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Bei uns kommt das Geld aus der Bank

Gutes Thema eigentlich, mit dem die “Bild”-Zeitung heute aufmacht (siehe Ausriss). Wer kommt schon mit seinem Geld aus? Wer überzieht nicht ab und zu sein Konto? So wie die 14 Kontoinhaber, die “Bild” unter der Überschrift “Unser Geld reicht nie für einen Monat” präsentiert und deren Geld mehrheitlich für einen Monat zu reichen scheint. Laut Schuldenreport 2006 sind sogar 3,1 Millionen Haushalte in Deutschland überschuldet. Und auch das steht so in “Bild”:

Immer mehr Deutsche kommen mit ihrem Geld nicht aus! Laut Schuldenreport 2006 sind schon 3,1 Millionen Haushalte überschuldet. Seit 1999 hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt.

Als “wichtige Gründe” dafür nennt “Bild” “Sinkende Einkommen”, “Steigende Lebenshaltungskosten”, “Explodierende Energiekosten”, “Steigende Abgaben und Gebühren” und “Angst um den Arbeitsplatz” (?).

Und mal abgesehen davon, dass die 14 Kontoinhaber mit dem wichtigen Thema Überschuldung nichts zu tun haben und sich die Zahl der überschuldeten Haushalte nicht “seit 1999”, sondern zwischen 1993 und 2002 mehr als verdoppelt hat, ist auch in der Pressemitteilung zum Schuldenreport 2006, der im Februar veröffentlicht wurde, die Rede davon, dass “bereits kleine ‘Störungen’ wie etwa die Reparatur der Waschmaschine oder steigende Energiepreise den finanziellen Kollaps auslösen können”. Allerdings geht es den Herausgebern des Reports (Caritas, Diakonie, Rotes Kreuz und Bundesverband der Verbraucherzentralen, VZBV) noch um etwas anderes. In der Pressemitteilung heißt es über überschuldungsgefährdete Haushalte:

Diese Haushalte stehen auf der Kante — leichtfertige Kreditvergabe und die diskriminierenden Scoring-Praktiken der Banken können hier leicht den Anstoß zur Überschuldung geben.

Deshalb fordern die Verbände u.a. einen “Ausbau der Schuldnerberatung”, “die gesetzliche Verankerung des Rechts auf ein Girokonto auf Guthabenbasis” und “die Verankerung der Pflicht zu einer verantwortlichen Kreditvergabe in der EU-Verbraucherkreditrichtlinie”.

In “Bild” steht davon nichts. Stattdessen beantwortet “Bild” unterhalb der bereits erwähnten Überschrift “Unser Geld reicht nie für einen Monat” die Frage:

Beim Diakonischen Werk findet man das abwegig. Ein Sprecher sagte uns:

Der Dispo sollte eigentlich nur als Überbrückung dienen. Wir wären ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir zur Erhöhung des Dispos raten würden, obwohl das Geld ohnehin schon nicht ausreicht.

So geht das also: Statt ein wichtiges Thema, das jeden angeht, in seiner gesellschaftspolitischen Brisanz sachkundig zu erörtern, gibt “Bild” lieber einen blöden Tipp.

Jetzt XIII

Schon mit einfachen technischen Mitteln ließe sich die journalistische Qualität von Bild.de erhöhen. Jedesmal, wenn ein Mitarbeiter das Wort “jetzt” ins Redaktionssystem eingibt, müsste ein Warnton erklingen. Und jedesmal, wenn einer das Wort “enthüllt” eintippt, müsste eine Warnlampe angehen. Dann hätte es bei dieser Zeile heute schon mächtig geblinkt und gehupt:

Nach 37 Jahren jetzt enthüllt

Und das wäre ein guter Anlass gewesen, kurz nachzuprüfen, ob das wirklich “jetzt” “enthüllt” wurde, was Bild.de da schreibt:

Schreibstift rettete Apollo-Astronauten

Gut, das steht zwar anlässlich einer TV-Dokumentation ähnlich auch in der britischen Boulevardzeitung “Daily Mirror”. Aber schon ein Blick ins Archiv der “Bild”-Zeitung hätte die Behauptung widerlegt: Dort stand die erstaunliche Geschichte von dem Stift, mit dem die Mondlandefähre der Apollo-11-Mission repariert wurde, schon vor fünf Jahren — unter Verweis auf einen Artikel in der Zeitschrift “P.M.”, die um die Stift-Geschichte allerdings gar nicht viel Wind machte.

Warum auch. Schon 1999 hatte sich das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum die Sache von Apollo-11-Raumfahrer Buzz Aldrin direkt erklären lassen (pdf). Und 1998 hatte Aldrin in einem Interview von Studenten darüber berichtet. Und laut Nasa steht die Episode, wie ein Stift die Apollo-11-Mission rettete, schon in Aldrins Buch “Men From Earth”, das er vor ziemlich genau 17 Jahren veröffentlichte.

Ach ja, und anders als Bild.de schreibt, landete Michael Collins nie mit Aldrin und Armstrong auf dem Mond, sondern blieb brav an Bord der Raumkapsel.

Danke an Steffen F. und Daniel S. für den Hinweis!

Nachtrag, 17.30 Uhr. Die Nachrichtenagentur AFP ist offenbar der Urheber der Geschichte — sie verbreitet sie unter der nicht ganz falschen, aber schwer irreführenden Überschrift “Astronaut berichtet nach 37 Jahren über Missgeschick”. Und außer Bild.de hat auch Spiegel Online die Agenturmeldung offenbar ohne jede Recherche zugespitzt: “Makaber und 37 Jahre lang geheim gehalten ist die Geschichte der ersten Rückkehrer vom Mond”, heißt es dort.

Nachtrag, 25.7.2006: Spiegel Online hat die Meldung inzwischen korrigiert und ergänzt.

Bild.de hingegen bleibt bislang bei seiner Darstellung.

Müll auf Seite 1

Auf Seite 1 der “Bild”-Zeitung ist heute zu lesen:

Es geht um das Ende der Mülltrennung in Deutschland. Denn, so “Bild”:

Das Umweltbundesamt prüft derzeit eine neue Ein-Tonnen-Lösung (Name: “GiG”, Kurzform für “Gelb in Grau”).

Und sachkundig kommentiert wird diese Nachricht auch noch — vom “Bild”-Kommentator Willi Schmidt:

Der Gelbe Sack wird wieder gefaltet, er war nur ein Windbeutel.

Seit 13 Jahren wird getrennt, nun soll es enden. Warum erfahren wir erst jetzt die Wahrheit? Braucht man wirklich so lange, um einen Fehler im Recycling-System zu bekennen?

Das Umweltbundesamt (UBA) hält die “Bild”-Berichterstattung für “irreführend”. Artikel und Kommentar “verkürzen zudem grob”, heißt es in einer Pressemitteilung. Dort steht auch, dass es tatsächlich Untersuchungen gebe, die Mülltrennung in Deutschland zu vereinfachen und zu modernisieren — allerdings nicht, wie “Bild” behauptet, “derzeit”:

Bereits seit mehreren Jahren testen verschiedene Abfall-Entsorger Anlagen, die die Abfälle aus Haushalten vollautomatisch nach Wertstoffen wie Kunststoff, Glas, Metall oder Papier trennen. Solche Test-Anlagen stehen unter anderem in Essen und Trier. In den Medien wurde in den vergangenen Jahren bereits mehrfach über diese Anlagen berichtet.

In einem Sachstandbericht des UBA wird zudem nachdrücklich festgehalten, dass es “derzeit” keine Alternative zur Praxis der getrennten Sammlung gebe. Der Bericht stammt aus dem Jahr 2004. Und UBA-Sprecher Martin Ittershagen sagt uns, daran habe sich bis heute nichts geändert. Ebensowenig übrigens wie an der von “Bild” zitierten Meinung der FDP-Frau Birgit Homburger. Deren O-Ton steht — quasi wortgleich — nicht nur in der “Rheinischen Post” von heute, sondern beispielsweise auch im “Berliner Kurier” vom März 2004 bzw. einer FDP-Pressemitteilung von damals oder einem FDP-Antrag vom Dezember 2003.

Der UBA-Sprecher nennt die “Bild”-Meldung übrigens “kalter Kaffee” und sähe sie am liebsten mit einer “gelben Sommerlochente” bebildert. Soll er haben.

Allgemein  

“Bild” benutzt echte Forscher für falsche Story

“Macht es der Mars so heiß?” fragt “Bild” heute groß auf Seite 1 (siehe Ausriss) und wartet mit der hanebüchenen These auf, die gegenwärtigen Sommertemperaturen könnten damit zusammenhängen, “daß sich der Mars dieses Jahr so weit von der Erde entfernt wie nie”. Angeblich stehen “Forscher vor einem Rätsel” und “diskutieren jetzt eine verblüffende These: Ist der Mars Schuld an der Hitze?”

“Es ist, als wäre der Erde die Klimaanlage weggenommen worden”, behauptet “Bild”-Redakteur Attila Albert und zitiert, wie zum Beweis, drei Wissenschaftler:

Uns gegenüber betont Christian-Dietrich Schönwiese allerdings, er habe “Bild” ein kurzes Telefoninterview gegeben und “dabei gesagt, dass die gegenwärtige Hitzewelle nichts, aber auch gar nichts mit dem Mars oder anderen Planeten zu tun habe”.

Und Gerhard Neukum erklärt uns, er habe die “Bild”-Frage, ob die Planeten, insbesondere Mars, Einfluss auf das irdische Wetter hätten, “klar verneint”.

Bleibt Ulrich Köhler. Er wird in “Bild”, wie er uns sagt, “korrekt” mit dem Satz zitiert, die Oberflächen-Temperatur des Mars betrage “–60 bis –80 Grad, an den Polen sogar bis –140 Grad”. Allerdings, so fügt Köhler hinzu, sei im Gespräch mit “Bild” die Frage nach der Marswirkung aufs Erdwetter “gar nicht Gesprächsgegenstand gewesen”. Hätte “Bild” ihn danach gefragt, hätte er geantwortet:

“Das ist absoluter Quatsch.”

Gedankt sei auch den vielen, vielen Hinweisgebern für ihre Mühe.

Symbolfoto XLII

Im Neckar ist offenbar eine Schlange entdeckt worden. Die Polizei sagt dazu: “Die Gefährlichkeit für Menschen ist doch als sehr gering einzuschätzen. Mäuse, Ratten und Frösche sind für das Reptil die Objekte der Begierde.” Und manche Medien haben das auch so aufgeschrieben oder, wie die “Stuttgarter Zeitung”, sogar noch einen Schlangenexperten befragt und zitiert: “Pythons sind ungefährlich”.

“Bild” nicht. In “Bild” heißt das Tier “gefährliche Würgeschlange” und die Überschrift: “Python-Alarm im Neckar” (siehe Ausriss).

Nun ja. Illustriert wird der “Bild”-Artikel derweil mit einem großen Symbolfoto, auf dem laut “Bild” “ein angriffslustiger Python“, eigentlich aber (unschwer zu erkennen an den rotbraunen, gelb geränderten, rautenförmigen Sattelflecken mit hellem Zentrum) eine Boa constrictor zu sehen ist.

Mit Dank an Manuel N. für den Hinweis und einen Schlangenfreund für den Scan.

Post für Streiter!

Georg Streiter, bisher nur Leiter des Politik-Ressorts, ist nun auch für die neue Korrekturspalte bei “Bild” zuständig. Er hat eine zusätzliche, entsprechend lautende E-Mail-Adresse bekommen und seine Redaktionskollegen in einer internen E-Mail aufgefordert, ihm “künftig alles, was in BILD falsch und deshalb korrekturbedürftig ist, ausschließlich an diese Adresse zuzumailen”:

Und noch mal: Es ist dabei völlig egal, wo der Fehler steht, Hauptsache in BILD (und nicht bild.de!). Also bitte auch übers eigene Ressort hinausschauen. Falsches Alter, falscher Name, falscher Ort, falsch gerechnet, falsches Foto — alles gilt.

Das Demonstrationsrecht in Theorie und Praxis

Georg Streiter, der Politikchef der “Bild”-Zeitung, findet es falsch, dass es Politiker in Mecklenburg-Vorpommern gibt, die den amerikanischen Präsidenten Bush nicht treffen wollten oder sogar gegen ihn demonstrierten. In einem “Bild”-Kommentar kritisierte er “diese Herrschaften” gestern dafür, und das ist soweit noch nicht bemerkenswert.

Bemerkenswert ist seine Argumentation. Streiter schreibt:

Diese Leute durften noch vor 16 Jahren ihren Mund nur aufmachen, wenn sie für das SED-Regime waren.

Demonstrationen gab es nur, wenn die Regierung ihre eigenen Fahnen schwenkte.

Das können diese Herrschaften nicht vergessen haben. Sie können auch nicht vergessen haben, daß sie ihre Freiheit nicht zuletzt den Amerikanern zu verdanken haben.

Aber sie haben einfach nichts dazugelernt!

Es ist nicht leicht, aber vielleicht lohnt sich der Versuch, die Logik dieses Kommentars nachzuvollziehen. Was wirft Streiter den Politikern vor: Dass sie von dem Demonstrationsrecht, das sie früher nicht hatten, heute einfach Gebrauch machen? Dass sie die Freiheit, die sie früher nicht hatten, heute einfach ausleben?

Und was genau meint Streiter, wenn er schreibt, die ostdeutschen Politiker hätten “nichts dazugelernt”? Meint er, dass die DDR-Bürger dumm waren? Und warum sind sie seiner Meinung nach immer noch dumm? Weil sie demonstrieren? Weil sie den amerikanischen Präsidenten nicht treffen wollen? Weil sie glauben, dass zu ihrer neu gewonnenen Freiheit, selbst wenn sie sie von den Amerikanern bekommen haben sollten, auch das Recht gehört, sie gegenüber genau diesen Amerikanern anzuwenden? Weil sie ein anderes Demokratieverständnis haben als die “Bild”-Zeitung, die am Freitag offenbar glaubte, es sei als Zeichen der Verbundenheit mit den USA angemessen, über die Proteste gegen Bush gar nicht zu berichten und wider besseres Wissen zu behaupten: “Deutschland fliegt auf die Bushs”?

Streiters Argumentation steht in einer langen Tradition. Interessant ist es, in diesem Zusammenhang die Arbeit von Gudrun Kruip über das Weltbild des Axel-Springer-Verlages zu lesen. Darin schreibt sie über die Studentenproteste Ende der 60er Jahre:

Nur dank des Schutzes der USA könnten die Studenten [nach Ansicht des Springer-Verlages] überhaupt für ihre Ansichten demonstrieren, denn in sozialistischen Staaten würden derartige Meinungsäußerungen mit brutaler Gewalt unterdrückt. Es sei daher geradezu unhöflich, diese Rechte ausgerechnet gegen den Garanten dieser Rechte auszuspielen. (…) Demonstrationen wurden [von Springer] zwar pro forma als demokratisches Recht anerkannt, sollten jedoch keinesfalls den reibungslosen Ablauf des Verkehrs stören und darüber hinaus auch die richtige Kritik artikulieren, sich also vor allem gegen den Ostblock wenden. (…)

Die Einstellung [der “Bild”-Zeitung] zu Demonstrationen entsprach damit in weiten Teilen derjenigen zu Streiks: Theoretisch waren sie zwar ein demokratisches Recht, praktisch aber durften sie die gesellschaftliche und politische Harmonie nicht beeinträchtigen. Innerhalb des Konzerns gab es kaum Verständnis dafür, daß es keine allgemeingültige Wahrheit geben kann und zur Demokratie folglich ein Recht auf unterschiedliche Meinungen gehört (…).

(Hervorhebung von uns.)

Auch Georg Streiter schreibt nicht, dass er anderer Meinung sei als die Repräsentanten Mecklenburg-Vorpommerns, sondern wirft ihnen “Dummheit” und “Unbelehrbarkeit” vor, weil sie gegen den Präsidenten demonstrierten oder nicht mit ihm grillen wollten.

“Nichts dazugelernt” ist insofern eine ganz gute Überschrift.

“Bild” bezahlt Spanner und Schaulustige

Ein Biker kollidierte in Berlin mit einem Radfahrer. Beide Männer liegen verletzt auf der Straße. Rettungskräfte leisten Erste Hilfe. Robert S[…] drückte auf den Auslöser.

Jaha, denn der Robert hat mitgemacht bei der “großen BILD-Aktion” und ist “BILD-LESER-REPORTER” geworden. Und deshalb kann Robert sich jetzt über 500 Euro Honorar freuen und die “Bild”-Zeitung über ein schönes Farbfoto, auf dem man alles sieht: die beiden Unfallopfer, die schwer verletzt und mit bloßen Oberkörpern auf der Straße liegen, die Feuerwehrleute, die neben ihnen knien und sich über sie beugen, die anderen Passanten, die offenbar keine “Bild”-Zeitung lesen und deshalb nur glotzen und nicht fotografieren.

Das hier ist knapp die obere Hälfte des “Schnappschusses” (“Bild”) — unten ist dann das eigentliche Geschehen:

Über dieses Foto und fünf andere hat “Bild” folgende Schlagzeile gesetzt (das rote unten sind die Geldscheine, die bei der Veröffentlichung winken):
Die tollen Fotos unserer Leser

Zu den weiteren veröffentlichten Fotos gehört auch ein Bild, das Veronica Ferres und ihren Mann bei einem privaten Gespräch in einem Café zeigt, und eines, auf dem angeblich der Fußballspieler David Odonkor zu sehen ist, wie er anscheinend auf einem Parkplatz uriniert.

Angeblich haben schon “weit über 1000 BILD-Leser-Reporter ihre Schnappschüsse” an die Redaktion geschickt. Und was die “Bild”-Zeitung in Zukunft u.a. sehen möchte, beschreibt sie so:

— Blitzte für Sekunden der Busen eines prominenten Stars unter der Bluse hervor?
— Wurden Sie Zeuge eines Großbrandes oder eines Unfalls?

Viel genauer kann man die Begriffe “Spanner” und “Schaulustige” nicht umschreiben. Es sei denn, man würde juristische Begriffe verwenden.

Vielen Dank an Sascha F., Mulle M. und Benjamin B.!

“Bild” verwechselt sich mit Deutschland

(…) you have to be for partnership with America. Otherwise, you can’t work for us, you can’t come – you have to sign it in your contract.

Kai Diekmann am 5. Mai 2006 zu George W. Bush.

Man kann wahrlich nicht behaupten, dass “Bild” dem Besuch von George Bush bei Angela Merkel wenig Platz einräumt. Die Seiten 2 und 3 der heutigen Ausgabe sind voll davon. “Bild” zeigt Händeschüttel-Fotos, Kuss-Fotos (gleich vier!), Bush beim Grillen, Bush beim Radfahren, Bush beim Baby-Hochhalten usw. “Bild” berichtet über “Wirtin Hanni”, die sich “die Hand nicht mehr waschen” will, weil Bush ihr ein Autogramm darauf gegeben hat, und “Bild” druckt ein “Minuten-Protokoll des historischen Besuchs”. Das alles (und ein wenig mehr) unter der großen Überschrift: “Deutschland fliegt auf die Bushs” (siehe Ausriss).

Das “Minuten-Protokoll” glänzt mit Detailverliebtheit. Ein paar Auszüge:

Bush duscht, zieht seinen schwarzgrauen Anzug mit blauer Krawatte an, frühstückt. (…) Auf dem Tisch: Extra eingeflogenes US-Mineralwasser (“Deer-Park”) – doch Bush trinkt lieber Cola light. (…) Mittagessen. Lachs und Heilbutt aus der Ostsee, Entenbrust mit grünem Spargel, Waldbeeren mit weißer Schoko-Mousse. Dazu Mineralwasser, danach Espresso. (…) Das Präsidentenehepaar hat sich zum Grillfest umgezogen (Bush: hellblaues Hemd mit aufgekrempelten Ärmeln, Laura Bush: beigemelierter Hosenanzug) (…) Gemeinsam mit dem Ehepaar Merkel (in Jeans und Blazer) und Sauer (beige Hose, offenes Hemd) begrüßen die Bushs fünfzig handverlesene Gäste. Das von Gastwirt Olaf Micheel selbstgeschossene 30-Kilo-Wildschwein (eineinhalb Jahre alt), seit sechs Stunden auf dem Grill, ist fertig. (…) Merkel und ihr Mann bringen Laura und George W. Bush zu ihrem Hubschrauber. Er startet in die Abendsonne – Angela Merkel und ihr Mann winken ihren Gästen noch lange hinterher.

Wenn man das alles so liest, bekommt man tatsächlich den Eindruck, dass Deutschland auf die Bushs fliegt. Jedenfalls erwähnt “Bild” heute mit keinem Wort, dass es Proteste und Demonstrationen gegen den Besuch von George Bush gab. In Stralsund und auch in anderen deutschen Städten. Das ist zumindest bemerkenswert. Andere Medien schaffen es nämlich ohne Probleme, das ein oder andere Wort über die Anti-Bush-Demonstrationen zu verlieren.

Mehr als bemerkenswert, man könnte sagen irreführend oder sogar gelogen, ist allerdings die Überschrift. Tatsächlich fliegt “Deutschland” (was immer “Bild” auch damit meint) nicht auf die Bushs. Und damit meinen wir gar nicht die demonstrierende und protestierende Minderheit, sondern rund die Hälfte der Deutschen. Laut einer repräsentativen Umfrage der Forsa im Auftrag des “Stern” bewerten nämlich 52 Prozent den Bush-Besuch negativ und nur 41 Prozent positiv. Auch davon erfahren die “Bild”-Leser freilich nichts. Dabei wäre eigentlich genügend Platz gewesen.

Mit Dank auch an Valon N. für den Hinweis.

  

Kurz korrigiert (137 – 236)

Wir werden nie erfahren, wie viele Fehler genau in der Datenbank steckten, mit der Bild.de scheinbar über die Mannschaften der Fußball-Bundesliga-Saison 2006/07 informieren wollte. Die folgenden 100 Fehler sind keine vollständige Liste. (Einige der Fehler hat Bild.de inzwischen korrigiert.)

Alemannia Aachen:

  • Der Verein wurde am 16.12.1900 gegründet, nicht am 1.12.
  • Der Präsident heißt nicht Horst Hinrichts, sondern Horst Heinrichs.
  • Der Verein hat nach eigenen Angaben nicht 4500 Mitglieder, sondern über 8000.
  • Sergio Pinto ist Mittelfeldspieler, nicht im Angriff.
  • Jan Schlaudraff spielt im Angriff, nicht im Mittelfeld.
  • Yunus Balaban ist seit 2000 im Verein, nicht seit 2006.
  • Mittelfeldspieler Fiel heißt vorne Cristian, ohne “h”.

Hertha BSC

  • Der Verein hat nicht 12.000 sondern 13.549 Mitglieder.
  • Die Personalkosten betragen nicht 23 Mio. Euro, sondern rund 26 Mio. Euro.
  • Amadeus Wallschläger ist nicht seit dem 1.7.2006 im Verein, sondern seit dem 1.7.2001.
  • Wallschläger ist nicht am 12.11.1986 geboren, sondern am 1.9.1985.
  • Dennis Cagara ist auch nicht seit dem 1.7.2006 beim Verein, sondern seit dem 1.1.2004.
  • Robert Müller ist ebenfalls nicht seit dem 1.7.2006 beim Verein, sondern seit dem 1.7.2000.
  • Pál Dárdai ist nicht seit dem 3.12.1996 dabei, sondern seit dem 1.7.1997.
  • Marcelinho heißt nicht mit Nachnamen so, sondern mit vollem Namen Marcelo dos Santos.
  • Kevin-Prince Boateng ist nicht seit dem 1.7.1996 bei Hertha, sondern seit dem 1.7.1994.
  • Chinedu Ede ist nicht seit dem 1.7.2006 beim Verein, sondern seit dem 1.7.1999.
  • Solomon Okoronkwo ist nicht am 1.7.2005 zu Hertha BSC gekommen, sondern am 1.7.2004.
  • Im Mittelfeld fehlt Andreas Schmidt.
  • Und im Tor fehlt Nico Pellatz.
  • Sofian Chahed spielt nicht in der Abwehr, sondern im Mittelfeld.
  • Robert Müller hat die Rückennummer 18 …
  • … Patrick Ebert die 21 …
  • … Chinedu Ede die 11 …
  • … und Amadeus Wallschläger die 15.

DSC Arminia Bielefeld:

  • Der Verein hat nicht 3100 Mitglieder, sondern nach eigenen Angaben mehr als doppelt so viele.
  • Westfalenmeister war Bielefeld nicht nur “1922-1927”, sondern 1912, 1921-1927, 1933, 1962 und 1990.
  • Mathias Hain ist nicht seit 2001, sondern seit 2000 im Verein.
  • Pascal Formann hat die Trikotnummer 28, nicht 26.
  • Tobias Rau spielt im Mittelfeld, nicht in der Abwehr.
  • Tim Danneberg hat die Trikotnummer 13, nicht 15.
  • Jonas Kamper fehlt ganz.
  • Ioannis Masmanidis hat die Trikotnummer 21, nicht 17.
  • Radim Kucera spielt bei Arminia im Mittelfeld, nicht in der Abwehr.
  • Radomir Dalovic ist nicht mehr bei der Arminia.

VfL Bochum:

  • Andreas Luthe ist nicht in der ersten Mannschaft.
  • Polat Keser auch nicht.
  • “Edu” heißt eigentlich Eduardo Goncalves de Oliveira …
  • … ist seit dem 1.9.2003 bei Bochum, nicht seit dem 05.08.2005 …
  • … und ist nicht am 10.01.1979, sondern am 30.11.1981 geboren.

Werder Bremen

  • Kasper Jensen ist nicht seit dem 1.7.2005 beim Verein, sondern seit dem 1.2.2005.
  • Naldo heißt nicht mit Nachnamen Naldo, sondern mit vollem Namen Ronaldo Aparecido Rodrigues.
  • Naldo ist nicht seit dem 29.7.2005 beim Verein, sondern seit dem 28.7.2005.
  • Clemens Fritz spielt bei Werder nicht im Mittelfeld, sondern in der Abwehr.
  • Leon Andreasen wurde nicht am 23.4.1982, sondern am 23.4.1983 geboren.
  • Christian Schulz ist nicht seit dem 1.7.1993, sondern seit dem 1.7.1995 bei Werder.
  • Mohamed Zidan ist seit dem 7.1.2005 beim Verein, nicht seit dem 1.7.2006.

Energie Cottbus:

  • Das Stadion liegt nicht am Elisapark, sondern am Eliaspark.
  • Das Wappen ist eigentlich viel größer und nicht rechteckig.
  • Präsident ist nicht Ulrich Lepsch, sondern Michael Stein.
  • Stiven Rivic ist Stürmer, nicht Mittelfeld-Spieler.
  • Markus Dworrak fehlt im Kader.

Borussia Dortmund:

  • Das Stadion heißt nicht mehr “Westfalenstadion”, sondern “Signal Iduna Park”.

Hamburger SV:

  • Vincent Kompany hat die Rückennummer 10 und nicht 27…
  • … er kam nicht am 05.08.2005 zum HSV, sondern gerade erst …
  • … und spielt deshalb logischerweise nicht mehr für Anderlecht.
  • Raphael Wickys Verein ist nicht die Schweiz …
  • … aber er ist Schweizer, kein Deutscher.

Hannover 96

  • Das gezeigte Logo ist nicht mehr aktuell.

Eintracht Frankfurt:

  • Der Verein gibt seine Mitgliederzahl mit 9600 an — statt 6000.
  • Christoph Spycher spielt nicht im Mittelfeld, sondern in der Abwehr.

Borussia Mönchengladbach:

  • Kasey Keller trägt als Rückennummer weder die 26 (wie in der Vereinsübersicht stand) …
  • … noch die 18 (wie in der Spielerübersicht stand), sondern die 1 …
  • … und ist nicht Deutscher, sondern US-Amerikaner …
  • … und nicht seit dem August 2005, sondern dem Januar 2005 beim Verein.

Bayer 04 Leverkusen:

  • Ahmed Madouni wurde nicht am 4.10., sondern am 1.10.1980 geboren.
  • Pierre de Wit ist schon seit 1999 im Verein, nicht erst seit 2006.
  • Marco Babic spielt seit 1999 für Leverkusen, nicht seit 2000.
  • Andrej Voronin hat die Trikotnummer 12, nicht 10 …
  • … ist seit 2004 im Verein, nicht seit 2006 …
  • … und ist kein Deutscher, sondern Ukrainer.

1. FSV Mainz 05:

  • Der Verein ist nicht 1990 in die Bundesliga aufgestiegen, sondern 2004.
  • Fatmir Pupalovic fehlt.

Bayern München:

  • Christian Lell hat die Trikotnummer 30.
  • Owen Hargreaves ist seit dem 1.7.1997 im Verein, nicht seit dem 5.8.2005 …
  • … und er ist kein Deutscher, sondern ist in Kanada geboren und hat einen britischen Pass.
  • Stephan Fürstner spielt schon seit 2005 im Verein, nicht erst seit 2006.
  • Roy Makaay ist erst seit dem 4. August 2003 beim Verein, nicht seit dem 1. Juli.
  • Lukas Podolski hat die Trikotnummer 11.
  • Jan Schlösser ist, anders als bei Bild.de angegeben, nicht mehr im Kader.
  • Dafür fehlt Bernd Dreher.
  • Martin Demichelis ist kein Abwehr-, sondern Mittelfeldspieler.

1. FC Nürnberg:

  • Das Stadion heißt nicht mehr “Frankenstadion”, sondern “easyCredit-Stadion”
  • Alexander Stephan hat die Trikotnummer 30 …
  • … und ist schon seit 1996 im Verein, nicht erst seit 2006. (Seit 2006 ist er in der ersten Mannschaft.)
  • Michael Beauchamp hat die Trikotnummer 3.
  • Dean Heffernan hat die Trikotnummer 16.
  • Javier Horacio Pinola, nicht Horacia Javier Pinola.
  • Tomas Galasek hat die Trikotnummer 6.
  • Marco Engelhardt hat die Trikotnummer 22.
  • Sebastian Huber fehlt.
  • Christoph Weber spielt nicht im Mittelfeld, sondern im Angriff.
  • Weber trägt die Trikotnummer 26.
  • Weber ist nicht erst seit 2006, sondern schon seit 1998 im Verein (allerdings erst jetzt in der Bundesliga-Mannschaft).
  • Joshua Kennedy hat die Trikotnummer 20.
  • Leon Benko hat die Trikotnummer 32.

VfB Stuttgart:

  • Das Gottlieb-Daimler-Stadion ist wirklich nicht mehr im Umbau.
  • Der mexikanische Neuzugang heißt Ricardo Osorio, nicht Osoria.

VfL Wolfsburg:

  • Hans Sarpei ist kein Deutscher, sondern Ghanaer.
  • “Alex” (eigentlich Domingos Alexandre Martins da Costa) trägt nicht die Rückennummer 4, sondern 22.
  • Das gezeigte Logo ist nicht mehr aktuell.
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