Suchergebnisse für ‘spiegel online’

Unehrliche Unterhalter, Schäbige Gewaltausbrüche, Sexszenen-Expertin

1. Das Ende von Joko & Klaas als ehrliche Unterhalter
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier kommentiert den Fall der reihenweise zusammengetricksten und geschummelten Videos von Joko & Klaas: “Es war immer schon ein atemberaubender Spagat, dass Joko und Klaas gleichzeitig die albernsten, pubertärsten, extremsten Späße machen und sich glaubwürdig gesellschaftspolitisch engagieren konnten. Dieser Spagat funktionierte auch deshalb, weil die beiden Protagonisten für ehrliche Unterhaltung standen — sei es durch schlichte, eindimensionale Spaß-Aktion oder durch ein cleveres, ironisches, oft genug entlarvendes Spiel mit dem Medium und seinen Regeln. Beide Seiten ihrer Prominenz, die reine Spaß-Existenz und die engagierte Persönlichkeit, beruhen auf dem Vertrauen, dass sie das Publikum nicht für dumm verkaufen. Damit ist es erstmal vorbei.”
Weiterer Lesehinweis: Ausgerechnet an dem Tag, an dem der Schwindel um die Joko-&-Klaas-Videos aufgedeckt wurde, verkündete das Grimme-Institut, wer seine begehrten Preise bekommen soll. Joko & Klaas sollen einen erhalten, aber nicht für eine ihrer Fernsehshows, sondern für ihre 15 Live-Minuten bei ProSieben. Und ab hier ging bei Bild.de und Welt.de einiges durcheinander. Stefan Niggemeier fragte dazu gestern auf Twitter: “Ist es nicht irre, dass diese Falschmeldung, dass #LateNightBerlin wegen der Fake-Vorwürfe der Grimme-Preis aberkannt worden sei, bei der @Welt auch nach 7 Stunden immer noch nicht korrigiert wurde? Merkt da niemand irgendwas?”

2. Die schäbigen Gewaltausbrüche des Patrick Losensky
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Sollte man über die Gewaltausbrüche des Rappers Fler berichten oder ihn mit medialer Nichtbeachtung strafen? Für Sebastian Leber gehören die Vorgänge öffentlich gemacht: “Weil es Menschen gibt, die real von ihm bedroht, sexistisch beleidigt und verprügelt werden. Weil sich diese Betroffenen alleingelassen fühlen. Und weil Strafrahmen in der Vergangenheit offenbar so wenig ausgeschöpft wurden, dass Fler nicht einmal Reue zeigt und seine Opfer nach Taten sogar öffentlich verhöhnt.”

3. Die zweifelhaften Zocker-Ratschläge der “Bild”
(ndr.de, Philipp Eckstein & Stella Peters & Jan Lukas Strozyk)
Online-Glücksspiel ist in Deutschland, außer in Schleswig-Holstein, illegal. Dennoch trommele die “Bild”-Redaktion mit ihrer werblichen Berichterstattung für diverse Online-Casino-Angebote. Ein NDR-Team ist der Sache nachgegangen und hat Beteiligte und Behörden dazu befragt. Die Glücksspielaufsicht prüfe Schritte gegen “Bild”. Die weist jeden Vorwurf empört zurück: Man berichte über Glückspiel “ausgesprochen verantwortungsvoll.”

4. Leipziger Buchmesse 2020 abgesagt: »Sicherheit geht vor«
(buchreport.de)
Rund 280.000 Besucherinnen und Besucher wurden zur diesjährigen Leipziger Buchmesse erwartet, etwa 2500 Aussteller wollten dort den Lesern und Leserinnen ihr Angebot näherbringen. Doch gestern wurde das wichtige Branchenereignis abgesagt. Das Gesundheitsamt Leipzig sei “der Aufforderung des Bundesgesundheits- und des Bundeswirtschaftsministeriums gefolgt, wonach eine Rückverfolgbarkeit von Kontaktpersonen bei Großveranstaltungen gewährleistet sein muss. Es empfahl dringend, dass jeder Messeteilnehmer schriftlich belegen muss, nicht aus definierten Risikogebieten zu stammen oder Kontakt zu Personen aus Risikogebieten gehabt zu haben.” Da dies nicht zu bewerkstelligen sei, habe man die Buchmesse schweren Herzens abgesagt.

5. Berliner Verlag: Wer ist schuld am Abgang Thiemes?
(newsroom.de)
Über die Gründe des Abgangs des kurzzeitigen Chefredakteurs von “Berliner Zeitung” und “Berliner Kurier” sind sich die Beteiligten uneinig: Während die Verleger Silke und Holger Friedrich mitteilen, dass Ex-Chefredakteur Matthias Thieme aus persönlichen Gründen ausgeschieden sei, entgegnet dieser über einen Anwalt, es habe sich um betriebliche Gründe gehandelt.

6. Expertin für Sexszenen im Film: Deutschlands erste Intimitätskoordinatorin
(rnd.de, Tilmann P. Gangloff)
In den USA sei es schon gang und gäbe, nun soll es diese Praxis auch hier geben: Deutschlands erste “Intimitätskoordinatorin” will Schauspieler und Schauspielerinnen bei Sexszenen im Film beraten.

Lesbos-Lichtenhagen, Unkontrolle, Frauenhassende Rapper

1. “Da braut sich ein Pogrom zusammen”
(tagesspiegel.de, Paul Gäbler)
Als der Foto- und Videojournalist Michael Trammer auf Lesbos die Ankunft von Geflüchteten dokumentierte, wurde er von Rechtsradikalen angegriffen und verletzt. Der “Tagesspiegel” hat mit Trammer gesprochen, der zum Zeitpunkt des Gesprächs aus Sicherheitsgründen die Insel verlassen wollte: “Die Situation erinnert ein wenig an Rostock-Lichtenhagen 1992. Hier braut sich gerade ein Pogrom zusammen. Ich habe schon seit ein paar Tagen Angst gehabt, dass es bald eskalieren könnte. Europa hat monatelange weggeschaut. Lange wird das hier nicht mehr gut gehen.”

2. Chefredakteur von “Berliner Zeitung” hat gekündigt
(spiegel.de, Stefan Kuzmany)
Nach der Übernahme durch das Ehepaar Silke und Holger Friedrich will bei “Berliner Kurier” und “Berliner Zeitung” einfach keine Ruhe einkehren. Zunächst sorgte ein wirres Manifest für Kopfschütteln, dann ging es um die Stasi-Vergangenheit des Neueigentümers. Vorher hochgelobte Chefredakteure verließen den Verlag, und seit gestern steht der Vorwurf im Raum, das Verlegerehepaar habe die Existenz einer Schweizer GmbH vorgetäuscht. Zudem müssen sich die Friedrichs nach neuem Führungspersonal umsehen: Nach gerade einmal drei Wochen habe der neue Chefredakteur von “Berliner Zeitung” und “Berliner Kurier” seine Kündigung eingereicht.

3. Die sehr freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Presse
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Laut Pressekodex (Artikel 16) “entspricht es fairer Berichterstattung, vom Deutschen Presserat öffentlich ausgesprochene Rügen zu veröffentlichen, insbesondere in den betroffenen Publikationsorganen bzw. Telemedien.” Doch wie halten es die Medien mit dieser “fairen Berichterstattung”? Nicht sonderlich gut, wie Stefan Niggemeier feststellt. Und auch der Presserat selbst lässt es an Transparenz missen.

4. Vorurteilsbewusster Journalismus
(medium.com, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat fordert Journalisten und Journalistinnen dazu auf, sich stärker ihrer Verantwortung für eine möglichst rassismusfreie Gesellschaft bewusst zu sein und ihre berufliche Praxis zu überprüfen: “Wir könnten beispielsweise unsere Quellenarbeit überdenken. Reicht es, wenn wir schlicht darauf setzen, dass es zwei voneinander unabhängige Quellen gibt? Oder müssen wir nicht auch darauf schauen: Wer spricht über wen? Wie können marginalisierte Perspektiven stärker zu Wort kommen? An welcher und wessen Norm orientieren wir unsere Wort- und Bildwahl? Und vielleicht könnte es ein redaktioneller Maßstab werden zu fragen: Wenn eine Person mit Rassismuserfahrung unser journalistisches Stück liest, sieht oder hört: Was könnte für sie verletzend sein, wie kommt das bei ihr an?”

5. Rapper setzt Kopfgeld auf Frau aus und bedroht Komiker
(t-online.de, Janna Halbroth)
Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes hat ein Video veröffentlicht, in dem Frauen Textstellen aus Songs von Rappern wie Kollegah, Farid Bang, Gzuz und Fler vorlesen, die an Frauenfeindlichkeit und Gewaltverherrlichung kaum zu überbieten sind. Für den Rapper Fler war dies wohl eine Art Aufforderung, seinem Hass freien Lauf zu lassen und diverse Personen übel zu beleidigen und zu bedrohen.

6. Deutsche Konzert- und Tourneeveranstalter bangen um ihre Existenz
(bdkv.de)
Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft ist besorgt wegen der Ausbreitung des Coronavirus und der Auswirkung auf das Veranstaltungsgeschäft: “Wir beobachten bereits seit einigen Tagen einen erheblichen Einbruch bei den Kartenverkäufen, und Inhaber von Karten versuchen zunehmend, diese gegen Erstattung des Eintrittsgeldes zurückzugeben”. Zahlreichen Veranstaltungsunternehmen drohe der wirtschaftliche Kollaps.

Kontraproduktive Klarnamenpflicht, Blinde Flecken, Paparazzi-Promi-Deals

1. Gastbeitrag: Diskutierte Klarnamenpflicht kontraproduktiv gegen Hass im Netz
(heise.de, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger)
Die Länder Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben eine Initiative zur Verschärfung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetzDG) gestartet, die eine Registrierungspflicht im Internet zur Folge hätte. Soziale Netzwerke und Spieleplattformen sollen demnach verpflichtet werden, sämtliche Nutzerinnen und Nutzer zu erfassen und zu identifizieren. Die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger kritisiert das Vorhaben mit warnenden Worten. Der Schutz der Anonymität im Internet sei auch der Schutz unserer individuellen Freiheitsrechte: “Die Medien- und Informationsfreiheit sind Teil unserer Grundrechte und damit für alle Deutschen universell gültig. Gerade in Deutschland gibt es historisch gute Gründe, diese Freiheit als unser höchstes rechtliches Gut gegen jede staatliche Einschränkung zu verteidigen — im Netz wie in der analogen Welt.”

2. “Bild” und die journalistische Sorgfaltspflicht
(berliner-zeitung.de, Kai-Hinrich Renner)
“Bild” hat für sein Projekt “Bild TV” eine Rundfunklizenz beantragt. Dies sei keine bloße Formalie und schon gar kein Selbstgänger, erklärt Kai-Hinrich Renner in seiner Medienkolumne. Unter Umständen könnten die Rundfunkwächter “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt die beantragte Rundfunklizenz verwehren — und sich dabei auf dessen fragwürdige Äußerungen berufen.

3. Warum langsames Denken bei der Recherche hilft
(message-online.com, Christina Elmer)
Was Christina Elmer Journalisten und Journalistinnen empfiehlt, geht im Großen und Ganzen uns alle an: Es geht darum, dass wir dazu neigen, unsere Welt eingeschränkt und oftmals verzerrt wahrzunehmen. Es geht um die “mentalen Abkürzungen”, die nötig, aber auch gefährlich sind, weil sie viele Details und Perspektiven ausblenden. Und es geht um Wege für ein besseres und ganzheitliches Verständnis unserer Umwelt.

4. “Islamische Sprechpuppe” – YouTuber nach Hasskommentaren freigesprochen
(spiegel.de, Wiebke Ramm)
Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) muss es nach einem Urteil des Amtsgerichts Berlin Tiergarten hinnehmen, mit allerlei üblen Bezeichnungen belegt zu werden. Ein 46 Jahre alter Ex-Polizist, der sie wüst beschimpft hatte, wurde vom Vorwurf der Beleidigung freigesprochen. Laut Chebli wollen sie und die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen. PS: Was für ein grölendes Volk sich zum Prozess eingefunden hatte, lässt sich hier anschauen.

5. Die blinden Flecken der Nachrichtenwelt
(de.ejo-online.eu, Johanna Mack)
Medien-Professor Hektor Haarkötter verrät im Interview, was und wer es in die Top-Liste der vergessenen Nachrichten des Jahres geschafft hat, was man tun muss, um auf die Liste zu kommen, und warum es diesmal nur eine “Top Seven” geworden ist.

6. Promi-Fotos: Deals zwischen Stars und Paparazzi
(ndr.de, Andrea Richter, Video: 5:35 Minuten)
Früher konnte man als Paparazzo noch richtig Kasse machen, heutzutage ist dies nicht mehr ganz so leicht. Der Grund liegt unter anderem im visuellen Überangebot: Die Stars und Sternchen fluten den Markt mit ihren Selfies und Instagram-Bildchen. Pfiffige Paparazzi suchen deshalb die Kooperation mit Promis. Das Erfolgsmodell heißt “gestellter Abschuss”, eine Zusammenarbeit, bei der sich Promi und Fotograf sogar die Erlöse teilen würden.

Frontex greift Deutsche an, Antidemokraten, Gewaltverharmloser

1. Frontex schickt FragDenStaat Rechnung über 24.000 Euro
(netzpolitik.org, Arne Semsrott)
Die milliardenschwere EU-Grenzpolizei Frontex hat den wackeren Transparenz-Kämpferinnen und -Kämpfern von “FragDenStaat” einen “Gebührenbescheid” in Höhe von 24.000 Euro zukommen lassen. Es ist anscheinend die Antwort darauf, dass “FragDenStaat” im vergangenen Jahr Frontex erfolglos auf Auskunft zu Mittelmeereinsätzen verklagt hatte. Um die Grenzpolizei zum Einlenken und Storno der Rechnung zu bewegen, wendet sich “FragDenStaat” mit einer Petition an Öffentlichkeit und Frontex-Bürokratie. Von den angepeilten 50.000 Unterschriften fehlten heute morgen nur noch 8.000.
Weiterer Hinweis: Wer den Vorgang in einer Minute erklärt bekommen will, sollte sich auf Twitter das Video von “FragDenStaat” anschauen. Es lohnt schon wegen des Vergleichs der Fahrzeuge in diesem Goliath-versus-David-Konflikt.

2. Wir sind hier
(zeit.de)
Als Antwort auf Deutschlands Rassismusproblem lässt “Zeit Online” 142 Menschen zu Wort kommen, die der Hass trifft, darunter auch viele Journalistinnen und Journalisten, Autorinnen und Autoren. Jede Stimme für sich ist lesens- und hörenswert — ob laut oder leise, ob nachdenklich, erschüttert, empört oder verzweifelt.

3. Studie: Hohes Maß an rechtsextremen Einstellungen bei AfD-Wählern
(uni-leipzig.de, Susann Huster)
Die AfD ist dafür bekannt, medial besonders polarisierend und tabuverletzend aufzutreten. Im Sinne der Medienwirkungsforschung stellt sich da die Frage: Wählen AfD-Anhängerinnen und -Anhänger die Partei trotz oder wegen ihrer antidemokratischen Positionen? Oft wird diese Frage nur aus dem Gefühl heraus beantwortet, dementsprechend unterschiedlich fallen die Antworten aus. Doch nun hat die Universität Leipzig eine Studie vorgelegt, die den Wählerinnen und Wählern der AfD in allen Bereichen antidemokratischer Einstellungen deutlich höhere Zustimmungswerte attestiert als den Menschen, die andere Parteien wählen. Konkret ging es um die Bereiche Rechtsextremismus, Gewaltbereitschaft, Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit und Verschwörungsmentalität.
Weiterer Lesehinweis: Beim Deutschlandfunk schreibt Matthias Dell über Rechtsterrorismus in den Medien: “Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus sind Phänomene, die bundesdeutsche Medien seit mehr als 50 Jahren völlig überraschend immer wieder neu entdecken. Und immer wieder falsch verstehen müssen — wie sich am aktuellen ‘Spiegel’-Cover zeigt.”
Außerdem empfehlenswert: In Kitsch und AfD — Zur Ästhetik des aktuellen Rechtsradikalismus geht es um den ehemaligen “Focus”-Redakteur und heutigen AfD-Berater Michael Klonovsky, den “zweifelhaften Meister des neuen rechten Kitsches” (54books.de, Peter Hintz).

4. Statement der “Bild” zur Kritik an Hanau-Berichterstattung
(ndr.de)
Man könnte herzlich lachen über das Statement von “Bild” zur Kritik an ihrer Hanau-Berichterstattung, wenn es nicht so traurig wäre. “Bild”-Sprecher Christian Senft hat die Fragen der “Zapp”-Redaktion (NDR) äußerst ausweichend und meist gar nicht beantwortet — oder geantwortet, dass man nicht antworten wolle.
Dazu auch der “Zapp”-Beitrag: Nach Hanau: Was Medien besser machen sollten (ndr.de, Inga Mathwig, Video: 6:49 Minuten).
Weiterer Lesehinweis: Für “Bild Live” und Co: “Bild” beantragt Rundfunklizenz (dwdl.de, Uwe Mantel).

5. Die sprachliche Verharmlosung von Gewalt gegen Frauen in den Medien
(genderequalitymedia.org)
“Ohne Bild, Focus und Stern würde es ein Drittel weniger gewaltverharmlosende Berichterstattung geben”, so das Ergebnis einer Untersuchung von “Gender Equality Media” (“GEM”) zu Berichten über Gewalt gegen Frauen. In einem detaillierten und grafisch ansprechend aufbereiteten Artikel schlüsselt “GEM” die Teilergebnisse auf. Die Bilanz ist gleichzeitig ein Appell: “Medien sind Teil und Lösung des Problems zugleich. Sie tragen einen Großteil zur Meinungsbildung bei und haben somit auch Verantwortung. Nur wenn Journalist*innen verantwortungsvoll und im Kontext über die systematische Gewalt gegen Frauen berichten und Gewalt als solche benennen und sie nicht verharmlosen, können sie Verbündete für ein Ende von Gewalt gegen Frauen sein.”

6. Flugzeuge, Waschfrauen und rappende Kinder …
(twitter.com, Samuel Burri, Video: 0:40 Minuten)
Das ist ganz niedlich: Samuel Burri, Afrika-Korrespondent für das Schweizer Radio und Fernsehen, setzt mehrere Male zum Sprechen an, doch immer wird er gestört — sei es von Flugzeugen, Waschfrauen oder rappenden und tanzenden Kindern.
PS: Burri konnte seinen Beitrag (Video, 2:55 Minuten) irgendwann erfolgreich beenden. Der ist dann zugegebenermaßen weniger lustig, aber dennoch sehenswert: “Jede Woche überfallen Terroristen in Burkina Faso Dörfer, sie morden und vertreiben. Nirgendwo verbreitet sich der Terror so schnell wie in der Sahelzone.”

Saures Katapult, MDR-Bildfälscher, Friedrich Merz und der Journalismus

1. Die Süddeutsche klaut systematisch von Katapult
(katapult-magazin.de, Benjamin Fredrich)
“Katapult”-Chefredakteur Benjamin Fredrich ist mächtig sauer auf die “Süddeutsche”, der er die unautorisierte Übernahme von Inhalten vorwirft: “Ficken Sie sich schwer ins Knie, Herr Weber! Ich veröffentliche Ihre volle Peinlichkeit, Ihr journalistisches Unverständnis darüber, eine Quelle von einer Idee nicht unterscheiden zu können, und Ihre systematische Übernahme unserer Werke.” Die “Süddeutsche” reagierte mit einer Stellungnahme, in der sie ihr Bedauern mitteilte und die sofortige Einstellung der Kolumne bekannt gab. Der Vollständigkeit halber muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass anscheinend auch “Katapult” sich nicht immer vorbildlich verhalten hat.

2. Diese Wörter zensieren YouTuber in ihren Kommentarspalten
(vice.com, Sebastian Meineck)
Mit der Funktion “Gesperrte Wörter” können Youtuber Kommentare blocken lassen, in denen bestimmte Wörter vorkommen. Das kann nützlich sein, wenn man vermeiden will, dass die eigene Adresse verbreitet wird oder allzu derbe Schimpfwörter verwendet werden. Viele der Youtube-Stars nutzen die Funktion jedoch auch, um Kritik von sich fernzuhalten und um ihr Geschäftsmodell zu schützen. In Kooperation mit dem Youtube-Kanal Ultralativ (Video, 6:14 Minuten) hat sich “Vice” angeschaut, was Top-Influencer wie Bibi, Dagi, Unge und Co. so alles blockieren.

3. Manipuliertes Foto: Was ist bloß in den MDR gefahren?
(rnd.de, Imre Grimm)
In der MDR-Sendung “Sachsenspiegel” wurde über eine Demonstration in Dresden berichtet, und dabei wurden auch Bilder der Gegendemonstration gezeigt. Ein Transparent eines Gegendemonstranten war leer — der MDR hatte, ohne dies zu erwähnen oder zu begründen, die Inhalte wegretuschiert. Ein fataler Fehler, wie “RND”-Kommentator Imre Grimm findet: “Gerade in Instagram-Zeiten, in denen fast jedes Foto per Mausklick leicht in das Gegenteil seiner selbst verwandelt werden kann, ist Glaubwürdigkeit im Umgang mit Bildern und Fakten das höchste Gut einer Redaktion. Der MDR hat dieses Gut leichtfertig und unnötig aufs Spiel gesetzt.”

4. Wie ZEIT ONLINE Wissenschaftler bei ihrer Forschung unterstützt
(blog.zeit.de, Elena Erdmann & Philip Faigle & Julius Tröger)
Normalerweise profitieren Medien von der Arbeit von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen. Dass es auch andersherum geht, zeigt der spannende Blick hinter die Kulissen bei “Zeit Online”.
Weiterer Lesehinweis: Faszinierend: Wie Julius Tröger für die Zeit komplexe Daten-Welten visualisiert (kress.de, Rupert Sommer).

5. Journalisten müssen von Friedrich Merz nicht gebraucht werden
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Man hätte fast glauben können, dass sich Friedrich Merz vom Gedanken des freien Journalismus verabschiedet hat, so laut und empört war die Aufregung einiger Medien (und des DJV, PDF) über einige seiner Äußerungen bei einer Karnevalsveranstaltung. Dass dem keineswegs so ist, erklärt Medienkritiker Stefan Niggemeier: “Genau genommen sagt Merz nicht, dass traditionelle Medien überflüssig sind. Es sagt, dass sie nicht mehr nötig sind, um eine Botschaft an ein Publikum zu bringen. Das ist nicht dasselbe, und selbst das ist vermutlich zu optimistisch formuliert von Merz: Über ‘institutionalisierte Medien’ lassen sich in der Regel immer noch viel größere Publika erreichen.”

6. Die Sinnfluencer
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 6:05 Minuten)
Die Evangelische Kirche startet in Deutschland ein “Sinnfluencer”-Netzwerk auf Youtube: das evangelische Content-Netzwerk “YEET”. Brigitte Baetz hat sich angeschaut, was die Kirche in Sachen digitaler Verjüngung unternimmt. Dabei geht es auch um den, vom Kirchenverantwortlichen so bezeichneten, “Frömmigkeitsstil”.

Antifa-Rechercheplattformen, Corona-Empathie, Schnuckelchen

1. Vorsicht vor “antifaschistischen Rechercheplattformen”!
(welt.de, Ricarda Breyton)
Die “Welt”-Politikredakteurin Ricarda Breyton warnt vor “antifaschistischen Rechercheplattformen”: “Im Internet kursierten zuletzt fragwürdige Meldungen über den inzwischen zurückgetretenen Sprecher der Werte-Union sowie den Ostbeauftragten der Regierung. Die wurden in die Nähe von Rechtsradikalen gerückt. Diese Art der Gerüchteverbreitung muss verhindert werden.”
Auf Twitter antwortet der AfD- und Faschismus-Experte Andreas Kemper: “Ausgerechnet die WELT warnt vor antifaschistische Rechercheplattformen? Für die WELT war von 2012 bis 2015 G. Lachmann als Chefreporter in Sachen #AfD zuständig. Seit seinem Rauswurf ist er Medienberater für Höcke. Sie nahm Don Alphonso auf, als die FAZ ihn nicht mehr wollte.” Der Journalist Henrik Merker schreibt: “Antifaschistische Rechercheplattformen liefern Material von Neonazi-Versammlungen, zu denen sich manche @welt-Leute nicht auf 10km rantrauen würden. (…) Dass Journalisten das Material prüfen müssen, bevor sie drüber schreiben, sollte klar sein.” Und ergänzt in einem weiteren Tweet: “Und ne, als potentielle Quelle darf man als Journalist antifaschistische Rechercheplattformen niemals ausschließen, wie das in der @welt gefordert wird. Vielmehr sollte man häufiger mal dort nachschauen, um rechtsextreme Netzwerke frühzeitig erkennen und publik machen zu können.”

2. Trusted Brands: Kündigen Sie das Abo von Steingarts “Morning Briefing” – so wird Ihr Newsletterkonsum klimaneutral
(meedia.de, Mike Kleiß)
Gabor Steingart hat in seinem Newsletter “Morning Briefing” vor wenigen Tagen dazu aufgefordert, diverse Zeitungen und Magazine zu kündigen. Mike Kleiß kommentiert ironisch: “Gut, dass der ‘Spiegel’ darauf bisher nicht eingeht, nicht zurückschießt. Etwa mit einem Cover auf dem Steingart als Kapitän zu sehen ist. An Deck der Pioneer One. Mit der Zeile: ‘Kündigen Sie einfach das Abo von Steingarts ‘Morning Briefing’ — So wird wenigstens Ihr Newsletterkonsum klimaneutral.'”

3. Influ­encer sollen über Pro­dukte “infor­mieren” dürfen
(lto.de, Annelie Kaufmann)
Das Bundesjustizministerium hat einen Vorschlag zur Kennzeichnung von Social-Media-Posts erarbeitet. Demnach müssen Äußerungen auf Sozialen Medien nicht als Werbung gekennzeichnet werden, “wenn sie ohne Gegenleistung erfolgen und vorrangig der Information und Meinungsbildung dienen”. Ein möglicher Gesetzentwurf müsse jedoch eng mit der Europäischen Kommission abgestimmt werden.

4. Die 1,4 Milliarden-Dollar-Wette inmitten der Streaming Wars: Wie viel Potenzial hat Quibi?
(omr.com, Tobi Bauckhage & Jon Hanschin)
Mehr als eine Milliarde Dollar lassen sich zwei amerikanische Unternehmer angeblich den neuen Streamingdienst Quibi kosten. Auf dem zahlungspflichtigen Kanal soll es Kurzvideos (“Quick Bites”) mit einer Länge von maximal zehn Minuten geben. Zielgruppe: Handynutzer und -nutzerinnen. Tobi Bauckhage und Jon Hanschin erklären, was es mit dem Kurzfilm-Netflix auf sich hat.

5. Wo bleibt die Empathie?
(taz.de, Fabian Kretschmer)
Die europäische Berichterstattung über das Coronavirus mache viele Chinesen und Chinesinnen wütend, so der China-Korrespondent Fabian Kretschmer. Der Mangel an Empathie gegenüber der Bevölkerung sei erschreckend. Zumal die derzeitige Situation mit einer Quarantäne für rund 60 Millionen Menschen bislang einmalig und Schuldzuweisungen unangebracht seien.

6. Schnuckeliger Vater von Sportschau-Moderatorin trainiert Schalke.
(twitter.com, Günter Klein)
Der Chefreporter Sport des “Münchner Merkur” antwortet auf eine “Focus Online”-Schlagzeile …

Lust am Missverstehen, Verpasste Gelegenheit, Zombie-Exzess

1. Die nervige Lust am Missverstehen
(t-online.de, Nicole Diekmann)
Nicole Diekmann rät, sich nicht in den Online-Empörungsstrudel ziehen zu lassen, und führt dazu zwei Beispiele aus der jüngeren Zeit an: “Es ist ein anstrengender Trend, den auch die mitmachen, die sich so gern auf der richtigen Seite sehen und auch den so wichtigen Kampf gegen Hassrede führen. Ihre Verantwortung, oder sagen wir es weniger pädagogisch, ihre Chance, die Spaltung der Gesellschaft wenigstens nicht weiter mit voranzutreiben, übersehen sie dabei. Die Anlässe werden immer nichtiger, die Hämmer immer härter.”
Dazu passend ein weiterer Lesehinweis: Die Empörung der Anderen. So startest du deine private Entpörungs-Welle (dirkvongehlen.de).

2. Hey, Auslandsberichterstattung – Wir müssen reden!
(journalist.de, David Schraven & Bassel Alhamdo & Frederik Richter & Marcus Bensmann)
Laut Recherchen von “Correctiv” und “journalist” würden in der ZDF-Auslandsberichterstattung arabische, russische sowie chinesische O-Töne und ihre Übersetzungen nicht immer übereinstimmen. Es gehe um eine grundsätzliche Praxis bei Fernsehinterviews in fremden Sprachen: “Müssen der gesendete Ausschnitt und die deutsche Übersetzung einander entsprechen? Oder darf der Korrespondent sich frei aus verschiedenen Stellen des Gesprächs bedienen — und die Übersetzung einfach mit einem sprechenden Gesicht bebildern?”

3. Es gibt nicht DIE Objektivität im Journalimus.
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre war beim nur noch einmal im Jahr stattfindenden ZDF-Pressegespräch in Berlin und hat wie immer aufmerksam zugehört. Zum Beispiel bei den Lobpreisungen von ZDFneo, die Buhre in dieser Form nicht nachvollziehen kann: “Meiner Beobachtung nach hat ZDFneo (Jahresbudget 41,2 Mio.) den Anteil an selbst-produzierten, also originären ZDFneo-Formaten zurückgefahren. Sowohl Pressesprecher Alexander Stock als auch Intendant Thomas Bellut bestreiten das, doch wie mir die ZDF-Pressestelle später auf Anfrage mitteilte, gab es in der vierten Kalenderwoche 2020, in der das Pressegespräch stattfand, genau 45 Erstsendeminuten von neuem, selbst-produziertem Neo-Programm. Auf die 168-Stunden-Woche gerechnet sind das 0,45 Prozent (…). Die restlichen 99,55% bestehen aus Wiederholungen und Lizenzeinkäufen.”
Siehe auch Buhres mit einem Blick erfassbare Analyse des ZDFneo-Programms in Kalenderwoche vier (PDF).

4. Verpasste Gelegenheit für die Pressefreiheit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Als eine “verpasste Gelegenheit für die Pressefreiheit” bezeichnen die Reporter ohne Grenzen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Verbot der Internetplattform “linksunten.indymedia”. “Leider hat sich der Senat weitgehend auf die formale Frage beschränkt, ob die mutmaßlichen Betreiber als Einzelpersonen überhaupt berechtigt waren, gegen das Vereinsverbot zu klagen. Die grundrechtliche Abwägung, ob die inkriminierten Inhalte ein pauschales Verbot der ganzen Plattform rechtfertigen, bleibt damit offen”, so ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske.
Weiterer Lesehinweis: Was ist eigentlich Linksunten.indymedia? (spiegel.de)

5. Ärger um Talkshow mit Thilo Sarrazin: Es hagelt Absagen anderer Gäste
(rnd.de)
Gestern Abend wurde in der Talkshow “Talk im Hangar-7” des österreichischen Senders Servus TV die Debattenkultur diskutiert. Als ein Beispiel für einen Vertreter einer “unbequemen Meinung” hatte man Thilo Sarrazin eingeladen. Und sich damit die Absagen diverser anderer Gäste eingehandelt. Hasnain Kazim veröffentlichte seine Absage auf Twitter: “Es freut mich, dass Sie grundsätzlich Interesse an meiner Arbeit und auch an meinen Standpunkten zum Thema Debattenkultur haben. Einer davon ist, dass nicht jede ‘Meinung’ eine Meinung ist. Und auch, dass man nicht jedem Bullshit, jedem Rassismus, jeder Menschenverachtung, die im Deckmantel einer ‘Meinung’ daherkommt, eine Bühne bieten sollte. Man bietet ‘Identitären’ für ihre neonazistischen Ansichten keine Plattform. Man gibt Rechtsextremisten keine Redezeit. Und man lädt auch nicht Thilo Sarrazin in eine Talkshow ein.”

6. Programmierter Zombie-Exzess: Radikalisierungsmaschine Youtube
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Adrian Lobe berichtet über eine Studie der Nichtregierungsorganisation Avaaz mit dem Titel “Why is YouTube Broadcasting Climate Misinformation to Millions?” (PDF). Das Geschäftsmodell von Youtube und die verwendete algorithmische Mechanik spiele Extremisten in die Hand: “Für jedes Klima-Desinformationsvideo, das jemand anschaut oder likt, werden ähnliche Inhalte in den Empfehlungen angezeigt, sodass der Nutzer in die Online-Blase der Desinformation tappt”, so das Autorenteam der Studie.

Seid wachsam, Gangsta-Rap-Safari, Fragwürdige Polizeistatistik

1. Seid wachsam, Bürgerrechtler – BMJV verwirrt durch zwei separate Entwürfe zum NetzDG
(cr-online.de, Niko Härting)
Der Jurist und Hochschullehrer Niko Härting macht sich Sorgen wegen der jüngsten Änderungsvorhaben beim Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG): “Die Verschärfungen des NetzDG, die die beiden Gesetzesentwürfe vorsehen, bedürfen einer breiten gesellschaftspolitischen Diskussion. Das BMJV wird hoffentlich zu einer transparenten Linie zurückkehren und gar nicht den Versuch unternehmen, die Entwürfe eilig durch Bundestag und Bundesrat zu hasten. Seid wachsam, Bürgerrechtler!”

2. Wenn anonyme Kollektive Recherchearbeit übernehmen
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell)
Wenn wir etwas über die gewaltbereite extreme Rechte erfahren, liege das meist an der aufopferungsvollen Arbeit von anonym und verdeckt arbeitenden Recherchekollektiven. Deren Einsatz könne durchaus mehr Wertschätzung erfahren, findet Matthias Dell im Deutschlandfunk: “Wenn der Innenminister nun entschlossener gegen rechtsextreme Gruppierungen vorgehen will, dann wäre das für Medien und Gesellschaft vielleicht ein Anlass, die häufig kaum oder schlecht bezahlte Arbeit von Fachleuten zu würdigen, die für das Verständnis des deutschen Rechtsextremismus wichtig sind.”

3. Mit dem “Spiegel” auf Gangsta-Rap-Safari
(uebermedien.de, Antonia Baum)
Bei “Übermedien” wundert sich die Schriftstellerin und Journalistin Antonia Baum über die jüngste “Spiegel”-Titelstory: “An der aktuellen Titelgeschichte des ‘Spiegel’ ist einiges erstaunlich, und dabei sind die brutalen Rap-Plattitüden, der betuliche Tonfall und die Frage, wie man zu dreizehnt einen Text verfasst, noch die geringste Auffälligkeiten. Vielmehr scheint all das nur Ausdruck eines tieferliegenden Problems zu sein, nämlich einer totalen Kopflosigkeit, welche die Abwesenheit einer für diesen Text eigentlich entscheidenden Grundvoraussetzung anzeigt: nämlich die Bereitschaft, sich mit dem Gegenstand zu befassen, über den man schreibt.”

4. Chinesische Einflussnahme
(sueddeutsche.de, Kai Strittmatter)
Dänemark erlebt gerade eine neue Karikaturenkrise. Eine relativ harmlose Illustration zur Coronavirus-Thematik habe den Unmut der chinesischen Botschaft in Kopenhagen erregt. Die Zeichnung sei eine “Beleidigung für China” gewesen, sie verletze “die Gefühle des chinesischen Volkes”. In der öffentlichen Stellungnahme sei im chinesischen Propagandasound weiterhin verlangt worden, dass die Zeitung “Jyllands-Posten” und der Zeichner Niels Bo Bojesen “ihren Fehler bereuen und sich öffentlich beim chinesischen Volke entschuldigen”. China-Kenner und Buchautor Kai Strittmatter ordnet den Fall ein.

5. Hilfe bei Rachepornos: Was tun, wenn meine Nacktfotos im Internet sind?
(vice.com, Yannah Alfering & Sebastian Meineck)
Bei “Vice” erklären Yannah Alfering und Sebastian Meineck in leicht verständlichen Worten, was zu tun ist, wenn ein rachsüchtiger Ex-Partner beziehungsweise eine rachsüchtige Ex-Partnerin Nacktfotos oder intime Videoaufnahmen ins Internet gestellt hat.

6. Zahlen, die knallen
(taz.de, Erik Peter)
In Berlin sollen 2019 angeblich 7.000 Polizistinnen und Polizisten Opfer von Gewalt geworden sein, so jedenfalls habe es die Polizeipräsidentin in einem von der dpa aufgegriffenen Interview behauptet. Nach Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik ergebe sich jedoch ein anderes Bild: Es seien deutlich weniger. Außerdem werde die Statistik durch Bagatelldelikte wie dem sonst nicht strafbaren Schubsen künstlich aufgebläht: “In der Praxis reicht neben dem Schubsen auch sich loszureißen, sich gegen eine Tür zu stemmen oder eine ruckartige Bewegung, damit Polizisten von Widerstand oder tätlichem Angriff sprechen können.”

Koalition der Klimawandelleugner, Untertitel für Pornos, Gelber Stern

1. Koalition der Klimawandelleugner
(spiegel.de, Susanne Götze & Annika Joeres)
Neue Rechte und Klimawandelleugner haben eine Medienkampagne gegen mehr Klimaschutz in Deutschland gestartet. Zu den “Kooperationspartnern” der Initiative würden der ultra-konservative CDU/CSU-Flügel “Werteunion”, der rechtslastige Arbeitgeberverband DAV sowie AfD-, CDU- und FDP-Mitglieder und ehemalige Abgeordnete gehören. Die CDU habe sich trotz mehrfacher Nachfrage nicht zu der Kampagne und der Rolle der “Werteunion” äußern wollen: “Man darf spekulieren, dass die Parteispitze darauf hofft, mit der Werteunion und dem Grenzgänger Maaßen AfD-nahe Wähler holen zu können. Auch wenn die Gruppe von Präsidium und Vorstand der CDU nicht anerkannt wird.”

2. Was ist ein Mensch wert: Sat.1 trommelt für “Big Brother”
(dwdl.de, Alexander Krei)
“DWDL” berichtet über die fragwürdige Ankündigung der neuen “Big Brother”-Staffel (Sat.1) und wird dafür selbst kritisiert: “Wie unbedarft muss man eigentlich sein, um so einen geschichtsvergessenen, faschistoiden Schund unkommentiert zu vermelden?”, fragt Till Räther auf Twitter. “DWDL” veröffentlichte später am Tag noch einen Kommentar von Redakteur Alexander Krei zur “Big Brother”-PR-Strategie. Auch Rainer Leurs, Redaktionsleiter bei “RP Online”, kommentiert die Marketing-Kampagne des Fernsehsenders: “Mit gelbem Stern entscheiden, ‘was ein Mensch wert ist’ & ‘Follow the Leader’ als Titelsong — die Provokation ist so obvious, dass ich nicht an eine Panne glauben kann. Bei der Geschmacklosigkeit dürfte der Social-Media-Aufschrei Teil des Plans gewesen sein. Eklig ist das.” Und Anna Aridzanjan fällt nur noch ein: “Ob diese Marketingleute in der Geschichtsstunde Kreide holen waren habe ich gefragt”.

3. Untertitel für Pornos
(taz.de, Denis Gießler)
Für viele klingt es zunächst wie ein Witz: Der gehörlose New Yorker Yaroslav Suris habe laut ABC News mehrere Online-Pornoplattformen wegen fehlender Untertitel verklagt. Suris stütze sich dabei auf den Americans with Disabilities Act, der US-Amerikaner mit Behinderungen seit 1990 bundes- und staatsübergreifend vor Diskrimierung schützen soll. Es wären nicht die USA, wenn es dabei nicht auch um jede Menge Geld gehen würde — in Form von Strafzahlungen, aber auch als Schadensersatz.

4. Der Deutsche Podcastpreis ist eine Fehlkonstruktion
(uebermedien.de, Daniel Bouhs)
Mitte März soll erstmals der Deutsche Podcastpreis verliehen werden. Unter den Initiatoren befinden sich öffentlich-rechtliche Radiosender, aber auch privatwirtschaftliche Podcast-Schwergewichte wie Amazon und Spotify. Im Vorfeld regt sich allerlei Kritik: Podcasts hätten sich mit dem Label “nominiert” schmücken können, über die “Crowd-Jury” sei wenig bekannt und das Auswahlverfahren sei überfordernd. Daniel Bouhs kommentiert: “So ehrenhaft der Versuch auch sein mag, unter dem Stichwort ‘Crowd’ alle zu umarmen: Engere Kriterien und eine Vorjury wären nur fair, um Brillantes verlässlich identifizieren und so tatsächlich allen eine Chance bieten zu können. Die Nominierten, erst recht die Prämierten, hätten es dann wirklich verdient.”

5. “Und morgen bist du tot!”
(zeit.de, Hasnain Kazim)
Was macht es mit einem, wenn man über einen längeren Zeitraum und nahezu täglich Hassnachrichten und Morddrohungen erhält? Es lohnt sich, dem für seine Deutlichkeit bekannten Journalisten Hasnain Kazim zuzuhören. Nicht nur, weil sein persönliches Erleben so erschütternd ist, sondern weil die Angriffe auf ihn in gewisser Weise auch Angriffe auf die Gesellschaft sind: “Manchmal erkennen mich Leute auf der Straße. ‘Sind Sie nicht …?’ Oder: ‘Ich kenne Sie doch!’ Ich freue mich darüber, es ist ja eine Form der Anerkennung. Aber in letzter Zeit hat sich ein Unbehagen eingeschlichen. Ich weiche unweigerlich zurück, wenn fremde Leute auf mich zukommen. Was, wenn sie mir etwas antun wollen? Dann wieder ärgere ich mich darüber, dass ich so misstrauisch geworden bin. Es zeigt, dass die Drohungen mich verändern.”

6. Die vier Gesichter unserer Internetprofile
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Marc Baumann)
Die US-amerikanische Country-Sängerin Dolly Parton veröffentlichte eine Bildcollage, die zeigen sollte, wie unterschiedlich wir uns auf Plattformen wie Linkedin, Facebook, Instagram und Tinder darstellen. Damit war die “Dolly Parton Challenge” geboren, der sich nun unzählige Promis, mal mehr und mal weniger lustig, anschließen.

Polizeiliche Schuldumkehr, WhatsApp vom Prinzen, Bolsanaros Rache

1. Schuldzuweisung statt Opferschutz
(netzpolitik.org, Daniel Laufer)
Wegen einer Morddrohung habe sich die Streamerin Powny an die Bremer Polizei gewandt. Der zuständige Beamte habe sie nicht ernst genommen und mit unpassenden Bemerkungen bedacht. Die Bremer Polizei habe immerhin reagiert: “Das geschilderte Verhalten des aufnehmenden Beamten entspricht nicht unserem Verständnis von einer bürgernahen Polizeiarbeit”, so die Polizeisprecherin: “Wir arbeiten intensiv an der Aufklärung des Sachverhaltes.” Der beschuldigte Beamte sei bis zur Klärung “von seinen derzeitigen Aufgaben mit Bürgerkontakt entbunden”.

2. Oh Lord
(sueddeutsche.de, Cathrin Kahlweit & Laura Hertreiter)
Für viele überraschend, gibt Tony Hall, Generaldirektor der BBC, seinen Posten als einer der mächtigsten Medienmanager der Welt ab. Der Sender erlebe gerade schwierige Zeiten: Teile der Politik würden ihn wegen seiner angeblich unverhältnismäßigen Brexit-Kritik boykottieren. Premier Boris Johnson stelle sogar das komplette Finanzierungsmodell der BBC infrage. Cathrin Kahlweit und Laura Hertreiter erklären Hintergründe und Zusammenhänge.

3. kontertext: Online-Zeitungen – die grosse Versuchung
(infosperber.ch, Rudolf Walther)
Anhand der Beispiele “Guardian” und “Independent” beschreibt Rudolf Walther, welche positiven und negativen Folgen eine Schwerpunktverlagerung aufs Digitale haben kann. Die “taz” könne demnächst vor einem ähnlichen Umbruch stehen: “Die hohen und tendenziell steigenden Vertriebskosten und die Unwägbarkeiten der Vertriebssysteme, deren Träger unrentable Regionen lieber heute als morgen ‘vergessen’ lassen würden, sowie der unabsehbaren Kosten und Zumutungen der Postzustellung könnten die Geschäftsführung in Zukunft zu einem radikalen Schnitt zwingen.”

4. Rache liegt in der Luft
(taz.de, Simon Sales Prado)
Der US-amerikanische Journalist Glenn Greenwald wurde international berühmt, als er als Erster die Snowden-Papiere einsah und darüber im “Guardian” berichtete. Seit einigen Jahren lebt und arbeitet Greenwald in Brasilien und veröffentlichte dort unter anderem belastende Dokumente gegen die rassistische und neoliberale Bolsonaro-Regierung. Die könnte sich nun rächen wollen: Die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft klage Greenwald wegen “Cyberkriminalität” an.

5. Schon drei Journalisten seit Jahresbeginn getötet
(reporter-ohne-grenzen.de)
Laut Reporter ohne Grenzen sind im Irak seit Jahresbeginn bereits drei Journalisten getötet worden: “Über die Proteste und das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte zu berichten, ist für irakische Journalistinnen und Journalisten im Irak inzwischen lebensgefährlich.”

6. Wenn der Kronprinz dir ein Video schickt
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Wenn einem jemand wie der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman per WhatsApp ein Video zuschickt, muss er es nicht unbedingt gut mit einem meinen: IT-Forensiker haben herausgefunden, dass auf diese Weise womöglich das Handy des Amazon-Milliardärs und Besitzers der “Washington Post” Jeff Bezos gehackt wurde. Die saudische Botschaft in den USA habe die Vorwürfe als “absurd” zurückgewiesen. Nun sollen weitere Untersuchungen folgen.

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