Suchergebnisse für ‘Klima’

Außenreporter, NGOs, Freudenschüsse

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „Wenn es kracht“
(journalist.de, Olaf Wittrock)
Journalisten und die Krise: „In der neuesten Finanz- und Staatsschuldenkrise, die sich in den vergangenen Wochen tatsächlich dramatisch zugespitzt hat, erleben Betrachter, wie der Wirtschaftsjournalismus des Jahres 2011 im Ausnahmezustand funktioniert: mit Warnung, Mahnung, Angst, mit Instrumenten aus dem Baukasten des Kampagnenjournalismus.“ Siehe dazu auch den Text „Jeden Tag ein Untergang“ (cicero.de, Petra Sorge): „Als hätten die Journalisten aus der Geschichte nichts gelernt, folgen sie heute einem neuen Mainstream: den Untergang herbeizuschreiben, ja, zum Zwecke der Auflagen- und Quotensteigerung beinahe herbeizusehnen.“

2. „Pseudo-live an der Börse“
(funkkorrespondenz.kim-info.de, Dietrich Leder)
Wie „live“ die Schaltungen des „Heute-Journals“ in die Frankfurter Börse sind.

3. „Gaddafis Todesbilder“
(heise.de/tp, Florian Rötzer)
Der Umgang mit den letzten Bildern von gestürzten Diktatoren.

4. „Kernkraft, Klimawandel, Kinderschnitte“
(medienwoche.ch, Torsten Haeffner)
Botschaften von Nichtregierungsorganisationen finden oft leicht ihren Weg in den redaktionellen Teil: „Wenn NGOs anprangern und verkünden, – Kernkraft, Klimawandel, Kinderschnitte – zeigt ein Grossteil der Medien nachhaltige Beisshemmung. Dies ist ebenso alltäglich wie in Anbetracht des Informationsauftrags der Medien stossend und störend.“

5. „Ein Schuss in die Luft“
(daserste.de/wwiewissen, Daniel Haase, 2007)
Derzeit täglich in den Nachrichten: Menschen, die Freudenschüsse in die Luft abgeben. „Ob zu Festlichkeiten oder Silvester, Trauer oder Wutkundgebungen – der Schuss in die Luft ist ein denkbar ungeeigneter Ausdruck von Freude oder Empörung. Er ist einfach unberechenbar und extrem gefährlich.“

6. „Berufstipp Außenreporter“
(sat1.de, Video, 2:31 Minuten)
Die Harald-Schmidt-Show sucht mit Jan Böhmermann: Witzige Außenreporter (m/w).

OPAL, Apple, Staatstrojaner

6 vor 9

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1. „7 ultimative Tipps für Journalisten, damit Sie auch morgen noch einen Job haben“
(gutjahr.biz, Richard Gutjahr)
„Streichen Sie das Wort ‚Synergien‘ bitte noch heute aus Ihrem Wortschatz. Verbrennen Sie Ihre Social Media Guidelines. Lesen Sie keine Zeitung mehr. Zerschnippeln Sie Ihren Presseausweis. Zertrümmern Sie Ihr iPad. Meiden Sie Bedenkenträger. Denken Sie nicht an Geld.“

2. „Und weiter geht’s: Bilds Ökostrom-Bashing“
(klima-luegendetektor.de)
Der „Klima-Lügendetektor“ kritisiert die „Bild“-Titelgeschichte vom Samstag. Sie lautete: „Irrsinn: Deutschland verschenkt Strom ins Ausland … und wir kaufen ihn für teures Geld zurück“.

3. „Die LVZ und die Pipeline. Eine Liebesgeschichte.“
(somereason.blogsport.eu)
Berichte über die Erdgasleitung OPAL kommen in der „Leipziger Volkszeitung“ als „Werbespecials“ daher. „Wer sich darüber beschweren will, darf sich übrigens an den Deutschen Presserat wenden. Bester Ansprechpartner dort ist dessen Vorsitzender – der LVZ-Chefredakteur Bernd Hilder.“

4. „Apple-Bashing bei der SZ“
(kaliban.de)
Was der Ressortleiter und Chefreporter des Wirtschaftsteils der „Süddeutschen Zeitung“ über Apple und Steve Jobs schreibt.

5. „Der börsennotierte Körper“
(freitag.de, Ronnie Vuine)
Ronnie Vuine staunt, „wie sehr man in Netz und Presse Technologieunternehmen mit Ponyhöfen verwechselt“ und über die Reaktionen auf den Tod von Steve Jobs: „Beides, die Trauer wie das Urteil über den Charakter, nimmt eine Vertrautheit an mit einer Person, wo niemals eine war.“

6. „Zwischen Anspruch und Wirklichkeit – von Bundestrojanern, Drohnen und allgemeiner Trotteligkeit“
(schmalenstroer.net)
„Kritiker und Gegner staatlicher Überwachungsmaßnahmen rechnen immer mit dem schlimmsten, dem perfekten Staatsapparat, der effizient arbeitet. In der Realität sieht dies immer wieder anders aus.“ Siehe dazu auch „Der Staatstrojaner in dreieinhalb Minuten“ (youtube.com, Video, 3:29 Minuten)

Urbane Legenden von der Political Correctness

Sie sind längst eine Art Medienfolklore: Berichte über wild gewordene Verfechter der „Political Correctness“, die uns alles nehmen wollen, was unsere abendländische Kultur einmal ausgemacht hat. Sie kommen häufig aus Großbritannien, wo eine hysterische Lügenpresse mit ihnen reaktionäre Kampagnen macht. Sie werden in Deutschland gern über Internetseiten wie das Polemikerportal „Die Achse des Guten“ oder das islamfeindliche Blog „Politically Incorrect“ verbreitet. Und landen am Ende zuverlässig in den vermeintlich seriösen deutschen Medien — selbst wenn die Unwahrheiten und Übertreibungen der Originalberichte zu diesem Zeitpunkt längst vollständig öffentlich dokumentiert sind.

Matthias Thibaut verbreitete gestern im Berliner „Tagesspiegel“ die Mär, dass die BBC die traditionelle Bennennung der Zeitrechnung nach Christi Geburt abgeschafft habe. In der Online-Version seines Artikels heißt es schlicht und falsch:

Weil der Sender sein multiethnisches Publikum nicht verärgern will, soll künftig nur noch von vor oder nach der „gebräuchlichen Zeitrechnung“ die Rede sein, statt von vor oder nach Christi.

Thibaut hat das in der „Daily Mail“ gelesen, einer notorisch unzuverlässigen Quelle, insbesondere wenn es um die verhasste BBC geht, und unbesehen geglaubt.

Der kleine faktische Kern dieser Meldung ist, dass das Religions-Ressort der BBC-Internetseite die Bezeichnungen „BCE“/“CE“ („Before Common Era“ / „Common Era“) als „religiös-neutrale Alternative“ zu „BC“/“AD“ (Vor Christus / Im Jahr des Herrn) verwendet, um nicht-christliche Besucher der Seiten nicht abzustoßen.

Ein BBC-Sprecher betonte auf Nachfrage des „Guardian“, dass „BC“ und „AD“ die Standard-Bezeichnungen im Programm blieben. Es stehe Einzelnen jedoch frei, davon abzuweichen.

Der „Tagesspiegel“ hingegen behauptet, die BBC streiche Christus aus der Zeitrechnung, und sieht sich an schlimmste Dystopien erinnert:

George Orwell hatte bekanntlich die BBC im Sinn, als er in seinem Roman „1984“ das „Ministerium für Wahrheit“ beschrieb. Diesem Erbe scheint die „Auntie“ nun alle Ehre zu machen.

Der BBC glaubt der Londoner „Tagesspiegel“-Korrespondent nicht, dafür aber der berüchtigten „Daily Mail“-Kolumnistin Melanie Phillips:

Melanie Phillips, eine jüdische, rechtskonservative Kommentatorin, erinnerte daran, dass in einigen Gemeinden Weihnachten bereits durch das Kunstwort „winterval“ (Winterfestival) ersetzt wurde, um Nichtchristen nicht zu verletzen. „In diesem Klima ist es nicht frivol, zu fragen, wie lange es dauert, bis die Bibel verboten wird“.

Aber auch die „Winterval“-Sache ist eine Mär und Teil der Political-Correctness-Folklore. Die Stadt Birmingham führte 1997 das „Winterval“ als Marketingidee ein, um zahlreiche Aktivitäten in den Wintermonaten gemeinsam zu bewerben. Zu diesem „Winterval“ gehörten diverse Veranstaltungen, im Kern aber auch traditionelle Weihnachtsfeierlichkeiten, die auch genau so genannt wurden. Der „Guardian“ zitierte den Stadtrat:

Über dem Rathaus war ein Banner mit den Worten „Merry Christmas“, es gab Weihnachtsbeleuchtung und Weihnachtsbäume auf den öffentlichen Plätzen, die normalen Weihnachtsgesänge von Schulchören, und der Bürgermeister verschickte Weihnachtskarten mit einer traditionellen Weihnachtsszene, in denen er allen Frohe Weihnachten wünschte.

(Übersetzung von uns.)

Obwohl das „Winterval“ in keiner Hinsicht das traditionelle Weihnachtsfest ersetzt hat oder ersetzen sollte, wird es seit vielen Jahren und mit zunehmender Übertreibung von den Medien als Beleg für den Angriff der „Political Correctness“ auf das Christentum interpretiert. Fanatiker wie Melanie Phillips sind dabei besonders aktiv, denk- und recherchefaule Journalisten wie Matthias Thibaut ihre willigen Handlanger.

Entsprechend endet sein Artikel:

Konservative werfen der BBC vor, sie spiegle mit ihrer Christenfeindlichkeit, ihrem Trend zu linken Labourpositionen und ihrer Europaphilie längst nicht mehr das britische Meinungsspektrum wieder. Kontroversen gab es, als die BBC eine Nachrichtensprecherin abmahnte, die an einer Halskette ein Kreuz trug. Zynische Kritiker halten es nur für eine Frage der Zeit, bis die erste Sprecherin mit Kopftuch auftaucht.

Ganz abgesehen davon, dass die BBC beteuert, die Nachrichtensprecherin nicht abgemahnt und kein Verbot solcher Symbole verhängt zu haben: Weil eine Christin aus Gründen religiöser Neutralität (angeblich) kein christliches Symbol tragen darf, wird demnächst eine Muslima ein muslimisches Symbol tragen?

Logisch ist das nicht. Aber angemessen furchteinflößend für Thibaut. Denn wenn es doch so käme und tatsächlich eine „Sprecherin mit Kopftuch in der BBC auftaucht“, wäre das für ihn zweifelsohne — der Untergang des Abendlandes.

Tripolis, Mathe-Nachhilfe, Zentralbanken

6 vor 9

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1. „Die Verleger leisten einen unternehmerischen Offenbarungseid“
(leistungsschutzrecht.info, Philip Banse)
„Die Verleger wollen für ihre Unternehmen ein bedingungsloses Grundeinkommen“, sagt Mario Sixtus über das geplante Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Siehe dazu auch eine Antwort von Christoph Keese auf presseschauder.de.

2. „Mit Helm und Schutzweste“
(berlinonline.de, Thomas Schmid)
Thomas Schmid berichtet aus Tripolis, dass nur zwei Hotels offen stehen. „Beide hatten kein fließendes Wasser, keine Klimaanlage, kein Zimmerservice, kein Restaurant und verlangten um die 200 Euro pro Nacht. Viele Journalisten schliefen zu zweit in einem Bett, manche sogar zu dritt.“

3. „Das langweiligste Interview des Jahres“
(evangelisch.de, Christian Bartels)
Christian Bartels entdeckt „das langweiligste Interview des Jahres“ – ein Gespräch mit Ulrich Wilhelm, dem Intendanten des „Bayerischen Rundfunks“, in der „Zeit“: „Dieses Interview hätte der Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo jedem Interviewer um die Ohren gehauen und es dann um 90 bis 100 Prozent gekürzt, wenn er es nicht selbst geführt hätte.“

4. „Die vierte Gewalt ist nicht mehr die Presse“
(infosperber.ch, Christian Müller)
„Sie sind eher zu Durchlauferhitzern professioneller Polit-PR und von Lobby-Informationen geworden“, schreibt Christian Müller über die „quotengeilen“ Medien. Nicht sie, sondern die Zentralbanken seien heute die vierte Gewalt.

5. „Daumen hoch für Khan“
(zeit.de, Christoph Gurk)
Mathe-Nachhilfe ist unbeliebt? Nicht auf YouTube.

6. „Zwischen Sorgenkind und Superkrüppel“
(raul.de, Raúl Aguayo-Krauthausen)
Raúl Aguayo-Krauthausen schreibt auf, wie Menschen auf ihn reagieren: „Viele Menschen bemühen sich im Umgang mit Menschen mit Behinderung, nichts falsch zu machen und wirken manchmal etwas hilflos und verkrampft. Als überkompensatorisches Verhalten dient mitunter übertriebene Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Bewunderung. Erfolge, die ich zu verzeichnen hatte, wurden stets übergebührlich hervorgehoben und übertrieben gelobt.“

Kachelmann, Kriegsfotografie, Korrektheit

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1. „Diese Welt braucht Journalisten mehr denn je“
(dw-world.de, Sandra Petersmann)
Joel Simon vom „Committee to Protect Journalists“ mag Personen, die Journalismus betreiben, nicht mehr voneinander abgrenzen: „Einfach gesagt sind Journalisten dazu da, Informationen zu sammeln und zu verbreiten, die für die Öffentlichkeit von Bedeutung sind. Es gibt professionelle Journalisten, die das machen, und es gibt Menschen, die das als Bürger machen.“

2. „So haben uns die Griechen reingelegt“
(ruhrbarone.de, Michael Voregger)
Michael Voregger stimmt es nachdenklich, dass die Jury des Herbert-Quandt-Preises sich für „Bild“-Autoren entschieden hat (BILDblog berichtete), das werfe „kein gutes Licht auf den Wirtschaftsjournalismus im Lande“. Er kritisiert auch öffentlich-rechtliche Nachrichtenformate: „Die Redaktionen orientieren sich am Mainstream, regierungsnahe Positionen werden kommentarlos übernommen und kritische Experten tauchen nicht auf. Das Unwort des letzten Jahres ‚alternativlos‘ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.“

3. „In eigener Sache: Neuer Umgang mit Leser-Kommentaren“
(blog.handelsblatt.com/handelsblog, Olaf Storbeck)
Olaf Storbeck ändert den Umgang mit Leser-Kommentaren: „Um ein gewisses Grundniveau der Diskussion zu gewährleisten, werde ich daher tumbe nationalistische und per se Euro-feindliche Kommentare nicht mehr freischalten – zum Beispiel solche, die Nazi-Deutsch enthalten (‚Finanzknechtschaft‘), die Geschichte verdrehen (‚Muss erst wieder ein Krieg gegen Deutschland geführt werden?‘) oder darüber räsonniert wird, ‚wie ein nachgewiesener Maßen intelligentes Volk wie die Deutschen sich derart ausnutzen lassen kann‘. Das gleiche gilt für Verschwörungstheorien jeder Art.“

4. „Früher herrschten die Gewalttäter, heute herrschen die Wohl-Täter“
(heise.de/tp, Eren Güvercin)
Eren Güvercin spricht mit Maternus Millett über politische Korrektheit. „Die politische Korrektheit als das ‚absolut Gute‘ hat das gesellschaftliche Klima bereits so weit polarisiert und vergiftet, dass auch eine kritische Diskussion des ‚absolut Guten‘ – also des Versagens der Bildungs- und Integrationspolitik, der selektiven Toleranz Straftaten von Immigranten gegenüber, der bedingungslosen Sozialleistungen für alle – kaum noch möglich ist. Folglich können alle, die provokante Kritik anmelden, sehr leicht moralische Empörung auslösen und sich als Rebellen gegen das neue, linke, permissive Establishment und als ‚Opfer von Repression‘ darstellen.“

5. „The shot that nearly killed me: War photographers – a special report“
(guardian.co.uk, englisch)
Kriegsfotografen kommentieren die Entstehung einzelner Fotos. Vorsicht, einige Bilder sind sehr drastisch.

6. „Lächerlicher Wahnsinn“
(weltwoche.ch, Roger Köppel)
Jörg Kachelmann gewährt nach dem Gespräch in der „Zeit“ auch der „Weltwoche“ ein sehr ausführliches Interview: „Die heuchlerischen Aufrufe der Medien, dass ich nun doch aus taktischen Gründen demütigst zu schweigen und zu verschwinden hätte, sind der Versuch, deren menschenverachtende Vorverurteilung möglichst schnell vergessen zu machen. Nun wollen gerade die mein Schweigen, die sich vorher als die willfährigsten Sprachrohre der lügenden Staatsanwaltschaft Mannheim geriert haben: Springer, Burda, Stern, Süddeutsche.“ Interviewer Roger Köppel betont, dass für das Interview kein Geld bezahlt wurde.

Kachelmann, Objektivität, Prinz Philip

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1. „Bild gewinnt. Gegen den Journalismus“
(print-wuergt.de, Michalis Pantelouris)
Michalis Pantelouris kommentiert die Verleihung eines mit 10.000 Euro dotierten Medienpreises an die „Bild“-Mitarbeiter Nikolaus Blome und Paul Ronzheimer: „Für mich bedeutet die Auszeichnung der Werke dieser beiden auch eine weitere und vielleicht entscheidende Niederlage des Journalismus, wie ich ihn verstehe.“ Siehe dazu auch unseren Artikel „Pleite-Journalisten“.

2. „Vorgerichterstattung und Nachverurteilung: Das Kachelmann-Urteil im Fernsehen“
(faz-community.faz.net, Stefan Niggemeier)
Kachelmann I: Stefan Niggemeier schaut sich die TV-Berichterstattung rund um die Urteilsverkündung an. Mit dabei: n-tv, N24, RTL, Jo Groebel.

3. „Im Zweifel für den Angeklagten: Freispruch nach einer spektakulären Medienschlacht“
(swr.de, Audio, 15:11 Minuten)
Kachelmann II: Die Lager der Medien hätten sich geteilt in Burda und „Bild“ auf der einen, „Zeit“ und „Spiegel“ auf der anderen Seite. Hans Mathias Kepplinger: „Die Staatsanwaltschaft, nicht nur in diesem Fall, spielt zunehmend eine aktive Rolle, wenn es um die Kontakte zu den Medien geht. Im Grunde greifen die Staatsanwälte zunehmend Verfahren der Verteidigung auf. Die Verteidiger gehen schon seit seit langem aktiv an die Medien, um das Meinungsklima im Interesse ihres Mandanten zu beeinflussen. Und die Staatsanwälte verfahren auch so. Das ist beides eine problematische Entwicklung.“

4. „Und das wollen Journalisten sein?“
(faz.net, Michael Hanfeld)
Kachelmann III: Michael Hanfeld kritisiert eine einseitige und parteiische Berichterstattung der Konkurrenz. „Wer sich in den vergangenen Monaten über diesen Prozess allein aus ‚Spiegel‘, ‚Zeit‘, ‚Bild‘ oder ‚Bunte‘ informierte, war ziemlich schief gewickelt. Keine Rede mehr von der gebotenen journalistischen Distanz.“

5. „Die Mär vom unvoreingenommenen Journalismus“
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Und auch Thomas Knüwer widmet sich dem Thema Objektivität: „Journalisten balancierten schon immer auf diesem Drahtseil. Einerseits sollten sie unvoreingenommen sein, andererseits Menschen mitnehmen, ja, mitreißen – und die Klientel eines Mediums bedienen. Der Sturm des Medienwandel pustet sie nun gleich reihenweise vom Seil.“

6. „Ninety gaffes in ninety years“
(independent.co.uk, Hannah Ewan, englisch)
Der Ehemann der britischen Königin, Prinz Philip, wird 90. Der „Independent“ zitiert dazu 90 Sätze aus seinem langen Leben.

Zukunst

Für die folgende Lektüre empfiehlt sich die Titelmusik von „Akte X“ als Soundtrack.

Es ist ein ungewöhnlicher Ort für Prophezeiungen, die denen des Nostradamus gleichen. Und doch: Beim letztjährigen Wettbewerb „Jugend creativ“ der Volksbanken und Raiffeisenbanken hat die damals 16-jährige Monja aus Hünfeld ein „nahezu hellseherisches“ Bild gemalt, auf dem sie die Katastrophen in Japan vorausgesehen hat!

So berichtet zumindest die „Fuldaer Zeitung“:

"Da saß der Schock erstmal tief" Überschwemmungen, Erdbeben, Tsunamis, Atomkrise - das sind die modernen Geißeln der Menschheit. In nahezu hellseherischer Fähigkeit hat die 17-jährige Monja die aktuellen Katastrophen der Welt bereits vor einem Jahr auf einem Bild vorausgesehen

Und natürlich sprang auch „Bild“, das Fachjournal für alles Mysteriöse, sofort auf den Zug auf:

Unheimlich Schülerin (17) malte Japan-Unglück vor einem Jahr! Auf dem Bild zu sehen: Die Tsunami-Welle trifft ein Atomkraftwerk (oben rechts)

Ganz Clevere könnten die Mystery-Stimmung jetzt natürlich mit kritischen Fragen kaputtmachen: Warum sind denn da Eisbären? Ist damit das frühe Ableben von Knut gemeint? Was sollen die toten Bäume und der Tornado? Was hat der Sturm links oben im Bild mit Japan zu tun? Und warum sehen die Menschen so gar nicht japanisch aus?

Die Antwort auf diese Fragen hat einen so geringen Mystery-Faktor, dass Sie den Soundtrack jetzt besser stoppen: Der Titel des Wettbewerbs lautete nämlich „Mach dir ein Bild vom Klima“ und genau das ist der Grund, warum auch die anderen Bilder im Wettbewerb ziemlich apokalyptisch wirken.

Bei der „Fuldaer Zeitung“ ist das eigentlich bekannt:

[Monja G.] habe damals versucht, für den Wettbewerb mit dem Thema „Klima“ möglichst viele entsprechende Probleme in der Illustration unterzubringen. Sie habe sich damals an die Tsunami-Wellen von 2004 erinnert, und von der Tschernobyl-Katastrophe hat sie viel gehört (…)

Dennoch schreibt die Autorin nur einen Absatz später, als hätte es das Rahmenthema des Wettbewerbs nie gegeben und als wäre Monja gerade einmal sieben Jahre alt gewesen als sie das Bild anfertigte:

Monjas Bild ist erschreckend, beklemmend (…). Keine hübsche Blumenwiese, keine freundliche Sonne am hellblauen Himmel, die die Erde in einen paradiesischen Zustand taucht, keine friedliche Naturwelt waren dargestellt, wie so oft der Fall in dieser Altersklasse. Statt dessen: beängstigende Wirklichkeit.

Immerhin dient die ganze künstliche Aufregung einem guten Zweck:

Damit Monja ihr Werk behalten kann, will die VR-Bank Faksimiles in A3-Größe, also Nachdrucke, erstellen. Diese sollen für eine Spende ab zehn Euro abgegeben werden.

Die Spendenbereitschaft würde vermutlich deutlich ansteigen, wenn sich Monja in Zukunft auf Lottozahlen spezialisiert und dabei am besten nicht immer alle 49 dafür in Frage kommenden Zahlen malt.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Der Experte, der Stromknappheit schrie

Ähnlich wie die Regierungsparteien wurden die Atomstromfreunde von „Bild“ und Bild.de von den Ereignissen im Kernkraftwerk Fukushima kalt erwischt. Erst seit sich Altkanzler Helmut Kohl vergangenen Freitag in „Bild“ in einem ausführlichen Aufsatz mit dem Titel „Warum wir die Kernenergie (noch) brauchen“ zu Wort gemeldet hat, scheint wieder alles beim Alten zu sein. Entsprechend malte Bild.de gestern mal wieder den Stromknappheitsteufel an die Wand:

Experte warnt vor Blackout Im Mai wird in Deutschland der Strom knapp 13 Meiler vom Netz - Chef der Deutschen Energie-Agentur: "Es kann eng werden"

Stephan Kohler, der Chef der Deutschen Energie-Agentur (dena), warnt im dazugehörigen Artikel vor einem möglichen Blackout, wenn zusätzlich zu den sieben nach dem Moratorium abgeschalteten Atomkraftwerken im Mai fünf weitere Meiler zu Wartungsarbeiten abgeschaltet werden.

Und:

Jetzt warnt Dena-Chef Kohler vor den Folgen einer radikalen Atomwende.

„Es wird sich nicht vermeiden lassen, alte, längst eingemottete Kohlekraftwerke zumindest vorübergehend wieder in Betrieb zu nehmen. Das führt zu höherem Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid. Dafür müssen die Betreiber CO2-Zertifikate kaufen, was den Strom verteuert“, sagt Kohler.

Wieviel von solchen Warnungen der von „Bild“ immer wieder gern zitierten dena zu halten ist, illustriert dieses Beispiel aus dem Jahr 2008:

Energie-Agentur schlägt Alarm Ab 2012 nicht mehr genug Strom

Auch damals forderte Kohler: „Wir müssen uns entscheiden: Entweder wir bauen hocheffiziente Kohle- und Erdgaskraftwerke. Oder wir müssen die Atommeiler länger laufen lassen.“

Ähnliche Warnungen der dena, der Strom könnte knapp werden, wenn sich die Politik zu sehr auf erneuerbare Energien verlässt, gab es 2005, 2009 und 2010 — und das obwohl Deutschland seit Jahren größere Mengen Strom exportiert.

Es lohnt sich überhaupt, die dena etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Bei Bild.de erfährt man lediglich folgendes:

Die Deutsche Energie-Agentur wurde im Jahr 2000 als GmbH gegründet. Gesellschafter sind u.a. das Bundeswirtschaftsministerium und die Staats-Bank KfW. Die Aufgaben: Alle Informationen zu den Themen erneuerbare Energien und Energieeffizienz recherchieren, sammeln, bewerten. Die Dena gilt als DAS Kompetenzzentrum für Energie in Deutschland.

Was Bild.de seinen Lesern verschweigt, ist die Tatsache, dass „DAS Kompetenzzentrum für Energie in Deutschland“ zu über 50 Prozent von der Energiewirtschaft (v.a. E.on, EnBW, RWE, Vattenfall) bezahlt wird und für die Vorhersage einer Stromlücke, falls keine neuen Großkraftwerke gebaut würden, mehrfach kritisiert wurde. Bild.de-Experte Stephan Kohler stand schon 2009 kurz vor einem Wechsel in den Vorstand von RWE und hat Anfang 2011 neben seiner Tätigkeit als dena-Chef den Vorsitz des Beirates von RWE Innogy übernommen.

Sorgen um eine Stromknappheit sollte man sich also erst machen, wenn ein wirklich unabhängiges Institut davor warnt.

Mit großem Dank an Carsten B. und Marco L.

Redaktionsschmelze, Yogeshwar, Geheimjustiz

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1. „Die Redaktionsschmelze im deutschen Presse-Fall-Out“
(scienceblogs.de/primaklima, Georg Hoffmann)
Georg Hoffmann wundert sich über die Berichterstattung auf deutschen Online-Portalen: „Ich glaube nicht, dass es irgendwie unfair ist, zu behaupten, dass für die Deutschen scheinends in Japan eigentlich kein Erdbeben stattgefunden hat, sondern ein Reaktorunfall.“

2. „Cool bleiben“
(visdp.de)
Die aktuelle Ausgabe von V.i.S.d.P. zeigt sieben „Spiegel“-Titel von 1986, die auch 25 Jahre später problemlos nochmal so gebracht werden könnten. Außerdem: ein Lob für WDR-Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar.

3. „‚Washington Post‘ suspendiert Pulitzer-Preisträgerin“
(diepresse.com)
Wie die „Washington Post“ auf ihrer Website mitteilt, wurde Journalistin Sari Horwitz suspendiert, weil sie in einem Artikel über Jared Lee Loughner Teile aus der Lokalzeitung „The Arizona Republic“ übernommen hatte. In einem Statement schreibt sie: „Under the pressure of tight deadlines, I did something I have never done in my entire career.“

4. „It’s time for journalists to promote a better ‚Twitter style'“
(ojr.org, Robert Niles, englisch)
Robert Niles hält einige Reformen bei Twitter für angebracht: „While those of us who’ve taken the time to sharpen the list of sources we follow are rewarded with accurate, timely updates, too many Twitter users fail to enjoy the tool’s potential because they simply don’t know which feeds to follow when news breaks.“

5. „Geheimjustiz im Vormarsch“
(nzz.ch, Dominique Strebel)
„Durch eine Aufblähung des Verfahrens und hohe Kostenauflagen“ wird Journalisten die Einsichtnahme in die Arbeit von Staatsanwälten erschwert, schreibt Dominique Strebel.

6. „Am Tag danach“
(hossli.com)
Peter Hossli vergleicht die aktuellen Titelblätter von „Spiegel“ und „L’Hebdo“: „Noch ist offenbar nicht sicher, wann genau das Atomzeitalter zu Ende ging. Der Spiegel: ‚Fukushima, 12. März 2011, 15.36 Uhr.‘ L’Hebdo: ‚Fukushima, 14 Mars 2011, 11h01′“.

Tim K., Gefechte, Yokoso News

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1. „Der doppelte Tim K.“
(taz.de, Julia Walker)
Tim K. aus Bremen wurde am 11. März 2009 von vielen als der Amokläufer von Winnenden angesehen. „Wer kommt eigentlich auf die Idee, dass jemand aus Bremen über 600 Kilometer nach Stuttgart fährt, um dort an einer Schule Amok zu laufen?“

2. „USA – Australien – Bild.de“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.com)
Thomas spürt der Herkunft des von „Bild“ beschriebenen Supermonds nach.

3. „Inszenierte Gefechte?“
(sueddeutsche.de, Christina Maria Berr)
Wie realistisch ist die von Helmut Scheben auf journal21.ch aufgeworfene Behauptung, die meisten Bilder von Kampfhandlungen seien gestellt? Christina Maria Berr fragt in der Medienbranche nach.

4. „Betr. Erdbebenkatastrophe als geschmackloses ZDF-‚Musikvideo'“
(carta.info, Martin Oetting)
Martin Oetting schreibt an das ZDF, weil das „heute-journal“ Bilder vom Erdbeben in Japan musikalisch unterlegt. „Dass Sie nicht davor zurückschrecken, diese schlimmen Bilder zum Rhythmus von Musik zu schneiden, also daraus sozusagen eine Unterhaltungsshow zu formen, ist aus meiner Sicht schockierend.“

5. „Die Unerträglichkeit von Twitter“
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert erlebt Twitter am Wochenende als „als Hort von Desinformation und Panikmache“.

6. „Katz Ueno: Das Ein-Mann-Katastrophen-Social-Media-TV“
(fastvoice.net, Wolfgang Messer)
Wolfgang Messer stellt den Livestream von Yokoso News vor.

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