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Uefa, Georg Seeßlen, Hugh Grant

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Montierte Tränen”
(sueddeutsche.de, Thomas Kistner und Katharina Riehl)
Die Live-Übertragung der Fußball-Europameisterschaft wird erneut mit vorher aufgezeichneten Szenen gemischt. “Die Bilder aus dem deutschen Fanblock wurden vorher aufgenommen und nach dem Tor ohne die mit der Uefa verabredete Kennzeichnung gezeigt.”

2. “Deutschland ringt um Fassung”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier greift den Fall auf: “Die ARD will sich wieder beim Verband beschweren, und das ZDF wird sicher auch noch markige Worte für diese Art der Manipulation finden. Sie werden so laut und empört über diesen unseriösen Einsatz von Symbolbildern protestieren, dass man fast denken könnte, sie hätten einen Ruf zu verlieren, als Journalisten und seriöse Sportberichterstatter.” Siehe dazu auch “Entzieht ARD und ZDF den Live-Fußball!” (ftd.de, Falk Heunemann) und “Mein Fan-Problem” (coffeeandtv.de, Lukas Heinser).

3. “21/22”
(zumblondenengel.de, Frédéric Valin)
“Es ist die Geste des stolzen Sklaven, der seinen Körper, nicht aber seinen Geist unterwerfen hat lassen”, schrieb Georg Seeßlen beispielsweise für die “taz” über die Jubelpose des italienischen Fußballers Mario Balotelli nach dem 2:0 im Spiel gegen Deutschland. Frédéric Valin analysiert diesen Feuilleton-Text und zwei weitere dazu: “Fassen wir zusammen: Seeßlen akzuentiert Balotelli als Farbigen, der Widerstand leistet; Poschart ihn als Wilden, der die Grenzen sprengt; Graff ihn als in der Urzeit Erstarrten. Keiner schafft es, sich von der Hautfarbe Balotellis zu lösen, bei allen bleibt er der Schwarze, der sich nur im Verhältnis zu seiner Hautfarbe deuten lässt.”

4. “‘Als hätte man einen Einbrecher zu Hause'”
(welt.de, Rüdiger Sturm)
Schauspieler Hugh Grant war letztes Jahr daran beteiligt, das Abhören von Telefonen durch “News of the World” aufzudecken. “Wenn ich in der Öffentlichkeit auftrete, habe ich nichts dagegen, wenn die Medien darüber berichten. Das geschieht ja mit meinem Einverständnis. Aber wenn man in mein Privatleben eindringt, dann ist das so, als hätte ich einen Einbrecher zu Hause. Wer würde da nicht wütend? Aber es geht bei der ganzen Sache nicht in erster Linie um mich und um die Leute aus dem Showbusiness. Viel schlimmer betroffen sind die ganz normalen Bürger, etwa die Angehörigen von Mordopfern.”

5. “Der Jamiri-Plagiator Andreas Heinze aus Oberhausen wagt eine Ausstellung”
(ruhrbarone.de, Georg Kontekakis)
Georg Kontekakis ärgert sich über die Berichterstattung zu einer Ausstellung eines Mannes, in dem er keinen Künstler, sondern einen Plagiator von Jamiri sieht.

6. “Rousseau in der Campagna…”
(infosperber.ch, Kurt Marti)
Die Hauptausgabe der Tagesschau des Schweizer Fernsehens illustriert einen Bericht über Jean-Jacques Rousseau mit einem Bild von Johann Wolfgang von Goethe.

Enttäuschte Liebe

Bei jedem Fußballturnier ist es das Gleiche. Solange die deutsche Mannschaft gewinnt, sieht es in “Bild” so aus:

“Bild”, 9. Juni:

“Bild am Sonntag”, 10. Juni:

“Bild am Sonntag”, 10. Juni:

Bild.de, 11. Juni:

“Bild”, 14. Juni:

Bild.de, 14. Juni:

Bild.de, 14. Juni:

“Bild”, 15. Juni:

Bild.de, 16. Juni:

Bild.de, 16. Juni:

Bild.de, 19. Juni:

“Bild”, 23. Juni:

Bild.de, 23. Juni:

Sobald die deutsche Mannschaft aber rausfliegt, sieht es plötzlich so aus:

“Bild”, 29. Juni:
Neuer: 4, Hummels: 5, Badstuber: 5, Boateng: 4, Lahm: 5, Khedira: 4, Schweinsteiger: 6, Kroos: 5, Özil: 5, Podolski: 6, Gomez: 6

Bild.de, 29. Juni:

Bild.de, 29. Juni:

Bild.de, 29. Juni:

Bild.de, 29. Juni:

Bild.de, 29. Juni:

Bild.de, 29. Juni:

“Bild am Sonntag”, 1. Juli:

Bemerkenswert – aber kaum überraschend – auch dieser Dreiklang:

Bild.de, 29. Juni:

Bild.de, ein paar Stunden später:

Bild.de, 30. Juni:

Außerdem ließ es sich “Bild” nicht nehmen, die “Memmen” in Einzelkritiken noch ein bisschen deutlicher niederzumachen:

Dass die Kritik weder etwas mit Fußball zu tun haben noch in irgendeiner Weise mit der vorherigen Berichterstattung übereinstimmen muss, dürfte jetzt auch nicht mehr groß überraschen. (Den Spruch über Mario Gomez hat “Bild” sich übrigens nicht mal selbst ausgedacht.)

Und wie das so ist bei Profifußballern: Wenn einem die Argumente blöden Sprüche ausgehen, kann man ja immer noch auf deren Millionen-Gehältern rumreiten:

Man mag es kaum glauben, wie sehr ein deutscher Nationalspieler verwöhnt wird. (…)

Es ist eine Kuschel-Welt, in der unsere Nationalspieler beim DFB leben.

Als die deutschen Fußballer sich vor ein paar Tagen im Mannschaftshotel “gemütlich auf die Couch” lümmelten und im eigenen Heimkino einen “großen Kinospaß in 3D” anschauten, fand Bild.de das übrigens noch “megacool”.

Aber da war die Mannschaft ja auch noch im Turnier.

Siehe auch:

Mit Dank auch an die vielen, vielen Hinweisgeber!

Auch als Orakel unbrauchbar

Die EM-Halbfinals 2012 sind vorbei, Deutschland ist (wieder einmal) gegen Italien ausgeschieden.

Das macht die großspurigen “Witze” mancher Boulevardmedien im Nachhinein natürlich noch ein bisschen peinlicher:

“Hamburger Morgenpost”, gestern:
11 Gründe, warum wir heute Abend Italien wegputzen: Pizza End-Statione

“Abendzeitung”, gestern:
Arrivederci, Italia!

Bild.de, gestern:
Wir wünschen schon jetzt eine gute Heimreise

Und erst letzten Samstag hatte “Bild” noch groß verkündet:
Uns stoppt keiner mehr!

Mit Dank auch an C.

Fußball, Verschwörungstheoretiker, CNN

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “10 Randbemerkungen zum Thema Fußball im Fernsehen”
(fernsehkritik.tv, Video, 18 Minuten)
Fernsehkritik.tv lässt einige bemerkenswerte Momente der Fußball-Europameisterschaft im Fernsehen Revue passieren.

2. “ARD und ZDF machen den Fußball lächerlich”
(focus.de, Alexander Kissler)
Bei den Interviews mit Fußballern am Spielfeldrand hat Alexander Kissler “noch keine journalistisch relevante Frage” gehört. “Hier wie dort triumphiert die Verwandlung erwachsener Menschen in Wohlfühlautomaten. (…) Es geht einzig darum, auf täppische Weise Emotionen zu inszenieren und Psychologie zu simulieren.”

3. “Ich war Weltmeister”
(tageswoche.ch, Carmelo Policicchio)
Carmelo Policicchio, als Sohn eines italienischen Schweissers in Deutschland aufgewachsen, erinnert sich an Spiele zwischen Deutschland und Italien 1970 und 1982. Siehe dazu auch “Warum Özil die Hymne nicht mitsingt – Fußball, Integration und Nationalgefühl” (dradio.de, Martin Hyun).

4. “CNN, Fox News Bungle Supreme Court Coverage”
(talkingpointsmemo.com, Video, 2:26 Minuten, englisch)
CNN und Fox News berichten, der Oberste Gerichtshofs habe die Gesundheitsreform der Regierung Obama für verfassungswidrig erklärt – um wenige Minuten später das Gegenteil zu vermelden. Siehe dazu auch die Statements der Sender (poynter.org) und die Unzufriedenheit anderer CNN-Mitarbeiter (buzzfeed.com).

5. “Wer ernsthaft für seine Zeitung arbeiten will, arbeitet gegen sie”
(blog.tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
“Eine kluge Zeitung, eigentlich jede mit Format, zeichnet sich fast definitionsgemäss dadurch aus, dass in ihr möglichst viele Angestellte immer wieder in Opposition gehen: Das garantiert ihre Weite, ihre Neugier, ihre Entwicklung. So sind etwa berühmte bürgerliche Blätter nie durchgehend bürgerlich: die ‘Frankfurter Allgemeine’ etwa leistet sich ein meist linksliberales, verspieltes Feuilleton; die ‘NZZ’ einen oft unideologischen Auslandsteil.”

6. “Alle unter Kontrolle”
(datum.at, Julia Niemann und Thomas Trescher)
Ein Bericht über Verschwörungstheoretiker in Österreich: “Was die Protagonisten aber gemeinsam haben, ist ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber Politik und Staat. Kevin Mohr glaubt nicht daran, innerhalb des politischen Systems etwas bewegen zu können. Wählen war er noch nie, weil er keine Möglichkeit sieht, dass sich im Großen und Ganzen etwas ändert. Was ihn von vielen anderen unterscheidet, ist der fixe Glaube, dass hinter Trash-TV, der Wirtschaftskrise und der Europäischen Union ein komplexer Masterplan steckt, ausgeheckt von Bösewichten, die die Menschheit unterjochen wollen.”

Fachblatt für Geschmacklosigkeiten

Ein Mann hat offenbar versucht, auf verschiedenen Internetplattformen ein Auto zu verkaufen, das sich seiner Ansicht nach dadurch hervortat, dass es früher dem Fußballer Robert Enke gehört hatte, der sich im Jahr 2009 das Leben genommen hatte.

“Bild” kommentiert das heute so:

Geschmacklos! Auto-Verkäufer warb mit totem Enke
Man kann sich diesem Urteil natürlich anschließen — sollte dann andererseits dringend noch einmal daran erinnern, wie “Bild” vier Tage nach Enkes Tod bei Facebook für ihren Online-Auftritt geworben hatte (in dem damals u.a. viele Paparazzi-Fotos von der trauernden Witwe, unter anderem am Grab ihrer Tochter zu sehen waren):


Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Albrecht Müller, taz, Frauenzeitschriften

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Thilo Sarrazin geht gegen ‘taz’ vor”
(spiegel.de, Felix Bayer und Thorsten Dörting)
Christian Schertz, Anwalt von Thilo Sarrazin, fordert eine Unterlassungserklärung von der “taz”. Beanstandet wird der am 18. Juni in der Rubrik “Die Wahrheit” erschienene Text “Thilo Sarrazin: Südländer als Untermenschen”.

2. “Offener Brief an Albrecht Müller”
(freitag.de, Jakob Augstein)
Jakob Augstein, Herausgeber von “Der Freitag”, schreibt an Albrecht Müller, Herausgeber der “Nachdenkseiten”: “Sie lesen offenbar nicht den Text, der vor Ihren Augen steht, sondern Sie suchen in dem Text Ihre eigenen Vorurteile – und wenn Sie die nicht finden, macht es Ihnen auch nichts aus.” Anlass für die Replik ist diese Kritik (Nachtrag).

3. “How do you tell when the news is biased? It depends on how you see yourself”
(niemanlab.org, Jonathan Stray, englisch)
Die Frage, welcher Gruppe man sich zugehörig fühlt, ist entscheidend bei der Beurteilung der Unvoreingenommenheit einer Nachricht. “The same story can make everyone on all sides think the media is attacking them. (…) We might like to think of ourselves as impartial judges of credibility and fairness, but the evidence says otherwise.”

4. “Vorsicht vor der Politik, wenn alles jubelt”
(tagesschau.de, Video, 2:41 Minuten)
Die “Tagesthemen” blicken zurück auf wichtige Politikentscheide, die während großer Fußballturniere vorgenommen wurden, “politische Grausamkeiten im Schatten der Spiele”. So zum Beispiel die Erhöhung der Mehrwertsteuer während der WM 2006 oder aktuell die Entscheidungen zum Fiskalpakt und zum ESM.

5. “Das Schweizer Fernsehen diskriminiert die Jungen”
(infosperber.ch, Christof Moser)
Christof Moser prüft den Altersdurchschnitt der eingeladenen Gäste verschiedener Sendungen des Schweizer Fernsehens.

6. “Blond, ledig testet … Frauenzeitschriften”
(zdf.de, Video, 29:52 Minuten)
Die 29-jährige Redakteurin Inga Weßling testet während einer Woche aus, was Frauenzeitschriften empfehlen: Sie macht eine Obstdiät, konsultiert eine Astrologin, übt strippen, geht zu einer Tantra-Massage und lässt sich Haare mit Wachs entfernen.

Für sie am Ball

Für diese Schlagzeile auf Bild.de gilt das gleiche wie für die Momente, in denen man unbekleidet vom eigenen Partner mit einer anderen Person im heimischen Schlafzimmer überrascht wird: Es ist nicht, wonach es aussieht.

Martin wollte Casillas-Freundin abschießen

Zum einen ist da der Vorwurf des “Abschießenwollens”, den Bild.de so beschreibt:

Vor dem Anstoß versuchte Marvin Martin (24) die spanische TV-Reporterin Sara Carbonero (28) abzuschießen.

Die Verlobte von Spaniens Torhüter Casillas moderierte gerade am Spielfeldrand, als Martin Maß nahm.

Warum er nur Auswechselspieler ist, bewies der Mittelfeldmann eindrucksvoll: Sein Schuss verfehlte die schöne Moderatorin.

Es bedarf schon einigen bösen Willens, in dieser Aktion Absicht zu erkennen — und nicht einfach ein verunglückte Volley-Annahme:

(Auch die Behauptung, Frau Carbonero habe “im letzten Moment zur Seite springen” können, dürfte angesichts des Videos leicht übertrieben wirken. Aber eine frontal getroffene Kamera ist offenbar nicht so spektakulär, wie eine beinahe getroffene “schöne Moderatorin”.)

Zum anderen lautete die Überschrift ursprünglich “Nasri wollte Casillas-Freundin abschießen”, weil die Sportexperten von “Bild” Marvin Martin zunächst für Samir Nasri gehalten hatten.

Nachdem einige Leser in den Kommentaren auf diese Verwechslung hingewiesen hatten, überarbeitete Bild.de unauffällig den gesamten Artikel — und sorgte dafür, dass die Kommentare unter dem Artikel nicht mehr angezeigt werden.

In der gedruckten “Bild” allerdings kann man die ursprüngliche Verwechslung noch in aller Pracht nachlesen:

Nasri wollte Casillas-Freundin abschießen

Mit Dank an Jan David Sch., Moritz S., Arno W., Thomas Sch. und S.K.

Bild  

Keine echte Überraschung

So richtig wollen es die Leute von “Bild” offenbar selbst nicht glauben:

Meister-Shirt schon aufgetaucht?

Der erste Absatz klingt noch ziemlich sicher:

Eigentlich will der BVB das große Geheimnis erst am 4. Juli lüften und sein neues Trikot für die Saison 2012/13 offiziell präsentieren. Dumm nur, dass es bereits jetzt in den ersten Geschäften verkauft wird…

Doch dann wird “Bild” ungewohnt zurückhaltend:

Hintergrund: Ausrüster Puma hat das Trikot offenbar schon ausliefern lassen, damit es passend zur Vorstellung in knapp zwei Wochen in den Läden vorrätig ist.

Allerdings mit der Verpflichtung, sie auf keinen Fall früher anzubieten. Doch an diese Vorgabe halten sich anscheinend längst nicht alle Einzelhändler.

Meister-Shirt schon aufgetaucht? Demnach ist es der Grundton komplett gelb, mit schwarzgelben Kragen und schwarzem Absatz an den Ärmeln. Sowie zwei Sternen über dem BVB-Logo auf der rechten Brust.

Schön, schlicht. Aber leider keine echte Überraschung mehr…

(Hervorhebungen von uns.)

Ja, dieses Trikot-Design ist “keine echte Überraschung mehr”: Der “Westen” hatte bereits vor über einem Monat ein Bild des neuen Dortmund-Trikots gezeigt, das vorher schon in verschiedenen Fanforen aufgetaucht war, und etwas nebulös hinzugefügt:

Aus BVB-Kreisen wurde bestätigt, dass dieses Fanforum bei der Abbildung des neuen Trikots einen Volltreffer gelandet habe.

Mit Dank an Ulas Y.

Bild  

Die Ente ist sicher

Wenn man es nicht ohnehin jeden Tag über “Bild” sagen könnte, würden wir sagen: Das, was da morgen millionenfach ungefragt unters Volk gebracht wird, ist doch keine Zeitung! Aktuelle Informationen wird die “Frei-BILD für alle” jedenfalls nicht enthalten. Die Produktion wurde schon vor Tagen abgeschlossen. Seit Mittwoch verteilt die Post das Papier intern über das Land.

Wann das zeitlose Printprodukt, mit dem sich “Bild” zum 60. Geburtstag gratuliert, tatsächlich entstanden ist, wissen wir nicht. Es könnte schon länger her sein. Auf der Titelseite jedenfalls ist Chefredakteur Kai Diekmann, über dessen neuen Kurzhaarschnitt die Medien vergangene Woche ernsthaft berichtet haben, noch mit alter Frisur abgebildet:

Es ist ein größerer logistischer Aufwand, den Springer betreibt, um sich morgen in rund 41 Millionen Briefkästen stecken zu lassen. Und der Aufwand wurde noch größer dadurch, dass mehr als 250.000 Menschen erklärt haben, keine “Bild” bekommen zu wollen — diesen Widerspruch muss “Bild” respektieren.

Für einen solchen Einspruch ist es jetzt zu spät, aber der Cartoonist Ralph Ruthe hat bei Facebook eine Druckvorlage veröffentlicht, die Sie morgen an Ihren Briefkasten kleben können:

Hier bitte keine BILD einwerfen

Die Deutsche Post AG schreibt in einer internen Mail:

Am morgigen Samstag stemmt der Brief-Bereich in der Zustellung das größte Einzelprojekt aller Zeiten

Die Bild-Zeitung feiert ihren 60. Geburtstag und bringt zu diesem Anlass eine Jubiläumsausgabe heraus. Jeder Haushalt in Deutschland soll eine gratis bekommen. 41 Millionen Exemplare müssen verteilt werden – eine Riesenaufgabe für unsere Zusteller. Axel Springer plant sogar, die Aktion ins Guinness Buch der Rekorde zu bringen.

(Link von uns)

Die Zeitungen wurden bereits seit vergangenen Mittwoch auf insgesamt 8.100 Paletten aus den dezentralen Lagern Zug um Zug an die Briefzentren geliefert. Dort werden die Sendungen kommissioniert und weiter an die Zustellstützpunkte transportiert.

Die Zusteller wurden in den Dienstunterrichten auf die Aktion vorbereitet. Über 53.000 von ihnen werden am Samstag fast zwei Millionen Kilometer zurücklegen, um die Bild zu allen Haushalten zu bringen. In Bonn wird ein zentrales Lagezentrum eingerichtet, von dem aus Kollegen für Nachfragen und bei Problemen zur Verfügung stehen. Alles ist bereit für den größten Pressepost-Versand, den es jemals in Deutschland gab.

In einem Interview gab Uwe Brinks, Produktionschef Deutschland bei der Deutschen Post, zu Protokoll:

Das ist eine große Herausforderung, auf die ich mich sehr freue. Gleichzeitig habe ich natürlich Respekt davor. Ich vertraue ganz auf unsere Mitarbeiter. Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass viele Kollegen der Ehrgeiz gepackt hat. Für uns ist das eine tolle Chance zu beweisen, dass wir “die Post für Deutschland” und erste Wahl für unsere Kunden sind. Diese Aktion kann uns keiner nachmachen.

Die Zusteller, mit denen wir gesprochen haben, hat eher die Wut als der Ehrgeiz gepackt, aber bei einem solchen Projekt für Deutschland kann auf den Einzelnen natürlich keine Rücksicht genommen werden.

Und so wird sie aussehen, die meiste Zeitung aller Zeiten:

Frei-Bild für alle!

PS: BILDblog wird morgen übrigens wie üblich für sieben Milliarden Menschen produziert, die frei entscheiden können, ob sie uns lesen wollen.

Wir sind weiterhin jeden Tag kostenlos, freuen uns aber über finanzielle Unterstützung.

Fortuna Düsseldorf, Märkte, Demokrit

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Scheinheiligkeit à la Bild-Zeitung – der späte Umgang mit der ‘Schande von Düsseldorf'”
(sportsaal.de, Derhatschongelb)
Fußball: “Bild” kommentiert den definitiven Aufstieg von Fortuna Düsseldorf in die erste Bundesliga. “Liebe Bild, dieser Kommentar ist keine Wiedergutmachung für die öffentliche Hinrichtung des Vereins Fortuna Düsseldorf und seiner Fans. Er ist ein blanker Hohn.”

2. “‘Bild’ macht Leipziger SPD-Chef zum OBM-Kandidaten der CDU”
(l-iz.de, Ralf Julke)
“Bild Leipzig” druckt ein Foto von von Michael Clobes ab und beschreibt es mit “Volker Lux” und “Kandidat Nr.1”.

3. “Faule Griechen statt Rudi Dutschke”
(theeuropean.de, Jürgen Trittin)
Grünen-Politiker Jürgen Trittin schreibt über “Bild”: “Im Stil bleibt ‘Bild’ seinem Anspruch treu, Politik nicht nur journalistisch zu beobachten und zu kommentieren, sondern selbst zu gestalten. Als selbst ernanntes Sprachrohr eines vermeintlichen Mainstreams, das seiner daraus folgenden Verantwortung aber nicht nachkommt.” Weitere Texte hier.

4. “Mit eingezogenen Fühlern”
(vocer.org, Julia Friedrichs)
Eine Rede zur Lage des Journalismus von der 32-jährigen Journalistin Julia Friedrichs: “Wer immer und immer wieder hört: ‘Die See ist rau! Die Zeiten hart! Pass Dich an!’, dem wird es schwerfallen, die Ideale mit denen er mal gestartet ist, zu bewahren. Die Träume. Die Prinzipien. Das, was anständiger Journalismus auch braucht.”

5. “Märkte verschieben Untergang”
(taz.de, Deniz Yücel)
Deniz Yücel sammelt Überschriften aus Zeitungen, in denen die “Märkte” vorkommen.

6. “Demokrit sucht eine Lücke”
(umblaetterer.de, San Andreas, Videos)
Das Fußballspiel Deutschland gegen Griechenland aus der Sicht von Monty Python 1972.

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