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Shitstorm, Simpsons, Filmsynchronisation

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Erklärungsnot: Minister Friedrich und die ‘Bild'”
(ndr.de, Video, 5:31 Minuten)
Aufgrund einer kleinen Anfrage der Partei “Die Linke” musste das deutsche Innenministerium zugeben, dass seine Pressestelle “Bild” vorab die Studie “Lebenswelten junger Muslime in Deutschland” zukommen ließ (BILDblog berichtete). Diese Tatsache wurde zunächst abgestritten. In der Antwort auf die Anfrage heißt es: “Zur Vorbereitung eines Interviews (…) wurde der Redaktion vom Pressereferat des BMI ein Vorabexemplar übersandt, (…).” Siehe dazu auch “‘Bild’ wurde Islam-Studie doch vorab zugesteckt” (migazin.de).

2. “Versöhnen und spalten”
(taz.de, Felix Dachsel)
Das Verhältnis zwischen dem Axel-Springer-Verlag und Günter Wallraff betreffend fragt Felix Dachsel, ob es “Springer’sche Dialektik” sei, “die eine Hand zur Versöhnung ausstrecken und mit der anderen den Stahl schmieden, mit dem der Feind zur Strecke gebracht wird”.

3. “Shit im Spiegel”
(bloghalde.de, Matthias Schumacher)
Matthias Schumacher ist enttäuscht vom von drei “Spiegel-Online”-Journalisten produzierten Artikel “Shitstorm, nein danke!”: “Statt ausführlicher Erfahrungsberichte, Frage und Gegenfrage, folgt eine Fotostrecke mit einigen verhaltenen Zeilen gestandener Politiker und Politikerchen. Große Bilder, kleiner Absatz.”

4. “Lieber nicht über Neonazis schreiben”
(zeit.de, Christian Bangel)
Christian Bangel thematisiert die Beziehung zwischen Lokalredakteuren und Rechtsextremen: “Lokalredakteure haben ein Problem, das andere nicht haben. Sie leben mit den Objekten ihrer Berichterstattung Tür an Tür. Es ist einfach, Angela Merkel wegen ihrer Europapolitik zu kritisieren. Viel komplizierter ist es, den Bürgermeister einer Kleinstadt anzugreifen, weil er zu wenig gegen den Rechtsextremismus tut.”

5. “The Simpsons Tells Fox to Eat Its Shorts”
(slate.com, Forrest Wickman, Videos, englisch)
Ausschnitte, in denen die auf Fox ausgestrahlten “Simpsons” den eigenen Sender und Rupert Murdoch parodieren.

6. “Bebilderte Hörbücher: Die Unsitte der Filmsynchronisation in Deutschland”
(unique-online.de, David)
Filmsynchronisation ist nicht nur eine Möglichkeit der Zensur, es werden auch “differenzierte Dialoge systematisch stereotypisiert und sachliche Äußerungen emotionalisiert, romantisiert, verniedlicht oder gar ins Dämliche gezerrt”.

sid  etc.

Zu viele Nullen

Für den Sportinformationsdienst sid ist es ein “‘Rentenvertrag’ der besonderen Art”, für 20min.ch ein “Vertrag bis übers Lebensende hinaus” und für Bild.de gleich “der verrückteste Vertrag der Fußball-Geschichte”.

Der isländische Fußball-Nationalspieler Gretar Steinsson hat einen “Rentenvertrag” der besonderen Art abgeschlossen. Weil sich im neuen Kontrakt mit dem englischen Erstligisten Bolton Wanderers eine Null zuviel eingeschlichen hat, bleibt der 30-Jährige bis zum Jahr 20.014 bei seinem Klub. Noch 18.002 Jahre.

Kurios, fürwahr. So kurios, dass man annehmen sollte, die britischen Medien machten groß mit dieser Geschichte auf. Doch es findet sich eigentlich nur eine einzige Quelle, aus der sid und die anderen Medien auch sämtliche Zitate für ihre Artikel zu haben scheinen: das Blog “Back of the Net” der britischen Fußballzeitschrift “FourFourTwo”.

“Back of the Net” ist laut Selbstbeschreibung “ein überraschend lustiges Fußballblog”, was ungefähr so viel bedeuten soll wie: ein Satireblog, in dem übertriebene und erfundene Geschichten drinstehen. Am Ende mancher Artikel schreibt die Redaktion sogar dazu, dass es sich nicht um ernsthafte Vorwürfe handle — aber leider nicht bei allen.

Gut, man hätte anhand der Zitate erahnen können, dass an dieser Geschichte was faul ist. So soll ein Verantwortlicher des Vereins gesagt haben:

“Wer hätte beispielsweise vor 18.000 Jahren gedacht, dass die Landbrücke zwischen Asien und Alaska heute nicht mehr existieren würde oder dass Menschen erfolgreich den Wolf domestizieren würden? Ich bin zuversichtlich, dass der Club über die nächsten 180 Jahrhunderte großes Kapital aus Gretars Erfahrung schlagen wird, besonders für die jüngeren Spieler.”

(Übersetzung von uns.)

Illustriert ist der Artikel übrigens mit diesem “Foto” vom Auswärtstrikot der Bolton Wanderers aus der Saison 20013/14:

Bolton

Und so läuft der Vertrag von Gretar Steinsson jetzt eben bis zum Jahr 20.014. Steinsson sollte damit in Rente gehen können, bevor die deutschsprachigen Medien den Witz verstanden haben.

Mit Dank an Herr Jemine.

Spiegel Online, Marcell D’Avis, Like-Button

6 vor 9

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1. “Der Reiz, zu verachten – instrumenteller Moralismus als Medien-Stil”
(sandoragaly.wordpress.com)
Sandor Ragaly denkt nach über den “instrumentellen Moralismus” von “Bild”: “Der instrumentelle Moralismus von BILD jedenfalls lügt – denn er gibt nur vor, moralisch intendiert zu sein und so wirken zu wollen, während er doch nur Mittel zum Zweck (von Einfluss und Verkaufszahlen) ist. Und: Er wirkt vermutlich nicht nur politisch. Die aggressive Substanz sickert in die Gesellschaft ganz allgemein hinein.”

2. “Alle Jahre wieder”
(taz.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg über die Recherchen der “Welt am Sonntag” zur Vergangenheit von Günter Wallraff: “Wallraff ist von der Stasi als IM der Kategorie ‘A-Quelle’ geführt worden, was für ‘Abschöpfen’ steht, und kein Beleg dafür ist, dass die Abgeschöpften von ihrer Karteikarte wussten. Das ist auch nicht neu, genau so wenig, dass Wallraff stets jeglichen Stasi- und sonstigen geheimen Dienst dementiert hat.” Siehe dazu auch die Einschätzung von Hans Leyendecker (dradio.de, Michael Köhler): “Vieles was die Stasi geschrieben hat war so richtig auch nicht. Und wenn in Stasi-Unterlagen steht, Berger habe angeblich Teile dieses Buches geschrieben, so mag das wahr sein oder auch nicht.” Ab Mai soll Wallraff übrigens mit einer neuen Recherche bei RTL zu sehen sein (dwdl.de, Uwe Mantel).

3. “Ganz Sankt Pauli fragt die Polizei”
(publikative.org)
Die Berichterstattung der “Hamburger Morgenpost” über Demonstrationen von Fußballfans in Hamburg: “In Koproduktion mit der Hamburger Polizei haben Frenzel/Gaertner zweifellos das Glanzstück des Jahres abgeliefert: Jetzt greifen die ‘St. Pauli’-Chaoten schon ihre eigene Kneipe an. Später hätten sie dann die Polizei angegriffen, heißt es.”

4. “Daumen hoch!”
(jetzt.sueddeutsche.de, Nadja Schlüter)
Löst der Like-Button einen Zwang zum Konformismus aus? Nicht mehr, als im Offline-Leben auch, sagt Nadja Schlüter: “Wer sich über allzu sehr auf die Peer-Group zugeschnittene Statusmeldungen anderer beklagt, der sollte am besten abends mit Freunden in eine Bar gehen. Dort wird er seinen Freunden den Witz erzählen, von dem er glaubt, dass die meisten ihn lustig finden. Er wird ein Thema ansprechen, das ihn interessiert und von dem er glaubt, dass es die meisten anderen ebenfalls interessiert – und vor allem, dass die meisten dazu etwas zu sagen haben. Er passt sich an. Ohne sich oder seine eigene Meinung aufzugeben. Und ja, vielleicht sucht er auch Bestätigung, abends in der Bar und im Internet.”

5. “Der langsame ‘Tod’ des 1&1-Werbegesichts”
(meedia.de, Felix Disselhoff)
Marcell D’Avis, Leiter Kundenzufriedenheit bei 1&1, wird “im neuen TV-Spot in einer Reihe mit etlichen neuen Testimonials des Providers gezeigt”, womit nach Auskunft seines Arbeitgebers sein Wunsch, “ein wenig aus dem Rampenlicht herauszutreten, privater zu leben”, berücksichtigt wird. “Spiegel Online” dagegen schreibt: “Nun schafft die Firma die Werbefigur ab. Endlich.” Gegenüber Meedia.de erklärte 1&1, “dass D’Avis weiterhin in unveränderter Form für das Unternehmen tätig sei”.

6. “Stefan Kuzmany im Online-Spiegel seines Wissens über ‘Gottschalk Live'”
(funkkorrespondenz.kim-info.de)

Tattoos, Günter Wallraff, Notwehr

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1. “Stigma Tattoo: Pseudowissenschaftliche Vorurteilskonstruktion”
(novo-argumente.com, Tobias Prüwer)
Tobias Prüwer bezweifelt eine Studie, die “den Zusammenhang zwischen Tätowierungen, Piercings und Alkoholkonsum” untersuchte und zu einen Artikel auf Focus.de geführt hatte. Weiter geht es um eine ältere Studie über die “vorgeblich herausragenden sexuellen Aktivitäten von Tätowierten”. “Vielleicht sind Menschen, die sich Farbe in die Haut stechen lassen, einfach offener gegenüber anderen Aktivitäten, in denen der Körper eingesetzt wird? Eventuell haben Menschen mit mehr Sex eher Lust auf bunte Hautbilder? Gegebenfalls neigen Tätowierte zu Übertreibungen, wenn es um das alte Rein-Raus-Spiel geht?”

2. “In 80 Fehlern um die ‘Welt'”
(antimedien.de, Hektor Haarkötter)
Hektor Haarkötter studiert Zahlen und Statistiken in “Welt Aktuell”: “Weder erfährt man, wieviele Leute eigentlich befragt wurden (also die Stichprobe), noch auf welche Bezugsgruppe hier denn nun hochgerechnet werden soll (StatistikerInnen sprechen hier von der ‘Grundgesamtheit’): Alle Bundesbürger, alle Steuerzahler, alle Erwachsenen?”

3. “Kam Ali aus Ost-Berlin?”
(welt.de, Michael Behrendt und Dirk Banse)
Michael Behrendt und Dirk Banse setzen sich ausführlich mit der Vergangenheit von Günter Wallraff auseinander. Unter anderem geht es um eine Mitarbeit von Journalist Frank Berger am Bestseller “Ganz unten”, den “Stasi-Akten als mutmaßlichen Agenten des DDR-Geheimdienstes” ausweisen.

4. “Hasskommentare dürfen nicht publiziert werden”
(politblog.tagesanzeiger.ch, Johanne Gurfinkiel)
Johanne Gurfinkiel fordert, dass Leserkommentare “vor der Publikation gelesen und nicht mehr sofort veröffentlicht werden”: “Die Meinungsfreiheit darf nicht als Instrument für Hasspropaganda missbraucht werden. In diesem Sinne sind auch die Regeln in Bezug auf ein redigierendes Eingreifen vor der Veröffentlichung der Kommentare zu erstellen.”

5. “Notwehr gegen Paparazzo”
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Das Oberlandesgericht Hamburg beschließt: “Der Schlag gegen die Kamera ist grundsätzlich geeignet, ein rechtswidriges Fotografieren zu beenden. Die bisherigen Feststellungen ergeben auch nicht, dass dem Angeklagten ein milderes Mittel zur Verfügung gestanden haben könnte.”

6. “Klaus erklärt: 50 Jahre BILD”
(youtube.com, Video, 1:55 Minuten)
Wie “Extra 3” 2002 den 50. Geburtstag von “Bild” feierte.

Bunte, Jürg Marquard, Appläuse

6 vor 9

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1. “Die Bunte und ihr Monster”
(klatschkritik.blog.de, Antje Tiefenthal)
Antje Tiefenthal hält die aktuelle “Bunte”-Ausgabe für “geschmacklos, peinlich und von journalistisch fragwürdiger Qualität”: “Abgesehen von der Information, dass Anders Breivik sich jetzt vor dem Gericht verantworten muss, ist nichts an der Titelgeschichte aktuell. Die Bunte hat bereits vor einem Jahr ausführlich darüber berichtet, dass Norwegens Kronprinzessin ihren Stiefbruder bei dem grausamen Attentat verloren hat.”

2. “‘Ich sag Dieter, Ihr sagt Bohlen'”
(fernsehkritik.tv, René)
René soll als Zuschauer bei der Aufzeichnung der RTL-Sendung “Deutschland sucht den Superstar” bei verschiedenen “Appläusen” mitmachen. “Die Familien der Kandidaten gaben sich dabei schon sehr routiniert. Insgesamt schien das für alle total okay und normal zu sein, dass man erst Eintritt bezahlt und dann als Statist herhalten muss.”

3. “Jürg Marquard: Das zweite Gesicht”
(bilanz.ch, Dirk Ruschmann)
Jürg Marquard, Verleger von Zeitschriften wie “Cosmopolitan”, “Joy” oder “PC Games”, im ausführlichen Porträt.

4. “Am Anfang war das Wort”
(theeuropean.de, Martin Eiermann)
Martin Eiermann macht darauf aufmerksam, dass Wörter Abnutzungserscheinungen aufweisen können, wenn sie unpassend verwendet werden: “Wer überall Antisemiten sieht, der verliert die Fähigkeit, den echten von den vermeintlichen zu unterscheiden. Mit der steigenden Kakophonie geht nicht nur die Fähigkeit zur produktiven Diskussion verloren, sondern auch die Möglichkeit, wirklich Verwerfliches anzuprangern.”

5. “Breivik Testifies About Gaming, Press Ignores The Facts”
(rockpapershotgun.com, John Walker, englisch)
Gedanken über den Zusammenhang zwischen den Computerspielen, die Anders Behring Breivik gespielt hat und seinem Attentat. “It is very unfortunate that while a sceptical press has been enjoying picking over his comments about being a member of the Knights Templar, and disproving them, they see no need to question his remarks on using Call Of Duty as a simulator for combating armed police in real life. Instead here it’s assumed he’s being honest and clear-headed.”

6. “Unten Kita, oben Puff”
(freitag.de, Susanne Lang)
Susanne Lang liest während vier Wochen nur Produkte aus dem Axel-Springer-Verlag.

Klingelingeling, hier kommt die Riemann

Es gibt schon irre Zufälle:

KLINGELING! VORSICHT LILLY, DA KOMMT EIN KINO-STAR. Berlin -Gemütlich schlendert Lilly Becker (35), Frau von Boris Becker (44), gestern mit Söhnchen Amadeus (2) und Kindermädchen durch Berlin. Leider auf dem Radweg! Irrer Zufall: Ausgerechnet Kino-Star Katja Riemann (48) düste auf ihrem Drahtesel haarscharf an ihnen vorbei! Klingeling! "AUS DEM WEEEG!" Da hat sich Lilly erst mal ordentlich erschreckt. Lilly Becker, Söhnchen Amadeus und Nanny gehen spazieren, als Katja Riemann vorbeibraust

Da fotografiert irgendsoein Paparazzo Boris Beckers Ehefrau und Sohn, als Katja Riemann vorbeikommt!

In ihrer Berliner Ausgabe (der Ausriss oben stammt aus der Bundesausgabe) führte “Bild” gestern aus:

Achtung, hier komm ich! Schauspielerin Katja Riemann (48, “Die Apothekerin”) ist mit dem Rad unterwegs. Offenbar in Eile. Und trifft dabei prompt auf Lilly Becker (35).

Dass sich die Promis so in die Quere kommen, gibt es nur in Berlin. […]

Lilly zu BILD: “Wir stiegen gerade aus dem Taxi.” Lilly und Nanny haben den Kleinen an der Hand. Da brüllt von hinten eine Stimme: “AUS DEM WEG! RADWEG, MANN!!!”

Lilly: “Ich habe sie nicht gesehen, aber gehört.” Die beiden Frauen weichen mit dem Kind zur Seite aus, die Riemann kurvt mit grimmigem Blick links vorbei. Weiß Lilly eigentlich, wer da an ihr vorbeigerauscht ist? “Ich habe von ihr gehört. Mein Mann mag ihre Darstellungs-Kunst sehr.”

Die “Berliner Morgenpost” konnte mit zahlreichen, wenn auch wenig sachdienlichen Hintergrundinformationen aufwarten:

Lilly Becker (34) ist mit Ehemann Boris Becker (44) angereist, um bei der European Poker Tour im Grand Hyatt, wo vor zwei Jahren der spektakuläre Raub stattfand, teilzunehmen. Während der Ex-Tennisprofi pokerte, ging Lilly mit Söhnchen Amadeus (2) und Nanny ins “Sea Life”-Aquarium. Kaum dem Taxi entstiegen, spazierte das Touristen-Trio auf dem Fahrradstreifen, ohne an den Verkehr auf zwei Rädern zu denken, der in Form von Katja Riemann naht. Die Schauspielerin strampelte mit blauer Mütze und Schal heran und verscheucht das prominente Hindernis. Gerade noch rechtzeitig wird der Nachwuchs zur Seite gehoben und somit eine Promi-Kollision abseits des roten Teppichs verhindert.

Und der “Berliner Kurier” fabulierte:

Riemann wie ein Radrambo unterwegs

Mitte – Spandauer Straße am Vormittag: Lilly Becker (l.), Frau von unserem Tennis-Hero Boris, ist mit Nanny und Söhnchen Amadeus (2) auf dem Weg zum Sea Life. Dabei vergessen sie alles um sich rum, sind in Gedanken, genießen einfach das herrliche Wetter. Sie bemerken dabei auch nicht, dass sie über den Radweg schlendern. Darauf aufmerksam macht sie dann aber ganz schnell eine leicht genervte Katja Riemann. Die Schauspielerin kam nämlich plötzlich mit ihrem Drahtesel angerauscht und fand keinen Platz. Augenzeugen berichten, dass die Riemann gebrüllt habe: “Aus dem Weg. Das ist ein Radweg.” Erschrocken zuckten die drei “Berlin-Touristen” zusammen, machten Platz und Riemann konnte weiterfahren. Lilly, Nanny und Amadeus schauten aber nur kurz irritiert und dann ging’s weiter ins Sea Life. Hier schalteten sie ganz schnell ab und konnten Berlins Rad-Rambos vergessen. Boris war nicht dabei. Der Hobby-Kartenspieler tummelt sich dieser Tage beim Poker-Turnier im Hyatt.

O-Ton RTL

“Als Boris Becker am Morgen gut gelaunt lächelnd in Berlin-Tegel landet, ahnt er noch gar nicht, in welcher Gefahr nur wenige Stunden später seine Frau Lilly schwebt, während sie mit Sohn Amadeus und der Nanny spazieren geht. Mitten auf dem Bürgersteig passiert es. Eine rabiate Radfahrerin klingelt die Becker-Familie aggressiv zur Seite. Und diese Verkehrsteilnehmerin ist, schauen Sie mal ganz genau hin, das ist tatsächlich Schauspielerin Katja Riemann. Fotograf Andreas Meyer hat die gemeine Rad-Attacke hautnah miterlebt. (…)

Prominente Berlin-Ur-Einwohnerin nietet Promi-Touristin um. Ja, wo sind wir denn hier? Boris Becker bekommt davon gar nichts mit. Er mischt seit heute morgen bei einem lukrativen Poker-Spiel mit. (…) Und während Boris die Haushaltskasse auffüllt, machen sich Lilly und Amadeus einen fröhlichen Nachmittag. (…)
Vor einer Stunde haben wir Lilly noch erwischt. Hat sie gemerkt, wer die dreiste Radfahrerin war? — “Nein, ich hab das gar nicht gemerkt. Aber zum Glück ist ja nichts passiert.” —

Na, dann hoffen wir ja, dass Boris mindestens genau so viel Glück beim Pokern hat wie Lilly und Amadeus heute Mittag während ihrer Sight-Seeing-Tour.

Bereits am Dienstag war der Zwischenfall dem RTL-Boulevardmagazin “Exclusiv” einen zweiminütigen Beitrag wert gewesen (siehe Kasten rechts). Lilly Becker sei “auf offener Straße” “von einem Filmstar beschimpft” worden, erklärte Moderatorin Frauke Ludowig bedeutungsschwer, bevor immer wieder die gleichen Fotos der Begegnung gezeigt wurden (verwirrenderweise unterlegt mit lustigen Hupgeräuschen). Sogar der Fotograf und Lilly Becker selbst kamen zu Wort.

Und gala.de hatte tagesaktuell berichtet:

Dieser Ausflug begann mit einem Schreck: Lilly Becker und Söhnchen Amadeus wollten sich am Dienstag (17. April) im Berliner “Sealife”-Aquarium Meerestiere anschauen. Auf dem Weg dorthin blockierten sie allerdings kurz den Radweg und störten damit keine Geringere als die Schauspielerin Katja Riemann, die gerade auf ihrem Fahrrad heranrauschte.

Statt anzuhalten, brüllte Riemann die menschlichen Hindernisse aus dem Weg – Lilly Becker und ihre Cousine zogen Klein-Amadeus schnell an den Armen aus der Gefahrenzone. Wahrscheinlich hat Boris Beckers Ehefrau gar nicht erkannt, wer sich da auf dem Herrenrad hinter Brille und unter blaugrauer Mütze versteckt hat. […]

Das ist insofern lustig, als auch gala.de, der “Berliner Kurier”, die “Berliner Morgenpost”, “Bild” und die verbreitenden Fotoagenturen gar nicht erkannt haben, wer sich da auf dem Herrenrad hinter Brille und unter blaugrauer Mütze versteckt hat — Katja Riemann zumindest war es nicht, wie sie über ihren Anwalt mitteilen ließ.

Und so schreibt “Bild” heute in der Berliner Regionalausgabe:

Katja Riemann stellt klar “Ich bin nicht die Frau auf dem Foto”

Mitte – Das Foto, das BILD gestern druckte, sorgte für Verwirrung: Eine Radfahrerin, die wir für Katja Riemann hielten, überholt Boris-Ehefrau Lilly Becker mit Söhnchen Amadeus und Kindermädchen auf dem Weg ins Sea Life. Jetzt hat sich Film-Star Katja Riemann zu Wort gemeldet. Die Schauspielerin legt Wert auf die Feststellung, dass sie nicht die Frau auf dem Fahrrad ist.

Das hält “Bild” allerdings nicht davon ab, noch einmal ein Foto der nunmehr nicht-prominenten Radfahrerin zu drucken.

Der “Berliner Kurier” geht bei seiner Richtigstellung (die er nicht so nennt) noch einen Schritt weiter:

Lilly Becker & der Fahrrad-Rambo: Die Riemann war

Er schreibt neben das Foto der Frau:

Aber wer war dann die erzürnte Ruferin, die die Berlin-Touristin Lilly Becker und ihren Anhang so erschreckte? Irgendwo in dieser großen Stadt muss es eine Frau geben, die der Schauspielerin Katja Riemann zum Verwechseln ähnlich sieht.

Blaue Augen, Lachfältchen, unter der Mütze blonde Ringellocken – die unheimliche Doppelgängerin radelt durch Berlin und klingelt genervt, wenn ihr Passanten vors Rad trotten. Melden Sie sich beim KURIER, wenn Sie wissen, wer die Riemann-Doppelgängerin ist. Und gehen Sie besser vom Radweg runter.

Mit Dank an Petra O.

Deutschlands Onlinemedium Nr. 1

Menschen dieser Welt, die Ihr Listen veröffentlicht!

Wir wenden uns heute mit einer dringenden Bitte an Euch: Hört auf!

Lasset ab davon, denn Ihr verwirrt die Menschen, zumindest aber die Leute bei Bild.de. Sie werden eine Liste, in der zum Beispiel mehrere Namen aufgeführt sind, fast zwangsläufig für eine Rangliste halten.

Erst letzte Woche traf es die legendäre “Ten Most Wanted”-Liste des FBI (BILDblog berichtete), diese Woche traf es eine andere berühmte Liste:

TIME-Liste der 100 einflussreichsten: Personen Basketball-Star schlägt Angela Merkel. Das US-Nachrichtenmagazin nennt die 100 Personen, die die Welt im vergangenen Jahr verändert haben

So sieht der Anfang der Liste bei time.com aus:

Full List: TIME 100: THE LIST. Jeremy Lin, Christian Marclay, Viola Davis, Salman Khan, Tim Tebow, E.L. James, Louis CK, Rihanna, Marco Rubio, Ali Ferzat

Wohl weil in Deutschland alles seine Ordnung haben muss, spendierten die Redakteure von Bild.de eine Runde Ordnungszahlen:

Die einflussreichsten Menschen: Die Time-Liste: 1. Jeremy Lin, 2. Christian Marclay, 3. Viola Davis, 4. Salman Khan, 5. Tim Tebow, 6. E.L. James, 7. Louis CK, 8. Rihanna, 9. Marco Rubio, 10. Ali Ferzat

Und sie sind davon wirklich überzeugt:

Natürlich sind auch US-Präsident Obama (Platz 62), Bundeskanzlerin Angela Merkel (Platz 86, vor einem Jahr Platz 8), Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (62, Platz 82) und die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde (56, Platz 66), vertreten.

Auf die Idee, dass so eine Rangliste ohne Nummern ganz schön schwierig zu lesen ist, ist bei Bild.de offenbar niemand gekommen. Auch, dass “Time” selbst nirgendwo auf irgendwelche Platzierungen verweist (nicht im Editorial, nicht in den einzelnen Porträts, nicht in der Liste selbst), scheint bei Bild.de niemanden verwirrt zu haben.

Gut, “Time” hätte es dazuschreiben können. Aber bei der parallel veröffentlichten, etwas augenzwinkernden Liste der “All-Time TIME 100 of All Time”, also der aller-aller-wichtigsten Personen aller Zeiten, waren sie so nett, folgenden Hinweis zu geben:

Das Einzige, was Sie über diese Liste wissen müssen, ist, dass, wie bei der TIME 100, die Personen nicht in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit aufgeführt sind.

[Übersetzung von uns.]

Mit Dank an Horst P., Simon W. und Patrick Sch.

dapd  

Agentur missbraucht BILDblog

So sieht die Arbeit von BILDblog aus, nachdem man sie von hinten durch die Brust ins Auge geschossen hat und mit dem verbliebenen Auge drauf schaut: Die Grafik stammt aus in einem Dokument, das die journalistischen Qualitäten zweier Nachrichtenagenturen vergleichen soll.

Nachrichtenagenturen beliefern nicht nur Zeitungen und Onlinenewsportale mit ihren Meldungen aus aller Welt, sondern auch Behörden wie das Auswärtige Amt. Das hat im Januar entschieden, seine Informationen nach über 50 Jahren nicht mehr von der Deutschen Presseagentur (dpa) zu beziehen, sondern von der Agentur dapd, von der niemand weiß, was die Abkürzung bedeuten soll.

Die dpa wollte das so nicht hinnehmen und legte Beschwerde ein, inzwischen müssen sich Gerichte mit der Vergabe beschäftigen.

In einem neunseitigen Dokument mit dem Titel “Zusammenstellung Qualitätsmängel bei dapd”, das die dpa dem Gericht vorlegte, beruft sie sich bei der Dokumentation von Fehlern ihres Konkurrenten offenbar auch auf BILDblog. (Das Dokument liegt uns nicht vor.)

dapd nun gab eine Gegen-“Studie” in Auftrag, die die Agentur gestern in ihrem “Themenportal” der Öffentlichkeit zugänglich machte.

Dr. Ernst Seibold von “InMediasRes Mediendienste” erklärt darin:

Eine objektive und lückenlose Ermittlung sämtlicher Fehlermeldungen der beiden Agenturen erscheint technisch nicht möglich. Insoweit muss auf Hilfsüberlegungen zurückgegriffen werden.

Diese “Hilfsüberlegung” besteht konkret darin, BILDblog mit “einer hohen Wahrscheinlichkeit” als Quelle für die dpa-Studie ausfindig zu machen und dann einen wissenschaftlichen Ausfallschritt zu vollführen:

Zwar erfüllt der Bildblog nicht die Anforderungen an eine objektive und statistisch relevante Quelle, andererseits wurde Bildblog jedoch von dpa als Quelle ausgewählt, so dass für eine vergleichende Studie auf der gleichen Quellenbasis gearbeitet werden kann.

An anderer Stelle gelingt Seibold fast die Quadratur des Kreises:

Bildblog als Quelle heranzuziehen ist sicherlich methodisch problematisch, allerdings kann von einer überwiegenden Neutralität und Drittkontrolle des Watchblogs ausgegangen werden. Für einen rein quantitativen Vergleich zweier Publikationen kann er daher als geeignet angesehen werden, zumal dpa selbst den Bildblog als Quellenbasis gewählt hat.

Triumphierend stellt die Studie fest:

Aufgrund der Auswertung des Bildblogs ergibt sich, dass dapd 22 Fehler angelastet werden. Im gleichen Zeitraum wurden für dpa 46 Fehlermeldungen festgestellt.

Diese Zahlen werden dann in Monatszahlen zerlegt (Erkenntnis: Außer in drei Monaten hatte die dpa immer mehr Fehler als dapd) und in Relation zum Output der Nachrichtenagenturen gesetzt:

Bei einer geschätzten Anzahl von jeweils ca. 620.000 Meldungen (dapd) bzw. 600.000 Meldungen (dpa) in den vergangenen 25 Monaten ergibt dies eine Fehlerquote von 0,0035 % für dapd und 0,0076 % für dpa.

Beide Werte liegen weit unter den Toleranzgrenzen und sprechen für eine durchgehend gute Qualität der Berichterstattung.

Bevor jetzt noch die Mondphasen, die Gewichtsentwicklung unserer Autoren und der Fruchtbarkeitszyklus unserer Redaktionskatze hinzugezogen werden, hier ein paar Anmerkungen aus dem Auge des Hurricanes:

In eigener Sache

Wir haben wenig Lust, hier in die Auseinandersetzung zweier privatwirtschaftlicher Unternehmen hineingezogen zu werden. Es ist legitim, unter Berufung auf uns die Existenz von Fehlern belegen zu wollen, aber der “rein quantitative Vergleich”, den dapd anstrengt, ist grober Unfug.

Und wenn dapd in einer Pressemitteilung schreibt …

Die verschwindend geringe Zahl der Fehler erlaubt den Rückschluss, dass die beiden großen deutschen Vollagenturen hohe journalistische Standards erfüllen.

… ist das komplett falsch.

Ob ein Fehler im BILDblog dokumentiert wird, hängt von vielen Faktoren ab: Zunächst einmal muss er uns oder unseren Lesern auffallen; dann muss er uns gravierend, interessant und allgemein bedeutsam genug erscheinen, um ihn aufzuschreiben. Manche Recherchen führen aus verschiedensten Gründen ins Nirgendwo und münden dann nicht in einem BILDblog-Eintrag. An Tagen, an denen sonst wenig los ist, landen eher auch mal kleine und harmlose Fehler im Blog, als an Tagen, an denen gerade wieder ein Verbrechen “das ganze Land beschäftigt” oder an denen mal wieder eine Studie über Migranten oder Hartz-IV-Empfänger völlig falsch verstanden wurde.

Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen haben wir z.B. den Fall aus dem vergangenen November nicht dokumentiert, in dem dapd zwei Fotos zurückziehen musste, weil diese nicht – wie ursprünglich behauptet – die Rechtsterroristin Beate Zschäpe auf dem Weg zum Haftrichter zeigten. Aber natürlich gab es auch dpa-Fehler, die nie den Weg ins Blog gefunden haben.

Ein Kriterium bei der Auswahl dessen, was wir bloggen, ist auch die Fallhöhe eines Mediums: Nicht auszuschließen, dass wir uns häufiger achselzuckend gegen einen Eintrag entschieden haben: “Ach, ist ja nur dapd.”

Und natürlich macht es auch einen Unterschied, was für Fehler sich ein Medium so erlaubt — und wie es damit umgeht.

Wenn wir hier jetzt als schon gewissermaßen als Kronzeugen im Raum stehen, wollen wir Gericht und Auswärtigem Amt gerne eine kostenlose, offiziell subjektive Expertise angedeihen lassen:

Wenn bei uns Leserhinweise eingehen, dass auf vielen verschiedenen Nachrichtenportalen der gleiche haarsträubende Fehler zu lesen ist, wetten wir gerne auf dapd als Fehlerquelle. Häufig liegen wir richtig.

Nach unserem Eindruck hat man bei dpa erkannt, dass es wichtig ist, eigene Fehler zu korrigieren. Bei dapd sind wir uns da nicht so sicher.

Dass dapd jetzt einen solchen Unsinn als “Studie” in Auftrag gibt und ihn auch noch bedeutungshubernd öffentlich verbreitet, bestätigt den Eindruck, den wir von der Agentur haben.

Breivik, Mentor, Beef!

6 vor 9

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1. “Warum wir über Breivik berichten”
(zeit.de, Markus Horeld)
“Zeit Online” hat das Ausmaß der Kritik zur Berichterstattung über Anders Behring Breivik überrascht. Warum trotzdem berichtet werden muss, versucht Markus Horeld zu erklären. Breivik sei “kein einsamer Irrer, auch wenn Boulevardmedien ihn gerne so darstellen”. “Anders Behring Breivik ist kein typischer Attentäter. Er tötete sich nach seiner Tat nicht selbst. Er ließ sich festnehmen, weil er noch etwas vorhatte. Alles, was seither geschieht – die Auswertung seines ‘Manifests’, seine Auftritte vor Gericht, seine Aussagen dort, seine obskure Zeugenliste – all das ist Teil seines Planes. Gerade deshalb ist es Aufgabe der Medien, über Breivik und seine gefährlichen Motive aufzuklären – so wie es Aufgabe des Rechtsstaates ist, einen fairen Prozess zu garantieren.”

2. “Die BILD Galaxy S3 Katastrophe”
(netbooknews.de, Sascha)
Ein Bild.de-Artikel über ein neues Smartphone in der Analyse. Unter anderem wird behauptet, das südkoreanische Unternehmen Samsung komme aus Taiwan.

3. “Die Wahrheit hinter der Schlagzeile”
(woz.ch, Carlos Hanimann und Fabian Biasio)
Carlos Hanimann und Fabian Biasio besuchen die Familie von Mentor im Kosovo, dessen Bild auf einem Titelbild der “Weltwoche” ohne sein Wissen für breite Empörung gesorgt hatte. “Die ‘Weltwoche’ verwendete Mancinis Bild als Illustration für einen Artikel über kriminelle Roma in der Schweiz. Nur: Weder der abgelichtete Mentor (der laut Autor Philipp Gut als Symbol dafür stehe, ‘dass Roma-Banden ihre Kinder für kriminelle Zwecke missbrauchen’) noch dessen Familie haben den Kosovo je verlassen.” Siehe dazu auch ein Gespräch mit Carlos Hanimann (persoenlich.com, Benedict Neff).

4. “Wir müssen über Geld reden”
(faz.net, Malte Welding)
Malte Welding liefert einen Erfahrungsbericht über das Geldverdienen mit dem Schreiben in Blogs und Büchern. Und auch Kathrin Passig erzählt, wovon sie lebt (tagesspiegel.de).

5. “Montagsdemonstration: Beef! = Doof!”
(blog.dasmagazin.ch, Christian Seiler)
Christian Seiler liest die Zeitschrift “Beef!”: “Denn ‘Beef’ ist bei allen Qualitäten die jenseitigste Publikation seit dem ‘Playboy’, seit ‘FHM’ und anderen Idiotenzeitschriften, die immer noch glauben, Männer interessieren sich nur für Sex, Autos und Fussball. ‘Beef’ übersetzt dieses grundsätzliche Missverständnis in eine imaginierte Leidenschaft seiner Leser für Grillen, rohes Fleisch, Messer, Weinflaschen in Übergrößen und die Fähigkeit, ‘Frauen ins Bett zu kochen'”.

6. “Das Bild-ABC”
(schwindelfreiheit.wordpress.com, priesemann)

Wie eine Explosion der anderen

So sieht es aus, wenn eine Granate in der syrischen Rebellenhochburg Homs explodiert:


 
Und so, wenn die Taliban Anschläge in der Innenstadt von Kabul verüben:


 
Der erste Ausschnitt stammt aus der 20-Uhr-“Tagesschau” vom Sonntag, der zweite aus dem “Heute Journal” vom selben Tag — und nur eine von beiden Verortungen kann stimmen.

Die Redaktion von ARD aktuell erklärte uns auf Anfrage, sie habe die Bilder “noch einmal verifiziert” und bleibe danach bei ihrer Darstellung, dass die Aufnahmen aus Homs stammen.

Die Redaktion des “Heute Journals”, die wir ebenfalls kontaktiert hatten, hat uns nicht geantwortet. Aber nach unserer Anfrage sieht die Stelle des Beitrags über die Anschläge in Kabul, an der die Explosion zu sehen war, in der ZDF-Mediathek jetzt so aus:

Die momentan laufenden Fernsehbilder dürfen aus rechtlichen Gründen leider nicht im Internet gezeigt werden. Es geht gleich weiter!

PS: Um 19 Uhr hatte das ZDF in seiner “heute”-Sendung die Explosionsbilder noch korrekt als Aufnahmen aus Homs ausgewiesen:

Homs/Syrien

Mit Dank an Stefan P.

Nachtrag, 18. April: Die Redaktion des “Heute Journal” schreibt uns, dass sie den Beitrag in der Mediathek nach einer Reihe von Zuschauerhinweisen geändert habe. Unsere E-Mail, obwohl richtig adressiert, habe die Redaktion nie erreicht.

Den Fehler erklärt der zuständige Redakteur so:

Diese 7 Sekunden lange Einstellung zeigte Aufnahmen aus dem syrischen Homs. Ursache der bedauerlichen Verwechslung war eine falsche Zuordnung der Bilder in unserer Bildschnittdatenbank.

Leider ist uns das durchgegangen, obwohl in unseren Sendungen für praktisch jedes Wort und Bild ein Sechsaugen-Prinzip gilt. Ich kann nur um Verständnis dafür bitten, dass so etwas bei mehreren tausend Film- und Wortbeiträgen im Jahr zwar äußerst selten vorkommt, aber nie ganz auszuschließen ist.

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