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Springer meidet Prozess, Thema Queer, Versprechen mit Bundesadler

1. Axel Springer kann US-Prozess um Julian Reichelt vermeiden
(spiegel.de)
Eine ehemalige “Bild”-Mitarbeiterin hatte an einem kalifornischen Gericht Klage gegen “Bild” sowie gegen eine Tochterfirma des Axel-Springer-Verlags eingereicht. Unter anderem sei es darin um den Vorwurf der sexuellen Belästigung gegangen (siehe die Berichterstattung des “Spiegel” aus dem Oktober 2021). Anscheinend wollte es der Konzern nicht auf einen Prozess ankommen lassen. Man habe sich für eine “einvernehmliche Lösung” entschieden, so ein Konzernsprecher.

2. Was (israelische) Journalisten bei der WM in Katar erleben
(stern.de, Christine Leitner)
Dass ausländische Journalisten und Journalistinnen in Katar nicht wirklich willkommen sind, sei keine Überraschung. Besonders gelte dies jedoch für Medienschaffende aus Israel, wie Christine Leitner im “Stern” schreibt und mit einigen Beispielen unterfüttert.
Weiterer Lesehinweis: Paradiesische Bedingungen für Sportjournalisten: “Vier Spiele pro Tag und beste Bedingungen für Sportjournalisten mit kurzen Wegen zu allen WM-Stadien. Die FIFA versucht, ihr Kernprodukt perfekt zu vermarkten, um politischen Themen den Raum zu nehmen.” (freitag.de, Günter Klein)
Und noch ein Hörtipp: Beim RBB geht es um die Frage: “Wie reden wir über diese kontroverse Fußball-WM?” Besprochen wird sie mit dem Investigativjournalisten Jens Weinreich (rbb-online.de, Audio: 7:01 Minuten).

3. Wann Medien über queere Themen berichten – und wann nicht
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein)
Anlässlich des Gerangels um das Tragen einer Armbinde bei der Fußball-Weltmeisterschaft ist das Thema Queerfeindlichkeit in den medialen Fokus gerückt. Etwas, was sich Johannes Kram auch außerhalb von Sportevents wünschen würde: Es gebe auch in Deutschland dauernd Übergriffe auf LGBTQIA+-Personen, aber darüber werde nicht berichtet. “Wir haben ein Sicherheitsproblem, wir haben ein Problem am Arbeitsplatz. Es wird so getan, als ob wir in Deutschland schon alles erreicht hätten. Die Medien hätten die Aufgabe dort genauer hinzuschauen”, so Kram.

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4. Versprechen mit Bundesadler
(taz.de, Christian Rath)
Das für seine subversive Aktionskunst bekannte “Peng! Kollektiv” hat 2018 ein vermeintliches Video des Bundesinnenministeriums produziert und veröffentlicht (hier auf Facebook zu sehen), in dem die Aufnahme von Geflüchteten garantiert wird. Dagegen ging das Innenministerium vor und verlangte vom Plattformbetreiber Youtube die Löschung. Christian Rath erklärt die Argumentationslinien der beteiligten Parteien und die möglichen juristischen Aspekte.

5. Cem und die Tiere
(kontextwochenzeitung.de, Anna Hunger)
Ist Cem Özdemir, Bundeslandwirtschaftsminister von den Grünen, vielleicht auch deshalb einer der beliebtesten Politiker des Landes, weil er Polizeipferde streichelt und Tierheime besucht? Anna Hunger hat ihren Text mit einigen Aufnahmen des Ministers unterlegt, für den Tierliebe anscheinend auch Teil seiner Medienarbeit ist.

6. Die reichsten Verleger 2022
(kress.de, Markus Wiegand)
Das Medienportal “kress” hat nachgeschaut, welche Medienunternehmer und -unternehmerinnen es in die Liste der 500 reichsten Deutschen des “Manager Magazins” (nur mit Abo lesbar) geschafft haben. Eine Sonderrolle spielt dabei der Koblenzer Medizinsoftware-Unternehmer Frank Gotthardt, der Medien als Nebengeschäft betreibe und als Finanzier von Ex-“Bild”-Chef Julian Reichelt gehandelt werde.

“Tagesthemen Extra”, Wie Elon Musk Twitter ruiniert, Stille Post gone bad

1. Das “Tagesthemen Extra” war trotz unsicherer Nachrichtenlage richtig
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Trotz unsicherer Informationslage strahlte Das Erste am Dienstagabend eine außerplanmäßige “Tagesthemen”-Ausgabe zum Raketeneinschlag in Polen aus. Eine gute Entscheidung, findet Markus Ehrenberg: “Den öffentlich-rechtlichen Sendern wird öfters vorgeworfen, sich vor allen in ihrem Hauptprogrammen zu wenig auf ihre Nachrichten- und Informationskompetenz zu besinnen. Wenn es irgendwo auf der Welt brenzlig wird, laufen auch schon mal Quizshows, Krimis oder Krankenhausserien durch (oder man muss digital auf den Spartensender Tagesschau24 gehen). Das war am Dienstagabend nicht so. Und trotz der unsicheren Nachrichtenlage richtig.”

2. Wie Elon Musk Twitter ruiniert
(socialmediawatchblog.de)
Das “Social Media Watchblog” hat sich die Mühe gemacht, Elon Musks chaotisch wirkende Twitter-Entscheidungen zu sortieren und einzuordnen. Bei Musk sei es ähnlich wie bei Trump – er sei zu mächtig, um ihn zu ignorieren: “Er spuckt nicht nur große Töne, er handelt auch, und seine Entscheidungen haben reale Konsequenzen für eine Plattform, die trotz ihrer überschaubaren Größe politisch und gesellschaftlich wichtig ist.”
Weiterer Lesehinweis: Elon Musk stellt Twitter-Angestellten Ultimatum: “Bis Donnerstag um 17 Uhr sollen Twitters verbliebene Mitarbeiter erklären, ob sie für das Unternehmen extreme Belastungen auf sich nehmen wollen – oder kündigen. Das verlangt der Firmenchef in einer geleakten E-Mail.” (spiegel.de)

3. Stille Post gone bad: Wie Medien einen Fehler zu Elektroautos abschreiben
(kobuk.at, Thomas Pichler)
Dem österreichischen Medienwatchblog “Kobuk” ist eine fehlerhafte Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) aufgefallen, die anscheinend ungeprüft von zahlreichen Redaktionen übernommen wurde: “Sämtliche Medien hätten diesen Fehler erkennen und korrigieren können, wenn sie sich die Grafik der Original-Quelle angeschaut hätten. Ein Aufwand von nicht einmal einer Minute. Augenscheinlich ist aber auch das schon zu viel verlangt.”

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4. Auskunftsanspruch gegen Verteidigungsministerium
(urheberrecht.org)
Laut einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen müsse das Verteidigungsministerium der Presse Auskunft geben zu Details eines Fotos, das den Sohn der Ministerin Christine Lambrecht in einem Hubschrauber der Bundeswehr zeigt. Das ist inzwischen passiert, eine Sprecherin des Ministeriums sagte gegenüber dem “Tagesspiegel”: Das Foto, um das es geht, habe Lambrecht selbst aufgenommen.

5. Jeder Artikel der SPIEGEL-Gruppe auch zum Hören
(devspiegel.medium.com)
Die “Spiegel”-Gruppe will ihre Inhalte “zugänglicher und alltagstauglicher” machen, dazu gehören auch Audioinhalte “zum barrierefreien Konsum von Nachrichten”. Im “Spiegel”-Entwicklerblog wird der Weg vom geschriebenen Artikel zum Audio erklärt, und der ist dank “Text-to-Speech”-Technologie überraschend kurz: “Der neue Prozess zur Vertonung ist vollautomatisiert. Von der Veröffentlichung des geschriebenen Artikels bis zur Einbindung des Audios im Artikel vergeht in der Regel weniger als eine Minute.”

6. Diese Katar-Dokus sollten Sie vor dem WM-Start gesehen haben
(dwdl.de, Alexander Krei)
Anlässlich der bald beginnenden Fußballweltmeisterschaft stellt Alexander Krei bei “DWDL” die seiner Ansicht nach besten Katar-Dokus vor. Darunter ist auch eine vor mehreren Jahren erschienene Reportage des inzwischen verstorbenen CDU-Politikers Norbert Blüm, die nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren habe.

Chatkontrolle, Owning the libs, Cyber-Angriff auf “Heilbronner Stimme”

1. Chatkontrolle darf so nicht in Kraft treten
(netzpolitik.org, Anna Biselli & Andre Meister)
Einige zivilgesellschaftliche Organisationen monierten bereits, dass die geplante EU-Verordnung zur Chatkontrolle tief in Grundrechte eingreife und von den Gerichten gekippt werden könnte. Zu dieser Einsicht ist nun auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags im Rahmen eines Gutachtens gekommen. netzpolitik.org hat die Ausführungen der Experten eingeordnet und das Gutachten im Volltext angehängt.

2. Kontrolle komplett
(taz.de, Jürgen Gottschlich)
Die Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat ein neues Mediengesetz verabschiedet, das vorsehe, dass Menschen, die “falsche oder irreführende Informationen über die innere und äußere Sicherheit des Landes” verbreiten oder durch ihre Nachrichten “die öffentliche Ordnung stören sowie Angst und Panik in der Bevölkerung verbreiten”, für bis zu drei Jahren in Haft kommen können. Journalistenorganisationen, Anwaltsvereine und Amnesty International seien entsetzt.

3. “Heilbronner Stimme” erscheint nach Cyber-Angriff nicht gedruckt
(sueddeutsche.de)
Die “Heilbronner Stimme” ist Opfer einer Cyberattacke geworden und erscheint am heutigen Montag nicht als gedruckte Ausgabe. Etliche Systeme der Stimme Mediengruppe seien bei dem Angriff in der Nacht auf Freitag verschlüsselt worden. Dem Unternehmen liege ein Bekennerschreiben vor, das auf einen Erpressungsversuch hindeute.

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4. Owning the libs mit Dieter Nuhr
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
Anhand der Kabarett- und Comedysendung “Nuhr im Ersten” erklärt Bernhard Hiergeist die aus den Vereinigten Staaten bekannte “owning-the-libs”-Strategie: “Mit ‘owning the libs’ wird vor allem in den USA die Strategie bezeichnet, gesellschaftspolitisch liberal gesinnte Politiker:innen um jeden Preis zu ärgern, zu brüskieren oder (bei ihrer politischen Arbeit) zu sabotieren. Egal wie sinnvoll die Projekte oder Ansichten, sei es, Schulen oder Zufahrtsrampen für Rollstuhlfahrer zu bauen, die Grundsicherung und Löhne zu erhöhen oder Minderheiten zu schützen: Wenn es von der falschen Seite kommt, ist es abzulehnen und zu trollen. Ohne Wenn und Aber. Nuhr im Ersten hat das einfach auf Comedy übertragen.”

5. Wir haben eine Stichprobe von gut 5.000 Accounts untersucht
(twitter.com, Kontraste)
Das Politmagazin “Kontraste” hat eine Stichprobe von gut 5.000 Twitter-Accounts untersucht, die seit Beginn des Kriegs in der Ukraine Tweets von Sahra Wagenknecht geteilt haben. Man habe feststellen wollen, welche Inhalte diese Nutzerinnen und Nutzer sonst noch geteilt haben: “Am häufigsten wurde der #Querdenker-Ideologe Stefan Homburg geteilt. 56 % der Nutzer retweeteten ihn. Tweets des rechtsradikalen YouTubers Niklas Lotz teilten 44 %. Und von Alice #Weidel, der #AfD-Fraktionsvorsitzenden, waren es 32 %.” Mehr dazu gibt es in dem dazugehörigen “Kontraste”-Beitrag (Video: 8:44 Minuten).

6. Gemälde im Kanzleramt könnte ungewöhnliche Kosten verursachen
(spiegel.de)
Wenn Olaf Scholz im Kanzleramt eine Pressekonferenz abhält, ist hinter dem Podium ein großformatiges Gemälde des Malers Ernst Wilhelm Nay (Titel: “Augenbilder”) zu sehen. Zu Zeiten von Angela Merkel im Kanzleramt sei das Bild durch einen blauen Hintergrund mit Bundesadler verdeckt gewesen – darauf habe man nun verzichtet, “um einen anderen optischen Eindruck zu erreichen”. Ein Eindruck, der für Medien und Medienschaffende teuer werden könnte: “Laut der VG Bild-Kunst, die für die Wahrnehmung der Rechte zuständig ist, dürfen Fotos der Pressekonferenzen, auf denen ‘Augenbilder’ zu sehen ist, im Rahmen aktueller Berichterstattung online nur sechs Wochen gezeigt werden. Anschließend müssten sie entweder käuflich lizenziert oder gelöscht werden.”

Ausblick auf Katar, Geschnittene Laudatio, Lust und Leid im Theater

1. Das umstrittenste Sportereignis der Geschichte
(journalist.de, Ronny Blaschke)
Der Journalist Ronny Blaschke recherchiert häufig zu politischen Themen im Sport. Für den “journalist” hat er seine Sicht auf die im November bevorstehende Fußballweltmeisterschaft in Katar aufgeschrieben. Der Staat verhalte sich auch Medienschaffenden gegenüber äußerst restriktiv und kontrollsüchtig. Blaschke fragt sich: “Kann die WM dafür sorgen, dass Sportredaktionen hierzulande politische Fragen mehr in den Blick nehmen? Oder führt sie zu orientalistischen Klischees und einem Überlegenheitsdenken gegenüber dem Nahen Osten?”

2. Was Pressefreiheit meint und was nicht
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber spannt im “Tagesspiegel” einen Bogen von der “‘Spiegel’-Affäre” im Jahr 1962 bis zur Situation der Pressefreiheit in der Jetztzeit sowie zur Diskussion um das Medienbuch der Autoren Richard David Precht und Harald Welzer: “Das Buch folgt der einer Emotionalisierungskultur, so wie die AfD jedwede Empörung aufgreift. All das fällt unter Meinungsfreiheit, die eine Schwester der Pressefreiheit ist. Aber wie Bilder der AfD-Anhänger und von Welzer/Precht in der Lanz-Show provozieren sie die Gegenbilder von 1962 herauf, als eben das fundamentiert wurde, worauf AfD und Precht/Welzer mit Lust herumspringen.”

3. So viel Widerspruch
(arminwolf.at)
Auch der österreichische Journalist und Fernsehmoderator Armin Wolf hat das Buch “Die vierte Gewalt” von Precht/Welzer gelesen. Auf seinem Blog veröffentlicht Wolf eine eigentlich als Twitter-Thread geplante Rezension: “In dem Buch finden sich etliche bedenkenswerte Beobachtungen und Diagnosen und es ist sehr gut und flüssig geschrieben. Aber: Die Kernthese von den sich ‘selbstangleichenden’ Leitmedien ist schlicht unsinnig und die Argumentation voller Widersprüche.”

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4. ZDF schneidet Kritik an “AfD-Sympathisanten” aus Laudatio
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der Pianist Igor Levit wurde am Sonntag mit dem “Opus Klassik 2022” ausgezeichnet. Die Gala wurde vom ZDF übertragen, die Laudatio auf Levit hielt der Musiker Danger Dan, der unter anderem für sein Lied “Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt” bekannt ist. Seine Laudatio endete mit einer Bemerkung über “AfD-Sympathisanten” (“Ihr seid Vollidioten”), die das ZDF anscheinend als nicht von der Kunstfreiheit gedeckt ansah und aus der Aufzeichnung herausschnitt.

5. Queer, migrantisch, Perlenkette: Wo ist das Problem?
(uebermedien.de, Olivia Samnick)
In einer Instagram-Liveschalte berichtete Atay Küçükler, ein junger Journalist der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung”, über die Landtagswahlen in Niedersachsen. Es folgten wütende Reaktionen, Beleidigungen, Hass. Gegenstand der Kommentare waren jedoch nicht inhaltliche Aspekte, es ging um Küçüklers Aussehen: Zum schwarzen Sakko trug er Perlenkette und Ringe. Olivia Samnick hat sich mit Atay Küçükler über die unangenehme Resonanz, aber auch den Zuspruch unterhalten.

6. Nichts für Feiglinge
(sueddeutsche.de, Christine Dössel)
“Ich führe mit dem Theater jetzt schon eine sehr lange Beziehung. Sie ist kinderlos geblieben und nicht unkompliziert. Oft treibt sie mich in den Wahnsinn. Aber es gibt auch nichts Besseres.” Die Theaterkritikerin Christine Dössel berichtet in der “Süddeutschen” von Freud und Leid ihrer Tätigkeit. En lesenswerter Einblick in eine journalistische Nische.

“Cum-Ex”-Meinungsmache, Kauflands rechter Sumpf, RTL in synthetisch?

1. Einflussnahme auf Medien? Wie der Kanzleramtschef zu “Cum Ex” Meinung macht
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Nach Informationen des “Tagesspiegel” soll Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt (SPD) versucht haben, mit als vertraulich deklarierten Stellungnahmen zum Cum-Ex-Skandal Einfluss auf Medienberichte zu nehmen. “Der Austausch mit Journalistinnen und Journalisten gehört zu meinem Geschäft”, habe Schmidt verlautbaren lassen – und zu konkreten Fragen zu seinen Kontakten geschwiegen. Jost Müller-Neuhof, rechtspolitischer Korrespondent des “Tagesspiegel”, schreibt: “Viel spricht deshalb dafür, dass Schmidt sein Einwirken auf Medien zugunsten des Bundeskanzlers gar nicht als dienstliche Tätigkeit betrachtet, sondern als eine Art Privatsache, bei der er freie Hand und niemandem gegenüber Rechenschaft abzulegen hat.”

2. RBB entbindet Juristische Direktorin vom Dienst
(sueddeutsche.de)
Bei den Untersuchungen zu möglicher Vetternwirtschaft und Verschwendung im RBB rückt nun auch die Juristische Direktorin Susann Lange in den Fokus. Der Sender habe Lange im gegenseitigen Einvernehmen und bis zur Klärung der Vorwürfe vom Dienst entbunden. Dem vorausgegangen waren Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft, die vergangene Woche auf Mitglieder des aktuellen Vorstands ausgeweitet worden seien, zu denen auch Lange zählt. RBB-Interims-Intendantin Katrin Vernau betont, dass es sich bei dem Vorgang nicht um ein Schuldeingeständnis handele, auch bei Susann Lange gelte die Unschuldsvermutung.

3. Das Regime schnürt den Medien die Luft ab
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisiert die Angriffe des iranischen Regimes auf Journalistinnen und Journalisten: “Der freie Zugang zu Informationen sollte ein grundlegendes Menschenrecht sein, auch im Iran. Gerade in Phasen von Umbrüchen und Protesten ist es wichtig, sich ungehindert informieren zu können. Dass das iranische Regime diese Lebensader einfach durchtrennen will, zeigt seine Brutalität. Es zeigt aber auch, dass die Herrscher mit dem Rücken zur Wand stehen. Denn die Wahrheit lässt sich niemals komplett unterdrücken.”

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4. Kaufland wegen rechtsradikaler Bücher in der Kritik
(spiegel.de)
Auf dem Onlinemarktplatz von Kaufland werden Bücher von Rechtsradikalen und Holocaustleugnern angeboten. Das ist insofern bemerkenswert, als die Supermarktkette zuvor Produkte mit Antifa-Logo aus ihrem Onlineshop verbannt hat. Die Debatte über das Kaufland-Verhalten war durch einen Twitter-Thread von Leo Schneider ausgelöst worden, der sich “mal nach rechten Kram im Onlineshop von @kaufland umgeschaut” hatte. Das Unternehmen habe nun begonnen, einzelne Produkte aus dem Angebot zu werfen, und weitere Prüfungen in Aussicht gestellt: “Wir werden in den kommenden Tagen unsere Prozesse sowie unser Sortiment auf den Prüfstand stellen und entscheiden, ob und welche weiteren Produkte wir aus dem Angebot nehmen werden.”

5. DJV verurteilt RTL-Pläne für synthetische Nachrichtenstimmen
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
RTL arbeite gemeinsam mit Microsoft an einem Projekt zur Erzeugung von synthetischen Nachrichtenstimmen. Das Vorhaben werfe ethische Fragen auf, schreibt Thomas Lückerath bei “DWDL”. “Das geht gegen alle Prinzipien des glaubwürdigen Journalismus, auf die unser Berufsstand aufbaut”, habe der Deutsche Journalisten-Verband Lückerath gegenüber erklärt. Auch RTL-Moderator Maik Meuser, der die stimmliche Vorlage bei dem Projekt liefert, sei skeptisch: “Etwas zu hören, was ich selber nie gesagt habe mit meiner Stimme. Das fühlt sich nicht so besonders gut an”, so Meuser: “Das kann ich schon mal unterschreiben. Weil die Stimme natürlich schon ein bisschen sehr persönlich ist und wenn das genutzt wird, um etwas komplett anderes zu sagen, als es meinem Leben entspricht, dann finde ich das schon sehr bedenklich.”

6. Wie die Kronen Zeitung Leserbriefe missbraucht, um Tassilo Wallentin zu pushen
(kobuk.at, Tobias Kachelmeier)
Bei der österreichischen “Kronen Zeitung” häufen sich auffällig Leserbriefe, die sich für Tassilo Wallentin als zukünftigen Bundespräsidenten aussprechen. Pikant: Bei eben jenem Tassilo Wallentin handelt es sich um einen langjährigen Kolumnisten der Zeitung. Das Medien-Watchblog “Kobuk” hat sich die Sache näher angeschaut und hat einen Verdacht: “Eine offene Kampagne in der regulären Berichterstattung war wohl keine Option, weil zu offensichtlich.”

Weigelts Welt, Journalisten freigesprochen, Videotheken-Dinos

1. Weigelts Welt
(sueddeutsche.de, Ulrike Nimz)
Ein Bürgermeister, der einen Journalisten schubst, wie es in der thüringischen Kleinstadt Bad Lobenstein passiert ist, sei keine Provinzposse, sondern das Resultat wachsender Demokratieverachtung, kommentiert Ulrike Nimz. Die nachgeschobene Stellungnahme des Bürgermeisters sei “der Versuch, das Geschehen umzudeuten, alternative Fakten zu schaffen. Es ist, im ganz Kleinen, die Strategie eines Donald Trump, es ist die Strategie eines Wladimir Putin, eine Strategie, die dazu führt, dass niemand mehr seinen Augen und Ohren glauben mag. Aber die Wahrheit ist nichts Verhandelbares, nichts, das man nach Belieben interpretieren kann.”
Weiterer Lesehinweis: Der Deutsche Journalisten-Verband Thüringen fordert den Rücktritt des Bürgermeisters: “Wer Journalist:innen angreift, greift die Demokratie an. Er tritt Grundrechte wie die Pressefreiheit mit Füßen.” (djv-thueringen.de)

2. Journalisten in Fulda freigesprochen
(verdi.de, Peter Nowak)
“Das Fuldaer Amtsgericht hat am 22. August zwei Journalist*innen freigesprochen, die sich auf der Online-Plattform ‘Belltower-News’ kritisch mit einem Polizeieinsatz in Fulda auseinandergesetzt hatten, bei dem ein afghanischer Geflüchteter ums Leben kam. Damit obsiegte die Pressefreiheit.” Peter Nowak fasst den Fall zusammen, bei dem laut “Belltower.News” selbst die Staatsanwaltschaft auf Freispruch plädiert habe.

3. Wer soll den RBB retten?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber & Kurt Sagatz)
Bei der Suche nach einem Interims-Intendanten beziehungsweise einer -Intendantin für den öffentlich-rechtlichen rbb würden erste Namen die Runde machen: Roland Jahn, letzter Leiter der Stasiunterlagenbehörde, der ehemalige SWR-Intendant Peter Boudgoust, der ehemalige BR-Intendant Ulrich Wilhelm sowie Ulrich Deppendorf, ehemaliger Studioleiter und Chefredakteur Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio.

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4. Keine Mas­kenpf­licht im Regie­rungs­f­lie­ger?
(lto.de)
Wer von einem deutschen Flughafen aus startet, muss an Bord in der Regel eine Corona-Maske tragen. Für den Regierungsflieger, der mit Olaf Scholz und Robert Habeck am Sonntag von Berlin aus nach Montreal gestartet ist, scheint diese Regel nicht zu gelten. Dort trugen die mehr als 80 Passagiere, darunter 25 Medienvertreter, keinen Mund-Nasen-Schutz. Ein Regierungssprecher wies darauf hin, dass die Reiseteilnehmer und -teilnehmerinnen einen aktuellen negativen PCR-Test vorgelegt hätten. Dennoch ist in den Sozialen Netzwerken und auch in der Berichterstattung mancher Medien die Empörung groß. “Legal Tribune Online” beleuchtet die Rechtslage genauer.

5. Ex-Sicherheitschef wirft Twitter “schockierende Schwachstellen” vor
(zeit.de)
Peiter Zatko, ehemaliger Sicherheitschef des Onlinedienstes Twitter, wirft seinem früheren Arbeitgeber gravierende Sicherheitslücken vor. Berichten von “Washington Post” und CNN zufolge habe er eine Beschwerde als Whistleblower bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Darin berichte Zatko von “schweren und schockierenden Schwachstellen” und einer Bedrohung der “nationalen Sicherheit und der Demokratie”.

6. Dinosaurier im Streamingzeitalter? Die Situation von Videotheken in Deutschland
(deutschlandfunkkultur.de, Jörg Taszman, Audio: 5:25 Minuten)
Jörg Taszman hat für Deutschlandfunk Kultur recherchiert, wie es um die Situation der Videotheken bestellt ist: Wie schlagen sie die Läden angesichts der Streaming-Übermacht? Taszman hat eine der nur noch 50 in Deutschland existierenden Videotheken besucht.

Täterprofil­neurose, Technologie-Mythen, “Sommerinterviews”

1. Täterprofil­neurose bei den “Ruhr Nachrichten”
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Lisa Kräher hat die Berichterstattung der “Ruhr Nachrichten” über den mutmaßlichen Mord an einer 17-Jährigen verfolgt und ist in vielerlei Hinsicht entsetzt und berührt: “Wissen Sie, welche Frage ich mir dabei stelle? Wie es sich für Eltern, Familienmitglieder oder Freund:innen dieses Opfers oder Opfer ähnlicher Gewalttaten anfühlt, so etwas zu hören oder zu lesen.”

2. Hauptsache, das Logo sitzt
(tagesspiegel.de, Torsten Körner)
Es braucht andere Interviews als die politischen “Sommerinterviews” bei ARD und ZDF, findet Torsten Körner: “Es braucht Gesprächszeiten oder Interviewzeiten, wo die Zuschauerinnen und Zuschauer sich als Diskursteilnehmer empfinden oder als Augen- und Ohrenzeugen einer spannenden Begegnung, aber diese von vornherein allen Lebens und aller Emotionen, Gedanken und Augenblicke bereinigten Sommerinterviews brauchen wir nicht. Wo Menschen sich nicht begegnen können, weil ihnen die Rollenmuster alles Menschenmögliche stehlen, kommen weder Rolle noch Mensch zu ihrem Recht.”

3. Technologie-Mythen in den Medien
(deutschlandfunkkultur.de, Vera Linß & Markus Richter, Audio: 13:43 Minuten)
Die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, ist, wie andere europäische Stadtoberhäupter, auf einen vermeintlichen Anruf von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hereingefallen. Schnell machte der Begriff vom “Deep Fake” die Runde, doch es gibt Anhaltspunkte, die gegen eine solche technische Manipulation sprechen. Bei Deutschlandfunk Kultur wird der Fall samt der dazugehörigen Berichterstattung besprochen.
Lesetipp: Zu den technischen Aspekten siehe auch die ein paar Tage zurückliegende Analyse des Investigativjournalisten Daniel Laufer auf Twitter.

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4. Noch vor erstem Angebot: Beim SWR wird gestreikt
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Noch bevor die aktuelle Tarifrunde begonnen hat, gab es gestern beim öffentlich-rechtlichen SWR den ersten Warnstreik. Uwe Mantel stellt die unterschiedlichen Positionen der Tarifparteien vor und erklärt, um was aktuell gerungen wird.

5. Journalismus in der Ukraine: «Unsere Medien sind sehr patriotisch geworden»
(medienwoche.ch, Eva Hirschi)
Lina Kuschtsch ist erste Sekretärin des nationalen Journalistenverbands der Ukraine und Mitglied der Kommission für journalistische Ethik des Landes. Im Gespräch mit der Schweizer “Medienwoche” berichtet sie von der Lage der Medien und des Journalismus seit Kriegsausbruch.

6. Wenn Männer über Männer sprechen: Wo sind die Podcast-Frauen?
(meedia.de, Ivy Haase)
Beim Deutschen Podcastpreis dominierten die Männer: Von elf ausgezeichneten Formaten sei nur ein einziges alleine von einem weiblichen Host präsentiert worden. Dies hänge auch mit der “internalisierten Vorliebe für tiefere Stimmen” zusammen, erklärt Ivy Haase. Man werde “noch mehr aktiv darauf achten müssen, gerade Wissens-, Comedy- und Nachrichten-Formate mit Frauen zu besetzen. Einerseits um Parität, bzw. Diversität, zu schaffen, anderseits, um Wirklichkeit nicht nur mit dem, was wir sagen, entstehen zu lassen – wir müssen auch darauf achten, wer es sagt.”

Fehlende Größe, Eingriff in die Privatsphäre, Pöbel-Theologen

1. “Josef Joffe hat mich als damals zuständigen ‘Die-Zeit’-Redakteur hintergangen und die eigene Redaktion verraten”
(twitter.com, Felix Rohrbeck)
Wie vergangene Woche bekannt wurde, lässt Josef Joffe, langjähriger Mitherausgeber der Wochenzeitung “Die Zeit”, sein Mandat als Herausgeber bis zum Vertragsende ruhen. Dieser Entscheidung vorangegangen waren Vorwürfe, Joffe habe einen mit ihm befreundeten Bankier vor Recherchen seiner eigenen Zeitung gegen das Geldhaus gewarnt. Auf Nachfrage der “Süddeutschen Zeitung” hatten sich Joffe und “Die Zeit” zu dem Fall geäußert. In einem Twitter-Thread legt Felix Rohrbeck, einer der damaligen “Zeit”-Autoren, seine Sicht der Dinge dar. Josef Joffe habe großen Schaden angerichtet: “Dass er nicht mal die Größe hat, sich dafür zu entschuldigen und stattdessen versucht, uns Autoren zu schaden, spricht für sich.”

2. Es trifft die Falschen
(zeit.de, Ann-Kathrin Nezik)
Ann-Kathrin Nezik hält die Pläne der EU zur sogenannten Chat-Kontrolle für einen tiefen Eingriff in die Privatsphäre, der wenig bringe: “Gerade die EU, die sich mit progressiven Gesetzen wie der Datenschutz-Grundverordnung als Gegenentwurf zu autokratischen Regimen präsentiert, darf sich einen solchen Eingriff in die Privatsphäre nicht erlauben – zumal er nur scheinbar dem Kampf gegen sexuelle Gewalt an Kindern dient.”

3. Wie Medien für Glücksspiel werben
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 30:27 Minuten)
Welche Rolle und Verantwortung haben Medien rund um das Thema Glücksspiel bei Lotto und Sportwetten? Darüber diskutiert ein Deutschlandfunk-Hörer mit dem Glücksspielforscher Tobias Hayer, dem Sport- und Medienjournalisten Fritz Lüders und mit Stefan Fries aus der Dlf-Medienredaktion.

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4. Schafft die 20-Uhr-“Tagesschau” ab
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader sieht bei der “Tagesschau” Reformbedarf: “Ende dieses Jahres wird die vermutlich bekannteste Sendung des deutschen Fernsehens 70 Jahre, und man soll ja nicht unhöflich zu älteren TV-Formaten sein, aber: man sieht und hört es ihr ein bisschen an.”

5. Laissez-faire beim Klima
(tagesspiegel.de, Katja Horneffer)
Beim “Tagesspiegel” verrät die ZDF-Metereologin Katja Horneffer, worüber sie sich in der letzten Woche in den Medien am meisten geärgert hat und worüber sie sich freuen konnte. Es geht um den Umgang mit Klimameldungen und die Begeisterung über ein Bild vom Schwarzen Loch im Auge unserer Milchstraße.

6. Homosexuelle verunglimpft – Verfahren in Köln gegen zwei Priester eingestellt
(wdr.de, Markus Schmitz)
Im katholischen Fachmagazin “Theologisches” bezeichnete ein Theologieprofessor Homosexuelle als “Parasiten” und “Krebsgeschwüre”. Darauf wurde ein Verfahren wegen Volksverhetzung gegen den Autor sowie den verantwortlichen Redakteur in Gang gesetzt, das nun gegen eine Geldauflage von insgesamt 7.000 Euro und eine Entschuldigung eingestellt wurde.

Kriegsberichterstattung, Knappes Druckpapier, “BetweenTheLines”

1. “Das Opfer wird ins Rampenlicht gezerrt”
(sueddeutsche.de, Lars Langenau)
Wie sollen Medien vom Krieg berichten? Welche Bilder können und dürfen sie dem Publikum zumuten? Über diese Fragen hat sich die “Süddeutsche” mit Claudia Paganini unterhalten, Professorin für Medienethik an der Hochschule für Philosophie in München. Dazu passender Hörtipp: Wer es ausführlicher mag, dem sei der “SZ”-Podcast “Auf den Punkt” empfohlen, in dem Paganini zu Gast war: Wie die Brutalität des Krieges zeigen? (süddeutsche.de, Lars Langenau, Audio: 12:09 Minuten)

2. “Jeden Tag neuer Horror”
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider & Antje Allroggen, Audio: 9:45 Minuten)
“Die Bilder aus Butscha, auch andere Fotos und Videos aus der Ukraine, sind für viele kaum zu ertragen. Wie muss es dann sein, diese Fotos zu machen, selbst durch die Kameralinse auf Tote zu schauen, in Live-Schalten aus zerbombten Siedlungen zu berichten?” Darüber hat sich der Deutschlandfunk mit Friederike Engst unterhalten, die sich als Psychologin auf die Traumabewältigung bei Journalistinnen und Journalisten spezialisiert hat.

3. “Tagesspiegel” streikt
(taz.de, Ruth Lang Fuentes)
Rund 120 “Tagesspiegel”-Beschäftigte haben gestern gestreikt und die Straße vor dem Redaktionsgebäude blockiert, um eine Kundgebung abzuhalten. Grund für ihren Unmut: Nach Branchentarif solle nur gezahlt werden, falls der Verlag schwarze Zahlen schreibt. Dies sei in den vergangenen zwanzig Jahren jedoch nur einmal vorgekommen.

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4. Damit Journalisten den Kopf frei haben
(verdi.de, Clemens Melzer)
Das zivilgesellschaftliche Hilfsprojekt “BetweenTheLines” bietet Medienschaffenden Begleitschutz bei Versammlungen in Sachsen an. Im Interview erklärt Klemens Köhler wie es zu der Initiative kam: “Was den Ausschlag für unsere Gründung gegeben hat, war die Verstetigung von Angriffen durch ‘normale’ Versammlungsteilnehmer*innen. Immer wieder wurden die gleichen Journalist*innen insbesondere am Rande von Querdenken-Veranstaltungen angegriffen, hauptsächlich in Dresden. Da haben wir gesagt: Wir müssen was machen.”

5. Fünf Dinge, die ich gerne früher verstanden hätte
(journalist.de, Hakan Tanriverdi)
Deutsche Journalistenschule, New-York-Korrespondent für die “Süddeutsche Zeitung”, aktuell Reporter für Cyber- und IT-Sicherheit beim BR – Hakan Tanriverdi hat und hatte spannende Posten in seiner bisherigen Journalisten-Karriere. Daher lohnt es, sich Tanriverdis “fünf Tipps für den Nachwuchs” anzuschauen: “Ich habe mir dann überlegt, welche fünf Punkte ich gerne früher verstanden hätte. Nicht allgemeingültig, sondern meine Perspektive auf den Job als Journalist:in. Etwas, das mir auch heute noch hilft, mich zurechtzufinden.”

6. Bücher knapper, Lücken in Buchhandlungen größer
(mdr.de, Linda Süß & Andrea Besser-Seuß)
“Es gibt in Europa kaum noch hochwertiges Druckpapier zu kaufen. Verlage verschieben manche Veröffentlichungen bereits um Monate, einige Bücher erscheinen gar nicht. Verlage und ihre Druckereien bekommen nur eine Handvoll Titel und die zu einem stattlichen Preis.” Linda Süß und Andrea Besser-Seuß schildern, wie es zu der Papierkrise kam.

Der Hass der Corona-“Querdenker”, Drosten, Klimathemen für Kinder

1. Corona-Querdenker: “Er will mich impfen, ich will ihn schlagen”
(hessenschau.de)
Es ist immer wieder erschütternd, wieviel Hass und Hetze Medienschaffenden von Seiten einiger Corona-“Querdenker” entgegenschlägt. Für manche Journalistinnen und Journalisten stehen übelste Anfeindungen auf der Tagesordnung, und manchmal bleibt es nicht nur bei Worten: Bei Protesten werden Reporter und Reporterinnen teilweise auch körperlich angegangen. Die “Hessenschau” lässt einige Betroffene zu Wort kommen.

2. Christian Drosten: “Die Wissenschaft muss frei sprechen können”
(riffreporter.de, Kai Kupferschmidt)
Der Virologe Christian Drosten war im “Pandemia”-Podcast zu Gast und hat sich dort unter anderem zu Anfeindungen, die Rolle von Medien und die Tücken der Wissenschaftskommunikation geäußert. Nun haben die “RiffReporter” das Gespräch verschriftlicht. Ob sich die mediale Berichterstattung im Verlauf der Pandemie verändert hat? Drosten: “Ich hatte am Anfang das Gefühl, dass die Medien relativ passiv sind und einfach auch nicht Bescheid wussten. Das war jetzt aber keine irreführende Information, die dabei entstanden ist. Und dann kam so eine Zeit, die leider sehr, sehr lang war, die vielleicht im Sommer oder späten Frühjahr mit dem Ende des ersten Lockdowns losging und die eigentlich jetzt erst vor kurzer Zeit sich ein bisschen gebessert hat, dass man wirklich solche Lager hatte und eine gewisse Absichtlichkeit und auch Agenda spüren konnte.”

3. Türkei wegen langer U-Haft von prominenter Journalistin verurteilt
(rnd.de)
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Türkei zur Zahlung von 16.000 Euro Schadensersatz an die prominente, regierungskritische Journalistin Nazlı Ilıcak verurteilt. Ilıcak hatte zuvor mehrere Jahre und ohne abschließendes Urteil in Untersuchungshaft gesessen. Das Urteil gegen die Türkei sei allerdings noch nicht rechtskräftig und könne innerhalb von drei Monaten von beiden Seiten angefochten werden.

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4. Verlegerangebot unzureichend
(djv.de, Hendrik Zörner)
Die Tarifverhandlungen zwischen dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) und den Zeitungsverlegern (BDZV) gestalten sich schwierig: Die zweite Runde wurde nach mehreren Stunden ohne Ergebnis auf Ende Januar vertagt. “Wir erwarten dann ein deutlich verbessertes Angebot”, so der Verhandlungsführer des DJV. Der BDZV hält hingegen die von ihm gerade erst gemachte Offerte offenbar schon für recht ordentlich: “Unser Angebot berücksichtigt sowohl die für Verlage schwierige aktuelle Corona-Situation als auch das berechtigte Interesse der Redakteure nach tabellenwirksamer Erhöhung.”

5. “Die Welt gerät für manche aus den Fugen”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber vom “Tagesspiegel” hat sich mit dem NDR-Filmchef Christian Granderath über das deutsche Fernsehen im Allgemeinen und die Produktion “Das Haus” im Speziellen unterhalten. Dabei geht es auch um Funktion und Positionierung der öffentlich-rechtlichen Mediathek. Medienredakteur Huber sorgt sich: “Ich fürchte, dass so komplexe und schwierige Geschichten wie ‘Das Haus’ in die Mediathek geschoben werden, umgekehrt das Publikum des Ersten in ‘Roten Rosen’ gebadet wird. Was fürchten Sie?”

6. Behutsames Berichten
(taz.de, Wilfried Urbe)
Kinder interessieren sich einer internationalen Studie zufolge ausdrücklich für Klima- und Umweltthemen. Wilfried Urbe hat sich angeschaut, wie Medien diese Themen behandeln, und festgestellt, dass vielfach auf positive und konstruktive Erzählweisen gesetzt werde: “Kein Weltuntergangsszenario, sondern Impulse zur Selbstermächtigung der jungen Mediennutzer*innen, um etwas zu einer besseren Welt beizutragen.”

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