1. Fischers kleine Presseschau: Diesel-Depression in der FAZ und Dieter Nuhrs Hohn-Gipfel in der ARD-Themenwoche (meedia.de, Thomas Fischer)
In seiner “kleinen Presseschau” rechnet Thomas Fischer, Bundesrichter a.D., mit der Diesel-Berichterstattung der “FAZ” und dem ARD-Satiriker Dieter Nuhr ab, für den er keine guten Worte findet: “Er verhöhnt den menschenrechtlichen Gleichheitssatz, indem er ihn in sein Gegenteil verdreht und frei erfundenen Unsinn als angeblichen “Mainstream” ausgibt, dem er sich zu widersetzen behauptet. Das Prinzip der Nuhrschen Komik ist dabei immer gleich: Von oben nach unten wird Verachtung durchgereicht. Das erreicht, bei Licht betrachtet, bestenfalls das Niveau eines Karnevalsabends im AfD-Ortsverein.”
2. Der Rechtsfluencer (buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
“BuzzFeedNews”-Reporter Karsten Schmehl hat sich mit einem der auffälligsten rechten Meinungsmacher in Deutschland getroffen: Der 24-jährige Henryk Stöckl treibt vor allem auf Facebook und Youtube sein Unwesen, verbreitet dort falsche Behauptungen und befeuert Hass und Hetze. Schmehl ist angesichts der Aussagen des Rechtsfluencers etwas ratlos: “Auch nach einer Stunde Gespräch fällt es nicht leicht, zu beurteilen, ob Stöckl seine Falschaussagen kalkuliert oder aus Naivität verbreitet. Es bleibt unklar, ob er die Tragweite seiner Handlungen nicht versteht oder nicht verstehen will.”
3. Kritische Begleitung – Ein Blick zurück (apabiz.de, Caro Keller)
Was für eine Herkulesaufgabe: Über fünf Jahre hat das Team von “NSU-Watch” den NSU-Prozess regelmäßig begleitet und fleißig Protokoll geführt. Mit dem Urteil würden viele die Frage verbinden: War es das wert? War die viele Arbeit sinnvoll? Caro Keller zieht Bilanz.
Hörtipp: “NSU-Watch” gibt es auch als Podcast: “NSU-Watch: Aufklären & Einmischen” (bislang 19 Folgen).
4. Google droht mit Ende für Google News wegen Plänen für Leistungsschutzrecht (netzpolitik.org, Alexander Fanta)
In Brüssel wollen EU-Verhandlungsführer Google zur Kasse bitten und eine europaweite Abgabe selbst auf kurze Textschnipsel durchsetzen. Als Antwort droht Google mit der Einstellung seines Nachrichtendienstes Google News in Europa. Keine leere Drohung: Als die spanische Regierung 2014 eine Abgabe auf Einnahmen aus Nachrichten-Aggregatorenseiten einführte, schaltete Google seinen Nachrichtendienst für Spanien einfach ab.
5. “Unser Bericht soll ein Weckruf sein” (deutschlandfunk.de, Friedbert Meurer, Audio, 5:46 Minuten)
Der “Index on Censorship” prangert regelmäßig Fälle von Presse-Zensur in Europa an. In der von der EU-Kommission finanzierten Studie tauchen erwartungsgemäß Länder wie Ungarn und Polen auf, aber auch Finnland und Deutschland. Der Zensurbegriff müsse künftig weiter gefasst werden. Mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke gehe diese auch von einzelnen Personen aus.
6. Wirbellose ARD (taz.de, Jürn Kruse)
Nachdem sich AfD und Junge Union über einen “Fuck AfD”-Aufkleber in einer Folge des Rostocker “Polizeiruf 110” aufregten, knickte die ARD ein und retuschierte den Sticker. Eine falsche Entscheidung, wie Jürn Kruse in der “taz” findet: “Diese Strategie des Einknickens vor ein paar Social-Media-UserInnen kann nicht aufgehen. Kinder merken es sich, wenn sie mit Quengeln, Jaulen und Jammern durchkommen. Und der nächste Grund zur rechten Erregung kommt bestimmt. Vielleicht wenn einem Kommissar die Schleife nicht so gebunden wird, wie es AfD und Junge Union gerne hätten.”
Weitere Leseempfehlung/Hörtipp: Der Medienrechtler Christian Schertz bei “Deutschlandfunk Kultur”: “Das ist vorauseilender Gehorsam des Senders. Es gibt keine rechtliche Pflicht, bei einer fiktionalen Erzählung wie bei einem Spielfilm solch einen Aufkleber rauszunehmen.”
1. Warum die ARD die “Lindenstraßen”-Lücke füllen muss (dwdl.de, Ulrike Klode)
Die Programmverantwortlichen der ARD haben beschlossen, dass die legendäre “Lindenstraße” nach 34 Jahren eingestellt werden soll. “DWDL”-Kolumnistin Ulrike Klode hat aufgeschrieben, warum es Pläne für die Zeit nach der “Lindenstraße” geben muss: “Die grundlegenden Inhalte der “Lindenstraße” sind nicht verhandelbar — sie entsprechen dem Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender. Die Frage kann nur sein: Wie kann man diese Inhalte verpacken, damit sie das Publikum erreichen?”
Weitere Reaktionen auf das “Lindenstraßen”-Aus: In Die Zeit ist an der “Lindenstraße” vorbeigezogen (sueddeutsche.de) kommentiert Hans Hoff: “Es ist eben auch eine Herkulesaufgabe, jede Woche das ganze Elend der Bundesrepublik im gequetschten Kosmos einer Münchner Straße spiegeln zu müssen.” Auf “Indiskretion Ehrensache” empört sich Thomas Knüwer: “Diese Entscheidung ist eine Schande für die ARD.” Und Christian Meier schreibt auf Welt.de: Mit der “Lindenstraße” stirbt die alte Bundesrepublik. “taz”-Redakteurin Susanne Memarnia denkt an die 17 Jahre zurück, in denen sie selbst ein Teil des Lindenstraßen-Ensembles war. Und an die Zeit danach: “Das Leben ohne Serie war am Anfang nicht ganz leicht — aber schließlich habe ich meinen Weg gefunden. Das Einzige, was ich heute bereue: Mein Opa hatte all meine Auftritte vom Fernseher abfotografiert, einmal im Jahr bekam ich ein Album mit körnigen Fotos, am Ende waren es mehrere Regalmeter. Leider habe ich sie irgendwann alle weggeschmissen.“ Und last but not least hat “Übermedien” der Serie eine besondere Würdigung zuteil werden lassen und einige der berühmt-berüchtigten Lindenstraßen-Cliffhanger zu einem Fünf-Minuten-Video zusammengeschnitten. Eine Horror-Kompilation cineastischen Grusels.
2. Wir sind dann mal weg (und dieser Titel muss auch weg! Oder?) (tageswoche.ch, Ronja Beck)
Die “TagesWoche” stellt ihren Betrieb ein: Der Stiftungsrat der Stiftung für Medienvielfalt versagte dem Medienprojekt nach sieben Jahren die weitere Finanzierung. Die etwa 30 Arbeitsverhältnisse werden aufgehoben. Der Sozialplan sei großzügig und federe die daraus entstehenden Härten ab. Ronja Beck notiert in einem letzten Blogbeitrag: “In ihren letzten Tagen wandelt sich die TagesWoche zum Loriot-Sketch. Alltag ad absurdum. Die Akteure sind gefangen zwischen Realität und Unfassbarem, gemeinsam streifen wir durch grossen Unsinn. Und wir lachen dabei, ohne zu wissen, was zur Hölle es da eigentlich zu lachen gibt.”
3. Wenn die Gemeinschaft zahlt (taz.de, Peter Weissenburger)
Die Onlinezeitung “Texas Tribune” im amerikanischen Austin beschäftigt ein Team von 40 Journalistinnen und Journalisten und finanziert sich komplett durch Spenden. “taz”-Redakteur Peter Weissenburger erklärt, warum das Modell so gut funktioniert.
4. “Wenn man in seiner Zelle ausharrt und schweigt, passiert nichts” (spiegel.de)
Als die Journalistin Mesale Tolu in der Türkei im Gefängnis saß, wurde ihr geraten, stillzuhalten und auf die Kräfte der stillen Diplomatie im Hintergrund zu vertrauen. Das hält Tolu in der Nachbetrachtung für keine gute Idee: “Wenn man einfach in seiner Zelle ausharrt und schweigt, passiert nichts. Die Türkei ist kein Rechtsstaat. Abwarten heißt, sein Schicksal anderen in die Hand legen. Und jeder Tag da drinnen ist ein Tag zu viel. Wenn man Unrecht erfährt, muss man das auf die Tagesordnung setzen.”
5. Wie misst man journalistischen Erfolg? (journalist-magazin.de, Sonja Peteranderl)
Wie misst man journalistischen Erfolg? Klicks und Marktanteile sind das eine, Einfluss auf Politik und Gesellschaft das andere. In den USA beschäftigt man sich schon seit Längerem mit der Impact-Messung. Sonja Peteranderl erklärt in ihrem Aufsatz die Besonderheiten von Erfolgsmessung und Wirkungszuschreibung bei der Impact-Analyse und schlägt eine Brücke von den USA nach Deutschland.
6. Zum Tod von “Mallorca-Jens”: Niemand ist eine Insel (haz.de, Imre Grimm)
Jens Büchner (“Mallorca-Jens” beziehungsweise “Jenser”) war neben Daniela Katzenberger die wohl erfolgreichste Figur der TV-Auswanderer, eine verwegene Mischung aus Loser und Hero, der dem TV-Sender Vox unzählige Filmchen und tolle Einschaltquoten beschert hat. Und sich ein paar intensive Jahre als schlagersängernder Trash-Star, gefeierter Überlebenskünstler und Dschungelcamp-Berühmtheit. Nun ist Büchner im Alter von nur 49 Jahren gestorben, vermutlich an Lungenkrebs. In Imre Grimms Nachruf geht es auch um die Frage, wie es jemandem wie Büchner gelingen konnte, zu einer TV-Berühmtheit zu werden: “Die Mechanik der Medienwelt braucht auch Normalos”.
Weitere Lesehinweise: Anja Rützel befindet in ihrem Nachruf bei “Spiegel Online” : “Jens Büchner war ein Fernsehgeschöpf, eine für die Bedürfnisse des Trash-Genres geschnitzte Figur und ein oft schlecht beratenes, von Format zu Format trudelndes Teilchen, dem diese Abhängigkeit völlig klar zu sein schien.” Johanna Bruckner schreibt bei Süddeutsche.de: “Viele liebten “Malle-Jens”, weil er so offen zugab, ein Verlierer zu sein. Vielleicht weil er in seinen Misserfolgen zutiefst menschlich wirkte. Manche verachteten ihn wohl genau dafür.”
7. Spiegel-Cover: “Leben ohne Schmerzen” (facebook.com, Lorenz Meyer)
Weil unter Beteiligung des “6 vor 9”-Kurators, ausnahmsweise ein siebter und daher zusätzlicher Link: Auf Facebook kommentiert Lorenz Meyer den aktuellen “Spiegel”-Titel über ein “Leben ohne Schmerzen”: “Lieber “Spiegel”, es würde schon mal deutlich weniger schmerzen, wenn Ihr nicht bei gefühlt jedem Gesundheitsthema eine nackte Frau aufs Cover packen würdet. Es nützt nämlich nichts, wenn Ihr in Sachen sexistischer Covergestaltung schmerzfrei seid, wir aber jedesmal schmerzerfüllt ächzen, wenn wir ein solches Titelbild sehen.”
Weiterer Lesehinweis: Auch Richard Gutjahr hat Rücken und befindet: “Von Radio, TV bis zur Zeitung habe ich im Journalismus so ziemlich alles durchgespielt. Was mir fehlt: Erfahrung als Zeitschriftenmacher. Ohne jemals für eine Illustrierte gearbeitet zu haben, habe ich aber eine vage Idee, mit welcher Titelstory ich den deutschen Qualitätsjournalimus rocken könnte …”
Ein Glück, dass wir die Aufklärer der “Bild”-Zeitung haben!
Nazi-Ufos in der Antarktis, Kennedy-Attentat, Mondlandung — dazu gibt’s im Internet haufenweise Theorien, doch die meisten davon seien hanebüchener Unsinn, wie die Zeitung gestern auf einer ganzen Seite erklärte: “Sie klingen zunächst plausibel, sind aber bewusst in unwahre Zusammenhänge gesetzt.”
“Bild” selbst würde solche Spinnereien natürlich nie verbreiten!
Bei Süddeutsche.de schreiben sie gerade auf der Startseite zu den Entwicklungen rund um den Brexit in Großbritannien:
Im Artikel greift Korrespondentin Cathrin Kahlweit das angebliche Twitter-Verhalten von Mays angeblichem Ehemann noch einmal auf:
Selbst Mays Ehemann Philip war am Tag nach der Sensationsnachricht negativ gestimmt. Er twitterte, dies werde “ein langer Tag”. Wahrscheinlich war der Kurznachrichtendienst der einzige Weg, auf dem er seine Frau im Westminster-Chaos erreichen konnte.
Es gibt tatsächlich einen Tweet, in dem so etwas steht, sogar von heute:
Das Wort “Parody” könnte ein entscheidender Hinweis sein. Das gilt übrigens auch für diesen Account, liebe “Süddeutsche”.
Mit Dank an Fabian P. für den Hinweis!
Nachtrag, 23:24 Uhr: Die Redaktion von Süddeutsche.de hat auf unseren Hinweis reagiert und den Text korrigiert. Im Sinne der Transparenz steht am Ende des Artikels nun dieser Hinweis:
In einer früheren Version des Textes wurde ein Tweet zitiert, den wir dem Ehemann von Theresa May zugeordnet haben. Dabei handelte es sich jedoch um einen Satire-Account. Deshalb haben wir die Passage gelöscht.
Und auch auf der Startseite ist der falsche Hinweis auf Theresa Mays Ehemann nun verschwunden.
1. Redakteursvertreter befürchten “absichtliche Zerstörung” des ORF (derstandard.at)
Redakteure schlagen Alarm: Dem ORF drohe die “größte existenzielle Krise seit Bestehen”. In einer Resolution beklagen sie die kontinuierliche Reduktion der journalistischen Arbeitsplätze sowie die Auslagerung von Informationsprogrammen: “Wir befürchten die absichtliche Zerstörung des öffentlich-rechtlichen Senders — über einen wirtschaftlichen und politischen Zangenangriff. (…) Währenddessen bauen die Regierungsparteien systematisch ihre PR-Stellen aus.”
3. Ein ungutes Gefühl im Bauch (jmwiarda.de, Jan-Martin Wiarda)
Einer Juristin wurde von der Internet-Plattform “VroniPlag Wiki” vorgeworfen, sowohl bei der Promotion als auch bei der Habilitation plagiiert zu haben. Als Medien darüber berichteten, ging die Juristin dagegen juristisch vor und bekam zunächst Recht. Der Journalist Jan-Martin Wiarda kommt bei dem Konflikt zwischen Pressefreiheit und Persönlichkeitsrecht zu keinem eindeutigen Ergebnis und befindet schlussendlich: “Ich habe keine Antworten. Nur ein ungutes Gefühl im Bauch.”
4. Neues aus dem Fernsehrat (29): Von “funk” für die Zukunft öffentlich-rechtlicher Medien lernen (netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Seit zwei Jahren existiert das öffentlich-rechtliche Jugendangebot “funk”. Zeit für eine Zwischenbilanz, findet Leonhard Dobusch. Als reines Online-Angebot sei “funk” in vielerlei Hinsicht wegweisend für Öffentlich-Rechtliche im Netz. Potentiale jenseits von YouTube und Facebook würden jedoch bislang nicht genutzt. Dobusch hat Ideen, wie sich das ändern ließe.
5. “Fake-Informationen bedrohen das Leben von Patienten” (vocer.org, Nicola Kurth)
Der diesjährige #Netzwende-Award ging an das von den Wissenschaftsjournalisten Nicola Kuhrt und Hinnerk Feldwisch-Drentrup gegründete Projekt “MedWatch”, das sich für verlässliche Gesundheitsinformationen im Netz einsetzt. Warum Gesundheitsinformationen im Netz journalistische Kontrolle brauchen, erklärte Mitgründerin Kuhrt beim “Vocer Innovation Day” in Hamburg.
6. Die Financial Times hat einen Bot entwickelt, der warnt, wenn nur männliche Experten zu Wort kommen (piqd.de, Simon Hurtz)
Bei der britischen Zeitung “Financial Times” warnt eine Analyse-Software (Bot), wenn nur männliche Experten zu Wort kommen. Der Journalist Simon Hurtz kommentiert: “Der Bot kann keine strukturellen Probleme innerhalb der Redaktionen lösen. Aber ich glaube, dass es manchmal schon reicht, daran erinnert zu werden, Frauen zu zitieren. Gerade im Alltagsstress vergisst Mann (und manchmal auch Frau) das oft, ohne dass Absicht dahinter steckt. Vielleicht kann die Financial Times den Code veröffentlichen, sodass andere Medien vergleichbare Mechanismen implementieren können.”
Vergangene Woche, am späten Mittwochabend, hat ein ehemaliger Soldat in der südkalifornischen Stadt Thousand Oaks auf die Gäste einer Country Music Bar geschossen und dabei mindestens zwölf Menschen getötet.
Die deutschen Medien berichteten über diesen Vorfall zum Beispiel so:
(in dieser Reihenfolge: FAZ.net, n-tv.de, tagesschau.de, heute.de, Tagesspiegel.de)
Nun ist so ein tragisches Ereignis nicht unbedingt der beste Moment für Wortklaubereien, aber diese Schlagzeilen sind andererseits ein passender Anlass, das Wort “Schießerei” einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.
Der Begriff “Ballerei” zeigt, in welchem Sinne die erste Bedeutung zu verstehen ist.
Das bedeutet nicht zwingend, dass der Begriff “Schießerei” im Zusammenhang mit dem Verbrechen in Thousand Oaks falsch verwendet wird, aber angesichts der Tatsache, dass Begriffe wie “Messerstecherei”, “Schlägerei” oder “Prügelei” ja eigentlich ausschließlich zur Beschreibung einer Auseinandersetzung verwendet werden, haben wir uns gefragt, wie Redaktionen mit einem solchen Begriff umgehen — und die Frage entsprechend auch Redaktionen gestellt.
Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat in ihren internen Standards eine klare Definition, was eine “Schießerei” ist:
Schießerei
Eine Schießerei ist ein Schusswechsel. Wir sprechen also von einer Schießerei, wenn zwei oder mehr Seiten sich gegenseitig beschießen, nicht aber, wenn nur eine Seite (wiederholt) feuert.
Zwar führt der Duden als Bedeutung auch “dauerndes Schießen” auf — allerdings mit dem Zusatz “meist abwertend”. So mag es sprachlich korrekt sein, über eine Jagd zu sagen: “Diese idiotische Schießerei”. Dies rechtfertigt aber nicht, von einer Schießerei zu sprechen, wenn zum Beispiel Polizisten auf einen Verdächtigen geschossen haben, ohne dass dieser das Feuer erwiderte.
Besonders vorsichtig müssen wir bei der Übersetzung des englischen “shooting” sein, das sowohl für einen Schusswechsel als auch eine einseitige Schussabgabe stehen kann.
Trotz klarer Regeln könne man nicht vollständig ausschließen, dass sich der Begriff nicht doch mal in Meldungen einschleiche, hat uns dpa-Nachrichtenchef Froben Homburger auf Anfrage erklärt. Insbesondere in ersten Meldungen, wenn die Lage noch unübersichtlich sei, könne dies mitunter passieren. Bei Hinweisen auf eine Verwendung des Begriffs, die nicht den eigenen Standards entspricht, würden die Meldungen sofort korrigiert. Im aktuellen Fall lauteten die Überschriften der dpa-Meldungen aber etwa “Schüsse in Bar in Kalifornien” oder “Polizei: 13 Tote nach Schüssen in Bar in Kalifornien”.
Etwas anders sah es beim deutschsprachigen Dienst der Agence France-Presse (AFP) aus, der zunächst von einer “Schießerei” geschrieben hatte. Aber auch dort ist man sich der Problematik des Begriffs bewusst, wie Geschäftsführer und Chefredakteur Andreas Krieger auf unsere Anfrage antwortet:
Wir verwenden den Begriff “Schießerei” nur in bestimmten Fällen, da er nicht präzise ist. Dies gilt etwa, wenn — wie im vorliegenden Fall — zu einem frühen Zeitpunkt der Tathergang noch nicht klar zu erkennen ist. In den ersten Meldungen der Feuerwehr von Thousand Oaks hieß es: “Firefighters and first responders are arriving on scene of a report of a shooting at an establishment.” Diese Quelle war die Grundlage für unsere anfängliche Berichterstattung. Nachdem zuverlässige Quellen — Feuerwehr, Zeugen und der örtliche Sheriff — bestätigten, dass ein bewaffneter Mann in die Disko eingedrungen war und den Angriff verübt hatte, berichteten wir dies und verwendeten den Begriff “Schießerei” nicht weiter.
Bei tagesschau.de ist der Begriff “Schießerei” im Laufe des Donnerstags aus dem Artikel verschwunden, noch bevor “Tagesschau”-Chefredakteur Kai Gniffke unsere E-Mail gelesen hatte. Eine Antwort auf unsere Anfrage haben bisher leider noch nicht erhalten, die “Tagesschau”-Redaktion hat aber angekündigt, uns über die internen Abstimmungen zum Begriff auf dem Laufenden zu halten.*
Auch beim ZDF haben wir nachgefragt und diese Antwort erhalten:
Die Redaktion heute.de ringt täglich um möglichst treffende Begriffe und Formulierungen. Gerade bei Gewalttaten ist das eine besondere Herausforderung, sind Ablauf, Hintergründe und Motivlage doch zunächst meist völlig unklar. “Amoklauf”, “Terroranschlag”, “Angriff”? Richtig ist, dass die — zumindest breiter gefasste — Begrifflichkeit “Schießerei” auch als Schusswechsel verstanden werden kann. Es muss immer im Einzelfall entschieden werden, welche Wortwahl am präzisesten den Sachverhalt spiegelt.
Im konkreten Fall hat sich die Redaktion offensichtlich gegen den Begriff entschieden, denn er taucht in der aktualisierten Fassung des Artikels nicht mehr auf. Und auch ein Artikel vom vergangenen Wochenende, dessen Überschrift zunächst “Tote bei Schießerei in Florida” gelautet hatte, ist jetzt mit “Tödliche Schüsse in Florida” überschrieben.
Der “Tagesspiegel” schrieb uns:
[W]ir beim Tagesspiegel haben gerade über Ihre Mail zum Thema “Schießerei” gesprochen und Ihren Denkanstoß gerne und dankbar aufgenommen.
“Schießerei” impliziert einen “Schusswechsel”. Ihr Vergleich mit “Prügelei” und “Schlägerei” etwa ist da sehr treffend. Insofern haben wir unsere Zeile in diesem Fall auch geändert.
Bei solchen Vorfällen ist es aber oft so, dass die Hintergründe zunächst unklar sind. Dann wird schnell erst einmal auch bei den Agenturen von “Schießerei” geschrieben.
Auch bei n-tv.de hat es offensichtlich eine Diskussion über den Begriff gegeben, denn obwohl wir dort gar nicht nachgefragt hatten, ist im dortigen Artikel inzwischen nicht mehr von einer “Schießerei” die Rede.
Von den oben gezeigten Beispielen verwendet nur noch FAZ.net den Begriff “Schießerei” in der Dachzeile. Von dort haben wir bisher auch noch keine Antwort auf unsere Anfrage erhalten.
Da der Begriff “Schießerei” natürlich nicht nur im aktuellen Fall verwendet wurde, haben wir auch beim RBB nachgefragt, der am vergangenen Mittwoch zum Beispiel eine Meldung über einen Mann, der in Blankenfelde-Mahlow angeschossen wurde, unter dieser Überschrift bei rbb24.de veröffentlicht hatte:
Eine Antwort haben wir bisher nicht erhalten.**
*Nachtrag, 14. November: Wie angekündigt, hat auch die “Tagesschau”-Redaktion noch geantwortet. Chef vom Dienst Andreas Werner schreibt heute auf unsere Anfrage:
Bei der “Tagesschau” verwenden wir den Begriff “Schiesserei” in der Regel nicht! Er trifft nur selten das Geschehen, ist ungenau oder gar falsch. Ob Amoklauf oder politisch motivierter Angriff (etwa in Schulen oder auch kürzlich in einer Synagoge in den USA) — wir bemühen uns, möglichst schnell, das, was passiert, auch begrifflich präzise zu benennen! “Schiesserei” verharmlost meistens Tathergänge. Allerdings neigen etwa amerikanische Medien dazu, in ersten Eil-Meldungen den Begriff “Schiesserei” zu benutzen — häufig, weil das Geschehen noch unklar ist. Und die Versuchung ist groß, das Unklare in unklare Begriffe zu Hüllen. Wir machen es uns zur Aufgabe, dem nicht zu erliegen. Und fast immer gelingt es uns — auch wenn die Faktenlage noch nebulös ist.
Korrektur, 14. November: Wir hatten AFP-Geschäftsführer Andreas Krieger aus Versehen zuerst Christian Krieger genannt. Wir bitten Herrn Krieger sowie unsere Leserinnen und Leser für diesen Fehler um Entschuldigung!
**Nachtrag, 19. November: Inzwischen hat auch der RBB auf unsere Anfrage reagiert. Wolfram Leytz, Leiter von rbb24, schreibt:
Es gibt keine grundsätzliche Entscheidung zur Verwendung von Begriffen wie Schießerei. Es gilt eher die grundsätzliche Regel: So korrekt wie möglich (zum Beispiel im Sinne der Definition des Duden oder auch des StGB bei Straftaten), aber auch so lebensnah verständlich für den Nutzer wie möglich.
1. “Wir haben in Amerika eine Art Bürgerkrieg” (deutschlandfunk.de, Michael Köhler, Audio, 11:48 Minuten)
“Es ist eine Art Krieg geworden. Wir haben in Amerika eine Art Bürgerkrieg” — die deutsch-amerikanische Schriftstellerin Irene Dische findet im “Deutschlandfunk” deutliche Worte zur Ära Trump. Teile der Presse seien mittlerweile eingeknickt, die Demokratie bedroht. Disches Optimismus sei der Angst gewichen, dass alles noch viel schlimmer kommen könne.
2. “Welt”-Redakteur erbricht sich in Debatte über rechte Bücher (uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die “Welt am Sonntag” hat ihren Autor Frédéric Schwilden nach München geschickt, um dort jener Buchhandlung einen Besuch abzustatten, in der Autorin Margarete Stokowski wegen des Angebots rechter Schriften nicht lesen wollte. Bei der Lesungsabsage hatte es sich um eine individuelle und persönliche Entscheidung gehandelt, die nachträglich zum Skandal hochgejazzt wurde. Man könnte über Schwildens Text, der sich teilweise wie eine mehr oder weniger gelungene Popliteratur-Parodie liest, lachen, wenn er nicht so viel Falsches und Böses enthielte. Boris Rosenkranz hat es auf sich genommen, sich mit dem Beitrag auseinanderzusetzen. Ein Beitrag, in dem nicht nur im übertragenen Sinn viel rumgekotzt wird.
3. Tagessatz von 1.428 Euro Krisenberater soll überforderter Bauhaus-Führung beistehen (mz-web.de, Hagen Eichler)
Eigentlich sollte vor drei Wochen ein vom ZDF übertragenes Konzert der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet stattfinden, doch die Direktorin des Bauhaus Dessau sagte ab. Sie befürchtete Demonstrationen vor der Tür, die von rechten Gruppierungen im Falle des Konzerts angekündigt waren. Die Absage wurde stark kritisiert, auch mit Hinweis auf die Tradition und Geschichte des Hauses. Um das medial angeschlagene Image von Haus und ihr selbst wieder aufzubessern, hat die Direktorin nun für einen Tagessatz von 1.428 Euro einen “Krisenberater” angeheuert. Rund zwei Wochen soll der nun im Einsatz sein.
4. Plagiatsfall: Warum dpa die «Taxi-Queens»-Berichte zurückgezogen hat (dpa.com, Froben Homburger)
Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat Ende vergangener Woche vier Versionen eines Korrespondentenberichts aus Südafrika zurückgezogen. Bei der Story einer Hospitantin aus dem dpa-Büro Johannesburg habe es sich um ein Plagiat eines Artikels aus dem Jahr 2010 gehandelt. Nachrichtenchef Froben Homburger erklärt, wie es dazu kommen konnte, wie die Agentur reagiert hat und wie man solche Pannen zukünftig vermeiden will.
5. «Chinesen sehen Europa auf dem Weg in den Ruin» (nzz.ch, Ronnie Grob)
Kaum jemand im Westen kennt sich dermaßen gut mit Chinas größtem sozialen Netzwerk Weibo aus wie die Japanologin und Sinologin Manya Koetse, die dazu ein eigenes Blog unterhält. Im Gespräch mit der “NZZ” geht es unter anderem um die Themen bei Weibo, das chinesische Social-Credit-System, Zensur und den Blick der Chinesen auf Europa. Aber es geht auch um den Blick westlicher Journalisten auf China, den Koetse wie folgt charakterisiert: “Es ist eine Beobachtung, die ich häufig mache: Entweder wird anklagend berichtet, oder man will sich lustig machen. Wer aber stets nur mit westlichem Bias und Framing an Storys herangeht, verpasst wichtige Entwicklungen: zum Beispiel, wie sehr die innerchinesische Propaganda ihre Form ändert, wie sie spielerischer wird, witziger, geschickter. Propaganda findet längst nicht mehr auf dumpfen Propagandapostern statt, sondern in Apps, im Internet, in TV-Shows.”
Weiterer Lesetipp: Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua hat ein virtuelles Programm vorgestellt, das in Zukunft die Arbeit von Moderatoren übernehmen könnte: Der gefügigste Nachrichtensprecher der Welt (sueddeutsche.de, Lea Deuber).
6. Danny da Costa FTW! (twitter.com/sportschau)
Der 25-jährige Fußballspieler Danny da Costa steht beim Bundesligisten Eintracht Frankfurt unter Vertrag. Dass da Costa nicht nur gut Fußball spielen, sondern auch bestens Interviews geben kann, beweist er auf besonders eindrückliche Weise: Er stellt sich einfach selbst die zu erwartenden Reporterfragen.
Bei FAZ.net gibt es die Rubrik “Wie erkläre ich’s meinem Kind?”, die Redaktion verspricht dort “einfache Antworten auf kniffelige Fragen”. Zum Beispiel: “Warum wir eine Gänsehaut bekommen”. Oder: “Wann die Menschen zu lesen begannen”. Die aktuellste Ausgabe der “einfachen Antworten” hat FAZ.net bei Twitter gestern Abend so angekündigt:
Die Reichspogromnacht, bei der “es ein bisschen wie bei jeder Prügelei auf dem Schulhof” gewesen sein soll? Ein Nazi-Verbrechen mit vielen Todesopfern, Verhaftungen Unschuldiger, brennenden Synagogen und zerstörten Geschäften jüdischer Mitbürger, bei dem “es ein bisschen wie bei jeder Prügelei auf dem Schulhof” gewesen sein soll? Die FAZ.net-Redaktion hat den Tweet später aus guten Gründen gelöscht und “für die verkürzte Darstellung und den ungewollten Vergleich” um Verzeihung gebeten (wobei wir uns durchaus fragen, was an einem Vergleich von Schulhofprügeleien und Novemberpogrom eine “verkürzte Darstellung” sein soll und wie ein “ungewollter Vergleich” in einem per Hand verfassten Tweet landet).
Tweet gelöscht, um Entschuldigung gebeten — also wieder alles in Ordnung? Leider nicht. Denn erstens findet man den grausigen Vergleich noch immer auf FAZ.net.* Und zweitens ist der dazugehörige Text zwar längst nicht so schlimm wie die Ankündigung bei Twitter, diskussionswürdig ist er trotzdem.
Im Artikel von Julia Schaaf geht es hauptsächlich um Gruppendynamiken, um Mitläufer und Mittäter und um die Frage, “warum Gewalt ansteckend sein kann”. So steht es auch in der Überschrift:
Schon klar: Schaafs Text richtet sich an Kinder und muss allein daher etwas vereinfachen. Zur Veranschaulichung hätte sie sicher einige konkrete Beispiele finden können. Etwa die Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel, wo wohl auch Menschen an Plünderungen teilgenommen haben, die vermutlich nicht mit dieser Absicht ins Hamburger Schanzenviertel gefahren sind und sich erst vor Ort dazu entschieden haben mitzumachen. Oder die Prügeleien bei Fußball-Welt- beziehungsweise -Europameisterschaften.
Stattdessen wählte Schaaf die Reichspogromnacht. Und da liegt bereits das Problem: Die Wahl dieses Beispiels für eine Erläuterung des Phänomens Gruppendynamik reduziert eines der schlimmsten Verbrechen der deutschen Geschichte auf diesen Teilaspekt. Dadurch verschiebt sich der Fokus bei der Betrachtung der Reichspogromnacht im Artikel. Schaaf schreibt, “dass sich unter die plündernden Horden ganz normale Jugendliche mischten” — ihr Hauptthema lautet schließlich: Gruppendynamik. Doch das trifft den Kern nicht: Die Reichspogromnacht war eine staatlich organisierte Aktion, landesweit konzertiert, propagandistisch vorbereitet, antisemitisch motiviert, mit einer menschenverachtenden Ideologie versehen. Gruppendynamiken haben bestimmt auch eine Rolle gespielt, aber nicht die entscheidende.
So bleibt auch im Artikel der unglückliche Dreiklang: Reichspogromnacht – Gruppendynamik – Schulhofkeilerei. Im überarbeiteten Teaser heißt es bei FAZ.net:
In Gruppen kann es manchmal passieren, dass selbst friedliche Menschen brutal werden. Das ist vor achtzig Jahren passiert, und ab und zu passiert es heute sogar auf dem Schulhof.
*Nachtrag, 13:42 Uhr: Die Redaktion von FAZ.net hat reagiert und nun auch diese Stelle aktualisiert.
1. Trumps perfider Umgang mit Medien (taz.de, Peter Weissenburger)
Bei einem Pressekonferenz mit US-Präsident Donald Trump kam es zum Eklat: Nachdem der CNN-Korrespondent Jim Acosta einige unbequeme Fragen gestellt hatte, wollte ihm eine Praktikantin das Mikrophon entwinden, was Acosta nicht zuließ. Ihm wurde danach seine Akkreditierung entzogen. Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders veröffentlichte zur Begründung einen Filmmitschnitt, der zeigen soll, wie Acosta der Praktikantin angeblich eine Art Handkantenschlag verpasst. Das Video stammt von der ultrarechten Webseite “Infowars” und wurde zur Effektverstärkung möglicherweise manipuliert.
Weiterer Lesehinweis: Bei t-online.de gibt es einen Beitrag, der nicht nur den Ablauf schildert, sondern auch die verschiedenen Videos gegenüberstellt: Weißes Haus postet Video von Verschwörungsseite.
2. Urheberrecht: Ärger im EU-Parlament über verwässerten Schutz für Künstler (netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Bei der großen Urheberrechtsreform der EU ging es auch um den Schutz von Kunstschaffenden vor unfairen Verträgen und Ausbeutung. Wie sich nun herausstellt, wurden diese Passagen bei Geheimgesprächen still und heimlich gestrichen. Entsprechend sauer reagieren einige Parlamentarier. Tiemo Wölken (SPD) schreibt: “Viele Kolleginnen und Kollegen haben dem Parlamentstext am Ende nur zugestimmt, weil die Bestimmungen den Schutz der Künstlerinnen und Künstler klar verbessert haben. Eine Verwässerung dieser Bestimmungen, die der Berichterstatter Voss bereit ist im Trilog einzugehen, wird zur Folge haben, dass die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten am Ende nicht mehr zustimmen können.”
3. Nur sieben Monate nach Start: Chefredakteurinnen verlassen Watson.de – Arne Henkes übernimmt (meedia.de, Marvin Schade)
Als der Werbevermarktungs-Riese Ströer vor sieben Monaten das Jugendportal Watson.de eröffnete, besetzte er die Chefredaktion mit zwei erfahrene Profis: Gesa Mayr kam vom “Spiegel Online”-Ableger “Bento”, Anne-Kathrin Gerstlauer stieß von “Zeit Campus” hinzu. Nun verlassen beide Chefredakteurinnen das Portal. Als Grund gibt Gesa Mayr auf ihrer Facebookseite die “unterschiedliche Auffassung der Ausrichtung der Redaktion” an.
4. Merkel-Nachfolge: Die Medienstrategien der Kandidaten (ndr.de, Aimen Abdulaziz-Said & Sabine Schaper)
Das TV-Magazin “Zapp” hat sich angeschaut, mit welchen Medienstrategien um die Merkel-Nachfolge in der CDU gerungen wird. Vor allem Friedrich Merz gehe recht trickreich vor. Er habe sein Comeback mit Hilfe einer Frankfurter Agentur als geschickten PR-Coup gestaltet. Spahns Kandidatur sei im Vergleich zu Merz hingegen verpufft. Annegret Kramp-Karrenbauer habe anfangs im medialen Abseits gestanden. Ihre Zurückhaltung müsse jedoch kein Nachteil sein, so ein kommentierender “Spiegel”-Journalist.
5. Große Freiheit (sueddeutsche.de, Ronen Steinke)
“Lichtblick” heißt die Gefangenenzeitung, die seit 50 Jahren aus der größten deutschen Haftanstalt in Berlin-Tegel berichtet. Vier- bis sechsmal pro Jahr schreiben hier Gefangene für Gefangene unzensiert und legen sich dabei auch schon mal mit Ministerinnen und Senatoren an. Stolze 5.000 Exemplare des “Lichtblicks” werden gedruckt und finden auch Leserinnen und Leser außerhalb der Gefängnismauern. Das Abonnement ist kostenlos, dank Werbeanzeigen von Anwälten.
6. Verschwende deine Jugend (zeit.de, Josa Mania-Schlegel)
Ein Dokumentarfilm über eine Youtube-Clique hat den Hauptpreis des Leipziger Dok-Filmfestivals gewonnen und gleichzeitig einen Skandal ausgelöst. In “Lord of the Toys” reden die Protagonisten in einem rassistischen, rechtsextremen und menschenverachtenden Jugendslang miteinander. Worte wie “Jude” und “Schwuchtel” würden beispielsweise als alltägliche Schimpfworte benutzt. Den Filmemachern wird nun vorgeworfen, dies abgefilmt, aber nicht kommentiert zu haben.
1. “Sie sind eine furchtbare, unverschämte Person” (spiegel.de)
Bei einer Pressekonferenz des US-Präsidenten Donald Trump kam es zum Eklat: Trump unterstellte den Medien “Feindseligkeit” und teilte auf unsägliche Weise gegen einen CNN-Journalisten aus. Dem Reporter wurde anschließend “bis auf Weiteres” die Akkreditierung entzogen. Der Verband der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten (WHCA) nannte den Entzug der Akkreditierung “schwach und fehlgeleitet”, was den Präsidenten jedoch voraussichtlich nicht stören oder gar zu einer Änderung seines Verhaltens veranlassen wird.
Weitere Leseempfehlung: In Das Rezept von Diktaturen (spiegel.de) beschreibt Georg Diez, wie US-Medien wie der TV-Sender Fox News sich zu Trump-Handlangern machen und von der Information zur Indoktrination umschwenken.
2. Darf man neben Rechten lesen? (deutschlandfunkkultur.de, Thorsten Jantschek)
Nachdem die Autorin Margarete Stokowski erfahren hatte, dass in einer Buchhandlung Bücher aus dem rechtsextremen Spektrum verkauft werden, sagte sie ihre dort geplante Lesung ab. Durfte sie das? Ja, findet Thorsten Jantschek, sieht das Problem jedoch mehr in der Kanonisierung rechten Denkens und rechter Literatur als in der Tatsache, dass die Buchhandlung derartige Bücher überhaupt anbietet.
3. “Eine enorme Diskrepanz, die zulasten der Qualität geht” (dwdl.de, Torsten Zarges & Thomas Lückerath)
“Ihre Serie bedient leider keines der Klischees, die wir in den vergangenen Jahren mit unseren Arztserien gesetzt haben. Deshalb verspricht sie kein Publikumserfolg zu werden.” Beim “DWDL”-Fiction-Gipfel diskutierten drei Produzenten und zwei Drehbuchautoren über die Missachtung mancher Erfolgsserien, neue Genre-Trends, die Zukunft des 90-Minüters und die dramatische Unterfinanzierung der Stoffentwicklung.
4. Ein Thread über Plastikverzicht und meine Lokalzeitung, das Hamburger @Abendblatt. (twitter.com/hzulla)
Hanno Zulla ist ein treuer Leser des “Hamburger Abendblatts” und verfolgt dort besonders gern die Beiträge über die notwendige Reduzierung von Plastikmüll und die damit einhergehenden Aufforderungen zum Plastikverzicht. Die Beiträge erreichen ihn jedoch in Plastik verpackt.
5. Wie ist das Verhältnis von Bayer zu Journalisten, Herr Maertin? (journalist-magazin.de, Henning Kornfeld)
Das Medienmagazin “journalist” bringt ein ausführliches Interview mit dem Presse- und Kommunikationsverantwortlichen des Bayer-Konzerns. Bayer hatte kürzlich den Glyphosat-Hersteller Monsanto übernommen, beschäftigt rund 100.000 Mitarbeiter und zählt zu den wertvollsten deutschen Dax-Unternehmen. Im Gespräch geht es um sogenannte Qualitätsmedien, Kritikfähigkeit und die Frage, ob Bayer in Zukunft noch Journalistinnen und Journalisten benötigt.
6. Tendenz zum Schmutzwäsche-Waschen (deutschlandfunk.de, Arno Orzessek, Audio, 5:09)
Ob “Goldene Kartoffel”, “Sprachpanscher des Jahres”, “Goldene Himbeere”, “Big Brother Awards”, “Saure Gurke” oder “Rosa Handtaschl”: Es gibt derzeit zahlreiche Negativpreise. Arno Orzessek fragt sich, was die Schmähpreise bewirken, außer dass sie die Aufmerksamkeit auf das Falsche lenken würden.