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“Bild” zieht mit “Pleite-Griechen” in den Wahlkampf

Der “Bild”-Zeitung ist heute eine geniale Verknüpfung gelungen: auf der einen Seite eines der Lieblingsthemen der vergangenen Wochen (Martin-Schulz-Kritik), auf der anderen eines der Lieblingsthemen der vergangenen Jahre (Griechenland-Kritik-Bashing). In dieser Geschichte hat die Redaktion beide zusammengebracht:

Fangen wir bei Martin Schulz an. Seit bekannt ist, dass Schulz als SPD-Kanzlerkandidat bei der kommenden Bundestagswahl antreten will, schaut die “Bild”-Redaktion ganz genau, was bei den Sozialdemokraten und ihrem neuen Spitzenmann so alles schiefläuft. Natürlich ist es journalistisch völlig richtig, einen neuen Kandidaten genauer zu beobachten. Und es gibt auch mal positive Geschichte über Schulz — gerade erst veröffentlichte “Bild” Auszüge aus seiner Biografie. Vor allem aber geht es in Berichten über ihn um Ärger, Fehler, Zweifel.

Die Redaktion thematisierte gleich die “erste Wahlkampf-Panne”:

Sie dokumentierte Kritik von Experten …


… oder politischen Gegnern:

'

Wenn Informationen von der SPD-Website verschwanden, schrieb “Bild” darüber:

Oder wenn es von irgendwo Rügenärger für Schulz gegeben hat:


Die “Bild”-Mitarbeiter zweifelten an Schulz’ Wahlkampfthema …

… schrieben über das schwache Abschneiden der SPD bei der Wahl im Saarland, als wäre es seine Niederlage, obwohl Martin Schulz dort gar nicht zur Wahl stand …

… und entdeckten selbst bei großen Erfolgen etwas Negatives:

Und wenn nicht mal der gute, alte Fußball …

… dabei helfen kann, die aktuell hohen SPD-Umfragewerte nach unten zu bugsieren, dann muss ein neues Thema her; eines, auf das der durchschnittliche “Bild”-Leser direkt mit Schaum vor dem Mund reagiert — die “Pleite-Griechen”:

Diese Griechen-SPD-Geschichte von heute wirkt ein wenig wie die Fortsetzung der SPD-Griechen-Geschichte von Montag, als “Bild” das sozialdemokratisch geführte Nordrhein-Westfalen mit Griechenland und all den damit verknüpften Problemen in Verbindung brachte:

Die neue These der schulzwilligen “Pleite-Griechen” basiert auf Aussagen von FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff (“‘Wer Schulz für die Wahl am meisten die Daumen drückt, ist klar: Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras'”), CSU-Politiker Markus Söder (“Schließlich stehe Schulz ‘für Geldtransfers ohne Reformen zulasten des deutschen Steuerzahlers'”) sowie einem EU-Abgeordneten der griechischen Syriza, der lediglich sagt, dass es “mit einer Koalition aus SPD, Grünen und Linken” beim Thema Griechenland “weniger um ständige Bestrafungen gehen” würde.

Aus den Aussagen zweier Deutscher und eines Griechen schließt “Bild” auf ein ganzes Volk und kramt dafür das grässlichen Wort “Pleite-Griechen” raus. Wie schon vor Jahren, als dieser Begriff bereits diffamierend und stigmatisierend und spaltend war, ist er auch heute noch diffamierend und stigmatisierend und spaltend.

Kein Schlagwort symbolisiert die “Bild”-Hetzkampagne gegen Griechenland und gegen die Griechen so sehr wie “Pleite-Griechen”. Als “Bild”-Reporter Paul Ronzheimer zum Beispiel im April 2010 durch Athen lief und mit Geldscheinen wedelte, verkündete “Bild” hämisch:

Als klar war, dass in Griechenland das Geld knapp wird, schlug “Bild” vor:

Als “Bild” von Angela Merkel eine Volksabstimmung über die Griechenlandhilfen forderte, schlug das Blatt schon mal zwei Antwortmöglichkeiten auf einem “Stimmzettel” vor: „JA, schmeißt ihnen weiter die Kohle hinterher!“ und „NEIN, keinen Cent mehr für die Pleite-Griechen, nehmt ihnen den Euro weg!“:

Das verallgemeinernde, verächtliche, populistische “Pleite-Griechen” wurde zur gängigen “Bild”-Vokabel:





Dank dieser jahrelangen Konditionierung der eigenen Leserschaft, bei der ein einfaches “Pleite-Griechen” direkt ein zorniges Grummeln in der Magengegend auslösen dürfte, kann “Bild” diese Wut nun mit nur einer Schlagzeile auf neue Feindbilder projizieren.

Nachtrag, 8. April: In ihrer heutigen Ausgabe macht “Bild” direkt weiter mit dem ätzenden “Pleite-Griechen”:

Hetze aus Österreich, Schüler-Recherche, affiger “Echo”

1. “Unzensuriert” kommt nach Deutschland: Wir haben der Hetzseite bei der Geburt zugeschaut
(motherboard.vice.com, Theresa Locker)
Bisher hat die Website “Unzensuriert” in Österreich zu hauptsächlich österreichischen Themen gehetzt. Nun hat das FPÖ-nahe Portal einen deutschen Ableger gegründet, mit Themen, die hier in der Berichterstattung eine Rolle spielen. Theresa Locker hat den Deutschland-Start von “Unzensuriert” beobachtet: “Tatsächlich sind die neuen Inhalte sorgfältig auf den deutschen Markt zugeschnitten. Die Artikel auf der .de-Seite sind zuwanderungsfeindlich, islamophob, russland- und AfD-freundlich.” Dazu auch: Matthias Meisner beim “Tagesspiegel” mit “‘Die rechte Blase im Netz wächst'”.

2. Wirbel um Hayalis “Junge Freiheit”-Interview
(ndr.de, Caroline Schmidt, Video, 8:11 Minuten)
Kann man, darf man, soll man einem mindestens rechten Blatt wie der “Jungen Freiheit” ein Interview geben? ZDF-“Morgenmagazin”-Moderatorin Dunja Hayali hat’s gemacht und ist dafür teils heftig kritisiert worden. Im NDR-Medienmagazin “Zapp” haben Jan Fleischhauer vom “Spiegel” und Heribert Prantl von der “Süddeutschen Zeitung” das Für (Fleischhauer) und Wider (Prantl) von Hayalis “Junge Freiheit”-Gespräch diskutiert.

3. Jenseits von Tabu und Sensation: Depressionen und Suizid in den Medien
(fachjournalist.de, Elisabeth Gregull)
Der heutige Weltgesundheitstag hat das Motto “Depression — Let’s talk”. Aber wie können Medien über Depressionen und Suizide berichten, ohne dabei stereotype Bilder zu wählen oder zu stigmatisieren? Sie müssten schon schon bei der Wahl der richtigen Begrifflichkeiten anfangen, schreibt Elisabeth Gregull und bietet weitere Tipps sowie Links mit weiteren Tipps für Journalisten. Eines der Ziele dabei sei: Papageno-Effekt statt Werther-Effekt.

4. Ist das Vertrauen in die Medien wirklich gestiegen?
(de.ejo-online.eu, Michael Haller)
Michael Haller ist verwirrt. Die einen (Medienwissenschaftler aus Würzburg) sagen: “Das Medienvertrauen ist so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr”. Die anderen (“Infratest”-Repräsentativerhebung) sagen fast zeitgleich: “Nur gut die Hälfte (52 Prozent) hält die Informationen in den deutschen Medien alles in allem für glaubwürdig”. Ja, was denn nun? Haller hat sich die verschiedenen Erhebungen, ihre Fragebogenformulierungen genauer angeschaut. Sein Fazit zur Jubelschlagzeile “Vertrauen in Medien so hoch wie lange nicht”: “Es handelt sich um Zufallsbefunde, die mal so, aber auch ganz anders ausfallen können.”

5. Von der Schülerzeitung entlarvt
(faz.net, Veronika Hock)
Eigentlich wollten die Mitglieder der Schülerzeitung “The Booster Redux” ihrer künftigen Schulleiterin in einem Interview nur ein paar Fragen stellen. Eine Antwort zum Lebenslauf war allerdings so merkwürdig, dass die Schüler der Pittsburg High School weiter recherchierten. Mit Folgen: Die Schule im US-Bundesstaat Kansas muss die Stelle neu besetzen.

6. Eier aus Stahl: Max Giesinger und die deutsche Industriemusik
(youtube.com, Neo Magazin Royale, Video, 22:11 Minuten)
Jan Böhmermann hat ein großes Ziel: Fünf Schimpansen aus dem Gelsenkirchener Zoo sollen nächstes Jahr einen “Echo” gewinnen, für ihren Song “Menschen Leben Tanzen Welt”. Mit einem “kleinen Experiment” und einer neuen Folge “Eier aus Stahl” zeigt das “Neo Magazin Royale”, wie musikalisch beliebig, maxgiesingerhaft und werbegesteuert die deutsche Industriemusik Musikindustrie ist.

Möglicher Missbrauch als Clickbait

Uns ist ja schon einiges begegnet in Sachen Clickbait: Clickbait mit Krebskranken, Irrsinnswiederholungsclickbait, die inzwischen ganz normale Klickjagd von “Bravo”, “Focus Online” und all den anderen Portalen, die ihre Leserinnen und Leser gern ein wenig hinhalten, bis diese mal erfahren, was wirklich passiert ist (und ob überhaupt irgendwas passiert ist).

Dieser Versuch der “Huffington Post”, die Klickrate ein bisschen hochzuschrauben, ist aber so erbärmlich, dass er aus dem ganzen Clickbait-Stumpfsinn negativ heraussticht:

Jeden Morgen schleicht sich der Vater ins Zimmer seiner Tochter - sie ahnt nicht, was er dort tut

In dem Artikel geht es nicht — wie man durchaus erst einmal denken könnte — um einen Vater, der seine Tochter sexuell missbraucht. Stattdessen erzählt die “Huffington Post” unter anderem vom “allmorgendlichen Ritual” eines Mannes, der sich sehr liebevoll um seine Tochter kümmerte, als diese unter Magersucht litt. Die britische “Daily Mail” veröffentlichte die Geschichte bereits vor 15 Monaten, die “Huffington Post” plapperte sie vor gut einer Woche nach:

Ihr Vater Steve entwickelte mit der Zeit ein allmorgendliches Ritual: Nachdem er aufgestanden war, schlich er sich in ihr Zimmer und überprüfte, ob seine Tochter noch atmete.

“Manchmal saßen wir einfach nur auf dem Boden neben ihrem Bett, um bei ihr zu sein. Wir konnten nichts machen”, sagt er.

Das österreichische Knallportal oe24.at fand die Idee der “Huffington Post” wohl so gut, dass es vor drei Tagen nachzog und die gleiche, schon über ein Jahr alte Story mit einer peinlich ähnlichen Clickbait-Überschrift ebenfalls veröffentlichte:

Ihr Vater schleicht sich jeden Tag ins Zimmer - doch sie ahnt nicht, was er dort macht

Bei der Wahl ihrer Titelzeilen scheint es beiden Portalen einzig um Klicks zu gehen, und nicht darum, der Leserschaft zu vermitteln, wovon die Artikel in etwa handeln. Das Schleich-Ritual des Vaters ist schließlich nur ein Seitenaspekt, der kaum etwas mit dem eigentlichen Thema — dem Kampf und der Genesung der Tochter — zu tun hat.

Gut möglich, dass einige Leserinnen und Leser gar nichts dagegen haben, derart getäuscht zu werden. Jedenfalls hinterlassen sie bei Facebook solche Kommentare:

Der Titel ließ erst etwas anderes erahnen. Nicht nur ich, auch andere Leute dachten erst es hätte was mit Vergewaltigung oder so zutun. Aber einglück ist dies ja nicht so. Tolle Geschichte, tolle Familie und soviel Stärke 💕

Mit Dank an Sven W. und Thomas A. für die Hinweise!

Story-Mania, Propagandagame, Klischeereport

1. Die Story hinter der Story-Mania (es geht um Geld)
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Adrian Lobe erzählt die Erfolgsgeschichte von “Snapchat” nach. Eine Erfolgsgeschichte, die nun Facebook kopieren will, indem es gleich vier seiner Plattformen mit ähnlichen Funktionen ausgestattet habe. Auf der Strecke bleibe die Medienkonkurrenz: “Ökonomisch profitieren die Medienunternehmen nur wenig von Kooperationsmodellen mit Plattformanbietern wie Snapchat oder Facebook.”

2. Propaganda, selbstgemacht
(sueddeutsche.de, Yannic Hannebohn)
Im kostenlosen Computerspiel “Fake It To Make It” gewinnt, wer mit klickheischenden Nachrichten möglichst viele Besucher auf seine Seite lockt und dadurch hohe Werbeerlöse generiert. Der effektivste Weg zum Ziel sei, es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Der Programmiererin geht es bei der simulierten Fake-News-Fabrik um Aufklärung: “Wichtig ist, dass die Menschen verstehen, dass während der gründlichen journalistischen Prozesse zwar immer noch Fehler passieren, sich das aber immer noch von dem unterscheidet, was so im Web herumgeschleudert wird”.

3. Moscheen: Der Klischeereport
(heise.de, Fabian Köhler)
Am vergangenen Montag strahlte die “ARD” den ersten Teil von Constantin Schreibers “Moscheereport” aus. Schreiber will “islamisches Leben in Deutschland transparenter machen” und hat dazu 13 der rund 2.500 deutschen Moscheen besucht: “Wer predigt dort? Wer geht dorthin? Was wird dort gepredigt?” Fabian Köhler hat sich die Sendung angeschaut und ist nicht sonderlich angetan: Schreibers Report verrate mehr über die Vorurteile des Autors als über die von Muslimen.

4. “Unsere Kunden sind nicht global, sondern lokal”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Roy Price ist Chef der Amazon-Filmstudios. Auf einer der größten internationalen Fernsehmessen, der “MIPTV” in Cannes, hat er einen kleinen Einblick in die Strategie des US-Unternehmens gegeben. Dabei geht es vor allem um Wachstum: 20 Millionen Kunden habe Amazon Prime im vorigen Jahr hinzugewonnen, hinzu komme die Expansion von Prime Video in mehr als 200 Ländern. Das lässt sich Amazon einiges kosten. Allein in die Autoshow “The Grand Tour” sollen 200 Millionen US-Dollar geflossen sein. Man setze jedoch nicht nur auf globale Serien, sondern wende sich verstärkt lokalen Inhalten zu wie der deutschen Schweighöfer-Serie “You are wanted”.

5. Die Konsequenzen von Facebook Live für den Journalismus
(netzpiloten.de, Nicole Smith Dahmen & Seth Lewis)
Immer wieder werden per Facebook-Livevideo verstörende Gewaltszenen übertragen, was Fragen von Ethik und Verantwortlichkeit von sozialen Netzwerken hervorruft. Die beiden amerikanischen Medienforscher Nicole Smith Dahmen und Seth Lewis haben fünf Beobachtungen notiert, um zu verstehen, wie die Liveübertragung von Diensten wie Facebook Live und Periscope den heutigen Journalismus herausfordern.

6. Machen sie sich ein Bild vom Gehirn des Schwarms
(faz.net, Axel Weidemann)
Auf “reddit” stellen registrierte Benutzer Inhalte ein, die von anderen Benutzern hoch oder runter gerankt werden. Nun gab es dort ein dreitägiges Experiment, bei dem die Nutzer an einem gemeinsamen Kunstwerk arbeiten konnten. Dazu war jedoch Teamwork nötig.

Hohl-in-one

Im “Augusta National Golf Club” im US-Bundesstaat Georgia startet morgen eines der bedeutendsten Golfturniere der Welt, das “US Masters”. Unter anderem am Start: Der Deutsche Martin Kaymer, mit dem “Bild” im Vorfeld gesprochen hat. Das Interview kann man heute im Blatt lesen, und die Überschrift hat es durchaus in sich:

'Trump ist ein Geschenk für uns'

Die Bild.de-Mitarbeiter haben daraus einen “Bild plus”-Artikel gemacht, mit der gleichen Titelzeile wie ihre Print-Kollegen:

Deutschlands bester Golfer - Kaymer: 'Trump ist ein Geschenk für uns'

Nanu — Martin Kaymer ein großer Fan der Politik Donald Trumps? Der US-Präsident “ein Geschenk” für die Menschheit? Die Aussage von Martin Kaymer, die die “Bild”-Medien für ihre Schlagzeilen gewählt haben, stammt zwar von dem Golfer. Sie hat allerdings nichts mit Politik zu tun:

Sie spielen einen Großteil des Jahres in den USA. Wie hat sich Amerika unter Präsident Donald Trump verändert?

Kaymer: “Ich bin überrascht, dass die Leute, besonders die, die Trump gewählt haben, jetzt über seine Äußerungen und Handlungen verwundert sind. Er macht das, was er angekündigt hat. Für uns Golfer gibt es allerdings auch noch einen zweiten Donald Trump.”

Was meinen Sie?

Kaymer: “Über den Politiker Trump muss sich jeder seine eigene Meinung bilden. Der Golf-Fan Trump ist jedoch ein Geschenk für unseren Sport. Er hat extrem gute Plätze auf der ganzen Welt gebaut. Was er im Golf anpackt, ist eigentlich immer ein Riesenerfolg.”

Das Problem dabei: Die kompletten Antworten können bei Bild.de nur die Leute lesen, die ein “Bild plus”-Abo haben. Alle anderen sehen lediglich die Überschrift und die ersten paar Zeilen des Textes, aus denen nicht hervorgeht, dass sich Kaymers Aussage bloß auf Golfplätze bezieht.

Weil sich erste empörte Fans meldeten und schrieben, sie werden ihn ab sofort nicht mehr unterstützen, hat sich Martin Kaymer bei Facebook zu der “Bild”-Schlagzeile geäußert:

Hallo zusammen! Nach den ersten Reaktionen auf ein heute erschienenes Interview möchte ich klarstellen, dass ich mich nicht zu politischen Themen in Bezug auf Donald Trump und meiner persönlichen Meinung zu ihm, die sich im übrigen in keinster Weise in diesem Artikel widerspiegelt, geäußert habe und das auch in einem Interview nicht tun werde. Es ging rein um sein Engagement im Golfsport. Bitte lest die ganze Antwort bevor ihr euch eine Meinung bildet und lasst euch nicht von der reißerischen Schlagzeile blenden. Gruß aus Augusta!

Mit Dank an Kiezgolf für den Hinweis!

BILDblog dankt

Wir wollen uns mal wieder bedanken — bei all denen, die mit ihrer finanziellen Unterstützung dazu beitragen, dass es das BILDblog überhaupt geben kann. Nun kennen wir nicht jeden persönlich. Deswegen gibt es hier einmal im Monat einen großen Sammel-Dank.

Sollte Ihr Name noch nicht in der Liste unten auftauchen, obwohl Sie große Lust hätten, mal einen Dank vom BILDblog zu bekommen — kleiner Tipp: Es ist ganz einfach, uns zu unterstützen. Und Leuten, die einen Dauerauftrag einrichten, danken wir auch jeden Monat aufs Neue.

Für die tolle Unterstützung im März möchten wir uns bedanken bei:

Achim K., Adrian S., Alexander H., Andrea S., Andreas F., Andreas K., Andreas N., Andreas P., Andreas W., Angela Z., Anja C., Anna S., Annika C. H., Arne L., Axel V., Benedikt S., Benjamin M., Berenike L., Björn T., Bo G., Bodo S., Carsten S., Christian B., Christian L., Christian R., Christoph M., Daniel H., Dario S., David R., Dennis B. H., Dennis R., Dietmar N., Dirk A., Dominique T., Dora E., Dorothea A., Ekkart K., Fabian J. W., Fabian R., Fabian Ü., Florian J., Frank W. B., Frank W., Gregor A. K., Guido R. S., Hannes B., Hannes R. S., Hans-Christian O., Heiko H., Heiko K., Henning R., Holger B., Ingo v. L., Iris M., Jacob D., Jakob H., Jakob O., Jan N. K., Jan O. W., Jan P. S., Jan P., Jens B., Jens D., Johanna P., Johannes L., Johannes P., Johannes S., Jonas S., Jörn L., Julia T., Kai R., Katrin U., Kevin S., Klaus W., Konstantin B., Leonard B., Lutz E., Manuel O., Marc I., Marc K., Marc S., Marcel B., Marco S., Marco W., Marcus H., Marcus K., Marcus S., Margit G., Mario U., Markus K., Markus W., Martin H.-S., Martin M., Martin R., Martin S., Matthias M., Matthias R., Matthias S. S., Maximilian W., Melanie R., Menke P., Michael K., Michael R., Michael S., Michael W., Michaela G., Moritz D. B., Moritz D., Moritz K., Moritz V., Nicole P., Nils P., Oliver M., Oliver O., Peter J., Peter S., Philipp G., Philipp H., Philipp S., Philipp W., Pia K., Robert K., Sandra C. K.-W., Sascha S., Sebastian F., Sebastian J., Sebastian L., Sebastian P., Stefan R., Steve H., Sven F., Thekla I. H., Thomas A., Thomas E., Thomas H., Thomas M., Thomas S., Tilman H., Tim Ö., Tommy W., Toralf B., Torsten P., Ute S., Uwe K., Volkmar D., Wiebke S., Wolfgang B., Yannick B., Yvonne T.!

Moscheereport, Mafiamethoden, FBI-Chef-Enttarnung

1. Gesicht der Misstrauenskultur
(taz.de, Daniel Bax)
Der Grimme-Preis-ausgezeichnete Journalist Constantin Schreiber hat Moscheen besucht und über seine Beobachtungen ein Buch verfasst (“Inside Islam”) und für die “ARD” den Mehrteiler “Moscheereport” produziert. “taz”-Redakteur Daniel Bax wirft Schreiber fehlende Sorgfalt und fehlende Sachkenntnis vor: “Leider nähert sich Schreiber dem Thema aber wie ein Ethnologe aus der Kolonialzeit, der einem vermeintlich wilden und gefährlichen Indianerstamm nachspürt, was sich schon am Buchcover im Lawrence-von-Arabien-Stil zeigt. Und leider unterlaufen ihm ein paar peinliche Schnitzer.”
Schreibers Moscheereport wurde auch von anderer Seite kritisiert. Der “Tagesspiegel” veröffentlich einen offenen Brief der Freiburger Islamwissenschaftlerin Johanna Pink an die zuständigen ARD-Chefredakteure.
Nachtrag: Daniel Bax ist Verfasser des Buchs “Angst ums Abendland” und hat insofern zur ähnlichen Thematik publiziert.

2. Die 10 BESTEN Grafiken über Donald Trump aller Zeiten
(medium.com, Frederic Huwendiek)
“Der US-Präsident macht Datenvisualisierung great again”, findet Frederic Huwendiek und zeigt, was sich “New York Times”, “Washington Post”, “Quartz”, “Politico”, “BuzzFeed” und Co. haben Kreatives einfallen lassen in Sachen Trump-Regentschaft.

3. Wie der FBI-Direktor auf Twitter enttarnt wurde
(zeit.de, Patrick Beuth)
FBI-Direktor James Comey sprach auf einer Veranstaltung von seinem persönlichen Umgang mit Social-Media. Da er “großen Wert” auf seine “Privatsphäre und Sicherheit im Internet” lege, hätte er auf Twitter und Instagram “geheime” Pseudonym-Accounts. Patrick Beuth erzählt, wie die Geheimkonten des FBI-Direktors von einer Journalistin enttarnt wurden und wie lange das Ganze gedauert hat: Etwa vier Stunden.

4. Von der Mafia lernen heißt schweigen lernen
(faz.net, Andreas Rossmann)
„Jeder, der über die Mafia schreibt, tut das auf eigene Gefahr.“ So steht es in einem Beitrag von Petra Reski in der Wochenzeitung “Freitag”. Nun scheint eben dieser Satz die Autorin in mehrfacher Hinsicht einzuholen. Sie wurde verklagt und von ihrer Zeitung im Stich gelassen, wie “FAZ”-Autor Andreas Rossmann findet.

5. Klicken Sie hier, es lohnt sich!
(spiegel.de, Markus Böhm)
Wie aus dem Nichts erschien vor drei Jahren die Webseite “Heftig”, die in Deutschland als so etwas wie der Inbegriff des “Clickbait” gilt. Aus einem Zweimannprojekt ist eine 70-Personen-Firma geworden, die mehrheitlich der Funke Mediengruppe gehört. Markus Böhm hat sich durchs “Heftig”-Universum geklickt, zu dem mittlerweile vier deutsche Schwesterseiten gehören.

6. Doppelmoderation bei Sat.1 Bayern
(uebermedien.de)
Auf “Übermedien” hatte man beim Beitrag über den Schottland-Besuch der bayrischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ein Déjà-vu … Die Redaktion von “Sat.1 Bayern” begründet den seltsamen Doppler-Effekt mit unterschiedlichen Lizenzvereinbarungen.

Schwere Geburt einer internationalen Ente

Manchmal ist es ja schon verblüffend, wie der Blick von außen dabei helfen kann, Dinge zu sehen, die man sonst nicht wahrnimmt. Da entdeckt zum Beispiel ein beachtlicher Teil der Weltpresse einen Babyboom auf Island, ziemlich genau neun Monate nach einem tollen Sieg der isländischen Fußballnationalmannschaft, zwinkerzwinker. Und die Isländer selbst bekommen das vor Ort gar nicht mit.

Doch der Reihe nach: Bei der Fußballeuropameisterschaft in Frankreich im vergangenen Jahr besiegte das isländische Team im Achtelfinale am 27. Juni England mit 2:1. Ein ziemlich überraschender Erfolg. Und vor drei Tagen, am 28. März und somit fast exakt neun Monaten nach dem isländischen Triumph, melden Medien weltweit: Auf Island gibt es einen Babyboom, angeblich ausgelöst durch wilde Liebesnächte nach dem Erfolg bei der EM.

Medien aus Spanien berichten:

Aus Nordirland:

Aus den USA:

Aus Neuseeland:

Aus England:

Selbst die BBC produziert ein Video, in dem Comicbabys aus einem isländischen Geysir geschossen kommen:

Und auch deutsche Medien greifen die Geschichte auf. Bild.de zum Beispiel:

“Focus Online”:

Tagesspiegel.de:

Derwesten.de:

Der SWR:

Gala.de:

“RP Online”:

Und, und, und.

Nur: Die Sache mit dem Babyboom auf Island stimmt wohl nicht. Der öffentlich-rechtliche Rundfunksender RÚV schreibt von “Falskar fréttir” und berichtet, dass in den Geburtskliniken in den vergangenen Tagen alles ganz normal gewesen sei. Das Portal “Nútíminn” fragt bei einigen Hebammen nach, und auch die sagen: alles wie immer. Und auf der Seite “The Reykjavík Grapevine” heißt es schon in der Überschrift: “No, There’s No Football-Fueled Baby Boom in Iceland”.

Aber wie kommt dann die Nachricht der isländischen Fußballbabys in die internationalen Titelzeilen? Viele der Seiten, die eine Quelle angeben, berufen sich auf die isländische Website “Visir”. Der dortige Artikel basiert lediglich auf einer einzigen Quelle: dem Tweet eines Mannes, der offenbar Arzt ist und von einem Rekord bei den Periduralanästhesien auf der Entbindungsstation seines Krankenhauses am vergangenen Wochenende schreibt, “neun Monate nach dem 2-1 Sieg gegen England”. Sein Tweet beginnt mit einem “hehehe” und endet mit einem Zwinkersmiley:

Das ist dann auch schon alles, worauf sich die Meldungen aus der ganzen Welt stützen: einen Zwinkertweet.

Mit Dank an Timm F. für den Hinweis!

Let’s Rundfunklizenz, Reise-Schönfärber, AfD-Talkshow-Zwist

1. Das ist keine Formalie
(faz.net, Axel Weidemann)
Die Landesmedienanstalt NRW hat die „Let’s Player“ von „Piet Smiet“ aufgefordert, eine Rundfunklizenz zu beantragen. Live-Streams mit bestimmten Kriterien (u.a. mehr als 500 Zuschauer, Regelmäßigkeit der Ausstrahlung) würden als Rundfunkangebot gelten, für das eine Lizenz zu beantragen sei. Der Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt, was für Konsequenzen der Vorstoß der Medienanstalt hat und ob das Medienrecht angepasst werden muss.

2. Streit um Compact auf der Leipziger Buchmesse
(blog.zeit.de, Paul Hildebrand)
„Für das Wort und die Freiheit – #FreeTheWords“, hieß es auf der Leipziger Buchmesse, doch zumindest bei einer Präsentation des rechtspopulistischen “Compact“-Magazins war es damit nicht weit her: Mehrfach sollen Journalisten bedrängt und eingeschüchtert worden sein.

3. Selbst die Natur bleibt von der Schönfärberei nicht verschont
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Sieben Jahre lang war Silke Burmester für die „taz“ als „Kolumnen-Kriegsreporterin“ unterwegs. Nun ist sie zurück mit ihrer Medienkolumne: beim Deutschlandfunk. Diesmal erzählt sie, warum man viele Reiseartikel nicht “journalistisch” nennen kann und was Leser dagegen tun könnten: “Viele Reisemagazine und Reiseseiten haben den Anspruch “Journalismus” verwirkt. Es wäre jetzt an Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, für einen Wandel zu sorgen. Machen Sie klar, dass Sie solche Medien nicht wollen. Verweigern Sie den Kauf. Oder gehen Sie den Chefredakteuren gehörig auf die Nerven.“

4. Jörg Meuthen, die AfD und die Talkshows
(ndr.de, Anja Reschke, Video, 1:27 Minuten)
AfD-Parteichef Jörg Meuthen will mit seiner Partei öfter in den Talkshows von ARD und ZDF vorkommen. Gleichzeitig hält er das bezahlte, öffentlich-rechtliche Rundfunkwesen für entbehrlich und fordert die Abschaffung aller Gebühren dafür. Anja Reschke vom NDR-Magazin „Zapp“ sieht darin einen Widerspruch, den sie ironisch-süffisant kommentiert. Gänzlich anderer Meinung ist Stefan Niggemeier auf „Übermedien“ und antwortet mit einem herzhaften „Was für ein Unsinn!“

5. „Focus“ streicht weitere Stellen
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Ulrike Simon berichtet in der Medienkolumne von den drastisch bis dramatischen Sparmaßnahmen beim „Focus“. Ob das Ganze sinnvoll sei beziehungsweise etwas bewirke, müsse angezweifelt werden: „Vielleicht wäre es ehrlicher, „Focus“ den finalen Todesschuss zu geben, anstatt Jahr für Jahr wahlweise das Konzept zu ändern, den Chefredakteur auszuwechseln, die Redaktion zu verkleinern und dabei jedes Mal so zu tun, als werde nun alles gut.“

6. In der Synchronisationshölle
(tagesspiegel.de, Jan Freitag)
Jan Freitag rechnet im „Tagesspiegel“ mit schlecht synchronisierten Filmen ab: „Für die Illusion lippensynchroner Verständlichkeit wird fast jeder fremdsprachige Dialog ins Stahlbad teutonischer Emphase getaucht. Während sich Skandinaviern das Wesen des Originals untertitelt erschließen darf, bügelt Deutschland vom Filmklassiker über BBC-Dokus bis zur Netflix-Serie alles glatt. Der Beelzebub zweidimensionaler Unterhaltung, er heißt Synchronisation.“

Polizei und Medien gehen mit Bushido auf Verbrecherjagd

In Buxtehude gab es einen Raub. Schon vor einigen Tagen überfielen zwei Männer eine Frau und nahmen ihr Geld und Handy ab. Die zuständige Polizeiinspektion Stade hat in einer Pressemitteilung nun ein paar Details zu einem der Täter veröffentlicht:

Männlich — nicht über 30 Jahre — 190-200cm groß, sportlich schlank — südländisches Erscheinungsbild — kräftiger Vollbart – sprach gebrochenes deutsch – dunkelrotes Basecap mit einem silbernen Button an der Unterseite der Schirms

Und, noch besser, es gibt auch ein Phantombild:

Viele lokale, aber auch überregionale Medien berichten über die Suche der Polizei. Zum Beispiel die Hamburg-Ausgabe der “Bild”-Zeitung heute:

Oder Bild.de bereits gestern Abend:

Das Onlineportal des “Hamburger Abendblatts” mit leicht verzerrtem Phantombild:

“Focus Online” berichtet ebenfalls:

Und die Onlineredaktion der “Hamburger Morgenpost”:

Wir haben eine gute Nachricht: Die Polizei kann die Suche einstellen. Wir wissen nämlich, wer der Mann auf dem Foto ist: der Rapper Bushido. Gewisse Zweifel, dass er etwas mit dem Raubüberfall in Buxtehude zu tun hat, haben wir durchaus. Aber: Das auf dem Foto ist Bushido.

Die Polizeiinspektion Stade hat offenbar ein Foto des Rappers genommen …

… es gespiegelt …

… das Foto leicht verzerrt, einen fancy Filter über das Bild gelegt, Bushidos Kette wegretuschiert, seinen Bart verlängert, ein paar Punkte und Striche in sein Gesicht gemalt, ihm ein Käppi aufgesetzt. Und schon war das Phantombild fertig:

Für eine größere Version einfach auf die Collage klicken. Dann erkennt man auch drei besonders prägnante Stellen: ein helles Haar in der Augenbraue, ein rausstehendes Nasenhaar und die Spuren der wegretuschierten Kette am Kragen des T-Shirts.

Mit Dank an Sebastian für den Hinweis!

Nachtrag, 13:14 Uhr: Laut tageblatt.de beruft sich die Polizeiinspektion Stade darauf, dass es sich um eine “‘zufällige Ähnlichkeit'” handelt. Das Phantombild sei von einem Zeichner des Landeskriminalamtes nach Angaben einer Zeugin angefertigt worden.

Und Bushido will sich demnächst “ein rotes Cap” zulegen.

Nachtrag, 31. März: Laut kreiszeitung.de gibt inzwischen auch das fürs Phantombild zuständige Landeskriminalamt Niedersachsen zu, dass das Bushido-Foto als Grundlage für die Zeichnung diente. Die Polizeiinspektion Stade bestritt gestern noch einen Zusammenhang und sprach von einem “Zufall”.

Nachtrag, 18. April: Anfangs bedankte sich Bushido zwar noch für den Modetipp bei der Polizei, ganz so lustig fand er die Verwendung seines Fotos als Vorlage für das Phantombild dann aber offenbar doch nicht. Denn inzwischen hat der Rapper Anzeige erstattet, wegen Verleumdung und Verfolgung Unschuldiger.

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