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Nur ein toter Star ist ein guter Star

In der Welt von “Bild” und Bild.de gibt es viele Stars: All die Leute, die Norbert Körzdörfer trifft, Lothar Matthäus oder den Filmproduzenten Arthur Cohn, der einzige Mensch, hinter dessen Namen “Bild” in Klammern nicht sein Alter, sondern die Zahl seiner Oscars (“sechs”) schreibt.

Und dann gibt es Menschen, die Teil des Medienbetriebs sind, aber nicht im Rampenlicht von “Bild” und Bild.de stehen — es sei denn, in ihrem Leben passieren außergewöhnliche Dinge: Ein Schauspieler, der in verschiedenen kleineren und größeren Nebenrollen im Fernsehen zu sehen war, kann schnell zum “TV-Star” werden, wenn er verdächtigt wird, zwei Frauen vergewaltigt zu haben.

Ein sicherer Weg, zum “Star” zu werden, ist ein früher Tod: Der Name des Schauspielers Frank Giering hatte fast zehn Jahre nicht mehr in “Bild” gestanden, als er Ende Juni im Alter von 38 Jahren starb.

Ganze sechs Autoren brauchte es, um Sätze wie diese zu schreiben:

Sein TV-Gesicht kennen Millionen, sein wahres Ich hielt er versteckt: Schauspieler Frank Giering (“Der Kriminalist”) ist tot. Er starb im Alter von nur 38 Jahren.

ER WAR VERZWEIFELT UND ALKOHOLKRANK.

Die zunächst unklaren Todesumstände erlaubten es “Bild”, noch eine Reihe kleinerer Meldungen abzudrucken, die bei Bild.de riesig aufgeblasen wurden.

Die walisische Rockband Stereophonics war Bild.de in Ermangelung großer Eskapaden in den letzten Jahren gerade mal einen CD-Tipp wert, aber als ihr ehemaliger Schlagzeuger Stuart Cable im Juni im Alter von 40 Jahren starb, schaffte er es mit einem Foto auf die Startseite.

Gleich völlig unbekannt dürfte den meisten Bild.de-Lesern der Musiker Vic Chesnut gewesen sein, aber sein Tod mit 45 war eine Meldung wert.

Über den Schauspieler Heinrich Schmieder hatte Bild.de noch nie ein Wort verloren, doch sein plötzlicher Tod während eines Mountainbike-Etappenrennens machte ihn zum “TV-Star” — wenn der Begriff auch einiger Erklärung bedurfte:

TV-Star* Heinrich Schmieder tot mit 40 nach Radrennen * "Tatort", "SOKO Köln"

Quengeln, Kicker, Popmusikkritik

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Eine faszinierende neue Aufgabe”
(ad-sinistram.blogspot.com, Roberto J. De Lapuente)
“Für einen leidenschaftlichen Journalisten ist das eine ganz unerwartete, faszinierende neue Aufgabe”, sagte der bisherige ZDF-Journalist Steffen Seibert zu seiner Berufung zum Sprecher der Bundesregierung. Roberto J. De Lapuente widerspricht: “Der leidenschaftliche Journalist ist von den Grundsätzlichkeiten seiner Profession weit entfernt. Er ist nicht neutral, nicht kritisch, nicht objektiv – er ist parteiisch, gutgläubig, subjektiv: er ist das personifizierte Verlautbarungsorgan seines Dienstherrn. Er erzählt, was die Regierung von ihn erwartet; er tut kund, was man ihm aufschreibt; er vermittelt Vordiktiertes – das ist nicht journalistisch: das ist propagandistisch!”

2. “Zur Lage des Journalismus”
(carolin-emcke.de)
Carolin Emcke dokumentiert ihre an der Jahrestagung von Netzwerk Recherche gehaltene Rede: “Es braucht einen Journalismus, der es wieder wagt, mit guten Gründen zu misstrauen, denn nur so ist eine Krise des Vertrauens, wie sie im Moment besteht, zu vermeiden, in dem wir rechtzeitig und begründet Zweifel äussern, und indem wir, als Journalisten, uns einer Aufgabe besinnen, die etwas aus der Mode gekommen scheint: Ideologie-Kritik als eine Form der Aufklärung, auf die wir uns ansonsten doch so vollmundig berufen.”

3. “Das Ende der Plattenkritik?”
(fm4.orf.at, Michael Schmid)
Michael Schmid fasst die Debatte über Popmusikkritik mit einer Linkliste zusammen.

4. “Google an den Geldbeutel gehen”
(journalist.de, Timo Rieg)
Timo Rieg bemerkt zum von den Printverlagen propagierten Leistungsschutzrecht, dass Quengeln für manche Artgenossen “eine lebenslange Strategie zur Durchsetzung ihrer Wünsche” sei. “Es ist nicht ganz frei von Ironie, könnte man meinen, dass ausgerechnet eine Branche nach Erlösbeteiligung an fremden Leistungen ruft, die selbst ganz wesentlich von fremden Leistungen lebt – ohne dafür zu bezahlen.”

5. “Der Advokat”
(tagesspiegel.de, Wolfgang Uhrig)
Wolfgang Uhrig, selbst 16 Jahre lang “kicker”-Chefredakteur, schreibt zum 90. Geburtstag des Sportmagazins.

6. “How facts backfire”
(boston.com/bostonglobe, Joe Keohane, englisch)
Joe Keohane denkt über die Auswirkungen von Fakten nach. “In reality, we often base our opinions on our beliefs, which can have an uneasy relationship with facts. And rather than facts driving beliefs, our beliefs can dictate the facts we chose to accept.”

Wo ist der Meineid?

Eine interessante Logikschleife flicht uns heute das “Hamburger Abendblatt” auf seiner Internetseite:

Wenn es ganz dick kommt, muss Armstrong unter Meineid vor Gericht aussagen. Sollte er dann nachweislich lügen, droht eine Haftstrafe wie bei Sprinterin Marion Jones.

Aber wenn der Radrennfahrer Lance Armstrong unter Meineid lügt — hat er dann nicht alles richtig gemacht?

Nachtrag, 10. Juli: abendblatt.de hat den Fehler im Vorspann korrigiert — an der oben zitierten Stelle steht immer noch “Meineid”.

Nachtrag, 11. Juli: Im Laufe des gestrigen Tages ist auch der zweite “Meineid” aus dem Artikel verschwunden.

Bild  

Kleine Brücken unter Freunden

Vor über fünf Jahren gab es in BILDblog eine Serie namens “We are the champions”. Es ging darin um die “Bild”-Rubrik “Gewinner des Tages”, die damals vor allem einen Zweck hatte: sich selbst oder Freunden und Geschäftspartnern auf die Schulter zu klopfen. Nach der 46. Kür dieser Art haben wir mit der Reihe aufgehört (und die ungezählten Würdigungen von Helmut Kohl, dem Freund des Hauses und des Chefredakteurs, waren dabei nicht einmal mitgezählt).

Heute ist die Rubrik “Gewinner des Tages” immer noch häufig absurd, aber nicht mehr so lächerlich oder als PR-Instrument durchschaubar wie damals.

Die Atlantik-Brücke allerdings hat immer noch ihren festen Platz als “Gewinner” in “Bild” gepachtet. Die Atlantik-Brücke ist ein Verein, der das deutsch-amerikanische Verständnis fördern will — ein Ziel, dem sich auch die Axel Springer AG und jeder einzelne ihrer Journalisten verpflichtet haben. Kai Diekmann, der Chefredakteur von “Bild”, war bis vor wenigen Monaten Mitglied im Vorstand der Atlantik-Brücke (nicht, dass das je im Blatt erwähnt worden wäre).

“Bild”, 12. April 2002:

Gewinner

Ein Symbol der deutsch-amerikanischen Freundschaft feiert 50-jähriges Jubiläum: die Atlantik-Brücke. Verdienst des Vereins: den Dialog zwischen beiden Ländern zu fördern, das politische und kulturelle Verständnis zu vertiefen. Der Vorsitzende Arend Oetker (63, Foto): “Es ist eine Brücke, die es immer wieder instand zu setzen gilt.”

BILD meint: Was zählt, ist Freundschaft.

“Bild”, 18. April 2002:

Gewinner

Ein Mann, der Brücken schlägt: Ex-US-Präsident George Bush (77) erhielt gestern im Berliner Schloss Charlottenburg den Eric-M.-Warburg-Preis. Die Laudatio hielt Außenminister Joschka Fischer. Mit dem Preis zeichnet der Verein Atlantik-Brücke Bushs Verdienste um die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA aus.

BILD meint: Transatlantisch!

“Bild”, 5. Mai 2003:

Gewinner

Wer über das deutsch-amerikanische Verhältnis redet, kommt an Dr. Beate Lindemann (60) nicht vorbei. Sie kriegt in Washington jeden Gesprächspartner an die Strippe. Die Geschäftsführerin des Vereins Atlantik-Brücke bemüht sich gerade in diesen Tagen um ein gutes Verhältnis zu Amerika. Eine wichtige Aufgabe, die sie mit viel Klugheit und Charme meistert.

BILD meint: Transatlantisch!

“Bild”, 3. Febuar 2004:

Gewinner

Ein Flugkapitän, der Brücken baut: Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber (56) erhält heute in New York den Vernon A. Walters Award für seine Verdienste um die deutsch-amerikanische Partnerschaft. Verliehen wird der Preis vom renommierten Verein Atlantik-Brücke.

BILD meint: Über den Wolken muss die Freundschaft wohl grenzenlos sein.

“Bild”, 11. Juni 2004:

Gewinner

CDU-Politiker Walther Leisler Kiep (78) ist der neue Ehrenvorsitzende des Vereins Atlantik-Brücke. Die Mitgliederversammlung (u. a. Otto Graf Lambsdorff, Hilmar Kopper, Rudolf Scharping) würdigten damit einstimmig Kieps Verdienste um die deutsch-amerikanische Verständigung. BILD meint: Verdiente Ehre!

“Bild”, 16. Juni 2005

Gewinner

Jetzt bekommt die Atlantik-Brücke Flügel: Dr. Thomas Enders (45), Vorstand beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, wird neuer Vorsitzender des Vereins. Amerika-Freund Enders studierte in Los Angeles, löst Dr. Arend Oetker nach fünf Jahren ab. Die überparteiliche Atlantik-Brücke e. V. setzt sich seit 1952 für die Freundschaft zwischen Deutschland und den USA ein.

BILD meint: Viel Erfolg!

“Bild”, 1. Oktober 2005:

Gewinner

Drei hohe Ehrungen in zwei Monaten für Michael Otto (62): Erst der Bertelsmann-Preis für Jugend- Förderung, dann der Umweltpreis 2005 und jetzt in New York der Vernon A. Walters Award der “Atlantik-Brücke”. 54 000 Mitarbeiter des größten Versandkonzerns der Welt können stolz auf ihren Chef sein.

BILD meint: Otto – find’ ich gut!

“Bild”, 10. Oktober 2005:

Gewinner

Sie baut Brücken zwischen Deutschland und Amerika. Dafür erhält Dr. Beate Lindemann heute in Berlin das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Die Vize-Vorsitzende des Vereins “Atlantik-Brücke” hat u. a. ein Austauschprogramm ins Leben gerufen, das seit 1990 mehr als 3000 ostdeutschen Oberschülern einen einjährigen Aufenthalt in den USA ermöglichte.

BILD meint: Ehre, wem Ehre gebührt.

“Bild”, 15. Mai 2007:

Gewinner

Bei den Verhandlungen zur deutschen Einheit zwischen den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs und den beiden deutschen Staaten spielte Condoleezza Rice (52) 1990 eine entscheidende Rolle. Dafür bekommt die heutige US-Außenministerin am 31. Mai den Eric-M.-Warburg-Preis von der Atlantik-Brücke e. V. verliehen. Die Laudatio hält der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl.

BILD meint: Der Preis ist Rice!

“Bild”, 1. Juli 2009:

Gewinner

Ehrenvolle Aufgabe für Friedrich Merz (53): Der streitbare Politiker ist neuer Vorsitzender der angesehenen Atlantik-Brücke. Merz übernimmt das Amt von Airbus-Chef Enders. Die Atlantik-Brücke ist ein Zusammenschluss von Wirtschaftsführern, Politikern u. a. in Deutschland und den USA mit dem Ziel, die deutsch-amerikanische Freundschaft zu fördern.

BILD meint: Top-Mann für eine Top-Aufgabe!

“Bild”, 30. Juni 2010:

Gewinner

Der alte und neue Vorsitzende der Atlantik-Brücke heißt Friedrich Merz (54). Der Anwalt und Wirtschaftsexperte wurde gestern auf der Mitgliederversammlung des Vereins mit großer Mehrheit wiedergewählt. Die Atlantik-Brücke setzt sich seit ihrer Gründung 1952 für die deutsch-amerikanische Freundschaft ein.

BILD meint: Brückenbauer!

Bemerkenswert ist aber nicht nur, mit welcher Konsequenz “Bild” den Verein über Jahre im Blatt feiert, sondern auch, worüber die Zeitung lieber nicht berichtet. Der Wiederwahl von Merz, die ihn gestern erneut zum “Bild”-“Gewinner” werden ließ, waren nämlich erhebliche Auseinandersetzungen vorausgegangen. Von einer “Schlammschlacht” sprechen die “Süddeutsche Zeitung” und die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”, Merz und der Ehrenvorsitzende Kiep hätten sich “wie die Kesselflicker” gestritten, schreibt die “Zeit”. Merz war am 1. Juni schließlich zurückgetreten; auch Kai Diekmann verließ danach den Vorstand. Er wurde laut einem Bericht der Zeitschrift “Capital” dann aber nachträglich Mitglied der Kommission, die einen Nachfolger für Merz finden sollte und, Überraschung: Merz fand. So gesehen hätte Diekmann sich gestern auch selbst zum “Gewinner” erklären können.

Von all den spektakulären Auseinandersetzungen aber fand sich kein Wort, keine Andeutung in der “Bild”-Zeitung, die sonst so gründlich und aufopferungsvoll das Wirken der einflussreichen Organisation begleitet. Das, nicht die Aufnahme in die Rubrik “Gewinner”, ist der wahre Dienst, den “Bild” für Freunde leistet: Schweigen.

Bravo  

Der wahre Loser

“Bravo”-Chefredakteur Philipp Jessen scheint ernstlich aufgebracht:

Feiges Cyber-Mobbing! Heute schreibe ich mal nicht über Stars. Warum? Weil mir ein anderes Thema besonders am Herzen liegt. Immer mehr Leser berichten uns, dass sie Opfer von Diss-Attacken im Internet geworden sind. So was ist wirklich das Letzte: fies, feige und gemein! Wer andere online beschimpft - und damit auch noch vor anderen prahlt - ist für mich der wahre Loser. Was Cyber-Mobbing anrichten kann und wie Du Dich dagegen wehrst, wenn Du selbst betroffen bist, erfährst Du auf Seite 56.

“Feiges Cyber-Mobbing”? Wie kommen die jungen Menschen nur immer auf solche Ideen?

Ach ja:

7. Auf seiner Online-Pinnwand postet Du: "Ich hab Windeln in deiner Größe gefunden. Jetzt musst du nicht mehr täglich die Bettwäsche wechseln!" 10. Du schreibst der Lehrerin, die er nicht ausstehen kann, eine Liebes-E-Mail von seinem Account. 7. Du setzt mit einem Bildbearbeitungs-Programm ihren Kopf auf ein Nacktmodell und schickst das Foto an all ihre Bekannten!
Mit erneutem Dank an Stefan W.

Bravo  

Rache ist ein Kinderspiel

Laut Selbstbeschreibung der Bauer Media Group ist die Zeitschrift “Bravo” das “Original unter den Jugendzeitschriften und unangefochtener Marktführer” und “wöchentlich das wichtigste Entertainment- und Informationsmagazin” für die “Kernleserschaft zwischen 12 und 17 Jahren”. Das Magazin “weiß, welche Themen die Jugendlichen wirklich bewegen”, “schafft einzigartiges Vertrauen” und “setzt seit 2006 ein Zeichen gegen Gewalt an Schulen”.

Wir sind uns nicht ganz sicher, welche dieser Kompetenzen sich in der Liste widerspiegeln, die “Bravo” letzte Woche veröffentlicht hat. Aber die Kernleserschaft zwischen 12 und 17 Jahren dürfte dankbar sein für die wertvollen Lebenshilfetipps, die ihr wichtigstes Informationsmagazin da für sie bereithält:

10 Wege, wie Du Dich an Deinem Ex rächen kannst ... 1. Du erzählst seiner neuen Freundin, dass er eine Niete im Bett ist. 2. Du hinterlässt im Männer-Klo auf dem Bahnhof seine Handy-Nummer mit der Nachricht: "Suche neuen Lover!" 3. Du lässt 30 Stück von seiner absoluten Hass-Pizza an seine Adresse liefern. 4. Zum Geburtstag seiner Mutter bestellst Du eine Stripperin, die sich als neue Freundin seines Vaters ausgibt. 5. Seinen kitschigsten Liebesbrief hängst Du am Schwarzen Brett in der Schule auf. 6. In der Umkleidekabine seiner Fußball-Mannschaft verteilst Du zehn rosa Strings mit der Message: "Du hast deine Unterwäsche bei mir vergessen!" 7. Auf seiner Online-Pinnwand postet Du: "Ich hab Windeln in deiner Größe gefunden. Jetzt musst du nicht mehr täglich die Bettwäsche wechseln!" 8. Du stellst eine geöffnete Flasche Cola auf seinen Schultisch - in die Du vorher Abführmittel gekippt hast. 9. Du setzt das Gerücht in die Welt, dass er seine Unterhose mit Socken ausstopft! 10. Du schreibst der Lehrerin, die er nicht ausstehen kann, eine Liebes-E-Mail von seinem Account.

10 Wege, wie Du Dich an Deiner Ex rächen kannst ... 1. Du legst sie mit einem selbst gebastelten Flyer rein, auf dem steht, ihr Lieblings-Shop veranstalte einen Mitternachts-Sale. 2. Du schmeißt ein benutztes Kondom in ihren Briefkasten mit der Notiz: "Du wolltest doch eine Erinnerung an mich!" 3. Du läufst gegen einen Pfosten und erzählst nachher, die blauen Flecken stammen von ihr! 4. Du klaust die Lieblings-Barbie ihrer Kindheit und opferst sie einem Voodoo-Ritual. 5. Du erzählst allen in der Schule, dass sie höchstens einmal pro Woche geduscht hat. Iiiiih! 6. Du schleichst Dich beim Sport-Unterricht in die Mädchen-Umkleide und streust Juckpulver in ihren BH. 7. Du setzt mit einem Bildbearbeitungs-Programm ihren Kopf auf ein Nacktmodell und schickst das Foto an all ihre Bekannten! 8. Du datest ihre Erzfeindin! 9. Du drohst ihr mit der Veröffentlichung einen angeblich heimlich aufgenommenen Sex-Videos! 10. Du plauderst ganz offen über ihre Cellulite.

Wir haben den Rechtsanwalt und Lawblogger Udo Vetter um eine Einschätzung gebeten, welche Straftatbestände erfüllt sein könnten, wenn man den kreativen Vorschlägen von “Bravo” folgt.

Seine Antwort fiel auch für uns überraschend umfangreich aus:

I. (Rache am Ex)

1. Beleidigung, (§ 185 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren), ggf. auch üble Nachrede (§ 186 StGB, Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr — sofern die Tatsache “Niete im Bett” nicht nachweislich wahr ist, wobei der Beweis kaum zu führen sein wird), oder sogar Verleumdung (§ 187 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren — wenn er keine Niete im Bett ist und das “wider besseres Wissen” behauptet wird).

2. Beleidigung, (§ 185 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren)

3. Betrug gegenüber dem Pizzadienst (§ 263 StGB, Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren)

4. Betrug gegenüber der Stripperin (§ 263 StGB, Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren), Beleidigung gegenüber Mutter und Vater (§ 185 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren)

5. Beleidigung, (§ 185 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren)

6. Beleidigung, (§ 185 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren)

7. Beleidigung, (§ 185 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren)

8. Körperverletzung, ggf. Versuch (§ 223 StGB, Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren)

9. Beleidigung, § 185 StGB (Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren), ggf. auch üble Nachrede (§ 186 StGB, Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr — sofern die Tatsache “Socken in der Unterhose” nicht nachweislich wahr ist, wobei der Beweis kaum zu führen sein wird), oder sogar Verleumdung (§ 187 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren – wenn die Behauptung “wider besseres Wissen” aufgestellt wird).

10. Wegen des Zugangs zum Account ggf. Ausspähung von Daten (§ 202a StGB, Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren) oder Vorbereitung des Ausspähens von Daten (§ 202c StGB, Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr). Überdies wieder Beleidigung etc.

II. Rache an der Ex

2. Beleidigung (§ 185 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren)

3. Verleumdung (§ 187 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren)

4. Diebstahl (242 StGB, Freiheitsstrafe bis fünf Jahren), außerdem Sachbeschädigung (§ 303 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren)

5. Verleumdung (§ 187 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren)

6. Körperverletzung, ggf. Versuch (§ 223 StGB, Freheitsstrafe bis zu fünf Jahren)

7. Beleidigung (§ 185 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren)

9. Nötigung (§ 240 StGB, Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren)

10. Beleidigung (§ 185 StGB, Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren)

Nun sind die angegebenen Höchststrafen natürlich nicht gerade das Strafmaß, mit dem bisher unbescholtene Jugendliche zu rechnen hätten — aber dass sie sich gegebenenfalls strafbar machen, wenn sie die Ratschläge von “Bravo” befolgen, das hätte das Magazin, das einzigartiges Vertrauen schafft, seinen jungen Lesern dann vielleicht doch mit auf den Weg geben sollen.

Mit Dank an Stefan W.

Salzburger Nachrichten, ESC, Westergaard

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Salzburger Nachrichten lassen die DDR wiederauferstehen”
(kobuk.at, Helge Fahrnberger)
Auf einer Europakarte in den “Salzburger Nachrichten” (E-Paper) geht eine Grenze durch Deutschland. “Interessanterweise sind die Ex-YU-Staaten korrekt eingezeichnet, inklusive Montenegro – einem Staat, den es erst seit 2006 gibt, als die DDR und die ebenfalls abgebildete Tschechoslowakei längst Geschichte waren. Ein solches Europa hat also nie existiert.”

2. Interview mit Lena Meyer-Landrut
(haz.de, Imre Grimm und Jan Sedelies)
Lena Meyer-Landrut ist manchmal ziemlich genervt von Journalisten, die ihr blöde Fragen stellen. “Es sind ja nicht alle hier so nette und intelligente Menschen. Und manchmal finde ich es komisch, in der Zeitung Dinge über mich zu lesen, die ich so nie gesagt habe oder die bewusst falsch interpretiert wurden.”

3. “Kritische Berichte?”
(ad-sinistram.blogspot.com, Roberto J. De Lapuente)
“Bild” schreibt in einer Kurzmeldung, dass “nach Meinung von SPD-Chef Gabriel” die Kanzlerin “die kritischen Berichte der BILD-Zeitung über die Finanzkrise Griechenlands” hätte stoppen müssen. “Was er eher meinte, das war diese Mesalliance aus nationalem Dünkel und chauvinistischer Herablassung, aus unaufgeklärter Verbalwucht und willkürlicher Strafpredigt, aus unterhaltsamen Boulevard und vergnüglichen Griechenkloppen – kritische Berichte standen ja gar nicht zur Auswahl.”

4. “Kurt Westergaard bereut nichts”
(faz.net, Matthias Hannemann)
Der Besuch von Kurt Westergaard bei Markus Lanz, “Ein Leben in ständiger Angst” (zdf.de, Video, 27:53 Minuten), konnte nun doch aufgezeichnet werden. “Statt des Publikums waren Polizisten und Nachrichtendienstler im Raum. Und Markus Lanz selbst, nervös ausnahmsweise, nutzte zwar jede Gelegenheit, sein Verständnis für die verletzten Gefühle der Muslime zu unterstreichen – ein Wort wie ‘Meinungsfreiheit’ aber brachte er nicht wirklich heraus. Das musste Westergaard schon selbst übernehmen.”

5. “Willkommen im Überwachungsstaat: Alpine Ski-WM 2011”
(jensweinreich.de)
Jens Weinreich ergänzt den Artikel “Berichterstattung über Ski-WM: Alle sind verdächtig” (taz.de, Jürn Kruse) mit erhaltenen Datenschutzinformationen.

6. “Schmetterlinge und Waldgeister”
(oslog.tv, Herm)
Eine ausführliche Analyse des ersten ESC-Halbfinals: “Serbien hat in diesem Jahr ein androgynes Wesen ins Rennen geschickt, was die ganze Zeit grinst. Also eine Art Lordi nur andersrum.”

Fußballer (Abbildung ähnlich) hat was gesagt

Um noch eine neue Meldung über den “Knöchel der Nation” bringen zu können, hat die Onlineausgabe der “Berliner Morgenpost” dem früheren ghanaischen Nationalspieler Anthony Yeboah ein Statement abgerungen. Das an sich ist ja nicht schlimm — es ist ja vielmehr interessant, wie man im Lande des deutschen Vorrundengegners über das Foul von Kevin-Prince Boateng an Michael Ballack denkt.

Nur ein bisschen mehr Mühe hätte sich morgenpost.de dann doch geben können:

BALLACKS AUS: Yaboah nimmt Boateng nach Foul in Schutz

In der Überschrift heißt Yeboah plötzlich “Yaboah”, im Vorspann ist von “Kevin-Pince Boateng” die Rede statt von “Kevin-Prince” und bebildert ist der Artikel über Anthony Yeboah

Anthony Yeboah betreibt heute zwei Hotels in Ghana

… mit einem Foto von Anthony Baffoe. Aber der hat immerhin auch mal für Ghana gespielt.

Mit Dank an Jan K. und unsere Twitter-Follower!

Nachtrag, 16.44 Uhr: morgenpost.de hat die hier bemängelten Schreibfehler korrigiert und ein Foto des echten Anthony Yeboah gefunden.

  

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Massives spontanes Existenzversagen verschoben

— Ein Gastbeitrag von André Goerres

CERN

Herzlich Willkommen.

Es ist nach Mittwoch, dem 30. März. Und unsere schöne blaue Erde kreist immer noch ruhig und ungestört um die Sonne.

Was war passiert, dass es zu so einer bahnbrechend langweiligen Situation kam?


Einiges. Wahrscheinlich ist irgendwo in Berlin ein Sack Erdnüsse umgefallen. 
Viel wichtiger allerdings: In der Schweiz wurde in einem Experiment ein lang erwarteter Meilenstein erreicht. Im LHC, dem “Large Hadron Collider”, wurde begonnen, Protonenstrahlen zu kollidieren, die eine bisher noch nie erreichte Energie von 7 TeV (Tera-Elektronenvolt) in sich vereinen.

Für uns Physiker ist das total knorke. Mehrere Jahrzehnte Arbeit, die Stück für Stück die Grenzen des Machbaren erweitert haben, zahlten sich endlich aus. Die Fingernägel tausender Forscher auf der ganzen Welt können endlich wieder nachwachsen. Denn endlich ist das größte, präziseste, tollste und superlativste Experiment der Menschheit, des Universums und des ganzen Rests angelaufen und produziert die heißersehnten Daten, in denen irgendwo spaciger Shit wie Supersymmetrie und Higgs-Boson schlummern.

Aber auch für die Presse ist das total knorke. Denn die darf aufs Neue beweisen, wie das mit dem Schuster und seinen Leisten funktioniert.


Bild.de titelte völlig bescheiden am 29. März, einen Tag vor den erwarteten 7-TeV-Kollisionen:

CERN-FORSCHER IN GENF SIMULIEREN URKNALL: Das gefährlichste Experiment der Menschheit TEILCHENBESCHLEUNIGER AUF HOCHTOUREN

Das gefährlichste Experiment. Der Menschheit. So, so. Aber wie gefährlich genau? Physikalisch passiert im LHC nichts anderes, als das, was unbeobachtet auf unserem Lieblingsplaneten dauernd passiert. Im LHC sind es zwei Strahlen von hochenergetischen Teilchen, die auf Kollisionskurs gebracht werden. In der Natur sind es hochenergetische Teilchen aus dem Weltall, die mit den Molekülen der Atmosphäre oder spätestens in der Erdoberfläche kollidieren.

Jongliert man dabei ein wenig mit Zahlen herum (siehe die Sicherheitsanalyse vom CERN [PDF]), so kommt man darauf, dass alleine auf der Erde seit ihrer Entstehung so viele Kollisionen stattgefunden haben, wie während der Laufzeit von etwa 100.000 LHC-Experimenten. Geht man noch einen Schritt weiter und bezieht das restliche Universum ein, so kommt man gar auf etwa 10^31 LHCs was ca. 1048 Kollisionen entsprechen würde — eine Eins mit 48 Nullen!

Wenn irgendetwas Gefährliches bei solchen Kollisionen passieren könnte, dann wäre es auch schon in einigen der 1048 Ereignissen passiert — offensichtlich existieren wir aber noch und können immer noch süße Katzenvideos auf YouTube anschauen.

Einer der Kritiker ist der Kernphysiker Walter Wagner. Er mahnt, dass die Wissenschaftler mit ihren Experimenten ein Risiko eingingen, das sie nicht einschätzen könnten.

Wenn Herr Wagner also sagt, die Wissenschaftler könnten das Risiko nicht einschätzen, dann stimmt das so einfach schonmal nicht. Aber kurz zu dem von Bild.de als Experten zitierten selber: Walter Wagner ist der lustige Hawaiianer, “der sich selbst als Kernphysiker bezeichnet” — ob das so ist, sei mal dahingestellt. Einen Lebenslauf oder irgendeine Art von wissenschaftlicher Reputation sucht man vergebens. Kein Wunder, dass ihn die amerikanische Satire-Sendung “Daily Show” (ab 2:16) so einfach bloß stellen kann.

Ob man also eher auf einen der sehr wenigen suspekten, aber dafür nicht minder lautstarken Kritiker hört oder auf die vielen tausend Wissenschaftler, die sich seit Jahren mit wissenschaftlichen Standards mit dem Thema auseinandersetzen — da entscheidet im Endeffekt wohl eher das Potential für die fetzigere Überschrift.

Übrigens hat Walter Wagner schon versucht, den LHC per Klage in Honolulu zu stoppen — das hat aber nicht geklappt, weil sich das Gericht nicht zuständig sah. Ähnlich verhält es sich auch in Deutschland, wo das Bundesverfassungsgericht eine Klage einer besorgten Bürgerin gar nicht erst zugelassen hatte. Sie wurde mit der Begründung abgelehnt, dass “auch die (vermeintliche) Größe eines Schadens — hier die Vernichtung der Erde” den Klagenden nicht von der Pflicht enthebt, einen möglichen “Zusammenhang zwischen der Versuchsreihe und dem Schadensereignis” ausreichend zu begründen. (Übersetzung in Normal-Sprech von Golem.de)

Ein überdimensionales Meerschwein frisst die Erde auf

Neben einer fetzigen Überschrift sind besonders bei komplexen Themen aus der Physik Visualisierungen üblich. Bild.de ist bei bunten Visualisierungen natürlich ganz vorne mit dabei und zeigt in einem kleinen Einspieler vor dem Artikel, wie man sich das alles vernichtende Ergebnis vorstellt. Dort ist die Erde zu sehen, wie sie von einem lustigen Grafikeffekt aus dem Lieblings-Videobearbeitungs-Programm verschluckt wird (siehe Bild oben). Dass dieser Teil des Videos aus Schnipseln zweier Persiflagen auf genau diese LHC-Kritik zusammengeschnitten sind, stört hier anscheinend niemanden.

Die Schweizer Boulevardpresse ist da nicht viel besser und versucht nach einem Gespräch mit einem anderen Kritiker, dem Biochemie-Professor Otto E. Rössler, zusammenzufassen:

Davon ist auch der Chaosforscher und Professor für Biochemie Otto E. Rössler überzeugt. Der Deutsche warnt davor, dass durch die frei gewordene Energie kleine schwarze Löcher entstehen. Die gefrässige Antimaterie würde immer weiter wachsen und schliesslich den Planeten verschlingen.

Ob da wohl jemand gerne Romane liest? Da war doch mal was mit CERN, Antimaterie und Bombe, Stichwörter mit denen man bestimmt nicht nur an der Flughafen-Sicherheitskontrolle, sondern auch in den Medien auffällt. Zwar wird auch am LHC Antimaterie produziert, das hat nur leider überhaupt nichts mit schwarzen Löchern zu tun.

Und bevor hier gleich wieder jemand “Aber Antimaterie!” schreit: Es wird viel mehr Antimaterie in der Atmosphäre produziert als im LHC. Und irgendwo in Amerika spielen immer noch Katzen auf Keyboards.

In einem anderen Artikel zum LHC führt Bild.de ein weiteres Steckenpferd der “Kritiker” an: die Strangelets.

Kritiker behaupteten, bei den Experimenten könnten so genannte Strangelets entstehen - hypothetische Teilchen, welche die Erde verschlingen könnten. Auch würden womöglich Schwarze Löcher produziert, die als gefräßige Schwerkraftmonster dem Planeten gefährlich werden könnten.

Das ist weder eine Sitcom, noch ein Mixgetränk. Bei einem Strangelet soll es sich um ein Teilchen handeln, das normale Materie, wie wir sie kennen, in “strange” Materie umwandelt. Klingt seltsam? Die Idee ist gar nicht so weit hergeholt. Seltsame Materie ist auf fundiertem theoretischem Grund gebaut.

Nur auffressen wird sie uns nicht.

Als im Jahr 2000 mit dem Start des Relativistic Heavy Ion Collider (RHIC) erstmals die Strangelets aufkamen, wurde viel darüber diskutiert. Seitdem läuft der RHIC allerdings fleißig — und wir sind immer noch genauso seltsam wie vorher. Und die höhere Kollisionsenergie des LHCs macht es nur noch weniger wahrscheinlich, dass ein hypothetisches Strangelet gebildet werden könnte.

Schwarzes Loch, Strangelet, magnetische Monopole und Vakuumblasen. Alles wirklich hübscher Kram für dystopische Science-Fiction-Filme und reißerische Überschriften.

Nur nichts für die Realität.

Da sich dieses angstmachende Halbwissen aber so hartnäckig hält wie schwarze und rote Druckerfarbe auf manch grauem Papier, hat das CERN als Betreiber des LHCs neben einer Erklärungsseite den oben bereits erwähnten Sicherheitsreport in Auftrag gegeben. Dieser nimmt im Vorbeigehen allen Kritikpunkten den Wind aus den Segeln und kommt zu dem eindeutigen Schluss:

Vom LHC geht keine Gefahr für die Menschheit aus! (Wirklich!)

Ihr könnt also weiter beruhigt schwarze Punkte auf eure weißen Hunde malen, ohne dabei Angst haben zu müssen, dass der Hund davon aufgefressen wird.

Um euch die volle Packung Physik zu geben, für Interessierte zum Abschluss noch ein kleiner Ausflug in die Physik, warum schwarze Löcher und Erde einfach nicht zusammen passen:

Durch Masse entsteht Gravitation: Die Erde zieht den Apfel auf Newtons Kopf, die Sonne hält die Erde auf ihrer Umlaufbahn und unser Sonnensystem kreist wiederum um das Zentrum der Milchstraße. Ein schwarzes Loch ist nun ein Objekt, das eine so konzentrierte Masse und somit starke Gravitationskraft besitzt, dass nichts seinen Fängen entkommen kann. Keine starke Rakete, kein fliegendes Einhorn oder noch so buntes Licht entkommt dieser Kraft. Daher sein Name. “Schwarzes Loch”.

Die Entstehung eines schwarzen Loches setzt eine gewisse Startmasse voraus, z.B. einen großen Stern, der kollabiert. Beim LHC befinden wir uns aber im Bereich von zwei kollidierenden Mosquitos — was nach heutigem Verständnis bei Weitem nicht ausreicht. Spielt man aber ein wenig an den Rahmenbedingungen herum und sagt, man hätte noch ein paar zusätzliche Dimensionen neben den drei uns bekannten, dann ist es sogar theoretisch möglich, dass der LHC so genannte “mini schwarze Löcher” oder “Microscopic Black Holes” generiert.

Aber: Die sind instabil. Nach verdammt kurzer Zeit sind die wieder verdampft. Die Theorie sagt Verdampfungsdauern jenseits der (theoretisch) beobachtbaren Planck-Zeit voraus, also etwa halb so schnell, wie ein Augenzwinkern von Chuck Norris. Folgt man den Kritikern und geht davon aus, dass die bisher als richtig geltende Theorie falsch wäre und diese mini schwarzen Löcher wider Erwarten doch stabil sind, dann haben wir immer noch die Beobachtung:


Es gibt uns und Neutronensterne noch.

Hä? Neutronensterne? Kommen wir sofort zu …

Vorher noch etwas zu elektrischer Ladung: Etwas kann elektrisch geladen oder ungeladen sein (Elektronen z.B. sind einfach negativ geladen). Eine Ladung führt dazu, dass das Teilchen in einem Magnetfeld abgelenkt wird. Die Älteren unter den Lesern werden sich vielleicht noch an die Röhrenfernseher erinnern, die nach diesem Prinzip gearbeitet haben.

Würden jedenfalls elektrisch geladene mini schwarze Löcher durch Teilchenkollisionen entstehen können, so wäre irgendeines aus den aberwitzig vielen Kollisionen (s.o.) zur Erde gelangt. Dort sorgt dann das Erdmagnetfeld für eine Ablenkung und schließlich auch für das Stoppen. Das schwarze Loch hätte nun genug Zeit zu wachsen und die Erde zu verschlingen — das ist aber offensichtlich nicht passiert.

Es bleibt noch die Möglichkeit übrig, dass alle produzierten mini schwarzen Löcher ungeladen sind. Da kommen jetzt die Neutronensterne ins Spiel. Das sind astronomische Objekte, die extrem dicht sind. Durch ihre extrem hohe Dichte werden die kleinen Mini-Biester dann aber im Inneren gestoppt und würden sie langsam auffuttern.


Aber auch hier: Neutronensterne gibt es, also Bullshit.

Selbst wenn man sich also auf viele Argumente der Kritiker ein- und unwahrscheinliche Theorien zulässt, so überzeugt uns am Ende immer noch die Natur, die derlei “Experimente” schon seit Urzeiten in wesentlich größerer Anzahl durchführt. Und würde dabei etwas Gefährliches passieren, würde das Universum nicht so aussehen, wie es das jetzt tut.

Nicht zuletzt würden auch die süßen Pinguine auf der Erde nicht existieren. Und das kann ja nun echt keiner wollen.

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