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Mädchen, Winkelruten, @ladybigmac

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Mädchen 16/11”
(textandcrime.de, tc)
Text and Crime liest eine Ausgabe der Zeitschrift “Mädchen”: “In dieser Zeitschrift ist auf jeder Seite, in jedem Absatz, in jeder Bildunterschrift Werbung. Überall, wirklich ÜBERALL werden Produkte, Preise und Bezugsquellen angebpriesen.”

2. “Der Terror in Norwegens Medien”
(taz.de, Reinhard Wolff)
Wie die Medien in Norwegen mit den Anschlägen vom letzten Freitag umgehen: “Falls man bei der Berichterstattung über das Doppelattentat von einem Gewinner sprechen kann, so geht dieser Titel eindeutig an den öffentlich-rechtlichen Sender NRK. Der stellte aus dem Stand eine fast durchgängige zweieinhalbtägige Dauersendung auf die Beine, die nicht etwa immer wieder die gleichen Videoclips wiederholte, sondern ständig neue Gesprächspartner und Blickwinkel fand.”

3. “Eine Falle namens Thilo Sarrazin”
(faz.net, Frank Schirrmacher)
Frank Schirrmacher erzählt eine Geschichte über angeblich gestohlene Bänder in einer Produktionsfirma des rbb, die in einem Entzug des Auftrags an Journalistin Güner Balci gipfelt, einen Film zum Jahrestag des Buchs “Deutschland schafft sich ab” zu drehen: “Diese Gesellschaft ist nicht in der Lage, ein irreleitendes Buch zu diskutieren. Und Sarrazin hat es geschafft, dass die Institutionen, die sich mit ihm befassen, allesamt in den Zustand der Notlüge geraten.” Der rbb “weist Vorwürfe der FAZ zurück”: “Dieses Projekt hat der rbb aus rein journalistischen Gründen beendet, politische oder gar persönliche Motive spielten dabei keine Rolle.”

4. “BILD-Reporter auf der perfiden Jagd nach Kinderschändern”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Wie “Bild” rechtmäßig entlassene Straftäter von Stadt zu Stadt verfolgt. Ebenfalls lesenswert: @tagesschau twittert: “Europa League: Mainz verliert gegen Gaz Metan”. Tatsächlich ging das Spiel unentschieden aus.

5. “ZDF entgeistert mit Wünschelruten-Fernsehen”
(welt.de, David Harnasch, Video, 6:17 Minuten)
Winkelruten im ZDF-Mittagsmagazin und Homöopathie gegen Malaria auf tagesschau.de.

6. “Twitter Pundits”
(thedailyshow.com, Video, 2:59 Minuten, englisch)
Jon Stewart fragt sich, was er mit Meinungs-Tweets von Usern wie @ladybigmac, @krispibacon oder @dogfart anfangen soll, die TV-Stationen für ihn auswählen.

Lomografie, Journalistenpreise, SPD

6 vor 9

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1. “Stoppt die Breivik-Soap!”
(zeit.de, Michael Schlieben)
Deutsche Medien machen den Norwegen-Attentäter zur Ikone, wenn sie jedes Detail seines Lebens ausbreiten, glaubt Michael Schlieben. “Man fühlt sich wie in einer Diashow mit Endlosschleife, die dem Mann eine Präsenz verschafft, wie er sie sich größer nicht wünschen konnte. Hinzu kommen Psychologisierungen, in denen von der Steuererklärung bis hin zum Musikgeschmack nichts undurchforstet bleibt.”

2. “Ein steiniger Weg”
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig thematisiert den Umgang mit dem “Manifest” des Täters. “Wie weit und ob das Buch überhaupt rezipiert werden soll, ist jetzt umstritten. Vorsorglich wird es als wirr oder wahnsinnig eingeschätzt – was dann wohl die genaue Lektüre entbehrlich machen soll. Allenfalls die schnelle Suche nach entsprechenden Schlagworten wie ‘Broder’ (12 x) oder ‘Wilders’ (29 x) wird vorgenommen, um ersatzweise Journal­ismus zu simulieren. Wobei die Suche bei ‘Adorno’ (26 x) oder ‘Orwell’ (12 x; mehr­fach verwendet der Autor Orwell-Zitate zu Beginn seiner Kapitel) ähnlich ergiebig gewesen wäre.”

3. “Aus der Nachrichtenagentur: die unanständige Methode eines dpa Journalisten”
(fakeblog.de, Floyd Celluloyd)
Floyd Celluloyd erinnert sich daran, wie er 2001 mit einer Aussage zur Lomografie in der “Kölnischen Rundschau” zitiert wurde.

4. “This is Why Your Newspaper is Dying”
(bradcolbow.com, englisch)
Neun Gründe, warum Zeitungsverlage online keinen Erfolg haben.

5. “Zwölf total randseitige Fakten über Journalistenpreise”
(netzfundbuero.de, Tom Hillenbrand)
“Quellen: Teilnahmebedingungen der jeweiligen Journalistenpreise, Newsroom.de, eigene Recherche.”

6. “Sozialdemokraten. 18 Monate unter Genossen”
(ardmediathek.de, Video, 88:35 Minuten)
Eineinhalb Jahre SPD, zusammengefasst in eineinhalb Stunden. Lutz Hachmeister mit einer Reportage, die Aufschluss über den Zustand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gibt.

(Nicht-)Wissen ist Yacht

Vergangene Woche berichtete Bild.de über die angeblich “teuerste Jacht der Welt”.

Dabei ist die “History Supreme” nicht mal besonders groß (30 Meter). Dafür aber besonders goldig. Etwa 100 Tonnen Gold und Platin will Stuart Hughes verbaut haben.

Der Text ist voller “wills”, “solls” und Konjunktive — aber so unglaubwürdig, um sie einfach unter den Tisch fallen zu lassen, war Bild.de die Meldung dann offenbar auch nicht.

Aufmerksam geworden ist Bild.de auf die Geschichte offenbar durch Berichte in britischen Boulevardmedien, die sich alle nicht die Mühe gemacht hatten, die Ausführungen des angeblichen Schiffsbauers Stuart Hughes zu hinterfragen.

Das übernahm dann das Online-Magazin “Motorboat & Yachting” (MBY) und stellte einige Ungereimtheiten fest:

  • Das Boot soll angeblich an einen “Geschäftsmann aus Malaysia” verkauft worden sein. In Malaysia gibt es aber nur drei Menschen, für die die 3 Milliarden Pfund Kaufpreis einigermaßen bezahlbar wären — der eine ist 72, der andere 87 Jahre alt und die dritte eine Frau. (Außerdem sind die 100 Tonnen Gold drei Mal mehr, als in der Nationalbank von Malaysia lagern.)
  • Die 100 Tonnen Gold sollen zum Ursprungsgewicht von 80 Tonnen hinzugefügt worden sein. Es erscheint äußerst unwahrscheinlich, dass eine 180 Tonnen schwere 30-Meter-Yacht überhaupt schwimmen oder gar fahren kann.
  • Die Fotos, die Stuart Hughes zeigt, stammen von der Website des Yacht-Herstellers Baia und wurden in Photoshop golden angemalt.
  • An Bord soll eine Wand-Installation aus dem Knochen eines Tyrannosaurus Rex sein.

Gestern konnte MBY dann vermelden, dass es sich um einen Fake handelt: Baia bestätigte, dass die Bilder von ihrer Website geklaut und bearbeitet worden seien.

Original.

Fälschung.

Rechtliche Schritte wolle man aber nicht unternehmen:

“(…) It’s such a stupid story it’s not worth it.”

Offenbar nicht dumm genug für Bild.de.

Mit Dank an Uwe R.

Norwegen, EHEC, CSD

6 vor 9

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1. “Ein Täter darf nicht abgebildet werden”
(wuv.de, Jochen Kalka)
Jochen Kalka betrachtet die Berichterstattung zu den Anschlägen in Norwegen und zieht Vergleiche zum Amoklauf von Winnenden: “Den Medien sind die Opfer egal. Für sie ist der Täter Opfer. Die Medien suchen nach Antworten, wie es zu der Tat kommen konnte. Der Täter als Opfer der Gesellschaft. Immer die gleiche Debatte.”

2. “The news coverage of the Norway mass-killings was fact-free conjecture”
(guardian.co.uk, Charlie Brooker, englisch)
Auch Charlie Brooker widmet sich der Berichterstattung zum Anschlag. Er erklärt, warum er den Täter nicht beim Namen nennt. “Presumably he wanted to make a name for himself, which is why I won’t identify him. His name deserves to be forgotten. Discarded. Deleted. Labels like ‘madman’, ‘monster’, or ‘maniac’ won’t do, either. There’s a perverse glorification in terms like that. If the media’s going to call him anything, it should call him pathetic; a nothing.”

3. “Elmar Theveßen und der ‘saubere Journalismus’ der Terrorismusexperten”
(faz-community.faz.net, Stefan Niggemeier)
Wie sollte ein Terrorismusexperte auf drängende Fragen von Journalisten antworten, wenn die Umstände eines Ereignisses noch nicht einzuschätzen sind? So: “Nein, Frau Illner, man kann das wirklich noch nicht sagen / Es ist zu früh dafür / Wir wissen es noch nicht / Seriös lässt sich das nicht beantworten / Lassen Sie uns da nicht spekulieren.”

4. “Gurken, Keime, Kolportagen”
(message-online.com, Michael Haller)
“Warum deutsche Medien dem EHEC-Fieber verfielen” ist die aktuelle Titelgeschichte der Zeitschrift “message” (Leseprobe als PDF-Datei). Michael Haller kommentiert: “Statt nachzufragen, haben die Journalisten auch der tonangebenden Medien nur kolportiert. Und sich immer neue Aufhänger für Panikgeschichten ausgedacht.”

5. “Angemessene Staatsferne und Praxis”
(ksta.de, Jan-Philipp Hein)
Die Besetzung des Programmdirektors des Deutschlandfunks steht an. “Medienpolitik ist auch Personalpolitik. Die geht zwischen CDU und SPD meist nach dem Prinzip ‘Einen für euch, einen für uns'”.

6. “Wie schwul hätten Sie’s denn gerne?”
(alexandervonbeyme.net)
Am Wochenende finden mehrere Christopher-Street-Days in Deutschland statt. Alexander von Beyme denkt nach über das Inszenieren der eigenen Sexualität: “Heterosexuelle Männer tragen ihre Orientierung auch vor sich her, wenn sie ungefragt von ihrer Frau erzählen. Neulich habe ich auf der Straße einen Mann und eine Frau gesehen – und sie hatten tatsächlich ein Kind dabei, als biologischen Beweis, dass sich die beiden auch im Schlafzimmer gut verstehen!”

Bild  

Griechische Schändungsschande

Sie sind mal wieder entsetzt bei “Bild”:

Griechenland: Bundesadler mit Hakenkreuz geschändet!

Unter dem riesigen Foto steht:

Es sind einzelne Demonstranten. Aber wissen sie nicht, dass sie die Gefühle von Millionen Deutschen verletzen?

Und das ist natürlich ganz witzig angesichts der einzelnen Boulevard-Journalisten, die seit mehr als einem Jahr die Gefühle von Millionen Griechen verletzen.

Weniger witzig ist, was “Bild” dann schreibt:

Die Demonstranten forderten lautstark “Reparationen” für die nachweislich grausamen Verbrechen der Deutschen, die Griechenland während des Zweiten Weltkriegs besetzt hatten (1941–45). Dabei wissen sie: Alle Reparationsforderungen Griechenlands an Deutschland sind vertraglich längst beglichen oder anderweitig geregelt.

Das ist, vorsichtig gesagt, falsch tendenziös zynisch.

Die Reparationsforderungen, die 18 Staaten (darunter Griechenland) im Pariser Reparationsabkommen von 1946 gestellt hatten, wurden mit dem Londoner Schuldenabkommen von 1953 zurückgestellt. Die Reparationszahlungen sollten erst nach Abschluss eines Friedensvertrags mit Deutschland wieder eingefordert werden, doch den gibt es bis heute nicht: Der Zwei-plus-Vier-Vertrag zwischen den alliierten Siegermächten (USA, Großbritannien, Frankreich und UdSSR) auf der einen und der Bundesrepublik und der DDR auf der anderen Seite wurde ausdrücklich “anstatt eines Friedensvertrags” geschlossen. Experten sind sich uneins, ob die Ansprüche früherer deutscher Kriegsgegner wie Griechenland auf Reparationszahlungen damit ebenfalls verfallen sind oder nicht.

“Geregelt” ist im Fall Griechenlands also nichts und “beglichen” schon gar nicht: Hagen Fleischer, Historiker an der Universität in Athen, hat in einem Gespräch mit dem Deutschlandradio Kultur vom März 2010 erklärt, dass Griechenlands Forderungen nach der Wiedervereinigung “im Allgemeinen bereits vom Türsteher abgewiesen” worden waren. Hinzu komme ein Zwangsdarlehen der griechischen Staatsbank an Nazi-Deutschland, das sich nach heutiger Kaufkraft auf über fünf Milliarden Euro beliefe (“ohne einen Pfennig Zinsen”).

Der Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl sagte im Juni in einem Interview mit “Spiegel Online”:

Die Griechen kennen die feindlichen Artikel aus deutschen Medien sehr gut. Wenn die Stimmung im Land umschlägt, alte Forderungen nach Reparationszahlungen laut und auch von anderen europäischen Staaten erhoben werden und Deutschland diese je einlösen muss, werden wir alle bis aufs Hemd ausgezogen.

Ebenfalls bei “Spiegel Online” findet sich die stolze Zahl von 162 Milliarden Euro plus Zinsen, mit der der griechische Nationalheld Manolis Glezos die deutschen Schulden gegenüber Griechenland beziffert hat.

Mit Dank auch an Jörg A. und Philip Z.

Süddeutsche Zeitung, nytimes.com, Apple Store

6 vor 9

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1. “Was geht uns Mr. Murdochs Skandal an?”
(falter.at, Armin Thurnher)
“So mies sind unsere Medien” titelt das Wiener Stadtmagazin “Falter”. “Möglicherweise werden bei uns keine Handys gehackt, aber die Sitten der Medien, der Politik und auch der Polizei im Umgang miteinander sind offenkundig verrottet. Die Zitierten sind anonym gemacht, denn sie haben Angst, geklagt zu werden oder ihre Geschäftsbasis, also ihr Amt zu verlieren, wenn sie offen über die medialen Zustände sprechen. Sie erzählen von Erpressung und offener Drohung, wenn sie nicht Geschichten liefern. Sie reden von gekauften Geschichten und korrupten Praktiken.”

2. “Geplante BILDstörung”
(fr-online.de, Ulrike Simon und Joachim Frank)
Eine angeblich geplante “Bild”-Serie zur ARD und eine angeblich geplante Gegenkampagne lösen bei einigen Journalisten Aufregung und Spekulationen aus. “Nun ist nichts dagegen einzuwenden, dass sich ARD-Programme mit Bild-Machenschaften beschäftigen. Anders liegt der Fall, wenn es sich dabei um von oben verordnete Krisen-PR handelt, die als Journalismus getarnt daherkommt.”

3. “Was aus dem gekündigten SZ-Abo wurde!”
(wasmitmedien.de, Daniel Fiene)
Dennis Horn kündigt sein Abo der “Süddeutschen Zeitung”. Der Verlag nimmt die Kündigung zwar an, liefert sie aber unverlangt einen Monat weiter, “um Ihnen noch einmal die vielen Vorzüge der Süddeutschen Zeitung aufzuzeigen”.

4. “Horrible Bosses – Fox News Won’t Dumpster Dive”
(thedailyshow.com, Video, 4:14 Minuten, englisch)
Wie “Fox News” (News Corp.) über die Abhörmethoden von “News of the World” (News Corp.) berichtet. Ab 3:50 Minuten ein Interview von “Fox News” mit Rupert Murdoch von 2009.

5. “The nytimes they are a-changin'”
(okayfail.com, Video, 5:36 Minuten, englisch)
Die Frontseite von nytimes.com im Zeitraffer. “Having worked with and developed on a number of content management systems I can tell you that as a rule of thumb no one is storing their frontpage layout data. It’s all gone, and once newspapers shutter their physical distribution operations I get this feeling that we’re no longer going to have a comprehensive archive of how our news-sources of note looked on a daily basis.”

6. “Are you listening, Steve Jobs?”
(birdabroad.wordpress.com, englisch)
Ein Besuch in einem Laden in Kunming, der sich “Apple Store” nennt. “Apple never writes ‘Apple Store’ on it’s signs – it just puts up the glowing, iconic fruit.”

AFP  

Milliartensterben

Journalismus kann so einfach sein: Man bekommt eine Pressemitteilung rein, muss sie nur noch ein bisschen umformulieren und kann sie schon veröffentlichen. Gut: Manchmal muss man sie auch noch aus einer fremden Sprache übersetzen, aber dafür gibt es ja auch Fachpersonal.

Der Unterhaltungselektronikkonzern Apple hat gestern seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsquartal 2011 bekanntgegeben und die sind durchaus beeindruckend:

The Company posted record quarterly revenue of $28.57 billion and record quarterly net profit of $7.31 billion, or $7.79 per diluted share.

Nun wissen aufmerksame BILDblogLeser, dass das englische Wort “billion” eine kleine Stolperfalle darstellt: Es entspricht im Deutschen der “Milliarde”, nicht etwa der “Billion”.

Auftritt AFP:

Der Konzern verdiente nach Angaben vom Dienstag im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres rund 7,3 Millionen Dollar (5,2 Millionen Euro). (…) Der Umsatz stieg im dritten Quartal, das am 25. Juni endete, um 82 Prozent auf 28,6 Millionen Dollar.

Ein Gewinn von 7,3 Millionen Dollar und ein Umsatz von 28,6 Millionen wären für einen Konzern wie Apple ein ziemliches Desaster, zumal bei den Absatzzahlen, von denen AFP selbst schreibt:

Von April bis Juni verkaufte Apple nach eigenen Angaben 20,3 Millionen iPhones, das waren 124 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Vom Tablet-Computer iPad gingen mit 9,3 Millionen Exemplaren sogar 183 Prozent mehr über die Ladentische. Auch die Verkäufe des klassischen Mac-Computers stiegen um 14 Prozent auf fast vier Millionen Exemplare. Nur beim iPod gingen die Verkaufszahlen zurück – um 20 Prozent auf 7,5 Millionen.

Demnach hätte Apple bei jedem dieser verkauften Geräte einen Gewinn von etwa 18 Cent gemacht. Da bringt der Verkauf eines Liters Milch wahrscheinlich mehr ein.

Um 11.50 Uhr, mehr als elf Stunden nach Veröffentlichung der Meldung, hat AFP eine Berichtigung verschickt. Aber so etwas hat ja bekanntlich nur begrenzte Auswirkungen. Die “Augsburger Allgemeine” hat es gar geschafft, aus der fehlerhaften AFP- und der korrekten dpa-Meldung eine Art Mashup zu bauen.

Mit Dank an Bastian.

Nachtrag, 15.25 Uhr: stern.de hat den Fehler transparent korrigiert.

Fettnäpfchen, Koks, Arnautovic

6 vor 9

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1. “Bitte ins Fettnäpfchen treten”
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig glaubt, dass “die sogenannten Polittalkshows” nur noch am Rande etwas mit Politik zu tun haben: “Stattdessen wird Politik oder besser: Parlamentarismus simuliert. Diese Sendungen sind billig, journalistisch anspruchslos und haben nur ein Ziel: Möge doch bitte irgendjemand in irgendeines der vorbereiteten Frage-Fettnäpfchen treten.”

2. “Die Wahrheit über das Pekinger Tiananmen-Massaker”
(infosperber.ch, Peter Achten)
Peter Achten, langjähriger Fernost-Korrespondent für das Schweizer Fernsehen und Radio, blickt zurück auf die als Tian’anmen-Massaker in die Geschichte eingegangenen Ereignisse von 1989 in Peking. “Der ganze Studentenprotest wurde mangelhaft begleitet, nicht zuletzt deswegen, weil sich sehr viele Journalisten aus dem Ausland aus einem ganz anderen Grund in Peking aufhielten. (…) Viele eingeflogene Korrespondenten berichteten ohne jede Sachkenntnis sensationsgeil vom Platz vor dem Tor des Himmlischen Friedens.”

3. “Zerstörungskraft des Boulevards”
(freitag.de, Nick Davies)
Nick Davies schreibt über den vor wenigen Tagen verstorbenenen Sean Hoare, der als erster Mitarbeiter von “News of the World” öffentlich zugab, Abhörpraktiken angewendet zu haben. “Es muss die restliche Fleet Street in Angst versetzt haben, als er anfing zu reden – er hatte mit einigen der mächtigsten Namen im Boulevard-Journalismus Koks genommen, es ihnen ver- und abgekauft.”

4. “Böse Briten, gute Deutsche?”
(stern.de/blogs, Hans-Martin Tillack)
“Wenn nun von abgehörten Telefonen als Recherchemethode in Deutschland bisher nichts bekannt ist, liegt dies so oder so kaum daran, dass hiesige Journalisten allesamt solch ethischen Vorbilder sind. Sondern eher daran, dass in Deutschland, anders als auf den britischen Inseln, kein erbitterter Konkurrenzkampf zwischen verschiedenen nationalen Boulevardblättern tobt. Aber hier wie dort scheint es manchen Redaktionen offenbar profitträchtiger, Klatsch und Tratsch zu rapportieren, als über echte Missstände zu recherchieren.”

5. “Warum der Hinweis auf das Web 2.0 als Ausweg für junge Journalisten naiv ist”
(frei.djv-online.de, Michael Hirschler)
Michael Hirschler antwortet auf den Beitrag von Michael Stepper: “Auch im Web 2.0 und der Internetwirtschaft gibt es einen weiten Armutsgürtel aus ‘Web-2.0-/Social-Media-/Google+-‘ und sonstigen Beratern, die mit Startups von Wirtschaftsförderung zu Wirtschaftsförderung betteln gehen müssen und längst nicht immer einen Abnehmer bzw. ‘Inkubator’ finden.”

6. “Werder-Profi steht wohl doch auf Tatoos und Silikon”
(meedia.de)
Die “Seitenblicke”-Redaktion legt zur Frage, ob ein Interview mit dem Fußballer Marko Arnautovic stattgefunden hat oder nicht, eine Audio-Datei vor. “Der Profikicker könnte jetzt natürlich behaupten, dass nicht er die Stimme am Telefon ist, sondern ein Imitator.” Auf der Website von Arnautovic ist weiterhin zu lesen, “dass er mit keiner österreichischen Zeitung ein Interview geführt hat”.

Murdoch, Henri-Nannen-Preis, Beamtenstuben

6 vor 9

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1. “Der britische Umsturz”
(faz.net, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier analysiert die aktuellen Vorgänge rund um den Medienkonzern News Corp: “Es scheint, als sei Großbritannien von einer Besatzungsmacht befreit worden. Ein Bann ist gebrochen, und die Reaktionen sind so heftig, dass man fragen muss, ob es sein kann, dass das Land in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht von Thatcher, Major, Blair, Brown und Cameron regiert wurde, sondern von Murdoch, Murdoch, Murdoch, Murdoch und Murdoch.” Siehe dazu auch den Entschuldigungsbrief von Rupert Murdoch im Original und “im Original” (wirres.net, englisch).

2. “Franz Josef Wagners Weisheiten (3)”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Hat bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft eine Schwedin einer Französin “mit ihrem Fußballschuh ins Gesicht” getreten, wie Franz Josef Wagner schreibt? Nein.

3. “BILD diktiert den Körperkult”
(filmrisss.blogspot.com)
Das “Bild”-Drehbuch zu Michelle Hunziker und ihrem Bodyguard in fünf Zeilen zusammengefasst.

4. “Die Debatte um den Henri-Nannen-Preis 2011”
(reporter-forum.de, PDF-Datei, 346 kb)
Das “Reporter-Forum” arbeitet die Debatte um den verliehenen und gleich wieder aberkannten Henri-Nannen-Preis auf. “Weil diese Debatte so lehrreich ist, haben wir einen Reader mit den wichtigsten Beiträgen zusammengestellt. Und zudem drei Autoren gebeten – sie sind selbst nicht Teil des Gemenges -, die Standpunkte einzuordnen: Bernhard Pörksen, Professor aus Tübingen, Georg Brunold, Experte für literarische Reportagen, und Nora Berning, eine junge Narratologin.”

5. “Ein stummer Schrei nach Liebe”
(philibuster.de, Michael Stepper)
Michael Stepper schreibt an junge Journalisten: “Seid mir nicht böse, Ihr jungen Journalisten, aber vielleicht habe ich da auch einfach etwas falsch verstanden: Ihr fordert tatsächlich, dass Euch die Verleger die Hintern pudern, weil Ihr einen Traum vom unabhängigen Journalismus träumt?” Auch ältere Kollegen kommen zur Sprache: “Immer wieder sehe ich die Bilder in den einschlägigen Branchenmagazinen. Bilder von alternden Journalisten, die mit traurigen Gesichtern vor Ihren Verlagsgebäuden stehen und noch traurigere Transparente in die Luft halten. Pappschilder die Aufschriften tragen wie: ‘Tarifflucht ist unmoralisch!’ oder ‘Unsere Arbeit ist mehr wert!’ Und die dann nach der Demo wieder in ihre Redaktionsbüros wandern – die längst Beamtenstuben ähneln – und sich wundern, dass dieses Internet ihren Job so ruhelos gemacht hat.”

6. “Ein staatenloser Deutscher, gefangen in der Schweiz”
(welt.de, Marc Neller)
Tontechniker Peter Wilk versucht vergeblich, Deutschland zu beweisen, dass er ein Deutscher ist. “Wilk ist in Gelsenkirchen geboren, in Essen aufgewachsen, seine Eltern waren Deutsche, er hat seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr geleistet. Er hat 30 Jahre in Deutschland verbracht, mehr als die Hälfte seines Lebens.”

Kommt Zeit, kommt Rad

Gestern berichteten wir über die traurige Geschichte des kleinen Ben, dessen Kinderfahrrad laut “Bild” von einem herzlosen Zugchef am Bahnhof Regensburg ausgesetzt worden war, und den Widerspruch der Deutschen Bahn.

Dank zahlreicher Leserhinweise können wir folgende Nachträge machen:

Es ist geradezu ausgeschlossen, dass die Mutter des Jungen “im Wiener Hauptbahnhof zwei Tickets für den ‘ICE 22’ nach Frankfurt/Main” gekauft hat — Wien hat nämlich (noch) gar keinen Hauptbahnhof. Der “ICE 22”, der auch in Frankfurt hält, verkehrt vom Westbahnhof.

Der gutmütige Unternehmer, der dem kleinen Ben ein neues (zweites) Fahrrad geschenkt hatte, ist – anders als wir vermutet hatten – wohl eher nicht auf die “Bild”-Berichterstattung reingefallen. Es handelt sich vielmehr um einen guten, alten Bekannten der Zeitung: Tobias Huch war in “Bild” und bei Bild.de in den vergangenen Jahren wahlweise als “Erotik-Millionär”, “Musik-Produzent”, “Internet-Guru”, “YouPorn-Retter”, “IT-Experte”, “Deutschlands IT-Legende”, “Internet-Experte”, “Datenschützer”, “Medien-Mogul” oder “Internet-Pionier” in Erscheinung getreten und hatte auch die Facebook-Seite “Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg” ins Leben gerufen.

Tobias Huch schrieb zu unserem gestrigen Eintrag bei Facebook, er glaube der Deutschen Bahn kein Wort. Auf unsere Frage, ob er sich erklären könne, warum Bild.de plötzlich seinen Nachnamen abkürzt, antwortete er:

Das weiss ich selber nicht. Vielleicht war es journalistisch nicht wichtig.

Das mag durchaus stimmen. Journalistisch wichtiger wäre es da schon gewesen, zu schreiben, dass die Deutsche Bahn erklärt hatte, dass das Fahrrad des Jungen “sichergestellt” sei.

Mit Dank an die vielen, vielen Hinweisgeber!

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