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“Bild” lässt Spanner durch unscharfes Fernrohr gucken

Um den Zustand der Dauererregung in “Bild” und bei Bild.de aufrechtzuerhalten, müssen die Redaktionen auch mal auf kleinere Aufreger und Skandale zurückgreifen. Was bei den kleinen Aufregern aber genauso gilt wie bei den großen: Die Mitarbeiter der “Bild”-Medien arbeiten ausgesprochen schlampig, lassen entscheidende Infos weg und biegen sich die Sache so, dass es zum Skandal/Skandälchen reicht.

Hier zum Beispiel:

Screenshot der Bild.de-Startseite - Das Böse Auge von Stuttgart - Neues Fernrohr zieht Spanner an

“DAS BÖSE AUGE” war gestern auch großes Thema in der Stuttgart-Ausgabe der “Bild”-Zeitung:

Ausriss Bild-Zeitung - Das Böse Auge von Sillenbuch

Die Stadt Stuttgart hat im Stadtbezirk Sillenbuch ein neues Fernrohr aufgestellt. Es steht an einem neu gestalteten Platz, der nach einem ehemaligen Ortsvorsteher, benannt ist. Der Mann war auch Winzer. Daher wollte das Stuttgarter Gartenamt durch das Fernrohr den Blick auf die umliegenden Weinberge ermöglichen.

Soweit die Idee. Laut “Bild”-Medien aber werde das Rohr von Spannern missbraucht. Denn der Johann-Heinrich-Strauß-Platz befindet sich in einem Wohngebiet. In einer Bildunterschrift schreiben “Bild” und Bild.de zum Beispiel:

Das neue Fernrohr steht mitten in einem Wohngebiet in Stuttgart-Sillenbuch, wo sich die Anwohner jetzt vor neugierigen Blicken fürchten

Im Artikel heißt es:

Aber was sucht dieses Teleskop mitten in einem Stuttgarter Wohngebiet? Das böse Auge von Sillenbuch — es zieht Spanner an!

Spanner, Angst und Furcht in Sillenbuch!

Der Haken: Rund ums Rohr gibt’s fast nur Wohngebäude zu sehen. Hinter Gardinen huschen die Menschen in Deckung, haben Angst vor den neugierigen Blicken aus dem Teleskop.

Die “Bild”-Medien haben sogar eine Anwohnerin gefunden, die erzählt:

“Ständig sehe ich Leute am Rohr, die in Richtung Häuser blicken. Meine Fenster sind zum Glück hinter Büschen.”

Das klingt ja alles so, als würden aktuell reichlich Spanner ihr Unwesen treiben und in die umliegenden Häuser glotzen können.

Wir haben bei der Stadt Stuttgart und beim Stuttgarter Gartenamt nachgefragt. Es kann durchaus sein, dass Leute an dem Fernrohr standen. Dass sie aktuell in die Häuser gucken können, sei hingegen ausgeschlossen. Und das auch schon seit gut eineinhalb Wochen. Die Linse sei seitdem nämlich durch Mitarbeiter der Stadt absichtlich unscharf gestellt worden. Man habe das Fernrohr Anfang September installiert, allerdings komplett verpackt, da es noch nicht verwendet werden sollte, solange es nicht so fixiert wurde, dass man ausschließlich auf die Weinberge schauen kann. Diese Verpackung sei unerlaubterweise von irgendjemandem entfernt worden — woraufhin das Gartenamt das Fernrohr unscharf gestellt habe. Gestern sei es dann komplett abgebaut worden. Nächste Woche sollen die Bauteile eintreffen, die für die Fixierung notwendig seien. Dann werde das Fernrohr wie geplant aufgebaut und fixiert werden.

“DAS BÖSE AUGE VON STUTTGART” ist also vor allem ein extrem blindes und inzwischen abmontiertes Auge, das sich für Spanner schon länger überhaupt nicht lohnt. Deutlich ergiebiger als ein Blick durch das Fernrohr in Sillenbuch wäre da schon ein Besuch bei Bild.de. So sah die Startseite gestern rund um die Fernrohr-Geschichte aus:

Screenshot Bild.de - Erneut die Schlagzeile Das Böse Auge von Stuttgart - Neues Fernrohr zieht Spanner an, daneben eine andere Geschichte: Strand-Striptease - Liz Hurley lüftet aus - dazu ein Foto von Liz Hurley in Bikini

Digitalsteuerbremse Scholz, Höhle der Werbung, Baby-Bär bedrohnt

1. Sozialdemokrat und Wirtschaftsfreund: Olaf Scholz bremst EU-Digitalsteuer
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Monatelang haben die EU-Staaten an einem Konzept zur Besteuerung der Internetgiganten wie Facebook und Google gebastelt, die sich bislang mit trickreichen Modellen vor der Zahlung von zig Milliarden Euro Steuergeldern gedrückt haben. Nun hat ein Finanzminister eines Landes möglicherweise alle Bemühungen zunichte gemacht und das Projekt perfide torpediert: Statt der eigentlich versprochenen Digitalsteuer fabuliert er auf einmal vage von einer “globalen Lösung”, die der Wirtschaft nicht schaden dürfe. Es handelt sich um den Finanzminister Deutschlands, sein Name ist Olaf Scholz, und er ist SPD-Mitglied.

2. Stimmungsmache mit Messer-Migranten
(ard-wien.de, Srdjan Govedarica)
Das österreichische Boulevardblatt “Kronenzeitung” fällt mal wieder mit einem reißerischen und alarmistischen Artikel auf. Angeblich würde der Durchbruch von 20.000 bewaffneten Migranten aus dem bosnisch-kroatischen Grenzgebiet Richtung Mitteleuropa bevorstehen. Das ARD-Studio Wien war selbst im Grenzgebiet und hat UNHCR sowie das Wiener Innenministerium zu den Angaben in der “Kronen”-Story befragt. Eine Geschichte, die nach genauerer Betrachtung in sich zusammenfällt.

3. Floskel des Monats: rote Linie
(journalist-magazin.de)
Aktuelle Floskel des Monats beim Medienmagazin “journalist” ist die “rote Linie”. Floskelspezialisten Sebastian Pertsch und Udo Stiehl verraten, wann erstmals rote Linien gezogen wurden und wo sie heute gezogen werden. Ihr Resümee: “Die rote Linie hat den Rubikon schon längst überschritten.”
Weiterer Lesetipp: Heinrich Vogler beschäftigt sich mit der üppigen Bildsprache im Wirtschaftsjournalismus: Blumiges aus dem Wirtschaftsressort (infosperber.ch).

4. Warum ist die “Höhle der Löwen” keine Dauerwerbesendung?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Müssten Sendungen wie die “Höhle der Löwen”, in denen dauernd Werbung gemacht wird, nicht konsequenterweise als Dauerwerbesendung bezeichnet und durch entsprechende Einblendung gekennzeichnet werden? Alexander Krei hat bei Sendungsmachern und Landesmedienanstalten nachgefragt.

5. Riesenzeit
(sueddeutsche.de, Stefan Fischer)
Angesichts des wachsenden Interesses an Podcastproduktionen klingt es widersprüchlich, doch das Hörspiel ist so stark bedroht wie noch nie. Die Sender reduzieren aus Kostengründen die Anzahl der Produktionen und gleichzeitig verabschieden sich Dramaturgen in den Ruhestand, deren Stellen oft nicht neu besetzt werden. Derzeit entstehe eine Schieflage mit wenigen Riesen-Hörspielen bei gleichzeitigem Rückgang des Produktionsvolumens.

6. The Problem Behind a Viral Video of a Persistent Baby Bear
(theatlantic.com, Ed Young)
Vielleicht ist Euch in den vergangenen Tagen auch das anrührende Video des Braunbär-Babies begegnet, das nach einem Fehltritt einen steilen Felsabhang hinunterrutscht und sich auf gefährlichem Wege tapfer wieder zu seiner Mutter hoch kämpft. Biologen haben einen anderen Blick auf das Rührstück: Dass die Bären überhaupt in diese für sie kritische Situation gekommen sind, liege an der Drone, mit der die Szene gefilmt wurde. Diese sei von den Bären als Bedrohung empfunden worden und Auslöser der gefährlichen Situation gewesen.

Streit um Absage, Mission Wahrheit, YouTube-Paniker

1. Wir veröffentlichen: Wie sich die AfD ihre eigene Verfassungsfeindlichkeit bescheinigen lässt
(netzpolitik.org, Andre Meister & Anna Biselli)
Die AfD will verständlicherweise vermeiden, vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden. Auch weil dies Wählerstimmen kosten könnte. Die Partei hat deshalb ein Gutachten erstellen lassen. Dort gibt es 31 Handlungsempfehlungen, wie sich eine Beobachtung vermeiden ließe. Ohne zu viel zu verraten: Wenn sich die AfD an die Empfehlungen hält, könnte sich eine wohltuende Stille ausbreiten.

2. Margarete Stokowski zur Absage ihrer Lesung (28.11.2018)
(rowohlt.de, Margarete Stokowski)
Die Schriftstellerin und “Spiegel Online”-Kolumnistin Margarete Stokowski hat eine Lesung in einer Buchhandlung abgesagt, die auch Bücher von rechten und rechtsextremen Autoren zum Verkauf anbietet. Zwei Dinge stören sie: Die Normalisierung rechten Denkens und die finanziellen Gewinne für diese Autoren und Verlage. Die Buchhandlung reagierte auf die Absage mit einer öffentlichen Stellungnahme, auf die Stokowski nun ihrerseits öffentlich einsehbar reagiert hat.

3. YouTube-Stars verbreiten gerade massenhaft Panik ums ‘Ende von YouTube’
(motherboard.vice.com, Sebastian Meineck)
Wenn erfolgreiche YouTuber derzeit Videos verbreiten, in denen sie aufgeregt von der angeblich drohenden Stilllegung ihres Kanals berichten, liegt das an einem Missverständnis, das mit der angekündigten Urheberrechtsreform der EU zu tun hat. Es liegt aber auch daran, dass mit den überdrehten Panik-Videos massiv Klicks und Geld erzeugt werden. Sebastian Meineck erklärt die Sachlage und lässt verschiedene YouTuber zu Wort kommen.

4. Laudatio zur Verleihung der “Goldenen Kartoffel” 2018 an BILD-Chef Julian Reichelt
(neuemedienmacher.de, Sheila Mysorekar)
Die Verleihung des Negativpreises “Goldene Kartoffel” an “Bild”-Chef Julian Reichelt hatte für einigen Wirbel gesorgt, weil Reichelt zur Preisverleihung persönlich erschienen war und die Entgegennahme mit Hinweis auf einen angeblichen Rassismus gegen Deutsche verweigert hatte. Die Kartoffel-verleihenden “Neuen Deutschen Medienmacher” haben nun die komplette Laudatio zum Nachlesen online gestellt.

5. “Niemand kennt Hamburgs Straßen besser”
(deutschlandfunk.de, Stefan Koldehoff, Audio, 4:51 Minuten)
Das Hamburger Straßenmagazin “Hinz & Kunzt” wird 25 Jahre alt. Im “Deutschlandfunk” erzählt Chefredakteurin Birgit Müller, wie es zur Gründung des Magazins kam, welche Ziele man verfolgt und spricht über die zunehmende Verelendung auf Hamburgs Straßen.

6. Härtetest
(sueddeutsche.de, Holger Gertz)
Die Regisseurin Liz Garbus hat ein Jahr lang verschiedene Journalisten und Journalistinnen der “New York Times” bei ihrer Berichterstattung über Donald Trump begleitet. Herausgekommen ist die empfehlenswerte vierteilige Dokuserie “Mission Wahrheit – Die New York Times und Donald Trump”, die der Fernsehsender Arte heute Abend ausstrahlt.
Servicetipp: Man kann die Serie bis zum 5. Dezember 2018 auch online anschauen: Hier die Links:

Teil 1: Die ersten hundert Tage
, Teil 2: Aufschlag Trump, Teil 3: Zur Lage der Nation und Teil 4: Die Welt der Fakten.

Umstrittener Waldspaziergang, Späh-Export, Unpolitisch reanimiert

1. Waldspaziergang mit Höcke – der Spiegel als Klatschmagazin
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell)
“Deutschlandfunk”-Kolumnist Matthias Dell kritisiert den “Spiegel” für dessen jüngste Homestory mit AfD-Rechtsaußen Björn Höcke: “Spricht die Journalistin Höcke mal auf seine programmatischen Sätze an, redet der sich raus – wenig überraschend für den Leser. Für die „Spiegel“-Journalistin scheint das Ausweis ihrer Arbeit genug. Offenbar hat sie in den zurückliegenden Jahren nicht verstanden, dass die Strategie der AfD genau so funktioniert: Dem „Spiegel“ gegenüber wird anders geredet als in der Öffentlichkeit und zu den Anhängern. Auch über den „Spiegel“ übrigens. Scheint aber alles egal.”

2. Bundesregierung gegen Exportkontrolle
(reporter-ohne-grenzen.de)
Interne Verhandlungsprotokolle und Strategiepapiere der Bundesregierung beweisen, dass die Bundesregierung ein Projekt torpediert, das sie 2015 selbst angestoßen hatte: Die Reform der sogenannten Dual-Use-Verordnung, mit der die EU den Verkauf europäischer Spähsoftware an Staaten verhindern will, in denen Menschenrechte missachtet und Journalisten überwacht werden. “Reporter ohne Grenzen”-Chef Christian Mihr in einer Stellungnahme dazu: “Digitale Überwachung gefährdet die Arbeit von Journalisten auf der ganzen Welt und endet im schlimmsten Fall in Verfolgung und Folter. Es ist erschütternd, dass die Bundesregierung die Pläne der EU zugunsten von Industrieinteressen verwässern möchte.”

3. Polens Ministerpräsident sagt Medien in deutschem Besitz den Kampf an
(faz.net)
Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki stört sich an kritischen Medien. Besonders ärgern ihn polnische Medien in deutschem Besitz. Diese würden “interne Angelegenheiten Polens” beeinflussen und “die derzeitige Regierung angreifen”. Ein besonderer Dorn im Auge: Die deutsch-schweizerische Mediengruppe Ringier Axel Springer Media. Zu dem Unternehmen gehören das Wochenmagazin “Newsweek Polska”, die auflagenstarke Tageszeitung “Fakt” und das Online-Portal “Onet” — allesamt Medien, die kritisch über die Arbeit der rechtsnationalistischen Regierung berichten würden.

4. Klingeln ist zwecklos
(sueddeutsche.de, Thorsten Schmitz)
Mitten in Berlin residieren erfolgreiche Onlinemedien, die im Auftrag Russlands eine neue Art von Propaganda betreiben. Und dies recht erfolgreich: Allein der Facebookkanal “In the Now” hat mehr als 3,7 Millionen Abonnenten. Die Seite gehört zur Maffick GmbH, einem Klingelschildnachbar der Plattformen “Ruptly” und “Redfish”. Dass der russische Staat hinter diesen Onlinemedien in Berliner Bestlage steckt, würden diese mit großem Aufwand verschleiern. Dazu gehört anscheinend auch, Fragen von Journalisten abzublocken.

5. Eine Reanimation ist keine politische Demonstration
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Als ein Mitarbeiter einer Partei im Düsseldorfer Landtag mit schweren Herzproblemen zusammenbrach, retteten ihm zwei Landtagsabgeordnete mittels Herz-Druck-Massage und Mund-zu-Nase-Beatmung vermutlich das Leben. Eine schöne Geschichte, über die man unter verschiedenen Gesichtspunkten berichten könnte. So setzt sich die an der Rettung beteiligte Landtagsabgeordnete auch politisch dafür ein, dass mehr Menschen wiederbelebt werden können und will die Laienreanimation an Schulen in Nordrhein-Westfalen weiterentwickeln (PDF). Die Medien schmissen sich jedoch vor allem auf die Parteizugehörigkeit der Beteiligten. Stefan Niggemeier kommentiert: “Yüksel und Schneider verdienen jede Anerkennung, weil sie einem Menschen vermutlich das Leben gerettet haben, aber doch keine besondere Anerkennung, weil es ein AfD-Mann war. Im Gegenteil: Es entwertet ihren Einsatz, wenn man ihn nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Besonderheit feiert. Und wenn man ihren Akt der Lebensrettung als politische Lektion für AfD-Leute interpretiert.”

6. Nach Kritik: “Spiegel”, “Stern” und “Zeit” machen Rückzieher
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Anfang der Woche kündigten die Magazine “Spiegel”, “Stern” und “Focus” sowie die Wochenzeitung “Die Zeit” an, künftig nicht mehr Auflagenzahlen für jede einzelne Ausgabe an die Kontrollorganisation IVW melden zu wollen. Um Aufwand und Geld zu sparen und weil diese Daten “keine große Rolle spielen”. Vielleicht aber auch, um sich nicht der geschäftsschädigenden Schmach schlechter Werte auszusetzen. Dagegen protestierten jedoch die Werbekunden, worauf “Spiegel”, “Stern” und “Zeit” eiligst zurückruderten.

Aus Kreisen, Gesichtserkennungs-Unstatistik, Publizistisches Einerlei

1. “Aus Kreisen…” — das Spiel mit den Informationen
(deutschlandfunk.de, Henning Hübert, Audio, 6:47 Minuten)
Wie ist es zu erklären, dass manche Journalisten bereits kurz nach Bekanntgabe von Angela Merkels Rückzug als Parteivorsitzende mit Hintergrundinformationen an die Öffentlichkeit gehen konnten? Stephan Detjen, Chef des Hauptstadtstudios des “Deutschlandfunks”, erzählt von den ungeschriebenen Spielregeln des Berliner Medienbetriebs. Und erklärt, wie es einem der Kandidaten für das Amt des CDU-Vorsitzenden, Friedrich Merz, gelingen konnte, auch ohne politische Ämter all die Jahre über im Gespräch zu bleiben.

2. Unstatistik des Monats: “Erfolgreiche” Gesichtserkennung mit Hunderttausenden Fehlalarmen
(rwi-essen.de)
Das Innenministerium hat sich mit einer Pressemitteilung über das angeblich erfolgreiche Projekt zur automatischen Gesichtserkennung die fragwürdige Auszeichnung “Unstatistik des Monats Oktober” erworben. Die Statistik-Experten vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung haben nachgerechnet und kommen auf monatlich mehr als 350.000 unnötige Personenkontrollen durch Fehlalarme: “Dass das Gesichtserkennungssystem 99,3% der Verdächtigten zu Unrecht verdächtigt, ist mit der Regel von Bayes (ein Satz aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung) berechnet, die in Bayern inzwischen jeder Schüler der 11. Klasse lernt. Im Bericht und der Pressemitteilung ist sie nicht zu finden.”

3. Immer häufiger wird zugeschlagen
(taz.de, David Bauer)
Wenn Donald Trump Stimmung gegen Medien machte, bekamen dies bislang meist die Journalistinnen und Journalisten großer Medienhäuser wie CNN oder “New York Times” zu spüren. Das Dauergehetze gegen die Redaktionen kommt mittlerweile jedoch auch beim Lokaljournalismus an. David Bauer schreibt vom alltäglichen Hass, der amerikanischen Pressevertretern aus Teilen der Bevölkerung entgegenschlägt. Und der sich nicht nur in Verbalattacken oder Drohungen, sondern auch in tätlichen Angriffen ausdrückt.

4. “Jeder Journalist sollte mal ins Gefängnis”
(mediummagazin.de, Jens Twiehaus)
Der Leiter der “Zeitenspiegel”-Reportageschule, Philipp Maußhardt, musste im Oktober für drei Tage ins Gefängnis, und das hat einen ungewöhnlichen Grund: Maußhardt hatte einen Ebay-Verkäufer wegen Nicht-Lieferung verklagt, war aber nicht zum von ihm selbst initiierten Gerichtstermin erschienen, was ein Ordnungsgeld nach sich zog. Weil er sich weigerte, dies zu bezahlen, wanderte Maußhardt für drei Tage in den Knast. Eine Erfahrung, die jeder mal gemacht haben sollte, wie er im Interview erklärt.

5. Publizistische Vielfalt ist bedroht
(de.ejo-online.eu, Linards Udris & Mark Eisenegger & Daniel Vogler)
Nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz betreiben Medienhäuser zunehmend redaktionelle Verbundsysteme. Was auf der einen Seite Kosten spart, beschneidet auf der anderen Seite die journalistische und publizistische Vielfalt. Und das ist nachweisbar: Das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich hat für sein Jahrbuch einen automatisierten Textvergleich angestellt. Das Ergebnis: In den Schweizer Medien werden immer öfter dieselben Inhalte verbreitet.
Weiterer Lesetipp: Das komplette Jahrbuch sowie verschiedene in Kurzform aufbereitete Analysen können auf der eigens dafür eingerichteten Website kostenlos heruntergeladen werden.

6. Return of the Gruselpresse: 13 Horrorfilme mit Journalisten
(journalistenfilme.de, Patrick Torma)
Pünktlich zu Halloween stellt Patrick Torma 13 neue Horrorfilme mit Journalistinnen und Journalisten vor, die Slashern, Dämonen und allerlei mythologischem Getier auf die gruselige Pelle rücken.

“Bild”s Renten-Sabotage, Handyfreie Schule, Bouffiers Presseboykott

1. Riester wirft Bild-Zeitung vor, allgemeine Zusatzrente verhindert zu haben
(deutschlandfunk.de)
Der frühere Arbeitsminister Walter Riester wirft der “Bild”-Zeitung vor, eine allgemeine und verpflichtende Zusatzrentenversicherung verhindert zu haben. Riester habe alle Arbeitnehmer und Selbstständige zur Rentenzahlung verpflichten wollen, darauf habe “Bild” eine Kampagne zu seiner Ablösung angedroht und gegen sein Vorhaben angeschrieben.

2. Ohne Smartphone in die Schule – ja, das geht
(zeit.de, Annika Joeres)
Seit September sind an Frankreichs Schulen Handys verboten. Und das funktioniert erstaunlich gut, wie Annika Joeres in ihrer Reportage für “Zeit Online” berichtet. Die Schülerinnen und Schüler würden wieder mehr spielen, weniger mobben und seien konzentrierter. Ihre Eindrücke vom südfranzösischen Collèges Paul Langevin könnten einen über eine ähnliche Regelung in Deutschland nachdenken lassen: “Am Tag, als die Handys verboten wurden, fingen die Schülerinnen und Schüler wieder an, über den Hof zu rennen, Fangen zu spielen, lauthals zu quatschen. Und inzwischen, so erzählt es der Schulleiter Eric Clausen mit ernstem Erstaunen, spielten die Schüler sogar wieder Karten. ‘Wahnsinn. Das haben wir hier seit Jahren nicht mehr gesehen.'”

3. Hinter den Beschimpfungen: Medienstrategie des FC Bayern
(ndr.de, Daniel Bouhs & Inga Mathwig)
Reibereien zwischen dem Fußballklub FC Bayern München und Journalisten gab es schon immer. Der peinliche Auftritt der Bayern-Bosse auf der letzten Pressekonferenz läute dennoch ein neues Zeitalter ein: Der Zugang für klassische Medien werde zunehmend eingeschränkt. Die Bayern seien ein eigener Medienkonzern geworden, der in Konkurrenz zu den etablierten Medien stehe. Das Ergebnis könne eine weitgehend kritikfreie Berichterstattung über die eigenen Hausmedien sein.

4. Bouffiers Presseboykott
(taz.de, Christoph Schmidt-Lunau)
Eigentlich würde der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gerne Interviews geben, sagen seine Mitarbeiter. Doch ausgerechnet einer der wichtigsten Zeitungen in Hessen verweigert der Ministerpräsident jedes Gespräch: der linksliberalen “Frankfurter Rundschau”. Und das sei so, seit das Blatt über einen Prozess gegen Bouffiers Neffen berichtet habe, vor sechs Jahren …

5. Millionenklage abgewiesen
(sueddeutsche.de, Claudia Henzler & Annette Ramelsberger)
Erleichterung bei der “Süddeutschen Zeitung”: Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat eine Schadensersatzklage in Höhe von 78 Millionen Euro abgewiesen, die ein Geschäftsmanns gegen das Blatt angestrengt hatte. Ein Unternehmer hatte der “SZ” vorgeworfen, durch ihre Berichterstattung ein Geschäft vereitelt zu haben, das ihm “nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge” 78 Millionen Euro Gewinn eingebracht hätte. Der Anwalt der “SZ” hatte die Klage als Einschüchterungsversuch und Angriff auf die Pressefreiheit bezeichnet.

6. Wie “The Daily” zum erfolgreichsten News-Podcast der Welt wurde
(horizont.net, Sebastian Moll)
Während des US-Wahlkampfs 2016 startete die “New York Times” ihren Podcast “The Daily”. Zwei Jahre später erreicht die Redaktion damit täglich bis zu eine Million Hörerinnen und Hörer, “The Daily” ist der erfolgreichste News-Podcast der Welt. In den USA machen derartige Formate mittlerweile sogar dem Radio und dem populären Frühstücksfernsehen Konkurrenz.

Planierraupe Madsack, Heult doch, Warnung vor dem Erdogan

1. Penny-Markt der Publizistik
(kontextwochenzeitung.de, Willi Germund)
Auslandskorrespondent Willi Germund rechnet lesenswert mit der Medienbranche ab. Vor allem das “RedaktionsNetzwerk Deutschland” der Madsack Mediengruppe erregt seinen Zorn: “(…) anders als Funke und SWMH walzt das Redaktionsnetzwerk Deutschland wie eine Planierraupe über den deutschen Zeitungsmarkt. Mit Honorardrückerei, kalt lächelnder Ausnutzung der miserablen wirtschaftlichen Lage freier Journalisten, macht Madsack den Penny-Markt für Zeitungshäuser, die ihren publizistischen Anspruch weitgehend aufgegeben haben und in der Regionalisierung, bei Kritikern Provinzialisierung getauft, ihrer Blätter ihr Heil und ihren Profit suchen.”

2. Heult doch.
(neuemedienmacher.de)
Die “Neuen deutschen Medienmacher” sind ein bundesweiter unabhängiger Zusammenschluss von Journalistinnen und Journalisten mit und ohne Migrationsgeschichte. Man versteht sich vor allem als Ansprechpartner für das Thema “Medien in der Einwanderungsgesellschaft”. Manchem lässt dies offenkundig keine Ruhe: Die AfD-Bundestagsfraktion hat eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, die bereits von offizieller Seite beantwortet wurde (PDF). Der Verein der Medienmacherinnen und Medienmacher antwortet der AfD jedoch auch direkt: “Liebe Leute, macht Euch mal locker. Lernt mit Widerspruch umzugehen. Das gehört in einer Demokratie eben dazu.”

3. Auswärtiges Amt verschärft Reisehinweise für die Türkei
(faz.net)
Das Auswärtige Amt hat seine Reisehinweise für die Türkei verschärft. Es warnt die Bundesbürger vor regierungskritischen Meinungsäußerungen in sozialen Medien: “Dabei können auch solche Äußerungen, die nach deutschem Rechtsverständnis von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, Anlass zu einem Strafverfahren in der Türkei geben.”
Weiterer Lesehinweis: Für Türkeistämmige in Deutschland kann schon ein einziger Erdogan-kritischer Facebook-Post zum Problem werden. “Motherboard” hat mit den Menschen gesprochen, die das unmittelbar betrifft. Es geht um Angst, Trotz und Selbstzensur: Angst vor Erdogan: Wie sich Türkeistämmige online selbst zensieren (motherboard.vice.com, Baran Datli).

4. “Man hätte sich online stärker aufstellen müssen”
(monopol-magazin.de, Elke Buhr)
Auf Musikzeitschriften wirkt sich der Medienwandel derzeit vielleicht besonders heftig aus: Nach jahrzehntelanger Existenz verschwindet das Gratis-Musikmagazin “Intro”. Außerdem werden “Groove” und “Spex” eingestellt. Über die Gründe hat sich Elke Buhr mit dem Musikjournalisten und “Spex”-Chefredakteur Daniel Gerhardt unterhalten.

5. “Medien müssen die eigene Macht kritisch betrachten”
(horizont.at, Marlene Auer)
Im Interview mit “Horizont” spricht Barbara Hans, Chefredakteurin von “Spiegel Online”, über den Umgang mit Inhalten sowie deren Monetarisierung, die Glaubwürdigkeit von Medien und deren Macht. Die Mehrheit der deutschen Medien nütze ihre Machtposition nicht aus, um eigene oder fremde Interessen zu forcieren. Ein Blick in die USA zeige jedoch deutlich, dass Binnenpluralität keine Selbstverständlichkeit sei. Journalisten, die sich als Aktivisten sehen, hätten etwas grundsätzlich falsch verstanden.

6. Fake-Vorwurf ohne Beweise
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing)
Das Video gegen “Manspreading” wurde zum Viralhit: Eine junge Frau, die in der U-Bahn von St. Petersburg unterwegs ist, gießt besonders breitbeinig sitzenden Männern eine Flüssigkeit in den Schritt, bei der es sich um mit Bleichmittel versetztes Wasser handeln soll. Die Geschichte sorgte für Diskussionen und Empörung, aber auch für Fragen nach der Echtheit und einer möglichen Inszenierung. Die EU behauptete gar, das Video sei ein Fake des Kreml. ARD-“Faktenfinder” Patrick Gensing ist der Sache nachgegangen.

Goldkartoffel Reichelt, Selfie-Journalismus, Never ending Maaßen

1. Neue deutsche Medienmacher zeichnen “Bild”-Chefredakteur für “unterirdische” Berichterstattung aus
(deutschlandfunk.de)
“Bild”-Chef Julian Reichelt ist der erste Preisträger der “Goldenen Kartoffel”. Der Negativpreis wurde ihm von den “Neuen deutschen Medienmachern” für seine “unterirdische Berichterstattung über Aspekte unserer vielfältigen Einwanderungsgesellschaft” verliehen. BILDblog gratuliert!

2. Österreich: Rekordland bei Morden
(noemix.wordpress.com)
Wenn man den Schlagzeilen österreichischer, aber auch deutscher Medien wie “Focus Online” glaubt, ist Österreich das Rekordland bei Morden. Dabei ist es umgekehrt: Österreich ist das Land mit der niedrigsten Mordrate in ganz Europa. Michael Nöhrig erklärt das Phänomen.

3. Ein bisschen anonym? Wie Selfie-Journalismus Informanten gefährdet
(uebermedien.de, Peter Welchering)
Wenn Journalisten ihre anonym bleiben wollenden Informanten vor laufender Kamera befragten, reichte es früher, das Aussehen der Hinweisgeber oder Kronzeugen zu verändern und einen Stimmverzerrer einzusetzen. Dass dieser Schutz heute unzureichend ist, müssten Journalisten spätestens seit dem Frühjahr 2014 wissen. Da sei auf einer Forensiker-Tagung nämlich eine Methode bekannt geworden, schreibt Peter Welchering, mit der Ermittler durch Analyse der elektrischen Netzfrequenz vermummte und verkleidete Informanten enttarnen können, auch wenn deren Stimme verzerrt wurde. Deshalb lasse man Aussagen von Informanten vor der Kamera inzwischen häufig von Schauspielern nachstellen. In einem “Panorama”-Beitrag unterblieb dies, was am “Selfie-Journalismus” der Beitragsmacher liege: “Journalistische Arbeit wird zur Aufführung, die Enttarnung eines Informanten zum Kollateralschaden des Schauspiels.”

4. Presseteam der Polizei darf keine Demonstranten fotografieren
(sueddeutsche.de)
Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat entschieden, dass die Polizei keine Demonstranten fotografieren darf, um die Aufnahmen später für PR-Zwecke zu verwenden: “Schon dass die Polizei Demonstranten wahrnehmbar fotografiert hatte, sei rechtswidrig, urteilten die Richter. Es dürfe bei Kundgebungen erst gar nicht der Eindruck von staatlicher Überwachung entstehen. Fotografierende Polizeibeamte könnten einschüchternd wirken und Demonstranten von der Ausübung ihres Grundrechts auf Versammlungsfreiheit abhalten.”

5. Maaßen wiederholt Medienschelte
(spiegel.de, Wolf Wiedmann-Schmidt)
Der (vielleicht irgendwann einmal) scheidende Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen hat seine Kritik an der Berichterstattung der Medien bekräftigt und dem “Tagesschau”-Chef Kai Gniffke einen vierseitigen Brief zukommen lassen. Es sei ein “kritischer Blick” auf “die Maßstäbe der medialen Darstellung des Rechtsextremismus erforderlich”.

6. Eine Branche stirbt: Nur noch 600 Videotheken in Deutschland
(heise.de, Wolf von Dewitz & dpa)
Es gibt nur noch (oder soll man sagen immer noch?) 600 Videotheken in Deutschland. Von 2015 bis 2017 sank nach Angaben eines Branchenverbands die Kundenzahl von 4,8 Millionen auf 2,6 Millionen. Der Verband sehe vor allem die Piraterie und deren unzureichende Bekämpfung als Wurzel allen Übels.

Umfragensorge, Dessauer Fischfilet, Informationsfreiheit

1. Marktforscher fordern mehr Sorgfalt bei Berichten über Umfragen
(horizont.net, Sabine Hedewig-Mohr)
Der “Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute” hat sich in einem offenem Brief an die Medien gewandt: “Seit einiger Zeit nehmen wir mit großer Sorge wahr, dass in Zeitungen und Zeitschriften, in Radio- und Fernsehberichten sowie in der Onlineberichterstattung Umfrageergebnisse vermehrt als repräsentativ bezeichnet werden, auch wenn diese nicht repräsentativ sind. Dies ist ein unhaltbarer Zustand.”

2. Entwicklungsministerium: Löschen statt offenlegen
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Als das Entwicklungsministerium eine Anfrage nach dem Terminkalender des Ministers bekam (gemäß Informationsfreiheitsgesetz), wurde dies von der Behörde verweigert. Darauf schaltete sich die Bundesbeauftragte für Informationsfreiheit ein. Das Ministerium reagiert. Jedoch nicht, indem es den Terminkalender zur Einsichtnahme freigab, sondern indem es ihn löschte. Nun teilt die Bundesbeauftragte für Informationsfreiheit mit, sie sei mit dem Vorgehen des Ministeriums zwar nicht einverstanden, fühle sich aber nicht mehr zuständig: Da es die Daten nicht mehr gebe, sei auch das Informationsfreiheitsgesetz nicht mehr anwendbar.

3. Haltungsfragen
(journal-nrw.de, Andrea Hansen)
“Darf ich als Journalist privat auf eine Demo gegen die AfD gehen, wenn ich auch über die Partei berichte? Wie viel Haltung kann mein Artikel enthalten, wie viel davon braucht er sogar? Und was ist das überhaupt: Haltung? Was ist Meinung, und wo ist der Unterschied zwischen beiden?” Andrea Hansens Beschäftigung mit journalistischen Haltungsfragen erscheint im aktuellen Medien- und Mitgliedermagazin des Deutschen Journalisten-Verband NRW, ist aber auch online verfügbar.

4. Trolle hetzen mit rassistischen Sprüchen gegen Rap-Video der Berliner Polizei
(motherboard.vice.com, Dennis Kogel und Sebastian Meineck)
Die Berliner Polizei hat ein Musikvideo auf Youtube veröffentlicht, bei dem es um Vielfalt, Verständigung und Miteinander geht (“KBNA – Füreinander da!”). Nun überfluten rechte Trolle den Kommentarbereich mit negativen und rassistischen Aussagen und versuchen, die Kampagne zu diskreditieren. Nach “Motherboard”-Recherchen geht dies vor allem auf ein bekanntes Forum zurück, in dem die Trolle die Aktion publik machten und koordinierten.

5. Die brasilianische Lügenfabrik
(spiegel.de, Julia Jaroschewski)
Ein Fake-News-Skandal erschüttert Brasilien. Es geht um Hunderttausende gekaufte Falschnachrichten auf WhatsApp im Wahlkampf. Sowohl Linke als auch Rechte würden im brasilianischen Wahlkampf mit schmutzigen Tricks kämpfen. Und der findet zunehmend auf WhatsApp statt: Brasilien ist für den Messengerdienst weltweit einer der größten Märkte und zur wichtigsten Onlinefront im Wahlkampf geworden.

6. “Feine Sahne Fischfilet” – Theater nimmt Ausladung zurück und entschuldigt sich
(mz-web.de)
Es gibt Bewegung in der Causa “Feine Sahne Fischfilet”, zumindest an einer Stelle: Das Anhaltische Theater in Dessau hat seine Konzertabsage zurückgezogen und sich bei der Band offiziell entschuldigt: “Nach der heftigen öffentlichen Diskussion hat die Theaterleitung verstanden, dass der Diskurs über Kunst nur geführt werden kann, wenn die Kunst sich unbedingt in aller Freiheit präsentieren kann.” Währenddessen hält die Stiftung Bauhaus Dessau weiter an ihrer Absage fest.

Bild.de macht Topmodel zur Trump-Verwandten

Zwei Dinge, die wir niemandem wünschen:

1) Mit Donald Trump verwandt zu sein.
2) Mit irgendeinem Unsinn bei Bild.de aufzutauchen.

Arme Karlie Kloss.

Screenshot eines Teaser-Bildes, das auf der Bild.de-Startseite erschienen ist - Topmodel jetzt verwandt mit Trump - Karlie Kloss hat Ja gesagt

Im Artikel von Bild.de wird die angebliche Verwandtschaft zwischen dem Model und dem US-Präsidenten sogar “offiziell”:

Screenshot einer Bild.de-Überschrift - Karlie Kloss heiratet Joshua Kushner - Topmodel jetzt offiziell verwandt mit Trump

Bloß: Karlie Kloss hat zwar geheiratet, sie ist nun allerdings nicht mit Donald Trump verwandt.

Kloss’ Ehemann ist Joshua Kushner. Der ist der jüngere Bruder von Jared Kushner. Der wiederum der Ehemann von Ivanka Trump ist. Und die ist die Tochter von Donald Trump. Oder etwas kürzer: Karlie Kloss ist nun die Ehefrau des Bruders von Donald Trumps Schwiegersohn. Eine solche Konstellation hat nichts mit Blutsverwandtschaft, nichts mit irgendeiner Form rechtlicher Verwandtschaft, sie hat nicht mal was mit Schwägerschaft zu tun. Kloss ist die Schwägerin von Jared Kushner. Karlie Kloss und Ivanka Trump sind höchstens Schwippschwägerinnen. Und da fehlt dann immer noch die Verbindung zu Donald Trump.

Das falsche Verwandtschaftsverhältnis zwischen Model und Präsident wird auch dadurch nicht richtiger, dass Bild.de es bereits eine Woche vor der Hochzeit verbreitete. Oder dadurch, dass der SWR es in einer Frage verpackt: “was ihr neuer Verwandter Donald Trump wohl dazu sagt”, dass Kloss im US-Wahlkampf öffentliche Kokurrentin Hillary Clinton unterstützte?

Und so lautet die Antwort auf die Zwischenzeile “So ist Karlie Kloss mit Trump verwandt”, die die Redaktion von t-online.de in ihren Artikel eingebaut hat: gar nicht.

Mit Dank an Gesine K., Harald B. und Matthew L. für die Hinweise!

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