Suchergebnisse für ‘rechnen’

Machtmissbrauch bei “Bild”?, Hoppsala, Royale Millionendeals

1. Interne Ermittlungen gegen »Bild«-Chefredakteur Reichelt
(spiegel.de, Isabell Hülsen & Alexander Kühn & Martin U. Müller & Anton Rainer)
Gegen Julian Reichelt, Chefredakteur der “Bild”-Zeitung, wurde innerhalb des Springer-Konzerns ein sogenanntes Compliance-Verfahren eingeleitet. Unter anderem gehe es bei der Untersuchung um Machtmissbrauch und die Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen. Außerdem sei von möglichen Vorwürfen der Nötigung und des Mobbings die Rede. Das gesamte Ausmaß der Compliance-Untersuchung sei derzeit noch unklar.

2. Wie Sexismus Journalistinnen bedroht
(reporter-ohne-grenzen.de)
Zum gestrigen Internationalen Frauentag hat Reporter ohne Grenzen einen Themenbericht zu Sexismus im Journalismus veröffentlicht (PDF, englisch). Vorstandssprecherin Katja Gloger kommentiert: “Anlässlich des Weltfrauentags möchten – und müssen – wir erneut deutlich machen, dass für Journalistinnen überall auf der Welt die Ausübung ihres Berufes oft schwieriger und gefährlicher ist als für ihre Kollegen. Sie müssen sich gegen sexuelle Belästigung wehren, wenn sie einfach nur ihren Job machen wollen. Sie müssen damit rechnen, dass eine Welle des Hasses über sie hereinbricht, wenn sie sich in den sozialen Netzwerken äußern. In manchen Ländern wie Pakistan oder Indien riskieren sie sogar ihr Leben.”

3. Zu große Nähe? Das ZDF, Jochen Breyer und die TSG Hoffenheim
(ndr.de, Daniel Bouhs)
“Sind das ZDF und sein Moderator Jochen Breyer zu gefällig geworden, wenn es um den Bundesligisten und dessen Mäzen geht?” Daniel Bouhs geht noch einmal einem Fall nach, der vor rund einem Jahr für Schlagzeilen sorgte und der Breyer, den Fußballklub TSG Hoffenheim sowie Dietmar Hopp betrifft (siehe dazu: Knallhart am Journalismus vorbei (taz.de, Andreas Rüttenauer) und Perfekt inszenierte Hetze (spiegel.de, Daniel Montezari)). Anlass für das neuerliche Aufflammen des Themas ist eine vom ZDF angekündigte Doku, von der sich Bouhs schon vorab einen Eindruck machen konnte.

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4. turi2 schafft das Gendersternchen wieder ab – und setzt aufs generische Femininum.
(turi2.de, Peter Turi)
Über ein Jahr habe das Branchenportal “turi2” das Gendersternchen verwendet, doch damit sei nun Schluss. Viele Leser und Leserinnen hätten das Sternchen in den Texten als störend empfunden – man schaffe es daher ab. Überraschend: Die Redaktion kehrt nicht etwa zur alten Schreibweise zurück, sondern setzt auf das generisches Femininum. Chefredakteur Markus Trantow: “Wir Männer dürfen uns ganz selbstbewusst mitgemeint fühlen.”

5. Perspektive in Wartestellung
(out-takes.de, Elisabeth Nagy)
In der Kategorie “Perspektive Deutsches Kino” will die Berlinale dem Filmnachwuchs eine Chance geben. Zu Corona-Zeiten ist es jedoch für alle etwas schwieriger. Die ausgewählten Filme soll es zum Beispiel erst im Sommer zu sehen geben. Elisabeth Nagy stellt die sechs Stücke vor, die von der Jury aus 225 Einreichungen dafür auserkoren wurden.

6. Morddrohungen und Millionendeals
(deutschlandfunk.de, Mike Herbstreuth & Christine Heuer & Mirjam Kid, Audio: 7:15 Minuten)
Prinz Harry und Herzogin Meghan haben der Talk-Milliardärin Oprah Winfrey ein weltweit beachtetes Interview gegeben. Anlass für den Deutschlandfunk, sich die Medienstrategie des royalen Ehepaars anzuschauen – weg vom Beobachtungsgegenstand der Medien, hin zu aktiven Medienplayern mit lukrativen Netflix- und Spotify-Deals.

Ist das “nd” nah?, Gewinnspiel verliert, Mausgezeichnet

1. Ist das ND nah?
(taz.de, Anne Fromm)
Bei der schwer angeschlagenen linken Tageszeitung “Neues Deutschland” (“nd”) wird derzeit die Umwandlung in eine Genossenschaft diskutiert. Derartige Modelle haben bei “taz”, “Junge Welt” und “Krautreportern” einigermaßen gut geklappt, doch für die “nd” könnte die Situation schwerer sein, findet Anne Fromm: “Ihre LeserInnenschaft ist alt, älter vermutlich als die anderer Zeitungen. Den Großteil ihrer LeserInnen hat das Blatt in Ostdeutschland, viele von ihnen sind treu geblieben aus alter DDR-Verbundenheit, als die Zeitung noch Zentralorgan der SED war. Treten die noch in eine neue Genossenschaft ein?”

2. Gewinnspielportal der Funke Mediengruppe entblößt über 85.000 Datensätze
(heise.de, Jan Mahn)
Das Gewinnspielportal “funke.fun” der Funke Mediengruppe habe nach Informationen von “Heise” versehentlich die Einsicht in Daten von rund 85.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ermöglicht. Ursache sei eine “schlampig umgesetzte” Prämienaktion. Funke habe den Fall als meldepflichtigen Datenschutzverstoß im Sinne der DSGVO eingestuft und erklärt, die zuständige Berliner Landesdatenschutzbeauftragte informiert zu haben. Außerdem wolle man die 85.664 Betroffenen über den Fall unterrichten.

3. Spiegel’s Digest
(sueddeutsche.de, Cornelius Pollmer)
In der aktuellen “SZ”-Medienkolumne “Abspann” schreibt Cornelius Pollmer über eine besondere Gunst, die gelegentlich “Spiegel”-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern zuteil wird: den werbeträchtigen Vorabdruck ihrer Bücher.

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4. Was es für den deutschen Streaming- und Fernsehmarkt bedeutet, wenn Hollywood-Studios zu Konkurrenten werden
(medienpolitik.net, Thorsten Hennig-Thurau, Ricarda Schauerte, Niko Herborg, Veronika Schneid, Nico Wiegand)
Die von WissenschaftlerInnen und einer Unternehmensberatung durchgeführte Studie “Angriff aus Hollywood” (PDF) beschäftigt sich mit dem Markteintritt der großen Hollywood-Studios ins Streaming-Geschäft und den daraus folgenden Auswirkungen auf den deutschen Streaming- und Fernsehmarkt. Interessant sind auch die Erkenntnisse zur derzeitigen Mediennutzung. So habe das Pay-TV trotz Wiederanpfiff der Bundesliga verloren, während Youtube Zuwächse verzeichnen könne.

5. Inflation berechnen? Lass uns mal Twitter fragen
(zeit.de, Henrik Oerding)
Für viele ist der Kurznachrichtendienst Twitter ein praktisches Instrument, um sich in kurzen Botschaften mit anderen auszutauschen oder den eigenen Standpunkt klarzumachen. Für die Wissenschaft ist Twitter darüber hinaus eine gigantische Datenquelle, die vielfältige, teilweise überraschende Erkenntnisse liefert. Henrik Oerding stellt einige der auf Twitter-Daten basierenden Studien vor. Dabei geht es unter anderem um Inflationserwartungen, die Messung von Erdbeben und eine “Zufriedenheitsforschung”.

6. Klingt komisch, ist aber so
(philomag.de, Matthias Warkus)
Am Sonntag wird “Die Sendung mit der Maus” (WDR) 50 Jahre alt. Im “Philosophie Magazin” huldigt Matthias Warkus dem kleinen TV-Nager und seinen Sachgeschichten: “Alles ist interessant, alles ist zugleich selbstverständlich und wundervoll, aber das heißt nicht, dass deswegen auch gleich alles gut wäre. Das ist nicht die schlechteste Sicht auf die Dinge, und ein hervorragender Ausgangspunkt für die Philosophie.”

Caffiers Schweigen, Wodargs Drohung, Fotografieren unerwünscht

1. Caffier-Rücktritt: Ein Minister stolpert über sein Schweigen
(ndr.de, Tim Kukral, Video: 4:39 Minuten)
Über viele Monate befragte Christina Schmidt, Reporterin der “taz”, Lorenz Caffier, den mittlerweile zurückgetretenen Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, erfolglos zu dessen Waffenkauf. Der Politiker entzog sich bis zuletzt allen kritischen Fragen und ließ für ihn unangenehme Medienanfragen ins Leere laufen. Der Beitrag des Medienmagazins “Zapp” dokumentiert das zweifelhafte Verhalten des Ex-Ministers, der sich bis zuletzt als Opfer des “erbarmungslosen Mediengeschäfts” inszenierte.

2. 250.000 Euro wegen Corona-Berichterstattung?
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 5:57 Minuten)
Die Galionsfigur der Pandemie-Leugner, Corona-Maßnahmen-Kritiker und “Querdenker” Wolfgang Wodarg hat das unabhängige Blog “Volksverpetzer” wegen dessen Corona-Berichterstattung auf 250.000 Euro Schadensersatz abgemahnt. Thomas Laschyk vom “Volksverpetzer” kommentiert den juristischen Angriff: “Also das Feindbild und die Methoden sind sehr ähnlich wie von Rechtspopulisten.” Auch der Münchner Kommunikationswissenschaftler Carsten Reinemann wundert sich über das rabiate Vorgehen Wodargs: “Wenn ich mich mit starken Äußerungen, starken Behauptungen, die unter Umständen dem kompletten Konsens der Wissenschaftsgemeinde widersprechen, wenn ich mich damit in die Öffentlichkeit begebe, muss ich natürlich damit rechnen, dass ich dort auch entsprechenden Gegenwind bekomme.”

3. “Wir brauchen eine zweite Säule von Meinungsjournalismus”
(fachjournalist.de, Florian Beißwanger)
Jochen Bittner ist einer der Leiter des sogenannten “Streit”-Ressorts der “Zeit”. Im Interview mit dem “Fachjournalist” spricht er über seinen Arbeitsalltag und erzählt, woher der Trend zu mehr Meinungsjournalismus kommt. Auf die Frage, ob es im “Streit”-Ressort “auch Tabus” gebe, antwortet Bittner: “Das ist eine Frage, die wir intensiv diskutiert haben und auch weiter diskutieren. Für uns gibt es Grenzen.” Man würde beispielsweise “keine Spinner” einladen. Ob er selbst nochmal Journalist werden würde, wenn er die Wahl hätte? Eher nicht: “Ich hätte Zweifel, ob mich der Journalismus ähnlich anziehen würde wie er das vor 30 Jahren getan hat. Weil ich ihn inzwischen bisweilen als zu aktivistisch wahrnehme.”
Korrektur: In einer früheren Version haben wir geschrieben, Bittner “erzählt, welche ‘Tabuthemen’ es gebe”. Das tut er aber nicht – den Begriff “Tabuthemen” verwendet er auch gar nicht. Pardon dafür!

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4. Streit um die Empfehlung vertrauenswürdiger Informationen durch Google
(netzpolitik.org, Leonard Kamps)
Das Bundesgesundheitsministerium betreibt im Internet ein “Nationales Gesundheitsportal”, das es in Kooperation mit Google prominent bewirbt. Die Verlage sehen darin eine unzulässige Konkurrenz: “Das Ministerium deklassiert die freien marktwirtschaftlich organisierten Gesundheitsportale und setzt alle Mechanismen der freien Information und damit der freien Meinungsbildung in unserer Demokratie außer Kraft”, so Burda-Vorstand Philipp Welte. Nun hat die Landesmedienanstalt Schleswig-Holstein angekündigt, die Einleitung eines Verfahrens gegen Google zu prüfen. Leonard Kamps ordnet den Vorgang ein, der mehr Auswirkungen haben könne, als zunächst offensichtlich.

5. Tweets waren gestern: Warum Twitter jetzt “Fleets” startet
(rnd.de, Imre Grimm)
Twitter führt “Fleets” ein, das sind sich selbst zerstörende Nachrichten nach dem Vorbild von Snapchat und Instagram. Welche Strategie verfolgt der Kurznachrichtendienst mit der Einführung des neuen Features? Und warum lässt Twitter Inhalte an manchen Stellen nicht mehr ungefiltert durchs Netz und bietet sogar dem US-amerikanischen Präsidenten Paroli? Imre Grimm erklärt den Sinneswandel des Unternehmens.

6. Fotografieren ist unerwünscht
(verdi.de, Reiner Wandler)
Seit Wochen kommen vermehrt Boote mit Geflüchteten vom afrikanischen Festland auf den Kanarischen Inseln an. Von mindestens 15.000 Menschen seit Jahresbeginn ist die Rede. Wenn wir davon relativ wenig mitbekommen, könnte dies an den Restriktionen liegen, denen die Pressefotografen und Kameraleute auf den Kanaren unterliegen: “Wir müssen aus einer Distanz von 150 Metern und mehr arbeiten. In anderen Häfen ist es bis zu einem Kilometer”, so der Fotograf und Pulitzer-Preisträger Javier Bauluz.

So weit benimmt sich “Bild” daneben

Als Ende September täglich zwischen 1.500 und 2.500 Corona-Neuinfektionen in Deutschland gemeldet wurden, und Angela Merkel vorrechnete, dass, wenn es so weitergeht wie in den vorangegangenen Monaten, daraus bis Weihnachten 19.200 tägliche Neuinfektionen werden könnten, präsentierte die “Bild”-Redaktion die dazugehörige “WAHRHEIT”:

Screenshot Bild.de - Kanzlerin rechnet mit fast 20000 Infizierten am Tag! Die Wahrheit hinter Merkels dramatischer Corona-Warnung - Wie Experten auf die Schock-Zahlen reagieren

Die Kanzlerin sei mit “ihrer Explosions-Rechnung” “im Alarmmodus”, so das Urteil der drei “Bild”-Autoren. Das sollte ein Experte bestätigen: Klaus-Dieter Zastrow, von “Bild” meist als “Hygiene-Papst” präsentiert und bekannt von so nüchternen und ausgewogenen Analysen wie “Totales Versagen der Behörden” oder “Hektischer Aktionismus und Hysterie”. Zu Merkels Weihnachtsrechnung zitiert “Bild” Zastrow so:

Hygiene-Experte Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow sagte BILD, die Zahl von “19 200 Neuinfektionen pro Tag für Weihnachten zu berechnen, ist im besten Fall Kaffeesatzleserei”. Das habe “nichts mit der Realität zu tun. Wir haben im Schnitt weniger als 2000 Neuinfektionen pro Tag. So eine Horrorzahl zu nennen, ist purer Alarmismus.”

Der Vorwurf des “Bild”-Artikels: Völlig unnötig entwirft Angela Merkel ein Horrorszenario. Einer der “Bild”-Autoren, der stellvertretende Chefredakteur Paul Ronzheimer, betonte bei Twitter auch noch einmal extra, dass “Experten” ja sagen, dass das alles “purer Alarmismus” von der Kanzlerin sei:

Screenshot eines Tweets von Paul Ronzheimer - Die Kanzlerin macht ihre Modellrechnung jetzt auch öffentlich, nachdem BILD die 19200 am Montag als erstes Medium zitiert hatte, und die Begeisterung vieler Journalisten ist riesig, obwohl Experten wie unter anderem Zastrow sagen: So eine Horrorzahl zu nennen, ist purer Alarmismus.

Und dann ging es los: 4.000 tägliche Neuinfektionen, 5.500, 7.000, 8.000, 10.000. Den rasanten Anstieg konnte man auch auf der Bild.de-Startseite beobachten:

Screenshot Bild.de - Corona-News - RKI: Höchstwert von 11287 Neuinfektionen
Screenshot Bild.de - RKI meldet 18681 Neuinfektionen
Screenshot Bild.de - RKI meldet 19059 Neuinfektionen

Am vergangenen Samstag dann also 19.059 Neuinfektionen. Gut zwei Monate vor Weihnachten. Und was macht die “Bild”-Redaktion? Sieht sie ein, dass Angela Merkels “Explosions-Rechnung” doch nicht aus einem “Alarmmodus” heraus entstanden ist? Schreibt sie kleinlaut, dass ihr Experten-Papst ziemlichen Murks erzählt hat? Natürlich nicht. Stattdessen hat die Bundeskanzlerin mal wieder alles falsch gemacht:

Screenshot Bild.de - Merkel prognostizierte 19200 Fälle bis Weihnachten - So weit lag das Kanzlerinnen-Orakel daneben

19 200 Neuinfektionen am Tag prognostizierte Kanzlerin Angela Merkel (66, CDU) Ende September für die Weihnachtsfeiertage – nur einen Monat später ist klar: Das Kanzlerinnen-Orakel lag meilenweit daneben.

Die Überschrift hat die Redaktion inzwischen still und heimlich in “Darum ist die Merkel-Prognose 2 Monate früher eingetreten” geändert. Der Teaser vor der “Bild plus”-Paywall mit dem “Kanzlerinnen-Orakel”, das “meilenweit danebenlag”, ist unverändert online.

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Durchgesteckt und durchgestochen, SW-Denken, Merkwürdiges Porträt

1. Kommunikation in der Krise
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 5:57 Minuten)
In der politischen Berichterstattung scheinen Kontakte alles zu sein, denn sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, vor allen anderen mit Informationen versorgt zu werden. Aktuelles Beispiel sei die “Beschlussvorlage” für den gestrige Corona-Krisengipfel von Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten. Dieses Papier sei bereits einen halben Tag bei bestimmten Medien zirkuliert. Wer es durchgestochen hat, sei unbekannt. Auffällig sei jedoch, dass zu Themen der Unionsparteien und der Bundesregierung Medien wie “Welt” und “Bild” bevorzugt in den Genuss von Vorabinformationen kämen.

2. Nazi oder Gutmensch – und nichts dazwischen: Warum das Schwarz-Weiß-Denken zunimmt
(rnd.de, Imre Grimm)
Anlässlich der bevorstehenden US-Wahl macht sich Imre Grimm Gedanken über die zunehmende Polarisierung, das fortschreitende Schwarzweiß-Denken und die verhärteten Fronten der Debattierenden: “In einer komplexen Welt aber sind es die Zwischentöne, die der Wahrheit noch am nächsten kommen. Denn so wie kein Mensch eine Insel ist, ist keine Meinung die reine Lehre. Doch Zwischentöne und Komplexitäten passen nicht in die 280-Zeichen-Logik der digitalen Welt, die nur die grellsten Radikalpositionen mit Aufmerksamkeit und Reichweite belohnt. Dabei ist Ambiguitätstoleranz einer der wichtigsten Grundpfeiler der Demokratie. Sie bedeutet immer Kompromiss, Annäherung, Interessenausgleich auf der Basis eines stabilen Wertesystems. Das ist anstrengend. Dazu gehört die Bereitschaft, anderer Leute Bedürfnisse, die Realität der Welt sowie evidenzbasierte Fakten anzuerkennen.”
Weitere Lesehinweise: Der Kolumnist Ben Smith von der “New York Times” spricht im Interview mit der “Süddeutschen” über die Bedeutung von Skandalen für den Erfolg des “Mediengeschöpfs Donald Trump”. Und das “Social Media Watchblog” beschäftigt sich in einer frei zugänglichen Ausgabe mit der Frage, wie sich das Silicon Valley auf die US-Wahl vorbereitet. Das ernüchternde Fazit der lesenswerten und mit vielen Verweisen gespickten Analyse: “Die Plattformen rechnen mit dem Schlimmsten, die USA sind auf dem Niveau von Kriegs- und Krisenstaaten angekommen.”

3. Das merkwürdige Holger-Friedrich-Porträt von Spiegel-Reporter Alexander Osang
(kress.de, Markus Wiegand)
Im “Spiegel” erschien Anfang des Monats ein äußerst langes Porträt über Holger Friedrich (Bezahlartikel), den Verleger der “Berliner Zeitung”. Der Beitrag sorgte bei einigen Leserinnen und Lesern für Verwunderung, weil er seltsam einseitig und wohlwollend klang. Als ob es eine Nebensächlichkeit sei, erwähnte “Spiegel”-Autor Alexander Osang gegen Ende seiner Geschichte, dass seine Frau bei der “Berliner Zeitung” beschäftigt sei. Markus Wiegand kommentiert: “Man kann die Kritik an Osang wegen seines Interessenkonflikts natürlich kleinlich finden. Ganz so einfach ist es aber nicht: Auffällig an dem Osang-Porträt ist nämlich, dass überhaupt keine Kritiker zu Wort kommen, die in Redaktionskreisen nicht schwer zu finden sind. Entweder hat Osang schlampig recherchiert oder er wollte wegen Befangenheit nicht mit solchen Leuten sprechen. Beides ist so mäßig cool.”

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4. Was im Diversitäts-Diskurs fehlt
(mdr.de, Judyta Smykowski)
Judyta Smykowski setzt sich bei Leidmedien.de regelmäßig dafür ein, dass Medienschaffende für klischeefreie Sprache und Bildsprache sensibilisiert werden. In ihrem Gastbeitrag für das “Altpapier” verrät sie, was aus ihrer Sicht im Diversitätsdiskurs fehlt, was an “Inspiration Porn” problematisch ist, und warum wir mehr authentische Bilder von Menschen mit Behinderung brauchen. In Sachen Diversität lohne ein Blick auf US-amerikanischen Serien: “An dieser Stelle seien Serien wie Good Wife, Stranger Things, Sex Education und vor allem Game of Thrones positiv erwähnt. Ihnen gelingt es, Menschen mit authentischen Erkrankungen und Behinderung zu zeigen und sie als selbstbestimmte Menschen auftreten zu lassen, die weder ihre Behinderung überwinden oder verneinen müssen, noch ständig leiden.”

5. Minden: Lynchaufruf gegen die “Covid-Presse”
(ndr.de, Nils Altland & Tim Kukral, Video: 5:18 Minuten)
In Minden haben Unbekannte eine unbekleidete männliche Schaufensterpuppe mit einem Strick um den Hals an einer Brücke aufgehängt – vor dem Bauch ein Pappschild mit der Aufschrift “Covid-Presse”. Das Medienmagazin “Zapp” ist nach Minden gereist, hat sich in der Stadt umgehört und mit Benjamin Piel über den Fall gesprochen, dem Chefredakteur des “Mindener Tageblatts”.

6. Türkei kündigt Schritte gegen “Charlie Hebdo” an
(faz.net)
Die Türkei hat juristische und diplomatische Schritte gegen die aktuelle Erdoğan-Karikatur der französischen Satirezeitung “Charlie Hebdo” angekündigt. Erdoğans Sprecher Fahrettin Altun schreibt dazu auf Twitter: “Die antimuslimische Agenda des französischen Präsidenten Macron trägt Früchte! Charlie Hebdo hat gerade eine Reihe sogenannter Karikaturen veröffentlicht, die voller verachtenswerter Bilder sein sollen, die angeblich unseren Präsidenten darstellen. Wir verurteilen dieses äußerst verabscheuungswürdige Bemühen dieser Publikation, ihren kulturellen Rassismus und Hass zu verbreiten.”
Weiterer Lesehinweis: Für die “Süddeutsche Zeitung” ordnet Joseph Hanimann den Vorgang weltpolitisch ein: “Angesichts des Konflikts um Berg-Karabach und der griechisch-türkischen Kontroverse auf Zypern ist die türkische Regierung aber bemüht, Politik, Militäroptionen und Medienaspekte in einem einzigen Stimmungstopf zu verrühren. Der Boykott französischer Produkte, zu dem Erdoğan zu Beginn dieser Woche aufgerufen hatte, wird Charlie Hebdo etwa nicht weh tun. Manche Industrielle, Handwerker und Landwirte in Frankreich lachen aber womöglich etwas verkniffen über die neue Karikatur.”

Bild  

Hauptsache negativ

Vergangenen Dienstag gab es für Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter in der München-Ausgabe der “Bild”-Zeitung die volle Breitseite. Der SPD-Politiker habe ein Versprechen gebrochen, stand über einem großen Artikel:

Ausriss Bild-Zeitung - Reiter bricht Versprechen - Sparkasse plant Strafzins und erhöht Gebühren

Noch im Dezember 2019 habe Reiter, der auch Vorsitzender des Verwaltungsrats der Stadtsparkasse München ist, gegenüber “Bild” gesagt: “Ich werde alles tun, um Negativzinsen für Bestandskunden zu verhindern.” Und nun, kein Jahr später, soll “BILD-Informationen” zufolge feststehen, dass genau diese Negativzinsen in München kommen werden:

Der nächste Gebühren-Hammer der Münchner Stadtsparkasse (SSKM) kommt: Ab dem 1. Januar 2021 plant “Die Bank unserer Stadt” einen sogenannten Strafzins auf Spareinlagen. (…)

Nach BILD-Informationen werden ab 100 000 Euro auf dem Sparbuch zwei bis fünf Prozent fällig. Stark betroffen sind 18 000 Kleinsparer.

Und was sagt Dieter Reiter dazu? “Bild”-Chefreporter Torsten Huber schreibt:

OB Dieter Reiter (62, SPD) ist Verwaltungsrats-Vorsitzender bei der Stadtsparkasse. Er will sich wegen seiner “Verschwiegenheitspflicht” nicht zu den SSKM-Plänen äußern.

In einem Kommentar mit der Überschrift “OB Reiter ist das wurscht” legt Huber nach. Die Stadtsparkasse München gehe den einfachsten Weg, “um an Geld zu kommen” und erhebe bald einen “Strafzins aufs Sparbuch”:

Als Verwaltungsrats-Chef der SSKM mit 18 000 Euro Aufwandsentschädigung im Jahr muss OB Reiter (62, SPD) davon gewusst haben. (…)

Statt die SSKM-Pläne zu stoppen, schweigt Reiter, versteckt sich hinter seiner “Verschwiegenheitspflicht”. Ihm kann es ja wurscht sein. Bei der Kommunalwahl 2026 ist er längst im Ruhestand.

Die Aussagen der “Bild”-Redaktion zur angeblichen Einführung eines Strafzinses – in der Branche auch Verwahrentgelt genannt – seien “völlig unzutreffend”, so die Stadtsparkasse München. In einer “Gegendarstellung zum BILD-Bericht” schreibt sie:

Die München-Ausgabe der BILD-Zeitung berichtet in ihrer heutigen Ausgabe vom 29.09.2020, dass die Stadtsparkasse entschieden hätte, ab Januar 2021 bei Privatkunden Verwahrentgelt ab einem Guthaben von 100.000 Euro zu berechnen. Die Stadtsparkasse München stellt hiermit klar, dass diese Behauptung völlig unzutreffend ist. Es gibt diesbezüglich weder Überlegungen, noch Planungen oder gar eine Entscheidung.

Auf Nachfrage bestätigt uns ein Sprecher der Münchner Stadtsparkasse, dass man dies der “Bild”-Redaktion vor Veröffentlichung des Artikels mitgeteilt habe.

Abgesehen von der grundsätzlich falschen Darstellung der Redaktion zur Einführung eines Strafzinses bei der Stadtsparkasse München, sind die “BILD-Informationen” auch im Detail falsch. Zur Erinnerung: “Nach BILD-Informationen werden ab 100 000 Euro auf dem Sparbuch zwei bis fünf Prozent fällig.” Banken dürfen allerdings auf Sparbücher gar gar keine Negativzinsen verlangen. Die Stadtsparkasse München schreibt in ihrer Gegendarstellung:

Auch die Behauptung, dass davon Sparbücher betroffen wären, wäre allein vertragsrechtlich unmöglich. Verwahrentgelt könnte aus vertraglichen und gesetzlichen Vorgaben grundsätzlich nur auf Guthaben von Girokonten erhoben werden.

Und dann auch noch ein vermeintlicher Strafzins in Höhe von “zwei bis fünf Prozent”, wie “Bild” schreibt? Das wäre ein überraschend hoher Wert. Das Finanzportal biallo.de hat für eine Untersuchung bei rund 1300 Banken und Sparkassen nachgeschaut, ob sie ein Verwahrentgelt einfordern und wie hoch dieses gegebenenfalls ist. Das Ergebnis: Der bislang höchste erhobene Strafzins liegt bei 0,75 Prozent. Der Negativzins, den die Europäische Zentralbank verlangt, wenn Banken bei ihr Geld parken, und den die Banken gern an die Kundschaft weitergeben, liegt aktuell bei 0,5 Prozent.

Auch die Behauptung, dass sich Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hinter seiner Verschwiegenheitspflicht “versteckt”, wie “Bild”-Reporter Torsten Huber schreibt, ist interessant. Laut bayerischem Sparkassengesetz dürfen sich Mitglieder des Verwaltungsrats nicht zu “ihnen amtlich oder aus Anlaß ihrer Amtsführung bekanntgewordenen Tatsachen” äußern. Reiter hält sich also schlicht ans Gesetz. Dafür gibt es von “Bild” eins auf die Mütze.

Am Freitag veröffentlichte die München-Ausgabe der “Bild”-Zeitung eine “Berichtigung”, schön unauffällig platziert zwischen “CLUB-KRISE”, “KOKS-SKANDAL” und Anzeige:

Ausriss Bild-Zeitung - Übersicht der Seite vom vergangenen Freitag

“Bild” schreibt:

Berichtigung

BILD München berichtete am 29.9.2020 über Planungen der Münchner Stadtsparkasse, zum 1.1.2021 einen Strafzins auf Spareinlagen über 100 000 Euro einzuführen, wovon 18 000 Kleinsparer betroffen seien. Zur Einführung eines “Verwahrentgelts” für Privatanleger erklärt die Sparkasse: “Diese Behauptungen sind völlig unzutreffend. Es gibt diesbezüglich weder Überlegungen, noch Planungen oder gar eine Entscheidung.” Verwahrentgelt könne “nur auf Guthaben von Girokonten erhoben werden”. Zudem seien nicht 18 000 Kleinsparer betroffen.

Den ganzen Murks, den die Redaktion über Oberbürgermeister Dieter Reiter verbreitet hat, berichtigt sie nicht.

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Mit “Corona-Irrsinn” und erfundenem Zitat: “Bild” fährt Kampagne gegen die Corona-Maßnahmen

Wenn es darum geht, die Kampagne gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung weiterzuführen, greift die “Bild”-Redaktion zu verschiedensten schmutzigen Mitteln: Sie erfindet ein Zitat, denkt sich eine Bedrohung aus, stellt alles als “Irrsinn” dar.

Gestern auf der Bild.de-Startseite:

Screenshot Bild.de - Weltärzte Chef Montgomery bei Anne Will - Grundrechtseinschränkung eine Maske tragen zu müssen!

Frank Ulrich Montgomery, einst Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, einst Präsident der Bundesärztekammer, Ehrenpräsident des Deutschen Ärztetages und aktuell Vorstandsvorsitzender des Weltärztebundes, soll sich in der Talkshow von Anne Will also gegen das Tragen von Masken ausgesprochen haben, weil dies eine Grundrechtseinschränkung wäre.

Es war komplett anders. Montgomery sprach sich bei Anne Will für das Benutzen von Masken aus. Sein Satz, in dem die Wörter “Grundrechtseinschränkung” und “Maske” fielen, endete auch nicht, wie die “Bild”-Redaktion behauptet, mit einem Ausrufezeichen, sondern mit einem Fragezeichen. Montgomery sagte am Sonntag (ab Minute 23:32):

Wir müssen immer vier Dinge, wie in einem Rechteck, bedenken. Da ist auf der einen Seite die Gesundheit, darüber reden wir jetzt hier. Da sind die soziokulturellen Folgen. Ich finde, die Auswirkungen auf das Bildungswesen haben Sie wunderbar beschrieben [er zeigt dabei auf Marina Weisband]. Da ist aber auch dann die Frage der Grundrechtseinschränkungen zum Beispiel. Ist es eine Grundrechtseinschränkung, sich eine Maske aufsetzen zu müssen? Und dann ist die Frage …

Anne Will unterbricht ihn:

Fanden Sie erst lächerlich, erinnere ich mich. Hatten Sie gesagt, das sei lächerlich.

Montgomery darauf:

Ja, ich habe mich geirrt. Ich habe damals zu Herrn Söder gesagt: Sie müssen richtige Masken, Sie müssen den Leuten FFP2-Masken mit einem Bußgeld auferlegen. Aber Sie können nicht mit einem feuchten Lappen vor dem Gesicht rumlaufen und darauf ein Bußgeld erheben, wenn das nicht getan wird. Inzwischen wissen wir, das hat Herr Yogeshwar wunderbar beschrieben, wir wissen inzwischen, dass alleine der mechanische Schutz einer Maske nicht den Träger, aber die anderen schützen kann. Und da hat Wissenschaft, und das ist übrigens was Tolles an dem ganzen Prozess, den wir gelernt haben, hat Wissenschaft auch gelernt zu sagen: Nee, also wir haben uns geirrt. Das ist jetzt anders. Wir sehen das anders.

Das Zitat, wie es auf der Bild.de-Startseite erschienen ist, hat die Redaktion erfunden. Den Artikel und auch den dazugehörigen Tweet hat sie inzwischen still und heimlich gelöscht.

Solange es zur laufenden Kampagne passt, denken sich die “Bild”-Leute halt einfach Sachen aus, und sei es nur eine angebliche Bedrohung durch nasse Haare.

Vergangene Woche ärgerte sich Alexander von Schönburg in “Bild” und bei Bild.de:

Ausriss Bild-Titelseite - Härtere Corona-Regeln in der Kirche als im Puff - Singen verboten, aber Sex ist erlaubt!

Ginge es im Puff ums Singen mit vielen Leuten, wäre es dort vermutlich genauso verboten wie in der Kirche. Und Sex mit einer anderen Person könnte unter denselben Bedingungen in der Kirche genauso erlaubt werden wie im Puff – wenn es denn von der Kirche erlaubt wäre. Aber das nur nebenbei.

Das Puff/Kirchen-Beispiel illustriert schon ganz gut, worum es in von Schönburgs Artikel geht: Dinge zu vergleichen, die möglichst wenig miteinander zu tun haben (etwa der vermeintliche Widerspruch, dass man in Berlin “jeden Tag Menschen ohne Helm, aber mit Mund-Nasen-Schutz Fahrrad fahren” sehe, wo doch die Krankenhäuser “voller Unfallopfer” seien, aber die “für die Covid-Patienten frei gehaltenen Intensivbetten” leer), um damit für Kopfschütteln und Neid zu sorgen (die Fußballfans dürfen im Stadion nun wieder grölen, von Schönburgs Nichte darf im Musikunterricht nur summen). Wichtig dabei: möglichst wenig Interesse an Logik und einer Erklärung zeigen. Zum Beispiel so:

Die Gefahr, abends nach dem Schwimmen von nassen Haaren auf dem Fahrrad krank zu werden, dürfte bei knapp 100 Prozent liegen. Die Gefahr, Corona zu bekommen, liegt im niedrigen einstelligen Bereich, aber die Berliner Bäderbetriebe haben die Benutzung der elektrischen Haartrockner unterbunden – die Aerosole.

Vielleicht zieht es noch bei Drei- bis Sechsjährigen, ihnen zu erzählen, dass “nasse Haare auf dem Fahrrad” krank machen, um sie zum Föhnen nach dem Schwimmunterricht zu bewegen. Alle anderen sollten hingegen wissen: Niemand wird allein durch nasse Haare krank, erst recht nicht zu “knapp 100 Prozent”. Viren und Bakterien sorgen für die Krankheiten, nicht nasse Haare und auch nicht die Kälte. Muss der Körper wegen nasser Haare gegen die Auskühlung des Kopfes ankämpfen, kann er anfälliger für Krankheiten sein. Allerdings passiert auch dann ohne Viren oder Bakterien nichts.

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Bei “Bild” versuchen sie aber auch schon gar nicht mehr, irgendwas zu verstehen: “Diesen Corona-Irrsinn versteht niemand mehr”, steht im Bild.de-Artikel. Und so gilt bei den Corona-Maßnahmen der Regierung nun das, was bisher vor allem beim Thema Asyl galt: Ohne “Irrsinn” geht es bei “Bild” nicht mehr.

Gestern beispielsweise:

Screenshot Bild.de - Auftritt in Düsseldorf erlaubt - in Köln verboten! Corona-Irrsinn bei den Ehrlich Brothers

Das, was man hinter der “Bild plus”-Paywall erfährt, klingt hingegen keineswegs nach “Irrsinn”, sondern nach Vernunft und nach Regeln, die transparent und für jeden nachvollziehbar sind:

In Düsseldorf durften die [Ehrlich-]Brüder vor 2500 Fans auftreten. In Köln hingegen sorgten gestiegene Infektionszahlen einen Tag vor dem Event am Sonntag für die Absage der Stadt.

Der zuvor festgelegte Grenzwert bei der Sieben-Tage-Inzidenz wurde in Köln überschritten. In Düsseldorf nicht. In Düsseldorf durften die Ehrlich Brothers auftreten. In Köln nicht. Sich an das zu halten, was vorher vereinbart wurde, ist laut “Bild”-Redaktion also “Irrsinn”.

Heute geht es in “Bild” und bei Bild.de weiter:

Screenshot Bild.de - Diese Corona-Regeln versteht doch kein Fan mehr!

Und auch hier: Schaut man sich den “Corona-Irrsinn im deutschen Fußball” nur einen Tick genauer an, wirkt es alles gar nicht so irrsinnig, wie “Bild” glauben machen will. Dass zum Beispiel der FC Bayern München im Finale des Uefa-Supercups am kommenden Donnerstag in Budapest (Sieben-Tage-Inzidenz laut “Bild”: über 110) vor mehr als 20.000 Menschen spielen wird, während der Klub am vergangenen Wochenende in München (Sieben-Tage-Inzidenz laut “Bild”: 56,1) nur vor den Vereinsverantwortlichen auflaufen durfte, lässt sich damit erklären, dass Ungarn nicht Deutschland ist. Und dass damit andere Regeln gelten. Das kann man falsch finden. Aber um unerklärlichen “Irrsinn”, der nicht zu verstehen ist, handelt es sich nicht.

Genauso der von “Bild” erwähnte Vergleich Gelsenkirchen/Mönchengladbach:

Auch in Deutschland selbst gibt es weiter unterschiedliche Entwicklungen. Schalke droht zum Heim-Start gegen Werder ein Geister-Spiel, weil die 7-Tage-Inzidenz in Gelsenkirchen gestern bei 44,1 lag. 70 Kilometer entfernt, in Gladbach, dürfte gegen Union – Stand jetzt – vor Fans gespielt werden.

Im ersten Satz steckt schon die Erklärung: Auf “unterschiedliche Entwicklungen” wird unterschiedlich reagiert. Was wäre denn die Alternative, die auch aus “Bild”-Sicht nichts mit “Irrsinn” zu tun hätte? Etwa dass auch in Mönchengladbach nicht vor Zuschauern gespielt werden darf, weil in Gelsenkirchen der Wert so hoch ist? Oder dass in Gelsenkirchen vor Zuschauern gespielt werden darf, weil in Mönchengladbach der Wert niedrig ist? Dann wäre in den “Bild”-Medien aber was los.

Am deutlichsten aber …

Der Corona-Irrsinn im deutschen Fußball zeigt sich am deutlichsten bei den anstehenden Derbys.

Etwa bei dem Derby in Hamburg zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli Ende Oktober. Im Hygienekonzept der Deutschen Fußball-Liga ist festgelegt, dass zu Bundesligaspielen keine Fans der Gastmannschaften ins Stadion dürfen. Das soll Fan-Reisen durch die Republik verhindern. Für Derbys gibt es keine Ausnahmen, auch wenn die Gästefans aus derselben Region oder derselben Stadt kommen. Das mag für Fans des FC St. Pauli schade sein. “Irrsinn” ist aber auch hier nicht zu erkennen, sondern schlicht gleiche Vorgaben für alle.

Es soll aber alles noch viel schlimmer sein. In Deutschland herrscht dank der Bundesregierung, zumindest laut “Bild”, nicht nur der “Irrsinn”, das Land ist sogar im “Absage-Fieber”:

Screenshot Bild.de - Trotz leerer Intensiv-Betten - Deutschland im Corona-Absage-Fieber!

Und obendrein lahmgelegt:

Aber: Reicht die 7-Tage-Inzidenz allein dafür aus, wegen Corona-Alarm das Land lahmzulegen?

Das behauptet jedenfalls “Bild”-Redakteur Filipp Piatov. Er nennt die bereits bekannten Einschränkungen und Absagen: keine Fans im Stadion in München, keine Zaubershow der Ehrlich Brothers in Köln. Also: Deutschland ist lahmgelegt. Und das “trotz leerer Intensiv-Betten”:

Fakt ist: Als z. B. die Stadt München (rund 1,5 Millionen Einwohner) am Donnerstag wegen der gestiegenen Infektionszahlen das Fan-Verbot beschloss, lagen in der Landeshauptstadt 14 Corona-Kranke auf der Intensivstation.

Was aus seiner Beobachtung konkret folgen soll, schreibt Piatov leider nicht. Soll das alles heißen: Absagen braucht derzeit kein Mensch, weil ja noch genügend Intensivbetten frei sind, die wir füllen können? Soll es erst wieder Absagen geben, wenn alle Betten voll sind? Wie viele gefüllte Intensivbetten mögen wohl der Zielwert der “Bild”-Redaktion sein? Und kommt dort jemand mal auf die Idee, dass der Zweck von Absagen genau das ist: möglichst leere Intensivbetten?

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Am Wochenende versuchte die “Bild”-Redaktion dann noch, Kinder ins Spiel zu bringen (wobei es wirklich ein kühner Zug von ihr ist, jetzt schon wieder Kinder für die eigene Kampagne einzuspannen):

Ausriss Bild-Titelseite - Virus-Angst und Maskenpflicht belasten die Seelen der Kleinsten - So schädlich sind die Corona-Maßnahmen für unsere Kinder

In einem dazugehörigen Kommentar schreibt Christian Langbehn, dass die Corona-Regeln in Deutschland nur noch “absurd” seien:

Wenn Regeln absurd werden, wenn wir als Vorbilder unserer Kinder das eigene Verhalten nicht erklären können, dann läuft etwas schief.

Was so alles schieflaufen soll, das verpackt Langbehn in Fragen. In diese zum Beispiel:

Warum müssen Kinder auf dem Schulhof Maske tragen, im Unterricht dann aber im Klassenzimmer nicht mehr?

Diese vermeintlich naive Frage zeigt, dass es Langbehn nur darum geht, Zweifel zu säen und Unmut zu verursachen. Er hat keinerlei Interesse an Antworten, denn wenn er Interesse hätte, hätte er ohne Probleme eine Antwort auf seine Frage finden können. In Schleswig-Holstein beispielsweise lautet sie “Kohortenprinzip”:

Das Kohortenprinzip sichert einen regulären Schulbetrieb. Durch die Definition von Gruppen in fester Zusammensetzung (Kohorten) lassen sich im Infektionsfall die Kontakte und Infektionswege wirksam nachverfolgen. Damit wird angestrebt, dass sich Quarantänebestimmungen im Infektionsfall nicht auf die gesamte Schule auswirken, sondern nur auf die Kohorten, innerhalb derer ein Infektionsrisiko bestanden haben könnte.

Übergeordnetes Ziel ist es, das Infektionsrisiko zu begrenzen und die Ansteckungsrate niedrig zu halten (“flatten the curve” bzw. “keep the curve flat”). Unter diesen Annahmen wird auf Abstandsregeln und das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen innerhalb der Kohorten verzichtet.

Daher keine Masken im Klassenzimmer. Auf dem Schulhof hingegen schon, damit sich verschiedene Kohorten nicht gegenseitig infizieren.

Springer-Chef Mathias Döpfner sagte vor Kurzem in einer Rede, die er als Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger hielt:

Aktivismus ist das Gegenteil von Journalismus, auch wenn es um etwas Gutes geht.

Bei der “Bild”-Kampagne geht es nicht mal um etwas Gutes.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

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Keine Strache-Wende, Youtube für Neonazis, Lieber nicht akkreditieren

1. Stellungnahme der SZ-Chefredaktion vom 23.08.2020
(facebook.com, Süddeutsche Zeitung)
Gibt es tatsächlich eine Wende im Fall des ehemaligen österreichischen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache, wie manche Medien mit Verweis auf angeblich entlastende Aussagen behaupten? Nein, davon könne nicht die Rede sein, so die “Süddeutsche Zeitung” und der “Spiegel”. Man habe in der Berichterstattung auf die entsprechenden Passagen “konsequent und wiederholt” hingewiesen.
Weiterer Lesehinweis: Für den “Spiegel” erklärt Wolf Wiedmann-Schmidt auf Twitter: “Die angeblich neuen Passagen aus dem #Ibiza-Video sind weder unbekannt, noch hat sie @derspiegel verschwiegen. Im ersten Text zur Affäre vom 17. Mai 2019 haben wir just jene Abschnitte, die nun als neu präsentiert werden, teils wörtlich zitiert.”

2. Ein Youtube für Nazis: Was hinter der Plattform Bitchute steckt
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Viele Radikale verbreiten ihr extremes Gedankengut über den Messengerdienst Telegram – in dem Bewusstsein, dort einigermaßen sicher vor technischen Sanktionen wie Sperrungen und Blockaden zu sein. Als Youtube-Alternative vor allem für rechtsextreme Videos erweist sich derzeit die Plattform Bitchute. Matthias Schwarzer erzählt, was es mit dem “Ausweichkanal für rechtsextremes Gedankengut” auf sich hat.
Weiterer Hörtipp: Analyse der Berichterstattung: Rechtsextreme Netzwerke und die Behörden (deutschlandfunkkultur.de, Vera Linß & Marcus Richter, Audio: 12:59 Minuten).

3. “Die Prozesse sind kompliziert”
(taz.de, René Martens)
Turnusgemäß hat Deutschland aktuell die EU-Ratspräsidentschaft inne. Wie wirkt sich das auf die Berichterstattung aus Brüssel aus? René Martens hat mit Anne Gellinek, Leiterin des Brüsseler ZDF-Studios, über Polit-Journalismus aus der und über die EU gesprochen: Worin liegen die Unterschiede zwischen nationaler und europäischer Politikberichterstattung? Warum hat die nachmittägliche Europa-Sendung des ZDF (“heute – in Europa”) manchmal genauso viele Zuschauerinnen und Zuschauer wie das “heute-journal”? Und gibt es bald “Brüssel direkt”?

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4. #b2908 Wir raten Journalist:innen von einer Akkreditierung über hp #Querdenken711 dringend ab.
(twitter.com, Jörg Reichel)
Im Namen der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union rät Landesgeschäftsführer Jörg Reichel Medienschaffenden davon ab, sich beim Veranstalter der bevorstehenden “Querdenker”-Demo zu akkreditieren (die Akkreditierung ist mit einer Begleitung durch ein “Deeskalationsteam” verbunden). Reichel dazu: “Wir rechnen an dem Wochenende mit einer zweistelligen Anzahl von Angriffen durch TN der Demonstration auf Journalist:innen – bis hin zu Körperverletzungen. Es liegen z.Z. keine Infos vor, ob und wie die @polizeiberlin die Pressefreiheit an dem Tag schützen will. Die Veranstalter lehnten #b0108 die Zusammenarbeit mit Polizei in Fragen #Pressefreiheit ab.”

5. Der Killer von Konstanz – True Crime | Als ein Vergewaltiger plötzlich zwei Morde gesteht
(swr.de, Viktoria Merkulowa, Holger Schmidt, Thomas Fischer)
Im True-Crime-Podcast des SWR “Sprechen wir über Mord?!” unterhalten sich Moderatorin Viktoria Merkulova, ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt und Bundesrichter a. D. Thomas Fischer über wahre Verbrechen. In der aktuellen Folge geht es um den “Killer von Konstanz”, doch das ist eigentlich sekundär. Interessant sind die Passagen, in denen es um die Zuschreibungen und Bewertungen von Straftaten durch Medien, aber auch durch uns Mediennutzer und -nutzerinnen geht. Hörenswert, weil es interessante Denkimpulse liefert.

6. Wenn Männer meinen, Frauen hätten ihren Witz nicht kapiert
(faz.net, Ursula Scheer)
Mansplaining bezeichnet laut Wikipedia “herablassende Erklärungen eines Mannes, der fälschlicherweise davon ausgeht, er wisse mehr über den Gesprächsgegenstand als die – meist weibliche – Person, mit der er spricht.” Die amerikanische Comedy-Autorin Nicole Tersigni illustriert auf ironische Art typische Fälle – anhand von klassischen Motiven der Kunstgeschichte.

“Bild”s Nachtreten bis zum Umfallen, Geschlechterverteilung, Opferschutz

1. Nachtreten bis zum Umfallen
(faz.net, Michael Hanfeld)
“FAZ”-Medienredakteur Michael Hanfeld kritisiert die kampagnenartige Berichterstattung der “Bild”-Medien über beziehungsweise gegen den Virologen Christian Drosten. Hanfeld kritisiert aber auch den “Tagesspiegel”-Beitrag des Biochemikers Alexander Kekulé, der “nicht einmal mit den grundlegenden Gepflogenheiten des Wissenschaftsdiskurses vertraut sei”. Hanfelds Fazit: “So nimmt die Debatte einen Verlauf, wie ihn sich die ‘Bild’ mit ihrer zerstörerischen Macht wünscht. Sie steckt andere mit ihrem Antiaufklärungsvirus an, von dessen Symptomen wir uns bei dieser Gelegenheit abermals überzeugen können. Sie verdreht Fakten und Zusammenhänge, und sie verdreht den Kopf. Dass das Boulevardblatt davon je genesen werde, damit rechnen wir nicht.”
Weiterer Lesehinweis: Friede Springer beklagt sich über Bild-Chefredakteur Julian Reichelt (berliner-zeitung.de, Kai-Hinrich Renner).

2. Frankfurter Buchmesse 2020
(3sat.de, Nil Varol, Video: 3:26 Minuten)
Lange wurde mit einer Absage gerechnet, doch die Frankfurter Buchmesse soll auch in diesem Jahr stattfinden, wenn auch in abgespeckter Form. Dies verkündeten gestern die Verantwortlichen via Videokonferenz. 3sat hat einige kleine Verlage nach ihren Reaktionen und Erwartungen gefragt. Von den großen Publikumsverlagen hätten bereits einige abgesagt, darunter Branchenriesen wie Random House (u.a. Goldmann, Heyne, Blanvalet, Penguin, Luchterhand, DVA, Der Hörverlag), Holtzbrinck (Rowohlt, S. Fischer, Droemer Knaur, Kiepenheuer & Witsch und Argon) und Bonnier (Carlsen, Piper, Ullstein, ArsEdition, Münchner Verlagsgruppe, Thienemann und Hörbuch Hamburg).

3. Zu Gast: Der Virologe
(sueddeutsche.de, Theresa Hein)
Eine neue Studie hat sich mit der Geschlechterverteilung in der aktuellen Corona-Berichterstattung beschäftigt und bestätigt das, was man bereits ahnte: Als Experten rund um die Corona-Thematik kommen meist Männer zu Wort. Eine weitere Studie sei zu ähnlichen Ergebnissen gekommen: Der Schwede Max Berggren habe die Geschlechterverteilung in der Corona-Berichterstattung in Online-Auftritten deutscher Printmedien untersucht und auch dort meist Männer identifiziert.
Weiterer Lesehinweis: Aus dem Jahr 2019, aber dennoch interessant, weil es das Analysetool Prognosis vorstellt, mit dem der Datenjournalist Berggren Online-Auftritte von Zeitungen scannt: “Zeitungen funktionieren als Spiegel der Gesellschaft” (sueddeutsche.de, Anna Steinbauer).

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4. Twitter, Google und Facebook wehren sich gegen Trumps Dekret
(spiegel.de)
That escalated quickly: Nachdem Twitter einen Trump-Tweet mit einem Faktenchecker-Hinweis versehen hat, erließ der US-Präsident in Windeseile ein Dekret, mit dem er Soziale Medien stärker in die Haftung und damit dominieren will.
Weiterer Lesehinweis: Wer mehr über die Hintergründe erfahren möchte, sei Tomas Rudls Einordnung des Vorgangs bei netzpolitik.org empfohlen: Der mächtigste Mann der Welt, das ewige Opfer.

5. Amazon: will good take care of you?
(youtube.com, Friedrich Küppersbusch, Video: 5:16 Minuten)
Friedrich Küppersbusch ist sauer: “F*ck°ng relentless: Wie die weltweit größte Niedriglohnkeimschleuder amazon zum Müttergenesungswerk mit Bücherregal avanciert.” Hintergrund sind die übereinstimmenden und wortgleichen PR-Lobhudeleien auf das Unternehmen Amazon, die in diversen amerikanischen Nachrichtensendungen als Pseudo-Nachricht verlesen wurden.

6. Presserat: “Bild” hält sich nicht an den Opferschutz
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der Presserat hat sechs Rügen an Medien für Verstöße gegen den Pressekodex ausgesprochen — fünf davon gingen an “Bild” beziehungsweise Bild.de. Wie schon so oft wurde vor allem der ungenügende Opferschutz gerügt.
Weitere Guckempfehlung: Die Autorin und Satirikerin Sarah Bosetti hat “Post für die Bild-Zeitung”: “Liebe Bild, ich möchte Euch beglückwünschen. Ihr habt geschafft, was noch kaum jemandem gelungen ist. Ihr könnt die Welt zu einem besseren Ort machen. Alles, was Ihr dafür tun müsst, ist: nicht mehr arbeiten.” (facebook.com, radioeins, Video, 2:00 Minuten).

Pochers Attacken, Mausgezeichnete Einschaltquoten, Lisa Eckhart

1. Täter hatten vor Übergriff wohl Streit mit “heute-show”-Team
(tagesspiegel.de, Alexander Fröhlich)
Der genaue Hintergrund des Angriffs auf ein Team der “heute-show” (ZDF) ist nach wie vor unklar. Laut “Tagesspiegel”-Informationen soll es jedoch vor der Attacke Streit zwischen dem TV-Team und den Angreifern gegeben haben. Für die Staatsanwaltschaft seien alle Verdächtigen “dem linken Spektrum zuzurechnen”.
Weiterer Gucktipp: Im ZDF-Interview (Video, 13:31 Minuten) schildert der Satiriker Abdelkarim, wie er den Angriff erlebt hat: “Das war auch keine Schlägerei, das war ein Einschlagen auf eine völlig wehrlose Gruppe, von der null Gefahr ausging. Viel feiger kann ein Angriff gar nicht sein.”

2. Niveaulos und frauenverachtend: Wer stoppt Oliver Pocher?
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Der Comedian Oliver Pocher hat offenbar eine neue Möglichkeit gefunden, Aufmerksamkeit zu generieren: Er drischt öffentlich auf Influencerinnen ein. In einem aktuellen Fall legte er die Pornovergangenheit eines seiner Opfer offen. “Sollte Pocher mit seinem pseudointellektuellen Moralgeplänkel tatsächlich so etwas wie journalistischen Anspruch gehabt haben, so ist er damit krachend gegen die Wand gefahren”, kommentiert Matthias Schwarzer. Sein Fazit: “Je mehr grölendes Publikum Pocher bekommt, desto mehr pöbelt sich der Comedian in Rage. Dass hinter jedem Influencer auch ein Mensch steht, wird da zweitrangig. Da wird jeder Fehltritt ausgeschlachtet, jedes Nacktvideo, jede Dominavergangenheit zum Auslachexzess. Die Grenze ist hier bereits lange überschritten.”

3. Klassiker räumt ab: “Sendung mit der Maus” im Höhenflug
(dwdl.de, Alexander Krei)
Trotz ihres mittlerweile stolzen Alters von 50 Jahren ist “Die Sendung mit der Maus” so erfolgreich wie lange nicht. Bei den 14- bis 49-Jährigen habe die Kindersendung einen Marktanteil von fast 17 Prozent erzielt. Ein außergewöhnlich guter Wert für den Klassiker, der sich auch bei den Erwachsenen großer Beliebtheit erfreue.

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4. Renan Demirkan protestiert gegen “Eliminierung” älterer Schauspieler aus Drehbüchern und Besetzungslisten
(presseportal.de)
Die Autorin und Schauspielerin Renan Demirkan warnt vor einer existenziellen Bedrohung älterer Künstlerinnen und Künstler durch die Corona-Krise. In einem Offenen Brief (nur mit Abo lesbar) an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet schreibt die 64 Jahre alte Demirkan: “Ich bin mir nicht sicher, ob sich Nichtkünstler ein Künstlerleben wirklich vorstellen können. Ob auf der Bühne oder auf der Leinwand; ob in Büchern oder Bildern; ob als Musiker oder Komponisten: Das, was wir tun, das sind wir — uneingeschränkt und ohne Altersgrenze!”

5. Pulitzer-Preis für die “New York Times”
(sueddeutsche.de)
Der Pulitzer-Preis geht dieses Jahr unter anderem an die “New York Times”. Der Jury habe die Russland-Berichterstattung gefallen, mit der die Zeitung das aggressive Vorgehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin enthüllt habe. Weitere Auszeichnungen gingen unter anderem an die in Alaska ansässige “Anchorage Daily News”, die Recherche-Plattform “ProPublica”, das “Courier-Journal” und die “Baltimore Sun”.

6. Sie ist von Kopf bis Fuß aufs Böse eingestellt
(faz.net, Andrea Diener)
Wer gelegentlich die Satiresendung “Nuhr im Ersten” schaut, ist dort eventuell schon einmal der österreichischen Kabarettistin Lisa Eckhart begegnet, die bevorzugt gegen die “politische Korrektheit” anredet. Derzeit wird ein bereits älterer Ausschnitt der Kabarettsendung “Mitternachtsspitzen” diskutiert, in der Eckhart jahrhundertealte Vorurteile gegen Juden reproduziert. Anlass für Andrea Diener, einen genaueren Blick auf die Künstlerin und ihr Programm zu werfen: “Zusammenfassen lässt sich ein Großteil ihres Programms mit ‘stellt euch mal nicht so an’. Gemobbte Schulkinder, Magersüchtige, rassistisch angegangene Corona-Chinesen: alle mal die Fresse halten, früher ging es den Leuten noch viel schlechter. Früher wurde nicht ‘gemobbt’, früher wurde noch zünftig geprügelt und es hat keinen gestört, weil die Gesellschaft noch nicht so verweichlicht und dekadent war. Zack, über alle Zwischentöne drübergebügelt. Es gibt Pilsstuben, in denen hat man das schon differenzierter gehört.”
Nachtrag: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser “6 vor 9”-Ausgabe war der Artikel noch frei abrufbar. Inzwischen hat die “FAZ”-Redaktion ihn hinter die Paywall gestellt.

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