Suchergebnisse für ‘the’

Kommentarmoderation, Doping-Berichterstattung, Trump

1. Moderation bleibt Handarbeit: Wie große Online-Medien Leserkommentare moderieren
(netzpolitik.org, Markus Reuter & Ingo Dachwitz)
“Netzpolitik.org” hat zehn große deutsche Tageszeitungen und Onlinemedien gefragt, wie sie intern ihre Moderation organisieren. Vier von ihnen haben geantwortet: “Sueddeutsche.de”, “taz.de”, “Zeit Online” und “Spiegel Online”. Das Ergebnis: Die Moderation beruhe auf individuellen Entscheidungen, Facebook sei herausfordernder als die eigenen Seiten und Lösch-Statistiken gäbe es wenige. Algorithmen und feste Moderationsregeln – außer der Netiquette – würden keine Rolle spielen.

2. Sportjournalismus: Dopingberichterstattung im Abseits
(fachjournalist.de, Michael Schaffrath)
Die Sportfakultät der TU München hat eine Onlinebefragung durchgeführt, an der sich 850 Sportjournalisten beteiligt haben. Die Daten flossen in die Studie „Wissen und Einstellung von Sportjournalisten in Deutschland zum Thema Doping“ ein. Das Fazit in Sachen Dopingberichterstattung: “Die Befragung zeigt, dass eine gegenüber dem Einzelsportler kritische und trotzdem Strukturen reflektierende Dopingberichterstattung nicht am Wollen der Sportjournalisten scheitert, sondern – neben defizitären Ressourcen – auch am Nicht-Können der Medienmitarbeiter liegt.”

3. Gerichtsberichterstattung: Grottenschlecht? Thomas Fischer antwortet auf kress.de seinen Kritikern
(kress.de, Thomas Fischer)
Das Deutschlandfunkinterview mit dem meinungsstarken und für seinen kraftvollen, gelegentlich beißenden, Ton bekannten “Zeit”-Kolumnist und BGH-Richter Thomas Fischer löste bei einigen Journalisten Proteste aus. Sie fühlten ihren Berufsstand zu Unrecht angegriffen und veröffentlichten entsprechende Antwortartikel. Nun meldet sich Thomas Fischer erneut zu Wort. Wie nicht anders zu erwarten in ungeschönter Direktheit.

4. Der Hashtag #CoverTheAthlete prangert sexistische Berichterstattung über Athletinnen an.
(jetzt.de, Christina Waechter)
Die Kampagne “Cover The Athlete” will ein Bewusstsein für Sexismus in der Sportberichterstattung schaffen und Journalisten für das Thema sensibilisieren. Schließlich würden weibliche Athleten, wie Christina Waechter berichtet, überdurchschnittlich oft von Reportern zu Dingen befragt, die mit ihrer sportlichen Leistung nichts zu tun haben: zu ihrem Privatleben oder ihrer Erscheinung. Waechter berichtet über die Kampagne, erzählt von einer Studie, die belegt, wie unterschiedlich über Sportler und Sportlerinnen berichtet wird und stellt einige Beispielfälle vor.

5. Das wichtigste Medium des US-Wutbürgertums
(sueddeutsche.de, Hubert Wetzel)
Das Propaganda-Organ “Breitbart News” sei Donald Trumps Wahlkampf-Helfer. Nun werde der Chef der Website sein Wahlkampfleiter. Eine explosive Mischung, wie Hubert Wetzel auf “sueddeutsche.de” findet: “Krawall und Provokation sind Teil der Strategie, mit politischen Konzepten oder Ideen setzt sich Breitbart News nicht auseinander. Die Seite ist weitaus amateurhafter und ruppiger als etwa Fox News, der konservative Fernsehsender. Auch Ironie ist Breitbart News fremd, Selbstironie sowieso. Die Autoren sind ernste Eiferer, auch wenn ihre Artikel manchmal wie Satire klingen.”

6. Heuchelei 24/7?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Am letzten Tag der Olympischen Spiele in Rio will das IOC einen eigenen globalen Fernsehkanal starten. 443 Millionen Euro hat man dafür bereitgestellt. Joachim Huber fragt im “Tagesspiegel”, was das Ganze soll: “Was wird da laufen, was soll erreicht werden? Propaganda Tag und Nacht, die Weißwaschung des Sports, der längst in der Grauzone agiert? Oder der Spagat, wie ihn ARD und ZDF Tag für Tag zelebrieren – Jubel und Jammer?”

Amadeu-Antonio-Stiftung, PR-Maschine Amaq, TV-Verjüngung

1. Klarstellung: Was sagt die Amadeu Antonio Stiftung?
(netz-gegen-nazis.de, Simone Rafael)
Die Amadeu Antonio Stiftung ist unter anderem für die Kampagnen “Kein Ort für Neonazis” und “Mut gegen rechte Gewalt” verantwortlich. Von ihr stammt auch die Broschüre zum Umgang mit “Hate Speech” im Internet, die in Zusammenhang mit einer vom Justizminister einberufenen Taskforce gegen Hasskommentare steht. Die Stiftung sieht sich in der letzten Zeit verschiedenen Vorwürfen und Unterstellungen ausgesetzt und hat nun mit einer Stellungnahme reagiert.

2. Spinnen wir eigentlich alle?
(infosperber.ch, Christian Müller)
“Infosperber”-Autor Christian Müller ist aufgefallen, dass immer mehr Zeitungen und Magazine mit Psychologie-Themen aufmachen würden. Bei der von ihm abonnierten “Zeit” ist er besonders fassungslos: “Ich habe doch eine Wochenzeitung abonniert, weil ich mich für Politik, für Wirtschaft, für Gesellschaft und Kultur interessiere. Und vor allem damit ich auch an Informationen und an Meinungen komme, die in meiner Tageszeitung keinen Platz finden. Damit ich nicht einäugig werde. Aber jetzt immer diese Psychologie. Will ich das wirklich? Spinne ich vielleicht?”

3. „Behutsam vorgehen“ – Wie britische Zeitungen über den Brexit berichteten
(de.ejo-online.eu, Caroline Lees)
Auswertungen beweisen, dass britische Medienhäuser wie “Daily Mail” und “Telegraph” vor dem Brexit-Referendum massiv für den Ausstieg getrommelt haben. Eine neue Analyse zeigt nun, dass die genannten Medien nach der Entscheidung der Wähler die Sache keineswegs mehr so positiv sehen. Caroline Lees vom “European Journalism Observatory” berichtet ausführlich über die Analyse und die wichtigsten Erkenntnisse daraus.

4. “Amaq”: Seriöse Quelle oder geschickte PR?
(ndr.de, Melanie Stein & Daniel Schmidthäussler, Video, 05:03 Min.)
Die sogenannte Nachrichtenagentur “Amaq” reklamiert Anschläge oft als Werk der Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS), so auch bei den Anschlägen in Würzburg und Ansbach. Doch können sich Journalisten auf diese Quelle beziehen? Oder machen sie sich damit zum Spielball der “IS”-Propaganda? Melanie Stein und Daniel Schmidthäussler haben mit einem Vertreter einer Nachrichtenagentur, einem Terrorismus-Experten und einem Journalisten darüber gesprochen.

5. Schrecklich jung
(sueddeutsche.de, Benedikt Frank)
Die ARD nennt ihren Spartensender Eins Festival künftig One und macht ihn zu ihrem jugendlichen Aushängeschild, so Benedikt Frank in seinem Beitrag über das Bemühen der Öffentlich-Rechtlichen um mehr Jugendlichkeit. Dies geschehe nur einen Monat, bevor das lange erwartete gemeinsame Internet-Jugendangebot mit dem ebenfalls gebührenfinanzierten ZDF online gehe.

6. Reden bringt Silber, Plappern bringt Gold
(zeit.de, Mely Kiyak)
Mely Kiyak über die Berichterstattung in Zeiten der Olympischen Spiele: “Schweigende Athleten passen nicht ins Olympia-Fernsehen. Große Brüste und Hirnaussetzer hingegen schon.”

Pressedilemma, Wassermangel, Rio-Grafiken

1. Kriminologen wollen Medien auf Terror-Entzug setzen
(welt.de, Christian Meier)
Christian Meier beschäftigt sich in der “Welt” mit der Frage, wie konkret und anschaulich Medien über Attentate von Amokläufern und Terroristen berichten sollen bzw. dürfen. In einem gerade erschienenen Buch über “Die mediale Inszenierung von Amok und Terrorismus” hätten sich Wissenschaftler für Zurückhaltung der Medien als das beste Rezept gegen weitere Gewalttaten ausgesprochen. Doch es gäbe auch ein “berechtigtes Erkenntnisinteresse der Gesellschaft”. Ein Dilemma, das sich nicht auflösen lässt, konstatiert Meier in seinem die verschiedenen Positionen abwägenden Beitrag.

2. «Wir müssen Kritik einstecken, weil wir nur Wahrheiten verbreiten»
(persoenlich.com, Michèle Widmer)
Vor einigen Tagen kam es in der Schweiz zu einem Amoklauf. Die Kantonspolizei St. Gallen musste sich danach einige Vorwürfe anhören: Zu spärliche Information, ein fehlender Twitter-Account und mangelnde Englischkenntnisse des Medienchefs. Im Interview bezieht Mediensprecher Hanspeter Krüsi Stellung zu den Vorwürfen. Angesprochen auf die vielgelobte Medienarbeit der Münchner Polizei sagt Krüsi: “Die Münchner Polizei hat einen guten Job gemacht. Allerdings haben die deutschen Kollegen über Twitter auch falsche Informationen verbreitetet. Während sie für diese Fehlleistung gelobt werden, müssen wir Kritik einstecken, weil wir nur Wahrheiten verbreiten. Meiner Ansicht nach eine verkehrte Welt.”

3. Skandalberichterstattung: Überschreitung von Normen?
(de.ejo-online.eu, Anna Carina Zappe)
„Mediated Scandals – Gründe, Genese und Folgeeffekte von medialer Skandalberichterstattung“ heißt der Sammelband, in dem grundlegende Aspekte der Thematik sowie aktuelle Studien und Sichtweisen aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive vorgestellt werden. Der Band biete nicht nur für Medienwissenschaftler und -schaffende spannende Ansätze, sondern sei auch für Mediennutzer allgemein interessant, so Anna Carina Zappe in ihrer Buchvorstellung.

4. Wie wäre es mit Pokémon Go für Journalisten?
(faz.net, Adrian Lobe)
Adrian Lobe hat sich einen neuen Dienst angeschaut, der lokale Berichterstattung mit Echtzeitelementen kombiniert. “Bloom” heißt das Ganze und wird als Plugin für Verlage angeboten. Dabei ist nicht mehr die Titelseite einer gedruckten Zeitung der Ausgangspunkt, sondern eine Karte mit Verknüpfungen. Daher auch die Umschreibung der Anwendung als “Pokémon Go für Journalismus“.

5. Stellungnahme zur Kritik am Tagesthemen-Beitrag vom 14.08.2016
(blog.br.de, Susanne Glass & Markus Rosch)
In der Tagesschau und den Tagesthemen vom 14.8.2016 wurde ein Beitrag zum Thema Wassermangel im Westjordanland ausgestrahlt. Die Wasserversorgung in den palästinensischen Gebieten ist ein umstrittenes Thema und so erntete der Beitrag viel Kritik. Das ARD-Studio Tel Aviv greift die Vorwürfe auf und bezieht Stellung.

6. Das sind die 6 großartigsten Grafiken zu #Rio2016
(medium.com, Frederic Huwendiek)
Mit Datenvisualisierung lassen sich tolle Dinge umsetzen. Frederic Huwendiek hat die nationalen und internationalen Medien durchgescannt und stellt einige gelungene Grafiken zum Thema Olympische Spiele vor.

Springerbeschwerde, Olympia-Peinlichkeiten, AfD-Hass-Klima

1. Fall Kachelmann: Springer streitet weiter
(evangelisch.de)
Der Rechtsstreit zwischen dem Wettermoderator Jörg Kachelmann und dem Medienkonzern Axel Springer geht weiter. Nach Informationen des Evangelischen Pressediensts (epd) legte der Konzern gegen das Urteil des OLG Köln Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof ein. Der Springer-Sprecher begründet dies mit der schädlichen Wirkung von Strafzahlungen: “Dies würde eine einschüchternde Wirkung auf die freie Presse haben.”

2. Can Dündar tritt zurück
(faz.net)
Der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung “Cumhuriyet”, Can Dündar, ist von seinem Posten zurückgetreten und bleibt vorerst in Europa. Vertrauen in die türkische Justiz hat er nicht mehr. Wer kann es ihm verdenken: Dündar und der Hauptstadtbüroleiter der “Cumhuriyet”, Erdem Gül, waren im Mai zu fünf Jahren und zehn Monaten beziehungsweise fünf Jahren Haft verurteilt worden. Drei Monate saß er in Untersuchungshaft.

3. Stimmungslos
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Bei Gregor Keuschnig mag keine rechte Olympia-Stimmung aufkommen, was an den Fernsehmoderatoren und der medialen Inszenierung liege: “Wie man sich bei ARD und ZDF den medienkompatiblen Sportler vorstellt, konnte man am Sonntag bei einer Schaltung zum »Deutschen Haus« sehen. Elf Medaillengewinner saßen da nebeneinander und nun wollte der Reporter von jedem wissen, wie sie gefeiert haben, was es zu trinken gab, wie die Nachtruhe war, usw. Die Szenerie war an Peinlichkeit kaum zu überbieten; die Sportler, noch gezeichnet von den Feiern, als Pönitenten. Und dann wundert man sich, wenn keine Olympia-Stimmung vor dem Fernseher aufkommt.”

4. “Unterschichtenorientierte Medienberichterstattung über Straftaten”
(deutschlandfunk.de, Karin Beindorff)
“Zeit”-Kolumnist und Vorsitzender BGH-Richter Thomas Fischer im Interview mit dem “Deutschlandfunk”. Es geht unter anderem um Vorurteile und Vorverurteilungen in Strafrechtsprozessen. Diese seien darauf zurückzuführen, dass in den Medien oft sehr unwissend über solche Themen berichtet werde. Aber auch die Justiz tue das ihre dazu, weil sie sich abschotte. Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands, wehrt sich im Gespräch mit “kress.de” gegen die Kritik des Karlsruher Richters.

5. Stellungnahme der DW zu Anschuldigungen gegen Korrespondent Juri Rescheto
(dw.com)
Der Moskau-Korrespondent der “Deutschen Welle” Juri Rescheto hat auf Einladung des Verbands der Auslandspresse in Moskau eine Reise auf die Krim unternommen. Nachdem in den sozialen Medien Kritik aufkam, bei der es auch um ein von Rescheto gegebenes Interview für “Russia Today” und die Verwendung von Hashtags geht, hat die “Deutsche Welle” nun eine Stellungnahme veröffentlicht.

6. “Sehr hässliche Hassmails”
(sueddeutsche.de, Martina Scherf)
Der Physiker Harald Lesch hat sich mit den Aussagen des AfD-Programms zum Klimawandel beschäftigt und in einem zehnminütigen Video die Dinge richtiggestellt. Darauf folgten wütende Kommentare von Klimawandelleugnern und AfD-Anhängern, aber auch von der Gegenseite. Nun ließ er ein “Terra X”-Video über die “Psychologie hinter Hass” folgen.

Bild.de und die offizielle Nominierung für den Friedensnobelpreis

Ein wichtiger Punkt vorweg: Es soll in diesem Beitrag nicht um eine Bewertung der Arbeit der sogenannten “White Helmets” gehen, einer Organisation, die sich selbst “Syria Civil Defence” nennt und im grauenvollen und elendigen Konflikt in Syrien nach verwundeten und verschütteten Menschen sucht und diesen hilft. Nach eigenen Angaben haben die “White Helmets” bereits über 56.000 Menschen vor dem Tod gerettet.

Es soll auch nicht um die Frage gehen, ob die “White Helmets” für ihren enormen Einsatz einen Friedensnobelpreis verdient haben, sondern um die Unfähigkeit von Bild.de, ordentlich zu informieren.

Am vergangenen Dienstag veröffentlichte das Portal diesen Artikel ganz groß ganz oben auf der Startseite:

Darin auch folgende Passage:

Die Retter der syrischen Zivilverteidigung, die sogenannten “White Helmets”, rücken täglich in den von Rebellen gehaltenen Gebieten Syriens aus. Mission: Denen zu helfen, die durch die Luftangriffe Assads und Putins oder durch Raketen und Autobomben von ISIS verletzt wurden.

Darum sind sie für den diesjährigen Friedensnobelpreis nominiert. Die Entscheidung, ob sie die hohe Auszeichnung bekommen, gibt es am 9. Oktober 2016.

Nun ist das mit Medienberichten über Nominierungen für den Friedensnobelpreis so eine Sache. Daher erstmal ganz grundsätzlich zum Nominierungsprozess: Die Gruppe der Personen, die Vorschläge einsenden darf, ist vom “Norwegischen Nobel-Institut” recht klar abgesteckt. Das erklärt Olav Njølstad, der Direktor des Instituts, in einem “Questions and Answers about the Nomination Process for a Nobel Peace Prize”:

Who can nominate?
Nominations for the Nobel Peace Prize requires no invitation. Eligible nominators are university rectors or chancellors, professors of political and social science, history, philosophy, law and theology; leaders of peace research institutes and institutes of foreign affairs; members of national assemblies, governments, and international courts of law; previous Nobel Peace Prize Laureates; board members of organizations and institutions that have received the Nobel Peace Prize; present and past members of the Norwegian Nobel Committee; and former advisers of the Norwegian Nobel Institute.

Für den diesjährigen Friedensnobelpreis sind 376 vorgeschlagene Kandidaten zusammengekommen (228 Einzelpersonen und 148 Organisationen) — so viele wie noch nie. Das “Norwegische Nobel-Institut” veröffentlicht direkt vor der Verleihung allerdings keine offizielle Liste, wer alles nominiert ist. Nie:

Is there a list of all of the nominees for this year’s Nobel Peace Prize?
Contrary to common belief, there is no public list of the current year’s nominees. The complete list of eligible nominees of any year’s prizes is not disclosed for another 50 years — a restriction as governed by the Nobel statutes since 1901.

Vom zuständigen Institut gibt es also keine Mitteilung, die die Aussage von Bild.de-Autor Julian Röpcke, dass die “White Helmets” nominiert seien, offiziell bestätigt. Nicht einmal die Nominierten selbst erfahren vom “Norwegischen Nobel-Institut” vorab von ihrer Nominierung. Lediglich die Person, die den Vorschlag eingeschickt hat, könnte die Information weitergeben:

Do you share any information about who is nominated for the Peace Prize this year?
No. In fact, none of the Nobel Committees do announce the names of nominees, neither to the media nor to the candidates themselves. In so far as certain names crop up in the advance speculations of potential nominees or candidates — it’s either sheer guesswork or information put out by the person or persons behind a nomination.

All diese Aussagen von Njølstad sind ziemlich eindeutig. Sicherheitshalber haben wir trotzdem in Oslo angerufen und nachgefragt, ob es nicht sein könne, dass die “White Helmets” von einer möglichen Nominierung offiziell erfahren haben. Es sei alles so wie immer, sagte man uns: keine offiziellen Informationen an oder über die Nominierten, keine Aussage zu den “White Helmets”. Man kenne die Vorberichte vieler Medien und wundere sich immer wieder darüber. Und man appelliere jedes Mal an die Personen, die Vorschläge einschicken, dies nicht weiterzuerzählen, doch manchmal bringe das eben nichts.

Dass das “Norwegische Nobel-Institut” kein besonders großes Interesse an einer Veröffentlichung der Nominierten hat, dürfte unter anderem auch daran liegen, dass eine Nominierung für den Friedensnobelpreis noch nicht viel aussagt, wie Direktor Olav Njølstad erklärt:

What does it mean to be nominated for a Nobel Peace Prize?
Any person or organization can be nominated by anyone eligible to nominate. The Norwegian Nobel Committee has no say in submissions that arrives according to the criteria, strictly in who is actually awarded the prize in October. To simply be nominated is therefore not an endorsement or extended honour to imply affiliation with the Nobel Peace Prize or its related institutions.

Theoretisch könnte also zum Beispiel auch Simbabwes Präsident Robert Mugabe Ex-“Bild”-Chef Kai Diekmann und Bild.de-Chef Julian Reichelt für ihre Werbekampagne “Wir helfen” nominieren. Über die Qualität von Diekmanns und Reichelts Arbeit sagt das aber erstmal überhaupt nichts aus.

Es ist gut möglich, dass jemand, der dazu berechtigt ist, die “White Helmets” für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen hat (auf einer extra eingerichteten Website zählt die Organisation jedenfalls eine Reihe “nominators” auf, von denen einige nominierungsberechtigt sein dürften). Dass das aber erstmal nichts bedeutet, außer dass jemand sie für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen hat, erklärt Julian Röpcke seinen Lesern nicht. Im Gegenteil: Er verkauft es in seiner Bild.de-Aufmacherstory als ein Qualitätsmerkmal, das es schlicht nicht ist.

Und auch die Sache mit der offiziellen Bestätigung einer Nominierung scheint er nicht so recht verstanden zu haben:

Das hat Röpcke vor fünf Tagen angekündigt. Überraschung: Bis heute gab es keine “offizielle, verbindliche Bekanntgabe”.

Für Sie geklickt (5)

Unsere Clickbait-Taskforce war wieder für Sie im Einsatz — damit Sie Lebenszeit und Gehirnzellen sparen.

Heute: die vergangene Woche auf der Facebookseite von “TV Movie”.

***


Es hieß, dass “Harry Potter Go” ein Nachfolger von “Pokémon Go” werden soll.

***


Vielleicht ja, vielleicht nein.

***


Sarah Michelle Gellar ist in ihrer Rolle als Kathryn manipulativ wie einst im Film.

***


Das Gerücht über “Harry Potter Go”, einen vermeintlichen “Pokémon Go”-Nachfolger, ist nicht wahr.

***


Er hat mit dem Rauchen aufgehört.

***


Auf die Frage nach einer Neuauflage von “Buffy — Im Bann der Dämonen” sagte Sarah Michelle Gellar: “Man weiß nie!”

***


“Lethal Weapon”.

***


Er arbeitet in der Gastronomie.

***


Cathy Lugner, die Ehefrau von Richard “Mörtel” Lugner.

***


“Lilo & Stitch”.

***


“Lilo & Stitch”.

***


Joachim und Daniela Löw.

***


“The Undertaker”, zumindest möglicherweise.

***


Die Serie geht in 28 US-Städten auf Konzerttour — unter anderem in Chicago, Detroit, Kansas City, Las Vegas und New York.

***


Nick Johnson. Indem er “Pokémon” auf der ganzen Welt gefangen hat.

***


Ganz gut.

***


Weiß man nicht, denn es wurde ruhig um sie.

***


1. “Orange is the New Black”
2. “Marvel’s Daredevil”
3. “Better Call Saul”
4. “Jessica Jones”
5. “House of Cards”
6. “Unbreakable Kimmy Schmidt”
7. “Master of None”
8. “Stranger Things”
9. “BoJack Horseman”
10. “Making a Murderer”

***


Es dürfte in Staffel 7 nicht so einen “krassen Cliffhanger” geben wie in Staffel 6.

***


Für das ausverkaufte Theaterstück “Harry Potter and the Cursed Child” werden überteuerte Tickets im Internet angeboten.

***


Er arbeitet bei der Deutschen Botschaft in Singapur.

***


Er versuchte einiges, um seine Karriere in Gang zu bringen. Hat bisher aber nicht so richtig geklappt.

***


Bayern.

***


In Parkanlagen in Bamberg, Bayreuth, Coburg und Würzburg und am Schloss Nymphenburg in München.

***


In Parkanlagen in Bamberg, Bayreuth, Coburg und Würzburg und am Schloss Nymphenburg in München.

***


Iran.

***


Der frühere “Berlin — Tag & Nacht”-Darsteller hat bei Facebook ein Foto von einer Bratwurst gepostet.

***

Bitte. Keine Ursache.

Kampfhunde, Kioskmisere, Kronenzeitung

1. Britische Medien in der winzigen Blase von Westminster
(Peter Stäuber, medienwoche.ch)
Der in London arbeitende Korrespondent Peter Stäuber über den Einfluss der britischen Medien auf Politik und einzelne Politiker: “Journalisten in England treten im Umgang mit Labour-Chef Jeremy Corbyn nicht als Wachhunde der Demokratie auf, sondern als Kampfhunde. Selbst der als links geltende «Guardian» übt sich nicht eben in fairer Kritik am polarisierenden Parteichef.”

2. Ausbildung statt Ausbeutung
(buchreport.de)
Kurzes Interview mit der Vorsitzenden des Vereins “Junge Verlagsmenschen” Lena Augustin, in dem es vor allem um die Rechte und die Entlohnung von Volontären in Verlagen geht: “Der Mindestlohn ist, wie es der Name schon sagt, das Mindeste. Verlage, die darunter bleiben, rechtfertigen sich mit dem Argument, Volontariate seien Ausbildungsverhältnisse. Nach unserer Ansicht ist das Volontariat aber eine Einstiegsstelle, weil wir wissen, dass viele Volontäre schon sehr schnell dieselbe Arbeit wie festangestellte Kollegen verrichten. Unser Vorschlag: Verlage könnten mit einem Gütesiegel zeigen, dass sie fair ausbilden. Das Volontariat dauert nicht länger als 2 Jahre, es gibt klar definierte Ziele und feste Ansprechpartner im Verlag – das wären zentrale Kriterien für ein solches Siegel.”

3. Verwirrung um Sky-News-Bericht über Waffenschmuggel
(derwesten.de, Christine Holthoff)
Wer sagt die Wahrheit: Der britische Sender “Sky News” mit seiner Behauptung, Mafiagangs in Rumänien würden für 1.700 Euro Sturmgewehre an jedermann verkaufen? Oder die rumänische Anti-Korruptions-Behörde “Diicot”, die von einer gefakten Inszenierung spricht? Christine Holthoff berichtet über das rumänische Waffen-Verwirrspiel.

4. Aus dem Alltag eines Zeitungshändlers
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Immer weniger Menschen kaufen gedruckte Zeitungen. Das hat meist etwas mit Medienwandel, manchmal aber auch mit Schludrigkeit und kaufmännischem Unvermögen zu tun. Auf diesen Gedanken kann man jedenfalls kommen, wenn man Ulrike Simons Kolumne liest. Der Kioskhändler ihres Vertrauens hat ihr die Misere anhand seiner Kassenzettel erläutert. Daraufhin hat sich Simon ans Telefon gehängt und den zuständigen Geschäftsführer des Pressevertriebs ins Gebet genommen.

5. Slightly More Than 100 Exceptional Works of Journalism
(theatlantic.com, Conor Friedersdorf)
Conor Friedersdorf kuratiert den wöchentlich erscheinenden Newsletter “The Best of Journalism”. Für “The Atlantic” hat er die, seiner Ansicht nach, lesenswertesten 100 Stücke Journalismus zusammengestellt. Eine sensationelle (wenn auch englischsprachige) Fundgrube, die über verregnete Sommer hinweghelfen kann. Mehrere…

6. Liebe @krone_at , eure Grafik war ein wenig abgeschnitten, ich hab sie mal korrigiert
(twitter.com, @sonstwer)
Die österreichische “Kronenzeitung” hat ein Diagramm der “Mindestsicherungsbezieher in Wien nach Land” veröffentlicht, das grob verfälschend ist. @sonstwer hat die Verhältnisse auf Twitter optisch geradegerückt. (zum Vergrößern auf die Vorschaubilder klicken, die von der mittigen dünnen weißen Linie getrennt werden)

Kakerlaken im Gesicht


(Screenshot: BILDblog, Rahmen: Theen Moy)

“‘Bild’ ist ein Gesamtkunstwerk”, sagte der Medienwissenschaftler Norbert Bolz vor Jahren. Doch während “Bild”-Texte und -Überschriften schon einige literarkritische Behandlung erfahren haben, steckt die kunstwissenschaftliche Würdigung der “Bild”-Bilder noch in den Kinderschuhen. Die Kolumne “Bildbetrachtung” soll hier nachbessern.

“Kunst ist es, die Kunst zu verstecken”, hieß es bei den Römern, und auch die Kunst von “Bild” ist eine des Versteckspiels — eine Art Topfschlagen für zwei bis zehn Erwachsene von 7 bis 77, auf Speed und ohne Hosen. Im Fall der Porträtkomposition “Kakerlaken, aufgepaßt!” dient dieses Spiel auch einem höheren moralischen Zweck, nämlich der Menschenwürde. Der Porträtierte, kurz “ER” genannt, ist durch eine Art Montage-Technik verfremdet: Ähnlich wie bei den “assoziativen Bildern” von Giuseppe Arcimboldo, der menschliche Gesichter aus Obst und Gemüse zusammensetzte, bestehen “SEINE” Gesichtszüge aus den Körpern von Kakerlaken. Der Porträtierte wird entstellt, durch diese Entstellung jedoch zugleich in seiner Anonymität geschützt; seine Würde wird gewahrt.

Leo Fischer hat mit seinen 35 Jahren bereits alles erreicht: Als Chefredakteur der “Titanic” wurde er vom Papst verklagt, ein CSUler wollte ihm “die Lizenz zum Schreiben” entziehen, als Politiker holt er regelmäßig unter 0,1 Prozent der Stimmen. Aktuell schreibt Fischer für die “Titanic”, die “Jungle World”, “Neues Deutschland” und die “taz”. Fürs BILDblog untersucht er die Bildsprache der “Bild”-Zeitung.
(Foto: Tom Hintner)

Sogar die Frau an seiner Seite kann diese Würde nicht verringern — sein edler Anzug, seine noble Haltung heben ihn heraus aus der Sphäre des Skandals. Während Gina-Lisa raubtierartige Körpermuster und eine insektenhaft verborgene Augenpartie präsentiert, sich dazu hinter einer klauenartig erhobenen Hand verbirgt wie ein Tier auf der Hatz, gewinnt der verborgene Gentleman gleichzeitig an Menschlichkeit, an Sympathie — gerade dadurch, daß er nicht prima facie in “Bild” stattfindet. Ähnlich gewinnen auch die Kakerlaken, die von Bild.de — aufgepaßt! — gewarnt und gewissermaßen vor den beiden Promis gerettet werden. Hier zeigt sich auch die legendäre Tierliebe von Bild.de.

Daß es sich bei dem Insektenherrn um Florian Wess handelt, erfährt nur, wer dumm genug ist, der Witwe Springer jeden Monat 4,99 Euro in den Bettelstock zu werfen, oder wer kostenlos meinen Text liest. Es spielt aber auch keine Rolle, ist in Wahrheit doch Gina-Lisa Zentrum dieser Erzählung — wer sich an ihre Seite stellt, so die Aussage, wird selbst Teil des Dschungels, schmutzig, von Parasiten befallen. Parasiten, denen Bild.de mehr Respekt und Ansprache schenkt als den beiden Menschen dahinter.

Heißt es doch von Herrn Wess im Begleittext, er sei seiner Freundin “zur Seite” gestanden, “als sie im Fall wegen angeblicher Vergewaltigung vor Gericht musste”, und dieser Satz, abgesegnet und verantwortet von Stilgott und Bild.de-Chef Julian Reichelt, ist so wundervoll zerstört und zerschunden wie nur das Gesicht von Herrn Wess selbst — man kann ihn so lesen, als sei Gina-Lisa diejenige, welche vergewaltigt habe, und man kann ihn so lesen, als sei sie wegen einer Lüge bestraft worden.

Dies paßt ganz hervorragend zu dem sog. “Sex-Video”, das “Bild” am Wochenende veröffentlicht hat — nicht etwa eins zu eins, das wäre ja auch zu teuer gekommen, sondern als kostengünstige Textabschrift, aus der man im Detail erfährt, welche Körperteile wann zum Einsatz kamen. “Bild” veröffentlichte dieses Dokument der Brutalität mit dem Vorsatz, es den Lesern zu überlassen, wie sie diese Brutalität zu bewerten hätten, und überließ damit auch gleich die ganze Frau zehntausend wichsenden “Bild”-Lesern.

Zum Dank für ihre preiswerte Mitarbeit am Blatt wird sie nun selbst als halbes Tier gezeichnet, als flüchtige Dschungelkreatur, die durch ihre Berührung verunreinigt und gut angezogene Burschen in die Welt der Kakerlaken reißt. Immerhin: Es ist diese Tierwelt ganz bestimmt eine schönere und angenehmere als diejenige, in der solche Bilder, solche Texte entstehen. Wir, das Ungeziefer vom BILDblog, wünschen Frau Lohfink und Herrn Wess auf diesem Wege alles Gute dafür!

Burgerjournalismus beim “Express”

Spontane Feiern in den Straßen Kölns, wildfremde Menschen knutschen sich ab wie sonst nur an Rosenmontag, und die Jubelstimmung breitet sich nach und nach auch in ganz Nordrhein-Westfalen, ach was, in ganz Deutschland aus.

Sollten Sie also etwas Verschüttbares in der Hand halten — legen Sie es zur Seite, bevor Sie weiterlesen. Und Personen mit einem schwachen Herzen raten wir, sich hinzusetzen und erstmal tief durchzuatmen. Denn heute konnte der “Express” ganz aufgeregt auf seiner Startseite verkünden:

Doch, doch, Sie lesen richtig: Die Fast-Food-Kette “McDonald’s” nimmt jetzt einen Burger, den es sonst nur ab und zu mal gab, permanent ins Angebot. Potztausend!

Dem Kölner Boulevardblatt ist das einen ganzen Artikel wert:

Saftiges Rindfleisch, Bacon, Salat und Käse zwischen zwei Weizenbrötchen …

Die Fans hatten immer wieder gebettelt und nie locker gelassen — jetzt werden sie erhört! McDonald’s nimmt den Big Tasty Bacon ins Standard-Sortiment auf!

Na, haben wir zu viel versprochen?

“Ihr solltet wirklich den Big Tasty Bacon dauerhaft einführen!” oder “Ich wollte mal fragen wie lange ich jetzt wieder auf den Big Tasty Bacon warten muss?” — zahlreiche Fragen und Hinweise dieser Art erreichten den Fast-Food-Riesen in den vergangenen Wochen und Monaten.

“Und der Gast hat gesprochen — der Big Tasty Bacon wird ab dem 11.08. dauerhaft in unseren Restaurants angeboten” so Holger Beeck, Vorstandsvorsitzender McDonald’s Deutschland.

Klar, die fehlenden Kommata hätte die Redaktion beim Abschreiben der Pressemitteilung natürlich noch ergänzen können. Aber das sei dem “Express” verziehen — kann bei all dem Trubel schon mal untergehen, schließlich kommt so eine Knallermeldung ja auch nicht jeden Tag rein.

Immerhin haben die Mitarbeiter noch dran gedacht, auch das “McDonald’s”-Werbefoto in den Artikel einzufügen:

Boah, dieses saftige Rindfleisch und der Bacon und der Salat und der Käse und alles zwischen zwei Weizenbrötchen. Da kann man als Journalist schon mal schwach werden. Jedenfalls: saubere Arbeit.

Nur bei der Rubrik hätten wir anders entschieden: Da gehört statt “Politik und Wirtschaft” (warum eigentlich “Politik”? Hat der Sicherheitsrat der “Vereinten Nationen” etwa auch noch interveniert, damit “McDonald’s” den “Big Tasty Bacon” “Endlich!” ins “Standard-Sortiment” aufnimmt?) ein dickes, fettes “Anzeige” hin.

Mit Dank an Alex für Hinweis und Screenshot!

Nachtrag, 12. August: Die “Morgenpost” aus Dresden berichtet ebenfalls über das “Big Tasty Bacon”-Wunder. “Focus Online” hat der Entscheidung von “McDonald’s” sogar ein Video gewidmet.

Mit Dank an Jens L. und Carsten N. für die Hinweise!

Heinz Buschkowsky und das falsche “Pokémon”-No-Go im Islam

Jeden Mittwoch darf Heinz Buschkowsky “Klartext” reden. Immer wieder geht es in seiner Kolumne in der Berlin-Brandenburg-Ausgabe der “Bild”-Zeitung um Zuwanderung, genauer: um die negativen Aspekte der Zuwanderung. Darin ist der ehemalige Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln schließlich selbsternannter Experte.

In seinem aktuellen Text aber behandelt Buschkowsky ein ganz anderes Thema:

Bei Bild.de wird in der leicht abgewandelten Überschrift auch direkt klar, welche “Monster” er genau meint:

Auch nach mehrfachem Lesen seines Textes und entgegen dem Titel seiner Kolumne wird nicht ganz klar, wofür Buschkowsky nun eigentlich plädiert: mehr Spielhallen, weniger “Pokémon”? Mehr Monster, weniger Glücksspiel? Immerhin einen seiner Gedanken umreißt er eindeutig: Für Muslime sei “Pokémon Go” ein — Achtung, Wortspiel — No-Go.

Junge und Mittelalte starren auf ihr Handy und rennen scheinbar ziellos durch die Gegend. Autofahrer kümmert ihr Handy mehr als die Ampel, es werden Partys gefeiert oder mit Taschenlampen bis morgens um 5 Uhr Grünanlagen durchstöbert.

Das ist ziemlich irre, bringt Menschen aber in Bewegung. Die israelische Marine soll damit Soldaten anwerben, im Islam ist das Spiel bereits mit einer Fatwa verboten worden, weil die Figuren auf der Evolutionstheorie basieren.

War ja klar, der Islam wieder, ein weiteres Lieblingsthema von Buschkowsky.

Einziges Problem: Heinz Buschkowsky schreibt Quatsch. Nicht “im Islam” ist “Pokémon Go” per Fatwa verboten worden, sondern in Saudi-Arabien. Und das auch nicht erst gerade, sondern bereits vor 15 Jahren. Um die Jahrtausendwende gab es schon einmal einen “Pokémon”-Hype. Die Fatwa von damals wurde in Saudi-Arabien nun für “Pokémon Go” erneuert.

Die “Deutsche Welle” schreibt dazu:

Der Rechtsgelehrte Scheich Saleh al-Fausan erklärte Medienberichten zufolge, das neue Spiel sei grundsätzlich wie das alte. In der Fatwa von 2001 wird Pokémon mit einem Glücksspiel verglichen. Weiter heißt es, die Figuren schienen auf der Evolutionslehre von Charles Darwin zu basieren. Beides wird vom Islam abgelehnt.

Der Islam in Saudi-Arabien, der Islam weltweit — solche Feinheiten interessieren Heinz Buschkowsky nicht, wenn er in “Bild” so richtig “Klartext” dampfplaudert.

Mit Dank an Martin für den Hinweis!

Nachtrag, 16:05 Uhr: Am vergangenen Samstag wurde “Pokémon Go” auch im Iran verboten, einen Tag zuvor hatten “Malaysias oberste islamische Autoritäten den Muslimen ihres südostasiatischen Landes das beliebte Handyspiel verboten”, schreibt heise.de. Sofern Heinz Buschkowsky nicht über seherische Fähigkeiten verfügt, konnte er davon aber nichts wissen — sein Text erschien am Mittwoch vergangener Woche.

Blättern:  1 ... 269 270 271 ... 614