Suchergebnisse für ‘the’

Heute Polenflug

Die Newsticker bei “Zeit Online” werden ganz offensichtlich nicht von Menschen betreut, sondern allenfalls von einer endlichen Anzahl Affen — wahrscheinlich aber einfach nur von einem nicht besonders durchdachten Algorithmus.

Am Wochenende hatte “Zeit Online” die sid-Meldung über ein Spiel des BFC Dynamo im DFB-Pokal in die Rubrik “DDR” einsortiert (BILDblog berichtete) und heute läuft eine Nachricht über eine geplante Jupiter-Mission der Nasa, die dpa unter den Stichwörtern “USA/Raumfahrt/Astronomie” verschickt hatte, bei “Zeit Online” unter dieser Dachzeile:

Polen: Nasa schickt Sonde zum Gasriesen Jupiter

Nun ist die Nasa bekanntlich die amerikanische und nicht die polnische Weltraumbehörde, wie also konnte dieser Fehler jetzt wieder pass…

Ah:

Die Nasa will auch mehr über Jupiters Magnetfeld nahe den Polen erfahren.

Nachtrag, 15.40 Uhr: “Zeit Online” hat in der Dachzeile “Polen” gegen “Raumfahrt” ausgetauscht.

AFP, AP, Bild.de  etc.

Ja, mir san mit’m Panzer da

Politiker würden fast alles tun, um in die Medien zu kommen. Und die Medien lieben außergewöhnliche Politikerfotos: Helmut Kohl mit wechselnden Tieren am Wolfgangsee, George W. Bush auf dem Flugzeugträger, Karl-Theodor zu Guttenberg am Times Square.

Den Namen Arturas Zuokas werden sich wohl auch in Zukunft die Wenigsten merken können, aber das Bild, wie der Bürgermeister der litauischen Hauptstadt Vilnius im Panzerwagen über einen falsch geparkten Mercedes fährt, das geht jetzt um die Welt und wird in Erinnerung bleiben.

Bild.de schreibt dazu:

Um zu beweisen, dass er es ernst meint, griff der Politiker zur Brachialmethode.

Vor geladenen Medienvertretern walzte das Stadtoberhaupt höchstpersönlich mit einem russischen Panzer eine auf einem Radweg abgestellte Luxuslimousine platt.

Im dazugehörigen Video beschreibt der Off-Sprecher die Szenerie so:

Zurück bleibt ein schrottreifer Benz und ein Besitzer, der dieses Schicksal offensichtlich nicht fassen kann. Zur Belehrung seines Bürgermeisters kann der Mann mit Goldkette nur entschuldigend nicken.

Die gute Nachricht für Bild.de zuerst: Arturas Zuokas ist tatsächlich mit einem Panzer über einen Mercedes gefahren. Das würde aber wohl auch in Litauen den Straftatbestand der Sachbeschädigung erfüllen.

Die Hintergründe der Aktion stellen sich – und damit zur schlechten Nachricht für Bild.de – dann auch ein bisschen anders dar, wie AFP schreibt:

Ein Schauspieler, der die Rolle des Autobesitzers spielte, bekam von Zuokas anschließend eine Lektion verpasst und schaute angemessen bedröppelt drein.

Das Auto wurde extra für den Stunt gebraucht gekauft, teilte das Rathaus mit.

Die außergewöhnliche Aktion wurde gemeinsam mit den Machern der schwedischen Fernsehsendung “99 Dinge, die man tun muss, bevor man stirbt” entwickelt, die im Oktober ausgestrahlt werden soll.

(Übersetzung von uns.)

Die meisten anderen Medien haben irgendwie verstanden, dass die Szene gestellt war, aber sie zeigen ein Foto, das offensichtlich nachbearbeitet wurde:

Fotomontage, von AFP verbreitet.

Zoukas saß nämlich nicht alleine im Panzer, wie das Video beweist:

Die Pressestelle der Stadt Vilnius hat den Herrn im blauen Hemd einfach aus dem Bild retuschiert — und das ziemlich schlecht:

Schlechte Fotomontage der Pressestelle der Stadt Vilnius.

Die weltweite Verbreitung des Bildes übernahmen dann Nachrichtenagenturen wie AFP und AP.

Mit Dank an Diekmann, John Doe und Fal H.

Solidarität, Fischerdorf, Akte 20.11

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Zeitungsstreik: Solidarität? Wieso, weshalb, warum?”
(pushthebutton.de, Hardy Prothmann)
Hardy Prothmann listet die Verdienste während seiner Karriere als freier Journalist auf und fragt sich, warum er sich solidarisch zeigen soll mit den festangestellten, derzeit streikenden Kollegen: “Ich werfe den meisten von ihnen Kumpanei, Mittäterschaft, Honorar-Dumping, Untertanentum, Eitelkeit, Überheblichkeit, Weltentrücktheit und Respektlosigkeit vor.”

2. “Am längeren Hebel der Empörungsmaschine”
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Gestern verlinkten wir an dieser Stelle einen Text von Christoph Schwennicke, der sich über die rituelle Empörung von Politikern nach besonderen Ereignissen beklagte. “Elf Stunden später stellte sich heraus: Auch bei ‘Spiegel Online’ haben sie so eine Empörungsmaschine — und Christoph Schwennicke hat offensichtlich Zugang zu ihr.” Siehe dazu auch “Nachgefragt: So denken die Bürger über Geißlers Goebbels-Zitat” (der-postillon.com, Satire).

3. “Die Welt ist ein Fischerdorf”
(muel.ch, Samuel Burri)
Samuel Burri vergleicht zwei Korrespondenentexte über ein afrikanisches Dorf. In beiden wird die gleiche Szenerie beschrieben. Auf Anfrage schreibt einer der Autoren: “Der Einstieg war eigentlich länger aber wurde, wie das ganze Stück, stärker gekürzt. Und ja, der Text des Kollegen war mir bekannt und Teil meiner Notizen.”

4. “Deutsche Sender? Nein, danke”
(tagesspiegel.de, Andreas Maisch)
“Die in Deutschland lebenden Türken sehen und hören überwiegend türkischsprachige Medien.”

5. “… die sprechen alle Deutsch”
(ad-sinistram.blogspot.com, Roberto J. De Lapuente)
Roberto J. De Lapuente macht sich Gedanken über Deutsche, die in Spanien deutschsprachige Ärzte konsultieren, “Bild” nicht. “Diesem doppelmoralischen Dilemma entkäme man jetzt nur, wenn man öffentlich dazu aufrufen würde, dass verrentnerte Deutsche, die ihr Domizil ins Ausland verlegt haben, gefälligst die Heimatsprache zu büffeln haben – das alles im Sinne der Integration und des Respekts gegenüber den Gastgebern.”

6. “iPad-Rückgabe wegen blockierter BILD-Webseite”
(ifun.de)
In der Sat.1-Sendung “Akte 20.11” (ab 3:50 Minuten) wird ein iPad der Verkaufsstelle zurückgegeben, weil es die Website Bild.de nicht kostenfrei aufrufen kann.

Fragdenstaat.de, Empörungsmaschine, DAB+

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Erde doch keine Scheibe?”
(stern.de/blogs, Hans-Martin Tillack)
Hans-Martin Tillack weist auf die neue Website fragdenstaat.de hin, die eine Anwendung des Informationsfreiheitsgesetzes in Deutschland erleichtern soll. “Große vermeintlich liberale Zeitungen wie die ‘Zeit’ schwangen sich noch vor ein paar Monaten sogar zu enthusiastischen Verteidigungsreden pro Staatsgeheimnis auf – damals, als Wikileaks einige tausend bis dahin geheime US-Depeschen publik machte. Da klang es bei einigen Kommentatoren so, als seien Staatsgeheimnisse in Deutschland eine bedrohte Spezies, die des besonderen Schutzes bedürfe.”

2. “Manchmal möchte ich Norweger sein”
(spiegel.de, Christoph Schwennicke)
Muss wirklich nach jedem Ereignis gleich die Empörungsmaschine gestartet werden? “Gegen den deutschen Politiker ist der pawlowsche Hund ein vernunftbegabtes Wesen, das den Mut aufbringt, sich seines Verstandes zu bedienen.”

3. “BBC-Sendung ist ‘inszeniert, falsch, fabriziert und verdreht'”
(survivalinternational.de)
Die NGO Survival International beklagt Inszenierungen und falsche Übersetzungen in der TV-Serie “Mark & Olly: Living with the Machigenga”.

4. “Das Jüngste Gericht interessiert mich nicht”
(journalist.de, Jan Freitag)
Hans Leyendecker im ausführlichen Interview. Über “Bild” sagt er: “Ich gehöre fast zur Generation von Klaus Staeck und Peter Rühmkorf, die dieses Blatt nie gekauft haben. Ich lese Bild nur im Internet oder wenn jemand das Blatt im Zug liegen lässt.”

5. “‘McDonaldisierung’ der Pressefotografie”
(derstandard.at, Oliver Mark)
Oliver Mark schreibt über den Zustand der Pressefotografie: “Mikrostock-Bildagenturen wie iStock, Fotolia oder Pixelio verkaufen Bilder zu einem Spottpreis, zum Teil gibt es sie sogar gratis. Zur Freude von Medien, zulasten von Fotografen.”

6. “Musik endlich digital erhältlich”
(ftd.de, Falk Heunemann)
“Mit überwältigendem Erfolg ist der neue Digitalradiostandard DAB+ in Deutschland gestartet. Bundesweit sind 15 digitale Radiosender empfangbar – also für jeden Zuhörer einer.”

No no no

Die “Abendzeitung” berichtet heute von “neuem Wirbel um den Tod von Amy Winehouse”: Ein “Drogenkumpel” will mit Amy Winehouse am Abend vor ihrem Tod noch gemeinsam Drogen gekauft haben. Wie glaubhaft die Aussagen eines Drogenabhängigen im “Daily Mirror” sind, überprüft gerade die Londoner Polizei. Auch, dass die “Abendzeitung” den Namen des Mannes falsch schreibt, soll uns hier nicht interessieren.

Denn …

Illustriert ist der Artikel mit diesem Bild:

Das Bild geistert seit längerem durchs Internet und erfreut sich vor allem nach Winehouses (immer noch ungeklärtem) Tod großer Beliebtheit.

Nur: Es ist eine Fotomontage. Sie basiert auf dem Foto einer blonden jungen Frau mit Bong und auch wenn sich jemand die Mühe gemacht hat, Amy Winehouses zahlreiche Tätowierungen in das Bild einzuarbeiten, sieht man bei großer Auflösung doch, dass das Bild ein Fake ist:

Mit Dank an Julian H.

Spiegel Online, Konrad Duden, 6 vor 9

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Der Copy-and-Paste-‘Journalismus’ bei ‘Spiegel Online'”
(blog.handelsblatt.com/handelsblog, Olaf Storbeck)
Olaf Storbeck schildert, wie “Spiegel Online” einen Artikel aus der “Handelsblatt”- Printausgabe “nur ein bisschen redigiert” ins eigene Angebot übernimmt (Gegenüberstellung). Inzwischen hat sich der Chefredakteur von “Spiegel Online” entschuldigt, dem Autor wurde “ein angemessenes Zweitverwertungshonorar angewiesen”. Zur Diskussion ein Vorschlag von Detlef Gürtler: “Im langfristigen Überlebensinteresse der Branche wäre es deshalb ratsamer, einen Prozess der Selbstkontrolle einzuleiten: ein vom Verlegerverband initiiertes und finanziertes MediaPlag zum Beispiel.”

2. “Patricia Riekel und das System Bunte”
(meedia.de, ga)
Georg Altrogge analysiert die Methoden der Zeitschrift “Bunte” und ihrer Chefredakteurin Patricia Riekel. “Es ist ein barockes Medien-Königreich, das da mit den Jahren in München entstanden ist, mit einer absolutistischen Herrscherin an der Spitze, einem eigenen Promi-Hofstaat und ganz vielen Mundschenken und Spesen-Rittern darunter.”

3. “TV Station Takes Four-Year-Old Child’s Quote Out of Context”
(mije.org, Bob Butler, englisch)
Wie ein US-TV-Sender eine Aussage eines vierjährigen Jungen nicht vollständig wiedergibt. Mehr dazu in diesem Video (youtube.com, 1:43 Minuten).

4. “‘Partner’ von Sommermagazin bevorzugt bedient”
(qualitaet-und-vielfalt-sichern.de, 18. Juli)
Die Zusammenarbeit zwischen Inserenten und Inhalt auf den “Seiten für Urlauber und Einheimische” in der “Ostsee-Zeitung” und den “Lübecker Nachrichten”: “Wie das Modell im Detail funktioniert, erklärt das ‘Tourismuszentrum Mecklenburgische Ostseeküste’ selbst auf seiner Homepage. Vermieter, die jeden Tag mindestens zehn Zeitungen abnehmen, könnten diese Exemplare zum halben Preis beziehen. Und öffentliche Veranstaltungen wie Feste, Konzerte oder Märkte würden ‘…dann im Veranstaltungskalender der Sommerredaktion kostenfrei veröffentlicht'”.

5. “Recht auf Unbelehrbarkeit”
(dradio.de, Marcus Pindur)
Peter Schneider bittet anlässlich des 100. Todestags von Konrad Duden darum, sich doch anzusehen, “wie unsere großen Geister – Goethe, Schiller und die klassischen deutschen Autoren, die nun wirklich Weltliteratur geschaffen haben”, geschrieben haben: “In den frühen Briefen von Schiller zum Beispiel an seine Frau, habe ich entdeckt, dass der manchmal im selben Satz das selbe Wort in zwei verschiedenen Rechtschreibungen benutzt. (…) Die wussten ganz genau: Was sie da schreiben, das wird verstanden.”

6. “Bildblog-Links: fünf Jahre 6vor9”
(meedia.de, Marc Reichwein)
In eigener Sache: Diese Rubrik feiert heute den 5. Geburtstag! Mein Dank hier, weitere Texte zu “6 vor 9” und die Links der allerersten Ausgabe von 2006 sind auf journalist.de zu lesen.

Bild  

Windows Vista

In ihrer Düsseldorfer Regionalausgabe berichtet “Bild” heute über eine Frau, die in Langenfeld aus einem Fenster im zweiten Stock gestürzt ist, und präsentiert dabei folgende Theorie für den Unfallhergang:

Um 7.15 Uhr stellte sich das Paar ans Schlafzimmerfenster, wollte gemeinsam eine Zigarette genießen.

Als sich Jasmin an das Fenster lehnte, ging es plötzlich auf. Es war anscheinend nicht richtig verschlossen. Sie verlor das Gleichgewicht und stürzte – so nackt wie sie war – in die Tiefe.

Die “Bild”-Theorie hat genau einen Haken: Das Fenster geht (wie die meisten anderen Fenster in Privatwohnungen auch) nach innen auf, wie die Zeitung selbst zeigt.

Gefährliche „Zigarette danach“? Frau (34) stürzt fast nackt aus dem Fenster — Intensivstation!

Die Polizei beschreibt die Situation ein wenig zurückhaltender:

Die Frau hatte sich nach vermutlich reichlichem Alkoholgenuss mit ihrem Lebensgefährten kaum bekleidet zum Rauchen an das Fenster gelehnt. Aus bislang nicht geklärter Ursache verlor sie das Gleichgewicht und stürzte aus dem Fenster in der zweiten Etage auf den nassen Rasen vor dem Haus.

Mit Dank an Christoph, Bastian K. und und Bertolt.

Camerons Dias

Der britische Premierminister David Cameron war in den letzten Wochen so häufig im Zusammenhang mit dem Medienunternehmer Rupert Murdoch in den Schlagzeilen, dass man fast annehmen könne, Cameron selbst mache das sprichwörtliche “Was mit Medien”.

Zumindest schreibt “Spiegel Online” über den neuesten “Harry Potter”-Film:

Bis an die Spitze der ewigen Kinokassen-Charts ist es aber noch ein weiter Weg: Dort steht David Camerons “Avatar” – das Fantasy-Epos brachte 2,78 Milliarden Dollar ein.

Diese Verwechslung könnte James Cameron ärgern — wenn ein milliardenschwerer Oscar-Preisträger nicht mutmaßlich besseres zu tun hätte, als sich über die Verwechslung einer deutschen Nachrichtenseite zu ärgern.

Doch diese Verwechslung ist “leider kein Einzelfall”, wie es Bob Dylan Eduard Zimmermann ausdrücken würde:

“Spiegel Online”, 23. Dezember 2009:

Zum 3D-Kino – gerade mit David Camerons “Avatar” prominent im Kino vertreten – lässt der Berlinale-Chef aber eine eher skeptische Haltung erkennen:

“Welt Online”, 4. Januar 2010:

Die “New York Times” bat David Cameron, der gerade die erste Dollar-Millarde an den Kinokassen weltweit für “Avatar” feiert, um Stellungnahme.

“Bild am Sonntag”, 17. Januar 2010:

Regisseurin Kathryn Bigelow brachte das Kunststück fertig, mit ihrem Kriegsdrama “The Hurt Locker” den Favoriten “Avatar” zu schlagen. Und damit ihren Exmann David Cameron. Er räumte “nur” sieben Nebenpreise ab. “Bester Regisseur” – der Preis gehört jetzt Kathryn Bigelow.

“Berliner Kurier”, 7. März 2010:

Wird David Cameron, der schon mit “Titanic” rekordmäßig abräumte, mit seinem neuen Film “Avatar” den Regie-Oscar einheimsen?

“Handelsblatt”, 9. März 2010:

Ursprünglich war erwartet worden, dass der bisher erfolgreichste Film “Avatar” bei der diesjährigen Oscar-Verleihung groß abräumt. Davon hätten auch die Filmtheater profitieren können. Denn das 3-D-Spektakel des Erfolgsregisseurs David Cameron läuft noch immer in den Kinos.

bbc.co.uk, 23. April 2010:

Director David Cameron, Avatar actress Michelle Rodriguez and Heroes star Hayden Panettiere spoke to reporters about the cause and why they thought Avatar was such a success.

ap, 19. August 2010:

David Camerons 3D-Film “Avatar” spielte etwa 158 Millionen Euro ein.

“Hamburger Abendblatt”, 27. Januar 2011:

Kein Wunder, befindet sich die Filmindustrie zurzeit in einer “Storykrise”, was sogar absolute Topshots wie David Cameron (“Avatar”) selbstkritisch anmerken.

bbc.co.uk, 1. Juli 2011:

No 3D movie since has matched the buzz generated by David Cameron’s Avatar

Mit Dank an Torben.

Nachtrag, 13.55 Uhr: Dass es auch anders herum geht, beweist die “Financial Times Deutschland”:

Mit dem Finanzminister gerät ein weiteres Mitglied der Regierung von Premier James Cameron ins Zwielicht, dessen Kabinett bereits seit Monaten in der Öffentlichkeit scharf kritisiert wird.

Mit Dank an Dan.

2. Nachtrag/Korrektur: In einer früheren Version des Artikels hatten wir den aktuellen Fehler der Nachrichtenagentur dapd zugeschrieben. Offensichtlich hat “Spiegel Online” den Fehler aber selbst in eine Meldung eingebaut, die ansonsten auf einer dapd-Meldung beruhte.

Mittäterschaft, Fotomanipulation, Kreuzberg

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Journalismus – worum ging es dabei doch gleich?”
(novo-argumente.com, Andrew Calcutt)
Andrew Calcutt fragt, was Journalismus bisher war und zu was er sich entwickelt: “Je mehr sich Publikationen an den Stil sozialer Netzwerke anpassen, desto mehr scheint es, als ob Leser und Protagonisten austauschbar werden oder gar zu ein und derselben Person verschmelzen, fast so, als könne sich jeder in die Geschichte hineinschreiben.”

2. “Kampfplatz Kreuzberg”
(jetzt.sueddeutsche.de, Thorsten Schmitz)
Thorsten Schmitz beschäftigt sich mit dem vorläufigen Aus einer “Langzeit-Beobachtung” von Thilo Sarrazin: “Die Frage bleibt, wie ein Zehn-Minuten-Beitrag das Ende bedeuten kann für eine 45-minütige Dokumentation, die einen Sarrazin gezeigt hätte, wie ihn kaum einer kennt.” Siehe dazu auch ein Interview mit der Macherin des Films, Güner Balci (zdf.de, Video, 9:49 Minuten, 18. Juli).

3. “Unsinn Mittäterschaft”
(taz.de, Albrecht von Lucke)
Albrecht von Lucke hält eine Mittäterschaft von Publizisten an den Anschlägen in Norwegen für Unsinn: “Ende der 70er Jahre, im ‘Deutschen Herbst’, wurden jene ganz schnell zu Sympathisanten der RAF erklärt, wer lediglich auf Demonstrationen mitgingen – und die Theoretiker der Kritischen Theorie, ja selbst ein Literaturnobelpreisträger wie Heinrich Böll umgehend zu ‘geistigen Brandstiftern’ deklariert. Auch hier hieß es stets: So was kommt von so was.” Siehe dazu die Kommentare von Robert Misik und von Ines Kappert.

4. “Ein Täter ist nicht genug!”
(welt.de, Hamed Abdel-Samad)
Zur gleichen Diskussion schreibt Hamed Abdel-Samad: “Der Schriftsteller kann nicht beim Verfassen eines Textes immer berücksichtigen, wen seine Argumente kränken und wen sie eventuell auf dumme Gedanken bringen könnten.”

5. “Norwegen-Massaker: Wo deutsche Medien ihre Grenzen sehen”
(wuv.de, ps/jok)
“Werben & Verkaufen” fragt nach, wo in den deutschen Redaktionen “die ethischen Grenzen der Berichterstattung sind – das wird doch recht unterschiedlich beantwortet.” Und der “journalist” fragt fünf Journalisten: “Welches Thema hat Sie zuletzt in einen Gewissenskonflikt gestürzt? Wie haben Sie sich entschieden?”

6. “Photo Tampering throughout History”
(fourandsix.com, englisch)
Manipulation von Fotos von 1860 bis heute.

Wir sind Papst!

Im Hinblick auf den anstehenden Papst-Besuch im September hat die “Rhein-Zeitung” mit Christian Weisner gesprochen, dem Sprecher der Kirchen-Volksbewegung “Wir sind Kirche”.

Weisner sagt in dem Interview unter anderem:

RZ: Wo brennt es in der Kirche?

Weisner: Dazu gehören vor allem der fehlende Nachwuchs an Priestern, die unbefriedigende Rolle der Frau, der fehlende theologische Diskurs, die mangelhafte Bereitschaft zur Ökumene und der sexuelle Missbrauch. (…)

Die Nachrichtenagentur dapd hat daraus eine kleine Meldung gemacht, die unter der Überschrift “Papst soll etwas für die Ökumene bewegen” bei verschiedenen Medien veröffentlicht wurde.

Auch “Focus Online” hat sich der Meldung angenommen und ihr einen eigenen Vorspann und eine eigene Überschrift verpasst. Und so kann die Internetseite jetzt weltexklusiv eine Sensation vermelden:

Katholische Kirche: Papst Benedikt XVI. fordert mehr Ökumene. Papst Benedikt XVI. hat im Vorfeld seines Deutschland-Besuches die „mangelnde Bereitschaft in der katholischen Kirche zur Ökumene“ kritisiert. Er nimmt damit Stellung zur wachsenden Kritik, dass die Kosten für den Papst-Besuch zu hoch seien.

Mit Dank an Wolfgang.

Nachtrag, 31. Juli: “Focus Online” hat den Fehler heute transparent korrigiert.

Blättern:  1 ... 408 409 410 ... 614