Suchergebnisse für ‘PIN’

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Klickdoping mit 16 Buchstaben
(stefan-niggemeier.de)
“Mit allen Mitteln versuchen die Online-Medien die Zahl ihrer PageImpressions künstlich in die Höhe zu treiben, denn diese Zahl wird gerne fälschlicherweise für eine Messgröße für Erfolg und gar Qualität gehalten.”

Entsorgung Gratiszeitungen
(sf.tv, Video, 2:14 Minuten)
“Gratisblätter sollen die Kosten für die Entsorgung ihrer Zeitungen übernehmen. Dies schlägt Preisüberwacher Rudolf Strahm Umweltminister Moritz Leuenberger vor. Auch Take-Aways sollen künftig für Abfälle zahlen, die ihre Kunden liegenlassen.”

Die Medien als Buhmann
(zeit.de, Sebastian Moll)
“Team Gerolsteiner gehört zu den besten Teams der Tour. Einen Sponsor sucht die Mannschaft aber vergeblich. Das Moralisieren der deutschen Medien soll daran schuld sein.”

Ups, verzahnt
(bildblog.de, Clarissa)
Bild.de kopiert fast einen ganzen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung.

Media Top 100 2008
(guardian.co.uk)
MediaGuardian kürt, wie jedes Jahr, die Top 100 Medienleute.

The web is the most conservative force on Earth
(spectator.co.uk, Charles Leadbeater)
“Digital technology has made us a society of mass archivers, says Charles Leadbeater. Far from rotting our brains, the web enables us to preserve all our memories.”

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Dr. Blog
(blog.tagesschau.de, Dr. Kai Gniffke)
Der Chefredakteur der ARD-Tagesschau fordert andere Chefredakteure zum Bloggen auf: “Die Bloggerei ist meiner Meinung nach eine Grundsatzentscheidung für Transparenz. Das gilt für die spannenden Tage, an denen wir eine brauchbare Schneise durch?s Nachrichtendickicht geschlagen haben, aber auch für Phasen, in denen wir die Seuche haben. So eine Kultur der Offenheit ist nicht risikofrei, ein Schönwetter-blog geht nicht. Aber man stelle sich vor, andere Chefredakteure steigen mit ein, reden offen über Versäumnisse und kleine liebenswerte Pannen in ihren Medien. Jungs, habt Mut! Es gibt zwar gelegentlich auf die Schnauze, aber es ist die Sache wert.”

interview2: Dirk Ippen, Verleger
(turi-2.blog.de, Video, 5:23 Minuten, Peter Turi)
Auch Verleger Dirk Ippen rät, keine Angst zu haben vor dem Web 2.0, sondern die Tatsache der durch das Internet demokratisierten Medien zu akzeptieren.

Wie die SVP auf Sendung geht
(tagesanzeiger.ch, Maurice Thiriet)
“Privat-TV-Sender bieten der SVP zunehmend Plattformen, von denen sie ihre Botschaft verbreiten kann. Sie nehmen dafür kein Geld – und profitieren trotzdem.”

Kopf der Woche: Der Realisator
(werbewoche.ch, Andreas Panzeri)
“Beat Knecht bietet mit Zattoo eine Plattform, die neben Millionen von TV-Usern auch für immer mehr Werber zum Programm gehören wird.”

No Photos! No Photos?
(woz.ch, Florian Bachmann)
“Der fotografierende Mensch ist ein Problem. Als Einziger muss er sowohl von Polizisten in Handschellen gelegt als auch von den BesetzerInnen an seiner Arbeit gehindert werden. Weil das Verhalten der Polizei öffentlich werden könnte. Weil die Polizei anhand seiner Bilder Leute identifizieren könnte. Weil er mit seinem Blitz nervt, und vielleicht klaut er dir ja sogar die Seele. Eigentlich aber macht er ein ehrliches Handwerk. Was kann er dafür, dass diesem Handwerk niemand mehr traut?”

“Hundsgewöhnliche Proletarier”
(spiegel.de, Lothar Gorris und Dirk Kurbjuweit)
Philosoph Peter Sloterdijk denkt, sehr lesenswert, über die Tour de France nach: “In den nächsten 100 Jahren werden wir immer Doppelsport haben. Zuerst den Wettkampf selbst und dann die Enttarnung der Schwindler. Auf diese Weise kriegen wir zwei Programme gleichzeitig geboten. Auch deswegen erinnert die Situation der Anti-Doping-Partei an die der Christen in der römischen Arena. Sie werden zwar weiterhin zum Vergnügen des Publikums von den Löwen gefressen, aber aus dem Maul des besten Löwen hängt schon ein Arm mit erhobenem Zeigefinger heraus – mit einer unangenehmen Botschaft: Wenn ihr so etwas sehen wollt, dann seid ihr moralisch am Ende!”

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Digitale Beduinen
(dasmagazin.ch, Peter Haffner)
“Wozu noch ins Büro gehen, wenn man dank drahtloser Technologie überall arbeiten kann? In San Francisco lässt sich die Zukunft der Arbeitswelt schon heute besichtigen.”

“Tagesthemen” zeigen einen Stripe zu viel unter den Stars
(spiegel.de, plö.)
“Viele Zuschauer trauten ihren Augen nicht: Keine zwei Wochen nach der rot-schwarz-goldenen Deutschlandfahne ist den ARD-‘Tagesthemen’ wieder ein Flaggen-Fauxpas passiert. Vor einem Beitrag zur neuen Berliner US-Botschaft zeigten sie neben Tom Buhrow die Stars and Stripes mit einem Streifen zu viel.”

Bill Gates geht und bleibt doch
(freitag.de, Mathias Mertens)
Nerdforschung: “Fragt man herum, was denn ein Nerd genau sei, dann gibt es, außer dass Bill Gates ein solcher sei, keine wirklich befriedigende Erklärung. Nerds sind irgendwie anders, heißt es, sie gehören nicht richtig dazu, sehen seltsam aus, verhalten sich noch seltsamer, haben abwegige Interessen und einen unverständlichen Humor. Vor allem aber beschäftigen sie sich mit Computern, die exakt dieselben Eigenschaften aufweisen.”

Was man den Online-Medien vorwirft
(netzeitung.de)
“Unglaubwürdig, oberflächlich, schnelllebig, Massenware – gegen solche Vorurteile kämpfen Online-Medien. Die Netzeitung hat Gegenargumente.”

Lieber Herr Dichand…
(taz.de, Christine Zeiner)
“Die österreichische ‘Kronen Zeitung’ schreibt Politiker hoch oder versenkt sie. Derzeit überbieten sich die Politiker mit Briefen an den Herausgeber.”

“Man vergibt mir nicht”
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Andreas Burkert und Thomas Kistner)
“Morgen beginnt die Tour de France. Jörg Jaksche war ein Jahr wegen seiner Doping?-Beichte gesperrt, jetzt könnte er eigentlich wieder mitfahren. Aber im Radsport hassen sie ihn. Weil er die Wahrheit gesagt hat.”

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Das Blatt vor dem Mund
(sueddeutsche.de, Marita Stocker)
“Denken wir, was Bild schreibt, oder schreibt Bild, was wir denken? Ob Pooth-Pleite, Fußball oder Hartz IV: Medienwissenschaftler Carsten Reinemann analysiert, wie ein Blatt Themen setzt und andere Medien folgen.”

Als ob nichts wäre
(nzz.ch, Marc Zitzmann)
Nicolas Sarkozy könnte dank Carla Bruni den Abschwung seiner Umfragewerte auffangen, umgekehrt erhält ihre Arbeit mehr Aufmerksamkeit denn je: “So übertrifft die Berichterstattung über das dritte Album des zur Sängerin gewordenen Models so ziemlich alles hierzulande Dagewesene – dabei wird die CD erst am 11. Juli veröffentlicht.”

News aus Nachbars Garten
(werbewoche.ch, Gerti Schön)
“Amerikas krisengeschüttelte Zeitungsverlage entdecken den ‘hyperlocal journalism’.”

“Kurt Beck hat keine Freunde”
(jetzt.sueddeutsche.de, Theresa Steinl)
Markus Beckedahl konstatiert, dass deutsche Politiker noch nicht im Internet angekommen sind: “Bei unseren Spitzenpolitikern ist der Running-Gag, dass jeder damit kokettiert, nicht den Rechner einschalten zu können.”

Ostschweizer Ignoranz
(fr-online.de, Klaus Kreimeier)
“Unmöglich zu sagen, wie viele Luftschlösser täglich im Internet gebaut, wie viele Seifenblasen in die Bloggosphäre gepustet werden. Ein Beispiel ist das World Blog Forum, das Mitte Juli in Bern stattfinden soll, jedoch – glaubt man dem düsteren Gemurmel des gewöhnlich gut informierten Don Alphonso auf Blogbar – wohl ein Hirngespinst bleiben wird, das sich allein dem Maulheldentum seiner Initiatoren verdankt.”

Zur Wiedervorlage an die Redaktion der Berliner Zeitung
(blogbar.de, Don Alphonso)
Der “gewöhnlich gut informierte Don Alphonso auf Blogbar” (Frankfurter Rundschau) stellt klar, dass eine Zeitung kein Parasit ist, sondern mit Anspruch und Mut “Menschen Informationen und Leitlinien für unsere Gesellschaft” liefert. Er fordert die Redaktion der Berliner Zeitung auf, “ihren nicht hinnehmbaren Investor in der Form zu enteignen, als dass man ohne ihn im Internet zeigt, was man kann.”

Heide Simonis verliert gegen “Bild”

“Bild” berichtete:

“Mit gesenktem Haupt steht Heide Simonis an der Salattheke, Einkaufen, um Frust zu bewältigen und zumindest für Sekunden wieder glücklich zu sein. Bei H & M kauft Simonis einen Hosenanzug und hat anschließend nicht einmal mehr Blicke für Schuhe übrig.”

Heide Simonis war im Frühjahr 2005, unmittelbar nach ihrer Abwahl als schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin offenbar von “Bild”-Fotografen massiv belagert und verfolgt worden. Dabei entstandene Fotos, auf denen Simonis in einem Einkaufszentrum, an einer Frischetheke und in einer Modeboutique zu sehen ist, hatte “Bild” anschließend unter der Überschrift “Danach ging Heide erst mal shoppen” abgedruckt und betextet (siehe Kasten).

Nach der Veröffentlichung hatte Simonis jedoch zwischenzeitlich erwirkt, dass “Bild” die Shopping-Fotos nicht weiter verbreiten darf (wir berichteten) und später, dass sie zumindest erfahren dürfe, was auf den bislang unveröffentlichten Fotos vom Tag nach ihrer Abwahl zu sehen ist. Zudem hatte Simonis auf Herausgabe der bisher unveröffentlichten Paparazzi-Fotos geklagt.

Doch der Bundesgerichtshof (BGH) entschied heute in einem Grundsatzurteil, “dass die Presse nicht verpflichtet ist, Prominenten unveröffentlichte Fotos zur Kenntnis vorzulegen, die ohne deren Einwilligung im Privatbereich entstanden”, wie es die Nachrichtenagentur AP zusammenfasst. Auch müsse “Bild” die Fotos nicht an Simonis herausgeben oder vernichten, entschied der BGH.

Die BGH-Vizepräsidentin Gerda Müller selbst sah im Urteil eine Entscheidung “von großer praktischer Tragweite” und betonte, “dass sich ein Politiker in einer solchen Situation auch unter Berufung auf sein Persönlichkeitsrecht nicht ohne weiteres der Berichterstattung entziehen kann”. Laut Müller dokumentieren die Shopping-Fotos von Simonis “einen Vorgang von historisch-politischer Bedeutung”.

Mit Dank an Dirty Harry für den Hinweis.

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Unter dem gleichen Dach, aber nicht im gleichen Boot
(klartext.ch, Nick Lüthi und Cyrill Pinto)
Bund-Chefredaktor Artur K. Vogel beschuldigt die Aargauer Zeitung, in ihre Sportredaktion eingegriffen zu haben. Aus dem Interview mit ihm und BZ-Chefredaktor Michael Hug: “VOGEL: Ich war zuvor bei einer Zeitung tätig, welche einen Fussballklub gesponsert hat. Der Schriftzug der Zeitung war auf den Trikots der Mannschaft. Dort hat der Verleger der Sportredaktion klar zu verstehen gegeben, was sie zu schreiben hat. Das ist bei uns nicht der Fall. – Klartext: Sie sprechen von der ‘Aargauer Zeitung’? – VOGEL: Richtig.”

Studie Freie Journalisten in Deutschland 2008
(dfjv.de, pdf-File)
“Fast jeder zweite freie Journalist übt daher neben seiner Tätigkeit als Journalist eine Nebentätigkeit aus, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Als Nebentätigkeit haben die Studienteilnehmer dabei am häufigsten das Berufsfeld ?PR/Werbung? angegeben.” (mehr)

Die “Zeit” kann kein Deutsch?!
(scienceblogs.de/plazeboalarm)
Marcus Anhäuser fragt sich, wie korrekt die Textzeile “ZEIT online – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft, Wissen und Kultur” ist.

“Journalismus: Eine ganz geile Vorstellung”
(dbgsalto.de)
Interview mit Heiner Bremer: “Zu meiner Zeit war Journalismus eine ganz geile Vorstellung. Es gab nur zwei Voraussetzungen: Neugierde, und das Bestreben, Neugierde in Beobachtung umzusetzen.”

Holding für die Weltwoche
(werbewoche.ch, Markus Knöpfli)
“Hat Verleger Roger Köppel wirklich nur für seine Weltwoche eine Holding gegründet?”

Kassensturz vom 10.6.2008: knappes Erdöl
(kassensturzblog.com, Ronald Roggen)
“Soll der Zuschauer von einem Historiker und Friedensforscher jetzt die Wahrheit und nichts als die Wahrheit über Erdölvorkommen erwarten? Allen Ernstes? Kathrin Winzenried hat ihn mit Güte und aufmunterndem Kopfnicken durch die ‘Befragung’ begleitet, die keine war – wenigstens journalistisch nicht. So befragt man allenfalls eine liebe Hausfrau am Zwiebelstand auf dem Berner Bundesplatz.”

“Bild” verzichtet auf Urinprobe

Anscheinend ist es ja nicht so, dass “Bild” dieses kleine, nützliche Wort nicht kennte:

  • WER WIRD KANZLERKANDIDAT FÜR DIE BUNDESTAGSWAHL 2009? Dabei ist anscheinend längst alles klar: Außenminister Frank-Walter Steinmeier wird’s!
  • Anscheinend wollen viele Frauen wahrgenommen werden als furzende, stinkende, schwitzende Urgeschöpfe.
  • Sie war die wildeste Pop-Diva der 80er – jetzt ist ihr anscheinend eher nach gediegenen Abenden: Sängerin Annie Lennox (53) war gemeinsam mit Ur-Rocker Mick Jagger (64) bei einem noblen Bankett in London.

Beliebt ist es bei “Bild” anscheinend aber nicht, das kleine Wort.

Kürzlich zum Beispiel, als die rechts-konservative “Junge Freiheit” zu berichten wusste, dass auf der Internetseite der Grünen Jugend Fotos vom 30. Bundeskongress zu sehen waren, auf denen u.a. drei junge Männer “offensichtlich eine Deutschlandfahne geschändet” hätten, hieß es in dem Bericht:

Unter den Bildern vom ersten Tag fanden sich bis gestern vier Fotos, auf denen drei Männer vor einer Deutschlandfahne stehen. Der Mittlere läßt dabei die Hosen herunter und uriniert anscheinend auf eine am Boden liegende Deutschlandfahne.

Doch als “Bild” die “Junge Freiheit”-Story anschließend weiterverbreitet, ist darin von einem Anschein keine Spur mehr:

"Grünen-Nachwuchs pinkelt auf Deutschland-Flagge!

Berlin - Drei junge Männer stehen im Kreis, lassen ihre Hosen herunter – und urinieren auf die deutsche Flagge. (...)"

Jedoch heißt es in einer Stellungnahme der Grünen Jugend zu der Entgleisung:

Bislang wurde von Augenzeugen klar bestätigt, dass auf die Deutschlandfahne nicht uriniert wurde, wie etwa von BILD berichtet wurde.

Und weil die sächsische NPD-Fraktion verbreitet, ihr Geschäftsführer Frank Ahrens habe Strafanzeige wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole gestellt, schreibt “Spiegel Online”:

Sollte der Fall tatsächlich vor Gericht landen, werden die Details des Vorfalls beim Strafmaß (…) eine große Rolle spielen.

Gerichtsrelevante Fragen sind: Woher stammte die Fahne? Fand der Vorfall am Rande, während, vor oder nach dem Bundeskongress statt – wurden die Hosen also privat oder öffentlich heruntergelassen? Und schließlich: Pinkelten sie oder pinkelten sie nicht?

Dabei hatte “Bild” doch die letzte Frage schon beantwortet — aber anscheinend nur scheinbar.

*) Über die “Bild”-kritische Stellungnahme der Grünen Jugend heißt es in “Bild” übrigens nur: “Die Nachwuchsorganisation hat sich mittlerweile zu dem Vorgang geäußert. ‘Wir begrüßen, dass die Grüne Jugend sich eindeutig von dem Vorgang am Rande ihres Bundeskongresses distanziert hat’, sagt die Bundesgeschäftsführerin von Bündnis 90/Die Grünen, Steffi Lemke, in BILD.”

Nachtrag, 7.6.2008: Die Grünen-Politikerin Julia Seeliger schreibt auf ihrer Homepage unter der Überschrift “Von der ‘Jungen Freiheit’ zu ‘Bild'” u.a. über ihren Versuch, “herauszufinden, wer denn mit dem ‘Pinkel-Vorwurf’ begonnen hatte”.

Scheiß rassistische Engländer!

Dabei wollen wir doch eigentlich nur eines: Uns endlich mit euch vertragen, damit auch am Urlaubsort Frieden einkehrt!

Bild.de-Wunsch an die Engländer

Ein Gericht in Stoke-on-Trent urteilte in der vergangenen Woche, dass eine britische Familie Anspruch darauf hat, rund ein Fünftel ihrer Urlaubskosten erstattet zu bekommen, weil es in ihrem griechischen Hotel praktisch keine Angebote in englischer Sprache gab. Das Hotel war fast ausschließlich von Deutschen besucht und bot zum Beispiel Unterhaltungsprogramme für Kinder nur auf deutsch an. Nach Ansicht des Gerichtes war der englische Prospekt, der darauf nicht hinwies, schwer irreführend.

Damit war nach Ansicht von “Bild” offenbar der ohnehin fragile Waffenstillstand zwischen Engländern und Deutschen gebrochen.

Auf einen mittelhämischen Artikel in der “Sun” reagierten Bild.de und “Bild” mit dem vollen Arsenal aus Verdrehungen, Rumgepöbel, Vorurteilen — und abwegigen Fußballvergleichen.

Den Auftakt machte Bild.de am Wochenende mit der verwegenen Behauptung:

Unglaublich, aber wahr: Ein britischer Urlauber bekommt von seinem Reiseveranstalter Schadenersatz — weil ihm im Hotel zu viele Deutsche waren! Das Gericht erkannte das als eindeutigen Mangel an.

Über den Artikel stellte Bild.de das Motto:

Liebe Tommies, ihr wollt nicht mit uns Urlaub machen? Kein Problem. Wir spielen diesen Sommer ohne euch Fußball…

Und am Ende hieß es im Geist der Völkerverständigung:

Liebe Briten, listen carefully: Wir Deutschen erklären euch jetzt mal, warum wir nicht nur Schadenersatz, sondern sogar Schmerzensgeld verdient haben, wenn wir die kostbarste Zeit des Jahres ausgerechnet mit euch teilen müssen (oben im Kasten).

“Oben im Kasten” hat ein Bild.de-Praktikant sämtliche Vorurteile über Briten aus der Mottenkammer geholt. Zum Beispiel:

Was uns an den Briten stört – Der Anblick

Knallrotes Gesicht, wabblig-weiße Bierbäuche, raspelkurze Haare – der britische Standardtourist ist meilenweit zu erkennen und wahrlich kein schöner Anblick. Wenigstens die richtige Anwendung der Sonnencreme könntet ihr doch lernen...

Das Benehmen

Saufen, grölen, pöbeln – wer das Pech hat, in einer britischen Urlaubshochburg zu landen, wähnt sich schnell in der Hölle. Kein Wunder, dass das Wort Koma-Saufen vom englischen "Binge-Drinking" kommt. Das Saufen bis zum Umfallen ist eindeutig eine britische "Erfindung".

Das Essen

Hotels, die sich an ihren britischen Gästen orientieren, stellen auch gern die Küche darauf ein. Für Gäste anderer Nationen eine Zumutung! Minzsoße, Würstchen zum Frühstück, Kidneys (Nierchen) als Nachtisch? Bah...

Gestern dann übernahm die gedruckte “Bild”-Zeitung. Sie hatte das Wochenende genutzt, auf dem Niveau vom Samstag zu bleiben, und schlagzeilte:

DIE SPINNEN, DIE BRITEN! Zu viele Deutsche im Hotel. SCHMERZENSGELD FÜR ENGLÄNDER

Und nachdem die beiden Autorinnen durch geschicktes Weglassen und Übertreiben die Chance minimiert hatten, dass die Leser das Urteil zumindest halbwegs nachvollziehen konnten, endeten sie mit dem Zitat einer deutschen Vertreterin eines Reiseveranstalters:

“Wir weisen unsere Kunden darauf hin, welche Nationalitäten in dem gebuchten Hotel zu erwarten sind.”

Und die “Bild”-Autorinnen fügen hinzu:

Sollte man in England vielleicht auch so machen …

Aber dass das exakt die Begründung für das Urteil war, dass auch in England Kunden ein Recht auf solche Hinweise hätten, das haben sie in ihrem “DIE SPINNEN DOCH, DIE BRITEN!”-Rausch nicht gemerkt. Vielleicht konnten sie aber auch nicht mehr darüber nachdenken, weil ihnen gerade das Sauerkraut in die Tastatur gerutscht war und sich ihre Dirndln in den Nazi-Schreibtischstühlen verheddert hatten.

PS: Und die “Bild”-Geschichte ist nun wieder Thema in den britischen Medien usw. usf.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

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Vermutlich frei erfunden
(Telepolis, Markus Kompa)
“Der Vorsitzende Richter der Pressekammer am Landgericht Hamburg, Andreas Buske, gibt niemals Interviews, sondern zieht es vor, durch seine Urteile zu sprechen. Nun steht ein Urteil über Interviews in der Kritik. Telepolis-Interview mit dem Mann, der keine Interviews gibt”

A New Model for News (PDF)
(Associated Press)
“Studying the Deep Structure of Young-Adult News Consumption. (…) The Associated Press embarked on some business research that began quite routinely but would end up reshaping our thinking about journalism in the digital age.”

“Pinkfarbene Apéro-News”
(NZZ, Rainer Stadler)
“Seit gestern ist «heute» Geschichte. Das vor einem Jahr auf den Markt geworfene Gratisblatt ist am Montagnachmittag erstmals unter dem neuen Namen «Blick am Abend» erschienen.”

Kampusch-Kritik: Lasst Kommentare sprechen
(Tagesspiegel, Markus Huber)
“Die Fernsehkritiker der großen österreichischen Blätter (…) hielten sich ja noch merklich zurück (…) aber in den Internetforen, wo die Schreiber keine Scheu vor menschlichen Dramen und Drastik haben, ging es heiß her. So stellte etwa ein Poster auf der Website des ‘Standard’ fest, dass Kampusch sich zwar bemüht habe, aber die Gesprächsführung und die Sendung insgesamt nie über das Niveau einer Schülerzeitung hinausgekommen ist. Das ist zwar böse, aber es stimmt.”

Diesmal auf Papier: Ronnie über Weblogs
(NZZ Folio, Ronnie Grob)
Unser Kollege in einem Text mit “Ich” über “die einfachste Art, im Internet zu Wort zu kommen”.

Das große Schielen
(JakBlog)
“Wenn eine Armada von Printleuten bei einem ‘Tag der Zeitschrift’ fast den ganzen ebendiesen Tag lang von Dingen irgendwas mit online redet, dann bekommt man eine Ahnung, was gerade los ist am Markt.”

Allgemein  

Steinzeitjournalismus

Die brasilianische Indianerbehörde FUNAI hat unlängst einige Fotos einer Indianergruppe im brasilianischen Amazonasgebiet öffentlich gemacht. Und “Bild”?

“ERKLÄRT DAS GEHEIMNISVOLLE DSCHUNGEL-VOLK”, was sonst?

"Die Urwald-Männer zähmen Spinnen"

Und ja, es ist wohl wirklich die “Bild”-Zeitung, die da am Samstag das Dschungel-Volk “erklärt” hat – auch wenn das Blatt selbst einen anderen Eindruck erweckte und sich gleich mehrfach auf “Dr. Jochen Schulz (50) von der Universität Leipzig” berief.

Schulz jedoch ist (wir kennen das) mit der Darstellung nicht besonders glücklich. Wie uns der Ethnologe auf Nachfrage sagt, handele es sich bei dem “Bild”-Artikel “um keine adäquate Darstellung” — zumal die “Bild”-Autoren “sehr viel dazugedichtet” hätten.

Dazugedichtet? Tatsächlich finden sich – zwischen zwei offenbar halbwegs korrekt wiedergegebenen Schulz-O-Tönen – zum Beispiel ganz nebenbei auch die Spinnen aus der Überschrift wieder:

Zudem halten sie [die Indios] sich Jagdhunde, zahme Vögel und sogar Vogelspinnen.

Von ihm, so Schulz, stamme diese Erklärung nicht. Ganz abgesehen davon, dass selbst die FUNAI betont, “eigentlich sonst nichts von diesen Indios” zu wissen, ist dem Experten nach eigenem Bekunden insbesondere von gezähmten Spinnen als Indio-Haustieren schlichtweg “nichts bekannt”. Und eine Quelle für die offenbar ganz und gar abwegige Behauptung gibt “Bild” nicht an.

Auf die Frage von “Bild”, mit welcher Kulturstufe das Leben der Indianergruppe zu vergleichen sei, habe Schulz übrigens davor gewarnt, “um Gottes willen nicht mit Begriffen wie ‘Steinzeit’ zu operieren” – mit, nun ja, mäßigem Erfolg:

"Steinzeit-Menschen entdeckt!"

Mit Dank auch an Dominic I.

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