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1. “Veggie Day: Wie man aus alten Fleischabfällen der ‘Bild’-Zeitung Nachrichten macht” (stefan-niggemeier.de)
Vorschläge zur Einführung eines “Veggie Days” sind seit Jahren ein Thema bei den Grünen. Doch nach einem Bericht von “Bild” berichten sehr viele Nachrichtenmedien über einen Punkt aus dem Parteiprogramm, der schon seit Monaten öffentlich ist. “Wenn die Anregung der Grünen, fleischfreie Tage in Kantinen einzuführen, so ein Aufregerthema ist — warum hat es dann niemand vorher in den Beschlüssen von Partei und Bundestagsfraktion entdeckt? Kann ich davon ausgehen, dass in den Redaktionen der Nachrichtenmedien die Wahlprogramme der Parteien nicht gelesen werden?”
2. “‘Bild’ macht Stimmung für Bezahl-Bundesliga” (wuv.de, Franziska Mozart)
Die “Bild”-Titelgeschichte vom 5. August ruft die “Bundesliga-Revolution im Internet!” aus und berichtet über ein eigenes Angebot.
3. “‘Unsere Väter, unsere Mütter, unsere Landser'” (welt.de, Peter Praschl)
Peter Praschl liest den “Landser”, eine Zeitschrift, gegen die das Simon Wiesenthal Center in Los Angeles protestiert und deren Distribution es unterbinden möchte. “Die Bauer Media Group reagierte auf die Vorwürfe des Wiesenthal Centers mit der Beteuerung, sie lege ‘größten Wert darauf, dass weder der Nationalsozialismus verherrlicht, noch Naziverbrechen verharmlost werden’ und dass ‘Der Landser’ ‘im Einklang mit den in Deutschland geltenden Gesetzen’ stehe. Damit hat der Verlag ganz sicher recht. Es existieren keine Gesetze gegen Soldaten-Schmonzetten, und wären Verschweigen und Verdrängung verboten worden, hätte es viele Nachkriegs-Karrieren nie gegeben.”
4. “Jeff Bezos on Post purchase” (washingtonpost.com, Jeff Bezos, englisch)
Amazon-Gründer Jeff Bezos kauft “The Washington Post” für 250 Millionen US-Dollar. An die Angestellten schreibt er: “The Internet is transforming almost every element of the news business: shortening news cycles, eroding long-reliable revenue sources, and enabling new kinds of competition, some of which bear little or no news-gathering costs. There is no map, and charting a path ahead will not be easy. We will need to invent, which means we will need to experiment.”
5. “IT’S OFFICIAL: We Never Need To Worry About The Future Of Journalism Again!” (businessinsider.com, Henry Blodget, englisch)
Henry Blodget beurteilt die von der “New York Times” offengelegten Einnahmen im Digitalgeschäft. “The future of the New York Times print edition–and some of the current New York Times newsroom budget–looks dim. But the future of journalism looks excellent.”
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1. “‘schnell, unbürokratisch und leistungsstark’ — demnächst vielleicht” (wirres.net, Felix Schwenzel)
Heute tritt das Leistungsschutzrecht für Presseverleger in Kraft. Felix Schwenzel wundert sich, “dass die verlegerverbände und die verleger auch nach vier jahren vorbereitungszeit so unvorbereitet vom leistungsschutzrecht getroffen wurden, dass sie ihre maximalforderungen noch für ein paar monate oder jahre auf eis legen und ‘vorerst’ auf ansprüche verzichten und sich weiterhin unentgeldlich bei google news auflisten lassen — oder wie hubert burda das damals nannte, sie lassen sich weiter ‘schleichend enteignen’.”
2. “Schuss ins Knie: Der Schildbürgerstreich Leistungsschutzrecht” (blogs.taz.de/hausblog, Blogwart)
“Es bleibt also alles beim Alten”, bilanziert die “taz” das neue Gesetz – “und man muss kein großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass aus dem unter Vorbehalt verkündeten Verzicht auf das Leistungsschutzrecht ein Dauerzustand wird, denn dieses Gesetz war und ist nichts anderes ein Schuss ins Knie.”
4. “‘Verhandle, gottverdammtes Arschloch!'” (blog.tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
Constantin Seibt rät Journalisten, Honorare nicht einfach zu akzeptieren, sondern sie zu verhandeln: “Auch wenn alle Journalistenschulen der Welt das Gegenteil behaupten: Zum Journalisten wird man nicht per Diplom, sondern per Bankbeleg – sobald jemand für einen Text von Ihnen Geld überweist. Die spannende Frage in allen Jahren danach ist nur noch: Wie viel?”
5. “Hasserfüllte Poster und ahnungslose Journalisten? Eine Replik” (brodnig.org)
Ingrid Brodnig debattiert zu Leserkommentaren auf Zeitungs-Websites: “Medien haben sehr wohl das Recht, die Debatte auf ihrer Seite zu moderieren und Rüpel auszuschließen. Wem das nicht gefällt, der kann an etlichen anderen Orten posten oder sogar sein eigenes Onlinemedium starten. Die Meinungsfreiheit wird nicht gefährdet, wenn man gegen jene vorgeht, die andere beleidigen oder sogar bedrohen.”
Am Nachmittag des 30. Juni klingelte bei Dieter Schroth, dem Lebensgefährten des Modedesigners Harald Glööckler, das Telefon. Der Anrufer war ein Reporter von der “Bild”-Zeitung. Er konfrontierte Schroth damit, dass Harald Glööckler in einen Kokain-Skandal verwickelt sei. Schroth reagierte verdutzt und erklärte, dass dies mit Sicherheit nicht stimme. Er bat den Anrufer, sich an die Presseagentur von Glööckler zu wenden. Doch das tat der Anrufer nicht. Er meldete sich überhaupt nicht mehr.
Stattdessen erschien am nächsten Morgen diese Titelgeschichte:
Nach BILD-Informationen ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Modezar Harald Glööckler (48). Es geht um den Verdacht von Drogenbesitz – möglicherweise sogar Drogenhandel! […] Der Verdacht: Bei den Lieferungen soll es um mehr als zehn Gramm Kokain gegangen sein.
[…] Ein Zeuge hatte detailliert gesagt, wann und wo der Modedesigner das Kokain gekauft haben soll. […] Glööckler erklärte gestern über seinen Lebensgefährten Dieter Schroth, die Vorwürfe seien “an den Haaren herbeigezogen”.
Noch am selben Tag gab Harald Glööckler eine Pressekonferenz und dementierte die Vorwürfe. Spätestens jetzt stiegen neben den (Noch-)Springer–BlätternauchandereMedien in die Berichterstattung über den “Kokain-Skandal” ein. Und die “Bild”-Zeitung nutzte den von ihr selbst entfachten “Wirbel” gleich für eine weitere Titelgeschichte:
Fast eine komplette Seite widmete “Bild” dem Thema:
Auch am Tag darauf bekam es einen Platz im Blatt:
Bild.de zeigte unterdessen eine Infografik zu den beliebtesten Schmuggel-Routen, listete bekannte Koks-Skandale auf und fragte: “Ist das Glööckler-Imperium in Gefahr?”
Tagelang wurde der “Skandal” ausgeschlachtet. Er sei “DAS Gesprächsthema”, verkündete das Blatt am dritten Tag stolz. Womit es nicht ganz unrecht hatte: Insgesamt zählten Glööcklers Anwälte später etwa 3.000 Medienberichte zu dem Fall – jeder davon beruhte einzig auf den “Enthüllungen” der “Bild”-Zeitung. Denn die Staatsanwaltschaft schwieg.
Zwei Wochen später erklärte das Landgericht Köln die Berichterstattung von “Bild” und Bild.de per einstweiliger Verfügung für unzulässig. Unter Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250.000 Euro wurde den Springer-Medien verboten, die wesentlichen Aussagen zum angeblichen “Kokain-Skandal” weiter zu veröffentlichen. Bild.de hielt sich daran und löschte alle betreffenden Artikel und Textpassagen.
Mit seiner Entscheidung folgte das Gericht einem Antrag von Glööcklers Anwälten. Die hatten argumentiert, die Berichterstattung sei “insgesamt rechtswidrig, weil sie gegen die höchstrichterlichen Grundsätze der sogenannten Verdachtsberichterstattung” verstoße.
In der Tat gelten in solchen Fällen besonders strenge Regeln für Journalisten. Um über angebliche Straftaten berichten zu dürfen, müssen zunächst ausreichende Verdachtsmomente vorliegen. Der Bundesgerichtshof verlangt daher einen “Mindestbestand an Beweistatsachen, die für den Wahrheitsgehalt der Information sprechen.” Ein solcher Mindestbestand liegt zum Beispiel vor, wenn ein Haftbefehl erlassen worden ist oder die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hat. Die bloße Einleitung eines Ermittlungsverfahrens genügt in der Regel jedoch nicht, um eine Berichterstattung zu rechtfertigen.
Im Fall Glööckler gab es weder einen Haftbefehl noch eine Anklage, sondern lediglich ein Ermittlungsverfahren, das auf einer anonymen Anzeige beruhte. Schon aus diesem Grund hätte die “Bild”-Zeitung nach Ansicht von Glööcklers Anwälten nicht über das Ermittlungsverfahren berichten dürfen. Dass sie es dennoch getan hat, sei eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Außerdem habe der Reporter dem Beschuldigten “keine hinreichende Möglichkeit” eingeräumt, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Der Reporter habe weder mit der Presseagentur noch mit dem Management noch mit Glööckler selbst gesprochen. Stattdessen habe man Glööcklers Lebensgefährten an einem Sonntagnachmittag mit den Vorwürfen überrumpelt, nicht mal 24 Stunden vor der geplanten Veröffentlichung. Der Reporter habe mit unterdrückter Nummer angerufen und Angaben gemacht, die sich im Nachhinein zum Teil als nachweislich falsch herausgestellt hätten.
Auch die Berichterstattung von “Bild” und Bild.de sei “in wesentlichen Teilen unwahr”, heißt es im Antrag auf die einstweilige Verfügung:
So befindet sich in der gesamten Strafakte kein einziger Hinweis darauf, dass es um größere Mengen von “mehr als zehn Gramm Kokain” gehen […] soll. Ebenso falsch ist der mehrfach geäußerte Verdacht, dass es in dem Verfahren […] auch um Handel mit der Droge ging.
Tatsächlich zeigten sich selbst die Ermittlungsbehörden überrascht von den Erkenntnissen, über die die Reporter angeblich verfügten: In einem Vermerk schrieb die ermittelnde Kriminalkommissarin, es sei “unbekannt”, woher “die Informationen der BILD-Zeitung stammen”. In dem anonymen Anzeigenschreiben seien die “Angaben über die Menge, die Zeit sowie den Ort des Erwerbs” jedenfalls nicht enthalten.
In der vergangenen Woche stellte die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen Harald Glööckler mangels Tatverdacht schließlich ein.
Glööckler teilte am Montag mit, er wolle auch weiterhin gegen die Springer-Medien vorgehen. Der “angebliche Kokain-Skandal” sei “in Wirklichkeit ein Medien-Skandal”. Sein Anwalt Christian-Oliver Moser kündigte an, Schadenersatz in einer “historischen Höhe” zu fordern und “notfalls bis zur höchsten europäischen Instanz” zu gehen.
Es geht uns darum, die bewusst in Kauf genommene wirtschaftliche und soziale Vernichtung von Existenzen zugunsten der verkauften Auflage endlich gestoppt wird. Das funktioniert aber nur, wenn die wirtschaftlichen Folgen eines derartigen Rufmordes auch für einen der größten Verlage Europas tatsächlich spürbar sind.
Und schon jetzt zeigt die Ankündigung offenbar Wirkung: Die “Bild”-Zeitung berichtete gestern über die Einstellung des Verfahrens genauso prominent wie über dessen Eröffnung:
PS: Die “Rheinische Post” hat vergangene Woche in der Düsseldorfer Print-Ausgabe und online eine Gegendarstellung veröffentlicht:
In der “Rheinischen Post” vom 08.07.2013, Seite 8, verbreiten Sie unter der Überschrift “Harald Glööckler lässt in Düsseldorf bitten” im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über meinen PR-Auftritt auf der Messe “Little Gallery” am 07.07.2013 über mich Folgendes:
“Glööckler (…) sprach von Verleumdung durch die ‘Bild’-Zeitung, der er in Düsseldorf vor der Veranstaltung ein Exklusiv-Interview gewährte.”
Hierzu stelle ich fest: Ich habe der “Bild” kein Interview gegeben.
Harald Glööckler
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2. “Genau das, was wir wollen” (faz.net, Harald Staun)
Harald Staun stellt Netflix vor: “Spätestens seit die Juroren der Academy of Television Arts & Sciences die künstlerischen Ambitionen des Dienstes vergangene Woche mit 14 Emmy-Nominierungen honoriert haben (davon alleine neun für die Politserie ‘House of Cards’), googeln sich die Zuschauer in Deutschland die Finger nach Anleitungen wund, die erklären, mit welchen Tricks sie ihr Geld an das Unternehmen und die Filme auf ihren Laptop oder iPad bringen können.”
3. “Das Leistungsschutzrecht ist ein Schuss ins Knie” (cicero.de, Christian Jakubetz)
Das ab morgen Donnerstag geltende Leistungsschutzrecht für Presseverleger: “Google? Wird keinen einzigen User verlieren, weil die ‘Saarbrücker Zeitung’ nicht mehr in Google News vertreten ist. Die ‘Saarbrücker Zeitung’? Bekommt keinen einzigen Nutzer und keinen Cent Erlöse mehr dadurch (eher im Gegenteil, die Reichweite wird sinken). Die Autoren und Urheber? Haben keinen einzigen Cent mehr in der Tasche. Dazu kommt Rechtsunsicherheit.”
4. “Keine Nächte voller Sorge” (topfvollgold.de, Mats Schoenauer)
Eine Gegendarstellung von Karl-Theodor und Stephanie zu Guttenberg auf der Titelseite der Zeitschrift “Das Neue”.
6. “Life Of A Stranger Who Stole My Phone” (lifeofastrangerwhostolemyphone.tumblr.com, englisch)
Ein auf Ibiza gestohlenes Mobiltelefon lädt über eine noch immer eingerichtete Upload-Funktion Fotos automatisch auf Dropbox. Der ehemalige Besitzer teilt die Schnappschüsse mit der ganzen Welt.
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1. “Je später der Abend” (sz-magazin.sueddeutsche.de, Stefan Niggemeier)
Zehn Vorschläge zur Verbesserung von TV-Talkshows: “Es ist an der Zeit für einen Gegentrend: die Reduktion auf das Wesentliche. Menschen, die miteinander reden. Was könnte fesselnder sein, als sich darauf zu konzentrieren: die Gesprächspartner, ihre Mimik und Gestik, ihre Reaktionen in Großaufnahme.”
2. “Warum der Brennpunkt gar kein Brennpunkt war” (dwdl.de, Alexander Krei)
ARD-Chefredakteur Thomas Baumann begründet, warum die am Sonntag um 20:15 Uhr auf ARD außerplanmäßig einberufene Sendung zum aktuellen Sommerwetter kein “Brennpunkt”, sondern lediglich eine “Sondersendung” war. Siehe dazu auch “Zu Kopf gestiegen” (sueddeutsche.de, Matthias Kohlmaier).
4. “Und jetzt noch ein Pulitzer-Preis für ‘Hörzu'” (blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz kommentiert den Verkauf mehrerer Printprodukte durch den Axel-Springer-Verlag: “Und nur mal angenommen, Döpfner hätte nicht verkauft und irgendwann mal eines der Blätter schließen müssen – die Kommentare, dass da jemand alle Zeichen der Zeit verschlafen habe, kann man sich wunderbar ausmalen.” Siehe dazu auch “Axel Springer mistet aus – und alle jammern!?” (bwlzweinull.de, Matthias Schwenk) und “21st Century BILD” (carta.info, Wolfgang Michal).
5. “Darf man sich über Entlassungen bei ‘Bild’ und ‘BZ Berlin’ wirklich freuen?” (newsroom.de, Bülend Ürük)
In einem “taz”-Kommentar mit dem Titel “50 Mitarbeiter entlassen: Kein Mitleid mit Springer!” schreibt Sebastian Heiser: “Natürlich gibt es auch bei diesen Blättern gute Journalisten, die mit sachkundigen Beiträgen Aufklärung im besten Sinne leisten. Es gibt aber auch die, die mit Schweinemethoden, mit Lügen, Erpressungen und Bestechungen an ihre Informationen aus der Welt der Kriminalität, der Prominenz oder des Rotlichts kommen. Es gibt die, die gegen alternative Lebensentwürfe hetzen, die Stimmung gegen Minderheiten machen, die bleiernen Konservatismus verbreiten oder in fremder Leute Privatsphäre eindringen. Die Arbeitslosigkeit dieser Kollegen ist ein Gewinn für die Stadt.”
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3. “Werbung: Ja bitte – aber nicht so!” (journal21.ch, Roger Anderegg)
Hunderttausende von Zeitungslesern werfen täglich “Berge unverlangter Reklame” weg, ohne sie überhaupt angesehen zu haben, glaubt Roger Anderegg. “Abgesehen natürlich von den Werbern und den Verlagsmanagern, die alles aufmerksam durchblättern, aber nicht etwa aus Kaufinteresse, sondern lediglich aus Marketinggründen. Dass das sonst kein Mensch tut, hat ihnen offenbar noch niemand gesagt.”
5. “Das Ende der Mangelmedien” (haltungsturnen.de, Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach)
Mit dem Verkauf von Printprodukten durch den Springer-Verlag und der Vorstellung des Chromecast-Sticks sieht Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach ein Ende von Mangelmedien gekommen: “Diese Woche wird uns später als die Woche in Erinnerung bleiben, in der das Ende der Medien offensichtlich wurde, deren Modell darauf beruhte, dass Raum oder Zeit knapp und ein Mangel war.”
6. “Lebenshilfe vom Springer-Verlag: Entrümpeln lernen mit Dr. Döpfner” (spiegel.de, Silke Burmester)
Silke Burmester lobt Mathias Döpfner für den Verkauf mehrerer Print-Titel. “Ich bin ja so eine, die auf dem Flohmarkt die Sachen, die sie schon zum Verkauf auf den Tisch gelegt hat, wieder einpackt. Weil ich denke: ‘Kann man noch gebrauchen.’ Oder: ‘Das hat Opa damals gemacht, das gehört doch irgendwie zur Familie.'”
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1. “Der erfundene Zeuge” (falter.at, Wolfgang Zwander)
Verschiedene österreichische Medien übernehmen Vorwürfe der “Kärntner Woche” gegen den Landeshauptmann von Kärnten, Peter Kaiser. “Wirklich unangenehm für den Landeschef ist allerdings vor allem, dass vom ORF abwärts alle relevanten Medien des Landes einen Bericht übernahmen, der schlicht falsch war. Und dass Journalisten lieber ihren Souffleuren aus den Parteien glaubten als den Fakten und Originaldokumenten. Eine Durchsicht der Polizeiakten zeigt nämlich: den besagten Zeugen, der Kaiser angeblich belastete, hat es nie gegeben.”
2. “ORF retuschiert Logos der Konkurrenz weg” (kobuk.at, Teresa Hammerl)
Die ORF-Nachrichtensendung “Zeit im Bild” entfernt auf einem Bild zur Ankündigung eines Beitrags die Schriftzüge der Mikrofone von Konkurrenzsendern. Die Pressestelle bedauert auf Anfrage “die individuelle Fehlleistung eines Mitarbeiters”: “Aufgrund des sehr engen Zeitkorsetts konnte das Hintergrundbild inhaltlich-redaktionell nicht mehr kontrolliert werden.”
3. “Wie ein Orientmagazin Ziel türkischer Hacker wurde” (welt.de, Iris Alanyali)
Die Website des Orientmagazins “Zenith” wird angegriffen, nachdem die aktuelle Ausgabe eine fiktive Karte Kurdistans auf dem Titelbild zeigt. Ein Interview mit Chefredakteur Daniel Gerlach.
4. “Springer wird radikal digital” (wiwo.de, Franziska Bluhm)
Der Axel-Springer-Verlag verkauft mehrere Traditionsblätter an die Funke Mediengruppe (vormals WAZ Mediengruppe): “Der Verkauf der Titel ist vor allem eins: konsequent. Er zeigt, wie ernst es der Konzern, der sich bereits in den vergangenen Jahren von einem klassischen Verlag zu einem Medienhaus gewandelt hat, mit der Digitalisierung meint.”
5. “Springer, Funke und das Schlimmste, das noch kommt” (indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer sieht den Verkauf als “die Implosion einer Branche, mit deren Produkten wir täglich Kontakt haben, deren Arbeit wichtig sein könnte für die Gesellschaft. Und an deren Ende auch unsere Städte ganz anders aussehen, unser Alltagsleben sich verändern könnte.”
6. “Rette sich wer kann! Was jeder Journalist aus der Print-Amputation bei Springer lernen sollte” (lousypennies.de, Karsten Lohmeyer)
Karsten Lohmeyer schreibt: “Im Rückblick werden Wirtschaftshistoriker vermutlich jenen 25. Juli 2013 als den entscheidenden Punkt definieren, an dem Springer-Vorstandschef Döpfner den Grundstein für sein Medienhaus der Zukunft gelegt hat – ohne den Ballast von Print-Produkten abseits von Bild und Welt. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem man noch eine knappe Milliarde dafür erlösen konnte. Selbst wenn man 260 Millionen davon quasi als Kredit an die Funke-Gruppe vergab.” Siehe dazu auch “Hat die Funke Mediengruppe sich da ein Ei gelegt?”, ein Interview mit Steffen Grimberg auf Deutschlandradio Kultur.
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1. “Bild-Kampagne: Vize-Bürgermeister Gijón dementiert Ballermann-Aus” (mallorcazeitung.es)
“Politiker will unseren Ballermann dichtmachen”, so die “Bild”-Titelschlagzeile am Montag. “‘Meine Aussagen wurden völlig verdreht’, so der Politiker der konservativen Volkspartei (PP) am Dienstag (23.7.) gegenüber der Mallorca Zeitung.”
2. “8 Spielregeln für einen fairen Umgang mit der Gegenseite” (journalist.de, Marcus Lindemann)
Marcus Lindemann schlägt Spielregeln vor im Umgang mit dem Objekt der Berichterstattung: “Dass Journalisten häufig berichten, obwohl sie die Gegenseite nicht angehört haben, liegt an vermeintlichem Zeitdruck, an Bequemlichkeit und auch an einigen Missverständnissen, die zu einer Angst vor dieser Konfrontation führen: Die Geschichte könnte kaputtgehen, die Gegenseite könnte sich wehren, auch juristisch.”
3. “Ein Heuhaufen voller Stecknadeln” (theeuropean.de, Klaudia Wick)
Wer nach langer Abstinenz den Fernseher an einem x-beliebigen Abend einschalte, lande oft in dahinplätschernden Regelprogrammen, schreibt Klaudia Wick: “Natürlich ist das dann enttäuschend!”
4. “Stadtschreier und Bote statt Twitter und Facebook” (dradio.de, Burkhard Müller-Ullrich)
Das ausführliche Nichtssagen der Medien zur Geburt des Prince of Cambridge: “Die britischen Fernsehmoderatoren haben qualvolle Tage hinter sich, in denen sie dauernd über die Nichtfortschritte des Geburtsvorgangs reden mussten, ohne dass es irgendetwas Neues zu berichten gab. Jeder kennt diese diskursiven Endlosschleifen und wünscht sich manchmal den Town Crier zurück, denn der verkündete Wesentliches und das kurz.”
6. “Kritik der Medienkritik” (nzz.ch, Philippe Weber und Andreas Pfister)
Wie Jugendliche Medien wahrnehmen, aus der Sicht zweier an der Kantonsschule Zug unterrichtenden Lehrer: “Auffallend ist an diesen kritischen Erzählungen, dass die Jugendlichen klassische Massenmedien, digitale Angebote und soziale Netzwerke oft im gleichen Zug nennen.”
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1. “Schmutzige Geschichten gibt’s gratis” (taz.de, Mats Schönauer)
Mats Schönauer analysiert die ersten sechs Wochen von “Bild Plus”: “Titten, Tratsch und Trash. Dazu eine gute Ladung Fußball und irgendein Promi in irgendeinem Krisengebiet – im Kern hat sich also nichts geändert. Nur dass man jetzt dafür zahlen muss, wenn man die Zeichnungen aus den ‘Jammerbriefen’ von Beate Zschäpe sehen will. Oder das Video, in dem Polizisten einen Mann krankenhausreif prügeln.”
3. “Royal baby frenzy: ‘I’ve never seen so many cameras'” (guardian.co.uk, Peter Walker, englisch)
Vor dem St Mary’s Hospital in London hielten sich gestern Massen von Medienschaffenden auf: “In lieu of updates, the handful of union flag-bedecked, self-appointed royal superfans faced occasional queues to be interviewed.”
4. “Blenden Sie das Royal Baby aus” (spiegel.de, ore) Guardian.co.uk ermöglicht es seinen Lesern, die Berichterstattung über eine Geburt im britischen Königshaus auszublenden: “Auf der Startseite der linksliberalen Zeitung prangen ein Dutzend Artikel rund um die Geburt des potentiellen Thronfolgers. Doch mit einem Klick lässt sich die Hofberichterstattung abschalten – es bleiben Nachrichten für die Freunde von Demokratie und Aufklärung.”
5. “Stigma in Gelb” (ad-sinistram.blogspot.de)
Die Medien über den Tour-de-France-Sieg von Chris Froome: “Kann sein, dass Froome gedopt hat. Nur warum spricht man schon jetzt von Doping, obgleich es keine Beweise außer die sportliche Leistung des Athleten dafür gibt? Die Unschuldsvermutung im Radsport erstickt an einem paranoiden Zeitgeist, der hinter jedem Parforceritt Doping wittert. Eine Presse, die kritischen Bericht mit der Bedienung von Spekulation und generellen Argwohn verwechselt, kommt über den Status gut bezahlter Tratsch- und Waschweiber nicht hinaus.” Siehe dazu auch ein Pro und Contra von TV-Kommentator Andreas Schulz: “Zu schön, um wahr zu sein?” (de.eurosport.yahoo.com).
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2. “Wer wirbt wo für was?” (fernsehkritik.tv, Video, ca. 6 Minuten)
Das deutsche TV-Vorabendprogramm: Welche Werbungen auf welchen Sendern laufen.
3. “Medien: Je wichtiger der Job, desto weniger Frauen haben ihn” (diestandard.at)
“Die Standard” fasst den Bericht “Advancing gender equality in decision-making in media organisations” (eige.europa.eu, PDF-Datei, englisch) zusammen: “Das EIGE gibt angesichts dieses Verhältnisses zu bedenken, dass Medien eine wesentliche Rolle in der Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit spielen. Sie würden soziokulturelle Muster nicht nur abbilden, sondern diese auch gestalten, und seien damit ein mächtiger Akteur, der die öffentliche Meinung beeinflusse. Daher seien gerade in diesem Bereich Veränderungen besonders wichtig.”
5. “Experten: ‘Bushido sät nur Gewalt – und die Medien helfen ihm'” (newsroom.de, Bülend Ürük)
Bülend Ürük befragt Franco Clemens und Frank Überall zu Bushido. Überall: “Der mediale Terrorist ist Bushido selbst, aber man kann durchaus sagen, dass sich Journalistinnen und Journalisten durch unreflektierte Berichterstattung zuweilen zu Mithelfern machen.”
6. “Das Bundesverteidigungsministerium klagt uns an: Wir haben Geheimes veröffentlicht” (derwesten-recherche.org, David Schraven)
Eine Klage des Bundesministeriums der Verteidigung wegen Veröffentlichung von als geheim klassifizierten Dokumenten. “Nur die Veröffentlichung aller vorliegenden VS-gestempelten Papiere im Internet ermöglicht es, die jahrelange Verharmlosung des Afghanistankrieges zu dokumentieren. Und damit auch schließlich die Bundesregierung zu zwingen, die Wahrheit zu sagen und mit der Schönfärberei aufzuhören.”