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1. “Scheinheiligkeit à la Bild-Zeitung – der späte Umgang mit der ‘Schande von Düsseldorf'” (sportsaal.de, Derhatschongelb)
Fußball: “Bild” kommentiert den definitiven Aufstieg von Fortuna Düsseldorf in die erste Bundesliga. “Liebe Bild, dieser Kommentar ist keine Wiedergutmachung für die öffentliche Hinrichtung des Vereins Fortuna Düsseldorf und seiner Fans. Er ist ein blanker Hohn.”
3. “Faule Griechen statt Rudi Dutschke” (theeuropean.de, Jürgen Trittin)
Grünen-Politiker Jürgen Trittin schreibt über “Bild”: “Im Stil bleibt ‘Bild’ seinem Anspruch treu, Politik nicht nur journalistisch zu beobachten und zu kommentieren, sondern selbst zu gestalten. Als selbst ernanntes Sprachrohr eines vermeintlichen Mainstreams, das seiner daraus folgenden Verantwortung aber nicht nachkommt.” Weitere Texte hier.
4. “Mit eingezogenen Fühlern” (vocer.org, Julia Friedrichs)
Eine Rede zur Lage des Journalismus von der 32-jährigen Journalistin Julia Friedrichs: “Wer immer und immer wieder hört: ‘Die See ist rau! Die Zeiten hart! Pass Dich an!’, dem wird es schwerfallen, die Ideale mit denen er mal gestartet ist, zu bewahren. Die Träume. Die Prinzipien. Das, was anständiger Journalismus auch braucht.”
5. “Märkte verschieben Untergang” (taz.de, Deniz Yücel)
Deniz Yücel sammelt Überschriften aus Zeitungen, in denen die “Märkte” vorkommen.
6. “Demokrit sucht eine Lücke” (umblaetterer.de, San Andreas, Videos)
Das Fußballspiel Deutschland gegen Griechenland aus der Sicht von Monty Python 1972.
Sollte es in absehbarer Zeit zu einem Krieg zwischen Deutschland und Griechenland kommen, kann man den Leuten von “Bild” nicht vorwerfen, nicht alles dafür getan zu haben: Erst hetzen sie seit zwei Jahren gegen die “Pleite-Griechen”, jetzt haben sie sich auch noch auf ein Terrain vorgewagt, bei dem viele Menschen noch weniger Spaß verstehen als bei drohenden Staatspleiten — Fußball.
Und so klingt es, wenn sich so ein “Bild”-Reporter in einem polnischen Hotel frei bewegt:
Ich fühle mich wie 007.
Ich, der BILD-Reporter, spioniere bei den Griechen, unseren Gegnern am Freitag.
Nein, wir wussten auch nicht, dass die Griechen am Freitag gegen die Redaktionsmannschaft von “Bild” spielen. Aber vielleicht ist das Gefühl, “ganz Deutschland” zu sein, bei “Bild”-Mitarbeitern genauso tief verwurzelt wie ihre Boshaftigkeit gegenüber den Griechen:
Am Dienstag ziehe ich ein. Mein Doppelzimmer kostet 93 Euro pro Nacht. Lobenswert sparsam, die Griechen.
Überhaupt wirkt der ganze Text wie eine traurige Mischung aus dem Worst-Of-Programm von Fips Asmussen und dem Aufsatz “Mein schönstes Ferienerlebnis” eines Grundschülers:
Am härtesten arbeitet bei den Griechen die Kaffeemaschine. Sie haben zwei davon in ihrem Bereich. Eine kann Cappuccino und Latte Macchiato, die andere normalen Kaffee. Sie arbeiten Vollzeit.
Ja, Kaffee wäre jetzt wirklich hilfreich, so unspannend wie die Erlebnisse aus dem Mannschaftshotel sind:
Ich sehe Theofanis Gekas (32), den Stürmer aus der Bundesliga (Bochum, Leverkusen, Hertha, Frankfurt). Gekas hat Kopfhörer in den Ohren, hört Musik über sein iPhone. Der singt sich schon heiß aufs Spiel.
Fast wäre beinahe etwas vielleicht passiert:
Mit meinem Handy mache ich Fotos. Plötzlich tippt mich der Barkeeper an. Er will wissen, wer ich bin. Ist meine Zahnarzt-Tarnung (weißes Hemd, weiße Hose, weiße Turnschuhe) aufgeflogen? Ich schwitze. Cool bleiben. Ich tue so, als sei ich aus Russland und murmele “nix kappitschi”. Der Barkeeper zieht Leine. Puh…
Dann aber doch noch etwas, das überraschend zum Skandal taugt:
Plötzlich schreit jemand im Hinterhof. Ich renne hin, schaue um die Ecke und sehe Georgios Karagounis. Der ist 35 und Kapitän der Griechen. Er schreit in Disco-Lautstärke in sein Handy. Jedes zweite Wort ist “Malaka”. Ein griechischer Freund bringt mir bei, dass “Malaka” auf Deutsch so etwas heißt wie “Leck mich am Arsch”.
Den Brüller sehen wir am Freitag nicht auf dem Platz. Malaka-Karagounis ist gesperrt.
Derlei schnarchige Belanglosigkeiten, bemüht aufgeregt erzählt, haben offenbar dennoch ausgereicht, dass einzelne griechische Medien über den “Bild”-Reporter im Mannschaftshotel berichten.
Die Reaktionen scheinen aber vor allem einem Missverständnis geschuldet:
Auf der Homepage des griechischen TV-Senders “Star” steht: “Neue Provokation der BILD. BILD nennt Karagounis einen Malaka.”
In dem Bericht heißt es weiter: “Im Hotel der geliebten Nationalmannschaft ist ein deutscher Reporter der BILD eingedrungen und setzt seine Provokationen gegen das Spiel fort. Höhepunkt ist: Er nennt Karagounis einen Malaka – ein Arschloch.” Ein Missverständnis durch eine unglückliche Formulierung in BILD: Die Formulierung “Malaka-Karagounis” sollte keine Beleidigung des Griechen-Kapitäns sein (“Malaka” bedeutet unter anderem Wi…er)! Sondern ein Spitzname, weil Karagounis bei seinem Telefonat häufig “Malaka” sagte. BILD bedauert das Missverständnis.
Was halt so passiert, wenn skandalwillige Beinahe-Journalisten auf beiden Seiten mit erhöhtem Blutdruck mit Fremdsprachen hantieren.
Dieses internationale Doppelpass-Spiel könnte bis zum Viertelfinalspiel am morgigen Abend so weitergehen, wenn der “trojanische BILD-Spion”, dessen Gesicht die Zeitung verpixelt hat, nicht vorher auffliegt.
Nach unseren Informationen handelt es sich bei dem Mann um Jörg Weiler, der sonst bei Borussia Dortmund für “Bild” im Einsatz ist und dort unter anderem an der unrühmlichen Berichterstattung über einen im Stadion tödlich verunglückten Fan beteiligt war.
In Troja gewannen damals übrigens die Griechen, wie sogar “Bild” richtig erklärt.
Mit Dank auch an Martin E., Michael, Dietfried D. und Ernst R.
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1. “Das Leistungsschutzrecht: Selten war es so tot wie heute” (stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier schätzt den nun vorliegenden Gesetzentwurf zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger ein: “Wie die Verleger glauben können, dass es ihnen nützen wird und nicht schaden, Hinweise auf ihre Artikel zu erschweren, ist eines der zentralen Rätsel dieser ganzen Angelegenheit und Ausweis des Irrsinns, in den sich die Branche in ihrem Überlebenskampf geflüchtet hat.” Und Alexander Svensson malt sich vier Szenarien aus, wie es nun weitergeht (wortfeld.de).
2. “Die Wut kommt immer zu spät” (faz.net, Christiane Hoffmann)
Nach einem Interview mit mit Mahmud Ahmadinedschad erwägt FAS-Journalistin Christiane Hoffmann die Frage, ob sie sich vielleicht doch blamiert habe. “Ich solle den Präsidenten mit ‘Herr Präsident’ anreden. Ich solle die Beine nicht übereinanderschlagen, weil der Präsident das auch nicht tut. Herr Scheichan ist sehr unzufrieden mit meinem Hedschab: Die Leinenbluse sei zu hell und zu durchsichtig, die Ärmel zu kurz, das Kopftuch rutsche. Herr Scheichan blickt sich suchend um, als hoffe er, irgendeinen Tschador zu finden, den er mir überstülpen kann.”
3. “Freie Journalisten: Arm, aber verblüffend glücklich” (spiegel.de, Tobias Lill)
Freier Journalismus in Deutschland spielt sich zunehmend im Niedriglohnsektor ab: “Besonders mies zahlen private Hörfunksender, aber auch Zeitungen. Zeilengelder von 35 Cent oder noch weniger sind bei Lokalblättern verbreitet. So müssen sich manche Reporter auf dem Land mit 30 Euro pro Artikel begnügen – mitunter deckt das Honorar gerade die Spritkosten.”
6. “Der Terror der Tugend” (zeit.de, Harald Martenstein)
Ein langer Text von Harald Martenstein beschäftigt sich mit Tugendwächtern aller Art: “Der Schauspieler Fritz Wepper hat nie so getan, als sei er ein Heiliger. Wer sich für solche Dinge interessiert, weiß, dass seine Ehe von schweren Stürmen gezaust wird und dass er mit seiner, naturgemäß jungen, Geliebten ein Kind hat. Aber das genügt nicht. Paparazzi schossen Fotos, die Wepper beim Betreten und beim Verlassen der Wohnung seiner Freundin zeigen, mit Uhrzeit. Auf dem ersten Foto trägt er ein weißes Hemd, auf dem zweiten ein blaues. Die Reporter verrieten, dass es Weppers Ehefrau war, die sie auf die Pirsch geschickt hat.”
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1. “Krass: Die lieben Kollegen” (msc.rhein-zeitung.de, Marcus Schwarze)
Marcus Schwarze hält den faz.net-Text “Wo wäre Günter Grass ohne Griechenland?” zunächst für die Wahrheit und muss in der Folge einen eigenen Tweet korrigieren. Er mahnt die Zeitung, sie könnte “durch solch ein Spiel mit falschen Fakten den wichtigsten Vorteil der etablierten Redaktionen verspielen: Ihre Glaubwürdigkeit”. Und kritisiert den Umgang mit den Lesern: “Die bei der FAZ nehmen die Internet-Offentlichkeit einfach nicht ernst.”
2. “Griff ins Justizklo (Wiederhlg.)” (lto.de, Martin Rath)
Von der Sendung “Richterin Barbara Salesch” werden keine neuen Folgen mehr produziert, nur noch Wiederholungen ausgestrahlt. Martin Rath blickt zurück auf die fiktive Show: “Kolportiert wurde, dass im wahren Leben Angeklagte bei der Belehrung über ihr Schweigerecht abwinkten. Das würden sie schon von der Salesch kennen, auch wenn die – wie eingangs dargestellt – ein etwas eigensinniges StPO-Verständnis hat.”
3. “Wie neutral ist die Presse in eigener Sache?” (carta.info, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal hält fest, dass die Presse in Sachen Urheberrecht nicht neutral ist: “Auch die Berichterstattung über Google (YouTube), Facebook und Apple kann guten Gewissens nicht als wirklich neutral bezeichnet werden. Denn auch hier sind die Verlage Partei, und sie verschärfen ihre Gangart immer dann, wenn sie sich von ihren Konkurrenten bzw. Geschäftspartnern gerade angegriffen oder über den Tisch gezogen fühlen.”
Werfen wir einen Blick in die Seele des deutschen Journalisten:
Und, nein, es ist ganz anders als Sie denken! Das Hakenkreuz da ist Teil eines dpa-Fotos, aufgenommen vor dem griechischen Parlament in Athen. Der “Kölner Stadtanzeiger” hatte es in seinem Online-Auftritt zu Bebilderung einer Nachricht verwendet, wonach ein 78-jähriger Holländer offenbar in Griechenland von zwei Griechen aus mutmaßlich deutschenfeindlichen Motiven brutal verprügelt wurde. Komplett sahen Foto und Bildunterzeile (BU) auf ksta.de so aus:
Was dpa am 1.5.2012
zu dem Foto schrieb:
“Protesters hold placards reading ‘No Nazis in the Parliament – Golden Dawn = Swastika’, outside the Greek Parliament during a rally marking May Day in central Athens, Greece, 01 May 2012. A rally marking May Day was called by the Greek unions and parties of the Left to protest against the ongoing austerity measures, ahead of the national elections scheduled 06 May 2012.”
“Deutschenfeindliche Parolen”? Nun ja: Die griechische Parole auf dem Foto bedeutet übersetzt: “Keine Nazis ins Parlament – Goldene Morgenröte = Hakenkreuz”. Und Demonstranten protestierten damit am 1. Mai gegen den Einzug der rechtsextremen griechischen Morgenröte-Partei ins griechische Parlament (siehe Kasten).
Und selbst wenn ksta.de den peinlichen Fehler inzwischen offenbar bemerkt und das Foto gegen ein Bild der Akropolis (BU jetzt: “Die Akropolis in Athen”) ausgewechselt hat: Dass einem Journalisten hierzulande zu einem offensichtlich in kritischer Absicht öffentlich gezeigten Hakenkreuz als allererstes Deutschenfeindlichkeit einfällt, lässt irgendwie ganz schön tief blicken (s.o.).
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3. “Gegenrede: Presserabatt ≠ Bestechung” (wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi antwortet auf den Deutschlandfunk-Beitrag “Kritisch oder käuflich” von Brigitte Baetz zu Journalistenrabatten: “Ich habe Presserabatte genutzt und fühle mich trotzdem unabhängig. Entscheidet man sich morgen, das System ad acta zu legen, werde ich nur mit den Schultern zucken. Dann ist das halt so. Aber der gesamten Journaille mit hanebüchen zusammen gerührten Behauptungen über Presserabatte, Belegexemplare und PR-Geschenken korrupte Tendenzen unterstellen zu wollen, finde ich armselig und populistisch.”
4. “Der griechische Extremismus-Balken” (fernseherkaputt.blogspot.de)
Eine Infografik in der Nachrichtensendung “Zeit im Bild” (Video) zu den Parlamentswahlen in Griechenland zeigt Prozentbalken in falscher Höhe: “Die 17 Prozent der Koalition der Radikalen Linken (SYRIZA) bekommen einen gleich großen Balken wie die 7 Prozent des neonazistischen Chrysi Avgi (GMR).”
Axel Springer, Gründer des nach ihm benannten Verlags, würde nächste Woche 100 Jahre alt. “Bild” ehrt den Mann, der – obwohl 1985 verstorben – im Impressum noch immer als Verleger geführt wird, derzeit unter anderem mit einer Fotoserie.
Mehr noch:
Zu seinem 100. Geburtstag am 2. Mai versucht BILD in einer Serie mit ungewöhnlichen Fotos aus seinem Leben den Verleger und Visionär zu erklären.
Heute ist in dieser Fotosammlung, die fast eine ganze Seite einnimmt, unter anderem dieses Bild zu sehen:
Das wäre dem “Verleger und Visionär”, der seinen Verlag als “Zeitungshaus, das sich christlichen Werten verpflichtet fühlt” beschrieb, sicher sauer aufgestoßen.
Zwar schrieb ein Mann namens Johannes die Offenbarung laut Selbstaussage auf Patmos, aber dieser war nicht als “der Täufer” bekannt: Johannes der Täufer wurde noch zu Lebzeiten Christi (oder kurz danach) geköpft, die Offenbarung wurde einige Zeit später von einem anderen Johannes verfasst.
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2. “Wie Medien Breiviks Spiel mitspielen” (deranderefellner.wordpress.com)
Sebastian Fellner kommentiert die Berichterstattung über den Prozess gegen Anders Behring Breivik: “Bitte verschont mich mit Breivik. Ich will keine Fotos mehr sehen von diesem selbstverliebten Wahnsinnigen, wie er zufrieden lächelt ob der Aufmerksamkeit, die er bekommt. Ich will nicht lesen, dass er ‘gerührt’ ist, weil sein Video vor Gericht gezeigt wird. Gebt mir Bescheid, wenn es ein Urteil gibt. Bringt meinetwegen eine Meldung, wenn ein Zeuge oder eine Zeugin etwas bisher Unbekanntes aussagt. Aber füttert Breivik nicht mit der Aufmerksamkeit, die er sich wünscht.” Siehe dazu auch “Die Medien sollten Breiviks Spiel nicht mitmachen” (tagesschau.de, Albrecht Breitschuh).
5. “Griechenlands Medienhäuser fürchten den Kollaps” (zeit.de, Ferry Batzoglou)
Viele griechische Medienhäuser haben sich in den 1990er-Jahren hoch verschuldet. “In Zeiten des Booms haben viele Medienhäuser ihre Glaubwürdigkeit im Volk verspielt. Es grassierten Vetternwirtschaft und Hofjournalismus. Die Devise lautete zu oft: Mitregieren statt kontrollieren.”
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1. “Roboterjournalist interviewt Roboterpräsident” (scilogs.de, Boris Hänßler)
Boris Hänßler denkt über automatisierten Journalismus nach: “Da wir unsere Vorlieben im Internet gerne preisgeben, können Newshersteller künftig nicht nur die Auswahl der Nachrichten auf unsere Präferenzen hin anpassen, sondern auch die Inhalte der Meldungen. Ein Roboter kann dieselbe Story während eines Wimpernschlags in 300 verschiedenen Varianten herunter rotzen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten.”
2. “Die 1-Million-Euro-Klage gegen Bild” (journalist.de, Ferry Batzoglou)
Der Zeitschrift “journalist” liegt eine Klageschrift des griechischen Politikers Alexis Tsipras vor, die sich “gegen Bild, bild.de sowie Autor Paul Ronzheimer” wendet. “Weder Ronzheimer noch Springer wollten sich zu der Klage äußern. Bild-Sprecher Tobias Fröhlich verwies darauf, dass die Klage den Verlag noch nicht erreicht habe.”
Kürzlich in Athen freigesprochen wurde übrigens Helmut Markwort, Ex-Chefredakteur des “Focus”: “Freispruch und Ende” (sueddeutsche.de, Katharina Riehl).
3. “Sachen, die ich mache, wenn ich nicht hier bin” (monkeypenny.blogspot.de, Zanet Zabarac)
Ein Interview mit Monkeypenny, Community-Redakteurin bei der “Neuen Zürcher Zeitung”: “Man kann keinen Journalisten dazu zwingen, mit Nutzern zu arbeiten, aber ein guter Journalist wird das tun, weil dies seine Arbeit stark bereichern kann.”
4. “Solche Aufnahmen sind daneben” (beobachter.ch, Balz Ruchti)
Die Schüler Lina, Dario, Chris und Ines diskutieren den Umgang mit von Handys aufgenommenen Filmen im Netz.
5. “Acht mal acht” (umblaetterer.de, Paco)
“Letzten Sonntag stieg ich also in den ICE, um von Dresden zurück nach Leipzig zu fahren. Ich hatte einen Schokoladenosterhasen und die FAS dabei.”
6. “Der gefragte Mann” (facebook.com, Ruedi Widmer, Cartoon)
Herr Grass und der Boulevard.
Es ist nur eine kleine Meldung auf Seite 2, wonach die “Griechen” bzw. “griechische Politiker” “wieder” bzw. “erneut” Reparationszahlungen von Deutschland fordern, für die Schäden, die Griechenland unter der deutschen Besatzung (1941-44) erlitten hat.
Wer soll diese griechischen Politiker noch verstehen?
Ihr Land steckt mitten in seiner schwersten Krise – und sie haben nichts Besseres zu tun, als von Deutschland mal wieder Reparationen zu verlangen.
Um eines ganz klar zu sagen: Über die Schrecken der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gibt es keinen Zweifel, das Nazi-Regime hat den Griechen schweres Leid angetan.
Aber Reparationszahlungen sind längst geleistet worden. Wenn jetzt griechische Politiker das Thema für ihren Wahlkampf missbrauchen, ist das verantwortungslos und unverschämt zu gleich. (…)
Da dachten wir uns: Wenn die Griechen ihre Reparationsforderungen wiederholen und “Bild” ihre Behauptung, dass alle Reparationsforderungen beglichen seien, dann können wir auch einfach unseren Eintrag vom vergangenen Juli wiederholen, in dem wir das Thema schon einmal behandelt hatten:
Die Reparationsforderungen, die 18 Staaten (darunter Griechenland) im Pariser Reparationsabkommen von 1946 gestellt hatten, wurden mit dem Londoner Schuldenabkommen von 1953 zurückgestellt. Die Reparationszahlungen sollten erst nach Abschluss eines Friedensvertrags mit Deutschland wieder eingefordert werden, doch den gibt es bis heute nicht: Der Zwei-plus-Vier-Vertrag zwischen den alliierten Siegermächten (USA, Großbritannien, Frankreich und UdSSR) auf der einen und der Bundesrepublik und der DDR auf der anderen Seite wurde ausdrücklich “anstatt eines Friedensvertrags” geschlossen. Experten sind sich uneins, ob die Ansprüche früherer deutscher Kriegsgegner wie Griechenland auf Reparationszahlungen damit ebenfalls verfallen sind oder nicht.
“Geregelt” ist im Fall Griechenlands also nichts und “beglichen” schon gar nicht: Hagen Fleischer, Historiker an der Universität in Athen, hat in einem Gespräch mit dem Deutschlandradio Kultur vom März 2010 erklärt, dass Griechenlands Forderungen nach der Wiedervereinigung “im Allgemeinen bereits vom Türsteher abgewiesen” worden waren. Hinzu komme ein Zwangsdarlehen der griechischen Staatsbank an Nazi-Deutschland, das sich nach heutiger Kaufkraft auf über fünf Milliarden Euro beliefe (“ohne einen Pfennig Zinsen”).
Der Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl sagte im Juni in einem Interview mit “Spiegel Online”:
Die Griechen kennen die feindlichen Artikel aus deutschen Medien sehr gut. Wenn die Stimmung im Land umschlägt, alte Forderungen nach Reparationszahlungen laut und auch von anderen europäischen Staaten erhoben werden und Deutschland diese je einlösen muss, werden wir alle bis aufs Hemd ausgezogen.
Ebenfalls bei “Spiegel Online” findet sich die stolze Zahl von 162 Milliarden Euro plus Zinsen, mit der der griechische Nationalheld Manolis Glezos die deutschen Schulden gegenüber Griechenland beziffert hat.
Mehr zu den Besatzungskrediten steht bei labournet.de.