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KW 29/22: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Klaus Brinkbäumer über seinen Abgang beim “Spiegel” und seinen Weg zum MDR
(youtube.com, Aline von Drateln & Markus Trantow, Audio: 47:03 Minuten)
Der Journalist Klaus Brinkbäumer hat einen spannenden Werdegang: “Spiegel”-Chefredakteur, USA-Korrespondent und seit etwa eineinhalb Jahren Programmdirektor des MDR. Aline von Drateln und Markus Trantow haben sich mit dem vielseitigen Medien-Profi unterhalten, der mit Rieke Havertz von der “Zeit” auch einen empfehlenswerten Podcast über die USA hostet (aktuelle Ausgabe: Der Ausschuss, der für Trump alles verändern könnte (zeit.de, Audio: 58:24 Minuten)).

2. Mehr Druck, weniger Qualität?
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 35:15 Minuten)
Kürzlich erschien eine Studie der Otto Brenner Stiftung über die Auswirkungen der Medientransformation auf Journalistinnen und Journalisten. In der neuen Folge von “quoted. der medienpodcast” diskutieren die Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura und der “SZ”-Autor Nils Minkmar die Ergebnisse dieser Untersuchung und sprechen mit einem der Verfasser der Studie, dem Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement Rainer Nübel.

3. Wie können Redaktionen diverser werden, Ferda Ataman?
(feeds.podcastproduzenten.de, Audio: 27:55 Minuten)
Warum sind Menschen mit Einwanderungsgeschichte oder ohne akademischen Abschluss in Redaktionen nach wie vor unterrepräsentiert? Wo liegen im Alltag die Schwierigkeiten? Und welche erfolgreichen Beispiele gibt es? Um diese und weitere damit zusammenhängende Fragen geht es im Gespräch mit Ferda Ataman, Diversity-Expertin und frisch gewählte Antidiskriminierungsbeauftragten des Bundes.

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4. Podcast pitchen mit Sophia Wetzke
(hinterdenzeilen.de, Niklas Münch & Tobias Hausdorf, Audio: 45:37 Minuten)
Bei “Hinter den Zeilen” erzählt Sophia Wetzke von ihren Erfahrungen mit dem Podcastprojekt “Greenhouse”: “Wir sprechen mit ihr über die Schwierigkeiten bei solchen Recherchen, z.B. wenn Quellen widersprüchliche Aussagen machen. Als langjährige Freie beim rbb, vor allem für radio eins, hat Sophia außerdem Einblick in die öffentlich-rechtlichen Gewerke und gibt Tipps, wie Pitches für neue Podcastformate am besten aussehen sollten.”

5. Prognosen von Extrem-Wetter und wo Onlinesucht anfängt
(wdr.de, Anja Backhaus, Audio: 37:24 Minuten)
Im WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” geht es unter anderem um Prognosen von Extrem-Wetter, eine Studie zu Porno- und Online-Sucht, den neuesten technischen Fortschritten bei der Erzeugung von Bilder-Fakes, einen Tiktok-Kanal gegen Afrika-Vorurteile und den Konflikt zwischen dem reichsten Mann der Erde und Twitter.

6. AFD-Plan: Erst rumheulen, dann Medienimperium aufbauen
(zdf.de, Walulis Daily, Video: 9:50 Minuten)
AfD-Vertreter beschweren sich immer wieder, dass sie und ihre Partei in den Medien kaum vorkämen – zum Beispiel als Gäste in öffentlich-rechtlichen Talkshows. Die Walulis-Redaktion hat diese Beschwerden ernst genommen und Parteichefin Alice Weidel zu sich eingeladen, diese habe aber nicht gewollt. Weil sie zu beschäftigt ist mit dem Plan ihrer Partei, bei Medienhäusern finanziell einzusteigen?

Pläne auf Eis, Klimakommunikation, Folgen der “Pegasus”-Recherche

1. RBB legt Pläne für Medienhaus vorläufig auf Eis
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Rund 100 Millionen Euro will sich der öffentlich-rechtliche RBB sein Digitales Medienhaus kosten lassen, doch bei der Auftragsvergabe könnte es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Nun hat Intendantin Patricia Schlesinger, gegen die sich Teile der Vorwürfe richten, die Notbremse gezogen und das Projekt vorerst gestoppt: “Wir warten ab, bis die Vorwürfe umfassend aufgeklärt sind, bevor wir neue Schritte unternehmen. Alle sollen sicher sein, an einem zweifelsfrei korrekt aufgesetzten Projekt mitzuwirken.”

2. Die Folgen der Pegasus-Recherche
(tagesschau.de, Florian Flade)
Vor einem Jahr hat ein internationales Konsortium aus zahlreichen Medien enthüllt, dass die israelische Softwarefirma NSO ihre Spionagesoftware “Pegasus” offenbar weltweit an autoritäre Regime und in Krisengebiete verkauft hat (siehe dazu Das Pegasus-Projekt, sueddeutsche.de). Der Trojaner soll in diesen Ländern zur Überwachung von Oppositionellen, Journalistinnen, Anwälten, Menschenrechtsaktivistinnen und sogar Staats- und Regierungschefs eingesetzt worden. Der Investigativjournalist Florian Flade hat sich angeschaut, was seitdem passiert ist.
Weiterer Lesehinweis: “Vergebliche Klagen gegen Reporter, ein Untersuchungsausschuss und besserer Schutz für Handys: Was die Recherchen zur Cyberwaffe Pegasus vor einem Jahr ausgelöst haben.” – Warum das Königreich Marokko ZEIT ONLINE verklagte (zeit,de, Kai Biermann & Astrid Geisler & Holger Stark & Sascha Venohr).

3. Journalismus in Zeiten der Klimakrise: Was dürfen, was können, was sollen Medien tun?
(klimafakten.de, Christopher Schrader)
Mit “Über Klima sprechen” hat Christopher Schrader ein wichtiges Buch für wirksame Klimakommunikation verfasst (Druckversion 34 Euro, PDF-Version kostenlos). In seinem dazugehörigen Essay erklärt Schrader, was Journalisten und Journalistinnen daraus lernen können: “Wir Journalist:innen müssen den Fakten angesichts der kognitiven Abwehrmechanismen unseres Publikums den Weg ebnen. Wenn wir weiter nüchtern lediglich Informationen aus der Klimaforschung präsentieren, ohne uns zu überlegen, wie wir sie einbetten und befördern, dann bleiben wir ‘Teil des Problems’.”
Weiterer Lesehinweis: Der neue Hot Take: “Die Klimakrise konfrontiert uns immer häufiger mit gefährlicher Hitze. Medien präsentieren das noch zu oft als willkommenen Freizeitspaß.” (taz.de, Susanne Schwarz)

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4. Texte auf Rädern
(faz.net, Axel Weidemann)
Axel Weidemann scheint ein Faible für nischige Fachmagazine zu haben. Jedenfalls hat er bei einem Bummel durch den Bahnhofszeitschriftenladen seines Vertrauens das “Rollschuhmagazin” entdeckt, “eine Art Esspapier für die Seele”, wie er schreibt. In seinem Text stellt Weidemann es vor.
Weitere Lesehinweise: Wer nicht genug von besonderen, mitunter skurrilen Magazinen bekommen kann, ist beim “Bahnhofskiosk” von “Übermedien” gut aufgehoben. Dort warten zahlreiche liebevoll rezensierte Fachmagazine auf ihre Entdeckung.

5. Der lange Weg zum gleichen Lohn
(sueddeutsche.de, Wolfgang Janisch)
Die unlängst vom ZDF zu RTL gewechselte Journalistin Birte Meier hat ihre Klage gegen das ZDF vor dem Bundesverfassungsgericht verloren. Der Beschluss lasse trotzdem alle Chancen offen, so Wolfgang Janisch, der justizpolitische Korrespondent der “Süddeutschen”: “Auf dem Weg bis zu einem endgültigen Sieg von Birte Meier können zwar noch ein paar prozessuale Fußangeln liegen. Aber mit der Empfehlung aus Karlsruhe sieht es ganz gut aus.”

6. Lachen gegen den Klimawandel: Warum TV-Comedy immer politischer wird
(rnd.de, Cornelia Wystrichowski)
“Der Nonsens, der in der Spaßgesellschaft der 90er das TV-Programm prägte, ist out – heute ist Humor mit Haltung gefragt.” Cornelia Wystrichowski ist den Fragen nachgegangen, warum immer mehr der professionellen Spaßmacher sich berufen fühlen, Flagge zu zeigen, und warum andere vom “permanenten Belehren” genervt sind.

Desinformation aus Österreich, Eingebettet im Donbas, Sylt

1. Desinformation aus Österreich
(taz.de, Matthias Meisner)
Der rechtsextreme österreichische Online-Sender AUF1 wolle nach eigenen Angaben nach Deutschland expandieren und eine feste Redaktion in Berlin aufbauen. Matthias Meisner erklärt, was es mit dem verschwörungslastigen Rechts-Medium auf sich hat.
Weiterer Lesehinweis: “Russlands abgeschalteter Propagandasender RT hat einen Nachfolger: Das Portal AUF1 verfolgt eine aggressive Taktik fern aller journalistischer Standards”: Aktivismus statt Journalismus (zeit.de, Hendrik Merker).

2. “Zeigen, wie schlimm die Situation im Donbass ist”
(tagesspiegel.de, Anastasia Trenkler)
Der ZDF-Reporter Winand Wernicke konnte vier Tage lang russische Soldaten im Donbas begleiten – “als Embedded-Reporter” und streng kontrolliert in seiner Berichterstattung. Im Interview mit dem “Tagesspiegel” erzählt Wernicke, wie es dazu kam, welche Auflagen ihm gemacht wurden und wie er zu deratigen Reportage-Reisen steht.

3. «Aufregerschlagzeilen sind wie Fast Food: attraktiv, aber ungesund»
(nzz.ch, Ruth Fulterer, Judith Blage)
“Perspective Daily” ist ein Online-Magazin, das nach den Prinzipien des konstruktiven Journalismus arbeitet. Die “NZZ” hat sich mit einem der Gründer, dem Neurowissenschaftler Han Langeslag, über das Projekt unterhalten und ihn gefragt, wo in Zeiten von Klimawandel, Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg noch Platz für Positives bleibt.

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4. Wie Starjournalisten al-Sisis Drecksarbeit machen
(reporter-ohne-grenzen.de)
In einem 27-seitigen Bericht (PDF, englisch) zeigt Reporter ohne Grenzen, wie sich in Ägypten regierungsnahe Fernsehmoderatoren zu Komplizen der Regierung machen: “Als Marionetten des diktatorischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi verleumden und diskreditieren sie die wenigen verbliebenen kritischen Medienschaffenden im Land.” Der Bericht beleuchte einen blinden Fleck in der ägyptischen Medienlandschaft und zeige, wie das Regime bekannte Fernsehpersönlichkeiten bewusst einspannt.

5. So viel weiß TikTok über Ihr Handy
(spiegel.de, Janne Knödler & Frederik Obermaier & Anton Rainer & Marcel Rosenbach)
“TikTok steht seit Langem für seine Geschäftspraktiken in der Kritik. Nun hat ein IT-Sicherheitsunternehmen den Quellcode der Video-App untersucht – und ist dabei auf eine verdächtige Verbindung gestoßen.” Es geht unter anderem um “mögliche Datenweiterleitungen nach China”. Beim “Spiegel” kann man nachlesen, was die Sicherheitsexperten genau festgestellt haben und warum die Angelegenheit für TikTok noch unangenehm werden könnte.
Nachtrag: Auch das Team der “zerforschung” hat sich die TikTok-Analyse angeschaut und ist nicht besonders überzeugt von den Ergebnissen: “Das ist größtenteils Quatsch.” Dem Bericht fehle technische Tiefe, sinnvolle Informationen seien ebenfalls nicht zu finden: “Hier wurden großteils Ausgaben automatischer Tools unhinterfragt wiedergekäut. Das macht noch keine Analyse.” In Richtung “Spiegel” heißt es: “Hier wären auch große Medien wie @derspiegel in der Pflicht, solche Behauptungen kritisch zu überprüfen, statt sie direkt mit einer clickbaity Schlagzeile zu übernehmen.”
Weiterer Lesehinweis zum Thema Datennutzung durch China, allerdings im Zusammenhang mit einer anderen App: Politische Kontrolle mit Corona-App: “Ohne Gesundheits-App geht in Chinas Großstädten nichts: Wer einen roten statt grünen Code hat, kommt weder in den Bus noch in den Supermarkt. Inzwischen setzen Behörden die App ein, um missliebige Personen festzusetzen.” (tagesschau.de, Tamara Anthony)

6. Sylt, ein juris­ti­sches Wim­mel­bild
(lto.de, Martin Rath)
Als “Insel der Schönen und Reichen” steht Sylt oft im Fokus der Boulevardmedien. In Zusammenhang mit dem 9-Euro-Ticket und der Hochzeit von Finanzminister Christian Lindner berichteten auch viele andere Redaktionen über beziehungsweise von der Nordseeinsel. Martin Rath hat ein paar interessante Rechtsgeschichten rund um Sylt zusammengesucht. Es entsteht ein trotz der trockenen Materie unterhaltsames “juristisches Wimmelbild”.

“Totale globale Zensur”, Hier talkt der Virus, Offene-Brief-Kultur

1. “Totale globale Zensur”
(deutschlandfunkkultur.de, Vera Linß & Martin Böttcher, Audio: 7:28 Minuten)
“Weil er auf eine Website mit urheberrechtlich illegalen Inhalten weiterleitet, wird der Dienst Quad9 verklagt. Es ist ein Kampf mit ungleichen Mitteln – zwischen dem Musikriesen Sony und einer Stiftung. Auf dem Spiel stehe auch das freie Internet.” Deutschlandfunk Kultur hat sich über den Fall mit der Journalistin Adrienne Fichter unterhalten, die zuvor im Schweizer Onlinemagazin “Republik” einen beachtenswerten Beitrag zum Thema veröffentlicht hatte: Wie ein Musikgigant das freie Internet bedroht.

2. Hier talkt der Virus
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Mit den voraussichtlich ansteigenden Corona-Zahlen zieht die Pandemie-Thematik wahrscheinlich erneut in die TV-Talks ein. Joachim Huber ist pessimistisch, was eine angemessene und verantwortungsvolle Bearbeitung des Sujets anbelangt: “Das Fernsehen wird vom Kontrovers-Modell nicht ablassen. Seine Lernfähigkeit scheitert am Quotengen. Es sind Politik und Wissenschaft, die klüger handeln müssen. Im Fernsehstudio wird das Virus nicht besiegt, es wird nur weiter gestreut.”

3. Kubicki bei “Achtung, Reichelt!”: Seriöse Politiker sollten diese Show meiden
(fr.de, Moritz Serif)
Der wegen Machtmissbrauch bei Springer geschasste Ex-“Bild”-Chef Julian Reichelt hat ein eigenes Youtube-Format gestartet. In der ersten Folge war Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki zu Gast, was von Moritz Serif mit deutlichen Worten kritisiert wird: “Ausgerechnet Wolfgang Kubicki, FDP-Politiker, gibt sich nun in Reichelts Lügen-Show ein Stelldichein – und dreht damit vollends durch. Schämt er sich nicht? Warum zur Hölle nimmt Kubicki überhaupt Teil an der Show? Dadurch bietet er dem Lügen-Baron nur eine Plattform, vergrößert seine Reichweite und nimmt ihn vor allem ernst.”

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4. Bundesregierung soll “schnellstmöglich” handeln
(faz.net, Helmut Hartung)
Helmut Hartung schreibt über die Initiative für den Erhalt der Pressevielfalt, die morgen von Sachsen und Niedersachsen im Bundesrat eingebracht werden soll. Demnach solle sich der Bundesrat dafür einsetzen, “dass zur Absicherung einer qualitativ hochwertigen Berichterstattung im Lokal- und Regionalbereich auch Maßnahmen gefördert werden können, die die Unternehmen dabei unterstützen, innovative Ansätze zu erproben und umzusetzen.” Natürlich geht es dabei vor allem um Geld.

5. Andrij Melnyk hat seine Mission in Deutschland erfüllt: Er durfte einfach alles
(freitag.de, Wolfgang Michal)
Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in Deutschland, soll nach Kiew zurückbeordert werden, um dort einen Posten im Außenministerium zu übernehmen. Wolfgang Michal sind zwei Dinge am Abgang des “Undiplomaten” aufgefallen: “Erstens: Die deutsche Politik hat sich zu keinem Zeitpunkt getraut, Melnyk in die Schranken zu weisen. Zweitens: Die liberalen Leitmedien haben in eklatanter Weise versagt.”

6. Offene-Brief-Kultur: Wer ist eigentlich intellektuell?
(deutschlandfunk.de, Marina Weisband, Audio: 4:46 Minuten)
Die öffentliche Debatte wird in letzter Zeit häufig über offene Briefe von Personen geführt, die als “Intellektuelle” bezeichnet werden. Marina Weisband fragt sich in ihrer Deutschlandfunk-Kolumne, wer oder was damit gemeint ist: “Im Wort ‘Intellektueller’ schwingt mit: ‘Intellekt’ – damit einhergehend das Vorurteil von Kompetenz, sich zu einem Sachverhalt zu äußern. Aber reicht Nachdenken als Kompetenz?”

Bühne für Verschwörer?, Antwort auf Gottschalk, Alkohol in Medien

1. Bühne für Verschwörer
(taz.de, Matthias Meisner)
Die Bundespressekonferenz (BPK) hat die Aufnahme des früheren Online-Chefs des russischen Staatsmediums RT Deutsch beschlossen. Bei der “taz” erklärt Matthias Meisner, selbst BPK-Mitglied, warum er Bedenken hat, und stellt die Frage: “Was hat ein Kreml-Propagandist in einem Verein zu suchen, der sich laut Satzung einer ‘an Tatsachen orientierten und fairen Vermittlung von politischen Informationen, Aussagen und Positionen’ verpflichtet fühlt?”

2. Diese Schlagzeile ist für Google optimiert
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
“Ein über ein Jahrzehnt andauerndes Gefecht zwischen dem Technologiekonzern Google und den Presseverlagen ist vorbei. Ist sein größtes Opfer der Journalismus?” In seinem Essay beschreibt Alexander Fanta die Unterschiede von alter und neuer Verlagswelt und geht der Frage nach, was der Suchmaschinenriese Google damit zu tun hat.

3. Ja, wir Jungen wollen nichts Falsches mehr sagen – und das ist auch gut so
(spiegel.de, Tanya Falenczyk)
“Junge Menschen trauten sich nicht mehr, Witze auf Kosten anderer zu machen, sagte Thomas Gottschalk kürzlich in einem Interview. Das hat er falsch verstanden: Wir treten nur einfach nicht mehr nach unten.” Tanya Falenczyk antwortet auf ein Interview mit der “Süddeutschen Zeitung” (nur mit Abo lesbar), in dem der TV-Entertainer Thomas Gottschalk die junge Generation als “weichgekocht und ängstlich” bezeichnet hat.

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4. Warum die Wetterkarten der “Tagesschau” heute anders aussehen als vor 20 Jahren
(correctiv.org, Steffen Kutzner)
Immer wieder wird behauptet oder angedeutet, die “Tagesschau” verwende im Vergleich zur Vergangenheit bewusst farbintensivere und damit dramatischere Wetterkarten. “Correctiv” ist der Sache nachgegangen und gibt Entwarnung: “Alle Farben werden heute intensiver dargestellt als 2002, nicht nur das Rot. Das ist kein Beleg für manipulative Berichterstattung, sondern hat unter anderem technische Gründe.”
Weiterer Lesetipp: Streit um die Farbe Rot: Warum jeden Sommer behauptet wird, die Medien würden Wetterkarten manipulieren (correctiv.org, Alice Echtermann).

5. Medien und das Thema Alkohol
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 31:04 Minuten)
Burkhard Thom berät Angehörige von Suchtkranken und unterstützt Betroffene dabei, nicht rückfällig zu werden. Seiner Ansicht nach werde Alkohol und dessen Konsum in vielen Medien bagatellisiert. Die Aufklärung über die Gefahren des Alkoholmissbrauchs komme zu kurz. Über die Rolle der Redaktionen diskutiert Thom mit der Food-Journalistin Eva Biringer, die über ihren eigenen Alkoholmissbrauch ein Buch geschrieben hat, und mit Brigitte Baetz aus der Medienredaktion des Deutschlandfunks.

6. Follow the Money: Wie kommt das VG-Wort-Geld zu mir?
(uebermedien.de, Florian Kappelsberger)
“Wenn Sie dieser Tage ein leicht seliges Grinsen auf den Gesichtern von prekär lebenden Journalist:innen, unterbezahlten Volontär:innen und gebeutelten Freien wahrnehmen, liegt das womöglich an Geld, genauer: an der Ausschüttung der VG Wort.” Bei “Übermedien” erklärt Florian Kappelsberger, wie die Ausschüttung der Verwertungsgesellschaft zustande kommt, und wie man sich einen Teil des Tantiemen-Topfes sichert.

Nachrichtenmüde?, Unprofessioneller Interviewabbruch, Suchtmittel Tiktok

1. Müde von der Kriegsberichterstattung
(deutschlandfunk.de, Pia Behme)
Sascha Hölig vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung ist mitverantwortlich für den “Digital News Report 2022”, der den Deutschen ein tendenziell rückläufiges Nachrichteninteresse attestiert. Im Deutschlandfunk äußert sich Hölig zu den Gründen dieser Entwicklung: “Wir sehen schon seit mehreren Jahren, dass das starke Interesse an Nachrichten geringfügig abnimmt. Tendenziell sehen wir, dass Menschen eine gewisse Erschöpfung verspüren. Durch die Menge an Nachrichten und auch, weil sie in der Regel durchaus zu schlechter Laune führen.”

2. “Kroos war unprofessionell”
(journalist.de, Michael Schaffrath)
Der Kommunikationswissenschaftler Michael Schaffrath hat kein Verständnis für das Verhalten des Fußballers Toni Kroos, der sich im Anschluss an das Champions-League-Finale über die “Scheißfragen” des ZDF-Reportes Nils Kaben aufregte: “Aus dem kausalen Zusammenhang zwischen eigenem Salär und TV-Übertragungen lässt sich durchaus ableiten, dass es zum Jobprofil eines Profis gehören sollte, Live-Interviews zu geben und dabei kritische Fragen on air auszuhalten. Im Sinne der eigenen Vermarktung, aber auch mit Blick auf das Image des arbeitgebenden Vereins müsste der Interview-Abbruch von Kroos als Affront eingestuft werden – und nicht die journalistisch gebotenen Fragen von Kaben.”

3. TikTok: Mit diesen Tricks raubt die App unsere Zeit
(youtube.com, Zapp Medienmagazin – Daniel Frevel, Video: 11:17 Minuten)
Einem Bericht der Analysefirma data.ai zufolge sollen deutsche User und Userinnen mehr als 45 Minuten am Tag bei TikTok verbringen – und damit mehr Zeit als auf jeder anderen Social App. Das Medienmagazin “Zapp” hat Fragen: Woher kommt die Faszination für TikTok? Was passiert im Gehirn, wenn wir zum nächsten Video weiterswipen? Und mit welchen Tricks arbeitet das Unternehmen?

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4. Appell an Außenministerin Baerbock zur Freilassung von Julian Assange
(whistleblower-net.de)
Das “Whistleblower-Netzwerk” bittet Außenministerin Annalena Baerbock in einem offenen Brief, sich für die Freilassung von Wikileaks-Gründer Julian Assange einzusetzen: “Tragen Sie dazu bei, dass Meinungs- und Informationsfreiheit weder in seinem Fall noch bei dem anstehenden Gesetzesvorhaben auf der Strecke bleiben und Transparenz als Grundkonstante unserer Demokratie gestärkt wird.”

5. Ermittlungen gegen Influencer Kliemann
(tagesschau.de)
Wie die “Tagesschau” berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Stade Ermittlungen gegen den Influencer Fynn Kliemann aufgenommen. Hintergrund sind Enthüllungen des Satirikers Jan Böhmermann über fragwürdige Maskengeschäfte.

6. Es geht voran!
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Bei Sky heißt es plötzlich “Wow”, bei Facebook “Meta” und die “Abendschau” des rbb wird zur “RBB24 Abendschau”. Markus Ehrenberg hat sich angeschaut, wie Medienmarken in letzter Zeit versuchen, mit neuen Namen ein neues Image aufzubauen.

#MeToo-Recherchen, Comeback der Showtreppe, “Fernsehgarten”

1. Juliane Löffler: #MeToo Recherchen
(youtube.com, Juliane Löffler, Video: 26:29 Minuten)
Investigativjournalistin Juliane Löffler hat viel zum Themenkomplex #MeToo recherchiert. Im Zuge dieser Recherchen seien ihr verschiedene, stets neu auftretende Hürden und Probleme aufgefallen. In acht Punkten fasst Löffler zusammen, warum es auch im Jahr 2022 schwierig sei, öffentlich über #MeToo zu sprechen und zu berichten. Äußerst sehenswert und lehrreich!

2. “Für mich fühlt sich das nicht verrückt an”
(andreaslesch.substack.com)
“Fast sein ganzes Berufsleben lang hat Marko Schumacher als Sportredakteur für die Stuttgarter Zeitung gearbeitet. Er berichtete vor allem über die Fußball-Nationalmannschaft und den VfB Stuttgart. Er war ein erstklassiger Schreiber – und ein sehr sympathischer Kollege. Wir haben einige Welt- und Europameisterschaften zusammen als Reporter erlebt. Und jetzt? Ist er 50, hat seinen Job gekündigt und macht mit seiner Frau Elke ein Café auf.” Andreas Lesch mit einem lesenswerten Gespräch über einen Abschied aus dem Mediengeschäft samt beruflichem Neuanfang.

3. Kriegsberichterstattung: “Der Diskurs ist derzeit total verengt”
(freitag.de, Philipp Fess)
Medienpädagogin Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung kritisiert den Umstand, dass sich manche Redaktionen, Journalistinnen und Journalisten oder Medienverbände zu Kriegszeiten auf eine Seite schlagen: “Ich bin erschüttert, wenn sich Journalistenverbände mit gelb-blauen Fahnen schmücken. Nicht, weil Solidarität mit denen, die in der Ukraine leiden, nicht angebracht ist – ich selbst habe gleich nach Kriegsbeginn angeboten, Menschen bei mir aufzunehmen. Aber Journalisten sind keine NGOs, sondern Leute, die alles ausleuchten müssen, ohne voreingenommen zu sein.”

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4. Unterstützung für Exilmedien
(verdi.de)
“Die Zeit”, “Zeit Online” und die Handelsblatt Media Group wollen die unabhängigen russischen Exilmedien “Meduza” und “7×7” sowie zusammen mit dem “Tagesspiegel” das ukrainische Medienhaus NV unterstützen. Weitere Informationen dazu in der Pressemitteilung der “Zeit”-Verlagsgruppe.

5. Showeinlage beim “Fernsehgarten” verärgert Zuschauer
(t-online.de)
Die ZDF-Sendung “Fernsehgarten” steht wegen unnötiger Umwelt- und Klimabelastungen in der Kritik. Zunächst monierten Zuschauerinnen und Zuschauer, dass Moderatorin Andrea Kiewel zu jeder Sendung von Tel Aviv nach Mainz und anschließend wieder zurück geflogen werde. Nun habe man während der Sendung als Showeinlage fünf Flugzeuge Botschaften in den Himmel schreiben lassen.

6. Comeback der Showtreppe: Das schönste Möbel der TV-Unterhaltung
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader freut sich über die Rückkehr eines Fernsehstudio-Klassikers: “Jetzt feiert die Showtreppe endlich ein Comeback in deutschen TV-Studios! Und das wird ja wohl auch allerhöchste Zeit. Weil kein anderes Möbelstück so sehr vom Glamour der Bewegtbildunterhaltung kündet wie sie.”

KW 23/22: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Klimakrise: Das lange Warten auf den Journalismus
(youtube.com, re:publica, Wolfgang Blau, Video: 24:12 Minuten)
Wolfgang Blau ist Mitgründer des neuen “Oxford Climate Journalism Network” und setzt sich dafür ein, dass Medien ihre Berichterstattung zur Klimakrise verbessern. In seinem Vortrag auf der re:publica erklärt der frühere “Zeit-Online”-Chefredakteur anhand praktischer Vorschläge und Beispiele, was Redaktionen und Medienschaffende dafür konkret tun können.

2. Medienmachende als Marke
(youtube.com, re:publica, Richard Gutjahr, Video: 45:59 Minuten)
Und noch ein Beitrag von der re:publica: Richard Gutjahr hat sich dort mit drei Personen aus der Medienbranche unterhalten, die es geschafft haben, sich als Marke zu etablieren: Eva Schulz, Tilo Jung und Iris Gavric. Wie sind die drei so erfolgreich geworden? Und sind sie selbst die Marke oder deren Formate?

3. Linus Neumann – Chatkontrolle oder digitale Notwehr?
(ardaudiothek.de, Jagoda Marinić, Audio: 1:49:15 Stunden)
Bei “Freiheit Deluxe”, einem Podcast des Hessischen Rundfunks und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, begrüßt Jagoda Marinić den Digital- und Netzpolitik-Experten Linus Neumann vom Chaos Computer Club. In dem Gespräch geht es unter anderem um Nerds und Hacker, die umstrittenen Pläne zur Chatkontrolle, die Vorzüge des dezentralen Netzwerks Mastodon und die Frage, wie die Internetplattformen unsere Freiheit unterlaufen.

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4. Strategiespirale mit Jan Schulte-Kellinghaus
(dennishorn.de, Audio: 47:05 Minuten)
Nach Stationen beim ZDF und NDR ist Jan Schulte-Kellinghaus nun als Programmdirektor des rbb tätig. Dennis Horn spricht mit ihm über “Boomer und Digitalkompetenz, alte und neue Erfolgskriterien und die Herausforderung, Dinge wegzulassen”. Den Medienwandel erlebt Schulte-Kellinghaus unmittelbar in der eigenen Familie: “Was mich am meisten beeinflusst hat, ist das Mediennutzungsverhalten meiner Tochter. Die ist 19 Jahre alt, und die guckt keine Filme mehr mit uns, die guckt auch kein Fernsehen mehr. Die hört auch kein Radio, obwohl wir sehr viel dafür getan haben, dass sie es tut.”

5. Das False-Balance-Dilemma
(youtube.com, Medientage Mitteldeutschland, Video: 59:50 Minuten)
Was können Redaktionen, Journalistinnen und Journalisten tun, um das Problem der False Balance zu überwinden und gleichzeitig ihrem journalistischen Handwerk gerecht zu werden? Wo liegt die Grenze zwischen Fakten und Meinung? Darüber diskutieren Jochen Bittner (Co-Leiter des Ressorts Streit bei der “Zeit”), Klaus Brinkbäumer (MDR-Programmdirektor), Kirsten von Hutten (Sprecherin des Deutschen Presserats) und Maren Urner (Professorin für Medienpsychologie an der HMKW Köln).

6. Schottergärten im Visier: Wenn Kies und Co. die Natur verdrängen
(youtube.com, Der Spiegel – Nicola Goethe & Miriam Carbe, Video: 31:37 Minuten)
Bei Facebook und Instagram, nun ja, erfreuen sich jeweils mehr als 100.000 Fans an den “Gärten des Grauens”. Damit sind Schottergärten von besonderer Trost- und Grünlosigkeit gemeint. Das Satire-Projekt hat einen ernsten Hintergrund, wie in dem Film von “Spiegel TV” schnell klar wird.

Streit um Recherche, Digitale Rhetorik, Durchökonomisierung

1. @DiePARTEI bietet via Statement Hilfe für Betroffene an – sie fordert darin aber auch, einen Satz aus der Recherche zu streichen
(twitter.com, Isabell Beer)
(Triggerwarnung: Schilderungen sexueller Gewalt.) Die Investigativreporterin Isabell Beer hatte in einer Recherche über Vorwürfe gegen einen Politiker der Spaßpartei “Die Partei” berichtet. Dieser soll über Jahre sexuelle Handlungen an Minderjährigen und jungen Frauen vorgenommen haben. Tausende Fotos und Videos davon seien gegen den Willen der Betroffenen im Internet gelandet. Die Partei habe seit Jahren von einigen der Aufnahmen gewusst und sich darüber lustig gemacht, so die Journalistin. Wie Beer nun bei Twitter schreibt, habe Die Partei sie aufgefordert, einen Satz aus ihrem Text zu löschen, und mit juristischen Schritten gedroht. Beer will der Forderung nicht nachkommen und kündigt eine weitere Berichterstattung an: “Liebe @DiePARTEI: Bevor ihr klagen oder korrekte Sätze streichen wollt, schaut euch doch in den eigenen Reihen genauer um. Vielleicht gibt es ja da Dinge oder Formulierungen, die Fragen aufwerfen. Wir haben jedenfalls ein paar und die folgen bald.”
Nachtrag: Nach Veröffentlichung dieser “6-vor-9”-Ausgabe schickte uns Die Partei folgenden Hinweis: “Die PARTEI stellt fest, dass es keine Aufforderung zur Löschung oder Streichung von Inhalten aus der Recherche gab. Der verantwortliche Herausgeber wurde lediglich dazu aufgefordert, eine Aussage in der Recherche zu berichtigen, die den fälschlichen Eindruck erweckt, Die PARTEI hätte Kenntnis von strafrechtlich relevanten Inhalten gehabt und sich über solche lustig gemacht.”

2. Wenn der Nebensatz verschwindet
(tagesspiegel.de, Norbert Schneider)
“Was läuft schief im Diskurs über den Ukrainekrieg, wie er von Politikern, Wissenschaftlern und vor allem auch von Journalisten geführt wird? Wie erklärt sich die hohe Temperatur, woher kommen die vergleichsweise scharfen Töne in der Diskussion, was ist der Grund für eine Verbissenheit, wie man sie sonst nur aus Religionskriegen kennt?” Norbert Schneider hat sich Gedanken über den Hang zur Polarisierung und Eskalation gemacht und erklärt, wie die derzeitige Aufmerksamkeitsökonomie funktioniert. Lesens- und nachdenkenswert!

3. Läuft die Durchökonomisierung journalistischer Inhalte heiß?
(journalist.de, Benjamin Piel)
“In einigen Verlagen ist etwas ins Rutschen geraten. Da wird in einer Runde über Themen gesprochen, die besonders gut ‘funktionieren’ (allein schon dieses Wort). Ein Mordfall habe viele ‘interessiert’, viele Abonnenten hätten ‘geklickt’ und die ‘Themenkarriere’ sei super gewesen, weil sie so viele ‘bei der Stange gehalten’ hätte.” Benjamin Piel, Chefredakteur des “Mindener Tageblatts”, hat eine lesenswerte Gegenrede auf die “Klickökonomiefixierung” und Durchökonomisierung journalistischer Inhalte verfasst.

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4. Auskunftsgesetz muss her
(djv.de, Hendrik Zörner)
Nach einer Klage des “Tagesspiegel” hat das Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg entschieden, dass die vertraulichen Presse-Hintergrundgespräche der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht mehr nachträglich offengelegt werden müssen, da Merkel nicht mehr im Amt sei. Dagegen protestiert der Deutsche Journalisten-Verband: “Der Tagesspiegel hat fünf Jahre vor dem Ausscheiden der Bundeskanzlerin aus dem Amt Klage erhoben, um jetzt vom Gericht gesagt zu bekommen: Ihr seid zu spät. Das ist absurd, vor allem, weil es zunächst hieß, die Angelegenheit sei nicht eilig.”

5. Urheberrechtsreform: Was bedeuten die Uploadfilter in den sozialen Medien für Journalisten?
(fachjournalist.de, Christian Solmecke)
Seit dem 1. August 2021 gilt in Deutschland das Urheberrechts-Diensteanbieter-Gesetz (UrhDaG), das den lange umkämpften Artikel 17 der EU-Urheberrechtsrichtlinie umsetzt (“Uploadfilter”). Rechtsanwalt Christian Solmecke, selbst erfolgreicher Youtuber, erklärt die derzeitige Rechtslage und benennt die noch bestehenden Unklarheiten.

6. True Crime, Selbsthilfe und Storytelling – wohin geht der Podcast-Trend?
(sr.de, Michael Meyer & Kai Schmieding , Audio: 20:24 Minuten)
Das Medium Podcast ist weiterhin auf Wachstumskurs. Immer mehr Anbieter mischen mit, immer mehr Formate entstehen. Bei “Medien – Cross und Quer” sprechen Kai Schmieding und Michael Meyer mit Schiwa Schlei, Programmchefin der WDR-Sender 1LIVE und Cosmo und eine der Podcast-Strateginnen in der ARD, über neue Podcasttrends.

Interview mit Guérot, Gegen-PEN, Plattformisierung

1. betr. Interview mit Ulrike Guérot
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
“Wenn nach ihrem jüngsten Auftritt bei ‘Markus Lanz’ Kritik laut wurde, Ulrike Guérot würde in der Öffentlichkeit unbelegte Tatsachenbehauptungen aufstellen, so kann ich dem, nach dieser Erfahrung, leider nicht widersprechen.” Der freie Journalist Jakob Buhre hat die umstrittene Politikwissenschaftlerin interviewt und anschließend um die Autorisierung ringen müssen: “Die allermeisten Antworten hat Frau Guérot überarbeitet, z.T. sind Äußerungen, auf die ich meine Nachfragen bezog, nun nicht mehr im Text enthalten. Weiterhin hat Frau Guérot viele Aussagen schriftlich hinzugefügt. Viele davon hätte ich im direkten Gespräch gerne kritisch hinterfragt”.

2. Alle 88 Zeugen bleiben anonym, die Namen der Staatsanwälte dürfen nicht genannt werden
(spiegel.de)
Etwa ein Jahr ist es her, dass der prominente niederländische Kriminalreporter Peter R. de Vries auf dem Weg vom Fernsehstudio zur Parkgarage erschossen wurde. Die beiden mutmaßlichen Auftragsmörder wurden schnell gefasst, bei den mutmaßlichen Auftraggebern aus dem Drogenhandel gibt es Vermutungen. Vielleicht sorgt der anstehende Strafprozess für Klarheit.

3. Ein Gegen-PEN? PEN Berlin gibt Gründung bekannt
(br.de, Knut Cordsen)
Vor wenigen Wochen traf sich der Schriftstellerverband PEN zur Mitgliederversammlung in Gotha, es kam zum Eklat. Der bisherige PEN-Präsident Deniz Yücel überstand erst einen Abwahlantrag knapp, um sein Amt kurz danach angewidert niederzulegen (“Bratwurstbude”) und seinen Austritt aus dem Verband zu erklären. Nun gründet sich ein neuer, weiterer PEN: der PEN Berlin. Auch dabei: Deniz Yücel.

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4. “Plattformisierung” des Journalismus
(deutschlandfunk.de, Mike Herbstreuth & Brigitte Baetz, Audio: 9:40 Minuten)
Die öffentlich-rechtlichen Medien produzieren mittlerweile zahlreiche Formate speziell für die Verbreitung in den Sozialen Netzwerken. Dies sei nicht unproblematisch, so eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung. Es bestehe die Gefahr, dass sich ARD, ZDF und Deutschlandradio von den Algorithmen und der Logik der Sozialen Medien abhängig machen.

5. Pazifismus als Markenkern
(taz.de, Peter Nowak)
Dieses Jahr feierte die anarchistische Zeitung “Graswurzelrevolution” ihren 50. Geburtstag. Peter Nowak stellt das Nischenblatt vor, das sich einem konsequenten Pazifismus verschrieben hat und sich über Abogebühren und Spenden finanziert.

6. Copy & Paste
(noemix.wordpress.com, Michael Nöhrig)
Unter jedem Online-Artikel des österreichischen “Standard” steht unter der Überschrift “Fair bleiben. Zurückgeben.” der Hinweis “Hinter jedem Artikel steckt hoher technischer und finanzieller Aufwand.” Auf mindestens einen Artikel trifft dies nicht zu, wie Michael Nöhrig herausgefunden hat.

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