Neues von Holger und Silke, Hassangriffe, Schalte im Funkloch

1. Wie eine Aussage über „berlin.de“ die Berliner Verwaltung aufschreckte
(tagesspiegel.de, Robert Kiesel)
Die Neu-Verleger Silke und Holger Friedrich („Berliner Zeitung“) machen erneut von sich reden. In der „Neuen Zürcher Zeitung“ ließen sie durchblicken, was sie für den „eigentlichen Schatz“ ihrer Firmenübernahme halten: die Mehrheitsrechte am Städteportal berlin.de. Holger Friedrich stellt sich die digitale Zukunft so vor: „Man lädt sich die App der Stadt herunter, scannt seinen Ausweis ein, dann wird in wenigen Sekunden verifiziert, ob das Dokument valide ist oder irgendetwas juristisch vorliegt. Als Nächstes wird die Steueridentifikationsnummer abgeglichen, auch die Rückmeldung erfolgt binnen Sekunden. Fertig.“ Friedrichs Aussagen stießen bei Datenschutzexperten und Behörden auf breite Ablehnung. Die Berliner Senatskanzlei reagierte umgehend: „Wir sind weit davon entfernt, einem privaten Unternehmen tiefere Einblicke in die sensiblen Daten der Berlinerinnen und Berliner zu gewähren.“
Weiterer Lesehinweis: Wer das bisherige Geschehen um die Neueigentümer der „Berliner Zeitung“ nicht verfolgt hat, sei an den Beitrag von Daniel Bouhs verwiesen, der die Sache bei „Zeit Online“ zusammenfasst und kommentiert: Alles in eigener Sache.

2. „Wir sind nicht geschützt“
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 5:37 Minuten)
Brigitte Baetz hat sich für den Deutschlandfunk mit der Publizistin und Kolumnistin Margarete Stokowski über deren Erfahrungen mit Hass im Netz unterhalten. Von der Polizei habe es selbst bei schwersten Bedrohungen wenig Hilfe gegeben: „Ich hatte mal ein Beratungsgespräch, als es sehr konkrete Drohungen gegen mich gab, die man als Vergewaltigungs- oder Morddrohungen interpretieren konnte. Da wurden so Sachen geraten wie: Posten Sie nicht ihren Standort im Internet — das mache ich natürlich ohnehin nicht. Und gehen Sie nicht abends im Dunkeln alleine raus, nicht alleine unterwegs sein, was natürlich faktisch nicht funktioniert. Und wenn doch, dann nehmen Sie am Besten immer eine Taschenlampe mit.“ Ein weiterer wichtiger Hinweis von Margarete Stokowski: „Hassangriffe werden auch von Leuten ausgelöst, die publizistisch tätig sind.“
Dazu passend gleich noch ein weiterer Lesetipp: Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Stephan Anpalagan analysiert mit vielen Quellenangaben die Medienfigur „Don Alphonso“.

3. Mit verknüpfter Suche findet ZDF den „Weltspiegel“ der ARD
(netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
ARD und ZDF führen eine Mediatheken-übergreifende Suche ein. Die Lösung ist noch weit weg von perfekt, da es keine gemeinsame Ergebnisliste gibt. Leonhard Dobusch, der den Bereich Internet im ZDF-Fernsehrat vertritt, freut sich dennoch: „Dieser Suchbalken ist ein kleiner Schritt hin zu einer stärkeren Verschränkung der öffentlich-rechtlichen Angebote, aber gleichzeitig ein wichtiger symbolischer Akt: Die hermetisch voneinander abgeschlossenen Sender-Silos werden damit endlich online aufgebrochen.“

4. Geheimhaltung überwiegt nicht, wenn es um Pressefreiheit geht
(sueddeutsche.de, Ronen Steinke)
Hintergrundgespräche des Bundesnachrichtendienstes mit ausgewählten Journalistinnen und Journalisten bilden bereits seit längerer Zeit das Zentrum eines juristischen Streits. Am 18. September gab es dazu ein wegweisendes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, zu dem jetzt die schriftliche Begründung vorliegt. „Süddeutsche“-Redakteur und Jurist Ronen Steinke ordnet das Urteil und seine möglichen Folgen ein.

5. Sagt Ihr eigentlich auch immer „Schrei doch nicht so laut! Das will er doch nur!“ …
(twitter.com/sixtus)
Hater seien keine Trolle, deshalb sollten im Umgang mit ihnen nicht die üblichen „Ignorieren“-Ratschläge gelten. Mario Sixtus erklärt, warum es sich für Opfer und Zeugen lohnt, laut zu werden. Auch und gerade bei Angriffen durch eine rechtsextreme Online-Horde: „Diese Meute ist nur so lange mutig, wie sie nicht auf Widerstand trifft, wie sie sich überlegen fühlt. Wenn aber plötzlich Menschen widersprechen, zurückbrüllen, ihre Tweets melden, öffentlich Blocklisten teilen, laut werden, werden sie schnell zu Mimimi-Schneeflöckchen. Das beste, was ein Opfer tun kann, ist also laut zu werden und um Hilfe zu rufen. Das gilt bei rassistischen oder sexistischen Übergriffen in der U-Bahn genauso wie auf Twitter! Und überall gilt: Helft den Opfern und klugscheißt sie nicht voll!“

6. Unsere Schalte …
(twitter.com/tagesschau)
Das Leben hält manchmal die schönsten Pointen bereit: Als die „Tagesschau“ zum Anti-Funkloch-Treffen des Bundeskabinetts ins brandenburgische Gransee-Meseberg schaltet, bricht das Interview nach wenigen Sekunden ab. Wahrscheinlich der Grund: ein Funkloch …