Im Internet darf es keine rechtsfreien Zonen geben. Gesetzgeber und Regierung auf nationaler wie internationaler Ebene sollten die geistige Wertschöpfung von Urhebern und Werkmittlern besser schützen. Ungenehmigte Nutzung fremden geistigen Eigentums muss verboten bleiben.
Im Internet kommen die Leute ja auf die verrücktesten Ideen. Zum Beispiel gibt es da eine Facebook-Gruppe, in der Menschen Fotos online stellen, auf denen sie wie ihre T-Shirt-Motive auszusehen versuchen.
Oder Bild.de: Die fanden die Idee mit der Facebook-Gruppe so toll, dass sie einen eigenen Artikel darüber schrieben und dazu eine Bildergalerie bauten, für die sie sich bei Facebook bedienten, ohne die Urheber der 15 Fotos um Erlaubnis gefragt zu haben.
Die Gruppenmitglieder waren über dieses Vorgehen nicht gerade begeistert und so rief Lisa Rank, Initiatorin von “How to look like your shirt print”, in der Redaktion von Bild.de an. Der zuständige Mitarbeiter erklärte, er habe sich schon gedacht, “dass da was kommt”. Rank bot ihm an, Gruppenmitglieder um ihre Zustimmung zu bitten, damit Bild.de deren Fotos dann mit Genehmigung verwenden könne. Alle anderen Bilder sollten gelöscht werden. Kurze Zeit später rief Bild.de zurück und erklärte, die Bilder würden online bleiben — mit der beeindruckenden Erklärung, dass ja niemand zu erkennen sei.
Verwendung hier mit freundlicher Genehmigung von Annika K.
Das stimmte zwar (Bild.de hatte sich die Mühe gemacht, Gesichter zu verpixeln, so sie zu sehen waren), hat aber exakt gar keine Auswirkungen auf das Urheberrecht, das weiterhin bei den Urhebern liegt, wie auch die Facebook-FAQ zum geistigen Eigentum klarstellen:
Bleiben das Urheberrecht und andere gesetzliche Rechte an Material, das ich auf Facebook hochlade, in meinem Besitz?
Ja, du behältst das Urheberrecht an deinem Inhalt. Mit dem Hochladen deines Inhalts erteilst du uns eine Lizenz, diesen Inhalt zu nutzen und anzuzeigen.
Am frühen Abend rief ein anderer Redakteur von Bild.de zurück und entschuldigte sich bei Lisa Rank. Er betonte immer wieder, dass sie niemandem etwas Böses gewollt hätten, ihnen die Gruppe nur so gut gefallen habe. Das Angebot, bestimmte Bilder für Bild.de freizugeben, schlug er aus und erklärte, Bild.de werde die Fotos trotz “unklarer Rechtslage” runternehmen.
Es dauerte zwar noch einige Stunden, aber gegen Mitternacht war der ganze Artikel schließlich verschwunden.
Zu den inoffiziellen Einstellungsvoraussetzungen bei “Bild” und Bild.de gehört eine ausgeprägte Ironieblindheit — also die Fähigkeit, das eigene Tun nicht mit dem, was man an anderen kritisiert, in Verbindung zu setzen. Anders könnten klassische “Bild”-Schlagzeilen im Stil von: “Diese schlimmen Fotos wollen wir nie wieder sehen” gar nicht entstehen.
Ach, Verzeihung: Das wissen Sie ja schon. Aber es stimmt ja auch weiterhin.
Es ist etwas passiert, was so “geschmacklos” ist, dass Bild.de das Wort gleich drei Mal in Überschrift und Artikel gebraucht. Darüber hinaus war es
Geschmacklos, menschenverachtend, schockierend: Drei Worte die das Treiben von Manolo Lama treffend beschreiben.
Manolo Lama ist ein spanischer TV-Reporter, der diese Woche in Hamburg war, um vom Finale der Europa League zwischen Atlético Madrid und FC Fulham zu berichten. In der Hamburger Innenstadt hatte er sich mit einigen spanischen Fußballfans um einen Obdachlosen geschart und diesem Geld in seinen Hut seine Schale geworfen.
Jedoch:
Doch dann ging’s los: Begleitet von höhnischen Kommentaren des Reporters trieben es die Fans immer doller – es folgten Schals, ein Handy, sogar eine Kreditkarte landen im Hut des Obdachlosen. Dessen Freude währte nicht lange – betroffen und verwirrt musste er mit ansehen wie die Spenden schnell wieder in den Händen ihrer Besitzer landeten.
Hört sich schlimm an, nicht wahr? Womöglich hat Bild.de mit “geschmacklos, menschenverachtend, schockierend” also noch nicht mal übertrieben.
Das … äh … Schöne ist: Als Leser von Bild.de muss man sich nicht blinde auf das Urteil der Redakteure verlassen und kann sich im Videoplayer sein eigenes Urteil bilden. Und je nach Veranlagung die “geschmacklose” “Demütigung” so oft wiederholen, wie man mag:
Mit Dank an Lukas K.
Nachtrag, 14.30 Uhr: Auch sueddeutsche.de zeigt die “unfassbare Entgleisung” als eingeklinktes YouTube-Video. Da kann man dann auch sehen, dass der Obdachlose – anders als von Bild.de und uns beschrieben – keinen “Hut” vor sich hat, sondern eine Metallschale.
Es ist längst ein geflügeltes Wort, dass ja “wenigstens der Sportteil” von “Bild” gut sei. Von dieser Arbeitshypothese ausgehend muss heute der Wurm dort sein, wo sonst der Teufel steckt: im Detail.
So eröffnet “Bild” die Berichterstattung über den vorläufigen WM-Kader der deutschen Fußballnationalmannschaft heute mit den Worten:
Jogi Löw hat es selbst gesagt: “Vor uns liegen acht lange Wochen, 50 Trainingseinheiten – und hoffentlich sieben Spiele.” Sieben Spiele in Südafrika, das würde bedeuten: Wir kommen ins Finale!
Ja — oder halt ins Spiel um Platz 3, das für seine Teilnehmer genauso das siebte Turnierspiel wäre.
Heute Mittag behauptete Bild.de dann über Borussia Dortmund:
Der BVB spielt in der kommenden Saison erstmals seit 2005 wieder international (damals gab’s das bittere Drittrunden-Aus im UI-Cup).
Nö. In der Saison 2008/09 spielte Borussia Dortmund im damals noch so genannten Uefa-Cup, für den sich der BVB als Finalist des DFB-Pokals qualifiziert hatte, und schied in der Vorrunde im Elfmeterschießen gegen Udinese Calcio aus.
“Wir haben ein wirklich gutes Gefühl, mit diesem Kader zum Turnier zu fahren”, sagte Löw und sprach optimistisch “von acht Wochen Gemeinsamkeit, 50 anspruchsvolle Trainingseinheiten und hoffentlich sieben hochbrisanten Spielen”. Das würde bedeuten: Endspiel.
Sie wollten schon immer einmal gegen ein fremdes Volk aufwiegeln, wissen aber nicht, wie’s geht? BILDblog präsentiert seinen Lesern den ultimativen Leitfaden in 13 Schritten und veranschaulicht diese anhand einiger ausgesuchter “Bild”-Artikel über den drohenden griechischen Staatsbankrott.
Zunächst gilt es, sich mit den Grundregeln vertraut zu machen. Diese gehören bei jedem Artikel über Griechenland zum Standardrepertoire und werden bereits seit fast zwei Monaten fleißig angewandt (BILDblog berichtete):
1.
Werfen Sie Schamgefühl und Respekt über Bord. Sie müssen niederste Ressentiments bedienen. Die Quintessenz all dessen, was Sie schreiben, muss lauten: Griechen sind uns Deutschen unterlegen, sie sind faul und sie wollen an unser Geld.
2.
Bilden Sie abwertende Begrifflichkeiten wie “Pleite-Griechen”, “Pleite-Premier” oder “Griechenland-Wut”.
3.
Erwecken Sie immer den Eindruck, die Meinung von “Bild” würde die aller Deutschen widerspiegeln. Verwenden Sie zu diesem Zweck möglichst häufig die Begriffe “wir”, “Deutschland”, “wir Deutsche”. Lassen Sie gleichzeitig keinen Zweifel daran, dass einzelne Griechen auch immer alle Griechen repräsentieren.
4.
Lassen Sie ausschließlichGegner von Staatshilfen zu Wort kommen, selbst wenn es ernst zu nehmende Experten gibt, die die Bereitstellung von Krediten für Griechenland für unumgänglich halten.
5.
Setzen Sie unter alle Artikel zur Griechenlandkrise Umfragen, bei denen aufgrund des antigriechischen Tenors des Artikels ein antigriechisches Ergebnis zu erwarten ist. Beziehen Sie sich in späteren Artikeln auf dieses Ergebnis. Ungefähr so: “Wutwelle im Internet gegen Griechenland” (…) “Das Verhalten der Griechen provoziert, die Deutschen sind sauer. 86 Prozent der BILD.de-Leser sagen: Die EU soll Griechenland gar nicht helfen, denn sie sind für ihre Staatsfinanzen selbst verantwortlich.” Unterstreichen Sie dies mit wütenden Zitaten einzelner Bild.de-Kommentatoren.
Haben Sie das verinnerlicht? Dann kann das eigentliche Hetzen beginnen. Achten Sie dabei auf die hohe Schlagzahl: Sämtliche Beispiele stammen aus den letzten drei Tagen.
6.
Schreiben Sie so, als hätte Deutschland bereits Geld an Griechenland bezahlt: “Griechen-Pleite immer schlimmer – Wieviel Kohle sollen wir noch ins Land stecken?” (26.4.2010). Stellen Sie dabei bedeutungsschwangere Fragen wie “Was verschweigen die Griechen uns noch?” oder “Griechen raus aus dem Euro?” und lassen Sie keine Zweifel daran, dass Deutschland sein Geld nie wieder sieht: “Klar ist nur, zahlen wird das auch der deutsche Steuerzahler”
Werfen Sie dem griechischen Ministerpräsidenten den Ort vor, an dem er andere Länder um Hilfe anruft: “Papandreou auf Kastelorozio – Schuldenhilferuf vor Traum-Kulisse” (27.4.2010). Ziehen Sie ihn dabei unbedingt ins Lächerliche: “Griechenland kurz vor dem Bankrott – und der Regierungschef tingelt über fast verlassene, weit entfernte Inseln!”
Erscheinen Sie persönlich vor Ort und betreiben Sie peinliche und beleidigende Symbolpolitik, deren einzig mögliche Übersetzung vom Deutschen ins Griechische “Griechen raus aus dem Euro!” bedeutet. “Tschüs, Euro! – Bild gibt den Pleitegriechen die Drachmen zurück” (27.4.2010):
Das fast bankrotte Griechenland soll raus aus dem Euro, fordern Experten und Politiker. BILD macht schon mal ernst, gibt den Griechen ihre alte Drachme (von 1831 bis 2001) zurück. Und das Irre: Viele jubeln und reißen sich darum…
11.
Zeigen Sie noch einmal, dass die Griechen aus Ihrer Sicht nichts aus ihrer Misere gelernt haben: “Die Griechen – Sparen? Wieso? Sie streiken lieber!” (27.4.2010). Betonen Sie diesen Umstand mehrfach, damit es auch der letzte kapiert: “Die Griechen wollen und wollen einfach nicht sparen…!” (…) “Haben die Griechen denn gar nichts kapiert?” (…) “Dreister geht’s nicht”
12.
Vergessen Sie nicht, Ihre Kampagne von Zeit zu Zeit mit Kommentaren, in denen Griechenland als nicht vertrauenswürdig eingestuft wird, zu unterstützen: “Einar Koch: Wer soll den Griechen noch glauben?” (27.4.2010)
Athen – nichts geht mehr! (…) WEIL GRIECHENLAND (mal wieder) STREIKT… (…) Doch die Griechen haben den Ernst der Lage offenbar immer noch nicht begriffen! (…) BILD sprach mit den Demonstranten, fragte: Habt ihr aus der Krise nichts gelernt? Viele sind sauer auf die Deutschen, blaffen den BILD-Reporter an. Einer droht mit der Faust, brüllt: “Verschwindet hier!” Ein anderer: “Ihr Deutschen wollt uns doch am Abgrund sehen…” Michalis P. (38), Busfahrer: “Ich kann nicht verstehen, dass sich die Deutschen über uns aufregen. Wir verdienen doch schon jetzt viel weniger als sie.” Tassos Kammas (35), Anwalt: “Deutschland muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass die Krise nur in Griechenland ist. Dass viele Griechen jetzt streiken, ist doch völlig normal.”
Viel Erfolg! Ihre Leser werden die bemitleidenswerten Opfer Ihrer Kampagne hassen.
Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].
1. “FR zieht Artikel gegen Klimarat zurück” (wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge, Stefan Rahmstorf)
Die “Frankfurter Rundschau” zieht einen Artikel vom Februar mit Vorwürfen gegen den Weltklimarat zurück. “Zahlreiche andere Zeitungen innerhalb und außerhalb Deutschlands haben die falschen Vorwürfe gegen das IPCC ungeprüft nachgedruckt, die das Gespann North/Leake in die Welt gesetzt hat.” Siehe dazu auch die Übersicht über die angeblichen und echten IPCC-Fehler.
2. “Missbrauch light” (fernsehkritik.tv/blog)
Der Fernsehkritiker stört sich daran, dass das ZDF für den Kinderkanal “derzeit fünf Mädchen zwischen zwölf und vierzehn Jahren für eine Dokusoap namens ‘Die Mädchen-WG'” sucht. “Was wäre eigentlich, wenn ein Sender wie RTL ‘Die Mädchen-WG’ produzieren würde? Sofort wären doch alle Jugendschützer und Politiker (zu Recht) auf den Barrikaden.”
3. Interview mit Sheri Fink (derstandard.at, Michael Kremmel)
“Sheri Fink arbeitet als Journalistin unter Bedingungen, die sich für die allermeisten Journalisten wie Erzählungen aus einer fernen Welt anhören: Weder Geld noch Zeitmangel bei der Recherche, 140 Gesprächspartner und rund ein Dutzend Personen, die aktiv an der Entstehung eines Artikels beteiligt sind. Zwei alleine dafür, damit alle Fakten noch einmal überprüft werden.”
4. “‘Cicero’ wehrt sich gegen ‘Linksruck’-Vorwurf” (tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
Alexander Görlach von “The European” unterschreibt eine Unterlassungserklärung, “die ‘Cicero’-Chefredakteur Michael Naumann von ihm gefordert hatte”. Görlach dazu: “Wir möchten nicht in einen kostspieligen Prozess und langwierigen Rechtsstreit verwickelt werden. Aus all diesen Gründen haben wir uns entschieden, das Geld lieber in unser Magazin zu investieren. Andernfalls wäre dieses Geld an Anwälte und Gerichte zu zahlen.”
5. “Wieviele Fehler passen in eine Titelgeschichte von ‘Heute’?” (kobuk.at, André Pascal Horvath)
Nicht der Staat, sondern die Wirtschaft zahlt die Gehälter, schreibt André Pascal Horvath zur “Heute”-Schlagzeile “Staat zahlt Häftlingen 10 Millionen € Gehalt!”.
Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].
1. “Eine Doppelpressekonferenz namens Fernsehduell” (faz.net, Reiner Burger)
Reiner Burger hat sich das “Duell” (wdr.de, Video, 66 Minuten) zur anstehenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen angesehen. “Über weite Strecken war ‘Das Duell’ eher eine Doppel-Pressekonferenz mit ausgestanzten Versatzstücken aus unzähligen Wahlkampfauftritten und den Parteiprogrammen der beiden Kontrahenten, die merkwürdigerweise nebeneinander standen in der Weite der Kölner Vulkanhalle.”
2. “ARD Griechenland-Brennpunkt: ‘Sensationell schlecht’ geht weiter” (carta.info, Robin Meyer-Lucht)
Robin Meyer-Lucht beschäftigt sich kritisch mit dem Brennpunkt “Ruiniert Griechenland Europa?” (tagesschau.de, Video, 9:35 Minuten). “Im Ergebnis ist dieser ARD-Brennpunkt sehr nah dran an der offiziellen Interpretationsmaschinerie der Bundesregierung. Er findet keinen eigenen Standpunkt, er leistet keinen eigenen Aufklärungs- und Orientierungsbeitrag, sondern er gibt Wolfgang Schäuble eine Bühne für seine beschwichtigenden Botschaften.”
3. “Danke für die Spende, Leser!” (spiegel.de, Frank Patalong)
Frank Patalong fragt in einem ausführlichen Artikel: “Ist Mäzenatentum durch große und kleine Spender ein Weg, Medien zu retten?”
4. Interview mit Daniel Schmitt (dctp.tv, Video, 36 Minuten)
Daniel Schmitt ist eine der wenigen öffentlichen Figuren von Wikileaks. Am Rande der re:publica gibt er Auskunft über die Plattform, die Dokumente öffentlich macht.
5. “Leben zwischen Eiben” (taz.de, Gabriele Goettle)
Gabriele Goettle besucht Juergen Jonas, der zwischen den Villen von Berlin-Dahlem im Freien lebt. “Und wie gesagt, Geld interessiert mich überhaupt nicht. Kein Geld, keine Geldsorgen. Geld ist was, womit der meiste Unsinn überhaupt getrieben wird. Arbeit interessiert mich auch nicht. Ich biete keine Leistungen und nehme auch keine in Anspruch. (…) Ich esse Brot, das man nicht mehr haben will. Vom Chinesen bekomme ich ab und zu Reis geschenkt, oder ich besorge mir was, aus der Ökotonne am Supermarkt vorne. Ich esse die abgelaufenen Sachen, und mir ist längst nicht jedes Mal schlecht geworden danach.”
6. “Liebe Online-Presse.” (opalkatze.wordpress.com)
30 womöglich nicht ganz ernst gemeinte Tipps für Zeitungen online. Tipp 6: “Klickstrecken bauen, je länger, je lieber, das vermittelt dem Leser das heimelige Gefühl des Umblätterns.”
Auf sueddeutsche.de steht seit gestern ein sehr lesenswerter Artikel über Faktenprüfer (den wir auch schon bei “6vor9” verlinkt haben).
Wie wichtig dieser Beruf des Faktenprüfers bei journalistischen Erzeugnissen ist, zeigt sueddeutsche.de der Einfachheit halber gleich in dem Artikel selbst:
Nicht alle Katastrophen, Unglücksfälle und Verbrechen finden vor laufenden TV-Kameras statt wie die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001. Genau genommen ist es eine extreme Seltenheit, dass es überhaupt Bilder von so einem Ereignis gibt: Meistens sind die Kameras ja erst hinterher vor Ort — und kommen dann nicht mal nah genug ran, weil sich Polizisten oder andere Spielverderber in den Weg stellen.
“Bild” löst dieses Problem der nicht vorhandenen Bilder seit einiger Zeit kreativ und lässt Katastrophen, Unglücksfälle und Verbrechen von Grafikern nachempfinden. Der Amoklauf von Winnenden (dessen “unangemessen sensationelle Darstellung” gegen den Pressekodex verstieß), der Absturz einer Air-France-Maschine, ein verhungertes Kleinkind — es scheint, dass sich die “Bild”-Zeichner alles vorstellen können, was man gemeinhin als “unvorstellbar” bezeichnet, um ihre oftmals blutigen Visionen dann dem Leser am Frühstückstisch aufzudrängen.
Als nun am Wochenende ein Insasse der Justizvollzugsanstalt Remscheid seine Lebensgefährtin tötete, war das für “Bild” besonders blöd: Die Tat fand in einem (von anderen Medien als “Liebeszelle”, von “Bild” als “Sex-Zelle” bezeichneten) Langzeit-Besuchsraum statt, “ohne jede Kontrolle”, wie “Bild” selbst bemerkt.
Vom Täter lag der Zeitung nur ein unscharfes Foto von 1991 vor und Außenaufnahmen der JVA Remscheid gibt es schon überall sonst zu sehen.
Beeindruckend, wie die Zeichnerin nicht nur die (notdürftige) Bekleidung von Täter und Opfer nachempfunden hat, sondern vor allem, wie detailliert sie die “Sex-Zelle” in der JVA Remscheid eingerichtet hat.
Oder auch eben nicht, denn den Raum hatte Bild.de schon gestern gezeigt. Da allerdings noch mit einer erläuternden Bildunterschrift:
Nachtrag, 14. April: Noch einen Schritt weiter ging der Schweizer “Blick am Abend”, der die Gelderner Zelle in seiner gestrigen Ausgabe kurzerhand zum Tatort erklärte:
Dieses Internet. Tummelplatz von Irren und Kranken:
Ihr Unschulds-Image törnt Perverslinge an: Auf der Website von Oslo-Star Lena Meyer-Landrut (18) hinterließen einige User primitive Beleidigungen. Es wurden sogar Nacktaufnahmen ihrer Füße gefordert. Fans sind entsetzt.
Nun sind es ja meist ganz andere Körperteile, die unbekleidet auf Fotos bei Bild.de zu sehen sind, aber für das Internetportal war hier eine (bisher ungeahnte) Grenze erreicht:
“Bewege dich wie eine Schlampe”, forderte bspw. ein User namens “Kami”. Außerdem wurden noch viel obszönere Dinge dort veröffentlicht, die an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden können.
Aber das war am vergangenen Mittwoch. Gestern versagten offenbar die kalten Duschen in der Bild.de-Redaktion ihren Dienst und dann passierte das hier:
Der Beitrag ist bebildert mit einem unvorteilhaft zu nennenden Foto, auf dem Lena Meyer-Landrut beim Jubeln das Kleid ein wenig hochgerutscht ist, weswegen ihr bestrumpfhostes Gesäß zu erahnen ist. (Ein Foto, das ironischerweise schon die Bildergalerie zum Perverslingseintrag zierte.)
Oder wie Bild.de es formuliert:
Dabei ist ihr Röckchen gerne mal so kurz, dass es uns einen süßen Einblick auf ihre sexy Hinterseite ermöglicht…
Bleibt die Frage: Wie kurz wird Lenas Rock in Oslo sein?
Und damit diese Frage nicht unbeantwortet bleibt, können die Leser gleich abstimmen: