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Von der Dramatik überfordert

Am Samstag wurde das Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 eine knappe Stunde vor Anpfiff abgesagt. In der ersten Eilmeldung, die dazu über die Ticker ging, schrieb der Sportinformationsdienst (sid):

“Der Schiedsrichter ist nicht eingetroffen”, sagte FC-Pressesprecher Tobias Schmidt: “In der Kürze der Zeit konnte kein Ersatzmann kommen. Wir können keine weiteren Angaben machen.” Das Spiel sollte von Babak Rafati (Hannover) geleitet werden.

In einer eilig einberufenen Pressekonferenz erklärte Kölns Sportdirektor Volker Finke, dass es “einen Unfall des Schiedsrichters” gegeben habe. Doch zu diesem Zeitpunkt war schon eine andere Version in Umlauf, auf den Draht gegeben von der Deutschen Presseagentur (dpa):

Nach dpa-Informationen soll Rafati einen Selbsttötungsversuch unternommen haben. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Das sind Sätze, deren Dimension sich einem nicht auf den ersten Blick erschließt. Wenn sich die “dpa-Informationen” als falsch herausgestellt hätten, wäre es ein mittelgroßes Desaster für die dpa gewesen: Ein paar Leute hätten sich bei Rafati und ein paar anderen Leuten entschuldigen müssen. Aber dieses Szenario wäre womöglich weniger verheerend gewesen, als das, was dann passierte.

In ihrer Radio-Fußballübertragung gingen die ARD-Anstalten früh auf das Gerücht ein, das sich bald als Fakt bestätigte. Der WDR vermeldete stolz, herausgefunden zu haben, in welchem Hotel Rafati mutmaßlich seinen Selbstmordversuch unternommen habe, und die Onlinemedien drehten auf. Die Nachrichtenagentur dapd stimmte erstaunlich spät mit ein, aber vielleicht hatte dort einfach niemand mitbekommen, was los war.

Babak Rafati hat überlebt, aber ein Selbstmordversuch ist und bleibt ein versuchter bzw. nicht gelungener Suizid. Um Nachahmungstaten (den sogenannten “Werther-Effekt”) möglichst gering zu halten, empfehlen Psychologen den Medien, bei der Berichterstattung über Suizide Folgendes zu beachten:

  • Sie sollten jede Bewertung von Suiziden als heroisch, romantisch oder tragisch vermeiden, um möglichen Nachahmern keine post-mortalen Gratifikationen in Form von Anerkennung, Verehrung oder Mitleid in Aussicht zu stellen.
  • Sie sollten weder den Namen der Suizidenten noch sein Alter und sein Geschlecht angeben, um eine Zielgruppen-Identifizierung auszuschließen.
  • Sie sollten die Suizidmethode und – besonders bei spektakulären Fällen – den Ort des Suizides nicht erwähnen, um die konkrete Imitation unmöglich zu machen.
  • Sie sollten vor allem keine Informationen über die Motivation, die äußeren und inneren Ursachen des Suizides andeuten, um so jede Identifikations-Möglichkeit und Motivations-Brücke mit den entsprechenden Lebensumständen und Problemen des Suizidenten vermeiden.

Die Medien verzichten in aller Regel darauf, sich diese Empfehlungen zu Herzen zu nehmen.

Der sid jedenfalls eröffnete schon um 16.09 Uhr, keine Stunde, nachdem der erste Hinweis auf Rafatis Selbstmordversuch über den Ticker gegangen war, den munteren Spekulationsreigen: Die Reporter hatten jemanden gefunden, den sie mit den Worten zitieren konnten, “depressive Verhaltensverweisen” von Rafati seien ihm nicht bekannt.

“Spiegel Online” hatte zunächst so über Rafatis Ausfall für das Bundesligaspiel berichtet:

Unfall des Schiedsrichters:
Bundesliga-Spiel in Köln kurzfristig abgesagt. Spieler und Zuschauer in Köln warteten am Samstagnachmittag auf den Anpfiff der Bundesliga-Partie gegen Mainz. Doch daraus wurde nichts. Das Spiel musste ausfallen. Der vorgesehene Schiedsrichter Babak Rafati hatte einen Unfall erlitten.

Offenbar ein Versehen, denn eine halbe Stunde sah der gleiche Artikel so aus:

Suizidversuch des Schiedsrichters: Bundesliga-Spiel in Köln kurzfristig abgesagt. Spieler und Zuschauer in Köln warteten am Samstagnachmittag vergeblich auf den Anpfiff der Bundesliga-Partie gegen Mainz. Das Spiel musste ausfallen, da der vorgesehene Schiedsrichter Babak Rafati einen Selbsttötungsversuch unternommen hatte.

DFB-Präsident Theo Zwanziger gab noch am Samstagnachmittag in Köln eine Pressekonferenz, in der er es schaffte, an den Satz “Ich würde Sie bitten, mir Einzelheiten zu ersparen” mit einer Kurzbeschreibung der Auffindesituation anzuschließen, die die Medien gerne weiter verbreiteten. Georg Fiedler, der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention kritisierte im Gespräch mit der dpa die Ausführungen Zwanzigers mit den Worten: “Ich glaube, man muss nicht sagen, wie es jemand gemacht hat”. Die dpa wiederum hielt es für eine gute Idee, Zwanziger in diesem Kontext noch mal zu zitieren.

“Spiegel TV” und “Kicker TV” bemängelten in einem gemeinsamen Videobeitrag “zweifelhafte Reaktionen”:

So gehören die Details der Situation, in der Rafati aufgefunden wurde, sicherlich zu seiner Privatsphäre, aber die Dramatik überforderte auch den DFB-Präsidenten.

So spricht der Off-Sprecher, dann spricht Theo Zwanziger und nennt die Details der Situation, in der Rafati aufgefunden wurde.

Der Totalausfall der Selbsterkenntnis geht weiter:

Ohne um die Motive oder Beweggründe Rafatis zu wissen, sind jede Menge Spekulationen im Umlauf — auch über die Rolle des Drucks auf Schiedsrichter, ohne dass jemand weiß, ob dieser Umstand im Fall Rafati zutrifft.

Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention, die die Berichterstattung der Medien als “im Großen und Ganzen angemessen” bezeichnet hatte, stellte angesichts der Spekulationen über Rafatis Beweggründe die Frage, “ob uns das überhaupt etwas angeht?”

Für Bild.de lautete die Antwort offenbar: Natürlich. Sie stellten einen Artikel aus der “Bild am Sonntag” unter dieser Überschrift online:

Drama in Köln: Warum wollte der Schiri vor dem Spiel sterben?

Reporter von “Bild” und “Berliner Kurier” hatten unterdessen Rafatis Vater ausfindig gemacht und befragen den Mann, der am Samstag beinahe seinen Sohn verloren hätte, zu aktuellen Entwicklungen und möglichen Beweggründen.

Bild.de spekuliert heute munter drauf los:

Sportliche Gründe? Zum 1. Januar sollte er den Status als Fifa-Schiedsrichter verlieren (und damit internationale Einsätze). Auch in der Bundesliga kam er immer seltener zum Zuge (erst 4 Spiele in dieser Saison). Das bedeutet für ihn auch finanzielle Einbußen.

Rafati hätte am Samstag, dem 13. Spieltag, sein fünftes Saisonspiel pfeifen sollen. Hochgerechnet auf die Saison wäre Rafati auf etwa 13 Einsätze gekommen — in der vergangenen Saison waren es neun.

Auch express.de beteiligt sich an den Spekulationen:

Kam der 41-Jährige am Ende mit dem Druck nicht mehr zurecht? Fakt ist: Auf Facebook gibt es eine Anti Rafati-Seite. Dort werden meist tief unter der Gürtellinie seine Leistungen auf dem Platz beurteilt. Derzeit diskutieren die User allerdings, ob sie den Schiedsrichter gemobbt hätten. Und ob man diese Seite nicht besser löschen sollte. Das ist bisher noch nicht geschehen.

Die Popularität dieser Facebook-Seite könnte natürlich auch auf express.de zurückgehen, wo die Reporter vor zehn Monaten geschrieben hatten:

Vor einer Woche riefen Nürnberg-Fans die Facebook-Seite “Anti Babak Rafati” ins Leben. Die hatte am Montag bereits über 1000 Anhänger – inzwischen auch viele aus Düsseldorf. Wer stoppt “Tomati” endlich?

“Bild” fragt heute “Wie krank macht die Bundesliga?” und stellt fest:

Immer mehr Akteure scheinen mit dem Druck nicht fertig zu werden.

“Bild” verweist in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf den Selbstmord von Nationaltorwart Robert Enke vor zwei Jahren und zitiert den Sportpsychologen Andreas Marlovits mit den Worten:

“Vor allem wenn es um negative Wertungen geht, also beispielsweise der schlechteste Schiedsrichter o. ä. gewählt wird und Personen ständig persönlich angegriffen werden, kann es gefährlich werden, weil es einen gewaltigen Druck erzeugt.”

In einer kurzen Phase der Selbstreflexion hatte sich Walter M. Straten, stellvertretender Sportchef von “Bild”, nach Enkes Tod mit den Worten zitieren lassen:

“Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein”, sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, “ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht”.

Die Phase hatte damals fünf Wochen angehalten, seitdem knüppelt “Bild” wieder wie gewohnt drauf.

In der gleichen Ausgabe, in der ein Psychologe vor dem “gewaltigen Druck” warnt, der durch negative Wertungen entsteht, bewertete “Bild” die Leistung der Spieler des SV Werder Bremen im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach heute so:

Alle Bremer Spieler: 6

Wie Journalisten dem öffentlichen Interesse nachkommen können, ohne alles noch schlimmer zu machen, beweist sueddeutsche.de mit der knappen Meldung, dass Babak Rafati inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen sei.

Fast so lang wie der Artikel selbst ist diese Anmerkung:

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns entschieden, in der Regel nicht über Selbstmorde zu berichten, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Die Berichterstattung im Fall Rafati gestalten wir deshalb bewusst zurückhaltend, wir verzichten weitgehend auf Details. Der Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Suizide.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 22. November: Die Nachrichtenagentur dapd hat uns mitgeteilt, dass ihre Redakteure – entgegen unserer Spekulationen – durchaus mitbekommen hätten, dass sich offenbar Schlimmes zugetragen hatte. Die Redaktion habe sich aber erst ganz sicher sein wollen, bevor sie darüber berichtete.

Filter, Angstlust, Herman Cain

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Dieses Vorgehen ist ein Skandal”
(nationofswine.ch, Daniel Ryser)
Fußball und Journalisten: Daniel Ryser spricht mit Peer Teuwsen über die “Blick”-Kampagne gegen einen Stadionbesucher, der sich mit einer Petarde selbst verletzte. Siehe dazu auch “Und das soll ‘Krieg’ sein?” (blog.persoenlich.com, Peer Teuwsen).

2. “Eine Facebook-Räuberpistole in der ‘Kronen Zeitung'”
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Auch in der “Kronen Zeitung” steht etwas über Facebook und Einbrecher (BILDblog berichtete mehrfach).

3. “Welches Weltbild soll es denn sein?”
(faz.net, Jörg Wittkewitz)
Bei Wikipedia denke man über den Einsatz von Filtersoftware nach, schreibt Jörg Wittkewitz. “Genau die Befreiung, die in Nordafrika stattgefunden hat, könnte bei uns wieder zurückgedreht werden. Der Bilderfilter befriedigt die Angst konservativer Kräfte vor der Macht der bildlichen Darstellung von triebhaftem Geschehen.”

4. “Es macht Spaß, mir vorzustellen, dass alles zusammenbricht”
(zeit.de, Harald Martenstein)
Harald Martenstein denkt nach über die moralische Verwerflichkeit seiner Angstlust: “Seit Monaten verfolge ich die Nachrichten über die Euro-Wirtschafts-Schuldenkrise. Ich lasse keine Talkshow aus. Ich lese jeden Artikel. Inzwischen ist mir klar, dass es mir Spaß macht. Es macht mir Spaß, mir vorzustellen, dass eine Monsterinflation kommt, dass alles zusammenbricht, dass wir vor einem Armageddon der Weltwirtschaft stehen.”

5. “Skandal! Affäre! Enthüllung!”
(ardmediathek.de, Video, 44:45 Minuten)
“Ihre Highlights aus 50 Jahren ARD-Politikmagazinen.”

6. “Oh, the Hermanity!”
(thedailyshow.com, Video, 6:38 Minuten)
Herman Cain, einer der möglichen republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten für 2012, stellt sich an einer Pressekonferenz dem Vorwurf sexueller Belästigung.

Charlie Hebdo, Petarden, Bushido

6 vor 9

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1. “Charlie Hebdo: Brandsatz gegen Satire”
(ndr.de, Video, 5:38 Minuten)
Ein Besuch in der Redaktion der Satirezeitschrift “Charlie Hebdo”, die nach einem Brandanschlag bei der Zeitung “Libération” Asyl gefunden hat. “Allein die katholische Kirche hat 14 Prozesse gegen die Zeitung geführt – alle hat sie verloren.”

2. “Gefühle als Vorwand”
(jungle-world.com, Frederik Stjernfelt)
Frederik Stjernfelt schreibt über die Rezeption des Brandanschlags: “Das niederträchtige Argument, ein Brandanschlag sei nicht weniger verwerflich als einige, wenn auch etwas geschmacklose Witze, entstammt einer Haltung, die sich unter vielen westlichen Intellektuellen und Kommentatoren in den vergangenen Jahren verbreitet hat, nämlich aus dem Verständnis für die vermeintlich ‘verletzten Gefühle der Muslime'”.

3. “Die ‘Petarden-Trottel’-Kampagne – ein Fall für den Presserat?”
(philippe-wampfler.com)
Beim Fußballspiel Lazio Rom gegen den FC Zürich explodiert einem mitgereisten Anhänger der Zürcher eine Petarde in der Hand. “Doch das hindert Benny Epstein nicht daran, den Mann an den Pranger zu stellen, Photos von ihm zu publizieren und seinen Arbeitgeber und seine Eltern zu belästigen”.

4. “Mediale Hysterie hat deutlich zugenommen”
(meedia.de, Alexander Becker)
Ein Interview mit Rainer Schäfer über den Druck von Journalisten auf Fußballer. “Es ist naiv zu glauben, dass eine Art Selbstverpflichtung der Medien funktionieren könnte. Es wäre aber schon viel erreicht, wenn alle ein wenig Druck aus der Berichterstattung nehmen könnten, wenn Kritik weniger polemisch und diskreditierend geäußert würde.”

5. “All die ganzen Schlageraffen dürfen da singen”
(juliane-wiedemeier.de)
Wie oft die RBB-Abendschau über ein kommerzielles Musical berichtet.

6. “Hass und Diskriminierung: Was Burda für preiswürdig hält”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Bushido soll heute Abend den Medienpreis Bambi in der Kategorie Integration erhalten (Begründungen der Jury). “Geehrt wird der Bushido, dessen Marketingstrategie für den Moment die Rolle des ‘good guy’ vorsieht.”

Page Impressions, Altkleider, Wetten, dass…?

6 vor 9

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1. “Eine Frage der Einstellung”
(fernsehlexikon.de, Michael Reufsteck)
Michael Reufsteck denkt nach über ein Thema, das deutsche Medienjournalisten derzeit mehr als alles andere interessiert: Die Regelung der Nachfolge von Thomas Gottschalk bei “Wetten, dass…?”.

2. “Die Sackgasse Page Impression und ihre Folgen für den Journalismus”
(blogs.tageswoche.ch, David Bauer)
“Sogenannte Klickmonitoren haben in den meisten Onlineredaktionen Einzug gehalten und zeigen den Journalisten in Echtzeit an, welche Geschichten gut ‘performen’ und welche nicht: Sie zeichnen ein Zerrbild dessen, was die Leute interessiert, und liefern den Medienmachern falsche Anreize. Wer es auf Page Impressions anlegt, muss nur erreichen, dass seine Leser auf die Anrisse klicken. Leser klickt, Werbung lädt, Kasse klingelt.”

3. “Des Kaisers neue Kleider”
(dynamofanz-grug.de)
Fußball: Ein Fan von Dynamo Dresden fragt: “Wieso halten sich 15 Festnahmen zwei Wochen lang in den Nachrichten, während man von 90 Festnahmen bei anderen Spielen noch nicht einmal etwas zu hören bekommt?”

4. “New York, Tag 9”
(hermsfarm.de)
Eine Aufzeichnung von “The Daily Show” in New York: “Jon Stewart ist erstaunlich klein, er geht mir schätzungsweise bis zum 3. Rippenbogen und sein Jackett ist länger als seine Beine. Immer diese kleinen Fernsehmenschen. Dafür ist er tatsächlich so überdreht und lustig wie man es von ihm vermutet. Als wäre er ein Wrestler, nur eben etwas kleiner und im Jackett.”

5. “Media Reacts To Conan’s Same-Sex Wedding News”
(youtube.com, Video, 2:52 Minuten)
Wie US-TV-Sender die Ankündigung einer Hochzeit in der Late-Night-Talkshow “Conan” aufnehmen (“to push the envelope”: “bis an die Grenze gehen”).

6. “Die Altkleider-Lüge”
(ndr.de, Video, 28:55 Minuten)
Kleiderspenden aus Deutschland bedrohen die Textilindustrie in Tansania: “Längst haben die Altkleiderspenden aus den Industrieländern den größtmöglichen Schaden in Tansania angerichtet.” Siehe dazu auch “Das Kilo für 1,20 Dollar” (zeit.de, Michael Höft).

Hypo Real Estate, Mely Kiyak, Schäferhund

6 vor 9

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1. “Wen kümmern 50 Milliarden Euro?”
(stern.de/blogs, Hans-Martin Tillack)
Hans-Martin Tillack liefert Hintergründe, wie über Geldbeträge der verstaatlichten Bank Hypo Real Estate informiert wird und wie Journalisten diese Informationen aufnehmen und verarbeiten. Siehe dazu auch “Verrechnet – Milliarden und die HRE” (ndr.de, Video, 5:30 Minuten).

2. “Ui, Mely Kiyak!”
(titanic-magazin.de)
“Titanic” antwortet auf eine Kolumne von Mely Kiyak in der “Frankfurter Rundschau”, in der sie Mitglieder der Piratenpartei als “eine Ansammlung von zotteligen Typen” beschreibt. Sie schrieb damals: “Schwammige Figuren, ungesunder Teint, hässlich, mein Gott, da ist ja nix dabei! Man roch die vermieften T-Shirts regelrecht. Kein Wunder, dass keine Mädchen bei denen mitmachen. Ich verstehe jetzt auch, warum die Piraten keinen Wahlkampf mit Fotos veranstalteten – das Auge wählt schließlich mit.”

3. “Polizistenmord: Wie der Bayerische Rundfunk auf den Hund kam”
(augsburger-allgemeine.de, sbo)
Br.de illustriert eine Nachricht mit einem bearbeiteten dpa-Bild. Nebel wurde “durch ein diffuses Sonnenlicht ersetzt”, ein Schäferhund mitten in eine Gruppe von Bereitschaftspolizisten montiert. “Der Bayerische Rundfunk erklärt den Vorfall mir gegenüber mit einer internen Panne. Bei der Bildmontage handle es sich um eine Titelgrafik aus der Rundschau-Sendung im BR-Fernsehen.”

4. “Niveaulosigkeit”
(nullsummenspiel.tumblr.com, Pascal Paukner)
Pascal Paukner ärgert sich, wie Chris Köver in der Zeitschrift “Zeit Campus” über Jürgen Habermas beschreibt.

5. “Wir waren beim Fußball – und haben es überlebt”
(schwatzgelb.de, Sascha und Arne)
“Wer den Fußball komplett befrieden will, muss ihn seine Brisanz berauben – und damit auch all dem, was seine Faszination begründet”, schreiben Sascha und Arne in einem langen Artikel über Fußball und Gewalt. “Wenn sich Fangruppierungen auch abseits der Spiele bekriegen und jungen Fans auf dem Schulweg oder am Bahnhof aufgelauert wird, und wenn Täter in der Gruppe den unterlegenen Opfern die Fanutensilien rauben, dann ist das zweifelsohne bedenklich – seltsamerweise interessieren sich aber weder Polizei, noch Vereine, noch Medienvertreter für diese Ereignisse. Vielleicht sind sie einfach nicht spektakulär und medienwirksam genug?”

6. “Eine Frage des Geschmacks”
(karolinakuszyk.blogspot.com)
Karolina Kuszyk fragt ihre Freundinnen: “Was für Weisheiten haben euch eure Mütter mit auf den Weg gegeben?”

Schachbrett, Tyrannen, Bekennerschreiben

6 vor 9

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1. “Wie wir mit Bekennerschreiben umgehen”
(blogs.taz.de/hausblog, Magda Schneider, Kai von Appen und Peter Müller)
Wie die “taz Hamburg” mit “sogenannten Bekennungen” umgeht. “In der Redaktion herrschte Einigkeit darüber, dass wir uns nicht zu Hilfspolizisten machen lassen wollten. Denn ein Bekennerschreiben, das meist nicht von den Akteuren selbst stammt, hat rechtlich die gleiche Qualität wie von Informanten zugespieltes Material – es unterliegt dem Redaktionsgeheimnis. Deshalb schafften wir uns einen fiktiven Redaktionskater an, der noch bei laufender Produktion die Briefe verspeiste – was wir auch in der Zeitung mitteilten. Das verschonte uns sicherlich von vielen unangenehmen Hausbesuchen.”

2. “Lieber gut kopiert als …”
(oldenburger-lokalteil.de)
Der “Oldenburger Lokalteil” lädt ein zum Spiel “Welches ist die Pressemitteilung, welches der Zeitungsartikel?”. “Wenn Sie die Lösung haben, schicken Sie sie einfach an die Nordwest-Zeitung bzw. an das Delmenhorster Kreisblatt.”

3. “Die Inszenierung des Tyrannen-Todes”
(visdp.de)
“V.i.S.d.P.” spricht mit Historiker Thomas Großbölting über die Inszenierung der Tode von Benito Mussolini, Saddam Hussein, Osama bin Laden und Muammar al-Gaddafi: “Wenn man es gegenüber den Leserinnen und Lesern plausibel machen kann, dass die Wirklichkeit komplexer ist, als wir es uns in den Medienhypes und Bildikonen vorsetzen lassen, dann entsteht aus meiner Sicht wirklich guter Journalismus.”

4. “Strahlende Äpfel und giftige Birnen”
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.com, Thomas)
“Fukushima war schlimmer als Tschernobyl” ist der Titel eines Artikels auf focus.de. “Anlaß zu dieser Meldung ist ein Bericht, wonach eventuell in Japan bis zu zweieinhalb Mal so viel radioaktive Edelgasisotope von Xenon und Krypton frei wurden als bei der Katastrophe von Tschernobyl.”

5. “Sogenannter Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale?”
(publikative.org, Nicole Selmer)
Nicole Selmer macht sich Gedanken über die Berichterstattung zum Pokalspiel Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden.

6. “Komik statt Symbolik”
(stern.de, Florian Güßgen)
Wie Rainer Grünberg auf abendblatt.de zuerst bemerkt hat, ist das Schachbrett auf dem Titelbild des Buchs “Zug um Zug” von Helmut Schmidt und Peer Steinbrück falsch aufgestellt. Siehe dazu auch “Die Guttenbergs spielen nur mit weißen Figuren” (welt.de, Benjamin von Stuckrad-Barre, 21. Oktober 2010).

Hypo Real Estate, Hans Sarpei, Heimat

6 vor 9

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1. “Verschlossene Türen: Intransparenz bei Bad Bank”
(ndr.de, Video, 6:46 Minuten)
Die 2009 verstaatlichte Bankenholding Hypo Real Estate gibt der Öffentlichkeit kaum oder nur sehr eingeschränkt Auskunft. “Die Bad Bank – für ihre Kontrolleure wie für die Öffentlichkeit eine Black Box”.

2. “Befremden über ägyptisches TV-Interview mit Shalit”
(nzz.ch, Kristina Bergmann)
Der freigelassene israelische Soldat Gilad Shalit wird von Shahira Amin für das ägyptische Fernsehen interviewt. “Wegen ihrer erstaunlichen Fragen und der zwielichtigen Umstände fragten sich viele, ob Shalit das Interview freiwillig gegeben hatte.” Siehe dazu auch jpost.com (“The reporter is seated beside an Egyptian flag – as if she were not the interviewer but an Egyptian government interviewee. Schalit, by contrast, sits next to a houseplant”) oder derstandard.at.

3. “Das ‘Blick’-Girl vom Salon nebenan”
(20min.ch, A. Mustedanagic)
A. Mustedanagic spricht mit einer Frau, die von “Blick” bei der Wahl des “Girl des Jahres” als “kaufmännische Angestellte aus Birsfelden” angepriesen wird. Sie arbeitet aber auch in einem Erotikclub in Zürich.

4. “Angst, Hass, Titten, Hans!”
(schalkefan.de)
Fußballer Hans Sarpei macht Werbung für “Bild” (1/2). “Er sah die Möglichkeit, durch scheinbar harmlose und scheinbar ironische Werbespots ein Honorar für zwei von ihm ausgewählte soziale Projekte zu generieren. Dass er soziale Projekte unterstützt ehrt ihn. Das macht die Sache – für mich – jedoch nicht besser. Denn am Ende steht Werbung für ein Medium, das ich nicht beworben sehen möchte.”

5. “Sie haben mich gehackt!”
(taz.de, Steffi Dobmeier)
Steffi Dobmeier hat eines Morgens keinen Zugang mehr auf ihr E-Mail- und ihr Facebook-Konto. Ein Protokoll.

6. “Meine Heimat Internet”
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo erinnert sich an seine Ankunft in der “Heimat Internet”: “Da waren Menschen, direkt hinter meinem Bildschirm. Und sie waren mir näher als die meisten in der Offline-Welt. Wo ich zuvor nur auf Medien und Datenbanken von Unternehmen gestoßen war, gab es Leute, die meinen Humor teilten, die diskutierten, die mich liebevoll und weniger liebevoll beschimpften – Menschen, die mich wirklich interessierten.”

Tatort, Arne Friedrich, Natascha Sagorski

6 vor 9

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1. “Gab nie ein Österreich-Interview zu meinem Buch”
(kurier.at)
Eine Journalistin von “Österreich” ruft Hugo Portisch an und fragt nach einem Interview. Obwohl dieser ablehnt, erscheint die kurze Plauderei als Interview. Siehe dazu auch “Ein Interview ist ein Interview!” (diepresse.com, Thomas Kramar)

2. “Im Angesicht des Todes”
(uni-muenster.de)
Stephan Völlmicke untersucht in seiner Doktorarbeit die Darstellung des Todes in der Krimiserie “Tatort”: “Im Verlauf der untersuchten 40 Jahre hat sich die Bebilderung des Todes deutlich verändert. Die Todesdarstellungen sind heute so intensiv und direkt wie nie zuvor.”

3. “Unsere Kunden erwarten, dass wir ein Convenience-Produkt liefern”
(persoenlich.com, Edith Hollenstein)
Die Meldungen der inzwischen einzigen Schweizer Nachrichtenagentur SDA “werden häufig 1:1 von Onlineportalen übernommen und auch in den Printausgaben gedruckt.” Ein Interview mit dem Chefredakteur Bernard Maissen.

4. “Die Medien zum Feind”
(zeit.de, Steffen Dobbert)
Fußballer Arne Friedrich und die Medien. “Nach der WM in Deutschland bemerkte er, wie die veröffentlichte Meinung sich von der vieler Menschen unterscheidet. Während der WM machten ihn die Medien für einige Gegentore in der Vorrunde verantwortlich. Dabei hatte er nur, wie vom Trainer verlangt, nicht auf Abseits gespielt.”

5. “Baron Münchhausens Ururenkelin oder nur die nervigste Tratschtante, auch modisch gesehen?”
(horstson.de)
Horston schreibt über Natascha Sagorski: “Wenn man es in das Allerheiligste eines TV-Senders geschafft hat und drinnen ist, rafft man dann alles an Schnipseln zusammen, das es an elektronischen und gedruckten Fakes und aus der Luft gegriffenen Erfindungen und unbewiesenen Gerüchten über Prominente gibt, weil man von der Weiterverwertung solcher Meldungen, die eigentlich gar keine sind, lebt oder sich dann einfach mehr leisten kann, so man nebenbei auch noch einen richtigen Beruf erlernt hat und dem auch tätig nachgeht.”

6. “E-Book meldet sich, wenn’s im Text spannend wird”
(welt.de, Hans Zippert)

Immer das gleiche Lied

Das ist aber blöd gelaufen:

Rainer Calmund, Ex-Fußballmanager und Berufs-Promi hat ein Buch geschrieben mit dem Titel “Eine Kalorie kommt selten allein”. In diesem Buch macht Calmund auf Seite 52 eine merkwürdige Feststellung.

“Intoniert wurde 1954 im Wankdorf-Station in Bern übrigens die erste Strophe des Deutschlandliedes, die ich auch heute noch bei Länder-Spielen voll mitsinge.”

Das Online-Special zur Frankfurter Buchmesse vom Hessischen Rundfunk hat diesen “dicken Fehler” bemerkt und schrieb dazu:

Die erste Strophe des Deutschlandliedes zu singen, ist ein Tabu, weil diese Strophe eng mit den Nazis und dem Dritten Reich verbunden wird.

Das ist jetzt erst mal nur verkürzt und noch nicht falsch. Aber der Artikel ist ja lang genug.

So stand im Vorspann:

Gerne singe er die erste Strophe des Deutschlandliedes lauthals mit, steht da zu lesen. Dumm nur, dass dieser Text auf dem Index steht.

Und weiter hinten:

Und leider gibt es auch heute noch Fußballfans, besonders im rechtsradikalen Millieu, die gerne mal diese erste Strophe des Deutschland-Liedes singen, obwohl das verboten ist.

Beides ist Unfug. Die erste Strophe des Deutschlandlieds war nie und ist nicht verboten. Es gilt nur in weiten Teilen der Bevölkerung als unschicklich, diese Strophe zu intonieren. (Aber das wussten Sie natürlich längst.)

hr-online.de hat die Behauptung, die erste Strophe stehe auf dem Index, irgendwann unauffällig aus dem Text getilgt (und bei dieser Gelegenheit die Schreibweise von Calmunds Vornamen korrigiert), bleibt aber weiter bei der Darstellung, sie sei “verboten”.

Mit Dank an Krischn.

Nachtrag, 16.30 Uhr: Offenbar schon vor Veröffentlichung dieses Blogeintrags hatte hr-online.de den letzten Fehler korrigiert:

Und leider gibt es auch heute noch Fußballfans, besonders im rechtsradikalen Millieu, die gerne mal diese erste Strophe des Deutschland-Liedes singen, um zu provozieren.

Alternativmedizin, Neon, Steve Jobs

6 vor 9

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1. “Wie sich Die Presse mit Homöopathie blamiert”
(scienceblogs.de, Ulrich Berger)
Ulrich Berger befasst sich mit dem Artikel “Was die Homöopathie kann – oder auch nicht”. “Die Presse hält die Leser von Artikeln zur Alternativmedizin offenbar für geistig beschränkt – eine Tendenz, die man übrigens auch in anderen Medien beobachten kann.”

2. “Serbisches TV mit falschem Nobelpreisträger”
(kurier.at)
“Eine der echten Internetpräsenz des Nobelpreis-Komitees ähnelnde Seite” bringt mehrere serbische Medien dazu, nicht Tomas Tranströmer, sondern Dobrica Ćosić als Träger des diesjährigen Literaturnobelpreises zu vermelden.

3. “Wie war nochmal die Frage?”
(griepentrog.org, Hannes Griepentrog)
Hannes Griepentrog liest im “Tübinger Wochenblatt” eine Umfrage zum Papst-Besuch: “Die Frage ist so offen, dass man alles und nichts darauf antworten kann. Um das zu kanalisieren, gibt es daher verschiedene Antwortvorgaben, die jeweils unterschiedliche Unterstellungen beinhalten.”

4. “Hölle! Hölle! Hölle! Klaut NEON wirklich Themen?”
(christoph-koch.net)
Christoph Koch schreibt zur Nominierung von “Neon” zum “Freischreiber”-“Hölle”-Preis. “Mal ehrlich: Das hätte man sich bei den Freischreibern früher überlegen müssen, bevor man so scharf schießt.” Siehe dazu auch: “Wie die Nominierungen für den Himmel-und-Hölle-Preis zustande gekommen sind” (freischreiber.de).

5. “Falschmeldung in der BZ”
(herthabsc.de)
Werner Gegenbauer, Präsident des Fußballvereins Hertha BSC Berlin: “Der Inhalt dieses Artikels entbehrt jeder Wahrheit. Wir haben uns in der beschriebenen Präsidiumssitzung nicht über die Genehmigung eventueller Neuverpflichtungen unterhalten.”

Hinweis, 13:00 Uhr: Der Beitrag auf herthabsc.de ist inzwischen nicht mehr verfügbar. Auf unsere Anfrage, warum dem so ist, antwortete die Pressestelle: “Natürlich stehen wir noch zu der Aussage. Aber der Artikel stand gestern in der Zeitung. Wir haben gestern darauf reagiert. Nicht mehr und nicht weniger.”

6. “Weltverbesserer für wenige”
(spiegel.de, Stefan Kuzmany)
Was bedeutet es, “den Geschäftsmann Steve Jobs zu einer Art religiöser Figur zu stilisieren, als größten praktischen Philosophen seiner Zeit?”, fragt Stefan Kuzmany. “Was sagt es aus, Jobs ernsthaft und so wie auch in der Apple-Eigenwerbung als einen zu bezeichnen, der die Welt zu einem besseren Ort gemacht hat? Es sagt viel über die Menschen, die das tun.”

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