Suchergebnisse für ‘fußball’

Tom Bartels, Medienkriege, Geheimdienste

1. “Wie tickt Tom Bartels?”
(newsroom.de, Markus Wiegand)
Ein Interview mit Tom Bartels, der das Finale der Fußball-WM kommentieren soll: “Jeder Reporter, auch ich, könnte einfach zehn Prozent mehr schweigen. (Man hört eine Frauenstimme im Hintergrund.) Meine Frau Tina, die gerade wiederkommt, ruft: 20 Prozent.”

2. “Pressefreiheit mitgelöscht”
(berliner-zeitung.de, Jonas Rest)
Vom Recht auf Vergessenwerden betroffene Zeitungen müssen “eine Möglichkeit des außergerichtlichen Widerspruchs haben”, findet Jonas Rest: “Ansonsten verkommt die Pressefreiheit zur funktionslosen Dekoration: Es werden viele kritische Texte auf den Servern von Nachrichtenportalen liegen, die aber nutzlos sind, da sie niemand findet, wenn er sie wirklich braucht.” Siehe dazu auch “Google reverses decision to delete British newspaper links” (reuters.com, englisch).

3. “Kiews Dilemma mit den russischen Medien”
(nzz.ch, Rudolf Hermann)
Die ukrainischen Behörden fragen sich, wie sie mit russischen Medien umgehen wollen, die “offen desinformieren”, berichtet Rudolf Hermann: “Nicht nur in Russland, sondern auch in weiten Teilen der russischsprachigen Ostukraine gehört russisches Fernsehen zu den wichtigsten Informationskanälen. Die Objektivität der Information wird dabei wenig hinterfragt.”

4. “Der Krieg der Phrase”
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.ch)
Der “erste Medienkrieg” der Geschichte.

5. “‘Spüre die Angst auch schon in Deutschland'”
(deutschlandradiokultur.de, Korbinian Frenzel)
Boris Reitschuster, Autor des Buchs “Putins Demokratur”, redet über seine Erfahrungen mit dem russischen Geheimdienst FSB: “Ich wurde einmal festgenommen, ich wurde einmal umgefahren von einem Auto, absichtlich, wo man sagte, ich stehe ich Weg. Man hat mich dann umgefahren. Ich wurde einmal verprügelt. Man wird richtig ängstlich, ich spüre diese Angst inzwischen auch schon in Deutschland, wenn ich jemand sehe mit einer Kunstlederjacke und mit einem bestimmen Haarschnitt, dann fange ich schon an nervös zu werden, obwohl es hier in Deutschland natürlich Fehlalarm ist.”

6. “Von der NSA als Extremist gebrandmarkt”
(tagesschau.de, Lena Kampf, Jacob Appelbaum und John Goetz)
Wer sich mit Software zum Schutz vor Überwachung im Internet beschäftigt, wird von der NSA als “Extremist” markiert: “Extremisten? Das Gegenteil ist der Fall, wie die Recherchen zeigen. Die deutschen Opfer sind politisch keinesfalls am äußeren Rand zu finden. Extrem sind sie allein in einem Punkt: Sie sind besorgt um die Sicherheit ihrer Daten. Und genau das macht sie in den Augen des US-Geheimdienstes verdächtig.”

Per Mertesacker, Mindestlohn, Erdbeben

1. “Haut ab mit eurem Wow-Effekt!”
(zeit.de, David Hugendick)
Ein ZDF-Interview mit Per Mertesacker (youtube.com, Video, 2:35 Minuten) im Anschluss an das Fußball-WM-Spiel Deutschland gegen Algerien: “Im Fernsehen, wo notorisch ‘magische Momente’ eingefordert werden, hat Negativität keinen Platz mehr. Man will lieber Wirklichkeit mit dem Emotionswert der Soap-Opera. Man will ‘echte Tränen’, ‘echte Freude’ und alles, was sonst noch unter dem Modewort ‘Authentizität’ firmiert, die nur gut ist, solange sie sich anpasst und irritationsfrei konsumierbar ist.”

2. “Herzlichen Glückwunsch, Boris Büchler!”
(faz.net, Frank Lübberding)
Frank Lübberding gratuliert ZDF-Reporter Boris Büchler zu diesem Interview und regt an, sich mit dem Bundestrainer zu beschäftigen: “Stattdessen sieht man etwa im Fernsehen jene Szenen namens ‘Löw am Strand’ im WM-Quartier der Nationalmannschaft. Ein nachdenklicher Trainer auf dem Wege zu Ruhm, so ist diese Form des öffentlich-rechtlichen Propaganda-Fernsehens zu nennen. Offenkundig muss jeder Journalist für ein kritisches Wort befürchten, am Hofe des DFB in Ungnade zu fallen.” Siehe dazu auch “In Interviewgewittern” (begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig).

3. “LSR: Wiederholt sich die Geschichte?”
(vocer.org, Heidi Tworek und Christopher Buschow)
Heidi Tworek und Christopher Buschow erinnern an das Gesetzgebungsverfahren in den 1920er-Jahren, als mit der zunehmenden Verbreitung des Radios “die Forderung nach einem rechtlich geregelten Nachrichtenschutz” aufkam.

4. “Schlechte Schlagzeilen (1): ‘Warum in Deutschland stärkere Erdbeben drohen'”
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Die Schlagzeile “Warum in Deutschland stärkere Erdbeben drohen” auf Focus.de: “Die Gefahr durch geologische Aktivität ist heute nicht größer als sie es in der Vergangenheit war. Es ist nichts passiert, dass eine neue ‘Bedrohung’ durch Erdbeben verursacht hat. Wir wissen nun nur besser über die Statistik Bescheid als vorher.”

5. “Warum werden eigentlich ausgerechnet Zeitungszusteller vom Mindestlohn ausgenommen?”
(nachdenkseiten.de, Jens Berger)
Der angeblich flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro soll erst ab 2017 auch für Zeitungszusteller gelten. “Geht es nicht noch ein bisschen grotesker und dreister?”, fragt Jens Berger zur Behauptung, die Pressefreiheit sei dadurch in Gefahr: “Nach dieser Logik sind auch Hungerlöhne für Krankenpfleger gerechtfertigt, da ansonsten ja Krankenhäuser geschlossen werden müssten und die öffentliche Gesundheitsvorsorge in Gefahr wäre. Nach dieser Logik ließen sich in so ziemlich in jeder Branche Hungerlöhne rechtfertigen.”

6. “Die gesammelten Bauer-Regeln zu Journalismus im Netz”
(davidbauer.ch)

Bild  

Böses Foul an Schweinifurt!

Stuttgart liegt am Ganges /
Berlin liegt an der Seine …

(Traditioneller “Bild”-Merkreim)

Mit dem Deutschlandbild der “Bild”-Zeitung stimmt was nicht. Gut, das hatten wir in der vergangenen Woche schon festgestellt, aber es ist seitdem nicht besser geworden.

Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft berichtet das Blatt heute, dass “wir” “ab heute ballaballa sind”. Es hat den größten Teil der Titelseite für etwas freigeräumt, das es “die wahre Deutschland-Karte” nennt und als Vorwand für die schlechtesten Wortspiele der Welt nimmt, darunter: “Fifalkensee” statt Falkensee, “DFBeelitz” statt Beelitz, “Pfostsee” statt Ostsee; “Bumm” für Bonn und “Gelsenkonter” für Gelsenkirchen.

Angesichts dessen sind die geographischen Unzulänglichkeiten der Karte, zugegeben, harmlos, aber nicht minder rätselhaft.

Kaiserslautern, zum Beispiel, liegt plötzlich in Sichtweite des Rheins, aus Hof ist Bayreuth geworden, Schweinfurt hat den Platz von Coburg eingenommen, und Bamberg ist über den Main in Richtung Norden gezogen. Dafür hat sich die Fränkische Schweiz auf den Weg in die umgekehrte Richtung gemacht und liegt nun nicht mehr nördlich, sondern südlich von Nürnberg und Fürth.

Auch diese Karte ist ein Geschenk für den Geographieunterricht in der Schule, und wahrscheinlich kann man mehrere Stunden damit füllen, gemeinsam alle Fehler zu entdecken (“Liegt Magdeburg wirklich nördlicher als Berlin?”).

Das eigentliche Rätsel aber ist, warum die “Bild”-Grafiker nicht einfach vorhandenes Kartenmaterial verwenden anstatt sich immer wieder vergeblich daran zu versuchen, die Geographie Deutschlands zu erraten.

Mit Dank an Matthias B.!

Katrin Müller-Hohenstein, China, Ägypten

1. “Die falsche Debatte”
(frau-dingens.de, Mina)
Mina analysiert Feuilleton-Artikel zur Technik der Zukunft: “Das Bildungsbürgertum wehrt sich mit letzter Kraft gegen die digitale Durchdringung der Gesellschaft, die so viele Nachteile anderer Milieus ausgleichen kann, und somit den eigenen Status gefährdet.”

2. “Banal, belanglos, Müller-Hohenstein”
(berliner-zeitung.de, Anne Burgmer)
Katrin Müller-Hohenstein berichtet für das ZDF von der Fußball-Weltmeisterschaft: “Müller-Hohenstein berichtet, wo es nichts zu berichten gibt. Sie erklärt während der Live-Schalte in den Fernsehgarten, wann die Mannschaft gelandet ist, dass sie dann im Bus weiterfuhr und schließlich auf die Fähre wechselte. Und dann wieder in den Bus. Und dann Koffer auspackte.”

3. “Were Luis Suárez’s bite marks Photoshopped?”
(theguardian.com, Jonny Weeks, englisch)
Fußball: Die Debatte um ein Foto von Tony Gentile (Reuters), das eine Bisswunde an der Schulter von Giorgio Chiellini zeigt.

4. “Neue Maulkörbe für Chinas Journalisten”
(derstandard.at, Johnny Erling)
Medienfreiheit in China: “Unter dem Slogan ‘Kampf gegen Gerüchteverbreiter’ wurde eine Reihe sogenannter Blogger-Meinungsführer unter Straftatsvorwürfen festgenommen und mit Schuldeingeständnissen als reuevoll auftretende Sünder im TV vorgeführt. Einfachen Bloggern wird mit Strafverfolgung gedroht, falls von ihnen ins Netz gestellte (Falsch-)Nachrichten mehr als 500-mal weitergeleitet werden.”

5. “Wer ist das Volk?”
(sueddeutsche.de, Sonja Zekri)
Medienfreiheit in Ägypten: “Zehntausende politische Gefangene, Hunderte Todesurteile und sechs tote Journalisten seit vergangenem Jahr haben ein Klima geschaffen, in dem nach den Worten des Schriftstellers Alaa al-Aswani ‘nur eine Meinung erlaubt ist, ein Gedanke in den immer gleichen Worten.'”

6. “Klicks sind tot: Upworthy veröffentlicht Code, um Aufmerksamkeit zu messen”
(t3n.de, Kim Rixecker)
Kim Rixecker schreibt über den Blogbeitrag “Implementing Attention Minutes, Part 1” (upworthy.github.io, Zane Shelby, englisch). “Mittels verschiedener Scripte soll genau gemessen werden, ob eine Seite derzeit aktiv ist und wie lange der Besucher sich beispielsweise ein Video auf der Seite anschaut.”

Die wahre traurige Geschichte hinter Cristiano Ronaldos neuer Frisur

Inzwischen ist es ja normal, dass deutsche Journalisten total am Rad drehen, sobald irgendein Fußballer (oder Trainer) irgendwas mit seinen Haaren anstellt. Diesmal ist es aber besonders extrem. Nicht nur, weil es um Superstar Cristiano Ronaldo geht, der beim letzten WM-Spiel mit einem ins Haupthaar einrasierten Zickzack-Muster auflief, sondern weil sich hinter dieser Frisur eine “ergreifende” bzw. “rührende” bzw. “traurige” bzw. “dramatische” Geschichte verbirgt.

Im März wurde nämlich bekannt, dass Ronaldo eine Familie finanziell unterstützen will, deren kleiner Sohn Erik an einer Hirnerkrankung leidet und eine teure Operation benötigt.

Was das mit der Frisur zu tun hat? Nun, der “Blitz” sei in Wirklichkeit kein Blitz, schreiben die Medien, sondern er zeichne die OP-Narbe des kleinen Jungen nach, der Ende letzter Woche operiert worden sei. Ein Zeichen der Verbundenheit also. Hach!

Erzählt wurde diese ergreifende Geschichte bislang unter anderem von “RP Online”, “Focus Online”, Stern.de, Bild.de, DerWesten.de, Blick.ch, HNA.de, Heute.at, dem “Sport-Informations-Dienst” (auf dem einige der anderen Artikel beruhen), den Online-Auftritten von “Handelsblatt”, NDR, “Weser Kurier”, “Bunte”, “intouch”, “Sportbild”, “Berliner Zeitung”, “Augsburger Allgemeine”, “tz”, “Hamburger Abendblatt”, “Münchner Abendzeitung”, “Mopo”, N24, “Berliner Morgenpost”, außerdem vom “Express”, der “Süddeutschen Zeitung”, der “Nürnberger Zeitung”, der “FAZ”, der “Welt” und vielen mehr.

Eine Quelle geben viele Medien dabei allerdings nicht an. Und das ist der Haken an der Sache.

Wahrscheinlich beruht die Geschichte ursprünglich auf diesem Tweet:


Sieht zwar recht seriös aus, ist aber, wie sich nach anderthalbsekündiger Recherche zeigt, ein Fake-Account (“Not affifilated with the FIFA World Cup”). Und der wiederum hat die Story offenbar von diesem hier:

Auch hier hält sich die Seriosität eher in Grenzen. Andere Tweets des Nutzers lauten zum Beispiel:

Oder:

Davon abgesehen leidet der kleine Junge nicht, wie in den Tweets (und in ihren zahlreichen Varianten) behauptet wird, an einem Tumor, sondern an kortikaler Dysplasie. Einen Beleg dafür, dass Ronaldos Frisur irgendwas mit der OP-Geschichte zu tun hat, liefern die Tweets ohnehin nicht. Spätestens hier hätten die Journalisten — so sie denn recherchiert hätten — also stutzig werden müssen. Und allerspätestens am Montagabend. Da schrieb die Mutter des kleinen Jungen auf ihrer Facebookseite nämlich:

Ich habe gesehen, dass in den sozialen Netzwerken das Gerücht verbreitet wird, Cristiano Ronaldo hätte sich einen Haarschnitt zu Ehren von Eriks Operation machen lassen, aber ich möchte klarstellen, dass das nicht der Fall ist. Mein Sohn wurde noch gar nicht operiert. Cristiano Ronaldo hat zugesagt, einen Teil der Kosten für die Operation zu übernehmen, wenn mein Sohn sich dieser unterziehen muss, aber dieser Tag ist zum Glück noch nicht gekommen.

(Übersetzung von uns.)

Inzwischen sind auch einige Medien wieder halbwegs zurückgerudert. “Bild” und “Sportbild” beispielsweise haben ihre Artikel um den Hinweis ergänzt, dass es keine offizielle Bestätigung für die Frisurengeschichte gebe. Das “Handelsblatt” hat den Online-Artikel kurzerhand gelöscht. Und Stern.de hat zwar die Sache mit der Operation korrigiert (“Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass Erik Ortiz Cruz bereits operiert worden sei. Das ist nicht der Fall”), findet aber immer noch, dass die Frisur einen tieferen Sinn habe:

Ronaldo wollte nicht symbolisieren, dass er (blitz-)schnell ist. Die einrasierte Stelle steht für eine Narbe am Kopf. Und damit für eine bewegende Botschaft: Der einjährige Erik Ortiz Cruz leidet an einer schweren Hirnerkrankung, er muss operiert werden, auch sein Kopf wird einmal über eine solche Narbe verfügen.

Offenbar findet Stern.de die Geschichte dann doch zu schön, um sie ganz aufzugeben.

Mit Dank an Claudia und pre.

Gabor Steingart, Crowdfunding, Übersetzungen

1. “Das deutsche Internet, erklärt von Gabor Steingart”
(sixtus.net)
Mario Sixtus befasst sich mit dem FAZ-Text “Unsere Waffen im digitalen Freiheitskampf” von Gastautor Gabor Steingart: “Herr Steingart behauptet hier nichts anderes, als dass sämtliche deutschsprachigen Artikel, die Google indiziert hat – also wohl so ziemlich beinahe fast alle Texte im deutschen Internet -, ihren Ursprung in deutschen Zeitungsverlagshäusern haben. Alle. Deutschen Texte. Im Internet.”

2. “Rezensentische Fehlgriffe”
(titel-kulturmagazin.net, Pieke Biermann)
Übersetzerin Pieke Biermann geht sehr detailiert ein auf eine Kritik des NZZ-Feuilletons an der Übersetzung, die sie für das Buch “Behind the Beautiful Forevers” von Katherine Boo angefertigt hat.

3. “Dinstinguiert, umschwärmt”
(journal21.ch, Heiner Hug)
Heiner Hug erinnert an Paul Spahn, Sprecher der Tagesschau des Schweizer Fernsehens von 1959 bis 1985.

4. “Wie wird Crowdfunding erfolgreich?”
(curcuma-medien.de, Anita Grasse)
Anita Grasse denkt darüber nach, wie man erfolgreiches Crowdfunding macht. “Klar, auch wer diese fünf Erfolgsgeheimnisse beherzigt, kann mit seinem Projekt gnadenlos scheitern. Falscher Ort, falsche Zeit, falsche Plattform, falsche Leute.”

5. “‘ARD und ZDF verstehen sich als versteckte PR-Kompanie des DFB'”
(meedia.de, Alexander Becker)
Philipp Köster mit einer Zwischenbilanz zu den Leistungen von ARD und ZDF zur Fußball-Weltmeisterschaft: “Wenn man Mario Götze schon mal ausführlicher vors Mikrofon bekommt, wäre das doch eine feine Gelegenheit, ihn mal zu ein paar fußballerischen Dingen zu befragen. Stattdessen geht es dann um Frühstücksrituale und darum, ob er sich nicht der Schafkopfrunde der Kollegen anschließen möchte. Da schaltet man doch gerne schnell mal um.”

6. “BILD dir deine Doppelmoral”
(extra3.blog.ndr.de)
Siehe dazu auch “Warnung vor Veröffentlichung” (djv.de).

Sport Bild, Spiegel Online, Social-Media-Redakteur

1. “Der Social-Media-Redakteur – das überschätzte Wesen?”
(onlinejournalismusblog.com, Stephan Dörner)
Die Frage, “was von den eigenen Inhalten beachtet wird und was nicht”, entgleite den Redaktionen zunehmend, stellt Stephan Dörner fest, weshalb es zunehmend auch gar keine “Blattmacher” benötige. “Auch für Werbekunden erfordert die wachsende Bedeutung von Social Media ein Umdenken: Kann der Werbekunde, der eine Anzeige bei Handelsblatt Online oder dem Wall Street Journal bucht, wirklich noch sicher sein, dass diese vor allem die Zielgruppe erreicht? Vermutlich immer weniger, je größer der Anteil von Lesern wird, der eher zufällig auf der Website landet, weil ein einzelner Artikel – wenn er ein Reizthema behandelt oder das Thema einer gut vernetzten Gruppe – zum Facebook-Hit wird.”

2. “Die substantiellen Probleme von Spiegel Online”
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat befasst sich mit der Online-Strategie von “Spiegel” und “Spiegel Online”: “Die Zwei Klassen-Gesellschaft in der Spiegel Gruppe, also die Printredaktion mit ihren Gesellschafteranteilen (Mitarbeiter-KG) versus Online ohne Anteile am Verlag, bleiben das zentrale Problem.”

3. “Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Für die nicht wissen wie”
(titanic-magazin.de, Stefan Gärtner)
“Sport Bild” lässt Kevin Großkreutz Fragebogen mit witzig gemeinten Antworten ausfüllen (BILDblog berichtete), um ihm diese später ernsthaft vorzuhalten.

4. “Er kann es einfach nicht”
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig liest das Buch “Ganz oben ganz unten” von Christian Wulff: “Ich habe inzwischen keinen Zweifel daran, dass Wulff in einer Mischung aus selbst­verschuldetem Unglück und narzisstischem Jagdtrieb einiger wildgewordener Egomanen einem eben auch qualitätsmedialen Blutrausch erlag, in dem sich zu Beginn mehrere Jäger gleichzeitig auf das gleiche Objekt konzentrierten. Zunächst begann ein Wettkampf (‘Bild’, ‘stern’, ‘Spiegel’). Als ‘Bild’ durch die Mailbox-Nachricht praktisch über Nacht ein Faustpfand in der Hand hatten, übernahm ‘Bild’ die Führungsrolle. Willig liessen sich nahezu alle selbsternannten Qualitätsmedien vor den Karren spannen.”

5. “The German war against the link”
(buzzmachine.com, Jeff Jarvis, englisch)
Jeff Jarvis kommentiert die Forderung deutscher Verleger an Suchmaschinen, “bis zu elf Prozent der Umsätze, die sie mit Ausschnitten aus Online-Presseerzeugnissen erzielen, an die Zeitungen und Zeitschriften” weiterzureichen: “They are trying to blackmail net companies in hopes of getting some payoff from them.”

6. “Fußballfloskeln wörtlich genommen”
(youtube.com, Video, 5:15 Minuten)
Die Sendung mit der Maus nimmt Fußballreporter mal wörtlich.

Sven Lau, Jakob Augstein, Win-Win-Situationen

1. “Künstliche Aufregung um etablierte Praxis”
(medienwoche.ch, Karin Müller)
“Wir alle müssen uns von einem Journalismus verabschieden, der aus zwei Werten bestand: Qualität und Unabhängigkeit”, schreibt Ex-Journalistin Karin Müller. “Auch ich bin abgewandert und versuche nun für meine Mandanten Win-Win-Situationen bei den Verlagen herauszuholen. Im Lifestyle-Bereich ist die Sache ziemlich korrupt. Wer eine bestimmte Anzahl Inserate bucht, bekommt Zusagen über redaktionelle Beiträge.”

2. “Vor- und Nachruf auf Frank Schirrmacher”
(umblaetterer.de, Josik)
Für den “Spiegel”-Nachruf auf Frank Schirrmacher verwendet Jakob Augstein Sätze, die er bereits 2012 so ähnlich im “Freitag” veröffentlicht hatte.

3. “Der ‘Hilfspolizist'”
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Wie zwei verschiedene Journalisten reagieren auf Auskunftsbegehren der Behörden zu Sven Lau. “Noch immer haben Pressemenschen ein Zeugnisverweigerungsrecht, noch immer haben sie ihre Informanten zu schützen, noch immer ist es nicht ihre Aufgabe, Beschuldigte zu belasten.”

4. “eBook Reader Test der Computerbild sieht Tolino Vision vorne”
(lesen.net, Johannes Haupt)
Ein E-Book-Reader-Test in der “Computer Bild”. “Test-Sieger darf sich der Tolino Vision nennen, Preis-Leistungs-Sieger ist der Kindle (49 Euro). (…) Gewissermaßen prämiert die Computerbild hier ihr eigenes Gerät. Denn der Axel-Springer-Verlag ist über seine Beteiligung an Tolino-Partner buecher.de selbst ein Teil der Allianz, auf ebook.bild.de sind Tolino Vision und Tolino Shine mit voreingestelltem Bild eBook Store erhältlich.”

5. “Das böse, böse Amazon”
(buggisch.wordpress.com)
Christian Buggisch liest im Feuilleton der “Süddeutschen Zeitung” einen Text über Amazon: “‘Der Tag muss kommen, da Amazon seine Macht einsetzen wird, um Geld zu verdienen; der Tag, da hinter den lächelnden Pappschachteln Amazons wahres Gesicht zum Vorschein kommt.’ Himmel hilf! Rette sich, wer kann, vor einem Unternehmen, das Geld verdienen will!”

6. “Verliebt am Pool”
(11freunde.de, Dirk Gieselmann)
Dirk Gieselmann notiert eine “Hofberichterstattung” und einen “distanzlosen Ranschmeißjournalismus” in der Berichterstattung von ARD und ZDF zur Fußball-Weltmeisterschaft. “Sportlich läuft es gut, und das ist auch durchaus wünschenswert. Aber es ist kein Grund für die Sender, derart affirmativ zu Werke zugehen, dass man glauben könnte, sie seien der verlängerte Arm der DFB-Pressestelle.”

Julian Assange, Ottmar Hitzfeld, Kurt Westergaard

1. “Snowdens Deutschland-Akte: Die Dokumente im PDF-Format”
(spiegel.de)
“Spiegel Online” veröffentlicht 53 PDF-Dateien aus den Snowden-Leaks, teilweise mit Deutschland-Bezug. Siehe dazu auch “Abkürzungen erklärt: So lesen Sie die NSA-Dokumente” (spiegel.de).

2. “Assange wohnt, wo das WC war”
(tagesanzeiger.ch, Peter Nonnenmacher)
Seit 730 Tagen wohnt Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London: “Zu diesem Zweck schieben in der ­Regel mindestens drei Polizisten vor No 3 Hans Crescent in London SW1X Wache. Der edwardianische Wohnblock, in dem sich das Botschaftsappartement ­befindet, ist rund um die Uhr umstellt. Über 12’000 Franken pro Tag verschlingen die Sicherheitsmassnahmen nach Polizeiangaben insgesamt. Auf 9 Millionen Franken summiert sich die Rechnung bisher.”

3. “Ringier/ Hitzfeld: Ein spezielles Doppelmandat”
(bilanz.ch, Ueli Kneubühler)
Der Vertrag des Trainers der Schweizer Fußball-Nationalmannschaft mit dem Ringier-Verlag: “Man stelle sich vor, Jogi Löw, Trainer des deutschen Fussballnationalteams, hätte einen Beratervertrag mit der Boulevardzeitung ‘Bild’. Das ist in Deutschland undenkbar. In der Schweiz ist es Realität.”

4. “Why Audiences Hate Hard News—and Love Pretending Otherwise”
(theatlantic.com, Derek Thompson, englisch)
Was Leser klicken: “The more attention-starved we feel, the more we thirst for stimuli that are familiar. We like ice cream when we’re sad, old songs when we’re tired, and easy listicles when we’re busy and ego-depleted. (…) In this light, there are two problems with hard news: It’s hard and it’s new.”

5. “‘Ich bin eine Persona non grata'”
(fr-online.de, Klaus Staeck)
Karikaturist Kurt Westergaard wird befragt von Klaus Staeck: “Dass wir in Dänemark unsere muslimischen Mitbürger satirisch darstellen, bedeutet nicht Exklusion, sondern Inklusion in die Gesellschaft. Sie werden satirisch behandelt genau wie ethnische Dänen.”

6. “WAR PORN”
(kwerfeldein.de, Martin Gommel)
Martin Gommel liest den Fotoband “War Porn” von Fotograf Christoph Bangert.

Journalismus? Am Arsch

Falls Sie sich die Zeit bis zum WM-Anpfiff noch damit vertreiben wollen, Ihren Mitmenschen mit belanglosem Fußballhalbwissen auf den Keks zu gehen, bietet die “Bild”-Zeitung von heute eine hervorragende Grundlage.

“Auf dieser Seite werden Sie garantiert klüger”, vespricht das Blatt und kann neben jenen Fakten, die von “Bild”-Lesern vermutlich eher mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen werden (Fakt 40: “Busenblitzer sind im Stadion nicht gerne gesehen”), vor allem mit Kuriösitäten aufwarten, zum Beispiel:

Andere deutsche Journalisten haben diese “Namenspanne” auch schon entdeckt, und weil sie sie nicht nur “kurios” finden, sondern auch “peinlich” und “dumm”, können sie gar nicht mehr aufhören, sich in selbstgefälligen Hihi- und Höhö-Passagen darüber auszulassen:

Uncool ist aber die Tatsache, dass Fuleco in der brasilianischen Umgangssprache Arsch bedeutet. Daran hat die FIFA bei der Namensgebung nicht gedacht. Ganz schön blöd.

(Kurier.at)

Dumm nur, dass „Fuleco“ in der Umgangssprache „Arsch“ heißt.

(Express.de)

Was bei der Namenswahl allerdings nicht bedacht wurde, ist die Tatsache, dass „Fuleco“ in der brasilianischen Umgangssprache „Arsch“ bedeutet.

(Orf.at)

In Brasilien klingt Fuleco umgangssprachlich allerdings ähnlich wie „Anus“ und wird angewendet wie das deutsche „Arsch“.

(Donaukurier.de)

Vielmehr sorgte die Tatsache für bleibende Schlagzeilen, dass Fuleco in Brasilien umgangssprachlich nichts anderes bedeutet als – man mag es kaum aussprechen – Arsch.

(Mainpost.de)

“Fuleco” gibt es als brasilianisches Slangwort längst, nachzulesen auch in Wörterbüchern, wenn man danach sucht, was man als Biologe natürlich nicht tut – es heißt jedenfalls: Anus oder, ja, genau, schlicht und einfach Arsch.

(“Darmstädter Echo”)

In Brasilien klingt Fuleco umgangssprachlich allerdings ähnlich wie “Anus” und wird angewendet wie das deutsche “Arsch”.

(“Neue Westfälische”)

Das erste Eigentor ist schon gefallen, da ist die Weltmeisterschaft in Brasilien noch gar nicht angepfiffen: Denn Anstoß nimmt die Fußballwelt am offiziellen Maskottchen des Turniers, dem eigentlich recht putzigen Gürteltierchen Fuleco. Dessen Name – dieses leicht holprige Zusammenspiel der portugiesischen Vokabeln “futebol” und “ecologica”, ein Kopfball der Kreativen, der mit Wucht auf die tolle Umweltverträglichkeit der WM abzielen soll – ist ja gut gemeint. Aber schlecht gemacht.

Denn leider haben die Kreativen während ihres monatelangen Brain-storming-Exzesses in diversen Arbeitsgruppen eine klitzekleine Kleinigkeit übersehen: Fuleco heißt “Arsch”. Im Slang der Jugend. Man kann also durchaus sagen, dass dieser erste Auftritt des Gastgeberlandes nach hinten losgegangen ist.

(Abendblatt.de)

Doch leider haben die Journalisten während ihres monatelangen Wir-befüllen-unsere-Seiten-mit-irgendeinem-WM-Quark-Exzesses eine klitzekleine Kleinigkeit übersehen: “Fuleco” heißt nicht Arsch.

Wenn Sie also “noch einen interessanten Fakt zum Angeben beim Eröffnungsspiel brauchen” (Bild.de) — nehmen Sie doch den.

Mit Dank auch an Holger A.

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