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Wie viel Brüderle erträgt die Bundeswehr?

Spätestens seit sich der Quizmaster Günther Jauch am Sonntagabend in der nach ihm benannten ARD-Talkshow an dem Thema versuchte, lässt es sich nicht mehr ignorieren: Es gibt in Deutschland eine Debatte über Alltagssexismus. Auslöser war ein Artikel in der Illustrierten “Stern”, in dem eine Journalistin dem FDP-Politiker Rainer Brüderle vorwarf, sich ihr an einer Hotelbar in einer Weise genähert zu haben, die sie unangenehm fand.

Schon am Samstag hatte “Bild” die zentrale Frage gestellt:

Wie viel Brüderle ist erlaubt? 100 Frauen in BILD: Flirt oder Belästigung — wo ist die Grenze?

Eine Frage, die “Bild”-Redakteurin Stephanie Bilges erstaunlich klar zu beantworten wusste:

BILD-Redakteurin Stephanie Bilges (36, Berlin): "Wer nicht in der Lage ist, mit deftigen Sprüchen umzugehen, sollte vielleicht besser nicht berufstätig sein."

Gestern dann bedachte Franz Josef Wagner die “liebe Sexismus-Debatte” mit einem Brief, der selbst für seine Verhältnisse eher exzentrisch wirkte.

Heute schließlich erklärte “Bild”-Reporter Wilfried Pastors (“seit 36 Jahren mit der gleichen Frau verheiratet, zweifacher Vater und Opa von vier Enkeln [drei Mädchen]”), er lasse sich als Mann “nicht unter Generalverdacht stellen”:

Wenn jetzt allerdings eine Geschlechtsforscherin im Frühstücksfernsehen unwidersprochen sagen darf, der Fall Kachelmann sei Beleg für alltäglichen Sexismus in Deutschland, stellen sich mir die Nackenhaare hoch.

Das war ein mit allen Mitteln des Rechtsstaats geführter Prozess, der anders ausging, als es manche gerne gehabt hätten. Aber so, und nur so, funktioniert Rechtsstaat.

Pastors widerspricht damit überraschend offen der bisherigen “Bild”-Linie, die den Ausgang des “mit allen Mitteln des Rechtsstaats geführten Prozesses” damals so kommentiert hatte:

Kachelmann: Freispruch, aber ...

Und damit kommen wir zum Jahresbericht des Wehrbeauftragten der Bundesregierung. Oder, wie Hanno Kautz, “Bild”-Parlamentskorrespondent, ihn auf Bild.de nennt, dem “Jammer-Bericht der Bundeswehr”:

SEXUELLE ÜBERGRIFFE: Der Bericht über eine vergewaltigte Soldatin in der Heeresfliegerwaffenschule Bückeburg im August 2012 sei eine Ausnahme, heißt es in dem Bericht. Es ginge um Einzelfälle, die festgehalten werden, sagte Königshaus, doch mit einer "nicht unerheblichen Dunkelziffer" sei zu rechnen.

​Kautz zitiert aus dem Bericht, in dem von bekannten 50 Fällen “mit sexuellem Bezug” die Rede sei, und schließt:

“Bei der überwiegenden Anzahl der Taten”, so heißt es aber in dem Bericht, “handelte es sich um unangemessene Berührungen und verbale sexuelle Belästigungen.”

“Aber”. Aha. Na, dann ist ja alles halb so schlimm, die betroffenen Soldatinnen (oder Soldaten) sollten vielleicht besser nicht berufstätig sein und mit dem Jammern aufhören.

Mit Dank auch an Jürgen L.

Bild  

Gebührend falsch

Seit Wochen versucht “Bild”, einen Volksaufstand gegen den neuen Rundfunkbeitrag herbeizuschreiben. Fast jeden Tag wartet das Blatt mit einem neuen Artikel auf, der einen Skandal im neuen System anprangert. Die vermeintlichen Enthüllungen werden von anderen Medien begeistert ungeprüft übernommen.

Wie macht die “Bild” das?

Stellen wir uns für einen Moment vor, wir redeten nicht von ARD und ZDF, sondern vom Taschengeld des kleinen Timmy.

Der hat bislang jeden Monat 60 Euro bekommen: je zehn von Vater und Mutter und 40 von Tante Ursula. Nach dem Ärger am zweiten Weihnachtstag haben die Verwandten beschlossen, das Geld anders aufzuteilen. Vater und Mutter zahlen jetzt je 15 Euro, Tante Ursula auch, und dafür beteiligt sich Onkel Franz ebenfalls mit 15 Euro.

Timmys Schwester Tanja findet es doof, dass Timmy überhaupt soviel Taschengeld bekommt, und macht nun Theater: Das sei total ungerecht, dass der Timmy nun viel mehr Geld bekommt als früher. Ich krieg doch gar nicht mehr Geld als früher, sagt Timmy. Wohl, sagt Tanja: Die Eltern zahlen jetzt jeden Monat zehn Euro mehr! Und der Onkel Franz zahlt jetzt plötzlich auch! Überhaupt müssen mehr Leute dein Taschengeld bezahlen! Also ist klar, dass du voll eine Taschengelderhöhung bekommen hast.

Tanja will später mal zur “Bild”-Zeitung gehen.

Dirk Hoeren, Guido Brandenburg und Nikolaus Harbusch sind heute die Tanjas von “Bild”. Ihre Kampagne gegen ARD und ZDF basiert zum großen Teil auf zwei einfachen Taschenspielertricks: Bekannte und öffentlich zugängliche Dokumente werden wie neue und geheime Fundsachen behandelt. Und jede potentielle Mehreinnahme für ARD und ZDF durch das neue System wird erwähnt; jede potentielle Mindereinnahme wird verschwiegen.

Am 22. Dezember gab Hoeren vor, “die wichtigsten Fragen” zum neuen Rundfunkbeitrag zu “beantworten”. Darunter diese:

Steigen die Einnahmen der Sender durch den neuen Beitrag?

Die Sender rechnen mit 840.000 neuen Gebührenzahlern. Die Gebührenkommission KEF kalkuliert mit 581 Mio. Euro Mehreinnahmen.

Tatsächlich findet sich die Zahl 581 Mio. an prominenter Stelle (Seite 15) im Bericht der KEF. Er bedeutet allerdings nicht das, was “Bild” behauptet.

Es handelt sich bloß um Einnahmen, die höher ausfallen als ursprünglich angenommen. Mit dem neuen Beitrag hat das erst einmal gar nichts zu tun, was sich schon daraus ergibt, dass sich diese Einnahmen auch auf die Jahre 2011 und 2012 beziehen, also die Zeit vor der Umstellung. Die Summe enthält zum Beispiel auch Werbeeinnahmen: Die KEF geht nämlich aufgrund der guten Entwicklung von Werbeeinnahmen in der ganzen Branche davon aus, dass zum Beispiel die ARD mehr Geld in diesem Bereich einnehmen könnte als bisher geplant.

Um aber auf die “Bild”-Frage zurückzukommen, ob die Einnahmen der Sender durch den neuen Betrag steigen: Nein. Jedenfalls geht die KEF nicht davon aus.

Sie rechnet in der aktuellen Gebührenperiode (2013 bis 2016) mit Einnahmen aus “Teilnehmerbeiträgen” in Höhe vom 29,3 Milliarden Euro. In der vergangenen Gebührenperiode (2009 bis 2012) waren es ebenfalls 29,3 Milliarden Euro.

Im Klartext: Die KEF rechnet damit, dass durch die Umstellung des Systems insgesamt ungefähr genau so viel Rundfunkgebühren eingenommen werden wie bisher. Einerseits müssen in Zukunft zum Beispiel auch Leute zahlen, die gar kein Empfangsgerät haben. Andererseits müssen zum Beispiel Wohngemeinschaften nur noch einen gemeinsamen Beitrag zahlen. Eine genaue Prognose, wie die einzelnen Faktoren ausfallen, ist nach Angaben der KEF wegen vieler Unwägbarkeiten und fehlender Daten nicht möglich, aber es könnte ungefähr bei plusminus Null rauskommen.

Das entspräche auch dem Ziel des Gesetzgebers: Die Ministerpräsidenten wollten die Reform des Finanzierungssystems so gestalten, dass sie “aufkommensneutral” ausfällt. Und selbst wenn mehr Geld als geplant hereinkäme, dürften ARD und ZDF es nicht behalten. Es würde mit zukünftigen Gebühren verrechnet.

Das sind Informationen, die so wesentlich für das Verständnis des ganzen Verfahrens ist, dass “Bild” sie lieber nicht erwähnt.

Am 2. Januar schaffte es das Thema bei ihr auf den Titel:

ARD & ZDF Jagd auf 4 Millionen Haushalte. Rasterfahndung, Pfändung, Offenbarungseid So will die 'GEZ' Gebühren eintreiben

Im Text hieß es:

Seit Neujahr ist aus der GEZ der “Beitragsservice” geworden. Das klingt besser – und wird trotzdem schlimmer.

Denn die in Köln sitzende Behörde wird ähnlich unpopulär sein: Mit der seit 1. Januar gültigen “Haushaltsabgabe”, einer “TV-Zwangssteuer”, macht sie im Auftrag von ARD und ZDF ab sofort Jagd auf mindestens 4 Millionen deutsche Haushalte.

Wer […] nicht zahlen will, muss Zwangsmaßnahmen der öffentlich-rechtlichen Sender fürchten. In ihrem Geschäftsbericht 2011 kündigt die “GEZ” an: “Für die Vollstreckung rückständiger Rundfunkgebühren nutzt die GEZ alle zur Verfügung stehenden Vollstreckungsmaßnahmen.” Dazu zählen die Inkasso-Jäger von ARD und ZDF Pfändungen von Forderungen, Sachpfändungen und Anträge auf Abnahme der “Eidesstattlichen Versicherung” (früher Offenbarungseid).

Nur “kündigt” die GEZ das gar nicht “an”, sondern tut es längst, und die entsprechende Formulierung findet sich seit Jahren in ihren Geschäftsberichten. Auch das hat nichts mit dem neuen Rundfunkbeitrag zu tun.

Am 3. Januar triumphierte “Bild”:

Also doch! Die neue TV-“Zwangssteuer” soll vor allem dazu dienen, die Einnahmen von ARD und ZDF zu steigern. Die öffentlich-rechtlichen Sender hatten dies bislang stets bestritten.

In einem BILD vorliegenden Protokoll des NRW-Medienausschusses teilte der ehemalige Chef des ARD/ZDF-Inkassodienstes GEZ, Hans Buchholz, mit, dies sei eine Vorgabe der Politik. Wörtlich sagte er in der Sitzung am 7. April 2011: “Wir haben die Aufforderung, das Beitragsaufkommen um ein Prozent zu steigern. Das ist in den Reformberechnungen der Ministerpräsidenten berücksichtigt.”

Das Protokoll, das “Bild” vorliegt, steht für jeden zugänglich auf den Seiten des nordrhein-westfälischen Landtages. Buchholz’ Äußerungen sind sicherlich missverständlich. Es geht aber auch in diesem Fall nicht um eine Steigerung der Gesamteinnahmen, sondern nur eines Postens — um Mindereinnahmen an anderer Stelle auszugleichen.

Nachdem die ARD der “Bild”-Darstellung widersprach und sie als “grob falsch und irreführend” bezeichnete, fragte “Bild”:

Warum bestreitet die ARD, dass sie jetzt mehr Geld einnimmt?

Sie gab die ARD-Position wieder, dass es vermutlich nicht mehr Geld für die öffentlich-rechtlichen Sender geben werde, und fügte dann hinzu:

Mit dieser Meinung steht die ARD allerdings eher allein auf weiter Front. Der “Stern” geht in seiner aktuellen Ausgabe von Mehreinnahmen von bis zu 1,5 Milliarden Euro pro Jahr aus. Die FAZ schreibt von 800 Mio. Euro. Der FDP-Medienexperte Burkhardt Müller-Sönksen sagt ein Plus zwischen 1,2 und 1,6 Milliarden Euro voraus.

Irgendetwas ist in der Tat grob falsch und irreführend …

Diese Meinung teilt die ARD, wie gesagt, mit dem für genau solche Berechnungen maßgeblichen Gremium, der KEF.

Der “Stern” hat für seine 1,5 Milliarden Euro keine Erklärung oder Quelle. Und der bei der FDP anstelle eines Experten für Medien zuständige Bundestagsabgeordnete Müller-Sönksen hat die Zahl selbst vor zweieinhalb Jahren der “Bild”-Zeitung geschenkt und weigert sich, sie zu erklären. Auf Nachfrage heute von BILDblog wollte er nicht sagen, ob er an dieser Summe festhält oder inzwischen eine neue ausgedacht errechnet hat.

Schwangerschaft, New York Post, Hudekamp

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die kalifornische Ideologie und der deutsche Reflex”
(carta.info, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal beobachtet die Debatte um das Leistungsschutzrecht für Presseverleger: “Kein Vergleich ist den Kritikern inzwischen zu blöd, kein Bild zu schief (Nordkorea, Mullah-Regime), um den ‘anti-kapitalistischen’ Impuls in den guten Deutschen wachzurufen.” Siehe dazu auch “Mathias Döpfner darf in der Zeit Google angreifen” (neunetz.com, Marcel Weiss), “Ebenso dreist wie durchsichtig” (ueberschaubarerelevanz.wordpress.com) und “Ausgewogenheit, wie sie Hubert Burda meint” (stefan-niggemeier.de).

2. “Der Medienhype um Kates Baby”
(ndr.de, Video, 4:48 Minuten)
Medien betonen in ihren Berichten über die Schwangerschaft von Catherine Mountbatten-Windsor, dass sie jetzt Ruhe braucht – und belagern das Krankenhaus, in dem sie sich aufhält. Siehe dazu auch “‘Sie übergibt sich!'” (coffeeandtv.de, Lukas Heinser).

3. “Medien fallen auf geschönte Merkel-Wahl rein”
(meedia.de, Eckhard Stengel)
Wurde Angela Merkel mit 97,94 Prozent der Delegiertenstimmen zur CDU-Vorsitzenden gewählt, wie zum Beispiel die FAZ auf ihrer Titelseite schreibt? “CDU und CSU sind die einzigen Bundestagsparteien, die bei Vorstandswahlen auf allen Parteiebenen die Enthaltungen nicht in die Prozentzahlen einrechnen. Zählt man sie mit, kommt Merkel ‘nur’ auf 96,99 statt auf fast 98 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen.”

4. “Der Tod auf dem Titel”
(faz.net, Fabian Nitschmann)
Ein Foto auf der Titelseite der “New York Post” löst Diskussionen aus. Es zeigt eine einfahrende U-Bahn, die kurz darauf einen Mann überfahren hatte. Siehe dazu auch “‘NY Post’ Photographer: I Was Too Far Away To Reach Man Hit By Train” (npr.org, Mark Memmott, englisch).

5. “Hudekamp – Ein Heimatfilm”
(ndr.de, Video, 64:12 Minuten)
Ein Film über Menschen, die in den Hochhäusern des Lübecker Stadtteils Hudekamp wohnen.

6. “Auf Rückenschmerzen spezialisierter Orthopäde hofft auf Freiwerden der Domain kreuz.net”
(der-postillon.com)

Leistungsschutzrecht, Bauer-Verlag, 2012

6 vor 9

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1. “Wieso wir klüger debattieren müssen”
(ploechinger.tumblr.com)
Stefan Plöchinger, Chefredakteur von Sueddeutsche.de, versucht, Folgen des Leistungsschutzrechts für Presseverleger zu berechnen: “Ohne ins Detail unserer Umsatzzahlen gehen zu wollen, könnte das Verluste im mittleren sechsstelligen Bereich bedeuten.”

2. “Wie geht es mit dem Leistungsschutzrecht weiter?”
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Die Frage sei letztlich, wer wen dringender brauche, schreibt Thomas Stadler: “Google wird es sich ohne weiteres erlauben können, Google-News in Deutschland zu schließen und die Verlage für eine Weile von der Suchmaschine auszusperren. Man wird dann eben die Inhalte von FAZ, SZ, ZEIT, Spiegel, Welt, BILD, Stern u.a. nicht mehr über Google finden können. Einige kleinere Verlage werden schlau genug sein und Google unentgeltliche Nutzungsrechte einräumen. Die Leidtragenden werden die Nutzer sein, denn das geplante Gesetz erschwert die Auffindbarkeit von Inhalten im Netz erheblich.”

3. “Lex Google”
(substanz.davidherzog.ch)
Es wird nun auch in Schweizer Zeitungen ein Leistungsschutzrecht nach deutschem Vorbild gefordert.

4. “Erfolg mit Klatschgeschichten”
(dradio.de, Verena Herb)
Der Bauer Media Group geht es gut. “Im kommenden Jahr will der Hamburger Verlag 2,5 Milliarden Euro umsetzen.”

5. “Von wegen Fischeinwickelpapier”
(welt.de, Marc Reichwein)
Marc Reichwein zu Besuch im Innsbrucker Zeitungsarchiv: “Archiviert wird nicht mehr, aber auch nicht weniger als der weltweite Literaturbetrieb auf der Basis deutschsprachiger Medien.”

6. “Beyond 2012: Why the World Won’t End”
(nasa.gov, englisch)

Golf Time, Frauentausch, Trödel-King

6 vor 9

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1. “Olympia bei ARD und ZDF: Mary Poppins schafft das Fernsehen ab”
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Ein Blick zurück auf die Olympia-Berichterstattung von ARD und ZDF mit Vergleichen zur BBC.

2. “David fragt, McAllister antwortet – DJV übt scharfe Kritik”
(abendblatt.de, Ludger Fertmann)
Die CDU Niedersachsen bietet “allen Anzeigenblättern im Land ein fertiges Wortlaut-Interview kostenlos zur Verfügung” – inklusive Bildern.

3. “Gewinne, Gewinne, Gewinne: Zufalls-Sieger bei der Golf Time”
(der-linksgolfer.de)
Der Linksgolfer befasst sich mit den Teilnehmern einer von “Golf Time” ausgerichteten Reise: “Rechtlich gesehen befindet sich die Golf Time auf sicherem Territorium. Denn auch wenn sie in ihrem Artikel alles tut um es zwischen den Zeilen wirken zu lassen als hätten sie vier Reisen verlost, sprach die Gewinnspielausschreibung nur von einem zu verlosenden Platz – ein wichtiges Detail, das man in der Nachberichterstattung geschickt unter den Tisch fallen ließ um dem Leser zu suggerieren wie sehr sich die Zeitschrift doch um ihr Publikum kümmert.”

4. “Schlag gegen die ‘mediale Hinrichtung'”
(sueddeutsche.de, Anna Bok)
Wie stark darf aufgenommenes Material in Doku-Soaps wie “Frauentausch” bearbeitet werden? Das Landgericht Berlin stellt dazu fest: “Wer in die Anfertigung von Filmaufnahmen für ein Fernsehformat mit Dokumentationscharakter einwilligt, muss mit derartigen nachträglich erfolgenden Bearbeitungen, die nur das Ziel der Verspottung haben, nicht rechnen.”

5. “Anmerkungen zur Diskussion um den ‘Sachsen-Trojaner'”
(flurfunk-dresden.de, owy)
Die Berichterstattung zu den Plänen der Regierung in Sachsen, “Software zur Beobachtung (Monitoring) der Kommunikation in sozialen Netzwerken und der Blogosphäre” bereitzustellen.

6. “WDR-‘Trödelking’ Roland Beuge packt aus – Fake beim Dreh”
(derwesten.de, David Schraven)
David Schraven spricht mit Roland Beuge über die WDR-Doku-Soap “Der Trödel-King”.

Heldengeschichten, Reuters, Kronen Zeitung

6 vor 9

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1. “Justizministerium entschärft Entwurf für Presse-Leistungsschutzrecht”
(heise.de, Stefan Krempl)
Das von Presseverlegern geforderte Leistungsschutzrecht will sich nur noch gegen Suchmaschinen richten, schreibt Stefan Krempl: “Blogger, die auf ihren Seiten Werbung schalten oder Micropayment-Verfahren nutzen, sollen mit dem neuen Entwurf nicht mehr von den Regelungen erfasst werden.” Siehe dazu auch “Nur noch ein Google-Gesetz” (taz.de, Steffen Grimberg) und “Liebes Google, bitte liste die deutschen Verleger aus” (indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer).

2. “Küchen-Affäre: Verfassungsgericht distanziert sich von SZ-Porträt”
(badische-zeitung.de, Christian Rath)
Heribert Prantl schilderte in der “Süddeutschen Zeitung” ein Abendessen im Hause Voßkuhle, dem er nicht selbst beiwohnte. “Gemeinsames Kochen gebe es nur mit engsten Freunden. Wie aber kam Prantl zu seinem schönen Bild? ‘Die Küchenszene ist das Produkt anschaulicher Schilderungen prominenter Teilnehmer’, antwortete er auf Nachfrage per SMS. Und wenn man die Passagen aufmerksam nachliest, stellt man fest: Prantl vermied das Wörtchen ‘ich’ aufs sorgfältigste.”

3. “Auf in den Kampf”
(freitag.de, Andrea Roedig)
Medien erzählen liebend gerne Heldengeschichten: “Sie siedeln genau in der Ambivalenz von Glück und Verdienst. Als publizistisch verabreichte Medizin für ein Bürgertum, das nicht mehr automatisch mit gesellschaftlichem Aufstieg rechnen kann, wollen sie das meritokratische Prinzip aufrechterhalten und gleichzeitig die Ausnahme legitimieren. Sie sollen uns behutsam klarmachen, dass es ohne Anstrengung nichts gibt, aber mit Anstrengung nicht unbedingt etwas.”

4. “Newspaper Uses Photoshop To Make Syria Look Even Worse Somehow”
(gizmodo.com, Brian Barrett, englisch)
Die “Kronen Zeitung” manipuliert den Hintergrund eines Pressefotos der Bildagentur EPA.

5. “Fluoride Lowers Your IQ: B.S. Headline of the Week”
(cracked.com, David Wong, englisch)
Pressemitteilungen, die als News wahrgenommen werden: “Reuters apparently has a section of their news website where instead of publishing news, they publish unedited press releases from whoever writes them, and then anyone else in the world is able to quote the headline and say it’s ‘from Reuters’.”

6. “Heute ist alles schlimmer”
(sueddeutsche.de, Ralf Wiegand)
Die neuen Sat.1-Talksendungen “Ernst-Marcus Thomas” und “Annica Hansen”: “Warum Sat 1 sogar die abgehängteste Unterschicht mit solchem Müll beleidigt, ist leicht zu beantworten: Vorgetextete Sendungen sind berechenbarer, weil ordinäre Sprüche und fliegende Fäuste nicht mühsam provoziert, sondern einfach vom ‘Regisseur’ angeordnet werden.”

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“Bild für alle”: Vorfreude und Respekt

Man kann sich als Laie ja gar nicht vorstellen, was es bedeutet, rund 4.400 Tonnen bedrucktes Papier an einem Tag gleichmäßig auf alle deutschen Haushalte zu verteilen. Genau das muss die Deutsche Post AG am 23. Juni machen, wenn sie für die Axel Springer AG ca. 41 Millionen kostenlose “Bild”-Jubiläumsausgabe ausliefert (BILDblog berichtete).

Neben den logistischen und technischen Herausforderungen scheint es ein weiteres Problem zu geben: Die Stimmung in den eigenen Reihen. Im “Postbotenforum” beklagen sich die eigentlichen Zusteller, die Postboten:

Kommt Leute das ist doch locker zu schaffen.Notfalls fahren wir alle Sontag morgen noch einmal Schwarz und Ohne Versicherungsschutz auf Zustellung damit der arme geknechtete Postvorstand auch ja seine dicken Boni Prämien einsacken kann. […]

Wieso stellt diese Sonderausgabe eigentlich nicht die PIN AG zu, schließlich war der Springer Verlag mal Mehrheitseigner und sollte doch seine Zöglinge unterstützen, aber nein – für solche Massenzustellung dafür ist die “blöde” gelbe Post gut genug. Die Post verdient daran und wir Zusteller gehen, wie meistens, leer aus. Und wenn man den Finger hebt: “Das ist ihr Job” und sie haben ja nicht einmal Unrecht. Wir müssen uns im Zeitalter von E-Mail & Ipods über jeden physikalischen Brief/Sendung freuen. Seufz. […]

Die mit ihrer beschissenen Bildzeitungsverteilung, sollen die doch so Aufsteller platzieren, wo sich jeder der den Schrott wirklich lesen will eine rausnehmen kann, vertig! Mit sonem Zeug muss man doch wirklich keinen Zusteller nerven! […]

Ach so, persönlich wollte ich meine Daten nicht an campact und/oder den Springerverlag weiterleiten. Daher überlege ich noch, ob ich die Dinger in der Nachbarschaft einsammle, ein paar Briefmarken opfere und das Papier zurückschicke (Müll soll vom Erzeuger entsorgt werden) oder nen “KEINE Bild in meinem Kasten”-Schild aufhänge.

Das deckt sich mit den Kommentaren von Post-Angestellten, die wir bei Facebook und per E-Mail erhalten haben.

Die Deutsche Post, die laut “Financial Times Deutschland” mit der Verteilaktion einen “niedrigen einstelligen Millionenbetrag” verdienen dürfte, hat unterdessen alles genau geplant, wie aus einer internen E-Mail an die Mitarbeiter hervorgeht, die uns vorliegt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der heutigen Sonder-Freitagsmail möchte ich Sie über folgendes Thema informieren:

Bild für Alle

Am Samstag, den 23. Juni wird die Deutsche Post für den Axel Springer Verlag eine kostenlose Sonderausgabe der Bild-Zeitung zu deren 60. Jubiläum an sämtliche Haushalte verteilen.

Insgesamt werden fast 41 Millionen Exemplare an diesem einen Tag zugestellt. Damit handelt es sich um das größte Einzelprojekt in der Zustellung, das wir jemals durchgeführt haben. Es ist mit einer besonderen medialen und öffentlichen Aufmerksamkeit zu rechnen.

Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe, habe gleichzeitig aber gehörigen Respekt davor. Ich vertraue auf Ihre Unterstützung mit Rat und Tat und hoffe, auch Sie sehen dem Ganzen mit Vorfreude und Respekt entgegen.

Noch einige Anmerkungen zum Betriebsablauf:

Die unadressierte Bild-Jubiläumsausgabe ist an sämtliche Haushalte zuzustellen. Weil es sich um ein Presseerzeugnis handelt, erhalten auch Werbeverweigerer (Briefkastenaufkleber “Keine Werbung”) ein Exemplar.

Es gibt nur zwei Fälle, in denen nicht zuzustellen ist:

  • Anzeigenblattverweigerer (Briefkastenaufkleber “Keine Anzeigenblätter”, “Keine kostenlosen Zeitungen”, und ähnliches): Diese erhalten kein Exemplar. Im Zweifel ist nicht zuzustellen.
  • “Widersprüchler”: Es gibt einige Personen, die gegenüber dem Axel Springer Verlag einer Zustellung der Bild-Jubiläumsausgabe schriftlich widersprochen haben. Diese Haushalte erhalten taggleich einen adressierten roten Umschlag (Großbrief C4), um sie in der Zustellung erkennen zu können. Überall dort, wo der rote Umschlag zuzustellen ist, darf keine Bild-Jubiläumsausgabe eingeworfen werden.

Die Bild-Jubiläumsausgaben sind jederzeit gesichert aufzubewahren, damit kein Exemplar vor dem 23.06. in die Hände Dritter gelangt.

Ich bin sicher, dass Sie durch eine optimale, umfassende Kommunikation unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Zeitpunkt genau bestens auf diese Aufgabe einstellen. Die notwendigen Materialien und Informationen haben Sie schon bekommen. Bei Öffentlichkeits-, Kunden- oder Presseanfragen verweisen Sie bitte ausschließlich an die Pressesprecher.

Ich zähle auf Ihren besonderen Einsatz, damit wir das Projekt erfolgreich meistern und so einen weiteren eindrucksvollen Nachweis liefern, als Deutsche Post erste Wahl für unsere Kunden zu sein!.

Ihr Feedback ist uns wichtig: Schreiben Sie uns Ihre Kommentare und Hinweise zur Freitagsmail an (…).

Mit freundlichen Grüßen

(…)

Wer an die Pressesprecher verwiesen wird oder sich direkt an sie wendet, sollte sich übrigens keine allzu großen Hoffnungen machen: Der “FTD” gegenüber sagte ein Post-Sprecher, man äußere sich nicht zu Kundenbeziehungen. Das ist immerhin mehr Rückmeldung, als wir bei unseren Kontaktversuchen bekommen haben.

Heute, Angela Merkel, Winde

6 vor 9

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1. “Von Millionenmelonen zum Extremsportrekord: ‘heute’ und die Kuriositäten-Nachklapps”
(faz-community.faz.net, Peer Schader)
Die “emotionaleren, ich sag mal: leichteren Themen” in der ZDF-Nachrichtensendung “Heute”.

2. “Die TV-Götter wanken”
(blog.persoenlich.com, Roger Schawinski)
Roger Schawinski wirft einen Blick auf die bekannten Namen im deutschen Fernsehen: “Es sind zurzeit nicht die Paradiesvögel, die mit ihrer Persönlichkeit die Erfolge holen, sondern es sind die eher braven, fleissigen und pflegeleichten Moderatoren, an denen man sich nicht reibt und die deshalb auch keine bedeutenden positiven oder negativen Emotionen auslösen können. Es sind Leute, die alles wegmoderieren können, was ihnen angeboten wird. Das sind Markus Lanz, Jörg Pilawa, Kai Pflaume, Matthias Opdenhövel oder Günther Jauch. Die einzige Ausnahmeerscheinung ist Stefan Raab, der nicht nur dank seiner Originalität, sondern auch wegen seines totalen körperlichen Einsatzes gross punkten kann.”

3. “Bühne: Medien inszenieren Sarrazin “
(ndr.de, Video, 5:26 Minuten)
Die Medien bieten Thilo Sarrazin eine große Bühne: “Was jetzt in dem Buch drinsteht? Viele Journalisten wissen’s eh nicht. Wichtig ist nur, dass er ein Buch geschrieben hat, dass er es in angemessenem Rahmen präsentiert und dass alle drüber reden, ob man drüber reden darf.”

4. “Merkel: ‘Die mediale Welt hat sich massiv verändert.'”
(youtube.com, Video, 12:49 Minuten)
Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht über den Medienwandel. Ab Minute 10:30: “Ich glaube, die Menschen sind heute extrem allergisch geworden, wenn es um den Eindruck geht, dass man etwas hinter dem Berg hält, dass man etwas nicht transparent macht, dass man Entscheidungsmechanismen nicht darlegt. Und deshalb ist der Transparenzgedanke extrem wichtig.” Siehe dazu auch “Merkel: Es wird kein Leistungsschutzrecht geben (Update 2: doch)” (netzpolitik.org, Markus Beckedahl).

5. “Auch freie Journalisten haften”
(journalist.de, Michael Hirschler)
Freie Journalisten müssen damit rechnen, bei groben Fehlern zu haften und von den Verlagen unter Umständen in Regress genommen zu werden: “Es schützt sie nicht, dass eine Redaktion den Beitrag abgenommen hat.”

6. “Gafa jurnalistica”
(youtube.com, Video, 44 Sekunden)
Eine nicht ganz so gelungene Inszenierung starker Winde (bei Sekunde 10). Siehe dazu auch “Der Bluff eines rumänischen TV-Reporters” (20min.ch, hag).

Drohnen, Zuwanderung, Hundt beißt Mann

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Sie sind Rädchen in der Propagandamaschine”
(faz.net, Friederike Boege)
Friederike Boege schreibt über westliche Journalisten, die in China für die englischsprachigen Dienste der Staatsmedien tätig sind.

2. “Drohnenjournalismus”
(training.dw-world.de, Marcus Bösch)
Marcus Bösch stellt fest, dass sich deutsche Journalisten und Redaktionen sich nicht sonderlich für die Möglichkeit der Berichterstattung mit Drohnen zu interessieren scheinen. “Heute kann jeder für rund 300 Euro einen so genannten Quadrocopter kaufen, den man über ein iPhone steuern kann. So ein Quadrocopter fliegt zwar nur etwa 10 Minuten lang, dafür eingebaut sind zwei Kameras mit Front- und Bodenansicht.”

3. “Studie: Negative Bilder dominieren Berichte über Zuwanderung”
(derstandard.at, Oliver Mark)
Oliver Mark stellt die Dissertation “Zuwanderung – Herausforderung für Österreichs Medien” von Karin Zauner vor. “Die Kommunikationswissenschafterin hat für ihre Studie 40 österreichische Chefredakteure bzw. Geschäftsführer interviewt. (…) Der Kontext, in den das Thema Migration eingebettet ist, wird von den Themen ‘Problem/Konflikt’ (93 Prozent), ‘Kriminalität’ (63 Prozent) und ‘Bedrohung/Angst’ (28 Prozent) dominiert. Positive Beispiele werden zwar für sinnvoll erachtet (80 Prozent), kommen aber im Redaktionsalltag viel zu kurz.”

4. “Lebenslänglich für Wulff”
(berliner-zeitung.de, Matthias Thieme)
Günter Wallraff fordert lebenslängliches Bundespräsidententum für Christian Wulff: “Wenn er die Stromstöße dieser medial inszenierten Hinrichtung politisch überlebt, sollte er das Amt zur Bewährung behalten – aber dann bitte auch lebenslänglich. Damit wäre auch der Steuerzahler entlastet. Man muss das mal durchrechnen. Was zahlen wir den früheren Bundespräsidenten alles? Lebenslänglich Bezüge, Dienstwagen, Fahrer, Büro, Sekretärin. Die Lebenserwartung steigt ja nun auch ständig.”

5. “!@#&^%$!!!!!! (Cellphone halts Mahler’s Ninth mid-movement)”
(thousandfoldecho.com, Amanda Keil, englisch)
Das Klingeln eines Mobiltelefons führt zu einer Unterbrechung eines Konzerts in der Avery Fisher Hall in New York. “Until today I’ve never been to a concert where a cellphone stopped the orchestra in the middle of a piece, but now I can check that awful milestone off the list.”

6. “Von Medien weitgehend ignoriert: Arbeitgeberpräsident Hundt beißt Mann”
(der-postillon.com)
“Augenzeugen zufolge hatte sich Hundt so fest in der Wade des Mannes verbissen, dass es keinem der Anwesenden gelungen sei, die beiden zu trennen. Erst als Hundt mithilfe eines herbeigeholten Gartenschlauches mit kaltem Wasser abgespritzt wurde, ließ er von seinem Opfer ab und rannte jaulend aus dem Veranstaltungssaal.”

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In der traurigen Maschinerie

Der größte Fehler, den Stefan Zielasko gemacht hat, war nicht, an einer Castingshow teilzunehmen und dort auf die Frage, ob er keine musikalische Erfahrung habe, wahrheitsgemäß zu antworten: “Ich hab vor Jahren mal bei einer Castingshow mitgemacht, leider ohne Erfolg.”

Der größte Fehler, den Stefan Zielasko gemacht hat, war auch nicht, an einer Castingshow teilzunehmen, deren Produzenten diesen Satz herausschneiden würden, was zur Folge hatte, dass Zielasko in der Öffentlichkeit als Lügner dastehen würde, der die Zuschauer “verarscht” (BILDblog berichtete).

Der größte Fehler, den Stefan Zielasko gemacht hat und den jeder Mensch machen kann, war dieser:

Für BILD war er gestern nicht zu sprechen.

Wer nicht mit “Bild” spricht, erzürnt ihre Redakteure und muss mit dem Schlimmsten rechnen: Anhaltende negative Berichterstattung in “Bild”.

Und so tritt die Zeitung heute gegen den Mann nach, der im Alltag Lehrer ist und gestern auf der Titelseite zu sehen war:

"Es bricht mir das Herz": Nenas Schummler jammert auf Facebook

“Bild” schreibt:

Gestern reagierte der Lehrer aus Moers (NRW) auf die Lügen-Vorwürfe, schrieb auf seiner Facebook-Seite: “Es ist eine traurige Maschinerie, die gerade in Gang gesetzt wird. Und das auf dem Rücken eines Mannes, der das nicht verdient hat. Es bricht mir das Herz …”

Genau genommen reagierte er mit seinem Post vom Sonntag allerdings weniger auf die “Lügen-Vorwürfe” und mehr auf …

Ach, lesen Sie selbst:

Meine Lieben…es ist traurig aber wahr! Obwohl alles gesagt ist und ihr die Wahrheit kennt, werde ich morgen dick und fett auf der Titelseite der Bildzeitung zusehen sein. Dort werde ich als Lügner deklassiert. Ich möchte Euch da nur drauf vorbereiten. Es ist eine traurige Maschinerie, die gerade in Gang gesetzt wird. Sehr sehr traurig. Und das auf dem Rücken eines Mannes, der das (so denke ich doch) nicht verdient hat. Es bricht mir das Herz…..

Aber gut, wer wird so spitzfindig sein, zwischen allgemeinen “Lügen-Vorwürfen” und der konkreten “Bild” Unterschiede zu sehen?

Also: Wer, außer “Bild”, die sich um ein ganz neues Niveau in Sachen Spitzfindigkeit bemüht?

Ein Pro7-Sprecher erklärte gestern, ein Satz sei aus der Sendung herausgeschnitten worden.

Stefan habe gesagt: “Ich hab vor Jahren mal bei einer Castingshow mitgemacht, leider ohne Erfolg.”

Leider auch nicht ganz die Wahrheit…

Warum dies Antwort “nicht ganz die Wahrheit” sein soll, erklärt “Bild” im ersten Satz des Artikels:

Nach seinem tollen Auftritt bei “The Voice” verschwieg er, dass er schon mal im Finale von “Popstars” stand.

Wir lernen also: Wer vor sieben Jahren im Finale einer Castingshow stand, es aber nicht in die (mittelmäßig erfolgreiche) Gewinnerband geschafft hat, hat durchaus nicht “ohne Erfolg” an dieser Show teilgenommen — zumindest, wenn es “Bild” so in den Kram passt.

Mit Dank an Leo, Steffi und Jürgen L.

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