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Robert Enke, Ron Paul, Drohnen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Nichts worauf man stolz sein muss”
(taz.de, Anna Stommel)
Anna Stommel fragt sich, warum “Bild” sich genau jetzt mit der Vergangenheit des Chefredakteurs der “Märkischen Oderzeitung” auseinandersetzt und liefert Hintergründe dazu. “Pünktlich zum 50. Jahrestag der Mauer? Oder weil sich im Land Brandenburg gerade ohnehin eine Enquete-Kommission mit der Geschichte der DDR auseinandersetzt?”

2. “Absturz ins Sommerloch”
(czyslansky.net, Tim Cole)
Mitarbeiter der “Daily Mail” halten die fiktive Serie “Terminus pour l’euro” (“la fiction de l’été”) der Zeitung “Le Monde”, in der man sich eine Schieflage der Bank “Société Générale” ausmalt, für echt und verbreiten sie weiter. “Dann setzte der normale Automatismus der Branche ein: Ein ums andere Blatt druckte die Meldung nach und bezog sich wiederum auf die Daily Mail.”

3. “Haben sich die Medien nach Robert Enkes Tod verändert?”
(11freunde.de, Alex Raack)
André Beem untersucht in seiner Magisterarbeit Artikel vor und nach dem Tod von Robert Enke. “Haben vor Enkes Tod noch acht Prozent aller Zeitungen negativ über Fußballer berichtet, waren es danach neun Prozent. Die Durchschnittsnote in der Spielerbewertung hat sich von 3,5 auf 3,6 verschlechtert, in einer Tageszeitung aus Hannover sogar von vorher 3,2 auf 4,1. Das hatte allerdings auch mit dem sportlichen Absturz von Hannover 96 zu tun.”

4. “Journalismus von oben”
(faz.net, Harald Staun)
Mini-Drohnen seien wie geschaffen für die Recherchemethoden des Boulevardjournalismus, schreibt Harald Staun: “Mikrokopter müssen nicht angemeldet werden, sie sind so leicht zu fliegen wie ein Modellflugzeug, leise und sensationell günstig. Nur eine Modellflughaftpflicht ist Pflicht, wegen der Absturzgefahr. Schon für 300 Euro bekommt man bei Amazon den Quadrokopter Parrot AR.Drone mit zwei Kameras an Bord, steuerbar mit jedem iPhone.”

5. “Ron Paul & the Top Tier”
(thedailyshow.com, Video, 4:20 Minuten)
Wie US-Fernsehsender beim Iowa Straw Poll 2011 den möglichen Präsidentschaftskandidaten Ron Paul ignorieren: “How did libertarian Ron Paul become the 13th floor in a hotel?” Siehe dazu auch diese Diskussionen bei CNN (Video, 1:46 Minuten, englisch).

6. “How Journalists See Each Other”
(blog.digidave.org, englisch)

Journalismus in den Seilen

17 Stunden saßen die Leute, denen Franz Josef Wagner gestern seine “Post” widmete, am Wochenende in der Gondel einer Seilbahn in Schwangau im Allgäu fest. Erst am Samstagmorgen ab 6 Uhr konnten die 19 Fahrgäste und der Gondelführer gerettet werden.

Bei dapd mussten die Eingeschlossenen allerdings nicht so lange ausharren. Schon am Freitag um 18.44 Uhr vermeldete die Nachrichtenagentur ihre Rettung:

45 Bergbahnfahrgäste mit Hubschraubern geborgen

Nach der Kollision eines Tandemgleitschirms mit einem Bergbahntragseil sind am Freitag in Schwangau im Allgäu zwei Gondeln evakuiert worden. 45 Fahrgäste und die beiden Gleitschirmflieger mussten mit mehreren Hubschraubern geborgen werden, wie die Polizei mitteilte.

Erst nach Mitternacht vermeldete dapd, dass zu diesem Zeitpunkt immer noch fast die Hälfte der ursprünglich 45 Menschen in der oberen Gondel festsaßen.

Auch dpa hatte am frühen Freitagabend eine mindestens irreführende Meldung abgesetzt:

Gleitschirm legt Seilbahn lahm – 45 Fahrgäste steckten fest

Schwangau (dpa) – Ein Gleitschirm hat sich am Freitag in Schwangau im Allgäu in einer Seilbahn verfangen und sie damit stundenlang lahmgelegt. 45 Fahrgäste in den Gondeln mussten mit mehreren Hubschraubern geborgen werden.

In der Überschrift der Zusammenfassung von 20 Uhr war aus “45 Fahrgäste steckten fest” überraschend “45 Fahrgäste stecken fest” geworden, aber ansonsten legte der Text den Schluss nahe, dass die Rettungsaktion bereits erfolgreich abgeschlossen war:

Ein Gleitschirm hat sich am Freitag in Schwangau im Allgäu in einer Seilbahn verfangen und sie damit stundenlang lahmgelegt. 45 Fahrgäste in den Gondeln der Tegelbergbahn mussten mit Hubschraubern geborgen werden.

Die Rettungsaktion dauerte bis in den Abend an.

Die dpa erklärte uns auf Anfrage, dass diese Meldungen für die Tageszeitungen des Samstags gedacht waren, die bereits am Abend Redaktionsschluss haben. Es handle sich dabei um einen “Kunstgriff”, die Redaktionen würden meist selbst dazuschreiben, dass die Entwicklung bei Redaktionsschluss noch nicht zu abgeschlossen gewesen sei. (Aus der Meldung selbst ergibt sich das allerdings nicht.)

Anders als dapd setzte dpa seine Berichterstattung am Abend aber fort und meldete so etwa um 22.04 Uhr:

Ein Ausflug in die Berge nahe dem Schloss Neuschwanstein hat für zahlreiche Menschen eine dramatische Wende genommen. Nach einem Unfall steht die Seilbahn still. 45 Menschen sitzen in luftiger Höhe fest.

Da stimmte dann nur die Zahl nicht mehr.

Doch auch nach der erfolgreichen Rettung aller eingeschlossenen ließen die journalistischen Merkwürdigkeiten nicht nach — sie fingen bei Bild.de erst richtig an.

Sonntagmittag vermeldete das Portal:

Er brachte 50 Menschen in Lebensgefahr: Gleitschirm-Pilot auf der Flucht

Und schrieb:

UNFASSBAR, DER GLEITSCHITM-PILOT IST AUF DER FLUCHT!

Der Mann aus dem schweizerischen Kanton Zürich hat sich direkt nach der Bergung in die Schweiz abgesetzt.

Unfassbar und ziemlicher Quatsch — den “Welt Online” gerne übernommen hat:

17 Stunden Angst. Autor: Antje Hildebrandt. Gleitschirmflieger von Gondel-Drama auf der Flucht. Die Situation in der Gondel am Tegelberg war kritischer als bisher angenommen. Der mutmaßliche Schuldige ist in die Schweiz geflüchtet.

Das “Füssener Blatt” hat heute ein Interview mit dem Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten, Christian Owsinski, abgedruckt. Darin heißt es unter anderem:

Der Gleitschirmpilot, der einen Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks in Gurt hatte, hat sich angeblich in die Schweiz abgesetzt. Stimmt das?

Owsinski: Die Formulierung “abgesetzt” ist irritierend, denn der Mann hat sich dem Zugriff der Behörden nicht entzogen. Der Deutsche mit Wohnsitz in der Schweiz ist nach dem Vorfall am Tegelberg in die Schweiz abgereist. Das ist nicht zu beanstanden.

Mit Dank an Norbert P., Murry, Jens und Michael W.

Kai Pflaume, Tessin, Leserkommentare

6 vor 9

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1. “Das ‘Raumschiff Berlin’ lockt Journalisten”
(meedia.de, Christian Meier)
Christian Meier sucht Gründe, warum so viele Politikjournalisten in die Politik wechseln. “Zum einen rühmen Journalisten sich mit ihrer Stellung als unabhängige Beobachter. Zum anderen suchen sie oft instinktiv die Nähe zu den Objekten ihrer Berichterstattung. Man muss nur auf ein paar Medienparties gewesen sein, bei denen auch Politiker eingeladen waren, und wird verstehen, was gemeint ist.”

2. “Die Gänsehaut-Umleitung”
(faz-community.faz.net, Peer Schader)
Kai Pflaume spricht über 18 Jahre “Nur die Liebe zählt”: “Die Scripted-Reality-Formate waren am Ende ein großes Problem für ‘Nur die Liebe zählt’, weil wir öfter gefragt wurden: Ist das auch nicht echt, was ihr da zeigt? Auch wenn das echte Leben die schönsten Geschichten schreibt, erscheint es gegen die mittlerweile vom Zuschauer gelernte Verdichtung einer geskripteten Wirklichkeiten oft langweilig.”

3. “Einfluss von PR auf Tageszeitungen im Tessin”
(de.ejo-online.eu, Gerardo Bramati)
Eine Masterarbeit von Gerardo Bramati untersucht 1144 Artikel mit Regionalbezug der Tageszeitungen “Corriere del Ticino” und “La Regione Ticino”. 74 Prozent der Artikel sind “zweifelsfrei von PR-Aktivitäten induziert”. Siehe zum Thema auch “Im Körper des Feindes” (taz.de, Frank Brunner).

4. “Verachtung am Morgen”
(dradio.de, Mely Kiyak)
Mely Kiyak stellt fest, dass “sobald ein Artikel das Thema Integrationspolitik oder Islam streift”, sich innerhalb kürzester Zeit 100, 200 manchmal bis zu 500 Leserkommentare sammeln. “Notfalls müssen sich Zeitungen mit der Idee vertraut machen, ihren Lesern kein Forum für Islamfeindlichkeit zu bieten und damit möglicherweise auf Teile ihrer Leserschaft verzichten. Zeitungen können sich nicht gleichzeitig über Islamhetze in rechten Blogs und Foren empören und ihren Lesern Möglichkeiten zur Verbreitung ihrer anti-muslimischen Gesinnung bieten.”

5. “Hebräerkritisches vom Gasmann”
(boess.welt.de, Gideon Böss)
Gideon Böss sammelt Kommentare, die er nach einem Hinweis auf eine Meldung, in der steht, dass ein 13-jähriger Junge in Berlin Prenzlauer Berg “von einem Unbekannten antisemitisch beschimpft und geschlagen worden” ist, erhält.

6. “Er denkt, was sonst viele nur sagen”
(ahoipolloi.blogger.de)

Talkshow, Klappentext, Integrationstest

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1. “Todesfalle, Sexfalle, Hirnfalle”
(sueddeutsche.de, Stefan Plöchinger)
Stefan Plöchinger schreibt über die “Bild”-Titelgeschichte “Sex-Falle Facebook”: “Das Niveau der deutschen Debatte über Chancen und Risiken des Internets ist ohnehin niedrig. Die Bild-Zeitung hat in den vergangenen Monaten einiges dazu beigetragen, diesen Zustand zu erhalten.”

2. “Die zehn Gebote”
(tagesspiegel.de, Bernd Gäbler)
Handlungsempfehlungen für Polit-Talkshows: “Mehr Mut zu zugespitzten Kontroversen ist gefragt: Geert Wilders vs. Cem Özdemir: Wer wagt das im deutschen Fernsehen?”

3. “Quelle YouTube?”
(robvegas.de)
Rob Vegas will in den Nachrichten keine YouTube-Videos sehen, bei denen nicht klar ist, ob sie echt sind. “Quellen müssen geprüft werden. Ansonsten zeigt man es halt nicht.”

4. “Was das Fernsehen nicht zeigt, das gibt es nicht”
(journal21.ch, Heiner Hug)
Der langjährige Redaktionsleiter der Schweizer “Tagesschau”, Heiner Hug, thematisiert “mediatisiertes Elend zum Wohl der Elenden”: “Ist eine der grossen TV-Stationen vor Ort, kommt eine zweite. Berichten aber zwei der Grossen, kommen fast alle. (…) Je mehr die einen berichten, desto mehr berichten die andern. Kriege, Konflikte und Elend werden von den grossen Medien hochgeschaukelt.”

5. “Großartig! Verstörend!! Ja!!!”
(zeit.de, Christoph Schröder)
Christoph Schröder studiert Klappentexte von neuen Büchern: “In der Gier nach allgemeiner Verkäuflichkeit, in der Hoffnung auf einen Bestseller, in der Angst, bloß keinen einzigen potenziellen Käufer zu verschrecken, greift der Großteil der Verlage ausgerechnet auf dem Gebiet der Literatur, wo sprachlicher Eigensinn, Individualität, Randständigkeit gefragt und gewünscht sind, nach Versatzstücken von blubberndem Heiapopeia.”

6. “Was labersch du?”
(faz.net, Michael Ohnewald)
Die “Umfrage zum Integrationstest (was nicht gesendet wurde)” (youtube.com, 6:16 Minuten) wurde schon über neun Millionen mal angesehen. Ein Porträt von Tedros Teclebrhan.

Elends-Scouts, Krisenticker, Plünderer

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1. “Öffnen Sie dieser Frau nie die Tür!”
(spiegel.de, Christian Buß und Daniela Zinser)
Christian Buß und Daniela Zinser warnen vor sieben Frauen, den “skrupellosesten Voyeurismusmaschinen”, den “Elends-Scouts des deutschen Fernsehens”: Vera Int-Veen, Sabina Hankel-Hirtz, Britt Hagedorn, Helena Fürst, Tine Wittler, Julia Leischik und Frauke Ludowig.

2. “+++ Panik bleibt aus +++”
(freitag.de, Katrin Schuster)
Der Krisenticker bei “Spiegel Online”: “Bereits am Sonntagabend raunte die Seite von der Angst vor einem schwarzen Montag – um dann von morgens 8 Uhr bis abends 19 Uhr live dabei zu sein. Prophezeiungen wollen schließlich erfüllt werden, im Notfall von den Journalisten selbst, die eifrig weiter tickerten, obwohl die große Katastrophe einfach nicht stattfinden wollte.”

3. “Medienhype und selektive Wahrnehmung: Was wurde aus dem ‘mysteriösen’ Vogelsterben?”
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Medien greifen völlig normale Einzelereignisse aus einer ganzen Reihe ebenso normaler Ereignisse heraus und hypen sie zu einem dramatischen und geheimnisvollen Sonderfall. “Haben die Medien sich dafür entschieden, dass tote Vögel ‘mysteriös’ zu sein haben, dann ist für eine gewisse Zeit jedes tote Tier eine Nachricht wert. Keine objektive Einschätzung sondern selektive Wahrnehmung bestimmt dann die Themenauswahl.”

4. “n-tv bedient sich in England wie die Plünderer”
(weblog.wanhoff.de, Thomas Wanhoff)
Thomas Wanhoff fragt sich, ob n-tv.de für die in eine Bildergalerie aufgenommenen, auf (bezahlten?) Fotografien beruhenden Kunstwerke von photoshoplooter.tumblr.com etwas bezahlt.

5. “Das Überschriften-Dilemma”
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Ein Blogbeitrag von Falk Hedemann bringt Martin Weigert dazu, über Twitterer nachzudenken, die gar nicht lesen, was sie weiterempfehlen: “Sein überspitztes Fazit: Twitter ist tot, zerstört von Usern, welche nicht (mehr) in der Lage sind, Texte mit mehr als 140 Zeichen zu lesen, und welche die Qualität eines Artikels anhand dessen bei Twitter herumgeschickter Überschrift beurteilen.”

6. “Medienberufe: Der Redakteur”
(youtube.com, Video, 1:40 Minuten, 2. August 2011)

Börsenturbulenzen, Meine Schuld, Nichtlustig

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1. “Börsenturbulenzen: Geht jetzt die Welt unter?”
(faz-community.faz.net, Stefan Niggemeier)
Der ARD-Brennpunkt vom 8. August über die “Turbulenzen an den Finanzmärkten” mit Alois Theisen.

2. “Im Glashaus”
(kontextwochenzeitung.de, Rainer Nübel)
Rainer Nübel beleuchtet die Rolle von “Bild” und FAZ bei der Entführung von Maria Bögerl und dem Selbstmord von Thomas Bögerl.

3. “‘Weniger ist manchmal mehr’ – gilt bei ‘Bild’ auch für Informationen”
(iphoneblog.de, alex olma)
Das iPad2 landet in einem Test der besten Tablets von “Computer Bild” nur auf Platz 5. Alex Olma fragt sich, warum, und ärgert sich gleichzeitig, dass er nicht die nötige Kraft aufgebracht hat, den Test “unkommentiert vorüberziehen zu lassen”.

4. “Schweizer Männer wehren sich”
(tagesspiegel.de, Verena Mayer)
Verena Mayer besucht den Herausgeber der Schweizer “Männerzeitung”, Ivo Knill: “Früher, sagt Knill, hätten sie noch solche Briefe gekriegt: ‘Eine Männerzeitung, seid ihr schwul, oder was?’ Jetzt nicht mehr. Der typische Leser sei ‘der ernsthafte Mann mit Familie’. Danach kommt der junge Mann, der sich frage, was es heißt, heute ein Mann zu sein. Und die dritte Gruppe der Männerzeitungsleser, das sind die Frauen.”

5. “Und vergib uns unsere Schuld”
(juliane-wiedemeier.de)
Juliane Wiedemeier liest die Zeitschrift “Meine Schuld” (“Was Frauen berichten: schonungslos – indiskret”).

6. “Ein nichtlustiger lustiger Werkstattbericht”
(blog.zdf.de/dermarker, Video, 3:51 Minuten)
Ein Besuch bei Joscha Sauer, dem Zeichner der Nichtlustig-Cartoons.

Eine ansteckende Krankheit

Früher spielte man in Kindergärten ein Spiel, das sich “Stille Post” nannte: Die Kinder saßen im Stuhlkreis, eines dachte sich ein Wort oder einen Satz aus und sagte dies seinem Nebenmann ins Ohr. Der sagte nun das, was er verstanden zu haben glaubte, seinem Nebenmann weiter und so ging es der Reihe nach, bis am Ende irgendwas mit “Scheiße” oder “Arsch” rauskam.

Dieses Spiel nennt man heute “Boulevardjournalismus” und es funktioniert zum Beispiel so:

(Ja, das haben wir schon mal geschrieben, aber es passt zu gut zu dieser Geschichte.)

Am 27. Juli berichtete die Wartezimmer-Postille “Das neue Blatt” (gehört zum Bauer-Verlag) über “immer neue Sorgen” bei der niederländischen Kronprinzessin Maxima:

Eine Spezialklinik ist die letzte Rettung für ihr Engelchen

Folgendes war angeblich geschehen:

Im Sommerurlaub in Italien ließen sich die drei Töchter des holländischen Kronprinzenpaares kürzlich fröhlich von der Presse fotografieren. Erst bei genauerem Hinsehen fiel es auf: Während Amalia und Alexia wild herumtollten, hielt sich das Nesthäkchen auffallend zurück. Ein wenig blass um die Nase, saß Ariane oft allein im Schatten – wobei Prinzessin Amalia ihre kleine Schwester besonders aufmerksam im Auge behielt.

Gut, dass die Journalisten Leute vom “neuen Blatt” genauer hingesehen haben, denn es gibt offensichtlich etwas, was man Szeneintern ein “dunkles Geheimnis” nennen würde:

Was der Hof nicht gern an die große Glocke hängt: Das Nesthäkchen von Maxima und Kronprinz Willem-Alexander (44) ist offenbar immer noch krank! Im August plant die Familie deshalb sogar eine Reise nach Amerika. Fachärzte am berühmten “Mount Sinai Medical Center” in Miami sollen Maximas Engelchen endlich von der Lungenkrankheit heilen! Angeblich sind die Experten an der Fachklinik ihre letzte Rettung!

Das “neue Blatt” nennt einige Situationen, in denen die heute vierjährige Ariane schon einmal im Krankenhaus war und “ihr Leben auf Messers Schneide” stand. Dass das alles schon fast zwei Jahre her ist, ist dabei unerheblich, denn:

Selbst Königin Beatrix (73) machte keinen Hehl aus dem Ernst der Lage: “Eine Weile stand es wirklich sehr kritisch um unsere Kleine.”

Wann und wo die Königin diese Worte geäußert haben soll, verrät das Blatt nicht, aber immerhin:

Wir drücken die Daumen, dass die amerikanischen Ärzte dem Mädchen helfen können!

(Als das “neue Blatt” zwei Wochen zuvor die gleichen Urlaubsfotos der königlichen Familie schon einmal gezeigt hatte, wirkte Ariane “auf den ersten Blick” gesund.)

Genau eine Woche später, am Mittwoch vergangener Woche (3. August), plauderte der Society-Reporter Michael Begasse im RTL-Frühstücksfernsehen über die kleine Prinzessin:

Begasse wusste schon mehr als seine Kollegen: Ariane habe “eine Lungenkrankheit, in Richtung Mukoviszidose gehend”, erklärte er — nur, um dann eine Minute später zu erklären, dass es noch gar keine genaue Diagnose gebe. Auch bei ihm musste der Umstand, dass Ariane “immer so ein bisschen … ganz schüchtern” wirke, als Indiz für ihre schwere Erkrankung herhalten. (Dass ein vierjähriges Mädchen durch Dutzende Fernseh- und Pressekameras eingeschüchtert werden könnte, ist für Fernseh- und Pressereporter offensichtlich keine plausible Erklärung.) Auch Begasse berichtete von einem angeblichen Interview, in dem Königin Beatrix diesmal “Ja, wir machen uns Sorgen um unsere Kleine” gesagt haben soll.

Einen Tag später erschien in “Bild” diese Geschichte:

Ariane (4) ist schwer lungenkrank. Große Sorge um Prinzessin Máximas jüngste Tochter.

Interessanterweise beruft sich “Bild” auf “das holländische RTL-Fernsehen” (bei Bild.de ist nur von “RTL” die Rede), wenn sie schreibt, “dass es sich bei der Krankheit um Mukoviszidose handeln soll”. Die Zeitung hat sogar einen Arzt gefunden, der diese Spekulation für “plausibel” hält.

Und nicht nur das:

Ein Hof-Insider zu BILD: “Máxima wird nichts unversucht lassen, um ihrem Nesthäkchen zu helfen.”

Durch die “Bild”-Berichterstattung wurden auch niederländische Medien auf die Gerüchte aufmerksam und ab hier wird die Chronologie etwas unübersichtlich: Ebenfalls am Donnerstag vermeldete der niederländische “Telegraaf”, die Pressestelle der Regierung habe die Gerüchte als “völligen Unsinn” bezeichnet.

Und weiter:

Als Quelle für die Geschichte über Ariane nimmt die deutsche Presse auf einen niederländischen Sender Bezug. Es scheint sich jedoch um einen deutschen Sender zu handeln.

(Übersetzung von uns.)

Am gleichen Tag machte sich die Sendung “Boulevard”, die tatsächlich beim niederländischen RTL 4 läuft, über die deutschen Boulevard-Reporter lustig. Darin war auch ein Ausschnitt zu sehen, wie ein niederländischer Hof-Insider im ZDF-Klatschmagazin “Leute heute” alle Gerüchte zurückweist.

Ebenfalls am 4. August schrieb RTL.de:

Die Sorgen des niederländischen Prinzenpaares Maxima und Willem-Alexander um ihre jüngste Tochter Ariane (4) werden immer größer: Nun steht die Vermutung im Raum, dass es sich bei der mysteriösen Lungenkrankheit, an der Ariane leidet, möglicherweise um die unheilbare Mukoviszidose handeln könne, wie ‘RTL 4’ in den Niederlanden meldet.

Ob RTL Deutschland mit der Berichterstattung bei RTL 4 das Dementi meint, ist nicht ganz klar, aber der Artikel ist inzwischen offline.

Immer noch am 4. August sendete RTL Deutschland aber auch ein Dementi des niederländischen Königshauses.

Den Gipfel des Zynismus erklomm derweil das Internetportal wunderweib.de, das wie das “neue Blatt” zum Bauer-Verlag gehört. Es schrieb irgendwann in den letzten Tagen (ein Datum würde so eine Nachricht nur unnötig greifbar machen):

Bei unseren Nachbarn in Holland machte dieser Tage die Schreckensmeldung die Runde, dass die kleine Prinzessin Ariane (4) angeblich erneut an schweren Lungenproblemen leide.

Es hieß, Kronprinzessin Máxima der Niederlande sei mit ihrer jüngsten Tochter nach Miami/USA gereist, um dort eine Spezialklinik aufzusuchen. Doch inzwischen veröffentlichte der Hof auf Druck der Öffentlichkeit ein Dementi und ließ verlauten, dass die Geschichte so nicht stimme.

Das bedeutet Entwarnung. Prinzessin Ariane ist demnach wohlauf. Genährt wurden die jetzt in den Medien publizierten Spekulationen, weil die Vierjährige früher tatsächlich mehrfach gesundheitliche Probleme hatte.

Noch mal zum Mitdenken: Bauer tut so, als hätten irgendwelche niederländischen Medien diesen Unsinn in die Welt gesetzt. Es war das eigene “neue Blatt”.

Mit Dank an Ilonka L. und Petra S.

MDR, Mario Basler, Kurt Tucholsky

6 vor 9

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1. “Quote, Kohle, Skandale”
(sueddeutsche.de, C. Kohl und H. Leyendecker)
Die 20-jährige Geschichte des MDR: “Wenn Beobachter von draußen auf die zwei Jahrzehnte zurückblicken, reden sie meist über Politfilz, geschäftliche Sauereien, übelste Geldgeschichten und Stasi-Verwicklungen der Sender-Mannschaft.”

2. “Zeugnis”
(dwdl.de, Arnd Zeigler)
Arnd Zeigler bewertet Fußballmedien. Zu “Bild”-Experte Mario Basler notiert er: “Wortspielereien, die jedem Achtjährigen zu doof wären. Statt störender fachlicher Dinge wird auf Klischees aus der Stummfilmzeit herumgeritten.”

3. “Paying for News? It’s Nothing New”
(nytimes.com, Jeremy W. Peters, englisch)
Beispiele von Scheckbuch-Journalismus: “When the British journalist David Frost secured his interview with Richard M. Nixon in 1976, it was because he outbid his American competitors, offering the former president a staggering sum of $600,000.”

4. “Wer im Pressehaus sitzt…”
(oldenburger-lokalteil.de)
Der Oldenburger Lokalteil hält die Aufregung der Nordwest-Zeitung, eine Produktionsfirma habe “die freie Berichterstattung durch die NWZ einschränken wollen”, für übertrieben.

5. “Redakteur und freier Schriftsteller”
(textlog.de, Kurt Tucholsky, 1922)
Das Spannungsverhältnis zwischen Redakteur und freiem Mitarbeiter beschäftigte Kurt Tucholsky 1922: “Das Angestelltenverhältnis dem Verleger gegenüber ist nicht zu leugnen, und es involviert sicherlich die Pflicht, die Interessen des Verlages nach außen hin wahrzunehmen. Das geschieht aber häufig mit einer Rücksichtslosigkeit, die jede geistige Artverwandtschaft mit dem freien Schriftsteller leugnet und ein vorhandenes Vertragsverhältnis über das Kollegialitätsgefühl triumphieren läßt.”

6. “Techno? Angekommen!”
(technoarm.de, Martin Böttcher)
Martin Böttcher fragt sich, warum es ihm vergönnt ist, in der FAZ eine ganze Seite über Moritz von Oswald zu lesen: “So, wie einst die 68er den Marsch durch die Institutionen antraten, ist auch die ‘Generation Techno’ mittlerweile angekommen. Menschen so wie ich, die mit der Club-Kultur erwachsen geworden sind, die von ihr geprägt wurden, die wissen, was einem der Kreislauf aus Feiern, Musik, Erholen und wieder Feiern geben (und nehmen) kann, sitzen in den Redaktionen oder arbeiten als Reporter und Autoren.”

Bild  

Die Perversion des Rechtsstaats

Sie haben wirklich nichts unversucht gelassen bei “Bild” am gestrigen Morgen:

Der Fall Gäfgen heute vor Gericht Schmerzens-Geld für Kinder-Mörder? Herr Richter, verhindern Sie das!

Das Kleingedruckte lautete:

Einfach widerlich! Kindermörder Magnus Gäfgen (35) fordert Schmerzensgeld! Grund: Ihm wurde in Polizeiverhören Folter angedroht, um das Leben seines Opfers Jakob von Metzler (verstorben 11) zu retten. Heute muss das Landgericht Frankfurt/Main entscheiden: Bekommt der Killer 10 000 Euro? Herr Richter, bitte lassen Sie das nicht zu!

Tatsächlich kann man es widerlich finden, dass Gäfgen, rechtskräftig verurteilter Kindesentführer und -mörder, Schmerzensgeld vom Land Hessen forderte, weil ihm Polizisten beim Verhör mit Folter gedroht hatten. Doch es ist die Aufgabe der Justiz, zu überprüfen, ob das, was widerlich ist, trotzdem auch rechtens sein kann.

Und letztlich entsprach der Richter mit seinem Urteil (hoffentlich unbewusst) ein Stück weit der Forderung von “Bild”: Statt der geforderten mindestens 10.000 Euro bekam Gäfgen 3.000 Euro zugesprochen (Pressemitteilung zum Urteil als PDF), vier Fünftel der Gerichtskosten muss er selbst tragen.

Doch irgendwie hat all das “Bild” nicht besänftigen können. Die Zeitung liegt heute so am Kiosk:

3000 Euro Entschädigung für Magnus Gäfgen 3000 Euro "Entschädigung" für Kindermörder. In was für einem Land leben wir?
Um den Autoren Horst Cronauer und Tim Thorer gleich mal ihre drängendste Frage zu beantworten: Die Art Land, in der wir hier leben, nennt sich “Rechtsstaat”. Die Frage “Herr Richter, warum geben Sie diesem Mörder auch noch Geld?” ist mindestens infam, weil sie suggeriert, Gäfgen bekomme das Geld gleichsam als Belohnung für den Mord.

Die wenigen “Bild”-Leser, die nach der Lektüre der Überschrift noch nicht mit Fackeln und Forken vor der Tür des Richters stehen, könnten im Artikel dann erfahren, dass Gäfgen eigentlich gar nicht so richtig gewonnen hat:

Doch Gäfgen, der sogar 10 000 Euro Schmerzensgeld plus Schadenersatz verlangt hatte, bekam nicht in allen Punkten recht. Gäfgen sei nicht durch das Verhör traumatisiert worden, erklärte das Gericht, sondern durch sein eigenes Verbrechen und den Einsturz seines aus “Lügengeschichten und Luftschlössern bestehenden Selbstbildes”.

Und: Von der Entschädigung (inklusive Zinsen 3410,25 Euro) wird er nicht einen Cent sehen! Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu: “Gäfgen hat aus dem Mordprozess noch 71 000 Euro bei der Justizkasse offen. Die muss er erst begleichen.”

Trotzdem lobt der Anwalt des Mörders, Michael Heuchemer, die Entscheidung als “wichtiges Signal für die Menschenrechte”!

(Dieses “trotzdem” ist ein bisschen unglücklich gewählt, denn Menschenrechte und finanzieller Gewinn stehen in keinem direkten Zusammenhang zueinander.) *

Florian von Heintze wettert in seinem Kommentar, das Urteil sei eine “Perversion des Rechtsstaates”, dabei ist es genau das nicht. Man mag Gäfgens Zivilklage “unsensibel” finden, “zynisch”, “schamlos” oder “verachtenswert”, aber es war sein Recht zu klagen und das Gericht hatte aufgrund der Rechtslage und ohne Ansehen der Person zu entscheiden.

Heintzes argumentativer Eiertanz endet mit einer rhetorischen Frage, die er haarscharf falsch beantwortet:

Natürlich ist schon die bloße Androhung von Folter rechtswidrig. Aber rechtfertigt das wirklich eine Geldzahlung an einen verurteilten Mörder?

Mit diesem Urteil hat sich der Rechtsstaat ad absurdum geführt.

Der Rechtsstaat an sich funktioniert wunderbar, das hat das Urteil bewiesen. Die Frage, wie sachdienlich oder nachvollziehbar das Urteil war, kann man natürlich trotzdem verhandeln, wie es etwa Heribert Prantl in der “Süddeutschen Zeitung” getan hat.

Dass Friedrich von Metzler, Vater des Mordopfers Jakob, sich von “Bild” mit den Worten zitieren lässt, das Urteil empöre ihn “zutiefst” und seine Familie verstehe es nicht, ist menschlich nachvollziehbar.

Schwerer verheddert sich da schon Helmut K. Rüster, Sprecher der Opferschutzorganisation “Weißer Ring” und gern gesehener Stichwortgeber von “Bild”, in seiner Argumentation:

“Wenn ein Kindesmörder sich lediglich auf eine Drohung hin auf Todesangst berufen kann und daraufhin aus der Staatskasse Geld bekommt, dann stimmt etwas nicht mehr in unserem Rechtsverständnis.”

Nach der gleichen Logik dürfte auch ein Täter nicht verurteilt werden, dessen Opfer angibt, “lediglich auf eine Drohung hin” Todesangst ausgestanden zu haben. Eine steile These für den Sprecher eines Opferverbandes.

Überraschend treffend (wenn auch mutmaßlich anders gemeint) fasst der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, die Situation zusammen:

“Das Urteil lässt die eigentliche ungeheuerliche Tat – die Ermordung eines Kindes – in den Hintergrund treten.”

Das Urteil sicher nicht — der Richter ist ja durchaus noch einmal auf Gäfgens Taten eingegangen. Aber die Berichterstattung darüber.

Und welche Folgen die hat, kann man heute schön an den (sicherlich eher zufällig ausgewählten) Leserbriefen in “Bild” sehen:

Ich glaub es nicht! Ein Kindermörder bekommt vom Steuerzahler Prozesskostenhilfe und 3000 Euro Schmerzensgeld! Wofür? Für eine Drohung, für die auch eine Verwarnung gelangt hätte. Dieses Urteil ist eine Ohrfeige für ganz Deutschland. Und die Eltern von Jakob müssen wieder mal die Hölle durchmachen. Harry K., Offenbach (Hessen) Ich empfehle euch die Schlagzeile: Pfui Deutschland! Heike M., Heilbad Heiligenstadt (Thüringen) Ich bin wütend! Ich finde es unmöglich, dass einem Menschen wie Gäfgen überhaupt Gehör geschenkt werden muss. Petra C., Frankfurt am Main. Ab heute bin ich nicht mehr stolz darauf, ein Deutscher zu sein. Deutschland und deine Richter, schämt euch! Walter-Anton H. (E-Mail) Juristisch mag das Urteil in Ordnung gehen, aber das Feingefühl sagt doch, dass, wenn Schmerzensgeld gezahlt wird, dieses nicht für Gäfgen, sondern für die leidgeprüften Eltern gezahlt werden sollte. Ich bin entsetzt. Werner B., Dresden

Andererseits ist das schon ein ganzes Stück besonnener als das, was “Bild”-Leser im März an die Zeitung schrieben:

Wenn der 1 Pfennig vom Staat kriegt, zahl‘ ich keine Steuern mehr! Brigitte E., Wiesbaden (Hessen) Meine Meinung: Ab in eine Gemeinschaftszelle und Hofgang mit allen anderen Ganoven! Rolf K., Leipzig (Sachsen) Solche Menschen haben mit ihrer Tat jegliches Recht verwirkt. Uschi Trost, Lahr (Baden-Württemberg) Das gibt es nur in Deutschland. In Amerika wäre diese Bestie kein Thema mehr. Bernd Munce, Lüdenscheid (NRW)

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber.

* Nachtrag, 16.30 Uhr: Außerdem darf die Staatsanwaltschaft Gäfgens Entschädigung gar nicht mit seinen Schulden verrechnen, wie Udo Vetter im Lawblog schreibt.

Judentum, Paketboten, Fernsehtipps

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1. “Zu Besuch beim Leser”
(zeit.de, Philip Faigle)
Auf ein Plädoyer für mehr Europa erntet Philip Faigle wütende Kommentare der Leser. Er beschließt, einen von ihnen zu besuchen. “Je länger man mit M. spricht, desto mehr versteht man, dass er überhaupt kein Außenseiter ist. Eigentlich ist er ziemlicher Mainstream, einer von uns.”

2. “Ansichtssache”
(juedische-allgemeine.de, Alexander Kissler)
Wie Medien jüdisches Leben in Deutschland beschreiben: “Das Judentum tritt in der Öffentlichkeit vor allem als mahnende, warnende Moralinstanz auf, bar fast aller Individualität. Die Lücke zwischen realem und konstruiertem Judentum ist noch lange nicht geschlossen.”

3. “Ich bin unsolidarisch, arrogant, unfähig und ein echter Arsch”
(streim.de, Andreas Streim)
Andreas Streim antwortet auf den Blogbeitrag von Hardy Prothmann: “Ja, Redakteure sind Angestellte die (meistens) das tun, was ihnen Vorgesetzte anweisen. Wie in jedem Betrieb. Weil sie ihren Job behalten wollen – was für Herrn Prothmann offenbar an sich schon verwerflich ist.”

4. “Das Hermes-Prinzip – Ein Milliardär und seine Götterboten”
(ardmediathek.de, Video, 28:23 Minuten)
Ein Hermes-Paketbote wird auf seiner Tour begleitet: “Peter arbeitet für 60 Cent pro Paket, nach einem zehn Stunden Tag hat er etwa 60 Euro verdient. Fast die Hälfte davon geht für Sprit und Auto drauf.”

5. “‘Bild’ straft die ARD mit weniger Fernsehtipps ab”
(funkkorrespondenz.kim-info.de, da)
Dieter Anschlag zählt Fernsehtipps in “Bild”: “Das ZDF liegt bei den ‘Bild’-Fernsehtipps mit 10 Hinweisen auf Platz 1 und auf Rang 2 findet sich – Sat 1 mit 6 Nennungen. Erst danach kommt die ARD auf dem dritten Rang mit nur 5 Hinweisen. Dahinter liegen RTL mit 4 und, plötzlich aus der Versenkung aufgetaucht, Pro Sieben mit 3 Nennungen.”

6. “Post von Wagner*”
(titanic-magazin.de, Satire)

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