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Wiederenthüllung

Das DeutschlandRadio Berlin zum Beispiel brachte am 2. August 2004 einen Beitrag über den beliebten DDR-Showmaster O.F. Weidling. Und erzählte natürlich auch die bekannte Geschichte seiner letzten Moderation: am 27. April 1984, zur Eröffnung des Friedrichstadtpalastes, live im Fernsehen. Weidling spielte darin auf den Milliardenkredit für die DDR an, den der bayerische Ministerpräsident bei einem DDR-Besuch eingefädelt hatte:

“Wir haben die [Dresdner] Kathedrale schon fertig gestellt, dass sie Franz-Josef Strauß schon sehen konnte. Gegen ein geringes Entgelt. Der Genosse Mittag hat nicht gelacht. Doch, jetzt schmunzelt er. Ein Stein vom Herzen.”

DeutschlandRadio weiter:

Wenige Tage danach wurde die Sendung im DDR-Fernsehen wiederholt — ohne O.F Weidling. Das war die DDR — offiziell hatte die Moderation Weidlings keine Folgen. Honecker selbst hatte im Friedrichstadtpalast gelacht — und dem Conferencier auch einen anerkennenden Brief geschrieben. Weil aber bei der Fernsehwiederholung seine Auftritte herausgeschnitten wurden, bekamen viele Partei- und Kulturfunktionäre im Lande Angst, Weidling noch einmal zu beschäftigen. Der Star unter den DDR-Conferenciers war in Ungnade gefallen. Auch ohne Politbürobeschluss.

So war das damals.

Und natürlich kann man das ruhig alles noch einmal aufschreiben, wenn gerade der Sohn Weidlings ein Buch über seinen Vater veröffentlicht. So wie “Bild” das gestern getan hat:

Dann spielte Weidling auf den Milliarden-Kredit an, den die DDR von der BRD [sic] durch die Vermittlung von Strauß bekam. “Unseren Dredner Zwinger haben wir aufgebaut, wir haben damit schon 1945 begonnen. Eine große kulturpolitische Tat, wir haben die Kathedrale rechtzeitig fertiggestellt, daß sie Franz Josef Straß schon sehen konnte, gegen ein geringes Entgelt.”

Alle lachten. Außer Politbüromitglied Günter Mittag (war für Wirtschaftsfragen verantwortlich). Darauf Weidling spontan: “O, Genosse Mittag kann nicht lachen.” Pause. “O, er lächelt zumindest — ein Stein vom Herzen.”

(…) Drei Tage nach der Live-Sendung wurde die Show im DDR-Fernsehen wiederholt. O. F. Weidling kam darin nicht mehr vor. Und er verschwand komplett von der Bühne und aus dem Fernsehen.

Etc. pp.

Ja, zugegeben: Die “Bild”-Geschichte ist ein bisschen langweilig, wenn man sie schon aus dem DeutschlandRadio oder einer der vielen anderen Quellen kennt. Ihre Überschrift lautet übrigens:

Enthüllt! Das Rätsel um O.F. Weidlings letzten Auftritt

Danke an Daniel S.

6 vor 9

Die Sozialisierung des Schnüffelns (sueddeutsche.de)
Wir leben mit “Bild” wie mit der Bombe: Gerhard Henschel hat eine neue Polemik über das Boulevardblatt verfasst. Es ist die Abrechnung mit der Dreistigkeit dieser papiernen Ringelpietzbrutalität.

Harter Kampf um Londons Leser (fr-aktuell.de)
Mogul Rupert Murdoch bringt das Gratisblatt “thelondonpaper” auf den Markt und bekommt prompt Konkurrenz.

Wütende Blogger auf Schnitzeljagd (welt.de)
Rund 100 Auserwählte erhalten einen rätselhaften Brief und einen Autoschlüssel. Wo der Schlüssel passt, wissen sie nicht. Auf der Spurensuche im Internet entdecken sie, wer dahinter stecken könnte. Und werden zunehmend verärgert.

Nach dem Manipulationsverdacht (taz.de)
Ist der Mensch in der Gesellschaft, in der er lebt, unglücklich? Das ist seit Jean-Jacques Rousseau die alte Frage der Kulturkritik. Sie kann immer noch fruchtbar sein – wenn man sie an den aktuellen Stand der Wissenschaften anpasst.

Die Journalisten der Stunde Null (dw-world.de)
Sie waren vor Ort, als die Türme des World Trade Centers einstürzten. Sie haben pausenlos über die Katastrophe berichtet. Und ziehen fünf Jahre nach 9/11 ein persönliches Fazit – drei Journalisten der Stunde Null.

“Es geht um viel mehr als um Hollywood” (tagesanzeiger.ch)
Lawrence Lessig kämpft für die Balance zwischen Kreativität und Kommerz. Er warnt vor einer “Nur-Lesen-Kultur”, wie sie die Industrie propagiert.

6 zu 9/11

Nur ein Rauschen (taz.de)
Als am 11. September 2001 die Twin Tower zusammenstürzten war es in Manhattan still wie in einer Winternacht. Eine Erinnerung.

Das ist der vierte Weltkrieg! (titanic-magazin.de)
Was am 11. September wirklich passierte.

Inside Job? (telepolis.de)
Fünf Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ist in den USA eine beträchtliche Graswurzelbewegung entstanden, die Kreise der eigenen Regierung direkt für die Katastrophe verantwortlich macht.

Geboren am 11. September (neon.de)
Als vor fünf Jahren in New York tausende Menschen ums Leben kamen, hatte ich gerade ein Kind zur Welt gebracht.

11. September 2001 (interactivepublishing.net)
Screenshot-Sammlung von über 250 Nachrichtenseiten aus aller Welt.

“Bush beutet die Angst der Amerikaner aus” (taz.de)
Der US-amerikanische Schriftsteller T. C. Boyle über die Reaktionen der USA auf 9/11, den Hass der Welt auf die Amerikaner und die Freiheit des Künstlers, das Thema 11. September nicht unbedingt wichtiger zu finden als andere.

Wo man war und wie man von den Ereignissen erfuhr, ist auch fünf Jahre später immer wieder Thema. Schilderungen des persönlichen 9/11 sind zu lesen bei mein911.twoday.net, netzeitung.de und bei jetzt.sueddeutsche.de.

Die Ereignisse des Tages in chronologischer Aufarbeitung sind ebenfalls mehrfach verfügbar: ausführlich (wikipedia.de), mit weiterführenden Links (lpb.bwue.de), kompakt zusammengefasst (netzeitung.de), im Newsroom (spiegel.de), mit Illustrationen (sueddeutsche.de), rekonstruiert (stern.de) und mit einer Auflistung der langfristigen Folgen (freitag.de).

6 vor 9

Der liebe Kai hat Recht (taz.de)
Auch wenn das Landgericht Hamburg es anders sieht: Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo steht weiter hinter der Entscheidung, den Namen von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann aus einem Zeit-Beitrag (wohl dieser hier) über das Selbstverständnis von Journalisten und die öffentliche Rolle von Chefredakteuren zu streichen.

Leistungsprämien für Jan Ullrich waren “Schnapsidee” (rp-online.de)
Die geheimen Interview- und Showverträge mit Radprofi Jan Ullrich waren eine “Schnapsidee” – das gestand ARD-Programmdirektor Günter Struve jetzt ein. Nach seinen Aussagen hat er den Vertrag mit Ullrich über die Sonderprämien nicht mal gelesen. An Rücktritt denke er aber nicht.

Demokratischer Zugriff oder digitale Aushöhlung des Copyrights? (nzz.ch)
Mit Internet-Piraterie will Google sein Projekt einer weltweit zugänglichen Online-Bibliothek nicht verwechselt sehen.

“Das Internet ist das ewige Gedächtnis” (welt.de)
Harold Burson hat die PR-Branche beeinflusst wie kein Zweiter. Vor über fünf Jahrzehnten gründete er die Agentur Burson-Marsteller. In der Zeit haben Deutschland-Chef Karl-Heinz Heuser und er auch einige heikle Fälle beraten. Ein Expertengespräch über alte Sünden.

Entrepreneurism oder Reden wir lieber übers Geldverdienenmüssen (woerterberg.de)
Rezente Äusserungen zweier geschätzter Köpfe über Weblogs unter dem Aspekt des Geldverdienenmüssens.

“Eine Britannica habe ich nie besessen” (derstandard.at)
Jimmy Wales, der Gründer von Wikipedia im Interview über Youtube, Bürgerjournalismus, den “100 Dollar Laptop” und Angelina Jolie.

neu  

“Bild” als Kirchenzeitung

Das, liebe “Bild”-Zeitung, ist der Martin Luther:

Der Martin Luther hat vor ein paar hundert Jahren dafür gesorgt, dass es nicht mehr nur ganz viele Katholiken gibt (also die mit dem Zölibat und dem Papst usw., kennt man ja), sondern auch Evangelen (mit weniger Schnickschnack).

Und das, liebe “Bild”-Zeitung, seid Ihr:

"Wir sind Papst!"

Und am letzten Freitag nun habt Ihr in Eurer Magdeburger Regionalausgabe einen schönen Artikel gehabt. “Hat Magdeburg bald keinen Bischof mehr?” habt Ihr drübergeschrieben. Und: “Bischof Dr. Gerhard Feige (54) soll weg!” Weil doch, ähm, eine Studie zur weiteren Zusammenlegung der Kirchenprovinz Sachsen mit der Landeskirche Thüringens die Stadt Erfurt als Sitz eines künftig gemeinsamen Bischofs empfiehlt — na, irgendwie so.

Und da habt Ihr bestimmt gedacht: Gottchen, der “Feige (54)”, der ist doch hier Bischof in unserm schönen Magdeburg, und jetzt soll er weg!

Soll er aber gar nicht. Denn Dr. Gerhard Feige, Sohn eines Schuhmachermeisters aus Halle und Diäzösanbischof Diözäsanbischof Diözesanbischof von Magdeburg, ist — wie Euer Chefredakteurkatholisch! In der Studie aber, über die Ihr berichtetet, liebe “Bild”-Zeitung, ging’s gar nicht um Eure katholische Kirche, sondern um die andere, die evangelische. Die hat zwar kein Zölibat und keinen Papst, aber Bischöfe hat die auch — sogar einen in Magdeburg. Noack heißt der, Axel Noack, Bischof der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, und sieht auch ganz anders aus. Vor allem aber würde sich der Noack höchstwahrscheinlich nie mit so einem komischen Bischofsstab (auch Krummstab, Abtstab, Baculus pastoralis, Hirtenstab, Pastoralstab, Pedum oder Virga genannt) fotografieren lassen, wie sein katholischer Kollege Feige. Und trotzdem habt Ihr Eure “soll weg!”-Meldung auch noch mit so einem Feige-Foto illustriert.

Jedenfalls meldet das heute die evangelische Nachrichtenagentur epd und meint, es sei Euch da “ein schwerer Fehler unterlaufen”. Nun ja… — aber ein Fehler ist’s schon.

Mit Dank an Friederike U., Christinan B., Astrid G., Tobias K. und j1103 für den Hinweis.

Nachtrag, 17.20 Uhr: Nachdem wir uns jetzt auch den “Bild”-Artikel selbst anschauen konnten, müssen wir uns korrigieren: Da ist “Bild” in der Tat ein schwerer Fehler unterlaufen…

Mit Dank an Karsten W. für den Scan.

6 vor 9

Ins Große durchs Ganze (brandeins.de)
Gegen Globalisierung, heißt es, gibt es nur zwei Mittel: mitmachen oder abdichten, seine Identität verlieren oder sein Geschäft. Besser klappt es umgekehrt: Die Welt erschließt sich durch Unterschied und Wettbewerb. Auf kleinstem Raum. In der Region.

Tagesschau in die Zeitung (werbewoche.ch)
Sender im Ausland tuns schon längst. Spät nachts wirbt jetzt auch SF für Schweizer Zeitungen.

Schmutzige Worte (berlinonline.de)
Aus Angst vor der konservativen Medienbehörde setzen US-Sender den Dokumentarfilm “9/11” ab.

Verflixt, wo war ich doch gleich? (tagesanzeiger.ch)
Zerstreutheit ist weit verbreitet. Ein eigens gegründeter Verein in Schweden erfreut sich regen Zulaufs. Die komischsten Erlebnisse dieser Zerstreuten sind in einem Buch vereint.

Zwölf Minuten und 58 Sekunden, (weltwoche.ch)
so lange werden Sie ungefähr brauchen, um folgenden Text zu lesen. Wenn Sie dies im Wartezimmer tun, wird der Arzt Sie schneller holen. Finden Sie das Thema uninteressant, werden Sie denken, er hätte Sie vergessen.

Diedrich Diederichsen: Was mich an Weblogs stört (Teil 2) (netzeitung.de)
Man nannte ihn den Papst der Popkultur. Ein Gespräch mit Diedrich Diederichsen über «Sexbeat», Schlagfertigkeit und den Wandel der Zeiten.

Der Vater des Gedankens?

Der australische Tierfilmer Steve Irwin wurde jüngst bei Dreharbeiten von einem Rochen tödlich verletzt. Und Bild.de schreibt:

Es gibt ein Video der tödlichen Attacke. Die Polizei untersucht es gerade. Gut möglich aber, dass die Familie es irgendwann freigibt. Irwins bester Freund John Stainton (44): ‘Steve wäre sehr traurig gewesen, wenn es von seinem Tod keine Aufnahme gäbe.’

“Gut möglich”, soso… Und soweit “Bild”. Seltsamerweise ist diese (oder eine auch nur annährend ähnliche) Aussage Staintons — außer bei Bild.de — schwer zu finden. Es ist zwar so, dass Irwin selbst vor ein paar Jahren mal scherzte: “Wenn ich sterbe, möchte ich wenigstens, dass das gefilmt wird.” Doch der Eindruck, den Bild.de jetzt erweckt, trifft die Sache nicht so ganz. “Irwins bester Freund John Stainton (44)” sagte nämlich bereits der Zeitung “The Australian” (aus dem auch Bild.de zitiert), die Aufnahmen seien “schrecklich”, “furchtbar” und, wie die Nachrichtenagentur AP aus einem CNN-Interview zitiert, so grauenvoll, dass das Videoband am besten “zerstört werden” solle, damit es niemand jemals zu Gesicht bekommen, geschweige denn ausstrahlen könne. (“It will never see the light of day. Ever. Ever.”) Stainton weiter:

“Ich habe es angeschaut, aber ich möchte es nicht noch einmal sehen.”

Auch der Chef des US-Senders Discovery, der die Rechte an Irwins Filmen besitzt, geht laut “The Australian” davon aus, dass Irwins Tod “niemals öffentlich gezeigt werde”.

“Gut möglich” also? AP jedenfalls zitiert einen Experten für Medienethik zur Frage einer möglichen Ausstrahlung des Videos mit dem Fazit:

“Sollte es irgendwer zeigen, wäre das reine Sensationslust und Nekrophilie.”

Mit Dank an Christoph. W. für den Hinweis.
 
Nachtrag, 7.9.2006: Die eingangs zitierte Passage auf Bild.de würde inzwischen umgeschrieben. Nun heißt es dort:

Es gibt ein Video der tödlichen Attacke. Die Polizei untersucht es gerade. Irwins bester Freund John Stainton (44): “Steve wäre sehr traurig gewesen, wenn es von seinem Tod keine Aufnahme gäbe.” Allerdings: Stainton deutete vielsagend an, das Video werde sehr bald nach der Freigabe verschwinden.

Peinlich irgendwie, aber besser als vorher.

Erwischt! (Nachtrag)

Wie berichtet, druckte “Bild” ja kürzlich (und damit bereits zum zweiten Mal) ein “BILD-Leser-Reporter”-Foto von Gerhard Schröder am Strand, zu dessen Veröffentlichung er keine Einwilligung gegeben hatte, obwohl es doch in den “So werden Sie Leser-Reporter”-Hinweisen ausdrücklich hieß, dass die Fotografierten mit einer Veröffentlichung einverstanden sein müssen. Das ZDF-Magazin “Frontal21” hat den 12-jährigen “Leser-Reporter” ausfindig gemacht und lässt ihn erzählen, wie es zu dem Foto kam:

“Dann bin ich da hingegangen, und dann war’n da auch schon welche, und dann hat er da auch’n Autogramm gegeben. Und dann hab’ ich das sogar von weiter hinten gesehen: Der ist so genervt, der will ja auch Urlaub haben, dass ich das dann lieber lasse. Und dann bin ich nochmal zurück gegangen, hab’ meinen Fotoapparat geholt, und dann hab’ ich mir gedacht: Na, wenigstens noch’n Foto — weil, der Mann hat ja auch Urlaub. Ja, und dann hab’ ich mich hinter so’n Klettergerüst gestellt, und ja, dann hab ich’n Foto geschossen.”

Mehr dazu bei “drehscheibe deutschland” bzw. “Frontal21”.

Lammert und der Boy von Seite 2

Dieter Bohlen (52) ist für die “Bild”-Zeitung vielseitig verwendbar: als Motiv für “BILD-Leser-Reporter”, als “Bild”-Schlagzeile — aber auch für ihre tolle “Korrekturspalte”. Heute findet er sich dort bereits zum vierten Mal in vier Wochen wieder. Denn nachdem “Bild” nicht nur Bohlens Alter, sondern auch das seines jüngsten Kindes aus erster Ehe und zuletzt gar den angeblichen Anfangsbuchstaben des angeblichen Vornamen seiner angeblichen neuen Freundin berichtigte, schafft es Bohlen auch heute auf Seite 2 der “Bild”:

Weil Christiane “Ich weiß es!” Hoffmann am Samstag zu berichten wusste, dass die Trennung von Dieter Bohlen und seiner bisherigen Lebensgefährtin Estefania (eigentlich Stefanie Küster) “schon neun Monate” zurückliege, heißt es nun:

“Richtig ist: Die Trennung erfolgte am 9. Juni.”

P.S. Falls “Bild” für die morgige Ausgabe nichts Besseres einauffällt, hätten wir da noch einen Vorschlag:

“Bild” behauptet heute nämlich, Bundestagspräsident Norbert Lammert (57) habe “einen Brief an Polens Parlamentspräsident Marek Jurek” geschrieben. In einer längeren Fassung heißt es sogar stolz, es handle sich dabei um einen “offenen Brief”, “der BILD vorliegt”.

Nach Angaben des Deutschen Bundestages handelt es sich dabei aber peinlicherweise lediglich um einen Artikel Lammerts für die größte polnische Tageszeitung “Fakt” (mehr dazu z.B. hier und hier), wo der angebliche Lammert-“Brief”, der “Bild” vorliegt, bereits am vergangenen Freitag in einer Auflage von mehreren hunderttausend Exemplaren erschienen ist.

Mit Dank an Hyp Nom für den Hinweis.
Danke auch an Matthäus W. für die Unterstützung!

Nachtrag, 5.9.2006: Was Millionen “Fakt”-Leser schon seit vergangenem Freitag wissen, erfahren heute nun auch Millionen “Bild”-Leser.

Erwischt!

“Es ist ganz einfach: Sie machen ‘klick’ und wir zahlen!”
(Hinweis für “BILD-Leser-Reporter”)

Gestern noch, als “Bild” u.a. ein Foto von “Altkanzler Gerhard Schröder auf Borkum im Liegestuhl” veröffentlichte (siehe Ausriss), stand bei Bild.de zum Thema “So werden Sie Leser-Reporter bei BILD und Bild.t-online” folgender Hinweis:

Wichtig! Teilnehmen können nur Fotos, dessen Urheber Sie auch sind, das bedeutet, Sie selbst haben das Foto gemacht. Die abgebildeten Personen müssen mit der Veröffentlichung in BILD und unter www.bild.t-online.de einverstanden sein.

Heute nun ist dieser berechtigte Hinweis bei Bild.de (ähnlich wie unlängst schon der Hinweis, dass die Einsendungen der “Leser-Reporter” “überprüft und journalistisch nachrecherchiert” würden) spurlos verschwunden.

Doch was bedeutet das? Entweder möchten “Bild” und Bild.de ihre “Leser-Reporter” plötzlich einfach nur nicht mehr darauf hinweisen, dass die fotografierten Personen mit der Veröffentlichung in “Bild” und auf Bild.de einverstanden sein müssen. Oder “Bild” und Bild.de ist das für solche Veröffentlichungen notwendige* Einverständnis völlig egal.

Für letzteres spricht beispielsweise das eingangs erwähnte Schröder-Foto. Denn nach BILDblog-Informationen war Gerhard Schröder mit einer Veröffentlichung des Liegestuhl-Fotos in “Bild” und auf Bild.de nicht einverstanden.

*) Entsprechend dem sog. “Caroline-Urteil” des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (von “Bild” schlicht “Maulkorb-Urteil” genannt) können Fotos aus dem Alltagsleben, die Prominente bei rein privaten Tätigkeiten zeigen bzw. ausschließlich Einzelheiten ihres Privatlebens betreffen und ohne ihre Einwilligung, zuweilen auch heimlich aufgenommen wurden, nicht als Beitrag zu einer Debatte von allgemeinem öffentlichem Interesse angesehen werden. Deshalb verletze eine Veröffentlichung das in Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention festgeschriebene “Recht auf Achtung des Privatlebens”.

Nachtrag, 19.22 Uhr: Seltsam, aber wer seine Fotos nicht als “BILD-Leser-Reporter” anbietet, sondern als Teilnehmer beim aktuellen “Foto- und Videowettbewerb: Die peinlichsten Urlaubs-Pannen” von Bild.de, wird ausdrücklich auf die Teilnahmebedingungen hingewiesen…

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