt. Es geht insbesondere um die Frage, wie Social Media für Propaganda, Desinformation und emotionale Mobilisierung genutzt wird. Koopmann erläutert, wie verschiedene Akteure, darunter die Hamas und pro-palästinensische Influencer, aber auch die israelische Seite, Plattformen nutzen, um ihre Narrative zu verbreiten und die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Er beleuchtet dabei auch die Herausforderungen und Risiken dieser neuen Form der Kriegsführung.

3. Was bewirkt die Festnahme des Telegram-Chefs?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 32:14 Minuten)
Holger Klein hat mit Anna Biselli, Co-Chefredakteurin von netzpolitik.org, über die Festnahme des Telegram-Chefs Pawel Durow, der inzwischen gegen Auflagen und eine Millionenkaution wieder auf freiem Fuß ist, gesprochen: Welche Kollateralschäden sieht Biselli nach der Verhaftung Durows für andere verschlüsselte Dienste? Und welche Möglichkeiten gibt es, gegen den Messenger und die dort geteilten Inhalte vorzugehen?

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4. YouTube hat ein Problem
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 19:05 Minuten)
Mats Schönauer berichtet über die Verbreitung von Desinformation, Verschwörungsmythen und Hassinhalten durch einige Youtuber, die damit eine große Reichweite auf der Plattform und hohe Einnahmen erzielen würden. Er kritisiert, dass Youtube trotz dieser problematischen Inhalte und selbst nach Hinweisen oft nichts unternehme, während kritische Videos wie sein eigenes entmonetarisiert würden.

5. Journalismus als Beruf – Junge Menschen dafür begeistern
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 21:42 und 16:71 Minuten)
Im Podcast “Satzzeichen” spricht Christian Jakubetz mit Magdi Aboul-Kheir, dem Chefreporter und Ausbildungsredakteur der “Südwest Presse”, über die Herausforderungen und Veränderungen bei der Gewinnung und Ausbildung des journalistischen Nachwuchses. Im oben verlinken, ersten Teil des Gesprächs geht es um die veränderten Bewerbungsprozesse und Strategien, um junge Talente für ein Volontariat zu begeistern. Im zweiten Teil diskutieren Aboul-Kheir und Jakubetz über die aktuellen Erwartungen junger Menschen an den Journalismus, den Einfluss persönlicher Weltanschauungen sowie die Frage der fairen Bezahlung in der Ausbildung.

6. THIS is the BIGGEST musical fraud I’ve EVER seen.
(youtube.com, Fil Henley, Video: 31:34 Minuten, englisch)
In diesem englischsprachigen Video (deutsche Untertitel zuschaltbar) geht es um einen Betrugstrend auf Youtube, bei dem sich Nutzerinnen und Nutzer per Greenscreen in bekannte Fernsehshows wie “America’s Got Talent” einblenden und so den Eindruck erwecken, dort auf der Bühne zu stehen und Songs zu singen. Dabei würden nicht nur die Videos manipuliert, sondern auch Einnahmen aus Werbung und Urheberrechtsvergütungen abgezweigt. Der britische Musiker Fil Henley deckt einige dieser Fälle auf und erklärt, wie diese betrügerischen Praktiken funktionieren und welche rechtlichen Konsequenzen sie haben könnten.

Medienlandschaft in Thüringen, Kleinstparteien, Mehr über Meere

1. Medienlandschaften in Thüringen
(verdi.de, Günter Herkel)
Günter Herkel berichtet über die Herausforderungen der Medienlandschaft in Thüringen, insbesondere über den schwierigen Übergang von Print zu Digital bei den Funke-Medien und den damit verbundenen Abonnentenschwund. Er beleuchtet auch die Bedrohung von Medienschaffenden durch die “rechte Szene”, die eingeschränkte Pressevielfalt und die Unsicherheit im Rundfunkbereich, insbesondere beim öffentlich-rechtlichen MDR, durch mögliche politische Veränderungen.

2. Berichten Medien zu wenig über Kleinstparteien?
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 41:18 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob in Medien zu wenig über Kleinstparteien wie Volt und ödp berichtet wird. Es diskutieren DLF-Hörer Florian Lipp, DLF-Bayern-Korrespondent Michael Watzke und Stefan Fries aus der DLF-Medienredaktion “mediasres”.

3. Militär erschießt zwei Journalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) berichtet, dass in Myanmar zwei Journalisten, Htet Myat Thu und Win Htut Oo, von Soldaten der Militärjunta erschossen wurden. Die Zahl der seit dem Militärputsch im Februar 2021 getöteten Journalisten sei damit auf sieben gestiegen. ROG verurteilt diese Morde und fordert die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf das Regime auszuüben und die Freilassung der über 60 inhaftierten Journalistinnen und Journalisten zu erreichen.

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4. Europas Zeitungen berichten zu wenig über Meere
(de.ejo-online.eu, Yvonne Blaschke)
Beim “European Journalism Observatory” beschäftigt sich Yvonne Blaschke mit der unzureichenden Berichterstattung über maritime Themen in europäischen Zeitungen, die oft vom persönlichen Interesse der Berichtenden abhänge. Die Forschung zeige, dass es in Europa große Unterschiede in der Intensität und Qualität der Berichterstattung über Meere und alles, was damit zusammenhängt, gebe.

5. Anwalt von Telegram-Chef Durow nennt Vorwürfe »völlig absurd«
(spiegel.de)
Gegen Telegram-Gründer Pawel Durow werde in Frankreich wegen Geldwäsche, Drogenhandel und Verbreitung von Missbrauchsmaterial ermittelt. Nun habe sich sein Anwalt zu Wort gemeldet und die Vorwürfe abgestritten. Außerdem wird er mit folgendem, nun ja, kühnen Satz zitiert: “Telegram moderiert nach den gleichen Standards wie andere soziale Netzwerke”.

6. Vom Versagen der konservativen Comedians
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
In seinen “Noten zur Comedy” (auch als Newsletter zu beziehen) nimmt Bernhard Hiergeist unregelmäßig ein aktuelles Thema aus dem Bereich Comedy unter die Lupe. In der aktuellen Ausgabe geht es um konservative Comedy. Hiergeists These: “Es gibt kaum konservative Stimmen in der Satire, weil es keine geeigneten Ziele für konservative Satire gibt. Was will Satire aus konservativer Warte aufspießen, wo die Wirklichkeit halt seit mehr als 30 Jahren eine deutliche Sprache spricht?”

“Hände weg vom BKA-Gesetz”, Telegram, DW-Journalist verurteilt

1. Hände weg vom BKA-Gesetz
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) spricht sich gegen eine Ausweitung der Befugnisse des Bundeskriminalamts aus, wie sie nach dem Attentat in Solingen verstärkt diskutiert wird. Der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster warnt mit Blick auf die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten: “Die furchtbare Tragödie von Solingen lässt uns alle fassungslos zurück. Das darf aber nicht zu unüberlegten gesetzgeberischen Schnellschüssen führen. Für das vermeintliche Mehr an Sicherheit, das noch gar nicht erwiesen ist, werden Informantenschutz, Redaktionsgeheimnis und Pressefreiheit massiv eingeschränkt.”

2. Wie Telegram im Hintergrund mit wem dealt, bleibt bisher im Dunklen
(correctiv.org, Markus Beckedahl)
Vergangenen Samstag wurde Pawel Durow, Gründer und Chef der Messenger-App Telegram, am Flughafen Le Bourget bei Paris von französischen Sicherheitskräften festgenommen. Der Vorwurf: mangelnde Kooperation mit den Sicherheitsbehörden. Markus Beckedahl kommentiert: “Ich halte Pawel Durow für vergleichbar vertrauenswürdig wie Elon Musk. Beide vereint, dass es sich hier um sehr reiche Personen handelt, die alleine eine globale und relevante Kommunikationsinfrastruktur kontrollieren, die nach ihren Werten funktioniert. Dabei wird intransparent agiert und im Zweifelsfall dürften eigene Geschäftsinteressen oder persönliche politische Einstellungen Entscheidungen über die Verwaltung der Plattform massiv beeinflussen.”
Weiterer Lesetipp: Beim ZDF gibt es eine Art FAQ zum Fall: Telegram-Chef: Was zum Fall Durow bekannt ist (zdf.de, Katja Belousova).

3. Urteil gegen “Deut­sche Welle”-Jour­na­listen bestä­tigt
(lto.de)
Ein Istanbuler Gericht hat die Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung gegen den türkischen Journalisten Bülent Mumay bestätigt und eine Berufung abgelehnt. Nun könnten schon kleinere Vergehen dafür sorgen, dass er ins Gefängnis kommt. Mumay, der unter anderem für die Deutsche Welle und die “FAZ” arbeitet, war für seine Kritik an einem regierungsnahen Bauunternehmen und das angebliche illegale Veröffentlichen persönlicher Daten verurteilt worden. Ein Vorwurf, den die Deutsche Welle als haltlos bezeichnet. Der Sender plane, gegen das Urteil vor das höchste türkische Gericht zu ziehen.

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4. Tamedia baut Stellen ab und schliesst Druckereien
(persoenlich.com)
Die Schweizer Mediengruppe Tamedia schließe ihre Druckereien in Bussigny und Zürich und baue so 200 Stellen ab, zusätzlich 90 in den Redaktionen. Das Unternehmen konzentriere sich künftig auf digitale Angebote für vier Hauptmarken und organisiere die Werbevermarktung intern. Die Maßnahmen erfolgen im Rahmen eines Konsultationsverfahrens mit Sozialplänen und der Möglichkeit von Frühpensionierungen.

5. So finanzierst du deine Recherche!
(druckausgleich.podigee.io, Annkathrin Weis & Luca Schmitt-Walz, Audio: 47:25 Minuten)
Annkathrin Weis und Luca Schmitt-Walz sprechen in ihrem Podcast “Druckausgleich” mit dem Journalisten Jonas Seufert über das liebe Thema Geld: “Wie schafft er es immer wieder, an großen Projekten zu arbeiten – und trotzdem noch ein Gehalt rauszubekommen? Und wie viel Journalismus bleibt in der Arbeit noch übrig, wenn man den ganzen Tag mit Anträgen und Finanzierung beschäftigt ist?”

6. Reform der Filmförderung könnte ins Stocken geraten
(dwdl.de, Alexander Krei)
“DWDL”-Redakteur Alexander Krei berichtet unter Berufung auf die “FAZ”, dass die geplante Reform der Filmförderung möglicherweise verschoben werden müsse. Die Länder würden befürchten, dass die Mehrkosten durch die Umstellung auf ein Steueranreizmodell auf sie abgewälzt würden. Es gebe deutliche Differenzen zwischen Bund und Ländern, die noch umfangreiche Diskussionen und Abstimmungen erfordern.

FDP klagt gegen RBB, Telegram-Chef verhaftet, Rechtsruck in Ravensburg

1. FDP klagt gegen RBB wegen Ausschluss von der TV-Wahldebatte
(faz.net)
Die FDP wolle ihre Teilnahme an der TV-Wahldebatte in Brandenburg gerichtlich erzwingen und habe einen Eilantrag gegen den RBB eingereicht. Der Sender hatte die Partei wegen niedriger Umfragewerte von der Debatte ausgeschlossen, was Spitzenkandidat Zyon Braun als “Wahlkampfverzerrung” kritisiere. Die FDP sehe in ihrem Ausschluss einen Versuch, Wahlergebnisse vorwegzunehmen, und verweise auf das Parteienrecht, das nicht von aktuellen Umfragen abhängig sei.

2. Telegram-Chef Pavel Durow in Frankreich verhaftet
(spiegel.de)
Pavel Durow, Gründer und Chef der Messenger-App Telegram, sei am Flughafen Le Bourget bei Paris von französischen Sicherheitskräften festgenommen worden. Der Vorwurf offenbar: fehlende Moderation von Inhalten und mangelnde Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden. Weder Telegram noch die französischen Behörden hätten sich bisher dazu geäußert. Update: Frankreichs Behörden verlängern Gewahrsam für Telegram-Chef Pavel Durow (spiegel.de).

3. Rechtsruck in Ravensburg
(taz.de, Nicholas Potter)
Nicholas Potter beschreibt in der “taz”, wie die “Schwäbische Zeitung” in den vergangenen Monaten immer weiter nach rechts gerückt sei, was sich durch populistische Positionen und Interviews mit fragwürdigen Figuren bemerkbar mache. Ehemalige und aktuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden diese Entwicklung und den damit verbundenen Verlust an journalistischer Qualität und Unabhängigkeit kritisieren. Die Chefredaktion bestreite einen politischen Kurswechsel und verweise auf wirtschaftliche und strategische Entscheidungen zur Reichweitensteigerung.

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4. “Spiegel” startet öffentliche Blattkritik durch Bernhard Pörksen
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie “DWDL” berichtet, führe der “Spiegel” eine öffentliche Blattkritik ein, bei der der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen einmal im Quartal die Arbeit des Magazins kritisch bewerte. Pörksen habe dabei freien Zugang zu Themen und Archiven, seine Analysen würden ohne Eingriffe durch die Redaktion sowohl gedruckt als auch online veröffentlicht. Siehe dazu auch die Pressemitteilung des “Spiegel”: DER SPIEGEL führt eine öffentliche Blattkritik ein (spiegel.de).

5. Posten nur nach Ausweiskontrolle
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
In den USA würden immer mehr Bundesstaaten Gesetze einführen, die Alterskontrollen für Soziale Medien vorschreiben, um Kinder zu schützen. Diese Gesetze, die oft eine Zustimmung der Erziehungsberechtigten und schärfere Regeln für Minderjährige vorsehen, seien jedoch rechtlich umstritten. Es werde erwartet, dass der Oberste Gerichtshof in den kommenden Jahren eine Grundsatzentscheidung zu diesen Maßnahmen trifft.

6. Berichten über die Klimakrise
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 37:08 Minuten)
Der Kommunikationswissenschaftler Michael Brüggemann, der Chefredakteur von Klimafakten.de Carel Mohn und Moderatorin Brigitte Baetz aus der Redaktion “Mediasres” des Deutschlandfunks (DLF) diskutieren im Rahmen des DLF-Klimatages über die Rolle von Medien bei der Berichterstattung über die Klimakrise. Sie erörtern, ob die langsamen Fortschritte bei den Gegenmaßnahmen zur Klimakrise auch auf die Art und Weise zurückzuführen sind, wie Medien über das Thema berichten.

KW 34/24: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Warum lieben Russlands Medien Sahra Wagenknecht?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 15:24 Minuten)
Bei “Holger ruft an” spricht Holger Klein mit der Journalistin Yelizaveta Landenberger über die Frage, warum Sahra Wagenknecht so häufig in russischen Staatsmedien zitiert wird. Landenberger erklärt, dass Wagenknechts kritische Haltung gegenüber der NATO und dem Westen gut zur russischen Propaganda passe, die gern dieses Narrativ unterstütze. Darüber hinaus besprechen Klein und Landenberger, inwiefern auch deutsche Medien zu Wagenknechts Popularität in Russland beitragen und ob es noch andere deutsche Politiker oder Politikerinnen gibt, die in russischen Medien positiv dargestellt werden.

2. Was war, was ist, was wird sein? Nachrichtenjournalismus im Wandel
(ardaudiothek.de, Thomas Bimesdörfer & Michael Meyer, Audio: 16:58 Minuten)
Thomas Bimesdörfer und Michael Meyer haben sich mit dem langjährigen Chefredakteur und Hauptmoderator von “RTL Aktuell”, Peter Kloeppel, über dessen lange Karriere und die Entwicklungen im aktuellen Journalismus unterhalten. Anlass ist Kloeppels Schritt in den Ruhestand nach über 40 Berufsjahren.

3. Deepfakes und KI-generierte Desinformation: Wie Faktenchecker Lügen entlarven
(br.de, BR24 Medien, Jonathan Schulenburg, Audio: 27:50 Minuten)
In der aktuellen Folge von “BR24 Medien” geht es um KI-generierte Desinformation und Deepfakes und die Frage, wie man ihnen auf die Schliche kommen kann. Als Experten dabei sind Max Gilbert vom “BR24 Faktenfuchs”, dem Faktencheck-Team des Bayerischen Rundfunks, Josef Holnburger vom gemeinnützigen Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) und Aljoscha Burchardt vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz.

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4. Hass im Netz: Wenn Engagierte zur Zielscheibe werden
(mdr.de, Esther Stephan, Audio: 40:21 Minuten)
“Wie beeinflussen Online-Bedrohungen die Leben der Betroffenen und welche realen Konsequenzen hat die Hetze? Warum schicken Täter Hassbotschaften, und welche Verantwortung tragen soziale Plattformen?” Unter anderem über diese Fragen hat sich Knud Vetten mit Tätern und Opfern von Hass im Internet unterhalten. Entstanden ist daraus die Reportage “Engagierte Menschen als Zielscheibe” (Video: 30:37 Minuten). Über die Recherche dazu spricht nun Esther Stephan mit Knud Vetten im MDR-Podcast “Hinter der Recherche”.

5. Wirbel um “Übergangskoalition” und starke Gaming-Community
(wdr.de, Esther Stephan, Audio: 44:42 Minuten)
Im WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” werden, wie gewohnt, mehrere Themen behandelt: Zunächst geht es um die politische Debatte rund um die “Übergangskoalition” und den Umgang der Medien damit. Anschließend wird ein Blick auf die Gamescom in Köln als Treffpunkt der Gaming-Community und die Förderung von Nachwuchs-Creatoren geworfen. Weitere Themen sind eine FPÖ-Kampagne gegen den öffentlich-rechtlichen ORF in Österreich, die Geschichte der TV-Serie “Die Fußbroichs” und eine “Medienschelte” über unnötige Themen in seriösen Medien.

6. “Wie schützen wir unsere Kinder in den sozialen Medien?”
(youtube.com, Ulf Schweckendiek, Audio: 1:29:12 Stunden)
Eine Veranstaltung der “Digitalen Woche Kiel” beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Social Media auf die Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisation von Kindern und Jugendlichen. Nach einem Impulsvortrag der Schulleiterin und Digitalbotschafterin Silke Müller sprechen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion darüber, wie Plattformen wie TikTok sowohl unterhaltsame als auch potenziell schädliche Inhalte verbreiten und welche Folgen dies für die Psyche und die sozialen Beziehungen junger Menschen hat.

“Bild” lässt Ministerium falsche acht Millionen Euro für eitle PR ausgeben

Am vergangenen Samstag gab es in der “Bild”-Zeitung mal wieder richtig Futter für all jene, die nur mit Verachtung auf Politik und die abgehobenen, eitlen Politiker schauen wollen. Auf Seite 1:

Ausriss Bild-Titelseite - Minister Heil - Acht Millionen Euro für Werbe-Filmchen - Bürgergeld-Ministerium sucht PR-Profis im Wahlkampf - von unserem Steuergeld

Und im Blatt:

Ausriss Bild-Zeitung - Acht Millionen Euro für Eitelkeit des Bürgergeld-Ministers! SPD-Politiker Hubertus Heil will mit teuren PR-Profis sein Image aufpolieren

“Bild”-Autor Dirk Hoeren schreibt in seinem Artikel über eine Ausschreibung des von Hubertus Heil geführten Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS):

Sein Name steht für die Einführung des umstrittenen Bürgergeldes: Sozialminister Hubertus Heil (51, SPD) hatte imagemäßig schon bessere Zeiten.

Doch offenbar will der Genosse jetzt gegensteuern. Bis zu acht Mio. Euro (zwei Mio./Jahr) legt Heil bereit, damit Social-Media-Experten im Internet für ihn PR machen.

Sein Ministerium hat einen “Rahmenvertrag Social Media” ausgeschrieben (liegt BILD vor). Gesucht wird demnach eine Agentur, die Beiträge, Videos und kurze Posts für das Ministerium auf Facebook, X (früher Twitter) und Instagram postet. Und zwar – zufällig – pünktlich vor der Bundestagswahl ab März 2025. Laufzeit: 36 Monate mit zwei Verlängerungsoptionen um jeweils sechs Monate.

Während es in den “Bild”-Überschriften so wirkt, als ginge es um eine fixe Summe von acht Millionen Euro, gibt Dirk Hoeren seinen Leserinnen und Lesern nur in der kurzen Passage “Bis zu acht Mio. Euro” eine minimale Chance, sich nicht gänzlich von ihm in die Irre führen zu lassen. Denn bei den acht Millionen Euro, die im vom BMAS ausgeschriebenen “Rahmenvertrag Social Media” (liegt auch uns vom BILDblog vor, so wie jeder anderen Person, die über einen Internetzugang verfügt) genannt werden, handelt es sich nicht etwa um eine feststehende Vergütung, sondern um ein maximales Auftragsvolumen. Das heißt: Diese Summe wird aller Voraussicht nach gar nicht ausgeschöpft. Die Vergütung für die Agentur, die den Zuschlag bekommt, erfolge auf Grundlage von Stundensätzen, wie uns das Ministerium auf Anfrage schreibt:

Im Rahmen des Vergabeverfahrens gemäß der Vergabeverordnung (VgV) geben die Bieter ein Angebot für Stundensätze ab, unterschieden nach den zu erbringenden Leistungen wie z.B. Gestaltung, Redaktion, Projektleitung, Geschäftsführung. Für den späteren Abruf von Leistungen aus diesem Vertrag sind die jeweils angebotenen Stundensätze während der gesamten Vertragslaufzeit verbindlich.

Schaut man in den aktuell laufenden Social-Media-Rahmenvertrag des BMAS, sieht man, dass so das maximale Auftragsvolumen nicht erreicht wird. Die entstehenden Kosten setzen sich aus verschiedenen Posten zusammen, schreibt uns das BMAS, neben den Agenturhonoraren beispielsweise “in beträchtlichem Umfang auch Fremdkosten wie Media- und Schaltleistungen”, also etwa für Werbeanzeigen:

So fielen während des laufenden Rahmenvertrags etwa 600.000 Euro jährlich für Agenturleistungen (Honorar) an, zuzüglich etwa 150.000 bis 200.000 Euro für Medialeistungen (Schaltkosten). Zusätzlich fielen Abrufe der Fachabteilungen des BMAS aus demselben Rahmenvertrag an.

Das ist zweifelsohne eine Menge Geld. Hochgerechnet auf vier Jahre aber deutlich weniger als acht Millionen Euro. Und damit weit entfernt von der Summe, die “Bild” und Dirk Hoeren ihrer Leserschaft als einzige präsentieren.

Auch bei den Inhalten des Auftrags wird die “Bild”-Leserschaft nicht vollumfänglich informiert. Ein Blick in die Ausschreibungsunterlagen des BMAS zeigt, dass es bei den gewünschten Leistungen, die die Agentur erbringen muss, um deutlich mehr geht als nur um “Beiträge, Videos und kurze Posts”. Unter dem Kapitel “Bedarfsbeschreibung” in der “Leistungsbeschreibung” findet man diese Auflistung:

Die Dienstleistung umfasst im Wesentlichen das folgende Leistungsspektrum:

• Projektmanagement
• Strategische Weiterentwicklung
• Redaktionelle Tätigkeiten
• Social Media Advertising
• Community Management
• Barrierefreiheit
• Monitoring & Reporting

Auch zu den gewünschten Inhalten der Social-Media-Beiträge äußert sich das Ministerium in der “Leistungsbeschreibung”:

Zu den wichtigsten Inhalten zählen:

• Minister-Videos, etwa von Terminbegleitungen und Betriebsbesuchen, Ministerstatements, Bundestagsreden
• Service-Posts und Erklärcontent mit Infografiken oder Animationen zu aktuellen Kabinettsbeschlüssen, Gesetzgebungsverfahren oder zu den Themen des Hauses, z. B. Urlaubsanspruch, Pausenzeiten, Bürgertelefon
• Instagram Stories und Live-Tweets von Veranstaltungen
• Livestreams inkl. Ankündigungen
• Zitatkacheln mit Zitaten zu aktuellen Diskussionen und Themen

Bei “Bild” wird das einfach unter “Werbe-Filmchen” für Hubertus Heil und Förderprogramm für die “Eitelkeit des Bürgergeld-Ministers” subsumiert.

Zusätzlich zu all diesen inhaltlichen Verzerrungen gibt sich die “Bild”-Redaktion noch große Mühe, einen zeitlichen Zusammenhang mit der Bundestagswahl im September 2025 herzustellen: Das Ministerium suche “PR-Profis im Wahlkampf”, steht auf der Titelseite. In einem zusätzlichen Kommentar schreibt “Bild”-Redakteur Florian Kain:

Aber ausgerechnet im Jahr der Bundestagswahl 2025 wäre Zurückhaltung hier wirklich das Gebot der Stunde.

Und Dirk Hoeren schreibt bezüglich des Starts des ausgeschriebenen Auftrags:

Und zwar – zufällig – pünktlich vor der Bundestagswahl ab März 2025.

Vor dem Hintergrund dieser hämetriefenden und tendenziösen “Bild”-Geschichte dürfte man sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, wenn man sagt, dieses “zufällig” lässt sich als ironischer Einschub lesen. Aber tatsächlich ist das Wort, unironisch gelesen, in diesem Zusammenhang völlig richtig: Der aktuell laufende Social-Media-Rahmenvertrag endet, das Ministerium braucht ab dem 1. März 2025 einen neuen – und das ist eben zufällig im selben Jahr wie die Bundestagswahl.

Der neue Rahmenvertrag wird mindestens drei und maximal vier Jahre laufen, also definitiv in der kommenden Legislaturperiode. Ob Hubertus Heil dann noch Arbeits- und Sozialminister ist und ob er und seine Arbeit dann in den Social-Media-Posts überhaupt eine Rolle spielen, ist zum jetzigen Zeitpunkt alles andere als klar. Auch dieser Aspekt findet bei “Bild” keine Beachtung.

Dass und wie Dirk Hoeren hier an allen möglichen Verzerrern dreht, ist übrigens nichts Neues: Nach einem ganz ähnlichen Muster haben er und “Bild” vergangenes Jahr schon über Bundesumweltministerin Steffi Lemke, nun ja, berichtet.

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“Kein Gas, kein Strom” im “Entwicklungsland”

Wirft man regelmäßig einen Blick in die “Bild”-Medien, begegnen einem dort immer wieder Aussagen und Behauptungen, die irgendwo zwischen ziemlich schräg und völligem Unsinn liegen. Heute war mal wieder völliger Unsinn dran – in einer “Bild”-Umfrage, angeteasert auf der Titelseite …

Ausriss Bild-Titelseite - Mehrheit der Deutschen einig - Kein Bock mehr auf die Ampel

… und groß präsentiert im Blatt:

Ausriss Bild-Zeitung - Rot-Gelb-Grün soll abdanken - Bild fragte in Deutschland, wie die Menschen über eine schnelles Ende der Ampel-Koalition denken

Die Aussagen von 43 Personen haben “Bild” und Bild.de zusammengetragen. Neben völlig berechtigter Kritik an der Ampel-Koalition und nachvollziehbarem Ärger über die aktuelle Situation in Deutschland ist auch diese Behauptung dabei:

Ausriss Bild-Zeitung - Steffen Blasius, 43 Jahre alt, Handwerker: In kürzester Zeit haben die uns zum Entwicklungsland gemacht. Kein Gas, kein Strom und wir Bürger haben kein Geld mehr in der Tasche. Wenn ich so arbeiten würde wie die Ampel-Regierung, dann würde ich verhungern. Die sollen zurücktreten

Gut, das mit dem “Entwicklungsland” mag noch in die Kategorie Ansichtssache fallen. Aber: “Kein Gas” und “kein Strom” in Deutschland? Wir haben gerade noch mal sicherheitshalber auf den Lichtschalter gedrückt. Das Licht ging an. Und auch das Zubereiten des gestrigen Abendessens am Gasherd hat einwandfrei funktioniert.

Jetzt mag man einwenden, dass es sich dabei ja um eine Aussage einer befragten Person handelt – und nicht um eine “Bild”-Aussage. Aber jede Redaktion kann immer noch selbst entscheiden, ob und welchen Stuss sie unkommentiert veröffentlicht.

Sowieso ist es ganz interessant, dass Steffen Blasius Teil dieser Umfrage ist. Die “Bild”-Redaktion lässt es in ihrem kurzen Einleitungsartikel so wirken, als handele es sich bei den Befragten um zufällig auf der Straße angetroffene Bürgerinnen und Bürger:

BILD hat sich auf Deutschlands Straßen umgehört: Sollte die Ampel-Koalition aufhören?

Bei Blasius ist es allerdings so, dass er schon einmal in der “Bild”-Berichterstattung aufgetaucht ist, vergangenen Monat, ebenfalls bei einer Umfrage. Das Thema damals: der von der Ampel-Koalition angedachte (und inzwischen wohl wieder verworfene) Steuerrabatt für ausländische Fachkräfte:

Steffen Blasius (43), selbstständiger Handwerker im Innenausbau: “Das ist ein Schlag in die Fresse! Ich bin absolut dagegen, Fachkräfte mit Steuervorteilen zu locken. Wo bleiben die Steuererleichterungen für uns und unsere Unternehmen? Ich bin stinksauer!”

Auch im Februar dieses Jahres tauchte Blasius in den “Bild”-Medien auf, diesmal nicht so “stinksauer”, bei einer Umfrage zum Valentinstag. Und vor etwa zwei Jahren bei einer “Bild”-Umfrage zur möglichen Karstadt-Schließung in Saarbrücken.

Steffen Blasius ist nicht die einzige der 43 Personen in der heute erschienenen “Bild”-Umfrage, die schon einmal in den “Bild”-Medien anzutreffen war. Über manche von ihnen haben “Bild” und Bild.de in der Vergangenheit bereits berichtet, teilweise sogar mehrfach. Von manchen wurden schon Leserbriefe veröffentlicht, andere waren als Gast beim “Bild”-Leserstammtisch. Die “Bild”-Redaktion kannte einen Teil der Befragten und deren Ansichten also vorab.

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Fiktion über Ostdeutschland, KI auf dem Lehrplan, Ehrenbürgerwürde

1. Fiktion über Ostdeutschland
(verdi.de, Tilmann P. Gangloff)
Tilman P. Gangloff schreibt darüber, dass westdeutsche Autoren Geschichten über Ostdeutschland schreiben, was von vielen Ostdeutschen als verzerrte Darstellung ihrer Lebenswirklichkeit empfunden werde. Während einige der Meinung seien, dass nur Menschen aus der Region authentische Erzählungen liefern können, würden andere betonen, dass auch unterschiedliche Perspektiven wertvolle Einsichten beitragen. Es komme jedoch weniger darauf an, wer die Geschichten schreibt, so Gangloff: “Der Tonfall ist ausschlaggebend.”

2. Oberschwaben ist nicht Meck-Pomm
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
“Eine eingeflogene Truppe aus dem Osten krempelt die ‘Schwäbische Zeitung’ um. Das Traditionsblatt rutscht nach rechts, wer kann, der geht, und das Publikum fragt sich, was das soll.” Josef-Otto Freudenreich beschreibt, wie die “Schwäbische Zeitung” durch eine neue Führung eine rechtskonservative Ausrichtung bekomme, was zu internen Spannungen und einem Verlust der bisherigen Identität führe.

3. “Innovation entfesseln”: Vorstoß gegen Löschzwang bei Öffentlich-Rechtlichen​
(heise.de, Stefan Krempl)
Stefan Krempl berichtet über einen Vorschlag des Medienrechtlers Jan Christopher Kalbhenn, sämtliche Online-Beschränkungen für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten aufzuheben, um deren Innovationskraft zu fördern. Kalbhenn argumentiere, dass bestehende Restriktionen wie der Löschzwang und das Verbot der Presseähnlichkeit nicht mehr zeitgemäß seien.

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4. Wie viel KI steht auf dem Lehrplan?
(mediummagazin.de, Jeanne Wellnitz)
Das “medium magazin” hat untersucht, wie Universitäten und Journalistenschulen das Thema Künstliche Intelligenz (KI) in die journalistische Ausbildung integrieren. Man habe bei acht Ausbildungsstätten nachgefragt, wie diese auf die Möglichkeiten der neuen Technologie reagieren: “Welche KI-Formate stecken in den Lehrplänen? Welche Kompetenzen brauchen die Journalistinnen und Reporter der Zukunft?”

5. Käufer müssen E-Books von Weltbild jetzt schnell sichern
(spiegel.de)
Der Buchhändler Weltbild stellt seinen Geschäftsbetrieb zum 31. August 2024 ein, was Auswirkungen für Kundinnen und Kunden hat, die E-Books oder Hörbücher für ihren Tolino-Reader über Weltbild erworben haben. Diese müssten ihre gekauften digitalen Inhalte bis zu diesem Datum sichern, indem sie sie auf ihren PC herunterladen und dann über den Tolino-Webreader bei einem anderen Händler der Tolino-Allianz hochladen, um weiterhin Zugriff zu haben.

6. Ehrenbürgerwürde für Friede Springer
(berlin.de)
Der Berliner Senat hat beschlossen, die Unternehmerin Friede Springer dem Abgeordnetenhaus als neue Ehrenbürgerin Berlins vorzuschlagen, um ihre Verdienste um die Stadt und ihr vielfältiges gesellschaftliches Engagement zu würdigen. Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde solle noch in diesem Jahr stattfinden. Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: Ob Friede Springer tatsächlich “ein Vorbild für uns alle” ist, wie es der Regierende Bürgermeister Kai Wegner formuliert, darf angesichts der unrühmlichen Rolle des Springer-Verlags und insbesondere der “Bild”-Zeitung in der deutschen Medienlandschaft bezweifelt werden.

MDR muss ausstrahlen, Rechte Influencer, KI-Podcast-Experiment

1. “Wird schon die richtigen treffen”: MDR muss PARTEI-Wahlspot ausstrahlen
(beck.de)
Wie gestern in den “6 vor 9” berichtet, habe der MDR die Ausstrahlung eines Wahlwerbespots der Satirepartei Die Partei abgelehnt, da dieser das Erschießen von AfD-Wählern und -Wählerinnen suggeriere. Die Partei habe daraufhin angekündigt, rechtliche Schritte einzuleiten. Dies ist offensichtlich geschehen – mit positivem Ausgang für Die Partei: Wie das Rechtsportal “beck-aktuell” berichtet, habe das Verwaltungsgericht Leipzig den MDR nun zur Ausstrahlung des Wahlwerbespots verpflichtet.

2. Rechte Influencer auf YouTube: Welche Werbung ideologische Botschaften finanziert
(correctiv.org, Shammi Haque & Jean Peters & Michael Trammer & Nadja Bascheck)
Ein Netzwerk rechter Influencer verbreite auf Youtube extremistische Ideologien und werde dabei von verschiedenen Werbetreibenden finanziert, darunter auch Unternehmen mit Verbindungen zur AfD. Recherchen von “Correctiv” und dem “Y-Kollektiv” würden zeigen, dass diese Influencer mit teilweise fragwürdiger Werbung Einnahmen generieren. Die Verbreitung von Hassrede und extremistischer Propaganda verstoße zwar gegen die Community-Richtlinien von Youtube, doch die Video-Plattform sehe das in den konkreten Fällen anscheinend anders: “Auf Anfrage teilte YouTube zugleich mit, dass sie nach interner Prüfung der Kanäle keinen Verstoß gegen ihre Community-Richtlinien feststellen konnten.”

3. KI-Podcast: Kann AI Hosts und Redaktionen ersetzen?
(youtube.com, Tessniem Kadiri, Video: 56:05 Minuten)
Die an die re:publica angekoppelte Tincon versteht sich als “Festival für digitale Jugendkultur, Spitzenunterhaltung und Gedankenkombination”. Auf einer Veranstaltung in Berlin gab es ein interessantes, wenn auch etwas chaotisches Live-Experiment: “Mit der Hilfe des Publikums werden live auf der Bühne Podcasthosts und Gäste digital geklont und mit Stimme und Persönlichkeit zum Leben erweckt. Stück für Stück sollen die KI-Bots immer selbstständiger werden – und am Ende den ganzen Podcast komplett selbstständig wuppen, sodass er für alle Zeiten automatisch weiterlaufen kann.”

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4. Buchrezension: Neue Perspektiven auf Cross-Border-Journalism
(de.ejo-online.eu, Susanne Fengler)
Susanne Fengler stellt den 500 Seiten umfassenden Sammelband “The Palgrave Handbook of Cross-Border Journalism” vor, der umfassende Einblicke in das Phänomen des grenzüberschreitenden Journalismus biete und theoretische, historische und technologische Aspekte beleuchte. Mit Beiträgen von über fünfzig internationalen Expertinnen und Experten würden die Bedeutung und die Herausforderungen des cross-border journalism in einer globalisierten Welt detailliert dargestellt. Eine besondere Stärke des Buches sei die Vielfalt der Perspektiven, schreibt Fengler, allerdings fehle eine abschließende Zusammenfassung der Themen.

5. “El Hotzo” sagt “Tschüss”: Podcast “Hotz & Houmsi” wird eingestellt
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Der Satiriker Sebastian Hotz, bekannt als “El Hotzo”, habe angekündigt, den gemeinsam mit Salwa Houmsi präsentierten Podcast “Hotz & Houmsi” nach zwei Jahren zu beenden, da ihm die vergangenen Jahre “ganz schön viel” gewesen seien. Die letzte Folge trägt den Titel “Tschüss” und ende, ohne auf die jüngste Kontroverse um Hotz’ Trump-Tweets einzugehen, die auch politische Reaktionen hervorgerufen hatten.

6. So erobern schneller gespielte Versionen von Popklassikern die Charts neu
(spiegel.de)
Der TikTok-Trend, Songs in beschleunigten “sped-up”-Versionen zu verwenden, führe oft dazu, dass diese Versionen viral gehen und Künstlerinnen und Künstlern helfen, die Charts zu erobern, wie im Fall des Songs “Escapism” der Sängerin Raye. Dieser Trend sei eine Weiterentwicklung des “Nightcore”-Phänomens der frühen 2000er-Jahre und habe dazu geführt, dass viele Musikerinnen und Musiker ihre alten Songs remixen, um auf TikTok erfolgreich zu sein. Die Verbreitung der “sped-up”-Versionen führe jedoch auch dazu, dass die Originalsongs oft in den Hintergrund treten und stark verfremdet werden, was nicht bei allen Beteiligten gut ankomme.

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