Darum ist der Besuch bei Bild.de so gefährlich

Vergangene Woche gab es in den „Bild“-Medien eine Serie zum Thema Sportwetten: „Die Welt der Wetten“. Zum Start am Dienstag „packte“ ein Buchmacher aus. Am Donnerstag erzählte „EIN PROFI-ZOCKER“, wie man Profi-Zocker wird. Am Freitag gab es von der Redaktion „Vier Tipps für Wett-Einsteiger“. Und am Sonntag erklärte einer, wie er „mit Sportwetten 20.000 Euro im Monat“ verdient.

Das klingt ja erstmal alles so, als wären Sportwetten eine ganz tolle Sache. In der „Bild“-Serie wurden aber auch die problematischen Seiten thematisiert: Zu jedem Artikel veröffentlichte die Redaktion einen Infokasten mit der Überschrift „Spielsucht? Hier bekommen Sie Hilfe!“ (dass so etwas nötig ist, um der eigenen Verantwortung wenigstens etwas nachzukommen, hätte für das „Bild“-Team vielleicht ein Hinweis darauf sein können, dass das Thema Sportwetten für eine Serie nicht unbedingt das passendste ist). Außerdem „PACKTE“ am Samstag „EIN SPIELSÜCHTIGER“ „AUS“. Und am Mittwoch warnte ein „Sucht-Experte“ …

Screenshot Bild.de - Sucht-Experte warnt - Darum sind Live-Wetten so gefährlich

Im Interview sagte „Suchtforscher“ Tobias Hayer:

BILD: Sind Sportwetten gefährlich? Was kann daran süchtig machen?

Hayer: „Da muss man ein wenig unterscheiden. Eine Sportwette unter Freunden ist in der Regel unproblematisch. Das Gefährliche sind die Live-Wetten im Internet. Davon geht eine hohe Suchtgefahr aus. Die sind 24 Stunden lang verfügbar, und es kann ja wirklich auf alles gewettet werden. Ein Gewinn kann sofort reinvestiert werden, und bei einem Verlust wird versucht, ihn sofort wieder reinzuholen. Diese hohe Ereignisdichte kickt und steht im Zusammenhang mit hohen Suchtgefahren.“

Jaja, diese Live-Wetten. Die sind so gefährlich, dass die Bild.de-Redaktion den Sucht-Experten davor lieber mal auf ihrer Startseite warnen lässt. Also dort, wo sonst, wenn Fußball läuft, der Wettanbieter bwin an prominenter Stelle für seine Live-Wetten werben darf:

Screenshot der Bild.de-Startseite mit den Live-Ergebnissen der gerade laufenden DFB-Pokalspiele und darunter eine Anzeige des Wettanbieters bwin mit den Live-Wettquoten für die jeweiligen Spiele

Klickt man auf eine der Quoten, landet man direkt auf der bwin-„livebetting“-Seite. Wie würde der Suchtforscher sagen? Dort kickt die hohe Ereignisdichte dann so richtig rein.

Mit Dank an Jeanette S. für den Hinweis!