Suchergebnisse für ‘Patrick’

Spiegel, Apple, Patrick Gensing

1. „Wie wir dem ‚investigativen Qualitätsjournalismus‘ des Spiegel auf den Leim gingen“
(blog.seibert-media.net, Matthias Rauer)
Matthias Rauer berichtet von seinen Erfahrungen mit den Recherchen einer „Spiegel“-Redakteurin: „Ganz ehrlich: Am liebsten hätten Sie sich wahrscheinlich eine Beispielfirma ausgedacht, in der es exakt so zugeht, wie Sie es für Ihren Artikel brauchen, richtig?“

2. „Lachen bis zum bitteren Ende“
(nzz.ch, Lennart Laberenz)
Lennart Laberenz beleuchtet die Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit von Nachrichten- und Satiresendungen.

3. „Exklusiv: IT-Konzerne umgarnen Journalisten“
(ndr.de, Video, 5:33 Minuten)
Ein Bericht über die Beziehung zwischen Technikjournalisten und Apple.

4. „Patrick Gensing: ‚Medien dürfen keine Ängste schüren'“
(vocer.org, Carla Reveland)
Ein Interview mit Patrick Gensing: „Ich glaube, dass man die Leute eher gewinnen kann, wenn im Journalismus eine Haltung vertreten wird, als wenn da irgendwie einfach nur Fakten angehäuft werden. Das ist in meinen Augen auch überhaupt nicht Journalismus. Einfach nur Fakten zu liefern und sagen, wir können das nicht beurteilen und wissen das nicht. Das zu beurteilen ist doch genau unser Job.“

5. „Die Hassknechte vom Abdiss-Dienst“
(zeit.de, Stefan Mesch)
„Oft laden ganze Feuilletons nur noch ein, laut ‚Zustimmung: Gut gebrüllt! Endlich sagt es jemand!‘ zu brüllen oder ‚Blödsinn! Alles falsch! Böser Mensch, böse Presse, böse Welt!'“, schreibt Stefan Mesch in einem Beitrag über Debattenkultur: „Meine Traumartikel als Leser wären ‚100 Museen, die man sich schenken kann‘, ‚Gesundheit: 10 unbegründete Sorgen‘, ‚Politik: Was niemand wissen muss‘. Texte, die versprechen: ‚Du musst nicht umdenken, nichts ändern oder wissen, dir keine Sorgen machen. Wir zählen auf, was du ignorieren darfst. Deine Vorurteile stimmen. Bleib, wie du bist!'“

6. „WER DAS LIEST, IST DOOF“
(medienwoche.ch, Reto Hunziker)
Reto Hunziker beschimpft das Publikum: „Sie zetern über den Schund, den Medien verbreiten, doch wer ist der Erste, der sich darauf stürzt? Sie, Sie werter Leser, Sie!“

Patrick Modiano, Bahnstreik, Mauerspecht-Challenge

1. „Mehr Grautöne, bitte!“
(ostpol.de)
Was sich Osteuropa-Korrespondenten von deutschen Redaktionen wünschen. Baltikum-Korrespondentin Birgit Johannsmeier: „Ein Problem, dem wir als Auslandskorrespondenten in den Medien begegnen, ist das große Vertrauen der Redakteure in die Nachrichtenagenturen, die meiner Meinung nach gerne Vorurteile bedienen und mit reißerischen Aufmachern um Kunden werben.“

2. „Eigenwillige Schelme“
(literaturkritik.de, Nils Demetry)
Nils Demetry sieht die Redaktionen vom Gewinn des Literaturnobelpreises durch Patrick Modiano überrumpelt. „Dass ein vermeintlich unbekannter und dazu für die mediale Verwertung denkbar ungeeigneter Schriftsteller den Literaturnobelpreis gewinnt (‚Er macht den Literaturbetrieb nicht mit.‘), stellt Redaktionen in Zeiten von Klickzahlen und Sekundenjournalismus zunächst einmal vor ein Problem. (…) Nur Stunden nach der Bekanntgabe empörte sich beispielsweise der Cicero auf seiner Facebookseite über die Entscheidung (‚Gratulation an die Jury, die es seit Jahr und Tag schafft, die großen amerikanischen Erzähler zu ignorieren.‘) und freute sich höhnisch ‚mit allen Feuilletonisten und Redaktionen, die sich das Werk Modianos jetzt im Schnelldurchlauf ergoogeln‘ mussten.“

3. „Spazieren gehen kann man auch mit Rollstuhl – TV-Experimente“
(leidmedien.de, Judyta Smykowski)
„Eine Behinderung auszuprobieren, ist im Fernsehen so beliebt geworden wie Kochshows, Casting-Shows und DIY-Shows“, findet Judyta Smykowski und schaut sich diese Sendungen genauer an.

4. „Spiegel Online: Verzerrung und Unterschlagung“
(klima-luegendetektor.de)
Der „Klima-Lügendetektor“ analysiert einen Artikel von „Spiegel Online“ zum finalen Klimareport des IPCC.

5. „Mauerspechte im Winterschlaf? Das ZDF vergeigt eine Social-Media-Aktion zum Mauerfall“
(absolutobsolet.blogspot.de)
Zum 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer ruft das ZDF zur „Mauerspecht-Challenge“ auf, zum virtuellen Einreißen der Mauer. Doch es wurden bisher gerade mal 15,5 Kilometer zerstört: Während schon 85 Prozent des Zeitrahmens verstrichen sei, habe man noch nicht einmal 10 Prozent der Zielvorgabe erreicht.

6. „Ein typischer Bahnstreik-Bericht“
(ardmediathek.de, Video, 1:32 Minuten)

Jena, Das Neue Testament, Patrick Bahners

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „Wie Jena im ZDF zur Stadt der Angst wurde“
(otz.de, Steven Uhly)
Ein Beitrag der ZDF-Sendung „aspekte“ über Jena sorgte bei Einwohnern der Stadt für Empörung – Redaktionsleiter Christhard Läpple antwortete darauf. Steven Uhly erzählt nun Details zu den Aufnahmen und liefert eine nachträgliche Einschätzung: „Der Fernsehbeitrag hat Angst zu einem Bild von Jena gemacht, und Jena mit dem ganzen Osten gleichgesetzt. Ich selbst, mit meinem Migrationshintergrund, stehe da wie ein potenzielles Opfer.“

2. „Mohamed Bouazizi und der Werther-Effekt“
(beim-wort-genommen.de, Jonas Schaible)
Anlässlich der Diskussion über den Werther-Effekt denkt Jonas Schaible über die Folgen der Selbstverbrennung von Mohamed Bouazizi nach.

3. „Wir recherchieren so gut wie der Spiegel“
(meedia.de, Alexander Becker)
Die wöchentlich erscheinende Frauenzeitschrift „Das Neue“ erzählt in einem Sonderheft das Neue Testament nach. „Das Sonderheft, so sonderbar es daherkommt, ist Teil der Strategie des ehemaligen Bild-Mannes Mandt sein Yellow breiter aufzustellen, die Qualität zu steigern und die Auflagenverluste zu stoppen.“

4. „Much Ado About Stuffing“
(thedailyshow.com, Video, 5:13 Minuten, englisch)
Was Fox News kümmert: Wie oft US-Präsidenten Gott erwähnen in ihrer Thanksgiving-Ansprache.

5. „5 Jahre neunetzcom“
(neunetz.com, Marcel Weiß)
Marcel Weiß zieht nach fünf Jahren Bloggen auf Neunetz.com ein ausführliches Zwischenfazit: „Weil immer von Medienwandel die Rede ist, und viele lapidar davon schreiben, dass ’sich jetzt alles ändert‘, stumpft man diesbezüglich ein wenig ab, aber: Es ändert sich wirklich alles. Die Radikalität des Bruches und die Potentiale sind auch weiterhin den Meisten nicht bewusst.“

6. „Wenn Popkritiker ins Schwärmen geraten: Patrick Bahners schreibt über die Band ‚Low‘ (Lesung)“
(blogs.nmz.de/badblog, Moritz Eggert, Audio, 6:18 Minuten)
Moritz Eggert spricht eine im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschienene Konzertkritik von Patrick Bahners als Hörspiel ein.

Bild.de, n-tv, RTL  etc.

Medien erklären Patrick Swayze für tot

Gegen halb sieben gestern Abend haben RTL, n-tv und Bild.de Patrick Swayze sterben lassen. RTL berichtete in seinem Magazin „Exclusiv“ vom Tod des krebskranken Schauspielers und sendete gleich einen Nachruf:

Der Schwestersender n-tv hatte zuvor ins laufende Programm die Breaking News eingeblendet: „US-Medien: Patrick Swayze stirbt an Krebs“, meldete auf Twitter: „Der amerikanische Schauspieler stirbt nach langer schwerer Krankheit“ und ließ sich den Tod von seiner Korrespondentin in New York bestätigen. Bild.de brachte die Meldung („US-Schauspieler Patrick Swayze ist an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben“) unter Bezug auf n-tv, n-tv nannte daraufhin „Bild“ als Quelle.

Eine echte, verlässliche Quelle hatten sie alle nicht. Die Nachrichtenagentur dpa meldete um 18.54 Uhr, sie bemühe sich um eine Bestätigung, aber: „Zur Zeit gibt es dafür keine Quellen in den USA“. Um 19.10 Uhr MESZ veröffentlichte die amerikanische Zeitschrift „People“ auf ihrer Homepage das Dementi einer Sprecherin Swayzes, um 19.29 Uhr berichtete dpa darüber.

Die Falschmeldung haben in Deutschland unter anderem auch die Online-Auftritte von „B.Z.“ („Patrick Swayze ist tot“), „Express“ („Patrick Swayze ist tot“), RTL („Patrick Swayze ist tot“) und „Rheinischer Post“ („Patrick Swayze offenbar gestorben“) verbreitet.

Mehr zum Thema:

Lehren aus der Niederlage, Debiasing, Als „der Ulli“ rechts abbog

1. Was das Internet nicht vergessen sollte
(golem.de, Friedhelm Greis)
Die Schlacht um die Urheberrechtsreform wurde geschlagen, die Netzaktivisten unterlagen. Friedhelm Greis hat sich auf die Suche nach den richtigen Lehren aus der jahrelangen Debatte gemacht. Wie lassen sich in der Zukunft solche Niederlagen vermeiden? Seine Analyse in Kurzform: „Harte Fakten einfordern. Die großen IT-Konzerne sind keine guten Verbündeten. Wahlen können etwas ändern. Online-Proteste nützen wenig.“

2. Gerüchte und Spekulationen im Netz
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing & Silvia Stöber)
Nach (oder noch während) einer Katastrophe kursieren im Netz augenblicklich Gerüchte über Ursache und Hergang, so auch bei der brennenden Kathedrale Notre-Dame in Paris. Vor allem rechte Blogs streuten Spekulationen über einen angeblichen Anschlag. Der „Faktenfinder“ ist der Sache nachgegangen. Dabei spielt auch Donald Trump eine Rolle mit seinem Ratschlag, die französische Feuerwehr möge schnell Löschflugzeuge einsetzen.
Weiterer Lesehinweis: Thomas Lückerath kommentiert bei „DWDL“ die Kritik, ARD und ZDF hätten wegen des Geschehens in Paris ihr Programm unterbrechen sollen: „Besonders komisch wird es übrigens immer dann, wenn Print-Journalisten vermeintlich mangelnde Aktualität bei ARD und ZDF in solchen Fällen kritisieren und ebenso süffisant darauf hinweisen, dass man in solchen Fällen besser ausländische Nachrichtensender guckt. Es wären die Verlage, die neben den privatwirtschaftlichen Nachrichtensendern am lautesten aufschreien würden, wenn die Politik ARD und ZDF grünes Licht für einen echten öffentlich-rechtlichen Nachrichtensender geben würde.“

3. Weniger verzerrt
(journalist-magazin.de, Janina Kalle)
Unter einem Bias oder einer „kognitiven Verzerrung“ versteht man die „systematische fehlerhafte Neigung beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen“. Auch wenn wir noch so sehr meinen, rational zu urteilen, unterliegen wir oftmals diesen Verzerrungen und Selbsttäuschungen. Dies gilt nicht nur für Medienleute, sondern betrifft uns alle. Janina Kalle hat einen spannenden Text vorgelegt, in dem sie erklärt, wie man der Bias-Falle entkommt, und einige „Debiasing“-Techniken vorstellt.

4. Als „der Ulli“ rechts abbog
(taz.de, Timo Hoffmann)
Der Journalist und Autor Ulrich Kulke hat eine bemerkenswerte Vita: Vor 40 Jahren hat der heute 66-Jährige die „taz“ mitgegründet. Später arbeitete er für die Grünen. 2001 ging er für 15 Jahre zur Tageszeitung „Welt“ des Axel-Springer-Verlags. Heute nimmt er die AfD in Schutz und schreibt Kommentare für das Onlineportal „Die Achse des Guten“. Wie ist es dazu gekommen? „taz“-Redakteur Timo Hoffmann hat Kulke bei ihm zu Hause besucht und ein lesenswertes Porträt verfasst, das nicht urteilt.

5. Google, Facebook und der Journalismus – oder: wenn sich das Problem als Teil der Lösung sieht
(medienwoche.ch, Daniel Faulhaber)
Im italienischen Perugia trifft sich die Medienbranche seit 13 Jahren jährlich zu einem der größten Branchentreffen, dem „International Journalism Festival“. Dieses Jahr besonders im Fokus: Facebook, Google und das problematisches Verhältnis dieser Konzerne zum Journalismus. Daniel Faulhaber war in dem umbrischen Städtchen und hat sich angehört, wie die Netzgiganten derzeit agieren: Mit einem Schmusekurs, den sich Facebook allein 300 Millionen Euro kosten lässt, die es den Verlagen für Journalismusprojekte zur Verfügung stellt.

6. Wie kann ich als Mann Feminist sein?
(spiegel.de, Margarete Stokowski)
Ein Medien-, aber auch ein Alltagsthema: „Wie können Männer Feministen sein?“ Margarete Stokowski hat eine Liste mit 40 Punkten angefertigt: „Die Liste ist unvollständig und die Reihenfolge egal. Erledigen Sie so viele Punkte wie möglich, dann sind Sie auf der sicheren Seite.“

Bild  

Von knackigen Hupen und gewinnenden Männern

Vor drei Monaten, im Januar, ernannte die „Bild“-Redaktion den Bruder des Ex-Papstes zum VERLIERER des Tages. Der Grund: seine Einstellung gegenüber Frauen.

Ausriss der Bild-Zeitung: VERLIERER - Ex-Domspatzen-Chef Georg Ratzinger (94, Bruder von Ex-Papst Benedikt XVI.) kann sich eine Frau als Chefin des weltberühmten Regensburger Chores nicht vorstellen. Meine persönliche Meinung ist, vor so vielen Buben und jungen Männern ist es doch besser, wenn ein Mann dem Chor vorsteht, so Ratzinger. BILD meint: Schiefe Töne!

Eine Woche später ging der Titel VERLIERER an eine „exklusive Männerrunde“ aus Bremen. Grund: ihr Umgang mit Frauen.

Ausriss der Bild-Zeitung: VERLIERER - Das Bremer Eiswett-Fest ist eine gute Sache. Eigentlich. Aber diesmal hagelte es neben Spenden heftige Kritik an Präsident Patrick Wendisch (61). Die exklusive Männerrunde weigerte sich, als offiziellen Vertreter der Stadt Bürgermeisterin Karoline Linnert (60, Grüne) zu akzeptieren. Seit 1828 sind Frauen bei der Eiswette unerwünscht. BILD meint: Veraltet!

Ja, da regte sie sich auf, die „Bild“-Redaktion, denn bei „Bild“ werden Frauen noch respektiert!

Okay, sagen wir: Bei „Bild“ schätzt man die „Melonen“, „Kisten“ und „Hupen“ von Frauen. Ihre Leistungen hingegen spielen im Blatt kaum eine Rolle.

Das erkennt man schon an dem täglichen GEWINNER/VERLIERER-Ranking. Bereits in unserem Jahresrückblick 2018 haben wir festgestellt, dass von den ausgezeichneten Personen im vergangenen Jahr über 80 Prozent Männer waren. Selbst Tiere und Gegenstände kamen in dem Ranking häufiger vor als Frauen.

Nachdem wir den Beitrag veröffentlicht hatten, änderte sich jedoch plötzlich etwas. Denn in den folgenden Wochen schien sich die Redaktion tatsächlich Mühe zu geben, mehr Frauen im Ranking unterzubringen: Im Januar war gut die Hälfte aller GEWINNER weiblich — ein immenser Anstieg zum Vorjahr. In dieser Zeit ernannte „Bild“ auch die oben genannten Männer zu VERLIERERN, weil sie so „veraltet“ mit Frauen umgegangen waren.

Eine feministische Revolution bei „Bild“?

Nee. Es dauerte nicht lange, da verfiel die Redaktion wieder in alte Muster. Die GEWINNER im Februar und März: Männer – 68 Prozent. Tiere und Gegenstände – 22 Prozent. Frauen – 10 Prozent.

BILDblog meint: Mannmannmann.

6-vor-9-Sonderausgabe zur beschlossenen Urheberrechtsreform

1. Chance verpasst: Dieses Urheberrecht bleibt in der Vergangenheit stecken
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Die Reform des EU-Urheberrechts biete falsche Antworten auf eine veränderte digitale Welt, findet Markus Beckedahl auf netzpolitik.org. Sie zementiere die Rechte von großen Verwertern und diene nur einem kleinen Teil der Urheber. Beckedahls gründliche Analyse wird von einem Stoßseufzer unterbrochen: „Ich habe viele netzpolitische Debatten in den vergangenen 20 Jahren erlebt. Keine davon war so verlogen wie diese. In Zeiten von gesellschaftlichen Debatten um Desinformation und sinkender Glaubwürdigkeit der Medien haben viele von diesen das Vertrauen vor allem der jungen Generation verspielt, indem sie zugunsten ihrer eigenen wirtschaftlichen Interessen die Wahrheit gedehnt und häufig selbst Desinformation betrieben haben. Allen voran: FAZ und Bild.“
In den „Tagesthemen“ bringt Sascha Lobo seine Sorge zum Ausdruck, dass sich eine ganze digitale Generation nicht mehr von der Politik repräsentiert fühle. Junge Menschen könnten wegen des Gesetzes gar anfangen, Antipathien gegen die EU zu entwickeln.
Meike Laaf hat bei „Zeit Online“ ähnliche Befürchtungen: Die Art, wie Befürworter der Urheberrechtsreform den Protest dagegen abgewertet haben, schwäche das Vertrauen in die Europapolitik: „Die Frage ist nun, was all diese Menschen machen werden mit ihrer Wut. Besonders Frustrierte werden daraus die Konsequenz ziehen, sich von der Europapolitik insgesamt angeekelt abzuwenden. Andere werden bei der Europawahl diejenigen abstrafen, die diese Reform vorangetrieben haben — und unter Beweis stellen, dass #NieWiederCDU für sie mehr ist als ein Hashtag.“
Peter Welchering kommentiert bei den „Riffreportern“: „Bei der Reform des europäischen Urheberrechts geht es um grundlegende Fragen, die auch darüber entscheiden, ob Journalisten und andere Urheber von ihrer Arbeit überhaupt noch leben können. Eigentlich ist es erstaunlich, dass wir Urheber nicht schon seit Wochen im Streik sind.“
Bei „Spiegel Online“ schreibt Patrick Beuth: „Am 26. Mai, bei der nächsten Europawahl, wird sich nun zeigen, wie viele Menschen ihre Stimme als Abwehrmittel gegen diesen verordneten Stillstand verstehen.“
Jan Vollmer war als Reporter in Berlin auf der #SaveYourInternet-Demo, auf der viele junge Menschen gegen das neue Gesetz protestierten. Man merkt Vollmer den tief sitzenden Frust an, wenn er bei t3n.de zum Ende hin schreibt: „Vielleicht will die junge Generation Voss, Caspary und Co. auch etwas beibringen. Bei den Europawahlen kann man sich ab 18 Gehör verschaffen. Und einer der beliebtesten Slogans der Demonstranten am Samstag war: „Nie mehr CDU“.“
Und beim ZDF schlägt Kristina Hofmann einen Bogen zu den „Fridays for Future“-Demos: „Am Freitag werden wieder Zehntausende junge Leute auf die Straße gehen und zusammen mit Greta Thunberg für einen besseren Klimaschutz demonstrieren. Haben die Demonstranten wieder alle angeblich keine Ahnung? Sind sie von den Umweltorganisationen und Grünen instrumentalisiert und haben von dem Ausgleich zwischen Energiegewinnung und Sicherung von Arbeitsplätzen am Industriestandort Deutschland noch nie etwas gehört? Dann redet doch einfach weiter dauernd über die Schulpflicht!

2. YouTube, aber fair
(zeit.de, Heinrich Wefing)
Es gibt aber auch Gegenmeinungen. Heinrich Wefing schreibt bei „Zeit Online“: Das Ergebnis der Abstimmung werde „viele verbittern, die zum ersten Mal mit aller Leidenschaft für eine Sache auf die Straße gegangen sind. Und doch ist die Entscheidung am Ende richtig. Sie zwingt die Netzkonzerne in die Verantwortung. Und sie zeigt, dass Europa endlich anfängt, die Macht der Tech-Giganten einzuhegen.“ Viel spreche dafür, „dass sich die Horrorszenarios der Reformgegner recht bald als übertrieben erweisen. YouTube wird nicht abgeschaltet werden, und auch die Meinungsfreiheit dürfte keinen Schaden nehmen.“

3. EU-Urheberrechtsreform: Abgeordnete drückten falschen Knopf
(futurezone.at)
Das Kopfschütteln findet kein Ende: Wie ein Europaabgeordneter twittert, hätte die Abstimmung über Upload-Filter und Leistungsschutzrecht auch anders ausgehen können. Korrekturlisten aus dem EU-Parlament würden zeigen, dass zehn Abgeordnete des EU-Parlaments einen „falschen Knopf“ gedrückt hätten.

4. Das steht in der EU-Urheberrechtsrichtlinie
(golem.de, Friedhelm Greis)
Was steht eigentlich in der 149 Seiten umfassenden EU-Richtlinie zum „Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt“? Friedhelm Greis geht in seiner Analyse die entscheidenden Passagen durch.
Weiterer Lesehinweis: In einem weiteren Artikel schreibt Greis über den im Raum stehenden angeblichen Kuhhandel zwischen Deutschland und Frankreich in Sachen Uploadfilter (siehe dazu auch den „FAZ“-Beitrag Altmaier opfert Start-ups im Urheberrecht). Altmaier habe „wenigstens das Leistungsschutzrecht retten“ wollen.

5. „Deut­sch­land hat eine lange Tra­di­tion, Euro­pa­recht falsch umzu­setzen“
(lto.de, Maximilian Amos)
Auf „Legal Tribune Online“ hält der Zivilrechtsprofessor Michael Beurskens den Kompromissvorschlag für „evident europarechtswidrig“. Gegebenenfalls verstoße er sogar gegen das nationale Verfassungsrecht. Was „kreative“ Umsetzungen des deutschen Gesetzgebers anbelangt, ist Beurskens mehr als skeptisch: „Deutschland hat eine lange Tradition, Europarecht falsch umzusetzen. Im Zweifel wird die Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten oder ein Urheber, der seine Rechte nicht an eine VG übertragen hat, die Frage in einem Prozess dem EuGH vorlegen lassen.“

6. Artikel 13 kommt: Was du jetzt mit deiner Wut anfangen kannst
(vice.com, Sebastian Meineck)
Millionen Unterschriften und Zehntausende Protestierer haben nichts genutzt: Die meistgehasste EU-Reform ist seit gestern beschlossene Sache. Wie kann und wird es jetzt weitergehen? Sebastian Meineck stellt seinen persönlichen Drei-Punkte-Plan vor: „1. Nicht aufgeben, denn was genau aus Artikel 13 wird, ist noch offen. 2. Stolz sein, denn die Internet-Generation hat jetzt eine politische Stimme. 3. Kritisch bleiben, denn das freie Internet wird auch von anderer Seite bedroht.“

Vom Witwenschüttler zum Chefredakteur

Vergangene Woche jährte sich der Amoklauf in Winnenden zum zehnten Mal. Ein Jugendlicher tötete am 11. März 2009 an seiner Schule 15 Menschen und sich selbst.

Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ zeigte Ende Februar noch einmal, wie Medien und Journalisten damals vor Ort vielfach Grenzen überschritten. Dafür führten die „Zapp“-Reporter Daniel Bouhs und Sabine Schaper auch ein Interview mit SWR-Reporter Knut Bauer, der vor zehn Jahren für den ARD-Hörfunk in Winnenden war. Bauer erzählt unter anderem diese Geschichte:

Noch schlimmer habe ich es erlebt in einem Fotogeschäft. Auch da habe ich nicht drüber nachgedacht. Und da war es auch eine ganz bizarre Situation, dass die Frau in diesem Fotoladen mich eigentlich fast wieder rausschmeißen wollte. „Gehen Sie, gehen Sie, gehen Sie.“ Und ich habe dann gesagt: „Jetzt lassen Sie uns erstmal in Ruhe drüber reden. Ich weiß, dass es ganz schwierig ist. Ich mache ja auch nur meinen Job und mir ist es auch nicht wohl dabei.“ Und dann kam ein anderer Mitarbeiter oder ihr Sohn — ich weiß gar nicht, wer es war — und hat das Gespräch dann übernommen und hat mir erzählt, dass am Tag vorher auch Boulevardjournalisten da waren, die Geld auf den Tisch gelegt haben, um Fotos, Konfirmationsfotos von den toten Schülerinnen und Schülern zu bekommen. Also das ist dann schon bizarr und abstoßend. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Da gab es viele Situationen, wo ich mich dann auch geschämt habe.

Wer macht sowas? Wer bedrängt Leute, die trauern, die mitgenommen sind, die sich in einer emotionalen Ausnahmesituation befinden — nur um an Fotos von getöteten Menschen zu kommen? Zum Beispiel „Bild“-Chef Julian Reichelt.

Reichelt war damals, als die Medienmeute in Winnenden einfiel, natürlich noch nicht Chefredakteur. Aber er war für Bild.de als Reporter dabei. Es gibt ein Video von ihm:

Screenshot eines Bild.de-Videos, in dem Julian Reichelt in Winnenden zu sehen ist

Reichelt sagt darin:

Hier in Süddeutschland, in dieser scheinbaren Idylle, begann einer der blutigsten Amokläufe der deutschen Kriminalgeschichte.

Leutenbach, in der Nähe von Stuttgart in Baden-Württemberg, eine Stadt unter Schock. Hier in dem Haus hinter mir hat Amokläufer Tim K. gewohnt. Von hier brach er auf auf seinen blutigen Feldzug.

Patrick S. hatte gerade Deutschunterricht an der Albertville-Realschule in Winnenden, als der kaltblütige Amokschütze Tim K. sein Blutbad begann. Mehrere Kugeln trafen den Schüler.

„Bild“ sitzt im Wohnzimmer der Familie von Patrick S. und lässt den Schüler seine mit Pflastern überklebten Verletzungen zeigen. Es folgt ein Interview, das offenbar nicht Reichelt führt, jedenfalls klingt die Stimme des Interviewers anders. Patrick S. kann zu den Fragen („Was hatte er für eine Waffe?“, „Eine Waffe? Oder hatte er mehrere?“, „Was hatte er an?“, „Wie oft hat er geschossen?“, „Hat denn jemand geschrien?“) nicht wirklich etwas sagen. Es schüttelt wiederholt den Kopf, atmet tief durch.

Dann setzt Reichelt erneut ein, als Off-Sprecher:

Patricks Mitschülerin Chantal ist eine der ermordeten Schülerinnen. Er zeigt uns ein altes Klassenfoto. Ein weiteres Opfer des Killers von Winnenden ist Jana. Sie galt unter Mitschülern als beliebt, kontaktfreudig, lebensfroh. Wie Patrick ging auch sie in die neunte Klasse der Realschule und stand kurz vor ihrem Schulabschluss. Jana und Chantal — junge Mädchen aus der Nachbarschaft des Täters.

Im Video sind die Bilder der beiden Mädchen unverpixelt und in Großaufnahme zu sehen (daher verzichten wir auf einen Link). Der Vater von Chantal äußerte sich kurze Zeit später dazu, dass „Bild“ und einige Fernsehsender Fotos seiner Tochter zeigten: „Dreimal hintereinander sind Bilder von Chantal erschienen, ohne dass wir das gewollt hätten. Wir hätten das nie erlaubt.“ Die „Bild“-Medien veröffentlichten nach dem Amoklauf wieder und wieder Fotos, auf denen die Opfer zu sehen waren. Und Julian Reichelt hat mitgemacht.

Heute leitet Reichelt also die „Bild“-Medien. Und es sieht nicht danach aus, als würde seine Redaktion in absehbarer Zeit darauf verzichten, Fotos von Verstorbenen zu zeigen. Solche Aufnahmen begegnen uns immer wieder, mitunter groß auf der „Bild“-Titelseite. Erst vor ein paar Tagen, nach dem Absturz eines Flugzeugs in Äthiopien, bei dem 157 Menschen ums Leben kamen:

Ausriss Bild-Titelseite - Die deutschen Opfer aus dem Todesflieger
(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Beitrag stammen von uns.)

Wobei „Die deutschen Opfer“ vor allem bedeutet: Die drei deutschen Opfer, bei denen die „Bild“-Redaktion an Fotos gelangen konnte (und von denen „Bild“ auch noch die Berufe und die kompletten, teilweise falschen Namen nennt). Die zwei weiteren Deutschen, die bei dem Absturz gestorben sind, spielen in der „Bild“-Ausgabe keine Rolle.

Es müssen auch gar nicht große Ereignisse wie ein Amoklauf oder ein Flugzeugabsturz sein, nach denen die „Bild“-Mitarbeiter losziehen, Fotos von Verstorbenen zusammenklauben und diese groß und ohne Unkenntlichmachung abdrucken:

Ausriss Bild-Titelseite - F (16) und L (16) von S-Bahn überrollt - zwei 17-Jährige in U-Haft - Nach Disco in den Tod gestoßen - dazu zwei unverpixelte Fotos der verstorbenen Jugendlichen

In diesem und in manchen anderen Fällen bringen die Familien der Verstorbenen die bewundernswerte Kraft auf, sich in einer Zeit tiefster Trauer gegen die Schweinereien der „Bild“-Redaktion zu wehren.

Tollstes Onlinemedium schreibt beste Überschrift

Bei „Bild“ brauchen sie Superlative. Und was ist besser als ein Superlativ? Richtig: zwei Superlative.

Screenshot Bild.de - Sensations-Transfer - Größter NFL-Star geht zu schlechtestem Team

Es geht um Footballer Odell Beckham Jr., der sein bisheriges Team, die New York Giants, verlässt und zu den Cleveland Browns wechselt.

Superlativ Nummer 1 — OBJ als „größter NFL-Star“ — ist schon ziemlich gewagt. Man denke zum Beispiel an Tom Brady, den Quarterback der New England Patriots, der von vielen als der „GOAT“, der „Greatest of all Time“, bezeichnet wird (wobei Brady es gar nicht mag, so genannt zu werden). Oder an Patrick Mahomes, den Quarterback der Kansas City Chiefs, der in der abgelaufenen Saison als MVP, also als sportlich wertvollster Spieler der Liga, ausgezeichnet wurde. Odell Beckham Jr. hat weder den einen noch den anderen Titel. Er mag ein Superstar der NFL sein — aber der größte? Am Ende des Bild.de-Artikels ist er dann auch nur noch der „schillerndste Star der Liga“, was es eher treffen mag.

Schlagzeilen-Superlativ Nummer 2 — die Cleveland Browns als „schlechtestes Team“ — ist schlicht falsch. Das steht sogar im Bild.de-Artikel:

Die Browns hatten zwar in der letzten Saison die Playoffs nur knapp verpasst — die Spielzeiten vorher waren sie jedoch das schlechteste Team der NFL.

Jaja, die Bild.de-Redaktion kommt mit ihrer Überschrift nur ein Jahr zu spät. Tatsächlich hatten in der vergangene NFL-Saison etliche Teams eine schlechtere Bilanz als die Cleveland Browns. In den zwei Jahren zuvor waren die Browns in der Tat das schlechteste Team der Liga. 2015 teilten sie sich diesen Platz mit den Tennessee Titans. In den Jahren davor waren die Browns hingegen nie das schlechteste Team.

Statt „Größter NFL-Star geht zu schlechtestem Team“ hätte Bild.de auch schreiben können: „Tollstes Onlinemedium schreibt beste Überschrift“ — das wäre dann genauso falsch gewesen.

Mit Dank an Christian P., Patrick und @VM_83 für die Hinweise!

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