Suchergebnisse für ‘Klima’

Kein Spielraum für Verbot, Abschied vom Papier, Personeller Aderlass

1. Kein Spielraum für deutsches Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck berichtet über ein neues Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags, laut dem ein nationales Social-Media-Verbot für Minderjährige in Deutschland rechtlich kaum umsetzbar sei. Demnach stünden einem solchen Vorhaben vor allem das EU-Recht sowie das im Grundgesetz verankerte Erziehungsrecht der Eltern massiv entgegen. Obwohl es für ein derartiges Verbot parteiübergreifende Unterstützung bis hin zum Bundeskanzler gebe, würden Kritiker vor populistischen Scheinlösungen warnen.

2. Chris­tian Ulmen greift Deep-Fake-Ver­dacht gericht­lich an
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Einem aktuellen Bericht von “Legal Tribune Online” zufolge habe Christian Ulmen vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen den “Spiegel” beantragt. Ulmen wehre sich gegen den durch einen Artikel seiner Meinung nach erweckten Verdacht, er habe Deepfake-Videos seiner Ex-Frau Collien Fernandes produziert oder verbreitet. Bemerkenswert sei an diesem Vorgehen, dass Ulmen die massiven Kernvorwürfe des “Spiegel”-Berichts juristisch nicht angreife.

3. Chefreporterin kehrt Verleger Friedrich den Rücken
(taz.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner berichtet über einen personellen Aderlass bei der “Berliner Zeitung”: Nach drei Jahrzehnten verlasse die prägende Chefreporterin Anja Reich-Osang das Blatt, begleitet von ihrer Kollegin Wiebke Hollersen. Hintergrund des Abschieds sei die Entwicklung der Zeitung unter dem Verleger-Ehepaar Friedrich. Diese sei laut Meisner durch Kreml-Propaganda, eine politische Öffnung nach rechts außen sowie ein drastisch verschlechtertes Betriebsklima gekennzeichnet.

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4. US-Gericht stuft Mittelkürzung bei NPR und PBS als rechtswidrig ein
(zeit.de)
Ein US-Bundesrichter habe die von Präsident Donald Trump angeordnete Streichung staatlicher Mittel für die öffentlichen Sender NPR und PBS für rechtswidrig erklärt. Der Entzug der Fördergelder stelle eine verfassungswidrige Vergeltungsmaßnahme für unliebsame Berichterstattung dar und verletze das Recht auf freie Meinungsäußerung. Reale finanzielle Folgen habe der juristische Sieg für die Sender jedoch kaum noch.

5. Tschüss Papier, hallo Pixel
(verdi.de, Peter Nowak)
Die linke Tageszeitung “nd” habe ihre werktägliche Printausgabe zum 1. April eingestellt und erscheine unter der Woche nur noch digital. Lediglich die Wochenausgabe bleibe als Printmedium erhalten. Laut Vorstand seien drastisch gestiegene Druck- und Zustellkosten sowie ein akuter Personalmangel der Grund für diesen Schritt, mit dem das Blatt dem Vorbild der “taz” folge. Man hoffe, durch die konsequente Digitalisierung künftig vermehrt ein jüngeres Publikum zu erreichen.

6. Netzwerk Recherche feiert 25. Geburtstag
(netzwerkrecherche.org, Franziska Senkel)
Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens blickt der Journalistenverein Netzwerk Recherche auf ein Vierteljahrhundert Einsatz für investigativen Qualitätsjournalismus und branchenweite Kooperationen zurück. Neben der Ausrichtung der stark besuchten Jahreskonferenz habe die Organisation die deutsche Medienlandschaft durch die Vergabe von über 120 Recherche-Stipendien, die Etablierung bekannter Branchenpreise wie dem “Leuchtturm” oder der “Verschlossenen Auster” sowie durch praxisnahe Leitlinien maßgeblich geprägt.

Erfolgreiche Einstellung, Mitarbeiter des Monats, ORF-“Liebesg’schichten”

1. Einstellung der Print-Ausgabe: “taz” verliert nur wenig Abos
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Fünf Monate nach der Einstellung ihrer werktäglichen Printausgabe ziehe die überregionale Tageszeitung “taz” eine überraschend positive Bilanz. Entgegen internen Erwartungen hätten fast 90 Prozent der bisherigen Abonnentinnen und Abonnenten den Wechsel zur reinen Digitalausgabe mitgemacht. Wie der Verlag berichte, nutze ein Großteil der Leserschaft nun ein Kombi-Abo aus digitaler Werktagsausgabe und der weiterhin gedruckten Wochenendausgabe “wochentaz”.

2. Weimer beschert “Buchladen Rote Straße” den umsatzstärksten März
(hna.de, Heidi Niemann)
Der Göttinger Buchladen Rote Straße verzeichne nach seinem umstrittenen Ausschluss vom Deutschen Buchhandlungspreis durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eine beispiellose Solidarisierungswelle. Aus ironischer Dankbarkeit für den umsatzstärksten März seit der Gründung im Jahr 1972 habe das linke Kollektiv Weimer kurzerhand per Plakat zum “Mitarbeiter des Monats” gekürt.

3. Liebesg’schichten und ORF-Sachen
(profil.at, Anna Thalhammer)
Nach dem Rücktritt des ORF-Chefs Roland Weißmann wolle die ORF-Interims-Generaldirektorin Ingrid Thurnher Licht ins Dunkel der “Liebesg’schichten” beim österreichischen Sender bringen. Dazu habe sie ein Formular ins Intranet gestellt. Laut Anna Thalhammer, Chefredakteurin und Herausgeberin von “Profil”, sei Thurnher die ideale Person für diese Aufgabe: “Sie stand kurz vor der Pension, hat nichts zu verlieren, genießt einen tadellosen, parteifreien Ruf. Sie kann schonungslos aufklären und aufräumen. Ingrid, I feel you. Wir Frauen müssen eben ran, wenn die mächtigen Kerle es verbockt haben.”

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4. Jugend­mi­nis­terin Prien for­dert sch­nelle EU-Regu­lie­rung
(lto.de)
Bildungs- und Jugendministerin Karin Prien fordere eine rasche europäische Regulierung, um den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu Sozialen Netzwerken altersgerecht zu beschränken. Sollte die EU hierbei nicht schnell genug handeln, behalte sie sich einen nationalen Alleingang Deutschlands vor. Eine technische Umsetzung der Zugangskontrollen stelle laut Prien heutzutage keine große Hürde mehr dar, da beispielsweise Künstliche Intelligenz das Alter der Nutzerinnen und Nutzer anhand typischer Verhaltensweisen unkompliziert einschätzen könne, ohne die grundsätzliche Anonymität im Internet aufzugeben.
Siehe dazu auch die Berichterstattung von netzpolitik.org: So schwach argumentiert die Familienministerin (netzpolitik.org, Sebastian Meineck).

5. ROG: Mit Minecraft für Pressefreiheit
(verdi.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) warne vor einem zunehmend feindseligen Klima gegen unabhängige Medien in den USA. Die Regierung unter Donald Trump erschwere dort gezielt den Zugang zu Informationen, schließe Medien selektiv aus und begünstige so eine gefährliche Selbstzensur. Um diesen Repressionen kreativ entgegenzuwirken, habe ROG in dem Computerspiel Minecraft nun einen speziellen “USA-Raum” innerhalb ihrer “Uncensored Library” eröffnet. Dort würden unter anderem gelöschte Regierungswebseiten, die Praktiken der Medienaufsichtsbehörde sowie andere unterdrückte Beiträge gezeigt.

6. Es werden weitere Fehler passieren
(taz.de, Steffen Grimberg)
Der Vorfall um die unbemerkten KI-Bilder im “heute journal” werde derzeit von der internen Revision geprüft. Wie ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten vor dem Fernsehrat betont habe, benötige der öffentlich-rechtliche Sender dringend eine offenere Fehlerkultur sowie deutlich schärfere Abnahmeregeln und Frühwarnsysteme. Künftig müsse bei jedem gesendeten Frame die genaue Herkunft zweifelsfrei geklärt sein. Diese Vorgabe würde in den Redaktionen angesichts enormen Zeitdrucks und rasanter KI-Entwicklungen jedoch auch praktische Sorgen auslösen.

KW 11/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Klima, Kriege, Demokratie: Die thematische Lücke der Grimme-Preise
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 25:40 Minuten)
In der aktuellen Folge des Podcasts “Läuft” diskutiert Moderator Alexander Matzkeit mit der Grimme-Preis-Leiterin Lucia Eskes und der Grimme-Preis-Jurorin Anna-Barbara Kurek über die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger sowie über eine auffällige inhaltliche Leerstelle: Eskes und Kurek kritisieren, dass in den ausgezeichneten Fernsehproduktionen drängende politische Themen wie der Ukraine-Krieg, der Nahostkonflikt oder die Klimakrise nahezu komplett fehlen würden. Die Expertinnen vermuten, dass Sender und Produktionsfirmen aus Angst vor zunehmenden Anfeindungen und toxischen Kommentaren im Netz kontroverse Themen meiden.

2. Woran krankt die Debatte über das Social-Media-Verbot?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 22:19 Minuten)
In der neuen Folge des “Übermedien”-Podcasts “Holger ruft an” beschreibt der Tech-Journalist Sebastian Meineck die aktuelle Debatte um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche als plump und wenig fachlich fundiert. Die Berichterstattung über das Thema trage daran eine Mitschuld. Sie verenge das komplexe Thema oft auf eine simple Ja-Nein-Frage und suggeriere fälschlicherweise zwei starre Lager. Zudem blende die öffentliche Diskussion häufig aus, dass für die Durchsetzung eines solchen Verbots weitreichende Alterskontrollen nötig wären.

3. Welche Wirklichkeit soll das sein?
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 40:31 Minuten)
In der Diskussionsrunde des Deutschlandfunk-Podcasts “Nach Redaktionsschluss” bemängelt die Hörerin Corinna Dorn, dass TV-Sender beim Reality-TV gezielt extreme Streitsituationen und psychische Gewalt fördern würden, ohne diese für das Publikum kritisch einzuordnen. Laut der Journalistin Anja Rützel liege dies vor allem an einer bedenklichen Professionalisierung des Genres: Teilnehmerinnen und Teilnehmer solcher Sendungen würden absichtlich toxisch agieren, um sich als Berufs-Trash-Stars lukrative Folgeaufträge zu sichern. Als Ausweg aus der ständigen Eskalationsspirale fordert die Runde eine Neuausrichtung der Formate. Diese müsse deutlich mehr Transparenz bei den Produktionsbedingungen und konsequente Casting-Sperren für extremes Fehlverhalten beinhalten.

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4. “Meine Stimme gehört mir”
(thisismedianow.podigee.io, Lucas Schöne, Audio: 52:00 Minuten)
Anna-Sophia Lumpe, Vorsitzende des Verbands Deutscher Sprecher:innen, kritisiert das Vorgehen des Streaminganbieters Netflix. Der Konzern verlange von deutschen Synchronsprecherinnen und -sprechern, über neue Standardverträge weitreichende Rechte an ihren Sprachaufnahmen für KI-Trainingszwecke abzutreten. Eine zusätzliche Vergütung sei dafür nicht vorgesehen. Dieser Schritt bedrohe weit mehr als nur Arbeitsplätze, er greife den Kern der menschlichen Kunst an, so Lumpe.

5. Was GOOGLE mit AI in Berlin will
(youtube.com, Jörg Wagner, Video: 1:44:39 Minuten)
In der neuesten Folge des “Medienhölle”-Podcasts besprechen die Hosts Jörg Wagner und Philipp Nitzsche zunächst die anstehende Umstrukturierung der öffentlich-rechtlichen Sender. Ab 2027 sollen die Spartenkanäle ARD Alpha und tagesschau24 komplett eingestellt und deren Inhalte teilweise in das Programm von Phoenix integriert werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Episode ist ein exklusiver Einblick in das Archiv des Deutschlandfunk Kultur anlässlich des landesweiten Tags der Archive. Außerdem geht es um die dänische Polit-Serie “Borgen” als Lehrstück über die oft toxische Verflechtung von Politik und Medienlandschaft.

6. Dumm, dümmer, Dubai – Influencer & warum gerade alle dasselbe posten
(youtube.com, Sashka, Video: 19:53 Minuten)
YouTuberin “Sashka” kritisiert das Verhalten vieler deutscher “Dubai-Influencer”. Diese würden die Gefahr trotz jüngster Raketenangriffe auf die Region massiv herunterspielen; stattdessen würfen sie westlichen Medien “Fake News” vor. Die demonstrative Gelassenheit und die ständigen Lobeshymnen auf das Emirat seien allerdings reiner Selbstschutz: Die ausgewanderten Content-Creator würden nämlich eine staatliche Influencer-Lizenz benötigen, die sie streng zu einer ausschließlich positiven Darstellung der Steueroase verpflichte.

Block ver­liert gegen “Spiegel TV”, Protest gegen Hausverbot, KI-Songs

1. Chris­tina Block ver­liert gegen Spiegel-TV
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Das Landgericht Hamburg habe einen Unterlassungsantrag der Unternehmerin Christina Block abgewiesen, mit dem sie “Spiegel TV” die Veröffentlichung von Ermittlungsdetails zu ihrem laufenden Entführungsprozess verbieten wolle. Die zuständige Pressekammer habe geurteilt, dass es sich um zulässige Verdachtsberichterstattung handele. An dem Fall bestehe ein “überragendes Informationsinteresse”.

2. Protest gegen Hausverbot
(djv.de)
Der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft. Diese habe den ARD-Sportjournalisten Hajo Seppelt und Jörg Mebus die Akkreditierung verweigert und ein Hausverbot für eine aktuelle Pressekonferenz erteilt. Hintergrund des Ausschlusses sei eine kritische Berichterstattung der beiden Reporter über ein angebliches Klima der Angst und systematische Einschüchterungen von Athletinnen und Athleten innerhalb des Sportverbandes.

3. KI-Songs für die AfD und Russland
(belltower.news, Felix Michaelis)
Auf Streaming-Plattformen wie Spotify seien derzeit massenhaft KI-generierte Lieder im Umlauf, die rechtsextreme, AfD-nahe und russlandfreundliche Botschaften verbreiten würden. Spotify betone, streng gegen Hassrede vorzugehen und bereits Millionen von KI-Titeln gelöscht zu haben. Trotzdem seien verschiedene Propaganda-Profile mit teils hunderttausenden Streams weiterhin ungehindert abrufbar.

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4. Vermummte Polizisten suchen Fotojournalisten heim
(taz.de, Aljoscha Hoepfner)
Die Polizei habe die Wohnung des freien Fotojournalisten Leon Enrique Montero durchsucht und seine gesamten Speichermedien sowie Arbeitsgeräte beschlagnahmt. Der Vorwurf: Er sei bei einer Demonstration an einem Angriff auf zwei Personen aus dem “rechten politischen Spektrum” beteiligt gewesen. Montero weise dies jedoch zurück. “taz”-Chefredakteurin Ulrike Winkelmann kritisiere den Vorgang als massiven Eingriff in die Pressefreiheit und fordere die sofortige Rückgabe der Ausrüstung.

5. Unterkomplexe Verbotsdebatte?
(deutschlandfunk.de, Mike Herbstreuth, Audio: 30:58 Minuten)
Im Deutschlandfunk kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Debatte um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Im ersten Teil kommen EU-Politikerin Alexandra Geese (Die Grünen) und Kinderrechtler Torsten Krause (Stiftung Digitale Chancen) zu Wort, im zweiten Teil der 17-jährige Schüler Erik Sczygiol, stellvertretender Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz.

6. Netflix steigt aus: Der Weg ist frei für Paramount
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie “DWDL” berichtet, ist die Bieterschlacht um den US-amerikanischen Medienkonzern Warner Bros. Discovery entschieden. Vier Tage habe Netflix Zeit gehabt, das Angebot von Mitbewerber Paramount zu überbieten, doch der Streamingdienst sei ausgestiegen: “Zu dem Preis, der erforderlich wäre, um mit dem jüngsten Angebot von Paramount Skydance gleichzuziehen, ist der Deal finanziell nicht mehr attraktiv, sodass wir davon absehen.” Uwe Mantel kommentiert: “Damit kommt auch CNN wie zuvor schon CBS unter die Kontrolle der Ellison-Familie, die als Trump-nah gilt.”

Medien im Trump-Fieber?, Palantir vs. “Republik”, Ofarim-Plattform RTL

1. Medien im Trump-Fieber?
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 49:51 Minuten)
“Jeden Morgen neue Nachrichten aus den USA. Das nervt viele Hörerinnen und Hörer. Und sie finden: Oft sind Berichte zu oberflächlich, geben Lügen des US-Präsidenten zu unkritisch weiter. Sind die Medien im Trump-Fieber?” Über diese Frage diskutieren beim Deutschlandfunk Rieke Havertz von der “Zeit”, ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen und Medienjournalist Klaus Raab.

2. Überwachungskonzern Palantir verklagt die “Republik”
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter schreibt, dass der US-Überwachungskonzern Palantir gerichtlich gegen das Schweizer Magazin “Republik” vorgehe. Das Unternehmen wolle eine Gegendarstellung zu einer Recherche erzwingen, die Sicherheitsrisiken und die Ablehnung der Software durch die Schweizer Armee thematisiert habe. “Republik” habe aufgedeckt, dass das Schweizer Militär eine Zusammenarbeit wegen der Gefahr eines nicht verhinderbaren Datenabflusses an US-Geheimdienste ausgeschlossen habe.

3. Muss man für ein Volontariat beim ZDF bereits Influencer sein?
(dwdl.de, Simon Pycha)
Wie Simon Pycha berichtet, habe das ZDF mit der Abfrage von Follower-Zahlen im Bewerbungsverfahren für Volontariate eine hitzige Debatte ausgelöst. Kritiker würden befürchten, dass journalistische Kompetenz zunehmend durch bloße Selbstdarstellung und Reichweite ersetzt werden. Von Seiten des öffentlich-rechtlichen Senders heiße es zur Verteidigung, die Follower-Angabe sei kein Ausschlusskriterium, sondern solle als alternativer Kompetenznachweis für Bewerberinnen und Bewerber dienen.

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4. Lesen und lesen lassen
(taz.de, Tilman Baumgärtel)
Tilman Baumgärtel beklagt in seinem Essay, dass elaborierte Kulturtexte in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie kaum noch Resonanz fänden, da die Reichweite von Printmedien schwinde, und Social-Media-Algorithmen differenzierte Inhalte systematisch benachteiligen würden. Debatten entstünden heute zunehmend durch virale Posts in Sozialen Netzwerken statt durch das klassische Feuilleton. Dies führe dazu, dass Autorinnen und Autoren ihre komplexen Texte nun in verkürzten Videoformaten anteasern müssen, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden.

5. News-Podcasts: Kompass für den Krisenmodus
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Laut einer aktuellen Audio-Studie von Seven.One seien News-Podcasts im Jahr 2025 zum meistgehörten Genre im deutschsprachigen Raum avanciert und hätten mit knapp 40 Millionen Downloads sogar Comedy und True Crime überholt. Dieser Zuwachs werde maßgeblich durch das permanente gesellschaftliche Krisenklima getrieben. Internationale Studien würden diesen Trend bestätigen.

6. Wieso hat RTL Gil Ofarim so leicht davonkommen lassen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 21:46 Minuten)
TV-Kritikerin Anja Rützel äußert im “Übermedien”-Podcast ihr Entsetzen darüber, dass Gil Ofarim jüngst das RTL-Dschungelcamp gewonnen habe, obwohl er zuvor durch falsche Antisemitismus-Vorwürfe gegen einen Hotelmitarbeiter in einen Skandal verwickelt gewesen sei. Rützel wirft dem Sender vor, Ofarim eine Plattform für Unwahrheiten geboten zu haben, ohne diese in der Sendung selbst einzuordnen.

7. Wenn im Journalismus Sprache versagt
(oe1.orf.at, Rosanna Atzara & Stefan Kappacher, Audio: 30 Minuten)
Zusätzlicher Link, da mit eigener Beteiligung: Beim österreichischen Medienmagazin “Doublecheck” (Ö1) geht es um die unreflektierte Übernahme von Euphemismen und Verschleierungen durch Medien. Insbesondere bei der Berichterstattung über Femizide würden Fachleute wie Corinna Milborn neben dem “6-vor-9”-Kurator eine voyeuristische Täterperspektive bemängeln: “Stellen Sie sich vor, jeden Tag würde ein Banker von einem Kunden erschossen, weil der sein Geld verloren hat. Würden wir das ‘Finanzstreit’ nennen? Oder ‘Bankentragödie’?”

KW 05/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Zerstört das Internet die Demokratie, Ralph Hertwig?
(youtube.com, Jochen Wegener, Video: 1:22:40 Stunden)
Im Podcast “Nur eine Frage” diskutiert “Zeit”-Chefredakteur Jochen Wegner mit dem Psychologen Ralph Hertwig, ob das Internet und Soziale Medien die Demokratie zerstören. Hertwig stellt fest, dass digitale Medien zwar Wissen und Teilhabe fördern, ihre auf Aufmerksamkeit programmierten Algorithmen jedoch gleichzeitig Polarisierung und Vertrauensverlust begünstigen würden. Dennoch bleibt er optimistisch, dass sich diese negativen Effekte durch digitale Bildung und eine kluge Regulierung der Plattformen eindämmen lassen.

2. Ist die Kulturkritik zu lieb geworden?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 24:06 Minuten)
Holger Klein unterhält sich mit dem Literaturwissenschaftler und Kulturjournalisten Johannes Franzen über Kulturkritik: “Warum ist negative Kritik überhaupt wichtig? Gibt es in Zeiten von Social Media überhaupt noch die großen Kritiker wie Marcel Reich-Ranicki? Wieso sind das größte Problem nicht die Algorithmen, sondern die riesigen Marketingbudgets? Und was hat Goethe über Kritiker geschrieben?”

3. “Wie Medien über Krisen kommunizieren”
(youtube.com, Lisa-Maria Röhling, Video: 1:20:12 Stunden)
Wie berichten Medien über Kriege und die Klimakrise, ohne dass das Publikum abstumpft oder resigniert? Dieser Frage widmen sich die Deutschlandfunk-Journalistin Ann-Kathrin Büüsker und die Kommunikationswissenschaftlerin Stephanie Geise bei den ZeMKI-Mediengesprächen in Bremen. Sie diskutieren über die Verantwortung des Journalismus und den schmalen Grat zwischen notwendiger Aufklärung und kontraproduktivem Alarmismus.

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4. Kommt das Ende von Social Media?
(ardaudiothek.de, Linus Lüring, Audio: 31:28 Minuten)
Bei “BR24 Medien” diskutiert Moderator Linus Lüring gemeinsam mit der Medienwissenschaftlerin Alexandra Borchardt sowie mit Christian Simon vom Media Lab Bayern über die Frage, ob Soziale Medien ihren Zenit überschritten haben. Sie analysieren, warum private Interaktionen zunehmend durch passives Durchscrollen, KI-Inhalte und sogenanntes “Binge-Media” verdrängt wurden. Außerdem sprechen sie darüber, ob dezentrale Alternativen wie das Fediverse eine Antwort auf die wachsende Unzufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer sein könnten.

5. Sollten Medien auf dezentralen Netzwerken unterwegs sein?
(deutschlandfunk.de, Pia Behme, Audio: 39:37 Minuten)
Im Deutschlandfunk kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob Medien auf dezentralen Netzwerken wie Mastodon unterwegs sein sollten. Deutschlandfunk-Hörer Nils Schaumburg diskutiert darüber mit Martin Holland (Heise Verlag) und Marco Wähner (CAIS).

6. Was KI im Journalismus wirklich verändert – und was nicht
(youtube.com, Paul Elvers, Video: 52:19 Minuten)
Paul Elvers, “Head of AI” bei der Funke Mediengruppe, spricht mit dem Datenjournalisten Claus Hesseling über dessen Aufgabe als “KI-Lotse” beim NDR, wo er Redaktionen hilft, relevante KI-Tools zu identifizieren und sinnvoll in Arbeitsprozesse zu integrieren. Hesseling erklärt, dass Künstliche Intelligenz nicht nur zur Effizienzsteigerung diene, sondern Journalistinnen und Journalisten als kreativer “Sparringspartner” unterstütze, bessere Geschichten zu entwickeln. Abschließend diskutieren beide über die Notwendigkeit, journalistische Inhalte vor der unvergüteten Nutzung durch große KI-Konzerne zu schützen.

Schicksalsjahr 2026?, Meta ignoriert Vorgaben, Schlechter Jahrgang

1. Warum 2026 zum Schicksalsjahr werden könnte
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 38:14 Minuten)
Die KI- und Technikjournalisten Marie Kilg und Moritz Metz sowie Medienwissenschaftler Stephan Weichert diskutieren darüber, ob das Jahr 2026 durch den rasanten Einzug generativer KI zu einem Schicksalsjahr für den Journalismus werden könnte. Während Kilg dafür plädiert, die Technologie aktiv und transparent zu nutzen, um nicht den Anschluss zu verlieren, warnt Metz vor einer gefährlichen Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen und einer schwindender Medienkompetenz bei der Jugend. Weichert mahnt ethische Mindeststandards an, da durch den KI-Einsatz eine “Verantwortungsdiffusion” drohe.

2. Meta ignoriert Transparenzvorgaben
(verdi.de, Volker Nünning)
Das Schleswig-Holsteinische Oberverwaltungsgericht habe im Eilverfahren entschieden, dass der Social-Media-Konzern Meta die Transparenzvorgaben des deutschen Medienstaatsvertrags bei Facebook vorläufig umsetzen müsse. Das Gericht gewichte das öffentliche Interesse an der Offenlegung der Algorithmen höher als die wirtschaftlichen Interessen des US-Unternehmens. Da Meta die Vorgaben laut der zuständigen Medienanstalt bislang ignoriere, drohe die Behörde nun mit weiteren Maßnahmen.

3. Eckart von Hirschhausen über Gesundheit, Klima, Fake News und Kirche
(evangelische-zeitung.de, Gottfried Bohl)
Der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen erklärt im Interview mit der “Evangelischen Zeitung”, dass Klimaschutz, Gesundheit und der Kampf gegen Desinformation eng zusammenhängen würden. Er fordert die Kirchen auf, ihren großen Einfluss und Besitz zu nutzen und als analoge Begegnungsorte gegen die Spaltung durch Soziale Medien zu wirken. Zudem warnt er vor den Gefahren durch KI-generierte Fälschungen, sogenannte Deepfakes. Diese würden nicht nur einzelne Personen, wie ihn selbst, für Betrug missbrauchen, sie untergrüben auch das Vertrauen in Medien und Demokratie.

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4. Nach Monaten der Blockade: MDR durchschlägt den gordischen Knoten
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Nach dem Scheitern des ersten Versuchs sei Boris Lochthofen nun erfolgreich zum neuen Chef der künftig zusammengelegten MDR-Programmdirektionen in Halle und Leipzig gewählt worden. Seine Aufgabe bestehe darin, bis zum Jahr 2028 Doppelstrukturen abzubauen und die getrennten Bereiche zu einer Einheit zu formen. Die Klärung der Führungsfrage komme gerade noch rechtzeitig. Der MDR stehe angesichts der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und der politischen Drohungen durch die AfD vor einem entscheidenden Jahr.
Weiterer Lesetipp: Bericht von der 232. Sitzung des MDR-Rundfunkrat (flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy).

5. EU-Kom­mis­sion leitet wei­tere Unter­su­chung gegen X ein
(lto.de)
Die EU-Kommission habe eine Untersuchung gegen Elon Musks Plattform X eingeleitet, weil deren KI-Programm “Grok” auf Befehl von Nutzern künstliche Nacktbilder echter Personen erstellt habe. Die Behörde prüfe nun, ob das Unternehmen gegen europäische Gesetze verstoßen habe, indem es die Risiken für Frauen und Kinder vorab nicht ausreichend bewertet und verhindert habe. X habe die Bild-Funktion inzwischen zwar eingeschränkt, dem Konzern würden bei einem bestätigten Verstoß aber dennoch empfindliche Geldstrafen drohen.

6. Oscars 2026: Die besten Filme – Ein schlechter Jahrgang!
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt, Video: 27:54 Minuten)
Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt hat sich den Oscar-Jahrgang 2026 angeschaut. Einigermaßen enttäuscht fragt er sich: “Warum hat ‘Sinners’ 16 Nominierungen erhalten? Weshalb steht ‘Frankenstein’ überhaupt auf der Liste? Sollte man wirklich bei ‘Hamnet’ viele Tränen verdrücken?”
Weiterer Hörtipp: Bei “Medien – Cross und Quer” sprechen Michael Meyer und Christoph Borgans mit dem Kulturjournalisten und SR-Redakteur Oliver Hottong über den Filmfestival Max-Ophüls-Preis und den deutschen Filmnachwuchs: “Welche Themen treibt die neue Generation von Filmemachern um? Wie erzählen sie? Und: Was braucht der deutsche Film, um in Schwung zu kommen?” (ardaudiothek.de, Audio: 19:05 Minuten)

Nackter Kaiser, Von Menschen gemacht, Gefälschte Schneemassen

1. Kaiser Trump ist nackt
(derstandard.at, Olivera Stajić)
Olivera Stajić warnt in ihrer Kolumne davor, dass normale journalistische Arbeit bei Donald Trump gefährlich sei, weil das nachträgliche Ordnen seiner wirren Reden den US-Präsidenten vernünftiger wirken lasse, als er eigentlich sei. Trump verbreite am laufenden Band Lügen und beschimpfe Gegner, weshalb man sein Verhalten nicht wie normalen politischen Alltag behandeln dürfe. Stattdessen sollten Medien wie im Märchen “Des Kaisers neue Kleider” ganz offen aussprechen, dass der Präsident nicht normal handele, sondern gefährlich und unberechenbar sei.

2. “Wir verkaufen keine Informationen – wir sind Gastgeber von Gemeinschaften”
(journalist.de, Catalina Schröder)
Im Interview mit dem “journalist” betont “Zeit”-Chefredakteur Jochen Wegner, dass in einer von Künstlicher Intelligenz geprägten Welt vor allem der “spürbar von Menschen gemachte” Journalismus sowie persönliche Formate wie Podcasts entscheidend seien, um das Vertrauen des Publikums zu sichern. Zwar setze auch Wegners Redaktion Technologie bereits intensiv zur Effizienzsteigerung ein, doch er stellt klar, dass KI den journalistischen Kern niemals ersetzen dürfe. Originäre Recherche und menschliche Einordnung würden unersetzbar bleiben.

3. Fakes in geordneten Bahnen
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Auf der russischen Halbinsel Kamtschatka liege zwar wirklich viel Schnee, doch viele spektakuläre Bilder dazu im Internet seien per KI gefälscht und völlig übertrieben, schreibt Ann-Kathrin Leclère. Diese Fake-Fotos seien so beliebt, weil sie Emotionen wecken und ein friedliches Alltagsleben zeigen würden, das man sonst kaum aus Russland sehe.

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4. Haftbefehl-Doku und ARD-Korrespondentin von der Tann für Grimme-Fernsehpreis nominiert
(spiegel.de)
Das Grimme-Institut habe seine diesjährigen Nominierungen bekannt gegeben, zu denen unter anderem die Netflix-Dokumentation über Rapper Haftbefehl, die ARD-Journalistin Sophie von der Tann sowie der Comedian Till Reiners zählen würden. Die Geschäftsführung habe jedoch kritisiert, dass wichtige Aspekte wie eine “hochkarätige Auseinandersetzungen mit dem Thema Krieg”, der Klimakrise oder der aktuellen politischen Situation in den USA in den TV-Medien zu wenig Raum bekämen. Außerdem fehle es der Unterhaltungsbranche an Mut zu Innovationen. Insgesamt seien aus mehr als 750 Einreichungen 71 Produktionen und Einzelleistungen als Nominierte ausgewählt worden.

5. Preisverleihung: Kooperation mit Otto Brenner Stiftung
(netzwerkrecherche.org)
Nach einer einjährigen Pause schreibe die Otto Brenner Stiftung ihre Auszeichnungen für kritischen Journalismus wieder aus und prämiere dabei erstmals die beste lokale Recherche. Zudem stärke die Stiftung ihre Rechercheförderung, indem sie künftig vier statt drei Recherchestipendien vergebe und die finanziellen Mittel hierfür auf 24.000 Euro erhöhe. Die Preisverleihung finde im Rahmen einer neuen Kooperation mit dem Netzwerk Recherche (NR) am 11. Juni dieses Jahres in Hamburg als Auftakt zur dortigen NR-Jahreskonferenz statt.

6. Was aktuell auf Instagram und TikTok viral geht
(dwdl.de, Simon Pycha)
“DWDL”-Autor Simon Pycha stellt in seinem “Trend-Ticker” diverse virale Social-Media-Trends der vergangenen Wochen vor, die von humorvollen Imitationen berühmter Stars als Eulen bis hin zu nostalgischen Rückblicken auf das Jahr 2016 reichen. Neben kreativen Reaktionen auf politische Debatten zur Zusammenlegung von Bundesländern thematisiert er auch solidarische Aktionen wie lilafarbene Profilbilder als Protest gegen Femizide. Gleichzeitig weist Pycha auf problematische Entwicklungen hin, darunter verbreitete Falschmeldungen über eine angebliche KiKa-Abschaltung sowie Vandalismus an Straßenschildern.

Ringen um Spartenkanäle, Heiße Luft aus der Krone, Grok und X

1. Was bleibt, was geht? Wie ARD & ZDF um ihre Spartenkanäle ringen
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach dem Inkrafttreten des Reformstaatsvertrags müssten ARD und ZDF die Anzahl ihrer Spartenkanäle in den Bereichen Information und Unterhaltung drastisch reduzieren. Dies führe hinter den Kulissen zu einem komplexen Ringen um die künftige Aufteilung. Der Kinderkanal KiKa sei bestandsgeschützt, aber Angebote wie One, ZDFneo, Phoenix und ZDFinfo könnten künftig gebündelt werden. Der ARD-Vorsitzende Florian Hager habe eine Einigung für das erste Halbjahr 2026 in Aussicht gestellt, damit die Reform fristgerecht zum Januar 2027 umgesetzt werden könne.

2. Heiße Luft aus der Kronen Zeitung: Das Kern-Comeback ist wieder da
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Bei “Kobuk” berichtet Andrea Gutschi über eine von der “Kronen Zeitung” initiierte Debatte um ein angebliches Polit-Comeback von Christian Kern als SPÖ-Chef, die auf dünner Faktenlage und einer Umfrage mit fiktiven Szenarien basiere. Kern selbst und wichtige Parteiflügel würden die Gerüchte dementieren oder zurückhaltend reagieren. Medien wie die “Krone”, “Heute” und “Oe24” würden das Thema jedoch durch ständige Spekulationen und Kommentare am Köcheln halten.

3. Übermedien wird 10!
(uebermedien.de)
Die “Übermedien”-Redaktion feiert das zehnjährige Bestehen des Portals und blickt auf die Entwicklung vom Projekt der Gründer Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz zu einer etablierten Marke für unabhängige Medienkritik zurück. Das werbefreie Angebot finanziere sich ausschließlich über seine Abonnentinnen und Abonnenten und habe mittlerweile rund 3.300 Beiträge veröffentlicht. Anlässlich des Geburtstags wirbt die Redaktion mit einem speziellen Jubiläumsangebot, um den Fortbestand des kritischen Journalismus zu sichern.

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4. Regierungswechsel ohne Pressefreiheit
(verdi.de, Knut Henkel)
Nach Einschätzung der Journalistin Ronna Rísquez habe sich die Lage für Journalistinnen und Journalisten in Venezuela auch unter der Interimsregierung nicht verbessert, weshalb sie aus Angst vor Repressionen oft nur noch anonym berichten würden. Experten würden davon ausgehen, dass die neue Führung zwar wirtschaftliche Zugeständnisse an die USA mache, die autoritären Strukturen im Inneren jedoch beibehalte.

5. Wie Regierungen gegen Grok und X vorgehen
(netzpolitik.org, Laura Jaruszewski)
Laura Jaruszewski berichtet über die weltweiten Reaktionen auf die Flut sexualisierter Deepfakes durch den Chatbot Grok auf der Plattform X. Länder wie Indonesien und Malaysia hätten Grok bereits gesperrt, andere Staaten würden noch prüfen. Die EU-Kommission erwäge derweil Maßnahmen auf Grundlage des Digital Services Act. Ein Eilverfahren gelte als wahrscheinlichste Option.

6. Alle reden vom Wetter
(taz,de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg thematisiert in der “taz” die aktuelle Dominanz der Wetterberichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Diese beschere den Sendern hohe Einschaltquoten, obwohl die Politik die Programmmenge kritisiere. Grimberg sieht in den Wetterextremen jedoch einen wichtigen Anlass, den Klimawandel stärker in den Fokus der Berichterstattung zu rücken. Er plädiert daher dafür, Formate wie “Klima vor 8” endlich umzusetzen.

BBC wehrt sich gegen Trump, Falsche KI-Tiere, Schabowskis Zettel

1. BBC wehrt sich gegen Trumps Milliardenklage
(spiegel.de)
Donald Trump habe in Florida Klage gegen die BBC eingereicht. Der US-Präsident fordere 10 Milliarden US-Dollar von dem öffentlich-rechtlichen Sender, der sich dagegen wehre. Trump werfe der BBC vor, ihn in einer Dokumentation durch einen fehlerhaften Zusammenschnitt seiner Rede vom 6. Januar 2021, also vor dem Sturm auf das Kapitol, diffamiert zu haben. Obwohl der britische Sender den Schnittfehler eingeräumt und um Entschuldigung gebeten habe, sieht er keine rechtliche Grundlage für Trumps Klage.

2. Falschmeldungen schüren Ängste vor Muslimen
(tagesschau.de, Lena Maurer)
In Sozialen Medien würden sich aktuell massenhaft Falschinformationen über angebliche Vorfälle auf deutschen Weihnachtsmärkten verbreiten, berichtet Lena Maurer im ARD-“Faktenfinder”. Ziel dieser Beiträge sei es offenbar, gezielt Stimmung gegen Muslime und Migration zu machen. Videos von friedlichen, angemeldeten Demonstrationen zum Jahrestag des Sturzes des syrischen Assad-Regimes würden dabei fälschlich als Erstürmung von Weihnachtsmärkten dargestellt, aus dem Kontext gerissene Aufnahmen mit erfundenen Behauptungen verbreitet und KI-generierte Bilder zur Stimmungsmache genutzt.

3. Lüneburger Gericht: Rundfunkbeitrag ist rechtens – Kritik an Böhmermann kein Grund zur Befreiung
(landeszeitung.de)
Das Verwaltungsgericht (VG) Lüneburg habe mehrere Klagen sogenannter “Beitragsblocker” gegen den Rundfunkbeitrag abgewiesen. Diese hätten mit Hilfe von Musterformularen aus dem Internet argumentiert, die Öffentlich-Rechtlichen würden durch einseitige Berichterstattung etwa zum Krieg in der Ukraine oder zur Corona-Pandemie ihren Auftrag verfehlen. Das VG sei allerdings der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts gefolgt, wonach die Beitragspflicht erst dann verfassungswidrig sei, wenn das Gesamtprogramm über längere Zeit die gebotene Vielfalt “gröblich verfehlt”. Eine pauschale Kritik an einzelnen Sendungen oder Beiträgen reiche nicht aus. Laut einer Gerichtssprecherin seien bei der Kammer über 100 weitere ähnlich gelagerte Verfahren anhängig.

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4. Streit um den Schabowski-Zettel: Stiftung muss Verkäufer nennen
(rsw.beck.de)
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen habe entschieden, dass das Bonner Haus der Geschichte offenlegen müsse, von wem es den historischen Schabowski-Zettel für 25.000 Euro erworben hat. Geklagt hatte ein Chefreporter der “Bild”-Zeitung. Es gehe um jenen Sprechzettel, mit dem Politbüro-Mitglied Günter Schabowski am 9. November 1989 die neue DDR-Reiseregelung verkündet und mit seiner Äußerung “sofort, unverzüglich” zumindest indirekt die Maueröffnung ausgelöst habe. Das Haus der Geschichte habe dem Verkäufer des Zettels Anonymität zugesichert. Laut OVG überwiege allerdings das verfassungsrechtliche Informationsinteresse der Presse das Vertraulichkeitsinteresse des Verkäufers.

5. Klima vor acht verpasst Spendenziel und will trotzdem ins Erste
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der Verein “Klima vor acht” habe seine Spendenaktion beendet, allerdings statt der angepeilten 250.000 Euro nur rund 135.000 Euro einsammeln können. Mit dem Geld wolle er sich ins Werberahmenprogramm des Ersten einkaufen, um kurz vor der “Tagesschau” einen Spot zum Thema Klima und die Berichterstattung darüber zu platzieren. Allerdings bleibe unklar, ob dieser die Vorgaben des Medienstaatsvertrags für Wirtschaftswerbung erfüllen werde.

6. “Man vertraut der KI schon zu sehr”
(pr-journal.de)
Im Interview mit dem “PR-Journal” warnt Florian Amrhein, Pressesprecher der Heinz Sielmann Stiftung, davor, dass KI-generierte Tierbilder zunehmend professionelle Bilddatenbanken und Soziale Medien fluten würden und dabei oft biologisch falsch seien. So würden sie etwa eine falsche Anzahl an Gliedmaßen oder unrealistische Körperproportionen zeigen. Amrhein zitiert Tierfilmer Sielmann: “Künstliche Darstellungen fördern Unwissen. Heinz Sielmann hat einmal gesagt: Nur was man kennt, schützt man auch. Wenn dieser Bezug fehlt, fehlt auch das Verständnis und damit langfristig der gesellschaftliche Wille, Natur zu bewahren.”

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