1. ‘ne Nummer kleiner? (taz.de, Simon Sales Prado)
Beim Einbruch im Grünen Gewölbe in Dresden soll es sich laut “Bild” um den “größten Kunstraub aller Zeiten” gehandelt haben. Die “taz” hat einen Blick in die jüngere deutsche Geschichte geworfen und erinnert an historische Fälle von Kunstdiebstahl ganz anderer Dimensionen.
2. [aus rechtlichen Gründen gelöscht]
3. Bernhard Pörksen: Warum Journalismus notwendiger ist denn je (gea.de, Christoph Fischer)
Der “Reutlinger Generalanzeiger” hat mit Bernhard Pörksen gesprochen, der als einer der führenden Medienwissenschaftler gilt. In dem Interview geht es um den Medienwandel und die Suche nach einem Geschäftsmodell im digitalen Zeitalter: “Worüber zu diskutieren wäre: politikferne Stiftungen zur Zeitungsfinanzierung, wie dies einmal der Philosoph Jürgen Habermas angeregt hat. Und was unbedingt zu erhalten ist: ein kritischer, unabhängig recherchierender Journalismus — gerade in Zeiten von Fake-News und der Aufrüstung der PR-Industrie. Noch einmal: Unabhängiger Journalismus ist systemrelevant, zumindest in einer Demokratie.”
4. Zeit der Rituale (sueddeutsche.de, Carolin Werthmann)
Immer mehr Kinder wenden sich vom linearen Fernsehprogramm ab, doch es gibt Ausnahmen: Trotz Smartphones und Tablets in den Kinderzimmern, erfreut sich der Fernsehsender Kika nach wie vor großer Beliebtheit. Carolin Werthmann vermutet, dass dies auch an der generationenübergreifenden Kontinuität von Inhalten, Figuren und Gesichtern liegen könnte: “Das hat etwas Behagliches, schürt ein Gefühl von Zeitlosigkeit. Obwohl die Welt sich wandelt, bleibt die Welt der Kindheit vermeintlich unberührt – zumindest aus Sicht der Eltern. Denn die sind es, die sich an die eigenen Sesamstraßen-Sitzungen zu erinnern beginnen. Daran, wie sie, damals selbst Kind, belustigt aufquiekten, wenn das Krümelmonster seine Kekse verputzte.”
5. Räumung im Hambacher Forst: Innenministerium wollte Polizeidaten mit RWE teilen (fragdenstaat.de, Johannes Filter)
“FragDenStaat” ist im Besitz von Dokumenten zur Causa “Hambacher Forst”, die zweifelhafte Absprachen zwischen dem nordrhein-westfälischen Innenministerium und dem Energieversorger RWE belegen. Dahinter steckt kein Whistleblower, sondern überaus hartnäckiges Pochen auf die Einhaltung des Informationsfreiheitsgesetzes. Der konkrete Fall ist überaus interessant und verfolgenswert. Und er kann Journalisten und Journalistinnen Mut machen, bei der Recherche ähnliche Wege zu beschreiten.
6. Bundeswehr postet Hakenkreuz-Uniform auf Instagram (spiegel.de, Matthias Gebauer)
Die Bundeswehr veröffentlichte auf ihrem offiziellen Instagram-Account ein Bild einer Wehrmachtsuniform samt Hakenkreuz und dem geschmacklosen Kommentar “Auch #Mode ist ein Aspekt. Bis heute halten sich militärische Stilelemente in der #HauteCouture”. Als die “Bild”-Redaktion, der das Foto als erstes aufgefallen war, beim Verteidigungsministerium nachfragte, löschte die Bundeswehr kommentarlos den Post.
1. Landwirte fordern Absetzung von Journalistin (deutschlandfunk.de, Tobias Krone, Audio: 17:03 Minuten)
Einige bayerische Landwirtinnen und Landwirte fordern in einer Petition die Absetzung einer Journalistin des BR. Ihnen gefiel nicht, dass in einem Bericht über eine Bauern-Demo auch eine Kritikerin zu Wort kam. Mehr als 5.000 Personen haben den Aufruf unterschrieben. Der Bauernverband zähle nicht zu den Unterzeichnern, habe jedoch im Rundfunkrat des BR gegen den Beitrag Beschwerde eingelegt.
2. Antiziganismus bei Sat.1 (taz.de, Dinah Riese)
Die “Spiegel TV”-Reportage “Roma: Ein Volk zwischen Armut und Angeberei” (Sat.1) wurde nach ihrer Ausstrahlung von vielen als antiziganistisch kritisiert. Besonders der Zentralrat der Sinti und Roma zeigte sich erschüttert: Der Beitrag habe unter Sinti und Roma in Deutschland große Ängste ausgelöst. Nun hat der Politologe Hajo Funke die Sendung für ein Gutachten untersucht. Sein Urteil: Der Film “widerspricht allen journalistischen Kriterien von Fairness, Ausgewogenheit und Aufklärung.” Er sei geeignet, “diejenige Gruppe, die mit den schärfsten und gröbsten Vorurteilen belegt ist, noch einmal mit Vorurteilen, Abwertung und Demütigung zu versehen”, so Funke. Der Film erfülle “alle Kriterien der Volksverhetzung”, und es solle geprüft werden, ob ein Verbot der Weiterverbreitung möglich sei. Der Sender habe die Vorwürfe als unbegründet zurückgewiesen.
3. “Schmach über jeden Deutschen, der seine heilige Muttersprache schändet!” (spiegel.de, Katja Iken)
Im Allgemeinen Deutschen Sprachverein organisierten sich 1885 einige Sprachpuristen, die sich dort für die “Reinheit” der deutschen Sprache einsetzten. Katja Iken erinnert an den Verein, der 1930 knapp 500 Zweigvereine mit rund 50.000 Mitgliedern unterhielt und sich gegen die “Durchseuchung”, “Versumpfung” und “Unterjochung” des Deutschen durch Fremdwörter einsetzte.
4. Impeachment-Podcasts (notes.computernotizen.de, Torsten Kleinz)
In den USA boomen derzeit die Impeachment-Podcasts, in denen es um die mögliche Amtsenthebung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump geht. Torsten Kleinz hat sich durch das Angebot gehört, von CNN bis zu “Buzzfeed”.
5. Nur Fakten können wahr oder falsch sein (tagesspiegel.de, Karola Wille)
Die Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks Karola Wille hat in einem Gastbeitrag über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geschrieben. Dort geht es unter anderem um die Notwendigkeit, unbequeme Meinungen aushalten zu können, sie aber auch einzuordnen. “In einer Zeit, in der Populisten ein Recht auf eigene Fakten beanspruchen, gilt es mehr denn je das Fundament demokratischer Gesellschaften, die gemeinsame Faktenbasis, zu sichern. Wenn Rechtspopulisten ein politischer Faktor sind, müssen sie, je nach Relevanz ihrer Themen, journalistisch eingeordnet werden. Unwahrheiten müssen durch sorgfältigste journalistische Vorbereitung korrigiert und konsequent richtig gestellt werden, rassistische und diskriminierende Äußerungen sind klar als solche zu benennen.”
6. Riesen-Panne überschattet die International Emmys (rnd.de)
Bei der Verleihung der International Emmys, Ableger des großen US-Branchenpreises, kam es zu einer Panne: Ein Laudator hatte einen falschen Umschlag dabei und gab vorzeitig den Gewinner des Preises für die “Beste Dramaserie” bekannt. Ab dem Moment war den Machern der der ZDF-Reihe “Bad Banks” klar, dass sie nicht gewinnen werden.
1. G20-Aufarbeitung: Urteil gibt Journalisten recht (ndr.de, Caroline Schmidt)
Das Berliner Verwaltungsgericht hat zwei Journalisten Recht gegeben, denen 2017 beim G20-Gipfel in Hamburg plötzlich die Presseakkreditierung entzogen worden war. Der Verwaltungsakt sei rechtswidrig gewesen, es habe keine Voraussetzung für einen Widerruf der Akkreditierungen vorgelegen. Caroline Schmidt hat den bedenklichen Verstoß gegen die Pressefreiheit in einem Beitrag für das Medienmagazin “Zapp” zusammengefasst.
Weiterer Lesehinweis: Die geheimnisvolle Festnahme: “Die Bundesregierung entzog »nd«-Redakteur Simon Poelchau die G20-Akkreditierung — auf falscher Grundlage” (neues-deutschland.de, Sebastian Bähr).
2. Pressemitteilung: Deutsche Bildungslandschaft fordert Umdenken beim ZDF (wikimedia.de)
Öffentlich-rechtliche Bildungssendungen und -inhalte sollten länger als fünf Jahre im Netz bleiben. Dies fordern die Bildungsgewerkschaft GEW, der Deutsche Bibliotheksverband und Wikimedia Deutschland in einem gemeinsamen offenen Brief an das ZDF (PDF): “Die Wissenschaft und freie Wissenssammlungen wie Wikipedia setzen auf Belege, die dauerhaft online sind. Bibliotheken bieten kostenfreien Zugang zu Wissen und Informationen. Ihre Nutzerinnen und Nutzer erwarten, dass Inhaltsangebote in Bibliotheken auf Dauer und nicht zeitlich begrenzt zur Verfügung stehen.“
3. Auf Twitter zum Abschuss freigegeben (dw.com, Ines Eisele)
Ines Eisele greift für die Deutsche Welle die Causa des “Welt”-Kolumnisten Don Alphonso auf, dem unter anderem vorgeworfen wird, seine Follower gezielt gegen Andersdenkende aufzuwiegeln. Dabei kommt auch Matthias Quent zu Wort, der Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft: “Dinge, die vorher eindeutig rechtsradikalen Akteuren wie etwa der Identitären Bewegung zuzuordnen waren und eher im Verborgenen passiert sind, sind heute viel stärker mit einer rechtskonservativen Öffentlichkeit verzahnt. Es gibt die Tendenz, dass jemand, der öffentlich renommiert ist, vorangeht, unerwünschte Personen im Grunde markiert und zum Abschuss freigibt, und sich dann Rechtsradikale darauf stürzen.”
Dazu ein Hörtipp: Im Magazin “Fazit” von Deutschlandfunk Kultur erläutert der Autor und Filmemacher Mario Sixtus, wie der Hass aus dem Internet orchestriert wird (Audio: 8:26 Minuten).
4. Ein junger Mann aus einer Stadt am Niederrhein hat uns geschrieben … (twitter.com/RainerLeurs)
Rainer Leurs, Redaktionsleiter des Onlineangebots der “Rheinischen Post”, berichtet auf Twitter von einem besorgniserregenden Fall: Ein junger Mann habe um Entfernung seines Namens aus einem harmlosen Artikel gebeten: “Dadurch, dass mein Name auf Ihrer Website erschienen ist, bekomme ich ständig Hass-Botschaften und persönlich angreifende Nachrichten von Rechtsradikalen wie Pegida und AfD”.
5. Glaubwürdigkeit deutscher Medien ist leicht gesunken (dwdl.de, Alexander Krei)
Der WDR hat bei Infratest dimap eine repräsentative Studie zur Glaubwürdigkeit deutscher Medien in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Nur 61 Prozent der Befragten würden die Informationen in deutschen Medien für glaubwürdig halten. Interessant sind die regionalen Unterschiede: Im Westen Deutschlands sind es 64 Prozent, im Osten nur 48 Prozent. In den ostdeutschen Bundesländern würden rund 50 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass es Vorgaben von Staat und Regierung gibt.
6. Twitter verwarnt Johnsons Konservative (spiegel.de)
Am Dienstag kam es in Großbritannien zum großen TV-Showdown zwischen Premier Boris Johnson und Labour-Chef Jeremy Corbyn. Dies erschien der Pressestelle der britischen Regierungspartei eine gute Gelegenheit, ihren Twitter-Account “CCHQPress” umzubenennen und ihn vorübergehend wie eine neutrale und unabhängige Faktenchecker-Seite aussehen zu lassen. Twitter sanktionierte den Verstoß gegen die Regeln nicht, die eigentlich eine Irreführung von Menschen verbieten. Jeder weitere Verstoß werde jedoch “entschlossene Korrekturmaßnahmen zur Folge haben”.
1. Wie eine Aussage über “berlin.de” die Berliner Verwaltung aufschreckte (tagesspiegel.de, Robert Kiesel)
Die Neu-Verleger Silke und Holger Friedrich (“Berliner Zeitung”) machen erneut von sich reden. In der “Neuen Zürcher Zeitung” ließen sie durchblicken, was sie für den “eigentlichen Schatz” ihrer Firmenübernahme halten: die Mehrheitsrechte am Städteportal berlin.de. Holger Friedrich stellt sich die digitale Zukunft so vor: “Man lädt sich die App der Stadt herunter, scannt seinen Ausweis ein, dann wird in wenigen Sekunden verifiziert, ob das Dokument valide ist oder irgendetwas juristisch vorliegt. Als Nächstes wird die Steueridentifikationsnummer abgeglichen, auch die Rückmeldung erfolgt binnen Sekunden. Fertig.” Friedrichs Aussagen stießen bei Datenschutzexperten und Behörden auf breite Ablehnung. Die Berliner Senatskanzlei reagierte umgehend: “Wir sind weit davon entfernt, einem privaten Unternehmen tiefere Einblicke in die sensiblen Daten der Berlinerinnen und Berliner zu gewähren.”
Weiterer Lesehinweis: Wer das bisherige Geschehen um die Neueigentümer der “Berliner Zeitung” nicht verfolgt hat, sei an den Beitrag von Daniel Bouhs verwiesen, der die Sache bei “Zeit Online” zusammenfasst und kommentiert: Alles in eigener Sache.
2. “Wir sind nicht geschützt” (deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 5:37 Minuten)
Brigitte Baetz hat sich für den Deutschlandfunk mit der Publizistin und Kolumnistin Margarete Stokowski über deren Erfahrungen mit Hass im Netz unterhalten. Von der Polizei habe es selbst bei schwersten Bedrohungen wenig Hilfe gegeben: “Ich hatte mal ein Beratungsgespräch, als es sehr konkrete Drohungen gegen mich gab, die man als Vergewaltigungs- oder Morddrohungen interpretieren konnte. Da wurden so Sachen geraten wie: Posten Sie nicht ihren Standort im Internet — das mache ich natürlich ohnehin nicht. Und gehen Sie nicht abends im Dunkeln alleine raus, nicht alleine unterwegs sein, was natürlich faktisch nicht funktioniert. Und wenn doch, dann nehmen Sie am Besten immer eine Taschenlampe mit.” Ein weiterer wichtiger Hinweis von Margarete Stokowski: “Hassangriffe werden auch von Leuten ausgelöst, die publizistisch tätig sind.”
Dazu passend gleich noch ein weiterer Lesetipp: Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Stephan Anpalagan analysiert mit vielen Quellenangaben die Medienfigur “Don Alphonso”.
3. Mit verknüpfter Suche findet ZDF den “Weltspiegel” der ARD (netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
ARD und ZDF führen eine Mediatheken-übergreifende Suche ein. Die Lösung ist noch weit weg von perfekt, da es keine gemeinsame Ergebnisliste gibt. Leonhard Dobusch, der den Bereich Internet im ZDF-Fernsehrat vertritt, freut sich dennoch: “Dieser Suchbalken ist ein kleiner Schritt hin zu einer stärkeren Verschränkung der öffentlich-rechtlichen Angebote, aber gleichzeitig ein wichtiger symbolischer Akt: Die hermetisch voneinander abgeschlossenen Sender-Silos werden damit endlich online aufgebrochen.”
4. Geheimhaltung überwiegt nicht, wenn es um Pressefreiheit geht (sueddeutsche.de, Ronen Steinke)
Hintergrundgespräche des Bundesnachrichtendienstes mit ausgewählten Journalistinnen und Journalisten bilden bereits seit längerer Zeit das Zentrum eines juristischen Streits. Am 18. September gab es dazu ein wegweisendes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, zu dem jetzt die schriftliche Begründung vorliegt. “Süddeutsche”-Redakteur und Jurist Ronen Steinke ordnet das Urteil und seine möglichen Folgen ein.
5. Sagt Ihr eigentlich auch immer “Schrei doch nicht so laut! Das will er doch nur!” … (twitter.com/sixtus)
Hater seien keine Trolle, deshalb sollten im Umgang mit ihnen nicht die üblichen “Ignorieren”-Ratschläge gelten. Mario Sixtus erklärt, warum es sich für Opfer und Zeugen lohnt, laut zu werden. Auch und gerade bei Angriffen durch eine rechtsextreme Online-Horde: “Diese Meute ist nur so lange mutig, wie sie nicht auf Widerstand trifft, wie sie sich überlegen fühlt. Wenn aber plötzlich Menschen widersprechen, zurückbrüllen, ihre Tweets melden, öffentlich Blocklisten teilen, laut werden, werden sie schnell zu Mimimi-Schneeflöckchen. Das beste, was ein Opfer tun kann, ist also laut zu werden und um Hilfe zu rufen. Das gilt bei rassistischen oder sexistischen Übergriffen in der U-Bahn genauso wie auf Twitter! Und überall gilt: Helft den Opfern und klugscheißt sie nicht voll!”
6. Unsere Schalte … (twitter.com/tagesschau)
Das Leben hält manchmal die schönsten Pointen bereit: Als die “Tagesschau” zum Anti-Funkloch-Treffen des Bundeskabinetts ins brandenburgische Gransee-Meseberg schaltet, bricht das Interview nach wenigen Sekunden ab. Wahrscheinlich der Grund: ein Funkloch …
Marion Horn war nicht mal ein halbes Jahr im Amt, da zeigten sich selbst hartgesottene Islamhasser beeindruckt. So schrieb das Hetzportal „Politically Incorrect“ im März 2014 verblüfft:
Ja was ist denn in die BILD am SONNTAG (BamS) gefahren? (…) Gleich zwei mal packt das Springer-Blatt das heiße Thema Islam an – und zwar in einer Deutlichkeit, die es in sich hat.
Schon auf dem Titelblatt prangt die unmissverständliche Headline: „Islam-Rabatt für Jolins Mörder“. Ohne Fragezeichen!
Tatsächlich behauptete die „Bild am Sonntag“ gemeinsam mit den anderen “Bild”-Medien ohne Fragezeichen, in Deutschland gebe es einen „Islam-Rabatt“, also mildere Strafen vor Gericht, wenn es sich bei den Straftätern um Muslime handelt.
In Wahrheit kam eine Studie, die die „Bild“-Medien als vermeintlichen Beleg für den in Deutschland vorherrschenden „Islam-Rabatt“ anführten, sogar zum genau gegenteiligen Schluss: Deutsche Strafgerichte würden sogenannte Ehrenmörder „nicht milder als andere Beziehungstäter“ behandeln, „sondern sogar strenger.“
Der zweite Artikel in der “Bild am Sonntag”, über den sich „Politically Incorrect“ damals so freute, war ein Interview mit einem deutsch-türkischen Schriftsteller – große “BamS”-Überschrift: „‚Islam gehört zu uns wie die Reeperbahn nach Mekka’“.
Fazit der Fremdenfeinde:
„Zum Regieren brauche ich BILD, BamS und Glotze“, sagte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder vor zehn Jahren. Wenn die oben erwähnten Artikel eine intensive und schnörkellose Debatte über die Gefahren des Islam in Deutschland auslösen, könnte die BamS vom heutigen 30. März 2014 eine nicht zu unterschätzende Katalysator-Funktion gehabt haben.
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So ging sie also los, Marion Horns Karriere als Chefredakteurin der “BamS”. Und nun, gut sechs Jahre später, geht sie zu Ende: Wie der Axel-Springer-Verlag in dieser Woche mitteilte, verlässt Horn die “Bild am Sonntag”.
Mit “Kompetenz und Leidenschaft” habe sie als Chefredakteurin “insbesondere die investigative und politische Relevanz von BILD am SONNTAG geprägt”, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner.
Werfen wir zum Abschied also einen Blick zurück auf ihr glorreiches Werk.
Herzogin Kate war im Mai 2014 “dem Wind sei Dank” das Kleid hochgerutscht, wodurch ihr Po entblößt wurde.
Der Windhauch des royalen Helikopters bei der Landung in den australischen Blue Mountains sorgte für diesen kurzen, aber magischen Moment.
Diesem “magischen Moment” widmete die “Bild am Sonntag” unter Feministin Horn fast die ganze letzte Seite.
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Im Juli 2014 veröffentlichte die “BamS” neben den anderen “Bild”-Medien zahlreiche Fotos und persönliche Informationen von Menschen, die beim Abschuss eines Flugzeuges über der Ukraine ums Leben gekommen waren.
Eine Erlaubnis der Angehörigen hatte die Redaktion nicht eingeholt. Die Veröffentlichung wurde später auch vom Presserat kritisiert.
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Wenige Tage später entschied sich Marion Horn für den Abdruck eines islamfeindlichen Kommentars ihres Stellvertreters Nicolaus Fest. “Der Islam stört mich immer mehr”, schrieb er darin, ihn störe “die weit überproportionale Kriminalität von Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund”, “die totschlagbereite Verachtung des Islam für Frauen und Homosexuelle” und vieles mehr. Der Islam sei wohl “ein Integrationshindernis”, was man “bei Asyl und Zuwanderung ausdrücklich berücksichtigen” solle.
Ich brauche keinen importierten Rassismus, und wofür der Islam sonst noch steht, brauche ich auch nicht.
Im Monat darauf verkündete die “Bild am Sonntag” exklusiv, Schauspieler Henning Baum habe das Ende seiner Serie “Der letzte Bulle” bestätigt. Noch am selben Tag teilte sein Management mit, das Zitat in der “BamS” sei frei erfunden.
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Zwei Wochen später berichtete die “Bild am Sonntag” über den Mord an einem 14-jährigen Mädchen und druckte im Artikel ein Foto des vermeintlichen Täters, das die Redaktion bei Facebook geklaut hatte:
Im Dezember 2014 fragte die “Bild am Sonntag” empört:
Denn in Berlin-Kreuzberg, so die Behauptung der “BamS”, müsse der Weihnachtsmarkt neuerdings “Winterfest” heißen. Auf “dem Altar der politischen Korrektheit” werde “die christliche Tradition geopfert”, insinuierte das Blatt.
In Wahrheit stimmte die Geschichte gar nicht: “Wie die Märkte sich nennen, ist uns total egal”, erklärte das zuständige Bezirksamt auf unsere Nachfrage. Die “Bild am Sonntag” hatte sich das Weihnachtsmarktverbot ausgedacht – und lieferte den besorgten Bürgern und Islamhassern einmal mehr neue Munition.
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Im darauffolgenden Frühjahr berichtete die “BamS”, dass die Schweizer Bundesanwaltschaft Franz Beckenbauer wegen der WM-Vergabe an Russland und Katar als Zeugen befragen wolle. Die Schweizer Bundesanwaltschaft teilte auf unsere Nachfrage mit, dass das Quatsch sei. Die Geschichte in der “Bild am Sonntag” sei sogar “mehrfach falsch”. Die Redaktion habe nicht mal bei ihr nachgefragt.
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Im Monat darauf schrieb die “BamS” auf ihrer Titelseite, Angela Merkel habe in Bayreuth einen “Kollaps” erlitten.
Die Meldung des angeblichen Schwächeanfalls verbreitete sich rasend schnell, doch kurz darauf brachte die Nachrichtenagentur AFP folgende (wortwörtliche) Breaking News:
Regierungssprecher: Merkel bei Wagner-Festspielen nicht kollabiert – Kein Schwächefall – Stuhl der Kanzlerin brach zusammen
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Im August 2015 wurde in Schleswig-Holstein die Leiche eines Mannes gefunden, der Suizid begangen hatte. Daraufhin bat die Polizei die Medien darum, die Fotos, die sie zur Fahndung veröffentlicht hatte, “aus der Berichterstattung zu nehmen”.
Die “Bild am Sonntag” ignorierte nicht nur die Bitte der Polizei, sondern lieferte möglichen Nachahmern auch gleich noch den genauen Ort des Suizids:
(Wenn Ihr selber Probleme habt, depressiv seid oder über Suizid nachdenkt, könnt Ihr Euch jederzeit unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 an die TelefonSeelsorge wenden.)
Eine Zustimmung der Angehörigen lag wieder nicht vor, und wieder wurde die Veröffentlichung vom Presserat kritisiert.
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Wenige Monate später druckte die “Bild am Sonntag” zahlreiche Fotos und persönliche Informationen von Menschen, die bei einem Anschlag auf ein Einkaufszentrum in München getötet worden waren.
Eine Zustimmung der Angehörigen lag wieder nicht vor, und wieder wurde die Veröffentlichung vom Presserat kritisiert.
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Im September 2016 druckte die “Bild am Sonntag” einen Gastkommentar des Fußballers Arne Friedrich. Der meldete sich kurz darauf bei Twitter zu Wort und erklärte, die Redaktion habe in seinem Kommentar rumgepfuscht. Als Beweis schickte er einen Screenshot seines Originaltextes mit:
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An Ostern 2017, nachdem ein Mann einen Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt hatte, titelte die “Bild am Sonntag”:
Wie sich später herausstellte, war auch diese Geschichte Unsinn. Die Bundesanwaltschaft teilte in einer Pressemitteilung mit, die Sprengsätze seien “zeitlich optimal gezündet” worden.
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Anfang 2018 behauptete die “Bild am Sonntag”:
Doch auch diese Schlagzeile war falsch. Tatsächlich ergab die Statistik, dass nicht „4 von 5 Flüchtlingen“ bei ihrem Deutsch-Test durchfallen, sondern dass vier von fünf Flüchtlingen, die Analphabeten sind, nicht das Sprachniveau B1 erreichen. Insgesamt schafften nicht nur 20 Prozent einen Abschluss, wie von “BamS” behauptet, sondern 76 Prozent.
Auch diese falsche Schlagzeile war eine willkommene Vorlage – nicht nur für andere Medien, sondern vor allem für rechte Hetzer.
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Wenige Wochen später schrie die “Bild am Sonntag”:
Was in der Überschrift schon mal nicht klar wurde: Dabei handelte es sich nicht um eine drei- oder vierköpfige Familie, sondern um eine Mutter mit neun Kindern. Zudem wurden die 7300 Euro für die zehnköpfige Familie nicht bar ausgezahlt, sondern ein Großteil wurde schon vorher abgezogen, um die Kosten für die Unterbringung in einem Asylwohnheim inklusive aller Nebenkosten zu begleichen. Auch die Dauer der Bearbeitung war entgegen der “BamS”-Behauptung komplett irrelevant. Und auch sonst gab sich die “Bild am Sonntag” große Mühe, in dem Artikel möglichst viel Irreführendes und Falsches unterzubringen.
Tatsächlich hätte jede deutsche Mutter mit neun Kindern im selben Alter als Sozialhilfeempfängerin genauso viel und dieselben Leistungen bekommen wie die Flüchtlingsfamilie. Davon war in der “Bild am Sonntag” allerdings nichts zu lesen.
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Als im Dezember 2018 über die Nachfolge von Angela Merkel an der Spitze der CDU abgestimmt werden sollte, veröffentlichte die “Bild am Sonntag” eine Liste von 1001 Delegierten und verriet, für welchen Kandidaten/welche Kandidatin sie jeweils stimmen würden. Allerdings erklärten daraufhin etliche der angeblich Befragten, sie hätten überhaupt nicht mit der “Bild am Sonntag” gesprochen.
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Sechs Jahre war Marion Horn Chefredakteurin der “Bild am Sonntag”. Sechs Jahre, in denen ihr Blatt Lügen in die Welt setzte, Persönlichkeitsrechte verletzte und den Hass gegen den Islam befeuerte. Die Liste ließe sich noch viel weiter fortsetzen, mit Schleichwerbung, geheuchelterSelbstkritik oder politischen Kampagnen.
Oder wie man beim Axel-Springer-Verlag sagt: “Kompetenz und Leidenschaft”.
1. Wir schweigen nicht (kontextwochenzeitung.de)
Als die “Kontext”-Redaktion aus Facebook-Chats eines Mitarbeiters von zwei AfD-Abgeordneten zitierte, wurde dies vielfach gelobt, weil die Zitate den Rassismus, den Antisemitismus und die Demokratieverachtung dieser Kreise offenlegten. Auch das Oberlandesgericht Karlsruhe habe “Kontext” in dieser Sache vollumfänglich Recht gegeben. Doch nun wird die Redaktion erneut juristisch bedroht, mit einer 60.000-Euro-Schmerzensgeld-Forderung und einem sehr hohen Streitwert: “Wer den Streitwert in einem Presserechtsverfahren gegen eine spendenfinanzierte Zeitung auf 260 000 Euro veranschlagt, hat ein klares Ziel: eine kritische Stimme zum Schweigen zu bringen.” “Kontext” bittet daher um finanzielle Unterstützung durch Spenden: “Lassen Sie uns gemeinsam stark und laut sein gegen den Rechtsruck und dessen juristische Keule. Diesmal zielt sie auf uns. Gemeint sind wir alle.”
2. Kommentar: der wirklich ziemlich merkwürdige Satz des Holger Friedrich (meedia.de, Matthias Oden)
Nach ihrem langen Aufsatz in der “Berliner Zeitung” haben die Verleger Silke und Holger Friedrich nun der dpa ein Interview gegeben. Darin liefert Holger Friedrich auch eine Erklärung für seinen umstrittenen Dank an den ehemaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR Egon Krenz. Eine Erklärung, die “Meedia”-Chefredakteur Matthias Oden erschreckt aufhorchen lässt: “Man hätte man also auch dieses Thema irgendwie beiseite legen können, wenn nicht Holger Friedrich in diesem Zusammenhang einen anderen Satz hätte fallen lassen: “Ich kann es aber nicht nachvollziehen, wenn jemand, der danach geboren wurde, sich zu einem kräftigen moralischen Urteil aufschwingt, weil er zu der Zeit nicht dabei war.” Und weil die Friedrichs wichtige Themen gerne in Fragen angehen, soll an dieser Stelle auch mit einer geantwortet werden: Meint er das ernst? Wirklich jetzt?”
3. Reflexe der Redaktionen (journalist-magazin.de, Josef Zens)
Kalkulierte Tabu-Brüche, inszenierte Skandalisierungen, “False Balance”, mangelnde Fehlerkultur, unzureichende Recherchen … In der neuen Folge von “Mein Blick auf den Journalismus” hat sich Josef Zens die Wut über aktuelle Missstände des Journalismus von der Seele geschrieben. Zum Schluss gibt es aber auch Lob, und zwar für neue (und hier auch gelegentlich verlinkte) Journalismusmodelle wie die “RiffReporter” und das deutsche “Science Media Center”.
4. “YouTubers Union” sucht den Streit mit Google (heise.de, Torsten Kleinz)
Zwischen Youtube und den vom Netzwerk lebenden Videoproduzentinnen und -produzenten besteht ein großes Machtgefälle: Die Youtuber sind dem Netzwerk mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert und müssen sich an das halten, was ihnen Youtube vorschreibt. Der Youtuber Jörg Sprave wollte sich mit diesem Ungleichgewicht nicht abfinden und gründete die Initiative “YouTubers Union”. Mittlerweile hat er einen mächtigen Bündnispartner gewonnen, die IG Metall. Torsten Kleinz erklärt in seinem Beitrag die Streitpunkte der beiden Parteien und sagt, welche Aktionen die Youtube-Gewerkschafter planen.
5. “Ein sehr starker Versuch der Einschüchterung” (deutschlandfunk.de, Antje Allroggen, Audio: 7:42 Minuten)
Die NPD will in Hannover anscheinend eine Demonstration gegen drei Journalisten durchführen, die im rechtsextremen Milieu recherchieren. Antje Allroggen hat sich im Deutschlandfunk mit dem Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit unterhalten, der das Vorgehen für bundesweit einmalig und für einen Teil einer neuen Einschüchterungsstrategie hält. Speit fürchte, “dass manches Mal Kolleginnen und Kollegen dann doch so ein wenig überlegen: ‘Ja, Mensch, muss ich mir das antun, wenn ich über die berichte, wenn das solche Folgen haben könnte?'”
Weiterer Lesehinweis: Die andere Pressefreiheit oder: Wie ich mit der AfD Bekanntschaft machte: “Nach der Abwahl des Rechtsausschuss-Vorsitzenden Stephan Brandner wegen Antisemitismus stellte ich nahe liegende Fragen und bekam unverschämte Antworten. Mir ist das eine Lehre. Sollte die AfD mal regieren, bleibt von der von ihr reklamierten Meinungsfreiheit vermutlich nicht viel übrig.” (rnd.de, Markus Decker).
Und noch ein Lesehinweis: Gericht untersagt NPD Falschbehauptungen gegen NDR Mitarbeiter.
6. Rezo hat ein kleines Meisterwerk geschaffen (netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Die Deutsche Umwelthilfe hat den Youtuber Rezo mit dem UmweltMedienpreis in der Kategorie Online ausgezeichnet. In seiner Laudatio betont netzpolitik.org-Gründer Markus Beckedahl, wie wichtig Rezos Video für das Entstehen einer gesellschaftlichen Klimadebatte war: “In Kombination mit den aufkommenden Protesten der Fridays-for-Future-Bewegung wurde “Die Zerstörung der CDU” ein weiteres bedeutendes Puzzlestück in der Sensibilisierung und Mobilisierung vieler, vor allem junger Menschen gegen die Klimakrise. Klimafragen waren auf einmal cool, was auch an der Darreichungsform von Rezos Video und seiner Vermittlung lag.”
1. Die Medien-Wende (deutschlandfunk.de, Jörg Wagner, Audio: 6:18 Minuten)
Jörg Wagner erinnert mit Hörzitaten an die Wendezeit und den Weg des Journalismus nach dem Mauerfall: “Die Zensur wurde abgeschafft. Es folgte ein monatelanges Ringen um die Umgestaltung der DDR-Medien, bei der auch bundesdeutsche Politik und private Medien kräftig mitmischten. Doch davon war am 12. November 1989, vor 30 Jahren, nichts zu spüren. Man tanzte noch einen Traum.”
2. Verleger wundern sich … (twitter.com/ralfheimann)
Verleger würden sich wundern, dass die Leute für ihren “Qualitätsjournalismus” nicht zahlen wollen, dabei habe das konkrete Gründe, so der freie Journalist Ralf Heimann auf Twitter. Und Heimann liefert gleich ein konkretes Beispiel mit, woran das liegen könnte: Wenn eine Lokalzeitung zu einem brisanten Thema die Botschaft einer Pressemitteilung mehr oder weniger unhinterfragt und unkommentiert übernehme.
3. Facebook hält unsere Kritik am neuen Facebook-Logo für Clickbait (jetzt.de, Simon Hurtz & Charlotte Haunhorst)
Facebook wirft jetzt.de, dem Jugendportal der “Süddeutschen Zeitung”, vor, auf seiner Facebook-Seite Clickbait geteilt zu haben, und hat als Sanktion auf den angeblichen Verstoß die Reichweite der Seite gedrosselt. Die “jetzt”-Redaktion ist sich keiner Schuld bewusst und hat Facebook um Auskunft zu den Gründen gebeten. Charlotte Haunhorst und Simon Hurtz haben sich auf die (erfolglose) Spurensuche begeben, vergleichen Anspruch und Wirklichkeit und denken über eine Frage nach, die sich auch andere Medienseiten stellen könnten: “Wer profitiert von dieser Zusammenarbeit eigentlich mehr? Wir, die journalistische Inhalte produzieren und sie für Facebook aufbereiten? Oder das Unternehmen, das kostenlos darüber verfügen darf, so wie es ihm passt?”
4. Weil der deutsche Artikel “die” … (twitter.com/digiom)
Du hast auf Twitter “Die Queen” geschrieben, zum Beispiel, um einen “Spiegel”-Titel zu zitieren? Vorsicht, der englisch trainierte Twitter-Algorithmus könnte dies als Todeswunsch oder gar Todesdrohung interpretieren und Dich entsprechend sanktionieren. Eine abwegige Vorstellung? Nun, Twitter-Nutzerin “digiom” berichtet, dass ihr Ähnliches widerfahren sei: “Weil der deutsche Artikel “die” von englisch trainierten Algorithmen als “stirb” gelesen wird, kann es einem passieren, dass Twitter einen blockt, wenn man “die Boomer” schreibt.“ Das Resultat sei eine Zwölf-Stunden-Sperre gewesen.
5. Was die Trennung von Anne Will und Miriam Meckel über die Homophobie in diesem Land verrät (nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Die Berichterstattung über die Trennung von Fernsehmoderatorin Anne Will und Publizistin Miriam Meckel sagt einiges aus über den Promi-Voyeurismus bestimmter Medien. In diesem Fall gibt es jedoch noch einen weiteren Aspekt. Johannes Kram nennt ihn das “homosexuelle Egal-Dilemma”: “Durch das Egal-Dilemma können Homosexuelle nichts richtig machen. Selbst wenn sie, wie Will und Meckel das getan haben, von ihrem Privatleben nichts mitgeteilt haben, ist den Leuten das schon zu privat. Selbst, wenn sie sich trennen und dafür die am wenigsten denkbare Anzahl von Worten benutzen, ist diese Anzahl viel zu viel. Es stimmt nicht, dass wir ihnen egal sind. Denn wenn wir egal wären, wäre nicht schon das Wenigste schon zu viel.”
6. TikTok … hinter den lustigen Videos tickt eine «Datenbombe» (medienwoche.ch, Adrian Lobe)
TikTok ist eine der populärsten Social-Media-Apps und wurde weltweit mehr als eine Milliarde Mal heruntergeladen. Das harmlose Teenie-Programm mit seinen 15-Sekunden-Videos befindet sich in chinesischem Besitz, und das wirft einige Fragen auf. So sei beispielsweise “unklar, ob Medienunternehmen, die Videos über TikTok verbreiten, gegen geltendes Datenschutzrecht verstossen, wenn Nutzerdaten möglicherweise auf chinesischen Servern verarbeitet und gespeichert werden.” Adrian Lobe ordnet den Hype um TikTok ein und erklärt Hintergründe und Zusammenhänge.
1. Print wirbt: Burdas verlogener Kampf für das gedruckte Wort (uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der Medienkonzern Burda hat eine Imagekampagne für das gedruckte Wort aufgesetzt, die fremdschämverdächtig zwischen Unverfrorenheit und Unverschämtheit mäandert. Ganz abgesehen von verstörend dümmlich klingenden Slogans und “interessanten” Behauptungen (laut Burda sei Print auch digital …). Stefan Niggemeier schreibt über die Kampagne eines Medienkonzerns, der schon oft durch sein schäbiges Verhalten aufgefallen ist und nun von Menschenrechten und Werten schwadroniert. Und dafür allerlei Prominente bis hin zum Bundestagspräsidenten einspannt.
2. So viel, so schnell, um uns herum (spiegel.de, Stefan Kuzmany)
Das merkwürdige Manifest der neuen Eigentümer von Berliner Verlag und “Berliner Zeitung” Silke und Holger Friedrich beschäftigt weiterhin die Branche. Stefan Kuzmany kommentiert: “Jetzt gehört ihnen der Verlag und damit die Zeitung, und man darf annehmen, dass das der einzige Grund dafür ist, dass ihre “Berliner Botschaft” gedruckt wurde: Nackte Angst der ihnen nun untergebenen Journalistinnen und Journalisten. Niemand traute sich offenbar, die Chefs zu redigieren.” Zur Ehrenrettung der “Berliner Zeitung” muss man jedoch erwähnen, dass dort mittlerweile eine Art partielles Gegenstatement erschienen ist: Egon Krenz danken? Wohl eher nicht (berliner-zeitung.de, Frederik Bombosch).
3. Ulf Poschardt sagt zum Abschied laut Servus (deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 4:44 Minuten)
Der “Welt”-Chefredakteur Ulf Poschardt hat sich mit großer Geste von Twitter verabschiedet, das er als einen “Brandbeschleuniger sowieso hitziger Debatten” bezeichnet. Ein Klima, zu dem er selbst viel beigetragen habe, wie Michael Borgers im Deutschlandfunk kommentiert. Oder um es mit den Worten des “6 vor 9”-Kurators zu sagen: “Nein, Ulf #Poschardt macht nicht “den Habeck”. Poschardt macht den 13-Jährigen, der aus Spaß Katzen am Schwanz zieht, in Ameisenhaufen pinkelt und Sachen kaputt macht, um sich zu spüren. Und der damit nicht aus Einsicht aufhört, sondern weil es ihn nicht mehr kickt.”
4. Die Videos und Fotos zu unserer Konferenz (netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Im September hielten die Kollegen und Kolleginnen von netzpolitik.org ihre sechste Konferenz in Berlin ab. Wer dort nicht dabei sein konnte, braucht nicht traurig sein: Ein Großteil der Talks wurde per Video aufgezeichnet.
5. Fakes über Belit Onay (tagesschau.de, Konstantin Kumpfmüller)
In der Stichwahl um das Amt des Hannoveraner Oberbürgermeisters konnte sich der Grünen-Politiker und Sohn türkischer Einwanderer Belit Onay durchsetzen. Anlass für rechte und ganz rechte Kreise, in den Sozialen Medien gegen ihn zu hetzen und allerlei Verschwörungstheorien in Umlauf zu bringen. Konstantin Kumpfmüller erklärt, mit welchen Falschbehauptungen und frisierten Belegen die Hetzer gegen Onay im Netz vorgehen.
6. Die beste Werbung? Donald Trump (sueddeutsche.de, Christian Zaschke)
Der “New York Times” geht es wirtschaftlich so gut wie lange nicht, und das liegt wohl ausgerechnet an einem ihrer größten Feinde, dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump: Seit Beginn seiner Präsidentschaft verzeichnet das Blatt steigende Leserzahlen und gewinnt beständig neue Abonnentinnen und Abonnenten hinzu. Dank der üppig angewachsenen Cash-Reserven kann die “New York Times” nun sogar ihr Stammhaus zurückkaufen, von dem sie sich vor einiger Zeit aus wirtschaftlicher Not trennen musste.
1. Er wäre gern Karl May (faz.net, Andrea Diener)
Der Schweizer “Tagesanzeiger” hat herausgefunden, dass sich jemand mit mehreren Fake-Accounts über die Wikipedia-Seite des “Spiegel”-Fälschers Claas Relotius hergemacht hat. Das durchsichtige Ziel des “Sockenpuppen-Kartells”: Die Taten des Fälschers zu relativieren, gar zu glorifizieren. Einiges deute darauf hin, dass der Wikipedia-Fälscher mit seinen Fake-Accounts vom norddeutschen Seevetal aus operierte, nur wenige Kilometer entfernt von Tötensen, dem Heimatort von Claas Relotius.
2. Was wir wollen (berliner-zeitung.de, Silke und Holger Friedrich)
Mit dieser Leseempfehlung tue ich mich etwas schwer: Einerseits ist es spannend zu erfahren, was das Verlegerpaar Silke und Holger Friedrich mit seiner Neuerwerbung “Berliner Zeitung” vorhat. Andererseits ist der Text eine krude Mischung aus Schüleraufsatz, Regierungserklärung und naivem bis zweifelhaften Politmanifest, dem ein straffes Redigat gutgetan hätte. Die “Salonkolumnisten” bezeichnen den Text gar als “ostdeutsche Melange des Grauens aus Mahnmalstolz, Rammsteinpromo, Diktatorendank und Politikerbeleidigung”: “Die fünf dämlichsten Sätze aus dem komplett bekloppten Manifest von Holger und Silke Friedrich”.
3. “Meinungsfreiheit muss man benutzen” (sueddeutsche.de, Theresa Hein)
Im Interview mit dem ZDF-Journalisten Claus Kleber geht es um das angeblich bedrohte Recht auf freie Meinungsäußerung und die Freude an Dialog, Widerspruch und Streit. Und es geht um die Debatte um Begriffe, die Kleber für partiell unnötig hält: “Wir streiten, ob man Studierende sagt oder noch besser Studentinnen und Studenten, anstatt zum Beispiel tatsächlich etwas gegen die Benachteiligung vor allem von weiblichen Studierenden im Universitätsalltag zu tun. Man streitet sich gerne über die Worte, wo man sich eigentlich um die Sache kümmern sollte.” Man möchte Claus Kleber entgegnen, dass es durchaus möglich ist, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen.
4. Keynote: Ingrid Brodnig . Wie wir die Macht im Netz zurückerobern (zuendfunk-netzkongress.de, Ingrid Brodnig, Video: 45:24 Minuten)
Wie ist es dazu gekommen, dass der Facebook-Algorithmus das mächtigste journalistische Medium der Welt wurde? Ein Algorithmus, der entscheidet, was 1,5 Milliarden Menschen jeden Tag zu sehen bekommen. In dem Vortrag von Ingrid Brodnig geht es um “Walled Gardens”, Herden- und Netzwerk-Effekte, die Sicherung von Marktdominanz durch Firmenübernahmen und die Frage, mit welchen Tricks die marktbeherrschenden Unternehmen sonst noch arbeiten. 45 Minuten, die sich lohnen.
5. “Dann wird Ihre linkisideologische Propaganda ein Ende finden” (bliq-journal.de, Fabian Goldmann)
Es gibt bestimmte Themen, bei denen Journalistinnen und Journalisten besonders viel Ablehnung entgegenschlägt. Eines dieser Themen ist die Berichterstattung rund um den Islam. Als das Online-Medium “Thüringen 24” beispielsweise über den Moscheebau in einem Erfurter Gewerbegebiet berichtete, füllten sich die Kommentarspalten augenblicklich mit Hass und Hetze. In Thüringen habe sich eine islamfeindliche Gruppe gebildet, die von “Diffamierungen der Lügen- und Lückenpresse” spricht und ihre Mitglieder gegen die Medien aufhetze.
6. Liebes @ZDFheute, macht sowas bitte nie wieder (twitter.com, Helge Braun)
Kanzleramtsminister Helge Braun bekam den Schreck des Jahres: Das ZDF meldete ihm (und vielen anderen) per Push-Nachricht, dass Kanzlerin Angela Merkel ihr neues Kabinett vorstellt: “Blöd, wenn man Kanzleramtsminister ist und davon nix weiß.” Was war passiert? Das ZDF hatte versehentlich die alte Meldung “Merkel stellt Kabinett-Kandidaten vor” auf die Handys der “ZDFheute”-Nutzer gepusht. Für den Minister war es ein heftiger, aber kurzer Schreck: Das ZDF schickte schnell eine weitere Meldung hinterher und stellte den Fehler auf seiner Korrekturseite richtig.
Seit ein paar Wochen versuchen die “Bild”-Medien, ihre Leserinnen und Leser zu Wettsüchtigen zu Profi-Wettern zu machen. Vor allem einer soll dabei helfen: “Quotenwilly”. In einem Artikel hat die Redaktion erklärt, wie dieser Mann “mit Sport-Wetten 20.000 Euro im Monat” verdient. In einem anderen verriet “Quotenwilly”: “Mit diesen fünf Schritten wurde ich zum Wett-Profi”. Und dann gab es noch die “TRICKS & TABUS VON QUOTENWILLY” mit dem “häufigsten Fehler beim Wetten”.
Seit gestern dürfte klar sein, dass der allergrößte “Fehler beim Wetten” ist, auf Tipps zu vertrauen, die bei Bild.de erscheinen:
Geld futsch. Die Dortmunder verloren das Spiel gestern Abend.
Geld futsch. Die Münchner gewannen 4:0 — also über 3.5 Tore im Spiel.
Geld futsch. Es gab insgesamt nur drei Gelbe Karten.
Geld futsch. Der BVB bekam nur eine Ecke.** Diese Wette ging auf.
Besonders interessant ist die fünfte Wette, bei der das eingesetzte Geld ebenfalls futsch gewesen wäre, wenn man entsprechend getippt hätte*: Man findet sie nicht mehr in dem Bild.de-Artikel. Dabei schaffte sie es anfangs sogar noch in die Überschrift:
Nun wird sie in dem Beitrag überhaupt nicht mehr erwähnt. Vielleicht war es für eine Redaktion, die sich beim Thema Fußball selbst gern als die am besten informierte inszeniert, dann doch etwas zu peinlich, dass der empfohlene Torschütze Paco Alcácer gar nicht von Anfang an spielte und erst in der 61. Minuten eingewechselt wurde.
Die Anleitung zum Geldverlieren gab es übrigens nur für zahlenden “Bild plus”-Kunden. Oder anders gesagt: Bei Bild.de muss man erst für ein Abo Geld aus dem Fenster werfen, um erfahren zu können, wie man beim Wetten am besten Geld aus dem Fenster werfen kann.
*Korrektur, 11. November: Mehrere Leser haben uns darauf hingewiesen, dass die Wette auf Paco Alcácer als Torschütze so konstruiert ist, dass sie nur zählt, wenn der jeweilige Spieler von Anfang an auf dem Platz steht. Tut er das nicht, gibt es den Wetteinsatz zurück — das Geld wäre also nicht futsch, wie von uns fälschlicherweise behauptet.
Mit Dank an Christian L., Sebastian und @crimsonceo für die Hinweise!
**Korrektur 2, 11. November: Den Wett-Tipp mit den BVB-Ecken haben wir offenbar falsch verstanden: Gemeint soll eine sogenannte Handicap-Wette gewesen sein — und nicht eine sogenannten Over/Under-Wette, was wir angenommen hatten. Handicap-Wette bedeutet in diesem Fall: Man wettet darauf, dass der BVB am Ende des Spiels insgesamt mehr Ecken hat als der FC Bayern München, wenn man ihm virtuelle 4,5 Ecken hinzurechnet. Da Borussia Dortmund eine Ecke hatte (mit den virtuellen 4,5 Ecken also 5,5 Ecken) und Bayern München zwei Ecken, ist dieser Wett-Tipp tatsächlich aufgegangen.
Wir bitten, die zwei Fehler zu entschuldigen.
Auch wenn nicht, wie wir anfangs geschrieben haben, alle fünf Wetten in die Hose gingen, sondern drei, finden wir es weiterhin recht problematisch, dass eine Redaktion mit einer so enormen Reichweite wie Bild.de ihre Leserschaft mit Wett-Tipps versorgt — und das alles eingebettet in eine Geschichte eines Mannes, der im Monat 20.000 Euro mit Wetten verdienen soll. Dass auch die Redaktion von einer gewissen Gefahr auszugehen scheint, zeigt ein Hinweis ganz am Ende desselben Artikels:
Spielsucht? Hier bekommen Sie Hilfe!
Wenn Sie Probleme mit Spielsucht haben oder sich um Angehörige oder Freunde sorgen, finden Sie Hilfe bei der “Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung”. Unter der kostenlosen Hilfe-Hotline 0800 1 37 27 00 erhalten alle Informationen zu Hilfsangeboten rund um das Thema Spielsucht!