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Wodarg vs. “Volksverpetzer”, Polizei darf falsch twittern, Badeurlaub

1. Pandemie-Leugner Wodarg fordert 250.000 Euro von Volksverpetzer
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Die Äußerungen von Wolfgang Wodarg zur COVID-19-Pandemie in Deutschland stoßen bei vielen Wissenschaftlern, Politikerinnen und Medien auf Kritik, so auch beim “Volksverpetzer”. Dagegen setzt sich Wodarg nun mit juristischen Mitteln zur Wehr und besteht laut “Volksverpetzer” nicht nur auf der Abgabe einer Unterlassungserklärung, sondern auch auf Zahlung von 250.000 Euro als angeblichen Schadensersatz. Der “Volksverpetzer” erfährt im Netz derweil eine große Welle der Solidarität.

2. Kön­ig­li­cher Bade­ur­laub ist kein zeit­ge­schicht­li­ches Ereignis
(lto.de)
Das Landgericht Köln hat es der “Bild”-Redaktion per einstweiliger Verfügung verboten, Urlaubsfotos des niederländischen Königspaares zu veröffentlichen. Die Aufnahmen zeigen König Willem-Alexander und Königin Máxima in Badebekleidung bei einem Yachtausflug in Griechenland und waren offensichtlich mit einem Teleobjektiv geschossen worden. Der Springer-Verlag habe den Beschluss des Gerichts anerkannt. Ihm drohe im Wiederholungsfall ein Ordnungsgeld in Höhe von 250.000 Euro.

3. Die Liebe zu Fox News ist erkaltet – plant Trump jetzt einen eigenen TV-Sender?
(rnd.de, Imre Grimm)
Lange Zeit war Fox News Donald Trumps Haus- und Hofsender, doch seit einiger Zeit scheint die Liebe erkaltet. Nun hat ein Fox-Moderator die Übertragung einer Live-Pressekonferenz mit den Worten “Ich kann Ihnen das nicht weiter mit gutem Gewissen zeigen” abgebrochen. Imre Grimm kommentiert: “Es scheint, als habe der Sender plötzlich eine menschliche Regung entdeckt, die lange überlagert schien von der gierigen Begeisterung über Trumps quotenträchtige Qualitäten als Entertainer und Menschenfänger: das eigene Gewissen.” Nun würden sich einige Beobachter fragen, ob Trump einen eigenen Sender starten wolle.

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4. So niedrig ist der Anteil der Frauen in Berichten von Spiegel, Focus, Bild am Sonntag und Welt am Sonntag
(kress.de, Roland Schatz)
Media Tenor, ein Schweizer Unternehmen für Medienanalysen, hat untersucht, wie oft in den vergangenen zehn Jahren in großen Medien wie “Spiegel”, “Focus”, “Bild am Sonntag” und “Welt am Sonntag” über Männer und Frauen geschrieben wurde. Was den Anteil von Frauen in der Berichterstattung betrifft, kommt besonders der “Spiegel” schlecht weg: “Beim Spiegel dominiert also die Einstellung: In erster Linie lohnt es sich über Tätigkeiten von Männern zu berichten, wenn sie ihre Leserschaft über Entwicklungen in Politik und Wirtschaft informieren. 2020 wird seit 2001 das extremste Jahr: in den letzten 20 Jahren spielten Frauen für die Hamburger nie eine unwichtigere Rolle als in diesen Covid19-Zeiten.”

5. Gericht weist Klage gegen Falschmeldung der Polizei ab
(netzpolitik.org, Marie Bröckling)
Im Jahr 2017 twitterte die Polizei im Zusammenhang mit der Räumung des linksalternativen Kiezladens Friedel54, dass im Gebäude ein Türknauf unter Strom gesetzt worden sei. Die Meldung verbreitete sich sehr schnell, auch aufgrund der Berichterstattung einiger Medien, stellte sich jedoch später als Falschmeldung heraus. Nun musste sich ein Gericht mit dem Vorgang befassen. Es hat die Klage der Betroffenen jedoch abgewiesen. Der Richter habe Verständnis für den Wunsch der Kläger, ein Grundsatzurteil zum Twittern der Polizei zu erwirken. Es sei jedoch der “richtige Fall zum falschen Zeitpunkt”.

6. Zwei Mal «Streaming» – oder: Die Renaissance der Programmzeitschrift
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Die Idee einer Streaming-Programmzeitschrift erinnert ein wenig an die guten alten Zeiten, in denen man im Buchhandel noch gedruckte Internet-Adresslisten kaufen konnte. Nick Lüthi hat sich zwei Streaming-Magazine für den deutschen beziehungsweise den Schweizer Markt angeschaut.
Weiterer Lesehinweis: Während die klassischen TV-Sender mit ihren Mediatheken immer mehr zu einer Art Gegen-Netflix werden wollen, testet der Streaming-Anbieter in Frankreich ein lineares Programm, das für alle gleich ist: Man nannte es Glotze (sueddeutsche.de, Claudia Tieschky).

“Bild live”: Vier Stunden Falsches zum Terroranschlag in Wien

In der Nacht von Montag auf Dienstag sendete “Bild” eine mehr als vierstündige “Bild live”-Sondersendung zum Terroranschlag in der Wiener Innenstadt. Wie schon in den “Bild TV”-Sendungen zu den Anschlägen in Halle und in Hanau zeigte sich auch dieses Mal das grundlegende Problem: Wenn eine Redaktion, die seit Jahren und Jahrzehnten vor allem dadurch auffällt, dass sie schlecht Recherchiertes und Falsches in Umlauf bringt, sich in eine Live-Situation begibt, in der sie unbedingt etwas zeigen und erzählen muss, kann dabei nur eine mittlere Katastrophe rauskommen. Dann werden falsche Gerüchte weiterverbreitet, es wird der Polizeieinsatz gefährdet und Angst gemacht.

Ein paar Beobachtungen von uns.

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Es dauert nicht mal eine halbe Stunde, da verbreitet “Bild” schon das erste falsche Gerücht. Moderatorin Nele Würzbach sagt:

Jetzt in diesem Moment erreichen uns auch Nachrichten, dass es an einem dritten Ort in Wien zu einer Geiselnahme gekommen sein soll. Wie passt das jetzt in diesen Amoklauf oder diesen Terrorangriff herein? Erst die Schüsse, jetzt also auch eine Geiselnahme.

Der zugeschaltete Terror-Experte Nicolas Stockhammer antwortet:

Es ist mit sehr, sehr großer Wahrscheinlichkeit in einen Zusammenhang zu setzen. Diese Geiselnahme soll sich (…) in einem Schnellrestaurant soll es zu dieser Geiselnahme gekommen sein. Also aus meiner Sicht gibt es einen unmittelbaren Konnex.

Eine Geiselnahme in einem Schnellrestaurant hat es nicht gegeben.

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Der immer noch zugeschaltete Terror-Experte Stockhammer erzählt:

Aktuell habe ich gerade gehört, dass in der U-Bahnlinie U3 es zu einer Schießerei gekommen sein soll. Und sich das Geschehen da ins U-Bahnnetz verlagert haben soll.

Eine solche Schießerei im U-Bahnnetz hat es nicht gegeben.

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Die Redaktion spielt in Dauerschleife verschiedene Videos aus Wien ein. Sie alle scheinen mit Smartphones aufgenommen worden zu sein und aus den Sozialen Netzwerken zu stammen. Eines zeigt eine Szene vor einem Restaurant: Eine Person liegt in einer Blutlache. Anfangs ist diese Stelle noch verpixelt, später nimmt die “Bild”-Redaktion diese Verpixelung raus.

Screenshot der Bild-live-Sendung
(Unkenntlichmachung durch uns.)

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“Bild”-Vizechefredakteur Paul Ronzheimer, der fast die gesamte Sendung über im “Bild”-Studio steht, sagt:

Also wir müssen noch mal zusammenfassen: Es gab also einen Terroranschlag in der Nähe der Synagoge. Wir wissen immer noch nicht, wie viele Menschen getötet oder verletz worden sind. Gleichzeitig gibt es eine Geiselnahme in einem Hotel.

Die Geiselnahme nun also ganz ohne “soll” und inzwischen “in einem Hotel” statt in einem Schnellrestaurant. Ob Ronzheimer dieselbe Geiselnahme meint wie vorhin seine Kollegin Nele Würzbach, ist nicht klar. So oder so: Die Geiselnahme hat es nicht gegeben.

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Wieder ist Terrorexperte Stockhammer dran. Er sagt:

Es gab zwischenzeitlich Schüsse im Stadtpark. (…) Und man spricht auch davon, dass sich einer der Täter selbst in die Luft gesprengt haben soll.

Weder das eine noch das andere stimmt.

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Nun ist “Bild”-Reporterin Dora Varro zugeschaltet, die vor dem Anschlag zufällig in der Wiener Innenstadt unterwegs war. Sie stellt noch mal alles Falsche als gesicherte Fakten dar:

Es ist klar, dass es eine Geiselnahme gab. Es ist klar, dass es Schüsse beziehungsweise eine Gewalttat in einer U-Bahn gekommen ist. Und mehr wissen wir ehrlicher Weise noch nicht. Also noch nicht, was ich dir als Fakten nennen kann. Das sind die Sachen, die wir ganz genau wissen.

Nichts davon stimmt.

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Obwohl die Wiener Polizei bei Twitter eindringlich darum bittet, keine Videoaufnahmen zu verbreiten, weil dies “sowohl Einsatzkräfte als auch [die] Zivilbevölkerung” gefährde, verbreitet die “Bild”-Redaktion Videoaufnahmen – von Menschen, die in Panik wegrennen, vom Täter, der in einer Gasse um sich schießt, von einem Polizisten, der angeschossen wird, und auch von weiteren Polizisten im Einsatz: wie sie über einen Kreisverkehr rennen, wie sie ein Lokal durchsuchen, wie sie die Innenstadt absichern.

Screenshot eines Tweets der Wiener Polizei - Nochmal: Keine Videos und Fotos in sozialen Medien posten, dies gefährdet sowohl Einsatzkräfte als auch Zivilbevölkerung

Auf der Bild.de-Startseite heißt es kurze Zeit später:

Screenshot Bild.de - Schüsse, Blut, Menschen rennen um ihr Leben - Erste Videos aus der Terror-Nacht von Wien!
(Unkenntlichmachung durch uns.)

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Moderatorin Würzbach zitiert aus österreichischen Medien:

Und, ganz wichtig: Sie sagen, dass ein Polizist angeschossen worden ist, und er soll seinen Verletzungen erlegen worden sein. Außerdem berichtet die Krone-Zeitung davon, dass sich einer der Täter selbst in die Luft gesprengt hat. Dies alles aber Medienberichte, noch nichts davon ist bestätigt.

Es ist kein Polizist beim Einsatz in Wien gestorben. Und es hat sich auch niemand selbst in die Luft gesprengt.

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“Bild”-Vize Ronzheimer verbreitet die nicht-existente Geiselnahme noch mal als gesichertes Wissen:

Neben dem Tatort im ersten Bezirk in Wien, in der Nähe der Synagoge, gibt es eine Geiselnahme, die sich in der Nähe im Hilton-Hotel abspielen soll. Das ist das, was wir wissen.

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Moderatorin Nele Würzbach sagt:

Österreichischen Medienberichten zufolge soll sich ein Täter in die Luft gesprengt haben, ein Täter soll bereits festgenommen worden sein.

Es wurde kein Täter festgenommen.

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Inzwischen ist Terror-Experte Peter Neumann zugeschaltet. Moderatorin Würzbach fragt ihn:

Manche Medienberichte aus Österreich sprechen von bis zu zehn Tätern. Ist das, kann man das als normal überhaupt bezeichnen in so einer Situation, aber zehn Täter, für was spricht das?

Es gab nicht zehn Täter, sondern einen.

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Terror-Experte Neumann spekuliert ein bisschen über Tote:

Ich gehe eher davon aus, dass wahrscheinlich eher so zehn Tote, ein Dutzend Tote mindestens zu beklagen sein werden.

Es wurden vier Menschen vom Attentäter getötet, und dazu der Attentäter durch die Polizei.

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Die “Bild”-Redaktion spielt ein Video ein, auf dem mehrere Menschen vor Polizisten auf Motorrädern weglaufen und die Polizisten auch teilweise angreifen:

Screenshot Bild live

Dieses Video stammt nicht aus Wien, sondern aus Barcelona.

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Noch einmal Neumann:

Ich glaube, dass dieser Anschlag von längerer Hand vorbereitet war. Das geht nicht so einfach, dass man innerhalb von wenigen Tagen so eine koordinierte Kampagne auf die Beine stellt.

Es handelte sich nur um einen Täter, es gab also keine “koordinierte Kampagne”.

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Für Moderatorin Würzbach sieht es offenbar so aus, als würde sich der Terror eine Schneise durch Europa schlagen, vom Süden Richtung Norden, mit dem Ziel Deutschland:

Herr Neumann, wenn Sie jetzt sagen: Jetzt kommt die Welle, wie groß muss die Sorge jetzt auch hier in Deutschland sein, dass hier eines der nächsten Ziele dann ist? Wir haben es jetzt in Nizza, in Wien, diese Anschläge kommen immer näher.

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Für Zwischentöne ist bei Bild.de kein Platz. Terror-Experte Peter Neumann sagt bei “Bild live”:

Sollte es sich allerdings als richtig herausstellen, muss man sagen: Das wäre eine absolut unglaubliche Situation, dass es sechs Tatorte gleichzeitig gibt in der Wiener Innenstadt, dass Täter mit Langwaffen herumlaufen. Das wäre wahrscheinlich die größte und koordinierteste terroristische Attacke seit Brüssel und Paris 2015/16. Aber, wie gesagt: großes Aber.

“Sollte”, Konjunktiv, Kojunktiv, “großes Aber”. Im Bild.de-Liveticker wird daraus:

Screenshot Bild.de - Terrorexperte Neumann: Größte Attacke seit Brüssel und Paris 2015/2016 - Terrorexperte Peter Neumann sprach bei Bild live von der größten Attacke seit Brüssel und Paris 2015/2016.

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Nun ist Reporterin Antonia Rados per Telefon zugeschaltet. Auch sie befindet sich in Wien. Und sagt:

Was wir gesehen haben, das ist ja ein ähnliches Szenario, was wir hier in Wien zumindest bisher sehen können, wie der Anschlag auf “Charlie Hebdo”. Wenn Sie sich daran erinnern: Da war auch ein Kommando, das eben losgestürmt ist und dann geschossen hat und versucht hat, dann zu entkommen. Und dass es damals auch eine Geiselnahme ja auch gegeben hat. Gleichzeitig auch immer wieder mehrere parallele Terroranschläge. Sowas ähnliches als Muster scheint es hier heute Abend in der österreichischen Hauptstadt abzulaufen.

In Wien gab es kein “Kommando”. Es gab keine Terroristen, die geflüchtet sind. Es gab keine Geiselnahme. Und es gab auch keine “parallelen Terroranschläge”.

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Gerade mal acht Minuten, nachdem sie all diese unverifizierten Gerüchte verbreitet hat, sagt Antonia Rados:

Wir müssen da im Moment extrem aufpassen, weil natürlich in diesen angespannten Situationen sich alle möglichen Gerüchte verbreiten. Also alles muss auch vorsichtig berichtet werden und dann auch verifiziert werden.

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Immer wieder ist an diesem Abend ein Video zu sehen, auf dem der Attentäter auf einen Passanten schießt. Zuerst in einer Version, in der das Opfer komplett verpixelt ist. Später ist die Unkenntlichmachung verschwunden. Erst in dem Moment, in dem geschossen wird, erscheint eine digitale dunkle Fläche über dem Mann, wodurch man ihn nicht mehr sehen kann. Wiederum etwas später sendet die “Bild”-Redaktion weitere Aufnahmen, in denen sich Polizisten um den am Boden liegenden Mann kümmern. Dort ist er nicht mehr verpixelt, es gibt auch keine dunkle Fläche, die ihn vor den Blicken der “Bild live”-Zuschauer schützt.

Screenshot Bild live
(Unkenntlichmachung durch uns.)

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“Bild”-Chefreporter Frank Schneider beschreibt diese Videoaufnahmen. Aus dem Vorgehen des Täters schließt er:

Was wiederum doch ein Stück weit zeigt, dass es dort offenbar eine Ausbildung gegeben hat, denn das ist das typische vorgehen, was Dschihadisten in ihrer Ausbildung in arabischen Ländern bekommen.

Der Täter soll zwar den Plan gehabt haben, sich dem sogenannten “Islamischen Staat” in Syrien anzuschließen. Er ist allerdings in der Türkei daran gehindert und wieder nach Österreich geschickt worden. Eine “Ausbildung in arabischen Ländern” hat er nicht bekommen.

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Jetzt ist Hans Mahr im “Bild”-Studio angekommen. Mahr war früher unter anderem RTL-Chefredakteur und soll nun als Berater für “Bild TV” tätig sein. Er erzählt:

Eine Frau, die ich persönlich kenne, hat mir berichtet: Sie war in einem Lokal (…), da wurden die Leute alle in den ersten Stock raufbefördert und dort evakuiert. Von dort haben sie zuschauen können, wie vier der Terroristen, wir haben vorher den Film gesehen, vier der Terroristen entwaffnet wurden und festgenommen wurde.

Die Personen, die auf einem Video zu sehen sind, das auch “Bild live” zeigt, sind nicht “vier der Terroristen” – es gab nur einen, und der wurde zuvor von der Polizei erschossen. Sie dürften auch mit den Anschlag nichts zu tun haben und dementsprechend nicht “entwaffnet” worden sein. Jedenfalls werden sie später bei Pressekonferenzen der österreichischen Regierung nicht weiter erwähnt.

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Antonia Rados ist wieder zugeschaltet. Sie verbreitet das nächste falsche Gerücht:

[Die Polizisten] sagten, ich müsste sofort hier weg. Das war in der Nähe vom Stadtpark übrigens, wo sich angeblich, das ist jedenfalls eine der Informationen, die wir haben, wo sich angeblich eine Gruppe von Terroristen verstecken soll.

Diese “Gruppe von Terroristen” gab es nicht.

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Moderatorin Nele Würzbach nimmt sich noch einmal die vermeintliche Festnahme von vier vermeintlichen Tätern vor:

Aber auch eine Festnahme. Herr Mahr, Sie hatten davon auch berichtet, dass Augenzeugen das dann gesehen haben. Vier Männer sieht man da, die dann oberkörperfrei festgenommen worden sind. Das alles spricht also dafür, dass es tatsächlich mehr als eine Handvoll von Tätern insgesamt dann gab. Wir sehen hier also dieses Video einer Verhaftung, konnten auch mit einer Augenzeugin sprechen, die das Ganze gesehen hat. Hier, vier Männer, einer der Angreifer soll tot sein, mindestens einer noch immer auf freiem Fuß. Vielleicht sogar zwei. Das heißt, wir sprechen von sechs, sieben Tätern mindestens, die jetzt hier in Wien also diesen Terrorangriff vollzogen haben.

Es gab nur einen Täter.

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Ex-RTL-Mann Hans Mahr hat “nicht nur Gerüchte” im Angebot, “sondern fast schon Mitteilungen”:

Es gibt in der Zwischenzeit, wir haben hier gerade neue Meldungen bekommen. Nicht nur Gerüchte, sondern fast schon Mitteilungen, dass es bis zu sieben Tote sein könnten, die dieses Attentat gefordert haben kann.

Es waren nicht sieben Tote.

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Und noch einmal Hans Mahr:

Man darf auch nicht vergessen: Das Erstaunliche bei diesem Attentat war, dass es so viele Täter, so viele, die miteinander verbunden waren, hier in Aktion getreten sind. Bei all den anderen Anschlägen waren es ein, zwei, drei Täter. Diesmal sprechen wir von minimum sechs Tätern, manche Berichte sogar von zehn.

Auch das: komplett falsch.

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Natürlich könnte man jetzt sagen: Ja, gut, hinterher ist man immer schlauer. Und exakt das ist der Punkt: Weil man vorher meist ziemlich ahnungslos und damit ziemlich anfällig für falsche Gerüchte ist, sind “Bild live”-Sondersendungen zu “Breaking News” so gefährlich.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

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Reizdarm Pro reagiert gereizt, Wenig reizende Fragen, Große Gereiztheit

1. Das Dilemma mit kritischen Fragen
(taz.de, Anne Fromm)
Die Medizinerin Sandra Ciesek tritt seit einiger Zeit im Wechsel mit Christian Drosten im Corona-Podcast des NDR auf. Ciesek ist als Professorin für Virologie und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie in Frankfurt mehr als qualifiziert für diese Aufgabe, wurde jedoch in einem “Spiegel”-Interview mit merkwürdigen Fragen konfrontiert. Die Redaktion verteidigte die Fragen auf Twitter als “kritisch”, “frech” und “provokant”. Anne Fromm hat sich angeschaut, wie dieselben “Spiegel”-Redakteurinnen im Mai mit Cieseks Kollegen Drosten umgegangen sind: “Da ist wenig Provokantes, Freches, Kritisches drin. Das liest sich eher wie Heldenverehrung. Der Spiegel konkretisierte nach der aktuellen Kritik eine Frage an Sandra Ciesek in der Onlineversion des Interviews. Eine der Interviewerinnen schob die Verantwortung für die Fragen dennoch Ciesek selbst zu, die doch bitte im Interview hätte deutlich machen sollen, dass sie mit den Fragen nicht einverstanden sei.”

2. Balance zwischen Empathie und Distanz
(journalist.de, Marianna Deinyan)
Marianna Deinyan gibt zehn Tipps, wie Journalistinnen und Journalisten im Interview mit Personen umgehen können, die Terroranschläge, Naturkatastrophen oder sexuellen Missbrauch erlebt haben. Es sind gute und sensible Ratschläge, die von Verantwortung für die Gesprächspartner zeugen und die man allerhöchstens mit einem elften Ratschlag ergänzen könnte: Es im Zweifel sein zu lassen.

3. Die Krise der Kommunikation – Die große Gereiztheit unserer digitalen Gegenwart (1/2)
(swr.de, Bernhard Pörksen, Audio: 29:56 Minuten)
Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen macht sich Gedanken zur Reizüberflutung durch fragwürdige Nachrichten. All die Falschmeldungen, Verschwörungsmythen und Empörungstexte würden zu einer neuen Gereiztheit führen, die symptomatisch für eine neue Kommunikationskultur sei: “Wir sind gereizt, weil wir im Informationsgewitter in heller Aufregung nach Fixpunkten und Wahrheiten suchen, die doch, kaum meinen wir, ihrer habhaft geworden zu sein, schon wieder erschüttert und demontiert werden.” Pörksens Ausführungen können auch im Manuskript (PDF) nachgelesen werden.

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4. Kijimea Reizdarm Pro: Anbieter droht dem Arznei Telegramm
(arznei-telegramm.de)
Seit mehr als 50 Jahren versorgt das unabhängige “arznei-telegramm” Ärztinnen, Apotheker und Medizininteressierte mit Informationen zu Arzneimitteln. Um unabhängig zu sein, erfolgt die Finanzierung ausschließlich über Abonnements – Werbung gibt es nicht. Nun habe die Redaktion Anwaltspost bekommen, “die wir als unzulässigen Versuch empfinden, durch bloße Drohgebärde unsere redaktionellen Recherchen und Veröffentlichungen zu beeinflussen.”

5. Was hat Sucharit Bhakdi als Experte im Programm der ARD zu suchen?
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier & Holger Klein, Audio: 42:26 Minuten)
Im neuen “Übermedien”-Podcast unterhalten sich Stefan Niggemeier und Holger Klein über die Bhakdi-Panne der ARD. Vergangene Woche hatten MDR und hr-Info den emeritierten Epidemiologen Sucharit Bhakdi unhinterfragt in einem Interview zur Corona-Pandemie zu Wort kommen lassen, obwohl hinlänglich bekannt ist, dass sich Bhakdi außerhalb des wissenschaftlichen Konsenses bewegt.

6. Was besser wäre, als Pornoseiten zu sperren
(netzpolitik.org, Marie Bröckling)
Um Kinder vor verstörenden Inhalten zu schützen, will die nordrhein-westfälische Medienaufsichtsbehörde die großen Porno-Portale dazu zwingen, ihre Inhalte erst nach einer Altersverifikation preiszugeben, und droht ihnen bei Nichtbefolgung mit Netzsperren. Marie Bröckling hat sich bei Medienpädagoginnen und Fachleuten aus der Praxis umgehört, was diese von den Ausweiskontrollen halten und welche anderen Möglichkeiten es gibt, mit dem Thema umzugehen.

7. #Bild verfolgt in Sachen Corona eine besorgniserregende Agenda
(twitter.com, Lorenz Meyer)
Zusätzlicher Link, da aus der Feder des “6 vor 9”-Kurators: Auf Twitter habe ich den Corona-Kommentar des “Bild”-Mitarbeiters Filipp Piatov analysiert. Eine der Erkenntnisse: “‘Bild’ agiert wie der Brand-Gaffer, der nicht nur die Löscharbeiten behindert, sondern die Besitzer des brennenden Hauses mit Hinweisen auf die Gefahren durch Löschwasser verunsichert. Wohlwissend, dass nicht das Wasser das Problem ist, sondern das um sich greifende Feuer.”

Hochgekochtes Satirevideo, Namensnennung, Kotzender Kühnert

1. Polizisten als Mörder: Wie “Bild” aus einer Satire einen ARD/ZDF-Skandal macht
(rnd.de, Imre Grimm)
Ein rund zweieinhalbminütiges Satire-Video beim öffentlich-rechtlichen Jugendportal Funk zum Thema Rassismus bei der Polizei lässt die Emotionen hochkochen. Imre Grimm hält das Filmchen nicht für besonders gelungen, aber daraus ein Generalversagen von ARD und ZDF abzuleiten, sei falsch: “Der Clip ist blöd und beleidigend. Ihn aber – wie mancher Zeuge der Anklage – als weiteren Baustein einer linksgrünmedialen Diffamierungskampagne gegen die Polizei zu brandmarken, schießt weit über das Ziel hinaus.”

2. RBB schafft Sommerinterview-Reihe ab
(sueddeutsche.de)
Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) kassierte wegen seines weitgehend unkritischen Sommerinterviews mit Brandenburgs früherem AfD-Chef Andreas Kalbitz viel Kritik. Nun stellt der Sender seine Sommerinterview-Reihe mit brandenburgischen Spitzenpolitikern ein.
Weiterer Lesehinweis: “Das Sommerinterview des RBB mit Andreas Kalbitz sorgte für einen Skandal. Nun hat der MDR den nächsten AfD-Rechtsaußen eingeladen: Björn Höcke. Und will alles besser machen.” Anne Hähnig und Martin Machowecz fragen in der “Zeit”: “Gehört er ins Fernsehen?”

3. Mit Verlaub: Ich kotze im Strahl.
(twitter.com, Kevin Kühnert)
Der SPD-Politiker Kevin Kühnert hat der Newsseite “Watson” ein Interview gegeben, aus dem sich die “Welt”-Redaktion einen Teilaspekt herausgepickt und zugespitzt hat (genauer: eine dpa-Überschrift weitergedreht hat). Entsprechend frustriert reagiert Kühnert auf Twitter: “Wenn der Versuch, differenzierte Antworten zu geben, in solch bewusstem Missverstehen mündet, dann braucht sich niemand wundern, dass Politiker*innen in Interviews nur Blabla von sich geben.” Kühnert weiter: “Diese ‘Zuspitzung’ ist leider auch ein erneutes Beispiel für das verbreitete Desinteresse an politischen Inhalten. Wer mit wem? Wer gegen wen? Welche Koalition hätten’s denn gern? Welches Ministerium wollen Sie führen? Das alles klickt sich leider besser als Steuern/Rente/Klima.”

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4. So geht die tagesschau mit der Nennung von Namen in Gerichtsprozessen um
(blog.tagesschau.de, Marcus Bornheim & Helge Fuhst & Juliane Leopold)
“Tagesschau” und “Tagesthemen” gelten als “Dokumente der Zeitgeschichte”, wodurch den Sendungen eine besondere Verantwortung in der Berichterstattung zukommt: Sie dürfen unbegrenzt online gestellt werden und bleiben unter Umständen Jahrzehnte sichtbar. Ein besonders sensibler Bereich ist die Nennung von Namen in Berichten über Gerichtsprozesse. Für den Verzicht auf Namensnennung kann der Schutz des Persönlichkeitsrechts sprechen, aber auch das Bestreben, sich von einem Angeklagten nicht instrumentalisieren zu lassen, wie ein aktueller Fall zeige. Die Chefredaktion von ARD-aktuell schreibt über das Spannungsfeld dieses Teilbereichs ihrer Arbeit.

5. Aktivisten wollen Facebooks Falschmeldungs-Spreader “bändigen”
(spiegel.de, Max Hoppenstedt)
Die Online-Bewegung Avaaz hat zahlreiche Facebook- und Webseiten untersucht, die falsche oder irreführende Informationen zu medizinischen Themen verbreiten. Avaaz fordert Facebook auf, nicht nur Warnhinweise, sondern auch Richtigstellungen zu veröffentlichen. Studienautor Christoph Schott dazu: “Facebook hat bis heute jenen Nutzerinnen und Nutzern keine spezifischen Korrekturen angezeigt, die die Falschinformation gesehen hatten, dass es als Covid-19-Test ausreiche, zehn Sekunden die Luft anzuhalten. Das ist schon grob fahrlässig aus unserer Sicht.”

6. Vom Newsroom zum Newszoom
(deutschlandfunk.de, Samira El Ouassil, Audio: 3:44 Minuten)
Coronabedingt sind derzeit viele Newsrooms verwaist. Wie kann unter diesen Bedingungen Journalismus gelingen? Können virtuelle Treffen das persönliche Gespräch ersetzen? Samira El Ouassil hat eine einfache Antwort: “Journalismus wird nicht an Orten gemacht, sondern von Menschen”. Außerdem erzählt sie die hübsche Anekdote, wie sie einmal in einem vollbesetzten Newsroom einen O-Ton vom Konsul von Georgien einholen wollte, aber jemanden aus den USA an der Strippe hatte …

Konflikt bei der “taz”, Rezos Antwort, Kritik zum Hasskriminalitätsgesetz

1. Schwerer Konflikt bei der “Taz”
(sueddeutsche.de, Elisa Britzelmeier & Jens Schneider)
Der Konflikt um eine umstrittene Kolumne in der “taz” über die Polizei scheint mittlerweile völlig eskaliert. Eine Mitteilung im Hausblog der “taz”, eine Stellungnahme der Chefredaktion und verschiedene Gegenstimmen (so die von Bettina Gaus und die von Stefan Reinecke) lösen sich ab, nun wolle angeblich sogar Innenminister Seehofer mit einer Anzeige reagieren.
Weiterer Lesehinweis: Darf die “taz” Yaghoobifarah kritisieren? (NDR.de, Daniel Bouhs & Inga Mathwig).

2. Die dümmsten und lustigsten Reaktionen
(youtube.com, Rezo, Video: 32:09 Minuten)
In seinem Video “Die Zerstörung der Presse” rechnete Youtuber Rezo mit verschiedenen Medien ab. Dies betraf nicht nur den Boulevard und Titel der Regenbogenpresse, sondern auch ernst zu nehmende Presseorgane und Redaktionen. Ein Dreh- und Angelpunkt seines Videos war eine Recherche, bei der sich der Youtuber angeschaut angeschaut hatte, wie über ihn berichtet wurde. Laut Rezo habe die Berichterstattung von “FAZ” und “Welt” eine hohe Fehlerquote aufgewiesen. Beide Medien reagierten auf die Vorwürfe: Die “FAZ” mit einem halbstündigen “Gegen-Video”, die “Welt” mit einem “Faktencheck” aus ihrer Sicht. Nun hat Rezo mit einem erneuten Video geantwortet, das den Eindruck einer zweiten “Zerstörung der Presse” aufkommen lässt.

3. Zahl der Bilder von Kindesmissbrauch im Netz in Coronakrise stark gestiegen
(spiegel.de, Max Hoppenstedt)
In der Zeit der Corona-Pandemie sei die Zahl der im Netz geteilten Bilder von Kindesmissbrauch sprunghaft angestiegen, so ein Bericht der EU-Polizeibehörde (PDF). Max Hoppenstedt erzählt von den wichtigsten Erkenntnissen der Ermittlerinnen und Ermittler und weist zum Schluss seines Artikels auf die #Say-No-Kampagne von Europol (englisch) hin.

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4. Wie es ist, ohne Chefredaktion zu arbeiten
(journalist.de, Laurenz Schreiner)
An der Deutschen Journalistenschule wird nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch gearbeitet: Ein Teil der Ausbildung umfasse die Produktion eines eigenen Magazins. Dieses Jahr habe sich die Lehrredaktion für ein neues Modell der Zusammenarbeit und gegen die üblichen Funktionsbezeichnungen sowie eine Chefredaktion entschieden. Laurenz Schreiner erzählt, wie es mit dem kollaborativen Team-Modell geklappt hat.

5. Das Gesetz, das Daten sammelt, statt Hass zu verhindern
(zeit.de, Henrik Oerding)
Vergangenen Donnerstag hat der Bundestag das “Gesetz zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und der Hasskriminalität” beschlossen, trotz einiger Bedenken von Fachleuten im Vorfeld. Das neue Gesetz sei zwar gut gemeint, aber nicht gut gemacht, wie Hendrik Oerding in seiner Analyse konstatiert: “Es verhindert Hass im Internet nicht, sondern gräbt bedenklich große Löcher in den Datenschutz aller Nutzerinnen: Es zwingt Internetseiten zur Datenspeicherung, erlaubt dem Bundeskriminalamt (BKA) Passwörter anzufordern und macht soziale Netzwerke zu Pseudopolizisten.”

6. John Bolton: «Grossartig für die USA» – und jetzt glaubwürdig?
(infosperber.ch, Christian Müller)
Donald Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton hat ein Buch über seine Zeit mit dem US-amerikanischen Präsidenten geschrieben, das in zahlreichen Medien bereits vor Erscheinen für viel Aufmerksamkeit sorgt. Christian Müller rät den erwartungsvollen Trump-Kritikern jedoch, “die Geisteshaltung des Autors nicht zu vergessen – oder sich das Lesen ganz zu ersparen”. Bolton habe vor seinem Amtsantritt als Chairman des Think-Tanks “Gatestone Institute” gewirkt, einer ganz rechten Denkfabrik, die unter anderem für die Veröffentlichung anti-muslimischer Artikel bekannt ist.
Weiterer Lesehinweis (Archiv): Die Geschichtenerzähler: Beim “Gatestone Institute” entstehen Falschmeldungen, die bis nach Deutschland wandern (correctiv.org, Till Eckert & Cristina Helberg & Tania Röttger).

“Bild”-Buhrow, Ohrfeige für Storymachine, Hutbürger reloaded

1. Berliner Justizbeamter behindert ZDF-Dreh bei Prozess gegen einen Rechtsextremisten
(netzpolitik.org, Daniel Laufer)
Als ein ZDF-Fernsehteam gestern von einem Prozess gegen einen Rechtsextremisten berichten wollte, wurde es von einem Berliner Justizbeamten an der Arbeit gehindert und körperlich angegangen. Obwohl sich das Team um den Journalisten Arndt Ginzel zuvor ordnungsgemäß beim Landgericht für die Dreharbeiten akkreditiert hatte. netzpolitik.org zeigt Videoaufnahmen des Vorgangs, die an die absurden Szenen mit dem “Hutbürger” erinnern (“Sie haben mich ins Gesicht gefilmt!”). Ein Sprecher des Justizsenators habe Aufklärung versprochen: “Selbstverständlich wird der Fall aufgearbeitet.”

2. “Unprofessionell und leichtfertig”: Ethikwächter rügen Storymachine
(stern.de, Hans-Martin Tillack)
Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) versteht sich als Selbstkontrollorgan der PR-Wirtschaft. In dieser Funktion hat sich der DRPR mit den Aktivitäten der Berliner Agentur Storymachine zur medialen Vermarktung der viel diskutierten Heinsberg-Studie befasst und eine Rüge ausgesprochen. Die Agentur habe “leichtfertig und unprofessionell agiert und zu einer nachhaltigen Verunsicherung der Öffentlichkeit beigetragen”. Storymachine wolle nun rechtliche Schritte gegen das Kontrollorgan prüfen. Hans-Martin Tillack geht in seinem Beitrag auch auf die Hintergründe der Agentur ein, die 2017 vom ehemaligen “Bild”-Herausgeber Kai Diekmann, dem Eventmanager Michael Mronz und dem ehemaligen stern.de-Chef Philipp Jessen gegründet worden ist und mittlerweile 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen soll. Außerdem hat sich Tillack angeschaut, für wen die umtriebige PR-Agentur noch alles arbeitet beziehungsweise arbeitete. Mit dabei: die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die die Agentur-Dienste jedoch privat bezahle.

3. Kampagne statt Kritik: Was bei «Bild» vs. Drosten schief lief
(medienwoche.ch, Sarah Kohler)
Im Zusammenhang mit den Angriffen der “Bild”-Medien auf den Virologen Christian Drosten erklärt Sarah Kohler die wissenschaftliche Veröffentlichungspraxis über Vorabveröffentlichungen (Preprints) und den sich daran anschließenden Begutachtungsprozess. Kohler konstatiert: “Die Kampagne der Boulevardzeitung basierte auf einer verzerrten Sichtweise auf das moderne Wissenschaftssystem. Diskussion und Kritik sind eine Notwendigkeit für die Wissenschaft. Deswegen ist Kritik an wissenschaftlichen Studien, zumal an deklarierten Vorabveröffentlichungen, nicht die Zurschaustellung eines Mangels. Sie dient vielmehr dem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt. Die «Bild»-Zeitung stellt also einen normalen Vorgang als Problem dar, indem sie die Kritik an einem vorläufigen Befund als absolut hinstellt.”

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4. Warum vor allem Männer uns das Virus erklären
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 5:00 Minuten)
Bei vielen Medien werden die Chefposten von Männern besetzt, und auch in den Medien selbst kommen Frauen seltener zu Wort als Männer. Letzteres falle gerade während der Corona-Pandemie auf: Interviewt würden fast immer männliche Experten. Es sei ein strukturelles Problem, dem sich aber konkret begegnen lasse. Der Verein ProQuote stelle beispielsweise eine Liste von qualifizierten Corona-Expertinnen zur Verfügung.

5. Rezo-Zerstörung der Presse: Ein Faktencheck
(berliner-zeitung.de, Kai-Hinrich Renner)
Der Youtuber Rezo hat in seinem aktuellen Video zahlreichen Medien vorgeworfen, fehlerhaft über ihn berichtet zu haben, und dies in einer Excel-Tabelle dokumentiert. Die “Berliner Zeitung” sei auf eine Falschmeldungsquote von 55 Prozent gekommen – ein Wert, den das Medium nicht auf sich sitzen lassen will.

6. ARD-Chef macht gratis Programm für “Bild”
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Warum schreibt ein ARD-Vorsitzender und WDR-Intendant ausgerechnet für ein unseriöses Presseorgan wie “Bild”? Diese Frage hat sich Stefan Niggemeier bei der Lektüre eines “Bild”-Artikels von Tom Buhrow gestellt und sie, zusammen mit einigen anderen Fragen, flugs an den WDR weitergeleitet. Die Antwort fiel knapp aus und entsprach inhaltlich einem “weil er es kann”. Niggemeier kommentiert: “ARD und ZDF sind seit Jahren Ziel von Kampagnen der ‘Bild’-Zeitung. Die ‘Bild’-Zeitung ist seit Jahrzehnten Symbol für Verantwortungslosigkeit im Journalismus. Der WDR-Intendant und amtierende ARD-Vorsitzende aber hat kein Problem damit, sich unentgeltlich in den Dienst dieses Mediums zu stellen.”

Heinsberg und die “Storymachine”, Corona-Stillstand, 100 Jahre Kicker

1. Offene Fragen: Sportmanager Mronz und die Heinsberg-Studie
(sportschau.de, Niklas Schenk)
Rund um die sogenannte “Heinsberg-Studie” von Hendrik Streeck, Chefvirologe der Uni Bonn, tauchen allerhand Fragen auf, die nichts mit den medizinischen Ergebnissen zu tun haben, sondern sich auf einen Nebenaspekt beziehen: “Warum ist eine PR-Agentur an einer wissenschaftlichen Studie beteiligt? Wer hat [Michael] Mronz und seine Firma ‘Storymachine’ beauftragt? Wer bezahlt diese?”
Weitere Lesehinweise: Kritik und Zweifel an Studie aus Heinsberg (sueddeutsche.de, Kathrin Zinkant) und auf “Meedia” hat sich einer der “Storymachine”-Betreiber geäußert: “Heinsberg Protokoll”: Zum ersten Mal spricht Philipp Jessen über ein Storymachine-Projekt.

2. Im Stillstand der Städte
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Stadt- und Kulturmagazine trifft die derzeitige Lage besonders hart, da kaum noch Werbung für Veranstaltungen, Restaurants, Partys oder sonstige Events geschaltet wird. Boris Rosenkranz hat sich bei einigen Magazinen umgehört, wie sie mit der Krise umgehen.

3. Corona-Falschmeldungen erreichen ein Millionenpublikum
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz & Hannes Munzinger)
Eine der “Süddeutschen Zeitung”, NDR und WDR vorliegende Analyse hat Videos und Artikel erfasst, die bei Faktenchecks als irreführend oder falsch gekennzeichnet wurden, und deren Ausbreitungswege ausgewertet. Die Corona-Krise mache Menschen besonders anfällig für Falschinformationen: Die betreffenden Videos würden millionenfach geklickt. Löschungen gälten in der Szene als besonderes Merkmal der Glaubwürdigkeit, und Faktenchecks könnten nur einen Bruchteil der Nutzerinnen und Nutzer erreichen.

4. Virale Propaganda
(netzpolitik.org, Daniel Laufer & Jan Petter)
Die rechte Szene habe ein Propagandaportal mit rechtsradikalen und rassistischen Botschaften gestartet, das sich vornehmlich an junge Leute richte und dabei auf die typischen Stilelemente wie Listen, Quizspiele und gut teilbare Grafiken setze. Recherchen von netzpolitik.org und “Bento” würden zeigen, dass der Gründer der Seite seit Jahren in der rechten Szene aktiv sei: “Er und seine Mitstreiter:innen haben nicht nur enge Verbindungen zu AfD-Politikern und der Jungen Alternative (JA), sondern auch ins rechtsextreme Milieu rund um die Identitäre Bewegung (IB) und zu anderen Medien, die teils vom Verfassungsschutz beobachtet werden.”
Weiterer Lesehinweis: Warum Rechtsextremisten Mythen zu Corona verbreiten (kattascha.de, Katharina Nocun).

5. Breitbart ist wieder da – und Facebook hilft tatkräftig mit
(nzz.ch, Marc Neumann)
Facebook stellt sich gern als Plattform dar, das alles Menschenmögliche gegen die Verbreitung von “Fake News” unternehme. Für Irritation sorgt da die Aufnahme des verschwörungstheoretischen und rechtsextremen Mediums “Breitbart” in das Nachrichtenangebot “Facebook News”. Wie immer hat man zur Verteidigung einen schön klingenden Grund zur Hand: Das Netzwerk wolle damit für “Standpunktdiversität” sorgen.

6. 100 Jahre Kicker: Ein Sportmagazin schreibt Geschichte
(ardmediathek.de, Andreas Kramer, Video: 41:24 Minuten)
Das Fußballmagazin “Kicker“ wird 100 Jahre alt. Anlässlich des runden Geburtstags berichtet eine TV-Doku über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der bekannten Fußballzeitschrift. Was sind die Konstanten, was hat sich verändert? Der Beitrag ist eine bunte und abwechslungsreiche Collage mit vielen Informationen und Anekdoten aus der langen Historie.

Corona und die Medien, Falsche Sat.1-Polizistinnen, Der schwarze Kanal

1. Pandemie veranschaulicht Lücke
(taz.de, Said Rezek)
Anlässlich der vielen herumschwirrenden “Fake News”, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien zum Coronavirus plädiert Said Rezek für die Vermittlung von mehr Medienkompetenz. Das mache “zwar niemanden gegen das Coronavirus immun, aber immerhin sind dann alle gegen Fake News gewappnet. So kann jeder User durch Nutzung seriöser Quellen zur Informationsbeschaffung dazu beitragen, die Verbreitung von Covid-19 zu verlangsamen, die medizinische Versorgung zu verbessern und Panik zu verhindern. Letztlich steht und fällt alles mit Bildung.”
Weiterer Lesehinweis: Das European Journalism Observatory beschreibt in einer Serie, wie weltweit über die Corona-Pandemie berichtet wird (bisher erschienene Beiträge: Großbritannien, Finnland, Schweden, Russland, Brasilien und Ägypten).
Beim “Spiegel” berichten die Korrespondenten in einem Video (3:54 Minuten) von ihrem Alltag aus verschiedenen Weltstädten.
Die “Medienwoche” beschäftigt sich mit einer anderen Gefahr: In mehreren Ländern erhöben Gesundheitsbehörden Smartphone-Daten, um Bewegungsprofile der Bevölkerung zu erstellen und Infektionsketten zurückzuverfolgen. Adrian Lobe fragt: “Mit Big Data gegen Corona: Weniger Datenschutz für mehr Seuchenschutz?”
Gute Fragen hat auch Jakob Buhre beim Pressebriefing des Robert Koch Instituts gestellt. Es geht um den Sprachgebrauch und die Abgrenzung der beiden Begriffe “Erkrankung” und “Fälle”.
Europaweit bleiben die Menschen zuhause und bringen mit ihrem steigenden Internet-Konsum die Netze an ihre Belastungsgrenzen. Um die Infrastruktur zu schützen, reduziere der Streamingdienst Netflix ab sofort seine Bitrate für Streams in Europa (dwdl.de, Thomas Lückerath).
Trotz coronabedingter fußballfreier Zeit würden sich Welt.de und t-online.de auf ein heißes Fußball-Wochenende vorbereiten und entsprechende Vorberichte veröffentlichen. Schuld ist eine Kombination aus Roboterjournalismus und Unaufmerksamkeit (uebermedien.de, Jürn Kruse).

2. Sat.1 schickt falsche Polizistinnen nach Connewitz – und hat nun Ärger mit dem Gesetz
(uebermedien.de, Aiko Kempen & Henrik Merker)
Der Fernsehsender Sat.1 hat zwei Reporterinnen in nachgemachten Polizeiuniformen in den Leipziger Stadtteil Connewitz geschickt. Insgesamt drei Drehtage lang zogen die verkleideten Frauen durch das Leipziger Szeneviertel, samt Kamerateam und Security-Crew. Das Ziel: Eine Art skandalisierender Kriegsbericht aus einer angeblichen No-go-Area. Das löst moralisch-ethische Fragen aus — und das Interesse von Staatsanwaltschaft und Polizei für das Vorgehen von Sender und Fernsehteam.

3. Vor 60 Jahren startete “Der schwarze Kanal”
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 4:55 Minuten)
Vor 60 Jahren wurde in der DDR das erste Mal “Der schwarze Kanal” ausgestrahlt, eine Sendung, die vorgab, sich kritisch mit dem Westfernsehen auseinanderzusetzen. Moderiert von Karl-Eduard von Schnitzler, der die Ausschnitte mal polemisch, mal geradezu hasserfüllt kommentierte. Brigitte Baetz erinnert an eine Propagandasendung aus den finstersten Ost-West-Zeiten.

4. Gerade jetzt ist Wissenschaftsjournalismus unerlässlich
(fachjournalist.de, Holger Wormer & Sascha Karberg)
Eigentlich müsste in den jetzigen Zeiten der Wissenschaftsjournalismus blühen, denn es bestehe ein großer Bedarf an fundierter Berichterstattung, doch das Gegenteil sei der Fall. Holger Wormer und Sascha Karberg beschreiben in ihrem einem Buch entnommenen Text, worin die Probleme bestehen und wie man ihnen begegnen könnte. Zwei Kulturen müssten sich einander annähern: “der naturwissenschaftlich geprägte Berichterstattungsstil des Wissenschaftsressorts und der traditionelle, eher geisteswissenschaftlich oder ›literarisch‹ geprägte Journalismustypus der übrigen Ressorts”.

5. “Grundwerte mutig verteidigen”
(kontextwochenzeitung.de, Minh Schredle)
Rassisten eine Bühne zu bieten habe nichts mit Ausgewogenheit zu tun, so der “Monitor”-Moderator Georg Restle im Interview mit dem Wochenmagazin “Kontext”: “Ich glaube, es braucht auch unter Kolleginnen und Kollegen ein klares Verständnis dafür, dass es nichts mit Ausgewogenheit und Perspektivenvielfalt zu tun hat, rechtsextreme Positionen zu verbreiten. Das haben wir bei ‘Monitor’ schon 2016 kritisiert, als es um Talkshow-Auftritte von AfD-Politikern ging. Ich habe den Eindruck, dass sich diese Auffassung, wenn auch noch nicht überall, aber doch langsam durchsetzt, und hoffe, dass daraus auch die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden.”

6. Der US-“Playboy” war kein “Tittenmagazin”, sondern eine politische Streitschrift
(meedia.de, Ben Krischke)
Man kann an dem US-Magazin “Playboy” sicherlich vieles kritisieren. Anlässlich der Einstellung der Printausgabe in den USA ist Ben Krischke in seinem Nachruf jedoch gnädig und fokussiert sich auf die positiven Aspekte: “Der US-‘Playboy’ war nie ein aufpoliertes ‘Schmuddelblatt’ oder ein chauvinistisches ‘Tittenmagazin’, sondern eine lustvolle Streitschrift. Er lichtete einerseits nackte Frauen in erotischen Posen ab. Andererseits druckte Hefner von Anfang an umstrittene Werke bekannter Schriftsteller wie Ray Bradbury, der in seiner Dystopie ‘Fahrenheit 451’ gegen die Zensur anschrieb. Oder einen Text von Charles Beaumont, der eine Welt erdachte, in der Homosexualität normal ist und Heterosexualität als abartig gilt.”

Sabotage-Kampagne, Manifest der Freien, Framen für Fortgeschrittene

1. Eine rechte Sabotage-Kampagne will ARD und ZDF zu Fall bringen
(buzzfeed.com, Felix Huesmann)
Rechtskonservative, Neurechte und Rechtsextreme haben seit langer Zeit einen erklärten Lieblingsgegner: den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Bei der Bekämpfung von ARD und ZDF greift die Allianz auf die unterschiedlichsten Mittel zurück — vom Zahlen der Beiträge in Cent-Stücken bis hin zum massenhafte Einreichen von Datenschutzanfragen. Felix Huesmann hat sich die Sabotage-Kampagne näher angeschaut.

2. Wie Facebook und Youtube mit Fakes zum Coronavirus umgehen
(deutschlandfunk.de, Henning Hübert, Audio: 6:09 Minuten)
In den Zeiten von Corona häufen sich in den Sozialen Medien die Falschmeldungen. Wie geht eine Plattform wie Facebook mit den Fakes um? Der Deutschlandfunk hat sich mit Martin Fehrensen vom Social Media Watchblog über Strategien und Maßnahmen zur Bekämpfung von falschen Inhalten unterhalten.
Weiterer Lesehinweis: Wie Rechte das Coronavirus zur Hetze gegen Flüchtlinge benutzen (blog.zeit.de, Frank Jansen).

3. Manifest der Freien
(freischreiber.de)
Der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten Freischreiber appelliert mit einem “Manifest der Freien” an alle Medienhäuser, ihre freien Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen besser gegen Bedrohungen aus dem Internet zu schützen: “Wir sind freie Journalist*innen geworden, weil wir diesen Beruf lieben. Wir wollen für ihn aber nicht durch die Hölle gehen, wenn uns der Hass trifft. Stellt euch vor uns, eindeutig und unmissverständlich.”

4. Klaas Heufer-Umlauf entschuldigt sich “ohne jede Ironie”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Klaas Heufer-Umlauf hat knapp eine Woche nach Bekanntwerden der Fake-Vorwürfe gegen ihn und Joko Winterscheidt um Entschuldigung gebeten, und zwar “ohne jede Ironie”. Und er hat dabei angefügt, er habe sich für die Verhandlung bei Richter Alexander Hold “schon mal nen Rollator bersorgt”, wohl eine launige Anspielung auf Harvey Weinsteins Prozessauftritte. Spätestens dieser Satz zeigt, wie man diese “Ohne jede Ironie”-Entschuldigung einordnen kann.

5. Framen für Fortgeschrittene
(taz.de, Eric Wallis)
“Ein besonders schmieriger Euphemismus unserer Zeit ist das Wort ‘Sachpolitik’. Ein hehrer Anwender der Vokabel ist Friedrich Merz. Aber das Wort wird von vielen Politikschaffenden gebraucht. Und immer wieder schleusen sie das Wort in Medienüberschriften und -formate ein.” Eric Wallis hat sich angeschaut, mit welchen Vokabeln operiert wird, wenn von “Politik” die Rede ist. Das reicht von “Parteipolitik” und “Symbolpolitik” bis hin zu besagter “Sachpolitik”.

6. Coverfotos stammen nur selten von Frauen
(spiegel.de, Elisa von Hof & Angela Ölscher)
Die Fotos auf den Titelbildern deutscher Zeitschriften stammen mehrheitlich von Männern. Das ergibt eine Analyse des “Spiegel” und des Deutschen Journalisten-Verbands Hamburg, die über 500 Cover des vergangenen Jahres auswerteten.

Unehrliche Unterhalter, Schäbige Gewaltausbrüche, Sexszenen-Expertin

1. Das Ende von Joko & Klaas als ehrliche Unterhalter
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier kommentiert den Fall der reihenweise zusammengetricksten und geschummelten Videos von Joko & Klaas: “Es war immer schon ein atemberaubender Spagat, dass Joko und Klaas gleichzeitig die albernsten, pubertärsten, extremsten Späße machen und sich glaubwürdig gesellschaftspolitisch engagieren konnten. Dieser Spagat funktionierte auch deshalb, weil die beiden Protagonisten für ehrliche Unterhaltung standen — sei es durch schlichte, eindimensionale Spaß-Aktion oder durch ein cleveres, ironisches, oft genug entlarvendes Spiel mit dem Medium und seinen Regeln. Beide Seiten ihrer Prominenz, die reine Spaß-Existenz und die engagierte Persönlichkeit, beruhen auf dem Vertrauen, dass sie das Publikum nicht für dumm verkaufen. Damit ist es erstmal vorbei.”
Weiterer Lesehinweis: Ausgerechnet an dem Tag, an dem der Schwindel um die Joko-&-Klaas-Videos aufgedeckt wurde, verkündete das Grimme-Institut, wer seine begehrten Preise bekommen soll. Joko & Klaas sollen einen erhalten, aber nicht für eine ihrer Fernsehshows, sondern für ihre 15 Live-Minuten bei ProSieben. Und ab hier ging bei Bild.de und Welt.de einiges durcheinander. Stefan Niggemeier fragte dazu gestern auf Twitter: “Ist es nicht irre, dass diese Falschmeldung, dass #LateNightBerlin wegen der Fake-Vorwürfe der Grimme-Preis aberkannt worden sei, bei der @Welt auch nach 7 Stunden immer noch nicht korrigiert wurde? Merkt da niemand irgendwas?”

2. Die schäbigen Gewaltausbrüche des Patrick Losensky
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Sollte man über die Gewaltausbrüche des Rappers Fler berichten oder ihn mit medialer Nichtbeachtung strafen? Für Sebastian Leber gehören die Vorgänge öffentlich gemacht: “Weil es Menschen gibt, die real von ihm bedroht, sexistisch beleidigt und verprügelt werden. Weil sich diese Betroffenen alleingelassen fühlen. Und weil Strafrahmen in der Vergangenheit offenbar so wenig ausgeschöpft wurden, dass Fler nicht einmal Reue zeigt und seine Opfer nach Taten sogar öffentlich verhöhnt.”

3. Die zweifelhaften Zocker-Ratschläge der “Bild”
(ndr.de, Philipp Eckstein & Stella Peters & Jan Lukas Strozyk)
Online-Glücksspiel ist in Deutschland, außer in Schleswig-Holstein, illegal. Dennoch trommele die “Bild”-Redaktion mit ihrer werblichen Berichterstattung für diverse Online-Casino-Angebote. Ein NDR-Team ist der Sache nachgegangen und hat Beteiligte und Behörden dazu befragt. Die Glücksspielaufsicht prüfe Schritte gegen “Bild”. Die weist jeden Vorwurf empört zurück: Man berichte über Glückspiel “ausgesprochen verantwortungsvoll.”

4. Leipziger Buchmesse 2020 abgesagt: »Sicherheit geht vor«
(buchreport.de)
Rund 280.000 Besucherinnen und Besucher wurden zur diesjährigen Leipziger Buchmesse erwartet, etwa 2500 Aussteller wollten dort den Lesern und Leserinnen ihr Angebot näherbringen. Doch gestern wurde das wichtige Branchenereignis abgesagt. Das Gesundheitsamt Leipzig sei “der Aufforderung des Bundesgesundheits- und des Bundeswirtschaftsministeriums gefolgt, wonach eine Rückverfolgbarkeit von Kontaktpersonen bei Großveranstaltungen gewährleistet sein muss. Es empfahl dringend, dass jeder Messeteilnehmer schriftlich belegen muss, nicht aus definierten Risikogebieten zu stammen oder Kontakt zu Personen aus Risikogebieten gehabt zu haben.” Da dies nicht zu bewerkstelligen sei, habe man die Buchmesse schweren Herzens abgesagt.

5. Berliner Verlag: Wer ist schuld am Abgang Thiemes?
(newsroom.de)
Über die Gründe des Abgangs des kurzzeitigen Chefredakteurs von “Berliner Zeitung” und “Berliner Kurier” sind sich die Beteiligten uneinig: Während die Verleger Silke und Holger Friedrich mitteilen, dass Ex-Chefredakteur Matthias Thieme aus persönlichen Gründen ausgeschieden sei, entgegnet dieser über einen Anwalt, es habe sich um betriebliche Gründe gehandelt.

6. Expertin für Sexszenen im Film: Deutschlands erste Intimitätskoordinatorin
(rnd.de, Tilmann P. Gangloff)
In den USA sei es schon gang und gäbe, nun soll es diese Praxis auch hier geben: Deutschlands erste “Intimitätskoordinatorin” will Schauspieler und Schauspielerinnen bei Sexszenen im Film beraten.

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