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Corona-Studien-Inszenierung, Kurzarbeit zu kurz gedacht, “maiLab”

1. Heinsberg-Studie: Deutscher PR-Rat prüft Vorgehen der Agentur Storymachine
(stern.de, Hans-Martin Tillack)
Die mediale Vermarktung der Heinsberg-Studie durch die PR-Agentur “Storymachine” wurde bereits vielfach kritisiert (zum Beispiel hier, hier und hier). Nun habe der Deutsche Rat für Public Relations ein förmliches Prüfverfahren eingeleitet. Investigativreporter Hans-Martin Tillack hat sich die Vorgänge um die PR-Agentur, die neuerdings abstreitet, eine PR-Agentur zu sein, näher angeschaut und ist auf einen Dschungel von geschäftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen gestoßen.
Weiterer Lesehinweis: Auch “Capital” hat zu dem Fall recherchiert und berichtet von einem internen PR-Konzept der Agentur “Storymachine”, das weder nach einer “journalistischen Herangehensweise” noch nach einer “Beobachtung” der Forschungsarbeit klinge. Das Papier lese sich eher wie eine klassische PR-Kampagne, die über den Umweg einer Erzählung beziehungsweise Inszenierung ihr Ziel verfolge: Corona-Studie: der Plan hinter dem „Heinsberg-Protokoll“ (capital.de, Thomas Steinmann).

2. “Je länger wir für die Recherche gebraucht haben, desto besser kommt es an”
(brandeins.de, Johannes Böhme)
Die Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim betreibt auf Youtube den Kanal “maiLab” und hat dort mehr als 800.000 Abonnenten und Abonnentinnen. Ihr Erklärvideo zur Covid-19-Pandemie verzeichnet mittlerweile mehr als 5,7 Millionen Aufrufe. Johannes Böhme hat sich mit Nguyen-Kim über die Vermittlung von komplexen Sachverhalten unterhalten. Eine ihrer Erkenntnisse: “Je länger wir für die Recherche gebraucht haben, desto besser kommt es an. Je mehr Details wir präsentieren, je tiefer wir gehen, desto besser. Die Leute sind regelrecht besessen von Fakten. Viele fragen sofort nach Quellen, die wir deshalb auch detailliert unter unseren Videobeschreibungen auflisten.”
Weiterer Guckhinweis: “Schauen wir uns die Kommunikation von drei der prominentesten Virologen Deutschlands an: Professor Christian Drosten, Professor Hendrik Streeck und Professor Alexander Kekulé”: Virologen-Vergleich (youtube.com, maiLab, Video: 17:36 Minuten).

3. Sind alle Journalisten Versager?
(faz.net, Werner D’Inka)
Der ehemalige “FAZ”-Herausgeber Werner D’Inka unternimmt in Sachen Corona-Berichterstattung so etwas wie eine Medienkritik der Medienkritik: “Medienkritik tut not und gut, aber gerade wer eine wache wissenschaftliche Begleitung des Journalismus für berechtigt und notwendig hält, darf erwarten, dass sie sich auf den Gegenstand einlässt, den zu kritisieren sie vorgibt.” Dies sei laut D’Inka keineswegs immer der Fall, wie er an Beispielen festmacht.

4. “Die massenhafte Verbreitung von Bullshit ist das Problem”
(zeit.de, Dirk Peitz)
Der Brite Peter Pomerantsev hat ein Sachbuch über Desinformation und Wirklichkeitsverzerrungen auf Social Media geschrieben (“Das ist keine Propaganda”). Im Gespräch mit “Zeit Online” geht es um Fake-Realitäten, die Ausbreitung von Verschwörungstheorien und die Zerstörung demokratischer Debatten: “Die Redefreiheit wird heutzutage dafür benutzt, Menschen zum Schweigen zu bringen, ihr Sprechen mit Lärm zu übertönen. Und die Pluralität der Meinungen und Haltungen hat sich in eine derart starke politische Polarisierung insbesondere in den USA verwandelt, dass dort Debatten nicht mehr ergebnisoffen geführt werden können. Die Metapher vom Markt der Ideen schließlich ist untauglich geworden, weil nicht mehr klar ist, ob eine Zunahme an Informationen tatsächlich zu einem Mehr an Demokratie führt.”

5. “Entscheidend ist, jemanden in einem Stream zu halten und zu einem Fan zu verwandeln” – Kunst im Stream
(dirkvongehlen.de)
Dirk von Gehlen hat auf seinem Blog eine kleine Serie zu Livestreams und Videokonferenzen gestartet (“Zehn Lehren aus der Coronakrise”). Regelmäßig befragt er Menschen, die in Zeiten der Corona-Pandemie statt auf Live-Events auf Videostreams und Online-Lehre setzen. Aktueller Gesprächspartner: Der Performancekünstler Marcus John Henry Brown. Dessen Empfehlung an Streaming-Interessierte: “Recherchiere, bis Deine Augen blutig werden. Denke an den Kontext des Streams. Denke in Formaten. Talent imitates — genius steals: Stehle vom Live-Fernsehen. WWE Pay-per-Views, Frühstücksfernsehen, Tele-Shopping, Nachrichten oder alte MTV-Formate wie ‘MTV’s Most Wanted’ mit Ray Cokes. Verbringe Tage in TWITCH, YouTube oder MIXER. Denke daran: Das, was Du da planst, ist ‘Internet-Fernsehen’.”

6. Da passt was nicht zusammen
(taz.de, Anne Fromm)
Es ist ein höchst widersprüchliches Phänomen: Einerseits freuen sich die Verlage über Webseiten- und Digital-Abo-Rekorde, andererseits schicken sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Kurzarbeit. Die zusätzlichen Online-Erlöse würden nicht das ausgleichen, was im Anzeigengeschäft verlorengehe, so die Begründung der Medienhäuser. Anne Fromm merkt dazu an: “Wer JournalistInnen in Kurzarbeit schickt, senkt die Qualität. Und riskiert Subventionsbetrug. Wenn bei Kurzarbeit die JournalistInnen weiter 100 Prozent arbeiten, ist das illegal. Denn das ausfallende Gehalt und die Sozialbeiträge werden zu bis zu 67 Prozent von der Allgemeinheit übernommen. Ja, Corona bedeutet für angeschlagene Presseverlage weitere Verluste. Bloß ist Kurzarbeit, pauschal für ganze Redaktionen, dagegen kaum das richtige Mittel.”
Weiterer Lesehinweis: Medien: Hier könnte Ihre Anzeige stehen — Wie Covid‑19 ProSieben, RTL, SPIEGEL & Co trifft (deraktionaer.de, Leon Müller).

Neue Fakten der “Storymachine”, Was für ein Aufzug, Sonja Zietlow

1. Streeck, Laschet, StoryMachine: Schnelle Daten, pünktlich geliefert
(riffreporter.de, Christian Schwägerl & Joachim Budde)
Die “Riffreporter” haben in einem längeren Lesestück die Vorgänge um das sogenannte “Heinsberg Protokoll” rekonstruiert. Eine lesenswerte Chronologie und Analyse mit erschreckenden Erkenntnissen: “Es ist Laschet, Streeck und StoryMachine gelungen, in der politischen Themen- und Prioritätensetzung neue Fakten zu schaffen und Aufmerksamkeit vom Lockdown auf den Exit umzulenken. Doch das PR-Bündnis hat einen Preis: Die Kritik an der Seriosität des Vorgehens.”

2. Traue keiner Statistik, …?
(spiegel.de, Marcel Pauly & Patrick Stotz)
Die Berichterstattung über das Coronavirus basiert häufig auf Zahlen. Doch welche Datenquellen und welche Messgrößen werden verwendet? Der “Spiegel” erklärt, woher die Daten kommen, wie aussagekräftig die Infiziertenzahlen sind, welche Kennzahlen für die Ländertabelle verwendet werden, und beantwortet weitere Fragen zum Umgang mit den Covid-19-Zahlen.

3. Was machen all diese Politiker in einem Aufzug?
(hessenschau.de)
Im ganzen Land heißt es Abstand halten, aber ausgerechnet die, die es besser wissen müssten, quetschen sich in einen proppenvollen Aufzug. Mit dabei: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Kanzleramtsminister Helge Braun, Ministerpräsident Volker Bouffier, Regierungssprecher Michael Bußer (alle CDU) und Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne), dazu noch mindestens sechs weitere Personen. Das Foto der irren Szene sorgte in den Sozialen Medien für allerlei Gesprächsstoff: von kritischen Anmerkungen bis hin zu spöttischen und lakonischen Bemerkungen.

4. Susanne Gaschke fragt sich, ob Corona der neue Hitler ist
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
Gefallen sich die Deutschen tatsächlich “in 150-prozentigem Corona-Gehorsam”, wie von Susanne Gaschke in der “NZZ” behauptet? Jürn Kruse hat sich den Artikel absatzweise vorgenommen und die darin enthaltenen Vorwürfe und Unterstellungen (“Totalitarismus”, “Ermächtigungsgesetz”, “Unterwerfung”) seziert.

5. Forum Recht, Ausgabe “Don’t @ me” (1/2020)
(forum-recht-online.de)
“Forum Recht” ist ein rechtspolitisches Magazin, das vom Bundesarbeitskreis kritischer Juragruppen sowie einem Trägerverein herausgegeben und vor allem von Studierenden, Referendarinnen und Referendaren gefüllt wird. Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem Thema Social Media: Wie agieren Menschen und staatliche Akteure in den Sozialen Medien? Und wie kann das Recht darauf reagieren? Das Heft steht jetzt zur freien Online-Lektüre bereit.

6. Sonja Zietlow irritiert mit Facebook-Posts zum Coronavirus
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
In den vergangenen Tagen postete die prominente RTL-Moderatorin Sonja Zietlow (“Dschungelcamp”) allerlei Seltsamkeiten auf ihrem verifizierten Facebook-Kanal und lockte damit Verschwörungstheoretiker der unterschiedlichsten Couleur an. Am Ostersonntag veröffentlichte sie eine Liste mit Personen aus Medizin und Forschung, die ihrer Auffassung nach in der Gesellschaft als “Verschwörungstheoretiker” gelten würden. Das Problem: Viele davon hatten tatsächlich fragwürdige oder gänzlich widerlegte Aussagen über das Coronavirus verbreitet. “Wer nicht als Verschwörungstheoretiker gilt”, so Zietlow weiter in ihrem Post: “Prof. Dorsten (!), Lothar Wieler RKI, Bill Gates, Spahn.” Der Spuk scheint jedoch beendet, zumindest vorerst: Zietlows Facebookseite ist seit gestern Abend nicht mehr erreichbar.

Dünnbartbohrer, Heimliches Strategiepapier, Falscher Tod

1. Exklusiv: Deutschlands beste Corona-Ticker
(kress.de, Christian Lindner)
Medienberater Christian Lindner stellt 15 beispielhafte Corona-Ticker vor. Sein Überraschungssieger: Der Corona-Feed der “Hamburger Morgenpost”. “Total regional, stimmig, kraftvoll, nüchtern im Sound und optisch perfekt.”
Wie es um Europas Presse in Zeiten der Pandemie steht, berichten “SZ”-Korrespondenten aus sechs Ländern. Angenehm kurze Infohäppchen der Auslandsreporterinnen und -reporter.
Doch wie wirkt sich die Corona-Krise im Inland aus? Gregory Lipinski hat sich für “Meedia” bei den großen Verlagshäusern umgeschaut. Nach Bertelsmann, Funke, SWMH und “Zeit”-Verlag wolle jetzt auch Axel Springer zumindest partielle Kurzarbeit anmelden. Und auch beim “Tagesspiegel” werde es wegen massiver Anzeigenrückgänge bald Kurzarbeit geben.
Im Podcast “Unter Zwei” von Levin Kubeth geht es ebenfalls um Die Herausforderungen der Coronakrise. Kubeth hat, wie so oft, hochkarätige Interviewgäste aus der Medienbranche in der Sendung.
Die “taz” plant eine Sonderausgabe für und gefüllt durch freie Fotografen und Fotografinnen: “Die taz wird am Donnerstag, Gründonnerstag Dokumente dieser Zeit aufbereiten — Dokumente, die uns unsere Fotograf:innen selbst bereitstellen, als visuelle Zeitzeug:innen.”
Beim “Fachjournalist” gibt es ein Interview mit dem Datenjournalisten Marcel Pauly vom “Spiegel”: “Die Coronakrise dominiert den Arbeitsalltag aller Datenteams”.
Lesenswert ist zudem Dennis Horns Einordnung der Medienkritik des Virologen Christian Drosten.
Und wer nach all den Corona-News etwas Abstand und Ablenkung braucht: Die “Süddeutsche” hat eine tolle Zusammenstellung von Kulturlinks: Konzerte, Lesungen und Kunst von zu Hause erleben.

2. Der Dünnbartbohrer
(neues-deutschland.de, Christian Y. Schmidt)
Christian Y. Schmidt ärgert sich über die journalistische Begleitung der Corona-Krise durch den Wirtschaftsjournalisten Gabor Steingart in dessen Newsletter: “Seit 2018 verschickt er per E-Mail ein sogenanntes ‘Morning Briefing’, eine Art ‘Breitbart light’ für Wirtschaftsliberale, das stilistisch den schmalen Grat zwischen Claas Relotius und Franz Josef Wagner auslotet. ‘Dünnbart’ wäre kein schlechter Name. Für den Verfasser aber müsste man aufgrund seiner Corona-Verlautbarungen ebenfalls eine neue Bezeichnung finden. Am besten würde eine passen, die ich hier nicht hinschreibe, denn ich habe keine Lust, mich von Steingart verklagen zu lassen.”

3. Veröffentlicht die Dokumente!
(uebermedien.de, Arne Semsrott)
In der Presselandschaft zirkuliert ein vertrauliches Strategiepapier des Bundesinnenministeriums zum Umgang mit der Corona-Pandemie. Viele Medien hätten sich aus dem 17-seitigen Papier unterschiedliche Aspekte herausgepickt und würden daraus zitieren. Obwohl das Strategiepapier bereits in der Branche kreise, weigere sich das Innenministerium, es auch anderen Journalistinnen und Journalisten auf Basis des Pressegesetzes herauszugeben. Arne Semsrott ist deshalb initiativ geworden: “Es über das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) zu bekommen, würde sich einen Monat hinziehen, viel zu lange. Und auch kein Sender, kein Verlag hat das Papier bisher veröffentlicht. Deshalb haben wir von ‘FragDenStaat’ das gemacht.”

4. Umstrukturierung als Mentalitätswandel
(deutschlandfunk.de, Daniel Bouhs, Audio: 5:21 Minuten)
Der Hessische Rundfunk befindet sich mitten in der Transformation. Das betrifft sowohl die Personalstruktur als auch die Inhalte und Ausspielwege. Es ist eine gewaltige Herausforderung, denn die Änderungen finden an vielen Stellen gleichzeitig statt, und die Corona-Krise verlangt dem Sender Weiteres ab. Daniel Bouhs hat sich die Reformanstrengungen näher angeschaut.

5. Konkurrenz mit Sonntags-Talks
(sueddeutsche.de)
Neulich lagen ARD und ZDF im Clinch wegen zeitgleich laufender Nachrichtensendungen, nun sollen parallel angesetzte Polit-Talkshows für Unmut sorgen. Spezial-Talkshowausgaben rund um das Coronavirus mit Maybrit Illner (ZDF) kollidierten mit dem festen Sendetermin ihrer ARD-Kollegin Anne Will.

6. Korrektur: Meldung zum Tod von Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger war falsch
(nzz.ch)
Die “Neue Zürcher Zeitung” (“NZZ”) ist offenbar auf einen berühmt-berüchtigten Twitter-Hoaxer hereingefallen, der sich als “Suhrkamp Verlag” ausgegeben und den angeblichen Tod des Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger verkündet hatte.
Weiterer Lesehinweis: Felix Neumann hat mit dem Mann Kontakt aufgenommen, der sich als Politiker, Bischof und Künstler ausgebe: Tommasso Debenedetti – “Meisterfälscher” und Papst-Serienmörder (katholisch.de).
PS: Die “NZZ”-Redaktion wäre besser gefahren, wenn sie Neumanns 4 Strategien gegen Twitter-Fakes gelesen hätte, bevor sie die Falschnachricht ungeprüft weiterverbreitete. Ein Artikel für den digitalen Handwerkskoffer und die ewige Bookmarkliste.

Erfinder des Drosten-Podcasts, Restle und Naiv, Pekinger Bettdecke

1. Meinungsfreiheit in Zeiten von Corona – Monitor studioM
(youtube.com, Monitor, Video: 1:08 Stunden)
Bei “studioM” sprechen “Monitor”-Chef Georg Restle und Tilo Jung (“Jung & Naiv”) über journalistisches Arbeiten in Zeiten des Coronavirus und über die Gefahren, die aus den derzeitigen Grundrechtseinschränkungen erwachsen können. Außerdem dabei: Die Journalistin Katja Gloger, die als Vorstand bei Reporter ohne Grenzen über die Lage in anderen Ländern berichten kann.

2. Über 15 Mio. Abrufe: Der gewaltige Erfolg des “Coronavirus Update” mit Professor Christian Drosten
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Nur wenige kennen Norbert Grundei, Leiter des Radiosenders N-Joy und des NDR-Audio-Labs Think Radio. Viele kennen jedoch einen Podcast, den er angestoßen hat: Das “Coronavirus-Update” mit dem Virologen der Berliner Charité Christian Drosten. Bei “Meedia” verrät Grundei, wie es zu der Idee kam, wieviele Personen an der Produktion beteiligt sind und wie es um die Reichweite bestellt ist.

3. Wenn die Wahrheit zur Corona-Pandemie nicht ans Licht kommen soll
(tagesspiegel.de, Gloria Geyer)
Die Corona-Krise ist in vielen Teilen der Welt auch eine Medienkrise. Der Geschäftsführer der Reporter ohne Grenzen habe sich im Gespräch mit dem “Tagesspiegel” alarmiert gezeigt: “‘Ich bin selber überrascht, dass es fast auf der ganzen Welt Einschränkungen wegen der Coronavirus-Ausbreitung gibt.'” In vielen Ländern würden die Sichtweisen, die nicht dem Handeln der Regierung entsprechen, eingeschränkt.

4. Wie wir jetzt arbeiten – Journalismus in Zeiten von Corona
(stern.de)
Auch beim “Stern” entstehen Magazin und Website mittlerweile an vielen verschiedenen Orten und in den unterschiedlichsten Homeoffice-Umgebungen. Die Arbeitsbedingungen sind so vielfältig wie die Journalisten und Journalistinnen selbst, die über die ganze Welt verstreut sind — von Hamburg bis nach New York, von Berlin bis nach Shanghai.

5. Wie das Coronavirus Journalist:innen auf die Probe stellt
(netzpolitik.org, Dominic Lammar)
Volker Stollorz ist Geschäftsführer und Redaktionsleiter des Science Media Center Germany. Im Gespräch mit netzpolitik.org geht es um den Umgang der Medien mit wissenschaftlichen Fakten: Wie sollen Journalistinnen und Journalisten mit wissenschaftlichen Unklarheiten umgehen? Wie kann der Umgang mit ungeprüften Studien und widersprüchlichen Aussagen erfolgen? Und wie lassen sich Falschnachrichten herausfiltern?
Weiterer Lesehinweis: Beatrice Lugger ist Direktorin des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation. Bei “Zeit Online” ermuntert sie Forscherinnen und Forscher zum Dialog mit den Nichtexperten: “Forscher sollten lernen, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren.”

6. Wenig Licht am Ende des Tunnels
(blog.tagesschau.de, Tamara Anthony)
Tamara Anthony berichtet für die “Tagesschau” aus dem ARD-Studio Peking. Was zu normalen Zeiten schon schwierig ist, gestaltet sich jetzt als besondere Herausforderung: Anthony befindet sich in Quarantäne. Im Blog der “Tagesschau” erzählt sie, wie sie und ihr Team mit den derzeitigen Umständen umgehen, einschließlich der Vertonung unter der akustikverbessernden Bettdecke.

Aktuelle Rügen, Des Bäckers kleine Brötchen, Corona-Partys

1. Rüge für Berliner Zeitung wegen Interessenkonflikt
(presserat.de)
Der Deutsche Presserat hat vergangene Woche vier Rügen verteilt: Bei der “Berliner Zeitung” wurde die Berichterstattung über den Börsengang eines Unternehmens gerügt, an dem der Zeitungsbesitzer beteiligt sei. Die Online-Ausgabe von “Mädchen” stand wegen ihrer Glücksspiel-Werbung in der Kritik (BILDblog berichtete). Beim Magazin “Grazia” habe es eine Art Tauschgeschäft Ware gegen Berichterstattung gegeben. Und die Fernsehzeitschrift “Hörzu” habe wiederholt gegen das Schleichwerbeverbot verstoßen.

2. WDR5: “Live-Anmutung” im Podcast für Fake im Radio
(fair-radio.net, Mario Köhne)
Die Initiative “Fair Radio” präsentiert mal wieder ein Beispiel für eine Hörfunksendung mit Live-Anmutung, die jedoch vorproduziert wurde. Darauf angesprochen, findet die Redaktion allerlei Begründungen, die Mario Köhne jedoch nicht gelten lassen will: “Warum aber dieses Theater? Warum sagt WDR 5 nicht klar, dass es sich um eine Aufzeichnung handelt? Das würde den hintergründigen Charakter der Sendung nicht ändern.” Köhne weiter: “In Zeiten, in denen es um die Glaubwürdigkeit der Medien im Allgemeinen und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Speziellen geht, wäre eine klare Kennzeichnung oder zumindest der Verzicht auf die ‘Live-Anmutung’ aber wichtig.”

3. Emotionaler Bäcker steht in der Kritik
(n-tv.de)
Der Unternehmer Gerhard Bosselmann aus Hannover wurde zu einer Art Medienheld, als er vergangenen Freitag einen verzweifelten Aufruf bei Facebook veröffentlichte. Eindringlich und emotional berührend appellierte er an die Menschen, weiterhin Bäckereien um die Ecke aufzusuchen, und bedankte sich auf herzliche Weise bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Gerade weil das Video so menschlich und warmherzig erschien, wurde es zum viralen Hit. Viele Medien berichteten. Nun tauchte eine (verifizierte) “Dienstanweisung” von Bosselmann auf, die ihn in einem anderen Licht erscheinen lässt: Als kaltherzigen Boss, der seine Angestellten unter eklatanter Verletzung des Arbeitsrechts bedroht und einschüchtert, sie trotz Erkrankung an den Arbeitsplatz zwingen will und ihnen mit Rauswurf droht.

4. Die Wut auf Corona-Partys wächst – doch wie viele Feiern gibt es wirklich?
(bento.de, Jan Petter & Lukas Eberle)
Wenn man den Berichten einiger Redaktionen Glauben schenkt, soll es in ganz Deutschland immer wieder sogenannte “Corona-Partys” uneinsichtiger junger Menschen gegeben haben. Doch was ist dran an den Storys mit dem Empörpotenzial? Jan Petter und Lukas Eberle sind der Sache nachgegangen: “Viel Hörensagen, wenige dokumentierte Fälle”, so ihr Resümee.

5. Corona-Krise: Welche Hilfen freie Journalisten beanspruchen können
(uebermedien.de, Alexander Graf)
Angesichts der aktuellen Situation wissen viele freie Journalistinnen und Journalisten nicht, wie sie über die Runden kommen sollen. Alexander Graf hat zusammengetragen, was es an staatlichen Hilfen und sonstigen Unterstützungen gibt — angefangen bei Krediten und Liquiditätshilfen bis hin zu Entlastungen durch Steuerstundung und Senkung der Sozialbeiträge.

6. Wie wir den Spiegel entwickeln
(journalist.de, Stefan Ottlitz & Christina Elmer & Matthias Streitz)
Habt ihr schon mal versucht, aus einem Feuerwehrschlauch zu trinken? Hoffentlich nicht, denn danach wäret ihr pitschnass und immer noch so durstig wie zuvor. Der hier verlinkte Text kann als Beispiel für ein ähnliches Phänomen dienen. Drei Spitzenkräfte des “Spiegel” berichten vom Relaunch der Seite, und außer viel leerem Wortgeklingel, Selbstverständlichkeiten und Kalenderweisheiten kommt nichts rüber. Ein Text, der keine echten Erkenntnisse bietet, nur der flauschigen Selbstbespiegelung und Selbstvergewisserung dient und bestenfalls als internes Memo zirkulieren sollte.

Corona und die Medien, Falsche Sat.1-Polizistinnen, Der schwarze Kanal

1. Pandemie veranschaulicht Lücke
(taz.de, Said Rezek)
Anlässlich der vielen herumschwirrenden “Fake News”, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien zum Coronavirus plädiert Said Rezek für die Vermittlung von mehr Medienkompetenz. Das mache “zwar niemanden gegen das Coronavirus immun, aber immerhin sind dann alle gegen Fake News gewappnet. So kann jeder User durch Nutzung seriöser Quellen zur Informationsbeschaffung dazu beitragen, die Verbreitung von Covid-19 zu verlangsamen, die medizinische Versorgung zu verbessern und Panik zu verhindern. Letztlich steht und fällt alles mit Bildung.”
Weiterer Lesehinweis: Das European Journalism Observatory beschreibt in einer Serie, wie weltweit über die Corona-Pandemie berichtet wird (bisher erschienene Beiträge: Großbritannien, Finnland, Schweden, Russland, Brasilien und Ägypten).
Beim “Spiegel” berichten die Korrespondenten in einem Video (3:54 Minuten) von ihrem Alltag aus verschiedenen Weltstädten.
Die “Medienwoche” beschäftigt sich mit einer anderen Gefahr: In mehreren Ländern erhöben Gesundheitsbehörden Smartphone-Daten, um Bewegungsprofile der Bevölkerung zu erstellen und Infektionsketten zurückzuverfolgen. Adrian Lobe fragt: “Mit Big Data gegen Corona: Weniger Datenschutz für mehr Seuchenschutz?”
Gute Fragen hat auch Jakob Buhre beim Pressebriefing des Robert Koch Instituts gestellt. Es geht um den Sprachgebrauch und die Abgrenzung der beiden Begriffe “Erkrankung” und “Fälle”.
Europaweit bleiben die Menschen zuhause und bringen mit ihrem steigenden Internet-Konsum die Netze an ihre Belastungsgrenzen. Um die Infrastruktur zu schützen, reduziere der Streamingdienst Netflix ab sofort seine Bitrate für Streams in Europa (dwdl.de, Thomas Lückerath).
Trotz coronabedingter fußballfreier Zeit würden sich Welt.de und t-online.de auf ein heißes Fußball-Wochenende vorbereiten und entsprechende Vorberichte veröffentlichen. Schuld ist eine Kombination aus Roboterjournalismus und Unaufmerksamkeit (uebermedien.de, Jürn Kruse).

2. Sat.1 schickt falsche Polizistinnen nach Connewitz – und hat nun Ärger mit dem Gesetz
(uebermedien.de, Aiko Kempen & Henrik Merker)
Der Fernsehsender Sat.1 hat zwei Reporterinnen in nachgemachten Polizeiuniformen in den Leipziger Stadtteil Connewitz geschickt. Insgesamt drei Drehtage lang zogen die verkleideten Frauen durch das Leipziger Szeneviertel, samt Kamerateam und Security-Crew. Das Ziel: Eine Art skandalisierender Kriegsbericht aus einer angeblichen No-go-Area. Das löst moralisch-ethische Fragen aus — und das Interesse von Staatsanwaltschaft und Polizei für das Vorgehen von Sender und Fernsehteam.

3. Vor 60 Jahren startete “Der schwarze Kanal”
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 4:55 Minuten)
Vor 60 Jahren wurde in der DDR das erste Mal “Der schwarze Kanal” ausgestrahlt, eine Sendung, die vorgab, sich kritisch mit dem Westfernsehen auseinanderzusetzen. Moderiert von Karl-Eduard von Schnitzler, der die Ausschnitte mal polemisch, mal geradezu hasserfüllt kommentierte. Brigitte Baetz erinnert an eine Propagandasendung aus den finstersten Ost-West-Zeiten.

4. Gerade jetzt ist Wissenschaftsjournalismus unerlässlich
(fachjournalist.de, Holger Wormer & Sascha Karberg)
Eigentlich müsste in den jetzigen Zeiten der Wissenschaftsjournalismus blühen, denn es bestehe ein großer Bedarf an fundierter Berichterstattung, doch das Gegenteil sei der Fall. Holger Wormer und Sascha Karberg beschreiben in ihrem einem Buch entnommenen Text, worin die Probleme bestehen und wie man ihnen begegnen könnte. Zwei Kulturen müssten sich einander annähern: “der naturwissenschaftlich geprägte Berichterstattungsstil des Wissenschaftsressorts und der traditionelle, eher geisteswissenschaftlich oder ›literarisch‹ geprägte Journalismustypus der übrigen Ressorts”.

5. “Grundwerte mutig verteidigen”
(kontextwochenzeitung.de, Minh Schredle)
Rassisten eine Bühne zu bieten habe nichts mit Ausgewogenheit zu tun, so der “Monitor”-Moderator Georg Restle im Interview mit dem Wochenmagazin “Kontext”: “Ich glaube, es braucht auch unter Kolleginnen und Kollegen ein klares Verständnis dafür, dass es nichts mit Ausgewogenheit und Perspektivenvielfalt zu tun hat, rechtsextreme Positionen zu verbreiten. Das haben wir bei ‘Monitor’ schon 2016 kritisiert, als es um Talkshow-Auftritte von AfD-Politikern ging. Ich habe den Eindruck, dass sich diese Auffassung, wenn auch noch nicht überall, aber doch langsam durchsetzt, und hoffe, dass daraus auch die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden.”

6. Der US-“Playboy” war kein “Tittenmagazin”, sondern eine politische Streitschrift
(meedia.de, Ben Krischke)
Man kann an dem US-Magazin “Playboy” sicherlich vieles kritisieren. Anlässlich der Einstellung der Printausgabe in den USA ist Ben Krischke in seinem Nachruf jedoch gnädig und fokussiert sich auf die positiven Aspekte: “Der US-‘Playboy’ war nie ein aufpoliertes ‘Schmuddelblatt’ oder ein chauvinistisches ‘Tittenmagazin’, sondern eine lustvolle Streitschrift. Er lichtete einerseits nackte Frauen in erotischen Posen ab. Andererseits druckte Hefner von Anfang an umstrittene Werke bekannter Schriftsteller wie Ray Bradbury, der in seiner Dystopie ‘Fahrenheit 451’ gegen die Zensur anschrieb. Oder einen Text von Charles Beaumont, der eine Welt erdachte, in der Homosexualität normal ist und Heterosexualität als abartig gilt.”

Corona-Erklärstücke, Merkwürdige Stimme, Clan-Hype durch Medien?

1. Die besten Erklärstücke zum Coronavirus weltweit
(digitalpresent.tagesspiegel.de, Hendrik Lehmann)
Die Zeit der Corona-Krise ist auch die Zeit des Datenjournalismus. Der “Tagesspiegel” hat sich auf der ganzen Welt nach den besten Infografiken, Animationen und Erklärstücken zum Coronavirus umgesehen.

2. Wechselspiel mit rechten Medien
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 6:02 Minuten)
Seit vielen Jahren pflegt der Sänger Xavier Naidoo ein äußerst krudes Weltbild, das er regelmäßig mit der Öffentlichkeit teilt — ob durch fragwürdige Songtexte, wirre Interviews oder rassistische Statements. Michael Borgers berichtet von Naidoos Nähe zu einem Verschwörungstheoretiker und zum Netzwerk der Neuen Rechten.

3. “Republik” überlebt
(sueddeutsche.de)
Das Onlinemagazin “Republik” verfügte bei seinem Start im Jahr 2017 über 7,7 Millionen Franken, die sich aus Crowdfunding-Einnahmen und Investorengeldern zusammensetzten. Dieses Kapital hatte sich erschöpft, so dass die Schließung drohte. Nun hat man weitere zweieinhalb Millionen Franken eingeworben und kann den Betrieb aufrechterhalten.

4. Die Schweizer dürfen das
(zeit.de, Lenz Jacobsen)
Lenz Jacobsen hat sich mit dem Leiter des Berliner Büros der “NZZ”, Marc Felix Serrao, zum Gespräch getroffen. Jacobsen schreibt: “In den vergangenen drei Jahren ist die Schweizer Zeitung zur merkwürdigsten Stimme des deutschen Journalismus geworden. Mittlerweile acht Redakteure produzieren in Berlin ein Medium, das aus der Schweiz kommt, aber für Deutschland schreibt; das von rechts bejubelt wird, sich aber als Festung der bürgerlichen Mitte versteht; das sich auf den Liberalismus und die Nüchternheit der NZZ beruft, aber vor allem gern und oft weiß, was in Deutschland alles falsch läuft.”

5. Clan-Hype durch Medien?
(youtube.com, Zapp, Video: 8:52 Minuten)
Clan-Kriminalität ist ein ernstes Thema, das eine angemessene Berichterstattung verdient. Einige Medien bieten den Kriminellen jedoch eine Bühne, auf der diese sich regelrecht inszenieren können. “Da wird ein Heldenstatus aufgebaut. Das wirkt auf junge Leute. Das ist sehr gefährlich, denn das blendet aus, worum es wirklich geht: Schwerstkriminalität”, so Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei. “Zapp” berichtet über den fragwürdigen Umgang der Medien mit den Clans und den sich aufplusternden Clan-Kriminellen.

6. Warum wir die Maus jetzt brauchen
(welt.de, Christian Meier)
Als Angebot für die von den Schulschließungen betroffenen Kinder und Eltern strahlt der WDR “Die Sendung mit der Maus” zurzeit täglich aus. Christian Meier singt in der “Welt” ein Loblied auf den kleinen Nager: “Wir brauchen jetzt die Maus, die unseren Kindern die Welt erklärt, selbst wenn sie auf Corona wohl nicht vorbereitet war. Eine Folge am Tag reicht schon. Ein Nebeneffekt, der nicht zu unterschätzen ist: Auch uns Eltern helfen diese vertrauten Geräusche der Kindheit — Klimperklimper, Trööttrööt, Stapfstapf — in einer Zeit, in der wir jeden Tag ein Stück nervöser werden. Was würde die Maus jetzt tun?”

Netzhetze, We agree to disagree, Dieter Bohlens wirres Statement

1. “Hetze trifft irgendwann jeden: Verwandte, Bekannte, Sie selbst”
(zeit.de, Meike Laaff & Lisa Hegemann)
“Zeit Online” hat sich mit der Grünen-Politikerin Renate Künast über Hass und Hetze im Netz unterhalten. Künast ist immer wieder das Ziel von Anfeindungen, gegen die sie sich nötigenfalls auch juristisch zur Wehr setzt. Im Gespräch geht es vor allem um die beiden Gesetzesentwürfe, mit denen die Bundesregierung Hassrede im Internet bekämpfen will und die von Künast kritisch beurteilt werden: “Wir brauchen nicht nur das BKA, wir brauchen auch ein Demokratiefördergesetz, eine gute Finanzierung für Beratungsstellen und Leute, die wirklich immer hingucken.”

2. Dialog oder Kampf?
(gaborsteingart.com, Marina Weisband & Gabor Steingart, Audio: 53:02 Minuten)
Der Journalist und Medien-Unternehmer Gabor Steingart eckt mit seinem täglichen Newsletter “Morning Briefing” und dem dazugehörigen Podcast immer wieder an und erntet teilweise deutliche Kritik. Nun haben sich Marina Weisband und Gabor Steingart zum Streitgespräch zusammengesetzt, und das ist insofern eine Besonderheit, da Weisband selbst einen Podcast bei Steingarts Unternehmen Media Pioneer betreibt. Das merkt man jedoch an keiner Stelle, denn Weisband schont ihren Auftraggeber nicht und konfrontiert ihn mit seinen Aussagen zu Migration und Hufeisentheorie. Ein gelungenes Beispiel für Streitkultur, bei dem es am Ende heißt: We agree to disagree.

3. Die Maus grüßt ab Mittwoch täglich
(spiegel.de)
In vielen Bundesländern bleiben wegen der Corona-Krise die Kindertagesstätten und Schulen geschlossen, die Kinder müssen daheim bleiben. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben auf die veränderte Situation reagiert und ihr Programm für die jungen Zuschauer und Zuschauerinnen angepasst. Das reicht von Unterhaltungssendungen bis hin zu Lernformaten. Der “Spiegel” bietet eine Übersicht.

4. Dieter Bohlen in “Der Sinneswandel in zwei Stunden”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Nach dem Rauswurf von Xavier Naidoo aus der Unterhaltungssendung “Deutschland sucht den Superstar” warteten viele gespannt auf das angekündigte Statement von Jury-Urgestein Dieter Bohlen. Nach allerlei quotenschielender Zeitschinderei kam es dann zu einem Statement, das an Wirrheit kaum zu überbieten ist. Thomas Lückerath versucht die Gedanken des “Poptitans” nachzuvollziehen, kapituliert jedoch am Ende: “Das ist Realsatire, serviert von einem Mann, der offenbar mit der ihm zugetragenen Rolle überfordert ist und auch nach drei Tagen kein noch so einfaches oder klares Statement abgeben kann. Lieber Dieter Bohlen, nein, es ging in der Empörung der vergangenen Woche nie um die Jury Ihrer Castingshow. Es ging um rassistische und höchst irritierende Aussagen von Xavier Naidoo. Es sind nicht die anderen, die da etwas durcheinander bekommen haben.”

5. Erster Corona-Fall: ZDF beschließt Maßnahmen für Mitarbeiter
(meedia.de, Thomas Borgböhmer)
RTL schickt ab heute 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Homeoffice. Ähnliche Maßnahmen treffe nun das ZDF. Nach einem ersten bestätigten Fall einer Corona-Infektion solle die Belegschaft, sofern das möglich und vertretbar ist, von zu Hause aus arbeiten. “Wir müssen gemeinsam alles tun, um die Sendesicherheit, das Programm und die notwendigen Infrastrukturen aufrechtzuerhalten. In Zeiten wie diesen ist unser Programmauftrag wichtiger denn je”, so Intendant Thomas Bellut.

6. “Immer nur Corona? Das verdirbt doch die Laune.”
(twitter.com, Boris Rosenkranz)
“Immer nur Corona? Das verdirbt doch die Laune. Wir sollten ein hoffnungsvolles Gegenprogramm senden.” Diese Worte legt Boris Rosenkranz spöttisch den “Welt”-Programmmachern in den Mund und dokumentiert mit einem Screenshot die auffällige Themenbesessenheit des Senders.

“6 vor 9”-Sonderausgabe: Corona in und bei Medien

1. Der Corona-Aufklärer der Nation
(sueddeutsche.de, Carolin Gasteiger)
Professor Christian Drosten, Leiter des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, ist in den Medien derzeit nahezu omnipräsent. Er sitzt in der Bundespressekonferenz, äußert sich unter anderem in der “Tagesschau” und ist beim täglichen Podcast “Das Coronavirus Update” (NDR) zu hören. Carolin Gasteiger stellt den Wissenschaftler vor.

2. Wie deutsche Medien auf die Corona-Pandemie reagieren
(deutschlandfunk.de)
Wie wollen Medien in Corona-Zeiten die Berichterstattung sichern? Welche Auswirkungen auf das Programm gibt es? Wie gehen Soziale Medien mit dem Coronavirus um? Der Deutschlandfunk versucht sich an Antworten auf diese und die damit in Zusammenhang stehenden Fragen.
Weiterer Lesetipp: Coronavirus-Fall beim “Tagesspiegel”: Wie das Virus unseren Alltag auf die Probe stellt (tagesspiegel.de, Maris Hubschmid).

3. Corona-Pandemie: Wie Medienhäuser, Werbe- und die Eventindustrie die Auswirkungen beurteilen
(meedia.de)
Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Medien-, Werbe- und Eventindustrie aus? Die Arbeit im Home Office wird angeordnet, Dienstreisen werden abgesagt. Die Anzahl persönlicher Meetings wird reduziert und Veranstaltungen werden verschoben. Siehe dazu auch: Springer schickt alle Mitarbeiter nach Hause (uebermedien.de, Jürn Kruse).

4. Corona trifft Medien: Was das Publikum erwarten kann
(br.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 23:04 Minuten)
Im Podcast “Das Medienmagazin” (BR) geht es in der aktuellen Ausgabe auch um das Thema Corona und die Medien: Wie bereitet sich der Bayerische Rundfunk auf die Pandemie vor? Wie können Medien derzeit in der italienischen Hauptstadt arbeiten? Welche Verschwörungstheorien und Falschinformationen zum Coronavirus breiten sich im Internet aus? Und wie erkennt man sie?

5. Coronavirus in den Medien: Von Experten und «Experten»
(medienwoche.ch, Servan Grüninger)
Servan Grüninger hat sich angeschaut, wie in der Schweiz über das Thema Corona berichtet wird. Sein Resümee: Die Journalisten und Journalistinnen “sollten dem Publikum dabei helfen, irreführenden Nonsens von verlässlichen Informationen unterscheiden, und damit im Krisenfall eine Art ‘geistige Rettungsgasse’ schaffen, damit die relevanten und verlässlichen Informationen durchdringen können. Dazu gehört insbesondere, die befragten Experten konsequent nach Quellen und Unsicherheiten fragen, diese richtig wiederzugeben und auf Zuspitzungen und Übertreibungen verzichten.”

6. Historischer Krisentag: dpa verschickte 31 Eilmeldungen
(t-online.de, Lars Wienand)
Freitag gab es bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) eine rekordverdächtige Zahl von Eilmeldungen. Ganze 31 wurden über den Basisdienst verschickt. Damit habe es an einem Tag halb so viele Eilmeldungen gegeben wie im gesamten Jahr 2019 zu Terror (60).

7. Ein Thread, um die Widerstandsfähigkeit gewöhnlicher Menschen zu feiern
(twitter.com/leonardocarella)
Extralink: Zum Schluss ein bewegender Blick nach Italien, wo die Menschen in Zeiten von Quarantäne und Lockdown zusammenhalten, sich über die Balkongrenzen hinweg Gesellschaft leisten, singen, tanzen und Musik machen.

Goldene Blogger, Trickreiche TikTokker, Empörte Fußballreporter

1. 119 Angriffe auf Reporter in fünf Jahren
(faz.net)
Eine Erhebung des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit in Leipzig liefert beunruhigende Zahlen: In den vergangenen fünf Jahren sei es in Deutschland in 119 Fällen zu Angriffen auf Journalisten und Journalistinnen gekommen. Trauriger Spitzenreiter sei Sachsen mit fast der Hälfte aller bundesdeutschen Attacken auf Medienschaffende.

2. Fukushima: Freie Berichterstattung zulassen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Exakt neun Jahre ist es her, dass im japanischen Fukushima aus einer Naturkatastrophe eine Nuklearkatastrophe wurde. Neun Jahre, in denen sich Medien immer wieder darüber beklagen würden, von Regierung und Atomlobby in ihrer Berichterstattung behindert zu werden. Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, fordert ein Umlenken: “Die japanischen Behörden müssen sicherstellen, dass Medien uneingeschränkt über Fukushima berichten können. Journalistinnen und Journalisten — dazu gehören auch Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten sowie freie Medienschaffende — müssen Zugang zu den kontaminierten Regionen und zu allen verfügbaren Daten bekommen.”

3. Nach Angriff auf RTL-Kameramann: Rapper Fler verhaftet
(dwdl.de, Kevin Hennings)
Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin gab gestern bekannt, dass gegen den Rapper Fler ein Haftbefehl wegen Raubes und Körperverletzung “zum Nachteil eines RTL-TV-Teams” erlassen und vollstreckt worden sei. Kevin Hennings erklärt bei “DWDL” den Hintergrund und den vorangegangenen Streit um die “unhatewomen”-Kampagne zu verbaler Gewalt gegen Frauen in Rap-Texten.
Nachtrag: Die Generalstaatsanwaltschaft teilt auf Twitter mit: “Im Termin zur Verkündung des Haftbefehls ist der Ermittlungsrichter der Bewertung der Staatsanwaltschaft nicht gefolgt und hat den HB wegen Zweifeln am dringenden Tatverdacht aufgehoben. Der Beschuldigte ist entlassen. Die Staatsanwaltschaft prüft die Einlegung einer Beschwerde.”

4. Das sind die Preisträger*innen der Goldenen Blogger 2019
(die-goldenen-blogger.de)
Anfang der Woche wurden in Berlin zum dreizehnten Mal die “Goldenen Blogger” verliehen. Die Wahl erfolgte per Online-, Saal- und Akademievoting und erstreckte sich auf insgesamt 19 Kategorien. Mit dem “Sonderpreis fürs Lebenswerk” wurde der Autor und “Spiegel”-Kolumnist Sascha Lobo ausgezeichnet. Die weiteren Preisträger samt der dahinterstehenden Projekte finden sich auf der oben verlinkten Seite.

5. Wie Fußballreporter im Empörungsrausch den Ton angeben
(uebermedien.de, Andrej Reisin)
Wenn Fußballreporter über Kritik der Fußballfans und Ultras am Sportbusiness berichten, seien differenzierte Betrachtungen oft Mangelware, so Andrej Reisin auf “Übermedien”. Ein Grund dafür sei mangelnde Professionalität und mangelnde Distanz zum Berichtsgegenstand: “Die Ausbildung zum Sportjournalisten findet im besten Fall in extra eingerichteten Studiengängen statt, von denen es nur wenige gibt, die sich wiederum (wie an der Sporthochschule Köln) geradezu ihrer Praxisverbundenheit rühmen. Das heißt: Je näher der Berichterstatter am sportlichen Geschehen ist, vielleicht sogar einst selbst Athlet war, desto besser. Das alte Klischee vom Fan, der es auf die andere Seite der Absperrung geschafft hat, trifft hier noch immer häufig zu. Das Resultat ist allzu oft eine vollkommen fehlende Distanz vom Gegenstand der Berichterstattung. Reporter werden zu Gala-Empfängen nach Europapokalspielen als Gäste eingeladen; einige duzen Spieler, Trainer und Vereinsbosse vor laufender Kamera — in anderen Feldern der Berichterstattung ein absolutes No-Go.”

6. TikTok-Tricks: Mit diesen drei Engagement-Hebeln hacken TikTokker die Für-Dich-Seite
(omr.com, Roland Eisenbrand)
Wer sich ein wenig für die Social-Video-App TikTok interessiert, sollte unbedingt einen Blick auf Roland Eisenbrands Analyse werfen. Dort verrät er, wie TikTokker mit ungewöhnlichen Ideen und schmutzigen Tricks Reichweite erzeugen und Kasse machen.

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