Suchergebnisse für ‘the’

6-vor-9-Sonderausgabe: Unsere Empfehlungen für den ersten Tag der re:publica 2017

Tausende Blogger, Medienleute und Netzaktivisten sind nach Berlin zur re:publica gereist, um die Themen der digitalen Gesellschaft zu diskutieren. Auch wir konnten dem Lockruf nicht widerstehen und sind dort. Besonders interessieren uns natürlich alle Themen, die im weitesten Sinne mit Medien zu tun haben. Deshalb haben wir aus der Vielzahl von Vorträgen die für uns interessanten Veranstaltungen des ersten Tags herausgepickt (was bei dem Überangebot nicht leicht war) und samt der offiziellen Beschreibungstexte hier aufgeführt. Vielleicht sieht man sich ja…

1. Ein Plädoyer für anständiges Community Management (Stage 2 – 11:00 bis 12:00 Uhr)
(re-publica.com)
Was gutes Community Management mit gesellschaftlicher Verantwortung zu tun hat? Viel mehr als wir denken. Die Unart Nutzer öffentlich vorzuführen schadet nicht nur der Glaubwürdigkeit der dahinter stehenden Institutionen, sondern führt zu einer Verstärkung der jeweiligen Filterblasen. Warum das so ist und was wir dagegen tun können, diskutieren wir nach einer kurzen thematischen Einführung mit einer illusteren Runde von Praktikern. Wir zeigen Euch, was wir alle dafür tun können, um die Diskussionskultur im Netz wieder besser zu machen.
Tanja Laub (Berater Community-Management Walkabout Media)
Ulrich Gelsen (Social-Media-Redakteur BKM)
Lutz Staacke (Head of Social Media Management Deutscher Landwirtschaftsverlag)
Vivian Pein (Vorstand Bundesverband Community Management)

2. Wie digitale Medien das Machtmonopol von Spitzensportverbänden verändern (Stage 3 – 12:15 bis 13:15 Uhr)
(re-publica.com)
Digitale Medien und sportpolitische Blogs haben einen immensen Einfluss auf Veränderungen im Spitzensport. Sie können dazu beitragen, den Sportverbänden das Machtmonopol über den Spitzensport zu entreißen. Neben Bloggern müssen Spitzensportler in der Zukunft digitale Medien intensiver nutzen, um eigene Interessen durchzusetzen. Athleten sind in der heutigen Zeit nicht mehr von den traditionellen Medien abhängig und können so eigenständig über die digitalen Medien ihre Meinung äußern, Interessen vertreten und sich vermarkten.
Jonathan Sachse (Reporter CORRECT!V)
Marthe-Victoria Lorenz (Geschäftsführung fairplaid)
Benjamin Bendrich (Sportwissenschaftler/ Blogger “der ball lügt nicht”)

3. Neue Player, frisches Geld: Goldene Zeiten für Film und TV? (Stage 6 – 12:15 bis 13:15 Uhr)
(re-publica.com)
Online Originals für Marken und Plattformen, die Suche nach dem nächsten Superformat im TV und neue Mittel in der Filmförderung: Produzenten stellen sich für die Zukunft neu auf. Für wen brechen goldene Zeiten an? Mit welchen Erfolgsgeschichten kann das deutsche TV glänzen? Wo steht die Film- und Medienwirtschaft generell?
Stefan Arndt (Geschäftsführer X Filme)
Stefan Schnorr (Abteilungsleiter Digital- und Innovationspolitik Bundeswirtschaftsministerium)
Marcus Wolter (CEO Endemol Shine)
Julia Vismann (Redakteurin, Reporterin, Moderatorin radioeins vom rbb)

4. Wie Podcasts mehr Leute erreichen können (Stage 8 – 12:15 bis 12:45 Uhr)
(re-publica.com)
Podcasts und Audio im Netz könnten noch viel erfolgreicher sein: für NutzerInnen UND MacherInnen. In verschiedenen Bereichen fehlt Bewegung. Wie noch mehr Bewegung in dieses spannende Umfeld kommen kann, wird hier vorgestellt und diskutiert.
Christian Bollert (Managing director detektor.fm / BEBE Medien GmbH)

5. Mit den Trollen ums Datenfeuer tanzen (Stage 3 – 13:30 bis 14:00 Uhr)
(re-publica.com)
Sifftwitter, Hasstwitter, Trolltwitter. Nur drei der Labels, die für eine lose Gruppe von Accounts genutzt wird. Angeblich das Schlimmste, das Twitter zu bieten hat. Ich habe mich mit ihnen unterhalten und Netzwerkvisualisierungen erstellt, um zu verstehen, was dran ist und wie man damit umgehen kann. Es sind relativ wenige, sie haben unterschiedliche Motive und dennoch üben sie eine gewisse Macht aus. Mit Fallbeispielen wie #RasenmäherGegenSexismus, #löschDichTeilzeit und #fragDagi.
Luca Hammer (ruhefaktor/)

6. Türkei unzensiert – Meinungsvielfalt in der Türkei (Lightning Talks 2 – 13.30 bis 14.00 Uhr)
(re-publica.com)
Mit “Türkei unzensiert” bietet der WDR eine mehrsprachige Plattform zur Situation in der Türkei. Ziel ist es, einen Beitrag zur Debatte und damit zum besseren Verständnis der politischen und gesellschaftlichen Ereignisse zu bieten.
AutorInnen und JournalistInnen aus der Türkei melden sich via Video-Messages aus der Türkei zu Wort, ExpertInnen aus Deutschland liefern weitere Perspektiven. Neben WDR-Inhalten kuratiert das deutsch-türkische JournalistInnenteam Beiträge dritter Medien und macht auch in der Türkei gesperrte Inhalte zugänglich.
Schiwa Schlei (Content Chefin COSMO)
Erkan Arikan (Journalist, Reporter, Moderator, Leiter der türkischen Redaktion cos)
Bülent Mumay (FAZ & WDR Kolumnist Türkei unzensiert)

7. Das BAMF in den Sozialen Medien: Unser Umgang mit Hate Speech und alternativen Fakten (Lightning Talks 2 – 14.00 bis 14:30 Uhr)
(re-publica.com)
Das Social Media Team des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) befasst sich mit der Grauzone zwischen Hate Speech und Meinungsäußerung und zeigt, wie das Bundesamt mit zweifelhaften Kommentaren auf seinen Social Media Kanälen umgeht.
Theresa Charlotte Edelhoff (Social Media Managerin BAMF)
Stefanie Bächler-Grünke (Social Media Managerin BAMF)

8. Fakes, Leaks und Desinformation – Verlässlicher Journalismus im Nachrichtensturm (Stage 2 – 14:45 bis 15:45 Uhr)
(re-publica.com)
„Stimmt das?“ Eine einfache Frage, die doch so schwer zu beantworten ist. Vor allem im Jahr der Bundestagswahl hat diese Frage für den Journalismus eine besondere Bedeutung. Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA wurde auch mit Lügen, Leaks und Desinformation geführt. Im deutschen Bundestagswahlkampf muss mit vergleichbaren Vorfällen gerechnet werden.
Eva-Maria Lemke (Moderatorin “ZDF-Morgenmagazin” und “heute+”, Reporterin, Autorin)
Claus Kleber (Jurist, Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Moderator des ZDF-“heute-journals”)
Ralf Paniczek (Leiter Rechercheteam “#ZDFcheck17” ZDF)

9. Die Macht der Sprachbilder – Politisches Framing und neurokognitive Kampagnenführung (Stage 1 – 16.00 bis 17.00 Uhr)
(re-publica.com)
Language is never innocent. ~ Roland Barthes // Im Januar 2017 zog Donald Trump nach einer donnernden Wahlkampagne ins Weiße Haus ein. Die Welt hatte bis zuletzt Hillary Clinton für überlegen gehalten – „Faktencheck“ hieß die Zauberformel, die am Ende keine war. Bis heute klammern sich viele an die Hoffnung des rationalen Wählers.
Elisabeth Wehling (Neuroforscherin und Linguistin)

10. Clickbait für Videocontent. Wie das Bohemian Browser Ballett Clips viral macht (Media Cube – 16.30. bis 17.00 Uhr)
(re-publica.com)
Das offizielle Ballett des deutschen Internets bringt Talente aus Comedy, Musik und Online-Unterhaltung auf Deinen Browser. Als linksgrünversiffter Stachel im Arsch der Revolutionäre ist das Bohemian Browser Ballett das perfideste Propaganda-Instrument des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der Scheinregierung der BRD GmbH. Wir vergiften die Köpfe der jungen deutschen Intelligenzija mit vermeintlichen “Gags” manipulieren damit aber aufs Hinterfotzigste ihre Meinung.
Martin Danisch (Geschäftsführer Turbokultur GmbH)
Christian Brandes (Autor Schlecky Silberstein)

11. Journalist als Social Entrepreneur (Stage J – 18:30 bis 19:30 Uhr)
(re-publica.com)
Social Entrepreneurs im gemeinnützigen Journalismus sind innovationsfreudige Vordenker*innen: Die durch die Digitalisierung gewonnenen publizistischen Möglichkeiten werden von vielen Nonprofit-Projekten gewinnbringend genutzt. Der Workshop soll die Teilnehmer*innen ermutigen und befähigen, Gründungsideen zu entwickeln und zu realisieren.
Thomas Schnedler (netzwerk recherche e.V.)
Jessica Schober (Newscomer)
Günter Bartsch (Geschäftsführer netzwerk recherche)
Tabea Grzeszyk (CEO and Co-Founder hostwriter.org)
Arne Semsrott (FragDenStaat.de Open Knowledge Foundation)

12. Meme-Jeopardy (Stage 4: 20:15 bis 20:45 Uhr)
(re-publica.com)
„Die Woodys“ laufen bei Euch in Dauerschleife, in Eurem Zimmer steht längst ein Harambe-Schrein und den Harlem-Shake habt ihr schon getanzt, als es noch cool war? Ihr glaubt also, Euch gut auszukennen in der Welt der Memes? Zeigt es uns und kommt zum Meme-Jeopardy! Vom Youtube-Gassenhauer bis zum undergroundigen Twittertrend – wir testen, wie ihr euch in der schönen Welt der Netzphänomene auskennt. Belohnt wird das Wissen mit hochwertigen Paarkartenspielen mit Memen (zweite Edition!). Und damit ihr nicht dümmer geht als ihr gekommen seid, gibt es zu jedem Meme ein bisschen Angeberwissen mit nach Hause.
Christian Schiffer (Redakteur Bayerischer Rundfunk)
Anna Bühler (Freie Autorin PULS vom BR)

Correctiv-Kontroverse, DontFreeDeniz, Reichsbürger-Hymne

1. Correctiv macht Privatleben von AfD-Frau zum „Sexskandal”
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier hat auf “Übermedien” seine Sicht auf die Causa “Correctiv und der angebliche Sexskandal bei der AfD” aufgeschrieben. Er merkt u.a. an: “Eine besondere Ironie ist es, dass Correctiv der AfD vorwirft, ein „Frauenbild aus den 50er Jahren“ durchsetzen zu wollen, gleichzeitig aber fünfzigerjahrehaft die sexuelle Betätigung der Kandidatin beschreibt und geißelt („vermietete ihren Körper übers Internet“), um sie skandalisieren zu können.”
Niggemeier rätselt, was das Recherchebüro zu dieser Geschichte bewogen haben könnte: “Vielleicht hängt es mit der gewissen Breitbeinigkeit und Dickhodigkeit zusammen, mit der vor allem Correctiv-Chef David Schraven immer wieder auftritt, die der gewünschten Wahrnehmung als unabhängiges, grundsolides, seriöses Rechercheunternehmen im Wege steht. Vielleicht war es die Begeisterung dafür, das lukrative Hobby der AfD-Kandidatin sogar mit Screenshot vom Internetprofil dokumentieren zu können, die jede ernsthafte Abwägung verhinderte, ob diese Enthüllung von öffentlichem Interesse ist. Vielleicht ist es aber auch Ausdruck davon, wie sehr sich Correctiv dem – sicher gut gemeinten – Kampf gegen die AfD verschrieben hat – und diesem Ziel ethische Bedenken im Zweifel unterordnet.”

2. Flaggezeigen unerwünscht
(taz.de, René Martens)
Auf Anregung des “NDR” sollten die ARD-Intendanten am Internationalen Tag der Pressefreiheit einen offenen Brief für Deniz Yücel im Fernsehen vorlesen. Doch das Vorhaben kam, angeblich nach einer Intervention des ARD-Chefredakteurs, nicht zustande. René Martens kommentiert: “Dass die ARD nicht einmal in der Lage ist, sich auf etwas Selbstverständliches zu einigen und Flagge zu zeigen, wenn es um Menschenrechtsverletzungen gegen einen Journalisten aus Deutschland geht, ist allemal besorgniserregend. Wie die Intendanten agieren, wenn wirklich einmal ein kontroverses Thema auf der Agenda steht, mag man sich gar nicht vorstellen.”

3. A!200 – Guten Morgen, Sigmund
(aufwachen-podcast.de, Video, 2:20 Stunden)
Tilo Jung und Stefan Schulz haben sich für die zweihundertste Folge ihres medienkritischen “Aufwachen Podcasts” etwas Besonderes einfallen lassen: Abweichend vom normalen Procedere haben sie vor Livepublikum aus Berlin gevideopodcastet. Als Überraschungsgast war der ehemalige BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb eingeladen.

4. Der „Freitag“ montiert aktuelle Fragen in fünf Wochen altes Interview
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die Wochenzeitung „Der Freitag“ veröffentlichte ein Interview mit dem französischen Autor und Soziologen Didier Eribon, in dem es u.a. um die Präsidentschaftswahlen in Frankreich ging. Das Problem: Es handelt sich um ein altes Interview aus der Zeit vor der ersten Wahlrunde, bei dem “Der Freitag” die ersten beiden Fragen ohne Zustimmung des Interviewten verändert hat. Gegenüber “Übermedien” sagt Ebion, dass er anders geantwortet hätte, wenn das Interview nach der ersten Runde stattgefunden hätte.

5. “Pack dein Zeug und verschwinde!”
(deutschlandfunk.de)
Bei der Unterdrückung von Pressefreiheit denkt man oft automatisch an Repressionen durch den Staat. Dies trifft auch auf viele Länder zu. In Deutschland wird die Pressefreiheit an anderen Stellen unterdrückt. Zum Beispiel, wenn Journalisten eine Pegida-Demonstration in Dresden begleiten wollen. Gewalt und Drohungen seien dort an der Tagesordnung.

6. Xavier Naidoo hat eine Reichsbürger-Hymne geschrieben
(faz.net, Leonie Feuerbach)
Leonie Feuerbach hat sich den Text von Xavier Naidoos neuem Lied “Marionetten” genauer angeschaut. Der Song stecke voller Anspielungen auf rechtspopulistische Themen wie Lügenpresse und Volksverrat, aber auch auf handfeste Verschwörungstheorien wie pädophile Politiker und die Reichsbürger-Ideologie. Und ein paar möglicherweise antisemitische Anspielungen seien auch dabei. Feuerbach erklärt die im Song verwendeten Anspielungen und bezieht auch die Wortmeldungen von Bandmitgliedern in ihre Analyse ein. Die Sache sei mehr als offensichtlich: “Inzwischen ist aber ein Punkt erreicht, an dem keiner der Käufer und Zuschauer sagen kann, Naidoo werde bloß falsch verstanden. Denn es ist ziemlich offensichtlich, dass er das, was er schreibt und singt, auch genau so meint.”

BILDblog dankt

Danke, danke, danke — an all jene, die unsere Arbeit finanziell unterstützen und damit dazu beitragen, dass es das BILDblog überhaupt geben kann. Nun schaffen wir es leider nicht, bei jedem auf einen Kaffee vorbeizukommen. Deswegen gibt es hier einmal im Monat einen großen SammelDank.

Sollte Ihr Name noch nicht in der Liste unten auftauchen, obwohl Sie große Lust hätten, mal einen Dank vom BILDblog zu bekommen — kleiner Tipp: Es ist ganz einfach, uns zu unterstützen. Und Leuten, die einen Dauerauftrag einrichten, danken wir auch jeden Monat aufs Neue.

Für die großartige Unterstützung im April möchten wir uns bedanken bei:

Achim K., Achim P., Alexander H., Andrea S., Andreas K., Andreas L., Andreas N., Andreas O. K., Andreas P., Angela Z., Anja C., Anna S., Anton T., Arne L., Benedikt S., Benjamin M., Berenike L., Björn T., Bo G., Bodo S., Carsten S., Christian B., Christian D., Christian R., Christoph M., Daniel H., Dario S., David R., Dennis B. H., Dennis R., Dietmar N., Dirk A., Dominique T., Dorothea A., Ekkart K., Elmar M., Enrico W., Fabian Ü., Felix E., Florian J., Frank W. B., Frank W., Gabriele G., Gregor B., Guido R. S., Hannes B., Hannes R. S., Hans-C. O., Heiko H., Heiko K., Helmut P., Henning R., Holger B., Ingo v. L., Jacob D., Jan N. K., Jan O. W., Jan P. S., Jan P., Jens B., Jens D., Johannes L., Johannes P., Johannes S., Jonas G., Jonas S., Jonathan B., Jörn L., Julia T., Jurgen H., Jürgen H., Katrin U., Klaus W., Leonard B., Leonard M., Lucas N., Ludwig B., Manuel O., Marcel B., Marco F., Marco S., Marco W., Marcus H., Marcus K., Marcus S., Margit G., Mario U., Mario W., Markus G., Markus K., Martin H.-S., Martin H., Martin M., Martin R., Martin S., Matthias B., Matthias M., Matthias S. S., Matthias V., Maximilian W., Michael K., Michael R., Michael S., Michael W., Michaela G., Moritz D. B., Moritz D., Moritz V., Nicole P., Nikola M., Nils P., Oliver M., Pascal K., Patrick H., Peter J., Philipp G., Philipp H., Philipp S., Philipp W., Pia K., Sandra C. K.-W., Sascha S., Sebastian F., Sebastian G. H., Sören C., Stefan K., Stefan R., Steve H., Sven F., Thekla I. H., Thomas E., Thomas H., Thomas M., Thomas S., Thomas W., Tilman H., Tim L., Timm G., Tobias H., Toralf B., Torsten P., Ulrich M., Ute S., Uwe A., Uwe K., Volkmar D., Werner K., Wiebke S., Wolfgang S., Wolfgang W., Yannick B., Yvonne T.!

Politisches Facebook, “Sexskandal”, Emotionsanalyse

1. Von AfD bis Linkspartei – so politisch ist Facebook
(sueddeutsche.de, Katharina Brunner & Sabrina Ebitsch)
Eine bemerkenswerte Kraftanstrengung hat die “Süddeutsche” mit ihrer Datenrecherche zur politischen Landschaft auf Facebook unternommen: Über Monate hat man eine Million öffentliche Likes von Nutzern untersucht, die auf den Facebookseiten der sieben großen Parteien interagiert haben. Ein schönes Stück Datenjournalismus, das unter “Der Facebook-Faktor” nochmal in Textform und mit Animationen aufbereitet wurde.
Weiterführender Link: Politikjournalismus im Superwahljahr 2017 mit einem Gespräch mit der Journalistik-Professorin und Politikexpertin Marlis Prinzing.

2. Nazi! Hure! AfD!
(salonkolumnisten.com, Martin Niewendick)
Für allgemeines Kopfschütteln sorgt derzeit ein Artikel des gemeinnützigen Recherchezentrums “Correctiv”. Dort ist man mit einer Exklusiv-Meldung an die Öffentlichkeit gegangen, nach der eine AfD-Politikerin als “Teilzeitprostituierte” gearbeitet haben soll. “Salonkolumnist” Martin Niewendick hält “Correctiv” für ein wichtiges Netzwerk, das gemeinhin gute Arbeit leiste und den selbst gesteckten Ansprüchen in der Regel gerecht werde. Jedoch: “Der journalistisch-investigative Background der Recherche-Profis ist ein scharfes Schwert. Mit voyeuristischen und letztlich sexistischen Beiträgen wie diesem droht es, zu einem labbrigen Gummi-Dildo zu werden.”

3. Verhaltensbasierte Werbung: Facebook identifiziert emotional verletzliche Jugendliche
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Kann Facebook seine Daten tatsächlich mit “Emotionsanalyse-Tools” durchsuchen lassen? Um emotional verletzliche Jugendlichen aufzuspüren, denen man daraufhin zielgerichtete Werbung unterjubeln kann? Dies wollen jedenfalls Journalisten der australischen Tageszeitung “The Australian” herausgefunden haben, die behaupten im Besitz entsprechender Beweise zu sein. Laut “Australian” habe sich Facebook zunächst entschuldigt, dann jedoch ein eigenes Statement veröffentlicht und den Text der Zeitung als irreführend bezeichnet.

4. Eines der gefährlichsten Länder für Journalisten
(deutschlandfunk.de, Christoph Dreyer & Brigitte Baetz, Audio, 4:16 Minuten)
Der Jemen zählt zu einem der gefährlichsten Länder für Journalisten. Gefährlicher ist es nur noch im Irak, in Mexiko, in Afghanistan und in Syrien. Mittlerweile gibt es nur noch wenige unabhängige Journalisten vor Ort. Es gebe eigentlich nur noch parteilich berichtende Medien – für die Regierung oder für die Huthis, die weite Teile des Landes und die Hauptstadt kontrollieren. (Für den Hörbeitrag auf die Schaltfläche rechts im Beitragsbild klicken.)

5. Le Pen klaut bei Fillon
(faktenfinder.tagesschau.de, Nele Pasch)
Der “Faktenfinder” der “Tagesschau” beschäftigt sich mit der Frage, ob sich die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen bei ihrer Wahlkampfrede fremder Inhalte bedient hat: Mindestens sechs Passagen würden mit einer Rede übereinstimmen, die der konservative Kandidat Fillon gehalten hat.

6. Lasst die Zeitung leben!
(taz.de, Mark-Stefan Tietze)
Mark-Stefan Tietze, Satireautor und langjähriges Besatzungsmitglied der “Titanic”, schreibt in der “taz” über die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Diesmal über die Nachteile des Digitalen und die unschlagbaren Vorteile von Printprodukten (z.B. für Wohnungslose, die darauf ihr Nachtlager bereiten).

Oberstes “Bild”-Gericht hat “BVB-Bomber” längst schuldig gesprochen

Die “Süddeutsche Zeitung”, NDR und WDR berichten heute, dass der Mann, der verdächtigt wird, die drei Bomben neben dem Mannschaftsbus des BVB gezündet zu haben, sagt, er sei es nicht gewesen:

“Mein Mandant bestreitet die Tat”, erklärt der Tübinger Anwalt Reinhard Treimer, der den 28-jährigen Mann vertritt. Sergej W. habe auch gegenüber dem Haftrichter des Bundesgerichtshofs bestritten, dass er der Täter gewesen sei.

Auch die weiteren Ermittlungen der zuständigen Behörden sollen bislang kein weiteres belastendes Material zutage gefördert haben:

Die bisherige Auswertung des bei Durchsuchungen sichergestellten Materials hat nach Recherchen von Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR keine weiteren eindeutigen Belege für die Tat gebracht.

Dennoch seien sich die Ermittler “weiterhin sicher, dass der wegen dringenden Tatverdachts festgenommene 28-jährige Sergej W. den Anschlag auf den Bus verübt hat.” In dem Fall geht es um versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und die Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion.

Bild.de berichtet, mit Bezug auf die “Süddeutsche Zeitung”, ebenfalls über die neueste Entwicklung:

Moment mal! “Mutmaßlicher Attentäter”? Warum denn auf einmal diese Zweifel, liebe “Bild”-Richter? Ihr wart doch schon vor Tagen sicher:


(Diese und alle weiteren Unkenntlichmachungen im Beitrag von uns.)

Wozu auf eine offizielle Verurteilung warten, wenn man medial schon mal vorverurteilen kann? Warum nicht einfach schon mal schreiben, dass es sich um “seinen 30-fachen Mordversuch” handelt?

Warum nicht jemanden schon mal ohne jeden Zweifel zum “Dortmund-Attentäter” erklären?

Warum nicht immer und immer wieder vom “BVB-Bomber” beziehungsweise, wenn man in besonderer Alliterationslaune ist, vom “BVB-Bus-Bomber” schreiben und ein unverpixeltes Foto des Tatverdächtigen danebenpacken, als hätte ein Gericht bereits rechtskräftig festgestellt, dass es sich bei dem Mann um den Attentäter handelt?



Keine Frage: Aufgrund der Indizien — zum Beispiel die Börsenwette des Tatverdächtigen auf einen fallenden BVB-Aktienkurs oder sein Bestehen auf ein Hotelzimmer mit Blick auf den Anschlagsort — kann man der Meinung sein, dass der Mann etwas mit dem Attentat zu tun hat. Aber es sind eben nur Indizien. Und ein “mutmaßlich” oder “angeblich” oder “wahrscheinlich” in die Berichterstattung einzubauen, ist kein großer Akt. Wenn eine Redaktion es denn will.

Die Mitarbeiter von “Focus Online” schrieben übrigens auch schon vom “BVB-Attentäter”. Aber im Gegensatz zu ihren “Bild”-Kollegen hatten sie auch schon ein Geständnis des Tatverdächtigen gehört. Jedenfalls meinten sie vor einer Woche, eins gehört zu haben:

Die “dpa” griff die “Focus Online”-Hinhör-Geschichte damals auf und machte eine Meldung daraus. Diese tauchte dann erneut bei “Focus Online” auf:

Heute veröffentlichte “Focus Online” diese Eilmeldung:

Ebenfalls zum Thema:

Mit Dank an @LSAwesome und @ziesmannmedia für den Hinweis!

Lügenstatistiken, Republik-Rekord, CSU-Bot

1. Manipulierte Statistiken entlarven
(faktenfinder.tagesschau.de, Verena Stöckigt)
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Auch deshalb sind Kurven- und Balkendiagramme so beliebt, wenn es um die Darstellung komplexer Informationen geht. Kein Wunder, dass sie besonders in sozialen Netzwerken so gern geteilt werden. Doch oft sind die Bilder fehlerbehaftet oder verfälscht. Verena Stöckigt erklärt, wie man “manipulierte Statistiken” entlarven kann. Eine Wortwahl, die Blogger Fefe übrigens für ungeeignet hält, stattdessen eher von “manipulativen grafischen Darstellungen von Statistiken” sprechen würde. Fefe weiter: “Ich bin irritiert, dass jemand, der den Anspruch an sich selbst erhebt, die Bevölkerung über Irreführung zu informieren, dann schon bei der Nomenklatur solche Schwächen zeigt.”

2. Weltrekord für journalistisches Crowdfunding
(republik.ch)
Ein neues journalistisches Projekt will die Schweizer Medienlandschaft umkrempeln: “Republik”. Es sieht so aus, als ob das Vorhaben bei den zukünftigen Lesern und Leserinnen gut ankommt: Per Crowdfunding hat man die Rekordsumme von mehr als zwei Millionen Franken eingesammelt.

3. Schlechtes von gestern
(sueddeutsche.de, Susan Vahabzadeh)
Als eine “schwarze Woche für Frauen” bezeichnet Susan Vahabzadeh die vergangenen Tage in Medien und Politik. Besonders auf die Nerven seien ihr die “Rollenzuweisungen aus den Untiefen des vorigen Jahrtausends” gegangen. Das Frauenbild sei auf dem Rückschritt in die Fünfziger. Zu den Wochenaufregern gehören für sie Ivanka Trumps angeblicher Feminismus im Blümchenkleid, die zum Umsatztöter erklärte “dicke” Barbie und der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon. Sogar bei den nichtexistenten, aber gut dotierten Scheinjobs von Sohn und Tochter des konservativen Politikers hätte es ein Gender Pay Gap gegeben.

4. Alles schick
(taz.de, Anne Fromm)
Anne Fromm stellt „SZ Familie“ vor, ein Heft für Eltern und Kinder. Sie findet insgesamt lobende Worte für die Zeitschrift, die man sich jedoch leisten können müsse. “Am stärksten ist das Magazin, wenn deutlich wird, dass es aus der SZ-Redaktion stammt: bei den anspruchsvollen Geschichten. Ein Text beleuchtet das konservative Familienbild der AfD, an anderer Stelle erzählen Paartherapeuten, woran Beziehungen zerbrechen, wenn Kinder dazukommen. Star-Geiger und Leistungssportler berichten, wie früh sie ihre Kinder fördern (sehr früh). Das liest sich alles schön weg, transportiert aber immer auch ein exklusives Familienbild.”

5. Die „Öffentlich-Rechtlichen“ und das Internet
(boell.de, Oliver Passek)
Die Frage „Was dürfen ARD und ZDF eigentlich im Netz?“ ließe sich gar nicht so schnell beantworten, findet Oliver Passek und beschreibt die teilweise verworrene Lage mit ihren unterschiedlichen Verfahren: “All diese Regelungen kratzen am Image der Öffentlich-Rechtlichen und stehen einer für die Zukunft des Systems unverzichtbaren Weiterentwicklung im Wege. Deshalb brauchen wir einheitliche Online-Regelungen bei ARD und ZDF für alle gängigen Formate. Abweichungen sollten in der Mediathek per Klick kurz erklärt werden.”

6. Ich habe mit dem neuen CSU-Bot gechattet, damit ihr es nicht müsst
(motherboard.vice.com, Gregor Thomanek)
Ein Gesprächsversuch mit dem Facebook-Chatbot der CSU: “Mit allen Mitteln habe ich versucht, mit dem christsozialen Facebook-Roboter ein ernsthaftes Gespräch über Politik und Markus Söder zu führen — und alles, was ich bekam, waren diese lausigen Memes.”

“Also Mädels, tut ihm den Gefallen”

In den USA, aber auch anderswo auf der Welt soll das sogenannte Stealthing ein neuer, grässlicher Trend sein: Beim eigentlich einvernehmlichen Sex zieht der Mann während des Geschlechtsverkehrs heimlich das Kondom von seinem Penis. Abgesehen von den damit verbundenen Risiken, wie sexuell übertragbaren Krankheiten und — wenn der Sexualpartner eine Frau ist — ungewollten Schwangerschaften, handelt es sich dabei um eine Form eines sexuellen Übergriffs. Rechtsexperten fordern, Gesetze anzupassen und Stealthing als Straftat zu behandeln. In der Schweiz wurde Anfang des Jahres ein Mann wegen Vergewaltigung verurteilt, nachdem er ohne vorherige Einwilligung der Frau beim Sex das Kondom abgelegt hat.

Bild.de hat am Dienstag auch über das Thema Stealthing berichtet. Die Redaktion macht schon in der Überschrift klar, was es davon hält:

Wenn Mann beim Verkehr unbemerkt das Gummi runterzieht - Gefährlicher Sex-Trend 'Stealthing'

Und auch der erste Satz des Artikels ist eindeutig:

Es ist dreist, hochgradig gefährlich — und ein Fall für die Gerichte!

Weil es in dem Text ja um Kondome, oder genauer: um Keine-Kondome, geht, hat Bild.de noch eine Packungsbeilage mit dem Titel “Infos Kondom-Anwendung” dazugelegt. Neben Hinweisen zur korrekten Größe (“nachmessen!”) und der richtigen Vorbereitung (“Wer das Verhüterli schon vorher ausgepackt bereitlegt, spart sich unnötigen Stress.”) gibt es da solche Tipps für die Bild.de-Leserinnen:

Mehr Druck - Spürt er mit dem Gummi nix mehr, kann das daran liegen, dass zu wenig Reibung entsteht. Helfen Sie ihm, indem Sie Ihre Beine enger zusammendrücken.

Und solche:

Mundgerecht - Über so eine Hilfe beim Überziehen freut ER sich besonders. Also Mädels, tut ihm den Gefallen.

Also wirklich, “Mädels” — jetzt stellt euch mal nicht so an und “tut ihm den Gefallen.” Das müsste doch mindestens Teil eures Rundum-sorglos-Paketes sein.

Auf die Idee muss man erstmal kommen: In einem Artikel, in dem es eigentlich um verachtenswerte Sex-Praktiken von Männern geht, Frauen Tipps zu geben, bei denen sie wie Liebesspiel-Dienstleister mit natürlicher Bringschuld wirken.

Mit Dank an Rinaldo S. und Torben für die Hinweise!

Nein, Saudi-Arabien führt nicht die UN-Frauenrechtskommission an

Gestern war es der rumtatschende Präsident eines tunesischen Fußballvereins (“Tatsch too much!”), am Samstag der frühere iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad (“Zurück ins Abklingbecken!”) und am Freitag ein Fregattenkapitän (“Maschinen stopp!”). Die Mischung ist schon ziemlich bunt, wenn die “Bild”-Redaktion jeden Tag einen “VERLIERER” des Tages auswählt. Heute sind die Vereinten Nationen dran:

Saudi-Arabien und der Kampf für Frauenrechte? Und dann auch noch “der Vorsitz der Kommission für die Stellung der Frau”? Das könnte man in der Tat “lächerlich” finden, wenn es denn stimmen würde. Aber es stimmt nicht.

Erstmal zu den Fakten: Saudi-Arabien wurde tatsächlich in die “United Nations Commission on the Status of Women” gewählt — mit den wenigsten Stimmen aller neu gewählten Mitglieder. Das hat aber nichts mit dem Vorsitz dieses Ausschusses zu tun. Das Land ist ab 2018 für vier Jahre eines von 45 Mitgliedern der “Kommission für die Rechtsstellung der Frau”, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Was “Bild” behauptet, ist also ansatzweise richtig, letztendlich aber Quatsch.

Gestern Abend hatte bereits Bild.de in einem längeren Text Mitgliedswahl und Vorsitzwahl durcheinandergebracht:

Es hört sich an wie ein schlechter Witz — ist aber keiner.

Saudi-Arabien wurde für den Vorsitz der UN-Frauenrechtskommission gewählt!

Das fundamental-islamische Königreich gilt als eines der schlimmsten Verletzer von Frauenrechten weltweit — auch wenn es zuletzt ein paar Fortschritte erzielte. Nun soll es aber von 2018 bis 2022 das Gremium zu Frauenrechten bei den Vereinten Nationen anführen.

Wir können nur vermuten, woher “Bild” und Bild.de diese falsche Information haben. Wir befürchten, dass die Redaktionen bei einer Seite abgeschrieben haben, bei der man nicht unbedingt abschreiben sollte, wenn man es ernst meint mit dem Journalismusmachen — den “Netzfrauen”:

Die “Netzfrauen” hatten bereits vorgestern falsch über die Wahl Saudi-Arabiens berichtet. Ihr Text verbreitete sich wie blöd im Internet. Laut “10000 Flies” war er am Sonntag der bei Facebook am zweithäufigsten geteilte Artikel.

Vielleicht haben die “Bild”-Medien ihre Infos auch von der österreichischen Knallseite Krone.at. Die “Krone”-Redaktion veröffentlichte eine gute Stunde vor Bild.de eine falsche Meldung zu Saudi-Arabiens UN-Wahl:

Der Artikeleinstieg von Krone.at erinnert jedenfalls stark an den weiter oben bereits zitierten Einsteig von Bild.de:

Es klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber keiner: Ausgerechnet Saudi-Arabien ist jetzt von der UNO zum globalen Wächter der Frauenrechte ernannt worden. In einer geheimen Wahl bekam das arabische Land, in dem Frauen und Mädchen systematisch unterdrückt werden, den Vorsitz der UN-Kommission für die Rechtsstellung der Frau.

Heute sind dann auch noch die “Yahoo Nachrichten”

… und das Hetzportal unzensuriert.at bei der Stillen Fehlerpost eingestiegen:

Natürlich kann man es “lächerlich” und schlimm und völlig daneben finden, dass Saudi-Arabien nun in der “Kommission für die Rechtsstellung der Frau” der Vereinten Nationen sitzt. Man kann der Meinung sein, dass das Land dort nichts zu suchen hat, bevor sich die Situation der Frauen im Land nicht verbessert hat. Wenn man aber jemanden zum “VERLIERER” machen will, sollten doch wenigstens die Fakten stimmen.

Nachtrag, 26. April: Bild.de hat bereits gestern einen Nachtrag zum Artikel “Saudi-Arabien soll jetzt für Frauenrechte kämpfen” veröffentlicht:

In der “Bild”-Zeitung war für eine Korrektur heute hingegen leider kein Platz — jedenfalls haben wir dort keine gefunden. Und auch bei der Kategorie “Gewinner/Verlierer” bei Bild.de wurde bisher nichts korrigiert.

US-Polit-Satire, Sparmaßnahmen, Frühstücksfernsehen

1. “Satiriker analysieren Trump besser als die klassischen Nachrichten”
(sueddeutsche.de, Kathleen Hildebrand)
Die amerikanische Kulturwissenschaftlerin Sophia McClennen beschäftigt sich mit der Funktionsweise von Polit-Satire. Sie sieht das Medium gegenüber klassischen Nachrichtenmedien im Vorteil: Satiriker wie Stephen Colbert, Trevor Noah oder Samantha Bee hätten schneller einen klareren Standpunkt gegenüber der neuen Regierung gefunden. Im Interview mit der „SZ“ spricht sie über 24-Stunden-Nachrichtenkanäle, kritisches Denken und erklärt, warum Republikaner seltener für Satire zugänglich sind.

2. Algorithmen oder Journalisten können das Fake-News-Problem nicht lösen. Das Problem sind wir.
(netzpolitik.org, Danah Boyd)
Danah Boyd ist Medienwissenschaftlerin und Sozialforscherin und seit einigen Jahren Präsidentin des „Data & Society Research Institute“ in New York. Laut Boyd liegt die Verantwortung bei der Bekämpfung von Fake News nicht nur bei den großen Unternehmen wie Google und Facebook, sondern vor allem bei uns: „Wenn wir technische Lösungen für komplexe sozio-technische Probleme suchen, können wir uns nicht einfach aus der Verantwortung stehlen und ein paar Unternehmen beauftragen, die Brüche in der Gesellschaft zu kitten, die sie sichtbar gemacht und verstärkt haben. Wir müssen zusammenarbeiten und Bündnisse mit Gruppen eingehen, die nicht unsere politischen und sozialen Vorstellungen teilen, um die Probleme anzugehen, die wir gemeinsam sehen. Die Alternative wäre ein kultureller Krieg, in dem die Unternehmen als Vermittler und Schiedsrichter fungieren.“

3. Eine Frage der Glaubwürdigkeit
(taz.de, Silke Burmester)
Silke Burmester beschäftigt sich in ihrem Kommentar mit der Berichterstattung über die französischen Präsidentschaftswahlen: „ZDF-Moderator Claus Kleber und Korrespondent Theo Koll nennen Macron schon den künftigen Präsidenten. Haben die nichts gelernt?“ Den beiden Topjournalisten seien die Erkenntnisse der letzten anderthalb Jahre egal. Für sie liege die Gefahr nicht in der Destabilisierung unserer Demokratie, sondern darin, als Mann vor der Kamera kein Gewicht zu haben.

4. Sparmaßnahmen schüren Ängste
(deutschlandfunk.de, Thomas Wagner, Audio: 5:24 Minuten)
Beim sogenannten “ARD-Freienkongress” haben sich einige der rund 18.000 freien Mitarbeiter getroffen, die den Funkhäusern den Großteil der journalistischen Inhalte liefern. Sorgen macht den freien Mitarbeitern vor allem die geplante ARD-Strukturreform, bei der es darum geht, Rationalisierungs- und  Effizienzpotentiale zu nutzen. Die geplanten Sparmaßnahmen hätten gravierende Auswirkungen auf die journalistische Qualität.

5. Markus Beckedahl: „Facebook soll Hilfssheriff, Richter und Henker spielen“
(t3n.de, Stephan Dörner)
Markus Beckedahl beschäftigt sich als Betreiber von Netzpolitik.org seit 2002 mit netzpolitischen Themen wie staatlicher Überwachung, Open-Source-Software, Telekommunikationsgesetzen sowie schöpferischem Gemeingut und einer freien Wissensgesellschaft. Im Interview verrät er, warum Algorithmen die Demokratie gefährden — und warum er das Hatespeech-Gesetz der Bundesregierung ablehnt.

6. Dunkle Prophezeiungen im Frühstücksfernsehen – Wie Claus Strunz argumentiert | WALULIS
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 6:13 Minuten)
Mediensatiriker Philipp Walulis setzt sich mit dem journalistischen Wirken von Claus Strunz auseinander: „Wieso er immer im Sat.1-Frühstücksfernsehen auftaucht, mit welchen Tricks er den Untergang des Abendlands herbeiargumentiert und was das alles mit Viagra zu tun hat, schauen wir uns jetzt mal an.“

So schnell wird man in “Bild” zum Putin-Propagandisten

Hatten Sie schon mal einen Gedanken, den vor Ihnen theoretisch auch Wladimir Putin gehabt haben könnte? Also zum Beispiel sowas wie “Hundewelpen, denen es nicht gutgeht, sollten zum Tierarzt gebracht werden”? Dann: Achtung! Sie könnten auf “Putins Fake-News-Kampagne” reingefallen sein.

Auf diesem argumentativen Niveau — zusammengefasst in etwa: wer etwas fordert, das auch die Russen fordern, hilft den Russen bei ihrer Propaganda — bewegt sich dieser Bild.de-Aufmacher (“Bild-plus”-Inhalt) von Donnerstag in weiten Teilen:

Am Freitag berichtete die Print-“Bild” ebenfalls, mit einer leicht abgewandelten Version des Artikels:

Mit “Deutschland” meinen die zwei Autoren Filipp Piatov und Julian Röpcke vornehmlich die Bundesregierung und die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. “Das Erste” und das ZDF kritisieren sie, weil diese den Publizisten Michael Lüders in mehrere Talkshows eingeladen haben und somit “den von Russland verbreiteten Fake News eine Bühne” geboten hätten. Lüders sei ein “überführter Fake News-Verbreiter”, schreiben Piatov und Röpcke und stützen sich bei diesem Urteil auch auf Aussagen des türkischen Journalisten Can Dündar. Inzwischen hat sich Dündar noch einmal zu Michael Lüders geäußert und plötzlich wirkt dessen kritisierte Aussage eher wie eine Ungenauigkeit und nicht mehr wie eine glatte Lüge.

Vor allem aber teilt das “Bild”-Autorenduo gegen die Bundesregierung aus. Deutsche Regierungspolitiker würden “den russischen Fake News Vorschub leisten bzw. die deutsche Position ihnen anpassen.” Zum Beispiel Sigmar Gabriel: Der Außenminister forderte zum jüngsten Giftgasangriff in Syrien eine “Untersuchung ohne Behinderungen”. Dass Russland zuvor ebenfalls “eine ‘unabhängige Untersuchung’ des Vorfalls” gefordert hat, reicht Piatov und Röpcke als Beweis, dass “Deutschland auf Putins Fake-News-Kampagne reinfällt”. Weil man auf dieselbe, nicht ganz abwegige Idee wie die Russen kommt, macht man sich in den Augen der beiden “Bild”-Schreiber der Russen-Propaganda verdächtig.

Und das sei nicht nur bei Sigmar Gabriel so. Auch beim früheren Außenminister Frank-Walter Steinmeier seien “russische Fake News auf fruchtbaren Boden” gefallen. Dieses Mal geht es zwar um einen anderen Fall, den Abschuss des Malaysia-Airlines-Flugs MH17 über der Ukraine, aber um dieselbe “Bild”-Logik: Russland hat damals eine unabhängige Untersuchung gefordert; auch Steinmeier war für eine unabhängige Untersuchung. Und schon sei laut Bild.de einmal mehr bewiesen, dass es eine “Anfälligkeit bestimmter Teile der Bundesregierung für russische Propaganda” gebe.

Piatov und Röpcke kommen nicht auf die Idee, dass es durchaus möglich ist, mit der gleichen Forderung völlig unterschiedliche Dinge bezwecken zu wollen. Dass es dem einen zum Beispiel um wirkliche Aufklärung geht, während der andere nur taktiert, Scheinversprechungen macht und damit hinhalten möchte. Und dass diese Forderungen unabhängig voneinander gestellt werden können. Denkt man die Argumentation der beiden Autoren weiter, könnte man nie mehr Dinge fordern, die Russland bereits gefordert hat, ohne damit zum Russland-Fake-News-Verbreiter zu werden — egal wie sinnvoll die jeweilige Forderung erscheint.

Stattdessen plädieren die zwei “Bild”-Mitarbeiter dafür, sich nach einem derartigen Angriff direkt auf eine Seite zu schlagen, ohne Zweifel und ohne unabhängige Untersuchungen.

Blättern:  1 ... 243 244 245 ... 614