Suchergebnisse für ‘LINK’

Das Glas ist doppelt leer

Alkohol soll ja am Besten in Maßen konsumiert werden — und wo ginge das besser als beim Münchener Oktoberfest, wo die gängige Ausgabegröße für Bier eine sogenannte Maß (überall sonst auf der Welt: ein Liter) ist?

Ebenso Folklore wie das Oktoberfest selbst sind die jährliche Wasserstandsmeldungen, wie viel (mehr) denn im aktuellen Jahr für so eine Maß berappt werden müsse (2012: “zwischen 9,10 und 9,50 Euro”, 2010: “zwischen 8,30 und 8,90 Euro”, 2007: “ab 7,80 Euro. Rekord!”, …).

Aber das sind vergleichsweise trockene Zahlen. Hilfreich wäre natürlich eine Einordnung ins internationale Preisspektrum.

Drum danket dem Herrn für Bild.de:

Teures Oktoberfest: Was Bier weltweit kostet

Oder genauer: für “ECA International”.

Das Beratungsunternehmen “ECA International” mit Dependance in München hat die Bierpreise von 16 Besuchernationen mit denen der Wiesn verglichen. Besonders hart trifft es demnach Oktoberfest-Fans aus Südafrika, die gegenüber den Heimatpreisen das Doppelte für eine Maß Bier bezahlen müssen.

Bild.de hat sich aber auch die Mühe gemacht und Vergleiche angestellt:

Links oben sehen Sie die Bierpreise in 16 Nationen weltweit sowie die Abweichung vom Maß-Preis – ausgehend vom Preis im eigenen Land.

Die Bierpreise dieser 16 Nationen sind – wohl damit sie nicht so einfach miteinander zu vergleichen sind – nicht etwa in einer Tabelle aufgeführt, sondern in einer 16-teiligen Klickstrecke.

Auch gibt es eine gewisse Abweichung beim Ausgangsmaterial: Während “ECA International” mit 8,65 Euro rechnet (“Die Maß Bier kostet in den Festzelten zwischen 8,30 Euro und 8,90 Euro – im Durchschnitt über alle Zelte gerechnet sind das 8,65 Euro.”), geht Bild.de von einem anderen Preis aus: “Durchschnittlich 9,32 Euro zahlen Wiesn-Besucher dieses Jahr für den berühmten Humpen Bier.”*

Aber das sind alles noch keine befriedigenden Erklärungen für dieses Kraut und Rüben, das Bild.de da in seiner Übersicht präsentiert:

Land Preis Abweichung laut Bild.de Tatsächliche Abweichung
Norwegen 20,98 Euro 56 Prozent teurer 125 Prozent teurer
Japan 15,10 Euro 38 Prozent teurer 62 Prozent teurer
Schweiz 14,54 Euro 36 Prozent teurer 56 Prozent teurer
Dänemark 13 Euro 28 Prozent teurer 39 Prozent teurer
Frankreich 12,18 Euro 23 Prozent teurer 31 Prozent teurer
Australien 11,68 Euro 20 Prozent teurer 25 Prozent teurer
Kanada 11,26 Euro 17 Prozent teurer 21 Prozent teurer
Neuseeland 10,88 Euro 14 Prozent teurer 17 Prozent teurer
Italien 10,74 Euro 13 Prozent teurer 15 Prozent teurer
Argentinien 10,48 Euro 11 Prozent teurer 12 Prozent teurer
Niederlande 9,46 Euro 1 Prozent teurer 1,5 Prozent teurer
USA 9,02 Euro 3 Prozent billiger 3 Prozent billiger
Österreich 8,08 Euro 15 Prozent billiger 13 Prozent billiger
Großbritannien 7,28 Euro 28 Prozent billiger 22 Prozent billiger
Spanien 6,92 Euro 35 Prozent billiger 26 Prozent billiger
Südafrika 4,66 Euro 100 Prozent billiger 50 Prozent billiger

Am Schluss bekommt man wenigstens eine Ahnung, was da falsch gelaufen sein könnte: Ein Bier, das “100 Prozent billiger” ist als auf dem Oktoberfest, müsste exakt 0 Cent kosten. Bild.de hat offenbar aus der anderen Richtung gerechnet:

Besonders hart trifft es demnach Oktoberfest-Fans aus Südafrika, die gegenüber den Heimatpreisen das Doppelte für eine Maß Bier bezahlen müssen.

Mit Dank an Jens und Blox.

Nachtrag, 18.20 Uhr: Unser Leser Sönke B. hat einen plausiblen Lösungsweg herausgefunden: Bild.de rechnet offenbar in der Tat “ausgehend vom Preis im eigenen Land”.

Das heißt, bezogen auf das Beispiel Norwegen: Bild.de teilt die vollen 100 Prozent durch 20,98 und rechnet dieses Zwischenergebnis (4,77) mal dem deutschen Preis von 9,32 Euro. Dabei kommt ein Wert von 44,4 heraus, die Abweichung zu 100 Prozent beträgt also gerundet 56 Prozent, weswegen Bild.de zu dem Ergebnis kommt, das Bier in Norwegen sei “56 Prozent teurer”. Tatsächlich ist es aber in Deutschland 56 Prozent billiger, was aber nicht aufs Gleiche rauskommt, wie man spätestens am Beispiel Südafrika sehen kann.

2. Nachtrag, 21. September: Bild.de hat die Klickstrecke komplett überarbeitet und dabei offenbar unsere Werte übernommen.

Außerdem gibt es diesen Hinweis:

Leider hat sich bei unserer ersten Berechnung der Fehlerteufel eingeschlichen, das tut uns sehr leid. Wir haben das geändert. Vielen Dank an die vielen Hinweisgeber!

*) 3. Nachtrag/Korrektur: Und jetzt haben wir auch eine ganz einfache Erklärung für die Werte von Bild.de: In der Pressemitteilung von “ECA International” findet sich eine Grafik, aus der Bild.de offenbar die Werte übernommen und diese dann falsch zugeordnet hatte. Die Legende der Grafik sagt nur “Wieviel teurer/billiger ist die Maß Bier auf dem Münchener”, was tatsächlich ziemlich verwirrend sein kann.

Wir hatten gestern dämlicherweise die Pressemitteilung von vor zwei Jahren zum selben Thema verlinkt, was die Abweichungen im Durchschnittspreis erklärt, die wir in der inzwischen durchgestrichenen Passage beschrieben haben. Entschuldigung!

Mit Dank an Tobias F.

PR-Tricks, Volontäre, Johnny Haeusler

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Alles abschalten!”
(neunetz.com, Marcel Weiss)
Suchmaschinen wie Google können “nicht jede Form von Verleumdung vorhersehen”, stellt Marcel Weiss fest: “Google ist wie der Kioskbesitzer, der (selbstverständlicherweise) nicht für falsche Behauptungen in der Bild-Zeitung verantwortlich gemacht wird, nur weil er sie in seinem Laden verkauft; und übrigens auch nicht, wenn er diese Bild-Zeitung für alle sichtbar in’s Schaufenster legt.”

2. “Die sieben nervigsten PR-Tricks”
(wuv.de, Frank Zimmer)
Tricks in der Öffentlichkeitsarbeit: “Ein beliebtes Mittel, um journalistische Anfragen ins Leere laufen zu lassen, ist die Antwort: ‘Ach wirklich? Das wusste ich noch gar nicht, da muss ich mich hier im Haus mal schlau machen.’ Fortgeschrittene PR-Profis wenden diesen Trick gerne bei sehr aktuellen Themen an.”

3. “Junge Medienmacher unter Druck”
(ndr.de, Video, 8:57 Minuten)
Wie Volontäre im deutschen Journalismus ausgebeutet werden / sich ausbeuten lassen: “Kaum Anerkennung, niedrige Bezahlung, hoher Druck, Überstunden, keine richtige Ausbildung, fehlende Autoren-Inserts.”

4. “Rockstar, Moderator, Kindergärtner”
(taz.de, Meike Laaf)
Johnny Haeusler im Porträt von Meike Laaf.

5. “A Letter from a Scared Actress”
(journal.neilgaiman.com, englisch)
Die Schauspielerin Anna Gurji ist erschüttert, sich als “one of the supporting actresses” des Films “Innocence of Muslims” wieder zu finden, wurde sie doch im Glauben gelassen, in einem Film mit dem Titel “Desert Warrior” mitzuwirken, in dem es um einen Kometeneinschlag in der Wüste geht: “I want to send my condolences to the families and friends of those who lost their lives.”

6. “Erschöpfte Islamisten bitten darum, Propheten nicht so oft hintereinander zu schmähen”
(der-postillon.com)

Notruf, Rentner, #muslimrage

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die zweite Welle”
(journalist.de, Benjamin O’Daniel)
Benjamin O’Daniel berichtet über hyperlokale Websites wie meinesüdstadt.de aus dem Kölner Bezirk Neustadt-Süd und tegernseerstimme.de aus dem Tegernseer Tal.

2. “VG Köln: Keine Herausgabe von Notruf-Aufnahme an Presse”
(wbs-law.de, Christian Solmecke)
Das Verwaltungsgericht Köln lehnt einen Eilantrag eines “Bild”-Mitarbeiters ab, der damit die die Herausgabe von Tonbandaufzeichnungen über einen abgesetzten Notruf erreichen wollte: “Das Gericht begründete dies damit, dass ansonsten die Ermittlungen der Polizei womöglich beeinträchtigt werden. Darüber hinaus würde durch die Herausgabe der Aufnahmen über den Notruf das allgemeine Persönlichkeitsrecht des verstorbenen Opfers und seiner Angehörigen verletzt werden.”

3. “Die haben auch!”
(blog.dasmagazin.ch, Mathias Plüss)
Mathias Plüss liest auf faz.net die Leserkommentare mit den meisten Empfehlungen zum Artikel “Polens Rolle im Holocaust: Die Wahrheit schwarz auf weiß”: “Alles trieft von diesem unsäglichen Relativismus: Die haben zwar auf den Deckel bekommen, aber auch ausgeteilt. Waren Täter und Opfer, wie wir alle, gell. Der traurige Höhepunkt ist folgender Kurzkommentar: ‘Polen war antisemitisch und bleibt antisemitisch.’ 97 Empfehlungen.” Zu Leserkommentaren siehe auch “Die BILD.de-Community präsentiert sich wieder von ihrer besten Seite” (mediensalat.info, Ralf Marder).

4. “Newsweek-Cover löst Spott und Ärger aus”
(zeit.de, Till Schwarze und Juliane Leopold)
Die Redaktion von “Newsweek” fordert ihre Leser dazu auf, unter dem Hashtag #muslimrage ihre aktuelle Titelgeschichte zu kommentieren und “eigene Erfahrungen mit muslimischer Wut zu beschreiben. Der Aufruf zeigte Wirkung: Newsweek bekam die Aufmerksamkeit, die es wollte – allerdings aus einer ganz anderen Richtung.” Siehe dazu auch “13 Powerful Images of Muslim Rage” (gawker.com).

5. “Das Schweigen der Medien”
(perlentaucher.de, Thierry Chervel)
Thierry Chervel denkt nach über den Zusammenhang von kursierenden Gerüchten und Ereignissen auf der einen Seite und Medienberichten auf der anderen Seite. Den Medien gehe es um die “Konstruktion einer Symmetrie”: “Hier das Hassvideo – dort die Empörung, ein Reiz-Reaktions-Schema, das die Verantwortung gleich verteilt und zu tiefsinnigem Unken der Leitartikler Anlass gibt.”

6. “Die Armuts-Rentner”
(ndr.de, Video, 44:30 Minuten)
Rentner, die arbeiten müssen, weil ihre Rente zum Leben nicht ausreicht.

Gerüchte, Wired, Muslime

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Bettina Wulff und das Netz der Gerüchte”
(malte-welding.com)
Malte Welding denkt nach über Gerüchte früher und heute im Internet. Für die Zukunft kann er sich verschiedene Szenarien vorstellen: “1. Jeder weiß alles über jeden und deshalb sind alle etwas freier als heute, weil jeder zu Toleranz gezwungen ist. 2. Jeder weiß alles über jeden und deshalb gibt es einen enormen Anpassungsdruck. Oder 3. Informationen werden rigide gedeckelt, Persönlichkeitsrechte zulasten von Informationsrechten ausgedehnt, das ganze einst so wilde Netz immer stärker reglementiert.”

2. “‘Wired’ ist in Deutschland immer noch tired (und klaut)”
(realvirtuality.wordpress.com, Alexander Gajic)
Alexander Gajic zeigt sich enttäuscht über die bisherigen Leistungen der deutschsprachigen Ausgabe der Zeitschrift “Wired”.

3. “Der eigentliche Busen-Skandal”
(blog.bernerzeitung.ch, Michèle Binswanger)
Michèle Binswanger erkennnt eine Dauerskandalisierung des weiblichen Körpers durch die People-Presse: “Und vielleicht haben die radikalen Feministinnen von Femen ja recht. Vielleicht müssten wir in die Offensive gehen und uns nur noch nackt zeigen, immer, überall, egal ob wir einen prä- oder post- oder was für einen Body wir auch immer haben. Und zwar so lange, bis das System zusammenbricht, weil alle zum Schluss kommen, dass man so nicht arbeiten kann. Oder dass das gar nichts so besonderes ist.”

4. “Aktion und Redaktion”
(faz.net, Michael Hanfeld)
Michael Hanfeld erinnert daran, dass es nach der Publikation der Mohammed-Karikaturen fünf Monate dauerte, “bis die Eskalation um sich griff”. “Jetzt, beim Video ‘Innocence of Muslims’, gingen zwei Monate ins Land, in denen sich kaum jemand um den Blödsinnsfilm kümmerte. Erst mit arabischer Übersetzung, mit gezielten Hinweisen und dem symbolischen Datum des 11. September im Blick bekam die Geschichte Façon.”

5. “Pro-democracy ‘Arab Spring’ crowds were much larger than those involved in the current protests in the Middle East and North Africa”
(sitemaker.umich.edu, Megan Reif, englisch)
Megan Reif von der University of Colorado Denver stellt die Anzahl der Demonstranten gegen den Film “Innocence of Muslims” respektive für mehr Demokratie (Arabischer Frühling) in Bezug zur gesamten muslimischen Bevölkerung.

6. “Die Schuld der Muslime”
(welt.de, Henryk M. Broder)
Für Henryk M. Broder ist nicht nur ein Kulturrelativist, sondern ein subtiler Rassist, wer behauptet, man könne es den Muslimen nicht zumuten, “Häme und Spott gegenüber ihrer Religion auszuhalten”.

Burda, Kate Middleton, Aufwachteller

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Wolfgang Blau: Auch das schärfste Urheberrecht würde den Verlagen nicht helfen”
(stefan-niggemeier.de, Wolfgang Blau)
Stefan Niggemeier dokumentiert eine Rede des Chefredakteurs von “Zeit Online”, Wolfgang Blau: “Wer glaubt, die letzten zehn Jahre seien transfomativ und herausfordernd gewesen, sollte sich darauf einstellen, dass mit der jetzt einsetzenden Nutzungsverlagerung ins mobile Netz noch viel dramatischere Entwicklungen, Umsatz– und Auflageneinbußen bevorstehen als in den letzten Jahren. Das Urheberrecht wird das nicht aufhalten können. Und: Würde Google nicht existieren, ginge es den Verlagen keinen Deut besser.”

2. “Mit Sex und iPhone: Wie der Burda-Verlag Google News austrickst”
(xoomix.de, Bernd Kling)
Berichte von Focus.de sind bei den bei Google News zu findenden Berichten über das iPhone 5 an vorderster Stelle zu finden: “Bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass die Burda-Publikation ihre beiden News im Wechsel tagelang immer wieder mit neuem Datum und Zeitpunkt bei Google News einlieferte. Wohl wissend, dass Googles Algorithmen bei News die Aktualität besonders stark gewichten und diese zunächst am angegebenen Zeitpunkt der Veröffentlichung festmachen.”

3. “‘Cover’: Lies mich, klick & kauf mich”
(diepresse.com, Regina Pöll)
Die Zeitschrift “Cover”, ein neues Produkt des Verlags Hubert Burda Media.

4. “Coming-out der Verkäufer”
(carta.info, Jürgen Drommert)
Jürgen Drommert kommentiert Statements aus den Verkaufsabteilungen von Gruner+Jahr und Axel Springer.

5. “The Kate Middleton topless photos are the grossest invasion of privacy”
(newstatesman.com, Steven Baxter, englisch)
Die der französischen Ausgabe von “Closer” veröffentlichten Nacktfotos von Kate Middleton: “Imagine walking around with a normal pocket camera, asking to take photos of someone on the beach. You wouldn’t. Because you’d feel like a pervert. Because you would be. Add on a long lens and a hide, though, and suddenly this behaviour somehow becomes acceptable – acceptable enough for a magazine to pay for your dirty photos.”

6. “Experiment Aufwachteller”
(dasnuf.de)
Das Nuf probiert einen Tipp aus “Brigitte Mom” aus, den Aufwachteller.

Apropos überfordert

“Zeit Online” schreibt über das Bundesligaspiel zwischen der Spielvereinigung Greuther Fürth und dem FC Schalke 04 (0:2) am gestrigen Abend:

Schalkes neuer Mann Affelay bemühte sich zwar sehr, wie schon beim 0:3 zum Saisonauftakt gegen den FC Bayern München, wirkte er aber oft überfordert.

Dieser Satz ist bemerkenswert, enthält er doch gleich vier Fehler: Erstens hat Schalke beim Saisonauftakt nicht gegen den FC Bayern München gespielt, sondern gegen Hannover 96. Zweitens ging dieses Spiel nicht 0:3 verloren, sondern endete 2:2 unentschieden. Drittens war Ibrahim Afellay beim Saisonauftakt noch gar nicht dabei, sondern wechselte erst ein paar Tage später, am Ende der Transferperiode, zum FC Schalke. Und viertens sahen andere Medien Afellay gestern nicht unbedingt “überfordert”.

Wie kann so ein Satz passieren?

Nun, der ganze Text bei “Zeit Online” ist eine Art Remix des dpa-Berichts zum Spiel. Da lautete die Passage aber etwas anders:

Die Gäste machten zu wenig aus ihrem großen Potenzial, auch wenn der Niederländer Affelay viele gute Ideen hatte.

Der Neuling mühte sich zwar redlich, wirkte aber wie schon beim 0:3 zum Saisonauftakt gegen den FC Bayern München oft überfordert.

Das ist sprachlich etwas gemein, denn wenn man nur halb über Fußball informiert ist, könnte man meinen, mit “der Neuling” sei Ibrahim Afellay gemeint. “Der Neuling” ist aber die Spielvereinigung Greuther Fürth, die gerade zum ersten Mal in die erste Bundesliga aufgestiegen ist.

Das wird auch deutlich, wenn man die nachfolgenden Sätze bei dpa liest:

Viele Fehlpässe störten den Spielaufbau, gefährliche Angriffe waren eine Seltenheit. Daran änderte auch die späte Einwechslung des langjährigen Schalkers Gerald Asamoah nichts mehr.

Diese Sätze stehen genauso bei “Zeit Online”, hinter dem Satz mit den vier Fehlern. Dort ergeben sie zwar gar keinen Sinn, aber das ist an dieser Stelle dann wohl auch egal.

Mit Dank an vanTOM.

Nachtrag/Korrektur, 14.25 Uhr: In der ersten Fassung dieses Eintrags hatten uns von der konsequenten Falschschreibung von Afellays Nachnamen bei dpa (“Affelay” statt “Afellay”) anstecken lassen.

Nachtrag, 18.25 Uhr: “Zeit Online” hat den Artikel (inzwischen unter diesem Link erreichbar) überarbeitet.

Der betreffende Satz lautet jetzt unmissverständlich:

Greuther Fürth mühte sich zwar redlich, wirkte aber wie schon beim 0:3 zum Saisonauftakt gegen den FC Bayern München oft überfordert.

Unter dem Artikel steht dieser Hinweis:

Update: Eine frühere Version des Textes enthielt Fehler über den Schalker Neuzugang Ibrahim Afellay und seine spielerische Leistung. Der Artikel wurde deshalb überarbeitet.

Thank you for traveling with Louis Vuitton

Heute haben wir mal ein kleines Rätsel für Sie. Also, aufgepasst: Wovon handelt dieser Artikel? Erschienen ist er vor zwei Wochen im “Zeit Magazin”:

Zug in die Zukunft

Schon eine Idee? Nein? Okay, dann helfen wir ein bisschen.

Das Foto stammt von dem international erfolgreichen Blogger und Fotografen Todd Selby, der es während der Fahrt durch die Wüste Gobi geschossen hat. Der Teaser, links oben im Bild, lautet folgendermaßen:

Der Blogger Todd Selby reiste mit der Bahn von der ältesten Luxusmetropole zur neuesten: Von Paris nach Shanghai

Jetzt denken Sie bestimmt, es geht um den “Blogger Todd Selby”. Oder um dessen Reise “von Paris nach Shanghai”.

Aber nein, der Artikel handelt von: Louis Vuitton.

Anders als der Teaser, die Titelzeile und die optische Aufmachung des Artikels vermuten lassen, handelt der Text keineswegs von Selbys Reise. Die wird nämlich lediglich im zweiten Absatz des Textes beschrieben — genauer gesagt in nur drei Sätzen.

Im restlichen Artikel geht es weder um den Blogger noch um die Zugfahrt, sondern im Grunde nur um drei Dinge: die “Megamarke” Louis Vuitton, deren neue Herbstkollektion und um China als Wachstumsmarkt für Luxusgüter. Luxusgüter wie die von Louis Vuitton.

Es ist übrigens nicht so, dass Todd Selby die Reise von sich aus in Angriff genommen hätte, er tat es im Auftrag des Mode-Unternehmens, wie auch der Einstieg in den Artikel verrät:

Das verträumte Bahnfahren ist das modische Thema der Herbstkollektion von Louis Vuitton, dem Modehaus, das einst den Koffer erfand, wie wir ihn heute kennen. Deshalb schickte die Marke den Fotografen Todd Selby auf die Reise von Paris nach Shanghai, wo das Unternehmen gerade seinen bislang größten Shop in China eröffnete.

Über die Fahrt über die Kontinente erfährt der Leser dann aber – abgesehen von der Information, dass Selby die Reise “sehr romantisch” fand – nichts mehr.

Stattdessen weiß das “Zeit Magazin” zum Beispiel solche Dinge zu berichten:

1992 eröffnete Louis Vuitton in Peking den ersten Laden. Da dachte man hier noch, China sei ein Land, in dem man gebratene Hunde isst. […] Heute gibt es in China 44 Louis-Vuitton-Läden. Bevor der Bewohner eines beschaulichen Industriestaates wie Deutschland die Namen der chinesischen Riesenstädte zum ersten Mal hört, hat Louis Vuitton dort schon einen Laden eröffnet […].

Oder solche:

Denn die chinesischen Kundinnen sind innerhalb weniger Jahre von Bling-Bling-Frauen zu Modekennerinnen geworden. Sie wissen genau, was Luxus ist, zum Beispiel ein eigens angefertigtes Köfferchen fürs Teeservice.

Oder solche:

Für die Präsentation seiner Herbstkollektion besann sich Marc Jacobs, der Kreativdirektor des Hauses, auf die Anfänge der Traditionsmarke und stellte das Thema des Reisens in den Mittelpunkt der Inszenierung. Er ließ den lebensgroßen Nachbau einer Dampflok über den Laufsteg fahren. […] Es war eine Kollektion, wie nur Marc Jacobs sie hinbekommt, denn niemand ringt dem Luxus so viel modische Relevanz ab wie er.

Wenn das “Zeit Magazin” also über Louis Vuitton und die neue Herbstkollektion berichten will – warum nimmt es dann diesen Umweg und suggeriert, der Artikel handele von der Reise des Bloggers? (Die Dachzeile der Online-Version des Artikel lautet übrigens: “Bahnreise”.)

Wir haben beim “Zeit Magazin” nachgefragt, warum nicht schon im Inhaltsverzeichnis oder im Teaser auf den tatsächlichen Inhalt des Textes hingewiesen wurde. Silvie Rundel, Sprecherin der “Zeit”, antwortete uns:

Das hätte man ohne weiteres tun können. Die Kollegen beim ZEITmagazin haben stattdessen die spektakulären Bilder des Bloggers Todd Selby in den Vordergrund gestellt.

Das wäre natürlich auch ein netter Ausgleich dafür, dass Selbys Reise im Artikel selbst dann doch eher in den Hintergrund gerät.

Weiter schrieb sie:

In dem Beitrag beschäftigt sich das ZEITmagazin mit der Herbstkollektion des Designers Marc Jacobs für das Modehaus Louis Vuitton, die in Shanghai gezeigt wurde und die das Reisen in den Mittelpunkt stellt. Teil dieser Inszenierung ist neben der Kollektion der Nachbau einer alten Dampflok und eine Fotodokumentation von Todd Selby. Von all dem erzählt das ZEITmagazin in seiner Geschichte, in Bild und Text.

… womit es sich selbst zu einem Teil dieser Inszenierung gemacht hat, denn so landete Louis Vuitton dank der Todd-Selby-Aktion großflächig im redaktionellen Teil des “Zeit Magazins”.

Allerding spielt der Konzern nicht nur im redaktionellen Teil eine Rolle: Auf der Rückseite des “Zeit Magazins” findet sich nämlich eine ganzseitige Anzeige des Parfüms “Miss Dior”, das zur Parfümsparte des Hauses “Christian Dior” gehört. Die wiederum ist eine hundertprozentige Tochter der Aktiengesellschaft LVMH. Und LVMH ist die Abkürzung für: Moët Hennessy – Louis Vuitton.

Die Sprecherin der “Zeit” erklärte uns gegenüber, zwischen dem Artikel und der Anzeige gebe es “nicht den geringsten” Zusammenhang.

Mit Dank auch an Fritz und Moritz T.

Asylbewerber, DSDS, Richard David Precht

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “DSDS: Pensionist klagt RTL nach Verspottung”
(kurier.at, Ricardo Peyerl)
Ein österreichischer Rentner klagt erfolgreich gegen die RTL-Sendung “Deutschland sucht den Superstar”, in der er als “Monster” dargestellt wurde: “RTL zahlte freiwillig 9000 Euro Entschädigung und fand das ‘äußerst großzügig bemessen’. Mithilfe seines Anwalts Josef Wegrostek klagt Herbert P. im Landesgericht Korneuburg nun weitere 21.000 Euro Schmerzensgeld ein.”

2. “taz-Korrektor: ‘Ein durch und durch niederschmetternder Job'”
(blogs.taz.de/hausblog, Friederike Gräff)
Robert Matthies berichtet von seiner Arbeit als Korrektor bei der “taz”: “Ich habe zwei Wochen lang die Fehler gezählt, die ich herausgenommen habe. Im Durchschnitt waren es bis zu 100 pro Ausgabe, also 25 Fehler pro Seite. Es ist eine unsichtbare, aber wesentliche Arbeit, die das Korrektorat da macht, gemeinsam mit den Chefs vom Dienst.”

3. “Ausführlich: #azonline mag #Wikipedia! #stich #duden”
(twitlonger.com, NewsMän)
Eine Analyse eines Artikels zum Tod des Politikers Otto Stich: “Eigentlich wollte ich nur über die vielen Tippfehler und die inhaltlichen Fehler schreiben. Dabei fiel mir aber auf, dass ein nicht kleiner Teil des Artikels von Wikipedia übernommen wurde.”

4. “Liebe Verleger, fallt mir nicht auf Philosoph Precht herein”
(ralfschwartz.typepad.com)
Ralf Schwarz beschäftigt sich mit Aussagen von Richard David Precht, der “mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für Printmedien” die Grossotagung in Baden-Baden “gerockt” habe, wie auf wuv.de zu lesen ist.

5. “Rederepublik Deutschland: Sind die Online-Medien schuld?”
(security-informatics.de)
Eine Auswertung von Sprachhandlungs- und Kommunikationsverben in einem Vergleich der Printarchive von “Zeit” und “Spiegel” sowie dem Archiv von “Spiegel Online”: “In allen Gazetten schreiben Journalistinnen und Journalisten darüber, was Menschen darüber sagen, was andere, mutmaßlich noch wichtigere, Menschen geäußert haben. War das schon immer so? Oder ist das eine Folge des Online-Journalismus mit seiner auf Aktualität getrimmten Kultur, in der jede Äußerung schon eine Meldung wert ist, ohne in größere Nachrichtenzusammenhänge eingebettet zu werden?”

6. “Vier Wochen Asyl – Ein Selbstversuch mit Rückkehrrecht”
(ardmediathek.de, Video, 29:03 Minuten)
Journalisten des RBB leben während vier Wochen in einem Asylbewerberheim, unter den gleichen Bedingungen wie die Asylbewerber. “Es kommt uns vor, als wären es Monate gewesen. Das Erlebte geht nah.”

Branchenklick, Neonazistinnen, Einhornkacke

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Helden oder Opfer – Behinderten-Klischees”
(ndr.de, Video, 5:04 Minuten)
Sat.1 gibt auf Anfrage bekannt, die Sendung “Die große Welt der kleinen Menschen” sei in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Kleinwüchsige Menschen entstanden – doch dort weiß man nichts von einer Zusammenarbeit. Siehe dazu auch “Die komische Welt von Sat.1. Oder: Kleine Menschen, große Scheiße” (leidmedien.de, Ninia LaGrande).

2. “Als Burda mal einen Kopierer verkaufte”
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz kommentiert “die Beseitigung eines Interessenskonflikts”, den Verkauf von Nachrichten.de durch die Hubert Burda Media: “So wahnsinnig vielfältig und leistungsfähig und damit für den Informationsfluss im Netz unverzichtbar, wie die Befürworter der geschützten Leistung gerne sagen, sind die Verlage womöglich gar nicht. Im Fall iPhone 5 jedenfalls haben weite Teile der deutschen Verlagslandschaft im Wesentlichen eine Leistung erbracht, die aus dem fehlerfreien Kopieren einer Meldung in ein CMS besteht. Und mal weitergedacht – und Google hätte all diese hübschen Meldung nicht indexiert: Was genau bitte würde uns fehlen?”

3. “82.000-Euro-Klage wegen Blog-Post”
(blog.limesoda.at, Philipp Pfaller)
Philipp Pfaller gewinnt einen Rechtsstreit gegen die Branchenklick GmbH: “Ich als Beklagter hatte eigentlich nichts zu gewinnen. Im nun eingetretenen besten Ausgang musste ich nichts zahlen. Trotzdem bin ich stolz, wenigstens einen kritischen Artikel vor der Löschung bewahrt und damit vielleicht einen Präzedenzfall für mutige BloggerInnen geschaffen zu haben.”

4. “Wenn der Hitlergruß zu sehen ist, gehen unsere Filme am besten weg”
(planet-interview.de, Natascha Mahle)
Andrea Röpke, freie Journalistin mit Schwerpunkt Rechtsextremismus, im Interview: “Ja, in den Medien und auch der breiten Öffentlichkeit wird immer davon ausgegangen, dass Frauen in die Szene nur reinrutschen, weil sie die Freundin eines Rechten sind und sie auch fast nichts über dessen Ansichten wissen. Es fällt uns schwer, einzugestehen, dass Frauen fanatisch sein können, dass sie die Strategien der Nazis ganz bewusst mittragen und mit dieser Einstellung sogar in sensiblen Bereichen wie Schulen und Kindergärten arbeiten. Unter dem Deckmantel der lieben, weichen, sozialen Frau, den die Öffentlichkeit bereitwillig gibt, breiten sich die Neonazistinnen ungeniert aus.”

5. “Erkennen Sie die Erkennungs-Melodie?”
(stefan-niggemeier.de)
Während das Redesign des Tagesschau-Intros durch eine falsche “Bild”-Titelgeschichte (“ARD entsorgt tagesschau-Melodie”, BILDblog berichtete) in den Medien großes Echo hervorrief, blieb die letzte grundsätzliche Änderung der Melodie weitgehend unbemerkt.

6. “Einhornkacke”
(volkerstruebing.wordpress.com)
Volker Strübing hat eine Schreibblockade: “Ich öffne Textverarbeitung oder Notizbuch und, schwupps, laufen tausend Männchen durch meinen Kopf und brüllen durcheinander.”

Tagesschau, Hüte, Burda

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Zeitleiste: Das tagesschau-Intro im Wandel der Zeit”
(marcus-anhaeuser.de)
Der musikalische Auftakt der ARD-Tagesschau wird überarbeitet, nicht abgeschafft (BILDblog berichtete). Marcus Anhäuser liefert dazu eine Zeitleiste mit Tagesschau-Intros ab 1952.

2. “Leistungsschutzrecht-Fürsprecherin Burda verkauft nachrichten.de”
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Mit nachrichten.de betrieb Hubert Burda Media seit 2009 einen Nachrichtenaggregator. Der nun verkauft wurde: “Das Medienhaus tat also genau das, was es Google News und anderen Aggregatoren anlastet: Inhalte von fremden Verlagsangeboten ‘abgreifen’, zur Schaffung eigener Dienste nutzen und damit etwa durch Werbung Umsätze generieren.”

3. “Bin ich bestechlich?”
(iruedt.blogspot.de, rue)
Ein Journalist, der 2004 für den “PCtipp” schrieb, erinnert sich an von Druckerherstellern bezahlte Pressereisen: “Ich bin überzeugt, dass sich die Ausflüge für mich (und meinen Arbeitgeber) gelohnt haben.”

4. “Stupid hat tricks”
(cjr.org, Justin Peters, englisch)
Justin Peters zieht sich an der Democratic National Convention in Charlotte einen Hut in Form einer Krone an, um zu prüfen, wie oft er deswegen interviewt wird. “All in all, I was interviewed three times in an hour, and I’m positive I would’ve doubled that number if I had arrived two hours earlier, when dozens more cameramen were stalking the halls in search of B-roll; at that time, it seemed like the number of stupid hats was only matched by the number of camera crews rushing to interview people wearing stupid hats.”

5. “Study: Young people consider news to be garbage and lies”
(jimromenesko.com, englisch)
Eine Studie von Journalistikprofessorin Paula Poindexter über die in den 1980er- and 1990er-Jahren geborenen “millennials” ergibt: “Millennials describe news as garbage, lies, one-sided, propaganda, repetitive and boring. Most millennials do not depend on news to help with their daily lives. The majority of millennials do not feel being informed is important.”

6. “Ein Mann, den es eigentlich nicht gibt”
(fluter.de, Adrian Bechtold)
Adrian Bechtold spricht mit einem schwulen Bundesliga-Fußballspieler: “Entweder spaziere ich mit meinem Freund zu einem Event und bin danach drei Wochen in allen Medien oder berufe mich auf meine Privatsphäre und belüge mich selbst. Es gibt einfach keine Lösung. Unmöglich, einfach wie ein heterosexueller Spieler den neuen Partner zu präsentieren und am nächsten Tag vergessen zu werden. Normalität gibt es nicht.”

Blättern:  1 ... 149 150 151 ... 294