Suchergebnisse für ‘Klima’

Krawalljournalismus, Klimawechsel, Kremlnews

1. Hetzer, Idioten und Dumpfbacken
(nzz.ch, Heribert Seifert)
Kommunikative Rüpelei hat längst ihren Platz in den traditionellen Medien gefunden, findet Heribert Seifert. Dem Wutbürger im Internet trete in manchen Leitmedien ein Wutjournalismus gegenüber, der Schimpfen, Weghören und Kommunikationsverweigerung zu Tugenden erklärt. Seifert listet einige Fälle auf, bei denen etablierte Medien seiner Meinung nach unangemessen berichten und mit “Kampfvokabeln” operieren würden: “Es herrscht die Stimmung eines Kulturkriegs, der wenig Raum für vernünftige politische Debatte kennt.”

2. Wie der “Guardian” zum Anwalt der Klimabewegung wurde
(tagesspiegel.de, Dagmar Dehmer)
Der britische „Guardian“ betreibt seit März 2015 eine Klimakampagne und hat damit zwei seiner eigenen Geldgeber unter Druck gesetzt. Die beiden größten Gesundheitsstiftungen der Welt, die Gates-Stiftung und der Wellcome-Trust, würden nämlich nicht nur die Berichterstattung des Medienhauses zu Entwicklungsthemen mitfinanzieren, sondern seien Investoren bei Firmen der Kohle-, Öl- und Gasindustrie. Nach anfänglichem Widerstand hätte sich die Bill- und Melinda-Gates-Stiftung nun leise von umfangreichen Investitionen in der Ölindustrie verabschiedet.

3. Ex-Mann, Ausländer, Okkultisten: Wer alles verdächtigt wurde
(derbund.ch, Thomas Knellwolf)
In den Monaten zwischen dem Familienmord im schweizerischen Rupperswil und seiner Aufklärung ergingen sich Medien, Experten und Politiker in wilden Spekulationen über den Täter. Man hätte sich regelrecht mit Mutmaßungen überboten und wenig Rücksicht auf die Angehörigen der Opfer genommen, so der “Bund”. Selbst Kriminalisten hätten sich an dem Geunke und Geraune beteiligt. Lesenswert dazu auch der persönliche Beitrag Rambojournalisten in Town, der mit dem Schweizer Boulevardjournalismus hart ins Gericht geht.

4. Unverhohlene Drohung: NPD-nahe Seite stellt Fotos und Namen von Journalisten online
(endstation-rechts.de, Oliver Cruzcampo)
Nach NPD-Demos in Schwerin und Demmin wurden laut “Endstation Rechts” von einer NPD-nahen Facebook-Seite Fotos der anwesenden Journalisten und deren Namen veröffentlicht. Nur kurz zuvor hätte Fraktionschef Udo Pastörs in seiner Rede von „Journaille-Schmierern“ und „Schweinejournalismus“ gesprochen. Dies zeige Wirkung: “Immer weniger Journalisten sind bereit, von solchen Auftritten zu berichten”, so ein Mitarbeiter eines Beratungsvereins für Betroffene rechter Gewalt.

5. Reality statt Life
(Jarina Kajafa, taz.de)
Letzte Woche machte das Bild die Runde, mit dem die russische Botschaft eine Militärmeldung illustrierte und das sich als Screenshot aus dem Spiel „Command & Conquer” entpuppte. Im Mai blühe die russische Lügenindustrie anscheinend besonders prächtig, findet Jarina Kajafa von der “taz”: Belege und Veteranen würden gefakt, Statisten für die Paraden gekauft und Meldungen verzerrt.

6. Rechte Talkshowgäste: Wie Pyromanen in der Streichholzfabrik
(spiegel.de, Georg Diez)
“Die Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen befördern den gesellschaftlichen Rechtsrutsch”, lautet die Kernbotschaft von “Spiegel”-Kolumnist Georg Diez. Es sei Zeit für eine neue Diskurs-Republik: “Die deutsche Talkshow-Republik ist, wie die reale auch, dem Proporz und dem Konsens verpflichtet – aber dieses Modell ist in Lähmung erstarrt und vor allem an seiner eigenen Existenz und an seinem eigenen Überleben interessiert.”

Klimaabkommen, Morddrohungen, Wort des Jahres

1. Historisches als Randnotiz
(taz.de, Malte Kreutzfeldt)
“Geschenke” (“FAS”), “Das fatale Ende eines Schulfachs” (“WamS”) und “Weihnachtsgeld zu gewinnen” (“BamS”) — das waren die Aufmacher der überregionalen Sonntagszeitungen. Dass in Paris am Abend zuvor “Geschichte geschrieben wurde, war für traditionelle deutsche MediennutzerInnen kaum zu merken”, kritisiert Malte Kreutzfeld. Die “Welt”-Medien hätten sogar darauf verzichtet, überhaupt einen Redakteur zur Klimakonferenz zu schicken.

2. Reporter als Panzerfahrer ohne Uniform
(deutschlandfunk.de, Maximilian Grosser, Audio, 4:33 Minuten)
“Russia Today” sei eine Art trojanisches Pferd der psychologischen Kriegsführung, sagt Mustafa Nayem. Und die Mitarbeiter des russischen TV-Senders sind für den Journalisten und Parlamentsabgeordneten aus der Ukraine wie Panzerfahrer ohne Uniformen. Maximilian Grosser dokumentiert ein Treffen russischer, ukrainischer und georgischer Intellektueller, die nach Möglichkeiten suchten, wie man der “Maschinerie der Desinformation” entgegentreten könnte.

3. Notizblöcke, Waffen und Kokain: Das einsame Leben eines paraguayischen Journalisten
(vice.com, Dorian Geiger)
Vor dem Haus von Cándido Figueredo Ruíz stehen sieben Männer mit Maschinenpistolen, Kameras haben alles im Blick. Figueredo braucht diesen Schutz nicht, weil er der Boss eine mächtigen Drogenkartells ist, sondern ein Journalist, der über die kriminellen Geschäfte der lokalen Gruppen berichtet und regelmäßig Morddrohungen erhält: “Ich bin mir voll und ganz im Klaren darüber, dass sie mich jederzeit ermorden können.”

4. Was die Leser der “Jungen Freiheit” so über Juden denken
(starke-meinungen.de, Alan Posener)
Viel muss Alan Posener gar nicht schreiben, er belässt es bei einem Satz: “Ich gebe hier die Kommentare unter einem Artikel aus der ‘Jungen Freiheit’ wieder, in dem Dieter Stein meint, auch die Juden würden inzwischen ihre Unterstützung für Multikulti aufgeben und dafür sein, dass sich Deutschland gegen die Fremdenflut wehrt.” Danach sprechen die Kommentatoren für sich.

5. Journalismus: Die Zuckerberg-Blamage
(neunmalsechs.blogsport.eu, Carsten Buchholz)
An der “Top-Schlagzeile des Tages” (allerdings schon ein paar Tage her) “Facebookgründer Mark Zuckerberg spendet 45 Milliarden Dollar an eine Stiftung für wohltätige Zwecke” sei “leider alles falsch”, schreibt Carsten Buchholz. Er erklärt wieso und zeigt, welches Medium wie falsch berichtet haben soll.

6. Flüchtlinge zu Geflüchteten?
(sprachlog.de, Anatol Stefanowitsch)
Nachdem “Flüchtling” vergangene Woche zum Wort des Jahres gekürt wurde, gab es kritische Stimmen, die den Begriff als “abschätzig” bezeichneten und dafür plädierten, ihn durch “Geflüchtete” zu ersetzen. Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch analysiert das Wort, seine Bedeutung und mögliche Alternativen.

Klambt, Klimajournalisten, Vergewaltigungen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die ersponnenen Titel bunter Blätter”
(ndr.de, Video, 6:43 Minuten)
Zu Besuch im Friseursalon, wo Klatschzeitschriften gelesen werden. Und bei der Mediengruppe Klambt, wo diese erstellt werden.

2. “Erschütternde Schockstudien über asiatische Männer”
(hogymag.wordpress.com, almasala)
“Bild” schreibt über eine “Schock-Studie der UN” zu Vergewaltigungen durch Männer aus Asien. “Die Wissenschaftler kommen in ihrer Diskussion zum Schluss, dass sich die Ergebnisse nicht auf den gesamten asiatischen Raum übertragen lassen würden, weil sie nur sehr wenig Länder (6) betrachtet hätten und die Anzahl der befragten Männer zwischen den sechs Ländern stark variierte.”

3. “‘Wie schnell darf ein Mann kommen?'”
(medien-doktor.de)
Der Bild.de-Artikel “Wie schnell darf ein Mann kommen?” im Check von Medien-doktor.de.

4. “Interview zum Klimawandel: Wie Journalisten Forschungsergebnisse filtern”
(spiegel.de, Axel Bojanowski)
“Neun von zehn der Klimajournalisten vertrauen den Ergebnissen des IPCC”, sagt Kommunikationsforscher Michael Brüggemann: “Je stärker Journalisten Advokaten für ökologische Reformen sein wollen, umso stärker stimmen sie auch dem Resümee des Weltklimarats zum menschengemachten Klimawandel zu.”

5. “So sehen die Chefs ihr Medienhaus im 2018”
(persoenlich.com)
Schweizer Verleger geben Auskunft, wo sie ihre Medienhäuser in fünf Jahren sehen.

6. “Anzeige gegen ‘Tagesspiegel’ und ‘Zeit’ wegen Piraten-Interview”
(netzpolitik.org, Nicolas Fennen)
Wie Buchreport.de berichtet, wurden Strafanzeigen eingereicht wegen der namentlichen Nennung einer Website: “Dass die Veröffentlichung von urheberrechtlich geschütztem Material verfolgt wird ist nichts Neues. Das aber bereits die Nennung einer solchen Plattform strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht sehr wohl.”

Paul Ronzheimer, Renditen, Klimawandel

6 vor 9

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1. “Mein dir deine Bildung!”
(pantelouris.de, Michalis Pantelouris)
Michalis Pantelouris analysiert den “Bild”-Artikel “So hat uns Zypern betrogen!”: “Offensichtlich hat sich Paul Ronzheimer bei seinem unermüdlichen Versuch BILD-Leser gegen Südeuropäer aufzuhetzen inzwischen davon verabschiedet, auch nur den Anschein erwecken zu wollen, so etwas wie Argumente, Fakten oder Logik zu verwenden. Er tippt einfach irgendetwas und schreibt seine Schlussfolgerung ohne Zusammenhang dazu.”

2. “Traumhafte Renditen für Zeitungsverlage”
(dradio.de, Stephan Karkowsky)
Medienökonom Frank Lobigs über die Renditen von Zeitungsverlagen: “Das sind Renditen, da können andere Unternehmen nur von träumen! Wenn Sie normale Großunternehmen nehmen, dann haben die eine Durchschnittsrendite von vier Prozent. Die Verlage liegen beim Dreifachen oder Vierfachen davon.”

3. “‘Zeitungspresse als Machtinstrument'”
(tagesspiegel.de, Bernhard Schulz)
Heute wird in Berlin die Sonderausstellung “Zwischen den Zeilen? Zeitungspresse als NS-Machtinstrument” eröffnet. “Mit dem heutigen Blick für die Vielfalt von Meldungen und Meinungen ist der Eindruck der Zeitungslandschaft im NS-Regime niederschmetternd. Die gleichen Parolen, die gleichen im Stakkato gehämmerten Phrasen, die gleiche Typographie, fette Überschriften und rote Balken, dazu idyllische Fotos von der Front, wo sich Landser eine Zigarettenpause gönnen oder ihr Nachtlager bereiten: ‘Kein Himmelbett kann damit konkurrieren’, so die Bildunterschrift.”

4. “Klimawandel: Skeptiker amtlich unerwünscht”
(heute.de, Reinhard Schlieker)
Reinhard Schlieker kommentiert die Broschüre “Und sie erwärmt sich doch” des Umweltbundesamts, die mit Journalisten und Wissenschaftlern, “die einen menschengemachten Klimawandel für nicht erwiesen halten”, abrechne: “Die Publikation des Bundesamtes kann beim unbefangenen Leser den Eindruck erwecken, man habe es bei diesen Journalisten und Buchautoren mit vorsätzlichen Fälschern zu tun, die fremdgesteuert sind und von irgendwelchen Lobbyisten bezahlt werden.”

5. “Den Eltern den Job erklären”
(vocer.org, Steffi Fetz und Lisa Altmeier)
Die Aktion #erklärsmama bemüht sich, Kommunikationsberufe verständlich zu machen: “Teilweise kapieren die Menschen selbst nicht, was sie arbeiten. Wie sollen es dann die Eltern verstehen?”

6. “Blut, Miniröcke, Jargon. Wie man Szenetexte fabriziert”
(blog.tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)

Klimaforscher, Macheten, Vuvuzelas

6 vor 9

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1. “Wie Schiffeversenken, nur ernster”
(sueddeutsche.de, Peter Glaser)
Peter Glaser nennt Journalismus “die zivilisierteste Form von Widerstand”. Sein Text zur Zukunft des Journalismus befasst sich unter anderem mit der Suchmaschinenoptimierung und der Auflösung der klassischen Bündelungsform.

2. “SPIEGEL vs. ZEIT”
(wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge, Stefan Rahmstorf)
Eine Diplomarbeit vergleicht die von “Spiegel” und “Zeit” in Artikeln zum Thema Klimawandel zitierten Klimaforscher.

3. “Opfer von Täuschungsmanöver”
(stuttgarter-zeitung.de, Erik Raidt)
Unbekannte geben sich gegenüber der Presse als “Junge Liberale” aus und wenden sich “mit drastischen Parolen gegen Arbeitslose”: “Die Stuttgarter Zeitung bedauert, dass die Jungen Liberalen durch die Berichterstattung über die von Dritten fälschlich in Umlauf gebrachten Behauptungen in ein falsches Licht gerückt worden sind.”

4. “Gewalt? Chaos? Desorganisation?”
(profil.at, Johannes Dieterich)
Die Fußball-WM in Südafrika hat begonnen. Johannes Dieterich erinnert nochmals an die zuvor verbreiteten Vorbehalte: “WM-Besucher müssten damit rechnen, von machetenschwingenden Farbigen zerstückelt zu werden, schrieb der Reporter eines britischen Boulevardblatts. Ein deutsches Sicherheitsunternehmen empfahl seiner Nationalmannschaft, ihr Hotel nur mit kugelsicheren Westen zu verlassen.”

5. “Frisch am Stück.”
(alexander-kissler.de)
Alexander Kissler sieht den kritischen Sportjournalismus während der WM in einer Auszeit: “Kritik hat Sendepause, Sportjournalismus wird zum angewandten Fan-Sein. Jetzt werden, je nach Verbreitungsgebiet, Helden gemacht, Stars gepriesen, Führer gebenedeit.”

6. “Vuvuzela-Filter”
(surfpoeten.de)
Wie macht man ein Audiosignal vuvuzelafrei? Eine kurze Anleitung.

Kachelmann, Klima, Karfreitag

6 vor 9

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1. “Kachelmann 2. Tag”
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Wie schon am Montag schreibt Kai Gniffke, warum der Vergewaltigungsverdacht gegen Jörg Kachelmann nicht in der Tagesschau auftaucht. Von “Bild”, die ihn für ein Interview mit zahlreichen Fragen konfrontierte, brauche er “keine Nachhilfe in Bezug auf verantwortungsvollen Journalismus, sicher nicht.”

2. “Das ganze verdammte Mediending”
(kaliban.de, Gunnar Lott)
Gunnar Lott ist zunehmend gelangweilt von “Qualitätsmedien”, die “Nicht-Nachrichten, die zudem jeder hat”, durchhecheln. “Je häufiger die atemlos eine Sau durchs Dorf treiben, die nächste Woche wieder komplett vergessen ist, desto weniger bin ich bereit, denen mein Geld oder meine Aufmerksamkeit zu widmen.”

3. “blöde klima-panikmache”
(benkoe.ch, Thomas Benkö)
“Bild” gibt dem durch den Mensch verursachten Klimawandel die Schuld am Verschwinden der kleinen South Talpatti Island. Thomas Benkö sieht das anders: “wind und wasser haben eine insel erschaffen, wind und wasser haben sie wieder verschwinden lassen.”

4. “Frühlingserwachen der Zecken-Experten”
(gesundheit.blogger.de, hockeystick)
Auch diesen Sommer wird es wieder Zecken geben. Trotz oder wegen des harten Winters.

5. “Fernsehen am Krawallfreitag”
(fernsehkritik.tv)
Ein Text zum Wandel des Fernsehprogramms am Karfreitag: “Manch einer mag meine Kritik als altbacken und nicht mehr zeitgemäß betrachten. Zumindest ein solch religiöser Feiertag sollte aber vom Zeitgeist abgekoppelt sein. Und selbst für Atheisten kann es doch durchaus mal angenehm sein, wenigstens an einem Tag des Jahres ein leiseres und nachdenklicheres Fernsehprogramm zu sehen.”

6. “Die Presse schiebt 150 % ab”
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Eine Kurzmeldung in der österreichischen Tageszeitung “Die Presse”.

Kurze Wege aus der Klimakatastrophe

Es sind ja nicht nur die Leute, die den ganzen Tag das Licht im Bad brennen lassen oder in den Urlaub fahren, während der Fernseher zuhause weiter auf Stand-by vor sich hinbrummt, die das Klima kaputtmachen. Es sind auch die Leute, die in Berlin immer noch rücksichtslos Schweizer Schokolade kaufen, die Hunderte Kilometer aus den Alpen herangekarrt werden muss, anstatt auf Ware aus regionalen Schokoladenanbaugebieten, etwa im schönen Zeitz in Sachsen-Anhalt, zurückzugreifen.

Und sagen Sie nicht, das sei Unsinn, weil entscheidende Schokoladenzutaten im einen wie im anderen Fall vom Äquator herangeschafft werden müssen, was die Öko-Bilanz noch ein bisschen stärker beeinflussen dürfte als die Kilometer, die die fertigen Tafeln dann noch zum Verbraucher zurücklegen. Die “Bild”-Zeitung hat das ganz genau nachgerechnet, anhand von drei Einkaufskörben von Kunden aus dem Ullrich-Verbrauchermarkt in Berlin-Mitte. Und Mark F., den es “nicht kümmert”, ob die Produkte viele Kilometer nach Deutschland transportiert werden müssen und dadurch CO2 ohne Ende produzieren, bringt es auf insgesamt 95.350 Kilometer, darunter:

Schokolade --- Schweiz --- 750 km

Viel besser steht dagegen Stefan V. da, zufällig Chef des Ullrich-Verbrauchermarktes in Berlin-Mitte, in dessen Verbrauchermarkt in Berlin-Mitte der Test ja, wie gesagt, stattfand. Insgesamt nur 3510 Kilometer hat er auf der Uhr, darunter:

Schokolade --- Zeitz --- 218 km

“Bild” hat neben sein Foto noch die Worte “…denn das Gute liegt doch so nah” geschrieben, denn auch den Kaffee bezieht V. umweltschonend aus dem sachsen-anhaltischen, äh, Hochland:

Kaffee --- Magdeburg --- 156 km

Und wenn ihm jemand sagt, er solle doch dahin gehen, wo der Pfeffer wächst, versaut nicht einmal das die Öko-Bilanz von Stefan V.:

Pfefferwürste --- Eberswalde --- 64 km

Sie sehen: Es ist ganz einfach, die Umwelt zu schonen, man muss nur auf frische Produkte verzichten und Fertiggerichte aus der Nähe kaufen. Gerne auch beim Ullrich-Verbrauchermarkt in Berlin-Mitte, dessen Sortiment, wie sein Chef und Kunde Stefan V. in “Bild” erzählt, “rund 25.000 Produkte umfasst”. Da lohnt sich bestimmt auch eine weitere Anfahrt.

Danke an Daniele, Sebastian S. und A.J.

Wahlberichterstattung, No-SLAPP-Handbuch, Macrons Mission

1. “Das Vergangene ist nie tot. Es ist nicht einmal vergangen.”
(mdr.de, René Martens)
Der Medienkolumnist René Martens analysiert den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt und geht der Frage nach, inwiefern etablierte Parteien und Medien den Diskurs zugunsten der Rechten verschoben haben. Unter Verweis auf Analysen von “Zeit”-Journalist Christian Bangel und Soziologe Oliver Nachtwey konstatiert er, dass die Übernahme harter migrations- und klimaskeptischer Narrative (“Abgrenzung durch Anpassung”) nicht zu einer Schwächung, sondern zur Legitimation des rechtsextremen Originals geführt habe (Issue-Ownership-Theorie).
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Da sitzt also ein Mann im ARD-Studio, wirft dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Desinformation vor und will den Vertrag kündigen. Und die Sendung läuft weiter, als hätte er irgendwas Langweiliges zum Straßenbau zwischen Magdeburg und Halle gesagt.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:11 Minuten)

2. Es erinnert an Donald Trump
(taz.de, Mohamed Amjahid)
Nach dem Wahlerfolg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnt der Journalist Mohamed Amjahid vor drastischen Einschnitten für die Presse- und Rundfunkfreiheit. Ausgehend von eigenen Erfahrungen sowie von gezielten Einschränkungen für Journalistinnen und Journalisten am Wahlabend zieht Amjahid Parallelen zur Medienfeindlichkeit von Donald Trump sowie zu autoritären Entwicklungen in Polen und Ungarn. Um die Pressefreiheit wirksam zu verteidigen, müsse die Medienlandschaft aufhören, rechtsextreme Spitzenkandidaten unkritisch zu normalisieren.

3. Nius durfte Asy­l­an­wältin nicht an den Pranger stellen
(lto.de)
Das Berliner Kammergericht habe “Nius” eine identifizierende Berichterstattung über die Asylanwältin des Attentäters von Solingen untersagt und dem Onlineportal des ehemaligen “Bild”-Chefredakteurs Julian Reichelt zum Schadenersatz verpflichtet. Das Gericht habe die namentliche Nennung als unzulässige Prangerwirkung eingestuft. Formulierungen im Text hätten eine direkte Verbindung zwischen der regulären anwaltlichen Vertretung und der späteren Tat suggeriert und gravierende Diffamierungen sowie Bedrohungen gegen die Juristin provoziert. Das Urteil sei nicht rechtskräftig, eine Revision nicht zugelassen. Dagegen habe “Nius” eine Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt.

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4. Vertrauensverlust: Nachrichtenmedien unter Druck
(blog.medientage.de, Marlene Röhner)
Laut aktuellen Studien wie dem “Social-Media-Atlas 2026” und dem “Reuters Institute Digital News Report 2026” gerate die klassische redaktionelle Berichterstattung zunehmend unter Druck: 43 Prozent der Menschen in Deutschland (bei den 20- bis 49-Jährigen sogar über die Hälfte) würden Beiträge in Sozialen Netzwerken mittlerweile für glaubwürdiger als redaktionelle Nachrichten halten. Zugleich nehme die gezielte Vermeidung von Nachrichten infolge von Reizüberflutung und Krisenmüdigkeit stark zu. Dies führe dazu, dass traditionelle Medienhäuser im digitalen Raum zusehends die Kontrolle über die Distribution und die gesellschaftliche Meinungsbildung verlören.

5. No SLAPP Handbuch: Strafrecht
(verdi.de, Robert Brockhaus)
Das No-SLAPP-Handbuch der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi befasst sich mit dem wachsenden Phänomen missbräuchlicher Strafanzeigen wegen Beleidigungsdelikten, die als strategische Klagen gegen öffentliche Beteiligung (SLAPP) eingesetzt würden, um Journalistinnen und Journalisten einzuschüchtern, finanziell zu belasten oder an deren Privatadressen zu gelangen. Für den Fall einer Strafanzeige empfiehlt der Leitfaden Betroffenen, zunächst von ihrem Schweigerecht Gebrauch zu machen. Außerdem sei es ratsam, frühzeitig Akteneinsicht zu beantragen und rechtzeitig Schutzvermerke gegen die Weitergabe der Wohnanschrift in der Ermittlungsakte zu erwirken.

6. Macrons Mission: Höchste Zeit, den Film vor Big Tech zu retten
(dwdl.de, Torsten Zarges)
Auf dem von Frankreich und Südkorea initiierten “Lumière Summit” an der Côte d’Azur habe Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron dazu aufgerufen, die Zukunft des Films gegen die Verwertungslogik von Big Tech zu verteidigen. Die Rechenleistung von Künstlicher Intelligenz dürfe nicht mit echter menschlicher Schaffenskraft verwechselt werden. Als Gegenmodell forciere der Gipfel einen “Multilateralismus des Bewegtbilds”. Kernstücke seien die von 120 Akteuren unterzeichnete “Lumière Declaration” zum Schutz von Kreativen und Urheberrechten sowie eine gemeinsame Förderpartnerschaft zwischen Frankreich und Südkorea.

Mob gegen Presse, Macht der Beeinflussung, Nackte Tatsache

1. Mob gegen Presse
(taz.de, André Zuschlag)
Nach Recherchen über zwei extrem rechte AfD-Kandidierende für die Oldenburger Kommunalwahl sei das freie “taz”-Duo Aljoscha Hoepfner und Mieke Wolke massiven Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Neben gezieltem Online-Doxxing, Beleidigungen und Diffamierungskampagnen durch rechte Influencer habe eine der Porträtierten vor Veröffentlichung des Artikels mutmaßlich Hoepfners Wohnadresse ausgespäht. “Wir gehen davon aus, dass der Zweck dieses Einschüchterungsversuchs war, die Veröffentlichung des Artikels zu verhindern”, so Hoepfner.

2. AfD-Rundfunkpläne in Sachsen-Anhalt: RSF prüft rechtliche Schritte
(reporter-ohne-grenzen.de)
Im Vorfeld der Wahlen in Sachsen-Anhalt kündigt die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) Gegenwehr an, sollte die AfD ihre Pläne zum Rundfunkabbau umsetzen: “Wir nehmen die Ankündigungen der AfD ernst und bereiten uns deshalb schon jetzt auf mögliche staatliche Eingriffe in die Rundfunkordnung vor”, so RSF-Geschäftsführer Christian Mihr: “Sollte eine künftige Landesregierung die Rundfunkstaatsverträge kündigen und sich abzeichnen, dass die dann entstehende Rundfunkordnung keine umfassende und freie Meinungsbildung mehr erlaubt, werden wir entsprechende rechtliche Schritte einleiten.”

3. Mit ihrem Verbot helfen Meta und Google der AfD
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Als Reaktion auf strengere EU-Transparenzvorgaben hätten Digitalkonzerne wie Meta und Google bezahlte politische Anzeigen in Europa verboten. Vor den anstehenden Landtagswahlen in drei Bundesländern habe dies zwar positive Effekte, zwinge Parteien im Internet jedoch vollends in die organische Plattformlogik. Da Algorithmen vor allem emotionale Zuspitzung, Wut und Polarisierung belohnen, profitiere hiervon überproportional die AfD, schreibt Ingo Dachwitz bei netzpolitik.org.

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4. “Das ist keine Welt, in der wir leben wollen”
(journalist.de, Catalina Schröder)
Die Klimaforscherin Friederike Otto erklärt im Gespräch mit dem “journalist”, wie die Zuordnungsforschung den direkten Einfluss der menschengemachten Erderwärmung auf Extremwetterereignisse wie Starkregen und tödliche Hitzewellen nachweist. Von Medien fordert Otto eine konsequentere Berichterstattung: Journalistinnen und Journalisten sollten Extremwetter verlässlich in den Klimakontext einordnen, Desinformation und deren finanzielle Hintermänner klar benennen sowie sozial gerechte, lebenswerte Lösungen in den Mittelpunkt stellen.

5. Propaganda: Die Macht der Beeinflussung
(verdi.de, Till Schmidt)
Im Gespräch mit dem Verdi-Magazin “M – Menschen machen Medien” analysiert die Historikerin Alexandra Bleyer die Mechanismen moderner Propaganda. Einst wertneutral als werbende Überzeugungskommunikation verstanden, diene der Begriff heute vor allem als polarisierender Kampfbegriff. Propagandistische Strategien würden auf emotionale Schwarz-Weiß-Bilder, selektive Auslassungen und psychologische Schwachstellen setzen. Um Manipulationen wirksam zu begegnen, seien sowohl ein reflektiertes Medienpublikum als auch ein professioneller Journalismus unverzichtbar.

6. News-Charts: Nackte Tatsachen sorgen für Reichweiten-Furore
(dwdl.de, Simon Pycha)
In den aktuellen “Publisher Charts” von “DWDL” für TikTok hätten die Redaktionen von “Tagesspiegel” und “rbb24” im August außergewöhnliche Reichweitenerfolge durch ihre Berichterstattung über den Berliner “World Naked Bike Ride” erzielt. Während Medienhäuser freizügige Inhalte wegen strenger Plattformrichtlinien meist vorsorglich zensieren oder meiden würden, habe der “Tagesspiegel” Verpixelungen durch gezielte Kameraperspektiven geschickt umgehen können und mit rund 117,8 Millionen Aufrufen einen Allzeitrekord der “DWDL”-Auswertung für journalistische Accounts erreicht.

Der MDR und die AfD, Digitale Drogendealer, Quellen-Blackbox KI

1. Im Sturm: Der MDR, die AfD und die Macht der gefühlten Fakten
(dwdl.de, Peer Schader)
Der MDR warne sein Publikum vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit kurzen TV-Bildausfällen davor, dass die AfD den öffentlich-rechtlichen Sender bei einem Wahlsieg abschaffen wolle. Kolumnist Peer Schader schreibt bei “DWDL”, dass Fakten und Aufklärung bei der Partei kaum Wirkung hätten, da sie Sachargumente ignoriere und mit gefühlten Wahrheiten Stimmung mache. Die AfD nutze jeden Streit und jedes Chaos, um sich weiter als Opfer des Systems darzustellen: “Es ist eine Herausforderung – nicht nur für Journalist:innen und für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als solchen, sondern vielleicht für die ganze Gesellschaft: Wie soll man damit umgehen, dass ein Gegenüber jegliche Debatte verunmöglicht, indem es faktisch belegbare Probleme nicht als solche anerkennt – und stattdessen andere behauptet, die faktisch nicht oder kaum zu belegen sind?”

2. Was Zuckerberg wirklich gekauft hat
(digitalpolitik.de, Markus Beckedahl)
Markus Beckedahl kommentiert den Vergleich in Milliardenhöhe, mit dem der Social-Media-Konzern Meta einen der größten Jugendschutzprozesse gegen einen Tech-Konzern abgewendet hat: “Mark Zuckerberg hat in den USA seinen eigenen Standard mitverhandelt und ihn quasi aus der Portokasse bezahlt. Europa sollte ihn nicht kopieren. Der DSA erlaubt, dort anzusetzen, wo der Vergleich aufhört, bei der Architektur selbst. Die Werkzeuge liegen bereit. Jetzt muss Europa es auch benutzen.”
Mit erfrischender Klarheit kommentiert auch die “Wirtschaftswoche”: “Der Facebook-Konzern räumt mit dem Vergleich inoffiziell ein, dass er soziales Gift produziert und digitale Suchtmittel vertickt hat – und entgeht damit seiner Verurteilung als Drogendealer. Es ist ein historischer Sieg. Für Meta und die US-Digitalkonzerne. Sie reinigen ihre Rauschgifte künftig vom gröbsten Dreck und legalisieren sie, nachträglich und vorsorglich, frei nach Paracelsus: alles eine Frage der Dosis.” (wirtschaftswoche.de, Dieter Schnaas)

3. Guten Abend, hier ist die KI-Schau
(taz.de, Selina Hellfritsch)
Eine Studie (PDF) des Thinktanks “Agora Digitale Transformation” warne davor, dass KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Claude zu neuen, intransparenten Gatekeepern der öffentlichen Meinungsbildung würden. Die Forscherin Vivien Benert kritisiere, dass die Quellenauswahl oft eine unkontrollierbare “Blackbox” bleibe. Zudem würden KI-Übersichten in Suchmaschinen die ökonomische Basis von Verlagen bedrohen, da seltener auf Originalquellen geklickt werde.

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4. KI-Test: Ein Chatbot fälscht Nachrichten ohne Zögern
(correctiv.org, Hanna Fröhlich & Sven Niederhäuser)
Ein Test von “Correctiv.Schweiz” zeige, dass sich mit ChatGPT in Sekundenschnelle täuschend echte Social-Media-Grafiken und Falschmeldungen im Design etablierter Schweizer und internationaler Medien (wie SRF, “NZZ” oder “New York Times”) erstellen lassen. Während andere Modelle wie Google Gemini oder Meta AI Falschinformationen oder geschützte Markenlogos weitgehend blockieren würden, generiere ChatGPT selbst gravierende “Fake News” zu Themen wie Wahlbetrug, Klimawandel oder Impfschäden. Expertinnen und Experten wie Angela Müller von “AlgorithmWatch CH” und Florian Tramér von der ETH Zürich sähen darin eine massive Gefahr für die demokratische Meinungsbildung.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 260
(netzwerkrecherche.or, Lena Wrba & Christina Brause)
Im aktuellen Newsletter des Netzwerk Recherche (NR) blickt Christina Brause auf das sechsjährige Bestehen der NR-Fachgruppe Datenjournalismus zurück und kündigt neue Austauschformate wie die Wiederbelebung des “Datendienstags” sowie praxisorientierte Abende zu KI und OSINT an. Außerdem gibt es wie immer einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

6. Rechtsstreit um Trumps Visa-Pläne für Journalisten und Studierende
(medien.epd.de)
In den USA würden mehrere Bildungsverbände und Journalistengewerkschaften gegen die Pläne des US-Heimatschutzministeriums, die Gültigkeitsdauer von Visa für ausländische Medienschaffende drastisch von bis zu fünf Jahren auf nur noch 240 Tage zu verkürzen, klagen. Die Kläger würden gravierende Verfahrensfehler nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz rügen und sähen in der Neuregelung einen verfassungswidrigen Angriff auf die Presse- und Redefreiheit.

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