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KW 34/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Sollten Medien das Wort “Clan-Kriminalität” streichen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 15:11 Minuten)
Die “Frankfurter Rundschau” (“FR”) hat beschlossen, den Begriff “Clan-Kriminalität” nur noch in Ausnahmefällen zu verwenden, da er Menschen stigmatisiere und “politisch missbraucht” werde (siehe die “6 vor 9” vom 16. August). Die Entscheidung wurde maßgeblich von der “FR”-Volontärin Yağmur Ekim Çay beeinflusst, die betont, dass Journalisten und Journalistinnen darauf achten sollten, wie sie über Themen sprechen und welche Begriffe sie verwenden. Im “Übermedien”-Podcast spricht Holger Klein mit ihr darüber, wie das Thema auf die Agenda kam, wie die redaktionsinterne Diskussion und die Entscheidungsfindung verliefen und welche Reaktionen es gab.

2. Clickworker – Ausgebeutet für künstliche Intelligenz
(swr.de, Christian Kretschmer, Audio: 28:45 Minuten)
Diese Woche empfahlen wir in den “6 vor 9” einen tagesschau.de-Beitrag von Christian Kretschmer über die Rolle und Situation von Clickworkern bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI). Clickworker, oft aus Ländern wie Kenia oder Kolumbien, trainieren Maschinen, indem sie Daten für KI-Systeme sammeln, und sind oft prekären Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen ausgesetzt. Trotz ihrer entscheidenden Rolle bei der Entwicklung von KI berichten viele von Ausbeutung, Perspektivlosigkeit und intensiver digitaler Überwachung. Im SWR-Beitrag kann man Kretschmer auf seiner Recherchereise nach Kenia begleiten, wo er mit zahlreichen Betroffenen gesprochen hat.

3. Sechs Frauen werfen «Republik»-Reporter sexuelle Belästigung vor
(srf.ch, Salvador Atasoy & Oliver Kerrison, Audio: 28:48 Minuten)
In einer Spezialausgabe des SRF-Medientalks geht es um mutmaßliche sexuelle Belästigungen durch einen bekannten Schweizer Journalisten und die Folgen für die Betroffenen. Die Recherche beleuchtet die “Strukturen hinter den mutmaßlichen Übergriffen” und diskutiert, warum die Betroffenen bisher gezögert haben, rechtliche Schritte einzuleiten. Dabei wird ausdrücklich betont, dass bei allem die Unschuldsvermutung gilt.

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4. Zwischen Milliardengeschäft und öffentlichem Anspruch – Sportübertragungen im TV
(ardaudiothek.de, BR24 Medien, Ingo Lierheimer, Audio: 24:41 Minuten)
Es ist ein krasses Ungleichgewicht: Während die TV-Rechte der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft der Männer rund 200 Millionen Euro einbrachten, waren es für die TV-Rechte der Fußball-WM der Frauen vergleichsweise magere, geschätzte fünf Millionen Euro. Das BR24-Medienmagazin wirft einen Blick auf das Geschäft mit den Übertragungsrechten von Sportereignissen und die offensichtliche Schieflage. Der Medienwissenschaftler Thomas Horky bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, dass es im deutschen Sportfernsehen vor allem drei Sportarten gebe: “Fußball, Fußball und Fußball”.
Weiterer Hörtipp: Bundesliga: Profitabel dank TV-Rechten (deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 23:53 Minuten).

5. Medien im Exil – Freier Journalismus nach dem russischen Angriffskrieg
(deutschlandfunk.de, Axel Schröder, Audio: 18:58 Minuten)
Die Deutschlandfunk-Sendung “Hintergrund” thematisiert die schwierige Situation kremlkritischer Medien, die in Russland unter enormem Druck stehen und denen oft nur der Weg ins Exil bleibt. Es kommen russische Medienmacher und -macherinnen sowie Betroffene zu Wort, die unter abenteuerlichen und prekären Umständen ins Ausland übersiedeln mussten.

6. Videospiele und Journalismus? Die Gamescom in Köln
(sr.de, Thomas Bimesdörfer & Florian Mayer, Audio: 20:12 Minuten)
Anlässlich der in Köln stattfindenden Gamescom, der größten Videospielmesse der Welt, hat sich die SR-Mediensendung “Cross und Quer” mit Heiko Klinge, Chefredakteur des Videospielmagazins “GameStar”, über das Thema “Videospiele und Journalismus” unterhalten: Wo stehen Videospiele gesellschaftlich aktuell? Wie hat sich die Branche verändert? Und wie passt da der Journalismus rein?

Strafanzeige gegen Reichelt, Vom Winde verdreht?, Causa Mockridge

1. NDR erstattet Strafanzeige gegen Julian Reichelt
(spiegel.de, Anton Rainer)
Wie der “Spiegel” berichtet, hat der Norddeutsche Rundfunk (NDR) bei der Berliner Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den ehemaligen “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt gestellt. Der NDR werfe Reichelt vor, in einem früheren Prozess gelogen zu haben, als er eidesstattlich versicherte, keine “diversen Affären” mit Mitarbeiterinnen des Springer-Konzerns gehabt zu haben. Als Beweis führe der NDR die eidesstattliche Versicherung einer betroffenen Frau an, die ihre Angaben durch einen Chatverlauf zwischen ihr und Reichelt bestätigt sieht.

2. Vom Winde verdreht? Mediale Narrative über Windkraft, Naturschutz und Energiewandel
(otto-brenner-stiftung.de, Georgiana Banita)
Die Kulturwissenschaftlerin Georgiana Banita hat im Auftrag der Otto Brenner Stiftung untersucht (PDF), wie Qualitätszeitungen “über klimapolitische Hoffnungen, ökonomische Erwartungen, wissenschaftliche Notwendigkeiten und umwelt- beziehungsweise gesundheitspolitische Bedenken” im Kontext der Windenergie berichten. Banita identifiziert “wiederkehrende Narrative, Mythen und Verzerrungen in der Berichterstattung” und betont, dass die mediale Debatte um Windenergie als Kulturkampf geführt werde.

3. Mockridge gegen “Spiegel”: Jetzt geht’s erst richtig los
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der “Spiegel” veröffentlichte im September 2021 einen Artikel über den Comedian Luke Mockridge, in dem Vergewaltigungsvorwürfe einer Ex-Freundin thematisiert wurden. Mockridge ging juristisch gegen die Berichterstattung vor und war im sogenannten Verfügungsverfahren zunächst erfolgreich, wodurch wesentliche Teile des Artikels verboten wurden. Nun beginne das Hauptsacheverfahren, in dem es auch um die Frage geht, wie ausgewogen und sorgfältig das Nachrichtenmagazin berichtet hat. Timo Niemeier ordnet den Rechtsstreit und seine möglichen Folgen ein.

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4. Ein Schuss, kein Tor, die Bayern
(uebermedien.de, Andrej Reisin)
Bei “Übermedien” beschäftigt sich Andrej Reisin mit einem Vorfall, bei dem während des Bundesligaspiels zwischen dem FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach ein Polizist einen Schuss abgegeben haben soll, der einen leeren Transporter eines Fanclubs traf. Die meisten Medienberichte dazu stützten sich auf eine Pressemitteilung der Polizei, die den Schuss als unbeabsichtigt darstellte und von vier verletzten Beamten berichtete. Reisin kritisiert die unkritische Übernahme der Polizeidarstellung durch viele Redaktionen und betont, dass solche Vorfälle einer genaueren Untersuchung und Berichterstattung bedürfen, insbesondere wenn die Polizei selbst involviert ist.

5. Schluss mit Willkürhaft
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestiert gegen die nach einem Geheimprozess beschlossene Verlängerung der Untersuchungshaft für Evan Gershkovich, Korrespondent des “Wall Street Journal” in Moskau. Gershkovich, dem die russischen Behörden Spionage vorwerfen, soll weitere drei Monate im berüchtigten Lefortowo-Gefängnis bleiben. Der stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster kritisiert die Vorwürfe als absurd und sieht Gershkovich “als Bauernopfer für die diplomatischen Spannungen zwischen den USA und Russland”.
Weiterer Lesetipp: Im Interview mit der “Jungle World” berichtet die russische Investigativjournalistin Jelena Kostjutschenko über ihre mutmaßliche Vergiftung und ihre Erfahrungen mit dem russischen Geheimdienst. Bemerkenswert ist ihre Antwort auf die Frage, ob sich ihre Einstellung zu Russland in den vergangenen eineinhalb Jahren geändert habe: “Nein. Ich liebe mein Land, ich möchte dort leben und arbeiten. Für mich sind Russland und diejenigen, die versucht haben, mich zu töten, nicht ein und dasselbe. Es ist dumm und sinnlos, Journalisten zu töten. Der Journalismus bildet nur die Realität ab, und die verändert sich nicht durch die Ermordung von Journalisten.”

6. Wie Klickarbeiter in Kenia ausgebeutet werden
(tagesschau.de, Christian Kretschmer)
Tagesschau.de beschäftigt sich mit der Rolle und der Situation von Clickworkern bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI). Die Klickarbeiter, oft in Ländern wie Kenia oder Kolumbien ansässig, trainieren Maschinen, indem sie Daten für KI-Systeme sammeln, sind aber oft prekären Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen ausgesetzt. Trotz ihrer entscheidenden Rolle bei der Entwicklung von KI berichten viele von Ausbeutung, Perspektivlosigkeit und intensiver digitaler Überwachung: “Es hat etwas von Sklavenarbeit. Denn die Menschen hier haben keine andere Wahl. Es gibt kaum Jobs”, so ein Betroffener.

24-Stunden-Frist, DLF bedauert Gewaltaufruf, Gelöschte Kritik

1. ver.di kritisiert Kanzleramt wegen 24-Stunden-Frist zur Kommentierung des BND-Gesetzes
(dju.verdi.de, Daniela Milutin)
Das Bundeskanzleramt habe betroffenen Verbänden und Organisationen, einschließlich der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di, lediglich 24 Stunden Zeit gegeben, um den Referentenentwurf zur Überarbeitung des BND-Gesetzes zu kommentieren. Christoph Schmitz, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, kritisiert diese kurze Frist und betont, dass das BND-Gesetz die Rechte von Journalistinnen und Journalisten nicht ausreichend schütze, was bereits zu Kritik vom Bundesverfassungsgericht geführt habe. Die dju fordert das Kanzleramt auf, die Frist zur Stellungnahme anzupassen und die Verbände angemessen zu beteiligen.
Weiterer Lesehinweis: Bundeskanzleramt simuliert Verbändebeteiligung mit 24-Stunden-Frist (netzpolitik.org, Markus Reuter).

2. LinkedIn löscht sachliche Kritik an AfD
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Wie netzpolitik.org berichtet, hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Robin Mesarosch auf LinkedIn vor einer Zusammenarbeit mit der AfD gewarnt. Sein Beitrag sei daraufhin von der Plattform wegen angeblicher Hassrede gelöscht worden. Mesarosch klage nun mit Unterstützung der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) gegen die Löschung, da er die Maßnahme als Einschränkung seiner Meinungsfreiheit sieht. Die GFF argumentiert, dass Plattformen nicht willkürlich vorgehen dürfen und in Mesaroschs Beitrag keine Herabwürdigung zu erkennen ist.

3. Außergerichtlich geeinigt
(taz.de, Christian Rath)
Der Axel-Springer-Verlag und der geschasste “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt haben ihren arbeitsgerichtlichen Streit mit einem Vergleich beigelegt, wodurch Reichelt seine Abfindung von zwei Millionen Euro behalten könne. Der ursprünglich für den 15. November angesetzte Prozess sei abgesagt worden; die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin gegen Reichelt wegen Betrugs würden hingegen weiterlaufen. Die Kontroverse hatte mit Vorwürfen des Machtmissbrauchs gegen Reichelt begonnen. Als Gerüchte aufkamen, dass Reichelt nach seiner Entlassung anderen Medien Unterlagen aus seiner Springer-Zeit angeboten haben könnte, habe der Verlag die Abfindung infrage gestellt.

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4. DLF bedauert gesendeten Gewaltaufruf gegen Selenskyi
(dwdl.de, Manuel Weis)
Im Deutschlandfunk (DLF) wurde eine Hörermeinung ausgestrahlt, in der gefordert wurde, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj “lebendig zu vierteilen”. Diese Passage der Sendung “Kontrovers” sei mittlerweile entfernt worden, der Sender habe für den Vorfall um Entschuldigung gebeten. Der DLF habe die Ausstrahlung als “Fehler eines erfahrenen Redaktionsteams” bezeichnet und interne Gespräche angekündigt, um zu klären, wie es dazu kommen konnte.

5. Fußball-Experten ohne Distanz?
(deutschlandfunk.de, Constantin Eckner, Audio: 5:14 Minuten)
Der Deutschlandfunk beschäftigt sich mit dem Transferjournalismus, also der Berichterstattung über Spielerverkäufe im Profifußball (siehe dazu auch die “6 vor 9” vom 16. August). Das Interesse an den millionenschweren Deals sei immens, die journalistische Neutralität gerate dabei jedoch manchmal in den Hintergrund, so Sportjournalist Constantin Eckner: “Transfers sind gewiss ein besonderes Spektakel. Dieses mit ausreichender journalistischer Distanz zu beobachten, ist mitunter die größte Herausforderung.”

6. Die Formel 1 und das gute Gefühl, dass jederzeit etwas passieren könnte
(uebermedien.de, Sebastian Hotz)
Im Rahmen der “Übermedien”-Serie “Geheimen Leidenschaften” reflektiert Sebastian Hotz, bekannt als “El Hotzo”, seine Faszination für die Formel 1 trotz der offensichtlichen moralischen und ökologischen Bedenken, die der Sport mit sich bringe. Für ihn liege die Magie unter anderem “in den gewaltigen Anstrengungen, die Fernsehsender auf der ganzen Welt auf sich nehmen, um diesen Sport vollends zu vermarkten und aus perfekten Athleten, die in perfekten Autos perfekte Runden um perfekte Strecken drehen, irgendetwas aufregendes zu machen. Und darauf falle ich nur allzu gerne rein.”

Prorussische Propaganda, Blockiertes Blockieren?, Afrika

1. Prompt auf Fake News reingefallen
(taz.de, Florian Bayer)
Wie die “taz” unter Berufung auf Andre Wolf vom Blog “mimikama” berichtet, sind die ORF-Nachrichten auf zwei prorussische Propagandavideos hereingefallen. Die Aufnahmen wurden fälschlicherweise als Beispiele für Zwangsrekrutierungen in der Ukraine ausgestrahlt, tatsächlich sollen sie aber unter anderem die Festnahme eines russischen FSB-Spions zeigen. Trotz breiter medialer Kritik und Hinweisen von Faktencheckern habe der ORF zunächst heftig widersprochen und erst nach einiger Zeit den Fehler eingestanden.

2. Musk will auf X das Blockieren verhindern
(spiegel.de)
Elon Musk, Eigentümer des früher als Twitter bekannten Kurznachrichtendienstes X, will offenbar die Blockierfunktion abschaffen – eine Grundfunktion eines Sozialen Netzwerks, mit der man verhindert, dass bestimmte Konten einen kontaktieren, Beiträge sehen oder einem folgen können. Das Blockieren werde als Feature abgeschafft, mit Ausnahme von Direktnachrichten, so Musk in einem Beitrag auf X.
Weiterer Lesehinweis: Untersuchungen des Fachmagazins “Nature” und der Zeitschrift “Trends in Ecology & Evolution” würden zeigen, dass viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Mitglieder der Klima-Community die Plattform X/Twitter verlassen oder ihre Aktivitäten reduziert haben: Wenn die Wissenschaft verstummt (zeit.de, Eike Kühl).

3. Nur Krisen und Krieg? Afrika-Berichterstattung in Deutschland
(sr.de, Michael Meyer, Audio: 17:10 Minuten)
In der aktuellen Folge des SR-Medienmagazins “Cross und Quer” geht es um die Afrika-Berichterstattung deutscher Medien. Der Kontinent komme dort meist nur vor, wenn es um Krieg und Krisen gehe. Michael Meyer hat sich mit dem freien Journalisten und Afrika-Kenner Issio Ehrich über die Herausforderungen und Gefahren seiner Arbeit unterhalten.

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4. Kann sich die Sportschau behaupten?
(tagesspiegel.de)
Die ARD-“Sportschau” habe in Zeiten von Streamingdiensten und Pay-TV an Bedeutung verloren und verzeichne sinkende Zuschauerzahlen. Ihren “Nimbus als Pflichtveranstaltung für Fußballfans” habe sie “längst verloren”, schreibt der “Tagesspiegel”. Drei Mitglieder der Redaktion geben ihre Einschätzungen zur Zukunft der “Sportschau” ab: Joachim Huber, verantwortlicher Redakteur Medien, Kulturredakteur Christian Schröder und Sportredakteur Martin Einsiedler.

5. Fremder Fehler könnte das Aus bedeuten
(faz.net, Jochen Zenthöfer)
Jochen Zenthöfer berichtet in der “FAZ”, dass die gemeinnützige Rechtsprechungsdatenbank “OpenJur” wegen der Veröffentlichung eines von einem Gericht nicht ausreichend anonymisierten Urteils verklagt wird. Trotz einer schnellen Anonymisierung des Namens nach einem Hinweis klage nun ein Betroffener vor dem Landgericht Hamburg auf Schadenersatz. Die Klage stelle eine existenzielle Bedrohung für das Projekt dar, so Zenthöfer: “Sollte die Klage erfolgreich sein, wäre die einzige gemeinnützige Rechtsprechungsdatenbank in Deutschland am En­de.”

6. Wie das deutsche Fernsehen zum Losverkäufer wurde
(dwdl.de, Christian Richter)
Christian Richter zeichnet bei “DWDL” die Entwicklung und den Einfluss der Fernsehlotterien im deutschen Fernsehen nach. Die Geschichte beginnt 1955 mit der Spielshow “1:0 für Sie”, moderiert von Peter Frankenfeld, der durch seine humorvolle Art und die Interaktion mit dem Publikum große Popularität erlangte. Frankenfelds Idee, westdeutsche Familien zur Aufnahme von Kindern aus dem isolierten Berlin für eine Art Erholungsferien zu bewegen, führte zur Gründung der “ARD-Fernsehlotterie”, die sich aus dem Verkauf von Losen finanzierte und bedürftigen Kindern Ferienreisen ermöglichte.

“Bild” verlegt Vergewaltigungen in den Görlitzer Park

Im Görlitzer Park in Berlin soll es eine Gruppenvergewaltigung gegeben haben. Die Ermittlungen dazu laufen, die Polizei hat bisher zwei Verdächtige festgenommen. Die mutmaßliche Tat soll sich bereits im Juni dieses Jahres ereignet haben, öffentlich bekannt wurde sie erst vergangene Woche. Die “Bild”-Redaktion erklärte den Görlitzer Park jedenfalls vor wenigen Tagen zu:

Screenshot Bild.de - Allein dieses Jahr acht Vergewaltigungen! Deutschlands Park der Angst

Dass die Dachzeile “ALLEIN DIESES JAHR ACHT VERGEWALTIGUNGEN!” so nicht stimmt, wird bereits beim Lesen des ersten Absatzes desselben Artikels klar:

Er ist Berlins Horror-Park: Allein acht Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe gab es von Januar bis Ende Juni im Görlitzer Park.

Also: bisher “acht Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe” im Görlitzer Park im Jahr 2023 laut “Bild”. Diese Zahl taucht in aktuellen Berichten der Redaktion immer wieder auf:

Allein von Januar bis Ende Juni gab es im Görlitzer Park acht schwere Taten unter dem Stichwort “Vergewaltigung/sexuelle Nötigung/sexueller Übergriff”

Laut einer aktuellen Polizeistatistik gab es von Januar bis Ende Juni im Görlitzer Park acht schwere Taten unter dem Stichwort “Vergewaltigung/sexuelle Nötigung/sexueller Übergriff”.

Doch auch das ist falsch.

Die Polizeistatistik, die die “Bild”-Redaktion erwähnt, findet man in einer Antwort der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport (PDF) auf eine Anfrage der Linken-Politiker Niklas Schrader und Ferat Koçak. Darin geht es um “Neue Entwicklungen am sogenannten kriminalitätsbelasteten Ort ‘Görlitzer Park/Wrangelkiez'”. Tatsächlich findet man in der Statistik die acht Fälle von “Vergewaltigung/sexuelle Nötigung/sexueller Übergriff”, die sich von Januar bis einschließlich 26. Juni ereignet haben sollen. Aber längst nicht alle im Görlitzer Park.

Die Bezeichnung “kriminalitätsbelasteter Ort” (“kbO”) geht auf eine Einordnung der Berliner Polizei zurück, die in der Stadt insgesamt sieben solcher Gebiete als Kriminalitäts-Hotspots sieht. Dort gelten für die Beamten besondere Befugnisse. Sie können beispielsweise verdachtsunabhängige Kontrollen durchführen. Der Name “kbO Görlitzer Park/Wrangelkiez” deutet ja schon an, dass das Gebiet, um das es in der Polizeistatistik geht, nicht nur den Görlitzer Park umfasst. Dieser ist etwa 140.000 Quadratmeter groß; die gesamte von der Polizei Berlin als “kbO Görlitzer Park/Wrangelkiez” deklarierte Fläche umfasst aber mehr als 300.000 Quadratmeter. Wo genau die Grenzen verlaufen, verrät die Berliner Polizei aus taktischen Gründen nicht. Auf jeden Fall gehört aber ein beachtlicher Teil des belebten Wrangelkiezes, in dem es viele Wohnhäuser, Hostels und Firmen gibt, zum “kbO”.

Unter den acht Fällen von “Vergewaltigung/sexuelle Nötigung/sexueller Übergriff” befinden sich laut Polizeistatistik sechs Vergewaltigungen oder versuchte Vergewaltigungen. Dazu hat “taz”-Redakteur Erik Peter bei der Polizei genauer nachgefragt. Mit dem Ergebnis:

Einzig die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung aus dem Juni fand tatsächlich im Görlitzer Park statt. Sie ist zudem die einzige der registrierten Vergewaltigungen, die im öffentlichen Raum geschah.

In den fünf anderen Fällen vergewaltigten die mutmaßlichen Täter demnach in Privaträumen im umliegenden Kiez: Laut der Polizei kam es demnach zu einer versuchten Vergewaltigung in einem Gewerbebetrieb, zwei Vergewaltigungen in Hostels sowie zwei Vergewaltigungen in Wohnhäusern. Nähere Auskünfte zu den Ermittlungsständen gab die Polizei mit Verweis auf laufende Ermittlungsverfahren nicht.

Natürlich macht der Ort einer Vergewaltigung diese nicht weniger schrecklich. Aber wenn die “Bild”-Redaktion schreibt: “Allein acht Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe gab es von Januar bis Ende Juni im Görlitzer Park”, ist das grob falsch. Sie heizt damit eine eh schon hitzige Debatte mit falschen Behauptungen weiter an.

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Parteisender gesetzeswidrig?, Causa Lindemann, Mastodon preiswürdig?

1. Parteisender gesetzeswidrig
(djv.de, Hendrik Zörner)
Ein Kreisverband der AfD werde auf dem am Freitag stattfindenden Bundesparteitag womöglich den “Aufbau eines AfD-freundlichen TV-Senders” beantragen. Vorsorglich weist der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) schon einmal darauf hin, dass ein solcher Fernsehsender nach dem geltenden Medienstaatsvertrag gesetzeswidrig wäre: “Dafür ist eine Rundfunklizenz erforderlich, die bei den Medienanstalten beantragt werden muss”, so der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Dass die AfD eine derartige Lizenz bekommt, sei unwahrscheinlich.

2. Lin­de­mann erfolg­reich gegen YouTu­berin Kayla Shyx
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Rammstein-Sänger Till Lindemann ist vor dem Landgericht Hamburg erfolgreich gegen die Youtuberin Kayla Shyx vorgegangen, die schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben hatte. Das Gericht untersagte Shyx mehrere Passagen aus einem Video, in denen sie unter anderem sagte, Frauen seien auf Rammstein-Partys mit K.-o.-Tropfen betäubt worden. Parallel dazu kam es zu einer öffentlichen Auseinandersetzung zwischen Lindemanns Anwälten und dem “Spiegel” um die Berichterstattung zu den Vorwürfen gegen Lindemann. Felix W. Zimmermann ordnet den Fall juristisch ein, der in Österreich eine Fortsetzung finden könnte.

3. Hätte Mastodon einen Grimme Online Award bekommen sollen?
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 26:31 Minuten)
Bei den Grimme Online Awards im Juni wurde ein Projekt nicht ausgezeichnet, das sich einige Jurymitglieder dringend als Preisträger gewünscht hätten: der nichtkommerzielle Mikroblogging-Dienst Mastodon. Alexander Matzkeit spricht mit dem Jury-Vorsitzenden Stephan Anpalagan über die Gründe der Entscheidung und die Rolle von Mastodon im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Zu Wort kommt auch der Journalist Christian Bartels, der die Bedeutung von Mastodon hervorhebt.

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4. Jan Stremmel – Galileo Reporter, SZ Journalist, “Y-Kollektiv” Filmemacher
(podcasters.spotify.com, Lisabell Shewafera, Audio: 37:21 Minuten)
Im Podcast “Inside Medien” begrüßt Gastgeberin Lisabell Shewafera den weitgereisten Journalisten Jan Stremmel, der als “Galileo”-Reporter bereits in mehr als 45 Ländern unterwegs war. Stremmel ist aber auch als Journalist für das Gesellschaftsressort der “Süddeutschen Zeitung”, als Filmemacher für das “Y-Kollektiv” und als Buchautor tätig.

5. Westfalen-Blatt schließt Druckzentrum
(verdi.de, Nicole Tomasek)
Wie die Gewerkschaft Verdi berichtet, soll das Druckzentrum des “Westfalen-Blatts” in Bielefeld zum 31. Juli schließen, wobei die Geschäftsleitung diese Entscheidung der Belegschaft erst am 4. Juli mitgeteilt habe. Die Schließung sei mit gescheiterten Verhandlungen über einen neuen Druckauftrag und mangelnder Auslastung des Druckzentrums begründet worden und betreffe 54 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

6. Mehr als Spielergebnisse
(taz.de, Sebastian Moll)
Sebastian Moll, USA-Korrespondent der “taz”, berichtet über eine überraschende Entscheidung der “New York Times”(“NYT”), die nach über 100 Jahren ihre Sportredaktion auflöst. Statt einer eigenen Sportberichterstattung setze die “NYT” künftig auf das Sportportal “The Athletic”, das sie zuvor für 550 Millionen US-Dollar erworben hatte. Dieser Schritt zeige einen Trend zum Outsourcing klassischer Zeitungsressorts und könne darauf hindeuten, “dass sich das Geschäftsmodell der Marke immer weiter vom klassischen journalistischen Angebot entfernt.”

Kampf gegen juristische Ohrfeigen, Neues Twitter?, Drei Gänge mit Klenk

1. So will die EU gegen die juristische Ohrfeige vorgehen
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Isabelle Klein, Audio: 5:29 Minuten)
“SLAPP” ist die englische Abkürzung für “Strategic Lawsuits Against Public Participation”. Solche Klagen sollen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivistinnen und Aktivisten einschüchtern und von ihrer Arbeit abhalten. Die EU will derartige missbräuchlichen Klagen verhindern, doch es gibt Zweifel, ob die neuen, vorgeschlagenen Regeln ausreichen. Der Anwendungsbereich der Richtlinie sei zu eng gefasst und erhöhe das Risiko für Medienschaffende, da nicht alle Arten strategischer Klagen erfasst würden, so die Kritik.

2. Es braucht mehr frei lizenzierte Fotos aus den Parlamenten
(netzpolitik.org, Stefan Kaufmann)
Stefan Kaufmann schreibt bei netzpolitik.org, dass es mehr frei lizenzierte Fotos von Abgeordneten geben sollte. Obwohl fast alle Fraktionen auf Bundes- und Landesebene Fotos ihrer Abgeordneten zur Verfügung stellen, würden diese selten unter einer freien Lizenz veröffentlicht, was die Verwendung der Aufnahmen in Projekten wie Wikipedia einschränke. Wikimedia Deutschland hat nun einen Leitfaden veröffentlicht, um den Prozess der Bereitstellung frei lizenzierter Fotos zu erleichtern und die Menge frei nutzbarer Medieninhalte zu erhöhen (PDF).

3. Anti-Zeitgeist-Projekt: Eine Zeitschrift über Mensch und Maschine
(uebermedien.de, Katrin Wilkens)
Anfang nächster Woche erscheint zum ersten Mal die Zeitschrift “human”, die sich schwerpunktmäßig mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt. Was bewegt eine Verlegerin, gegen den Trend der Zeit ein neues Printmagazin auf den Markt zu bringen? Wie sieht das redaktionelle Konzept aus? Und was sind die thematischen Schwerpunkte? Katrin Wilkens hat sich das erste Heft angesehen und mit der mutigen Herausgeberin gesprochen.

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4. Die Welt braucht ein neues Twitter
(zeit.de, Sasan Abdi-Herrle)
“Lassen Sie uns mit einer weitreichenden Behauptung beginnen: Die Welt braucht ein soziales Netzwerk, das in Sekundenschnelle Informationen, Einordnung und Meinungen liefert. Und Threads von Mark Zuckerbergs Meta-Konzern könnte dieses Netzwerk sein.” Sasan Abdi-Herrle betont bei “Zeit Online” die Notwendigkeit eines Netzwerks wie Twitter, das jedoch nicht zwangsläufig Twitter sein muss.

5. Gesellschaft für Freiheitsrechte startet Projekt “Mach Meldung!” für besseren Whistleblowing-Schutz in der Polizei
(freiheitsrechte.org)
Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) hat das Projekt “Mach Meldung! Starke Stimmen für die Polizei” ins Leben gerufen, um Whistleblowing in der Polizei zu stärken und zu erforschen. Das von der Alfred Landecker Foundation geförderte Projekt habe zum Ziel, Missstände und Rechtsverstöße innerhalb der Polizei aufzudecken und den Schutz von Hinweisgebern und -geberinnen zu verbessern. Für den Herbst plane die GFF den Start eines Online-Informationsportals, das Polizistinnen und Polizisten umfassende Informationen über Meldestellen und rechtliche Rahmenbedingungen bieten soll.

6. Drei Gänge mit … Florian Klenk
(profil.at, Markus Huber)
Das österreichische Nachrichtenmagazin “Profil” habe ihm einen Lebenstraum erfüllt, schreibt Markus Huber auf Twitter. Er habe mit “dem ausgezeichnetsten Printjournalisten des Landes”, gemeint ist “Falter”-Chefredakteur Florian Klenk, essen gehen und darüber schreiben dürfen. Man war im Fontana-Ressort des umtriebigen österreichischen Managers Sigi Wolf, der auch in der ÖVP-Korruptionsaffäre eine Rolle spielte. Aus dem Ausflug der beiden Journalisten ist ein in vielfacher Hinsicht vergnüglich zu lesender Text entstanden.

“Stern”-Titelbild, “Bild” stalkt Markus Lanz, Heizungsgesetz

1. Schreibt sie nicht größer als sie sind
(belltower.news, Simone Rafael)
Seit es die AfD gibt, gehen die Meinungen von Journalistinnen und Journalisten darüber auseinander, wie eine verantwortungsvolle Berichterstattung über die Partei aussieht: Sollte man ihre Provokationen und Tabubrüche ins Leere laufen lassen und mit Nichtbeachtung reagieren? Oder sollte man darüber berichten, womöglich etwas dagegensetzen, aber damit riskieren, sie größer und wichtiger zu machen? Simone Rafael nimmt das aktuelle “Stern”-Cover, auf dem AfD-Bundessprecherin Alice Weidel groß abgebildet ist, zum Anlass, darüber nachzudenken.

2. Mediale Mythen zum Heizungsgesetz
(deutschlandfunk.de, Ann-Kathrin Büüsker & Mirjam Kid, Audio: 5:58 Minuten)
Dass zum geplanten Heizungsgesetz viele Mythen und Falschinformationen in Medien herumgeistern, liegt nach Ansicht von Ann-Kathrin Büüsker aus dem Hauptstadtstudio des Deutschlandfunks an der Arbeitsverdichtung von politischen Journalistinnen und Journalisten, aber auch an der starken Personalisierung von Themen: “Die Frage, wer sich wo durchgesetzt hat, ist eine sehr häufige – auch weil sie sich schneller beantworten lässt als die Frage nach konkreten Inhalten. Und das führt dann auch dazu, dass Falschinformationen eine viel größere Chance haben: wenn die Debatte sich mehr auf Personen fokussiert und weniger auf Inhalte.”

3. “Bild” stalkt Markus Lanz über mehrere Tage und bis zur Schule seiner Kinder
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Wie Boris Rosenkranz bei “Übermedien” berichtet, stellt “Bild” dem ZDF-Moderator Markus Lanz nach, beschattet ihn regelrecht und verfolgt ihn sogar bis zur Schule seiner Kinder. Lanz’ Medienanwalt Christian Schertz werde dagegen umfassende rechtliche Schritte einleiten, “auch um präventiv so etwas für die Zukunft zu unterbinden”. Rosenkranz hat sich angeschaut, wer für diese Art von Berichten bei “Bild” verantwortlich ist und wie kaltschnäuzig nachträgliche Löschungen oder Schwärzungen offenbar einkalkuliert werden.

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4. Verleger-Klage gegen Nationales Gesundheitsportal erfolgreich
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Noch unter der alten Bundesregierung startete das Gesundheitsministerium ein Onlineportal mit “verlässlichen Informationen für Ihre Gesundheit”. Die Verlagsbranche sah dies als einen “einmaligen und neuartigen Angriff auf die Pressefreiheit”, und der Wort & Bild Verlag (unter anderem Herausgeber der “Apotheken Umschau”) ging dagegen juristisch vor. Uwe Mantel fasst den Streit zusammen und berichtet über den Ausgang.

5. Hinter den Kulissen des Reisejournalismus
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Im Gespräch mit dem “Fachjournalist” betont die renommierte Reisejournalistin Stefanie Bisping die Bedeutung von Tiefe und menschlichen Geschichten im Reisejournalismus. Obwohl sie den Stellenwert des Reisens für authentische Geschichten hervorhebt, schreibe sie ihre Artikel meistens zu Hause. Bisping rät angehenden Reisejournalisten und -journalistinnen, einen eigenen Stil zu entwickeln und sich auf unterhaltsame, tiefgründige Geschichten zu konzentrieren.

6. «Den Menschen ist bewusst: Mit dieser sprachlichen Änderung müssen sie auch ihr Weltbild ändern»
(republik.ch, Marie-José Kolly)
Es ist auffällig, dass sich rechte Parteien aus all den drängenden nationalen und globalen Problemen ausgerechnet ein Thema wie das Gendersternchen herauspicken, um es in den Mittelpunkt von Kampagnen zu stellen. Im Interview mit der Schweizer “Republik” erklärt der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, warum sich Politikerinnen und Politiker so auf das Thema stürzen, wie mit Sprache Politik gemacht wird und welche Argumente aus seiner Sicht für die Verwendung des Gendersternchens sprechen.

Verbaselte Verpixelung, Geldstrafe, Fußballfelder

1. TV-Bericht wird teuer für Mutter
(taz.de, Kaija Kutter)
Der NDR strahlte ein unverpixeltes Video aus, in dem (identifizierbare) Jugendamtsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter bei der Abholung eines Kindes zu sehen waren. Dagegen wehrte sich eine Jugendamtsmitarbeiterin mit dem Ergebnis, dass nicht der Sender, der die Verpixelung “verbaselt” habe, sondern die Mutter, die die Aufnahmen dem NDR übergeben haben soll, zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

2. Geldstrafe für Angriff auf Fotografin
(verdi.de)
Ganze fünf Jahre habe es gedauert, bis ein Gericht einen Mann verurteil hat, der bei einer Demonstration des rechtsextremen Vereins “Zukunft Heimat” eine Fotografin angegriffen hatte. “Das ist kein Einzelfall im Gerichtsbezirk Cottbus, es ist ein strukturelles Problem. Wir haben ganz viele rechte Gewaltdelikte, die jahrelang nicht vor Gericht verhandelt werden”, so Martin Vesely von der Organisation Brandenburger Opferperspektive.

3. Wie Künstliche Intelligenz die Grenzen der Realität aushebelt
(belltower.news, Una Titz)
Verschwörungsideologen, christliche Fundamentalisten und reaktionäre Kräfte hätten die Möglichkeiten der KI-Bildgenerierung für sich entdeckt und sollen wie am Fließband falsche KI-Bilder und Fake-Videos produzieren, die Faktizität und Authentizität vortäuschen. Auch die Neue Rechte habe die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI) entdeckt. Das seien beängstigende Aussichten, wie Una Titz findet, “vor allem, wenn man bedenkt, dass die Präventionsmaßnahmen zur Identifizierung und Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten bislang auch seitens der Content-Moderationssysteme und Behörden völlig unzureichend bis komplett inexistent sind.”

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4. RTL und Monica Lierhaus: Von Normalität noch weit entfernt
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Beim Fernsehsender RTL findet vom 19. bis 25. Juni die “Woche der Vielfalt” statt, “mit vielen tollen Sendungen, Filmen und Beiträgen”. Schwerpunkt der diesjährigen Vielfaltswoche ist das Thema Inklusion. Timo Niemeier hat Störgefühle, was die Kampagne und speziell den Einsatz der Sportreporterin Monica Lierhaus betrifft: “Auch wenn RTL in den zurückliegenden Tagen immer wieder die Bedeutung von Inklusion beteuerte: So richtig macht es nicht den Eindruck, als würde man ernsthaft Inklusion betreiben. Am Montag moderierte Lierhaus den Sportblock bei ‘RTL Aktuell’ – mehr als ein Symbol ist das nicht. Zu allem Übel wurde bei der Gelegenheit noch einmal auf die Geschichte der Moderatorin zurückgeblickt. Ist Monica Lierhaus nun Berichterstatterin oder Gegenstand von Berichterstattung?”

5. Australien knöpft sich Twitter wegen Online-Hass vor
(faz.net)
Die australische Regierung droht Twitter mit Geldstrafen von mehr als 400.000 Euro pro Tag, sollte das Unternehmen nicht innerhalb von vier Wochen Auskunft darüber geben, was es gegen Hass im eigenen Netzwerk unternimmt. “Wir brauchen Rechenschaft von diesen Plattformen und Maßnahmen zum Schutz ihrer Nutzer, und es gibt keine Rechenschaft ohne Transparenz, und das ist es, was mit rechtlichen Hinweisen wie diesem erreicht werden soll”, sagt Julie Inman Grant von der zuständigen Aufsichtsbehörde.

6. Warum Fußballfelder nicht gleich Fußballfelder sind
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 2:21 Minuten)
Wenn es darum geht, Abstraktes verständlich zu machen, greifen Journalistinnen und Journalisten gerne auf Vergleiche zurück. Wenn es um die Größe einer Fläche geht, wird dann häufig das Saarland oder die Anzahl von Fußballfeldern als Bezugsgröße genannt. Stefan Fries gibt in “Sagen & Meinen” Tipps, welche Alternativen es gibt, um Zahlen und Größen zu veranschaulichen.

Nachrichtenmüdigkeit, “Pleiteticker” transfeindlich?, RBB streicht Flake

1. Keine Lust mehr auf Katastrophen
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider & Christoph Sterz, Audio: 6:07 Minuten)
Laut dem aktuellen “Digital News Report” des Reuters Institute verspüren immer mehr Menschen eine “Nachrichtenmüdigkeit” und entscheiden sich bewusst gegen den Nachrichtenkonsum. Fast zwei Drittel der befragten erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland hätten angegeben, Nachrichten gelegentlich zu meiden. Betroffen seien tendenziell mehr Jüngere sowie Menschen mit geringem Vertrauen in Nachrichtenmedien oder einer extremeren politischen Orientierung, so die Medienforscherin Julia Behre, die für den deutschen Teil der Studie (PDF) verantwortlich zeichnet.

2. Schlesingers “System der Geschenke” – ein Fall für den Staatsanwalt?
(rbb24.de, Gabi Probst)
“Die ehemalige rbb-Intendantin Patricia Schlesinger machte gern Geschenke und lud zum Essen ein – auf Kosten des Senders. Begünstigt wurden Weggefährten, Führungskräfte und Mitglieder der Kontrollgremien.” Das RBB-Rechercheteam hat sich das “System der Geschenke” seiner ehemaligen Chefin angeschaut und zitiert Experten, die Zweifel an der dienstlichen Veranlassung haben. Zweifel, die Schlesingers Anwalt, Ralf Höcker, nicht habe: “Jedes Mal, wenn Vorwürfe gegen Frau Schlesinger in sich zusammenfallen, werden flugs neue aus dem Hut gezaubert. Sollten auch diese vor Gericht landen, wird es nicht anders laufen.”

3. Vor Gericht gegen Transfeindlichkeit
(taz.de, Nicole Opitz)
Am heutigen Donnerstag entscheide das Landgericht Frankfurt, ob die von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt geführte Website “Pleiteticker” die trans Journalistin und Aktivistin Janka Kluge “Mann” nennen darf. Kluges Anwalt habe zuvor eine Abmahnung an den Verlag geschickt, die von der Gegenseite nicht akzeptiert worden sei.

Bildblog unterstuetzen

4. Vorwürfe gegen Rammstein-Sänger: RBB streicht Sendung
(t-online.de)
Der RBB-Sender radioeins hat auf die Ausstrahlung einer neuen Podcastfolge des Rammstein-Musikers Christian “Flake” Lorenz (Formatname: “Flake – Des Tastenfickers Podcast”) verzichtet: “Da Rammstein auf Tour sind, hatten wir eine vorproduzierte Sendung eingeplant, was jetzt bei der Debatte rund um Rammstein unangebracht erscheint.”

5. Die Vorhut der Avantgarden
(kontextwochenzeitung.de, Oliver Stenzel)
Oliver Stenzel hat Alexander Roobs Buch zur “History of Press Graphics” rezensiert. Das Werk umfasst die Blütezeit der Pressegrafik von 1819 bis 1921, eine Epoche, die von drucktechnischen Fortschritten und gesellschaftlichen sowie politischen Veränderungen geprägt war. Es enthält über 700 Abbildungen und wiegt fast fünf Kilogramm.

6. ARD und ZDF zeigen Frauenfußball-WM
(faz.net)
Wie aus einer Mitteilung von ARD und ZDF hervorgehe, sei der monatelange Streit um die Liveübertragung der Spiele der im Juli und August stattfindenden Frauen-Fußballweltmeisterschaft beigelegt. Wie in den vorherigen Jahren würden die öffentlich-rechtlichen Sender auch die Spiele aus Australien und Neuseeland zeigen. Vertragspartner des Fußball-Weltverbands FIFA seien jedoch nicht die Sender, sondern die European Broadcasting Union.

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