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KW 33/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wie entlarvt man Klima-Unsinn in rechtsalternativen Medien?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 20:57 Minuten)
In der neuen Ausgabe des “Übermedien”-Podcasts spricht Holger Klein mit dem Medienethiker Luis Paulitsch, der sich jüngst mit Klima-Desinformation auf rechten Portalen beschäftigt hat: “Wie kann man die Strategien rechtsalternativer Medien entlarven? Welcher Lobby-Verein taucht immer wieder in klimaskeptischen Beiträgen auf? Und was könnte auch der Klimajournalismus etablierter Medien besser machen?”

2. Banal & Teuer: Was die Regierung auf Social Media treibt
(ardmediathek.de, Anja Reschke, Video: 29:47 Minuten)
Anja Reschke thematisiert in ihrer Sendung “Reschke Fernsehen” den wachsenden Social-Media-Apparat der Bundespolitik und hinterfragt den Nutzen der millionenschweren Kampagnen auf Plattformen wie TikTok und Instagram. Allein die Bundesministerien würden über 200 Onlinekanäle betreiben, mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Social Media beschäftigen und hochdotierte Aufträge an externe Werbeagenturen vergeben. Reschke kritisiert, dass der eigentliche verfassungsrechtliche Informationsauftrag zunehmend in inhaltsarmer Selbstdarstellung und Unterhaltung untergehe.

3. Geplante Änderungen des Informationsfreiheitsgesetzes
(djv-nrw.de, Sascha Fobbe, Audio: 28:36 Minuten)
In dieser Folge des Podcasts “Ohne Block und Bleistift” des Deutschen Journalisten-Verbands NRW diskutieren Daniel Drepper (Netzwerk Recherche) und Jonas Seufert (“FragDenStaat”) über die von der Bundesregierung geplanten Reformen des Informationsfreiheitsgesetzes. Beide Journalisten warnen: Neue Hürden wie Begründungspflichten, drohende Gebührenerhöhungen und geschwächte Kontrollinstanzen würden den Zugang zu behördlichen Dokumenten drastisch beschneiden und damit die investigative Berichterstattung gefährden.

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4. Gegen Netflix & Co – Kann ein neuer TV Sender das Privatfernsehen retten?
(ardsounds.de, Leonie Thim, Audio: 27:20 Minuten)
ProSiebenSat.1 wolle einen weiteren Fernsehsender an den Start bringen: Sat.2 soll er heißen und vor allem als Abspielstation für bereits eingeführte Serien und Klassiker dienen. “Warum setzt der Konzern ausgerechnet jetzt auf Nostalgie? Ist das ein verzweifelter Versuch, Zuschauer zurückzugewinnen, oder eine überraschend kluge Strategie? Und wie steht es generell um das lineare Fernsehen?” Der Podcast “BR24 Medien” hat den Fernsehsender zu seinen Plänen befragt, Medienjournalist Steffen Grimberg ordnet das Ganze ein.

5. KI seit Tag eins: Ist morningcrunch ein Modell für den Journalismus von morgen?
(youtube.com, Paul Elvers, Video: 53:30 Minuten)
Im Podcast “KI Köpfe” erzählt “Morning-Crunch”-Mitgründer Paul Ostwald vom Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz im Redaktionsalltag seines Finanz-Newsletters. Er erläutert, wie das Start-up KI-Tools für automatisierte Datenrecherchen, Briefings und Faktenprüfungen nutzt, betont jedoch, dass der unverzichtbare Mehrwert weiterhin beim Menschen liege: Erst redaktionelle Tonalität, Humor und fundierte Kontextualisierung könnten für Leserbindung und Glaubwürdigkeit sorgen.

6. Chinas Buch-Bubble
(diary.umlauts.de, Sven Tetzlaff, Audio: 23:10 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe seines “China Tagebuchs” beschäftigt sich Sven Tetzlaff mit der lebendigen chinesischen Literaturszene: von 24-Stunden-Buchlieferdiensten bis zur Verleihung des Lu-Xun-Literaturpreises an einen dichtenden Essenskurier. Im Mittelpunkt steht die 200-Millionen-Nutzer-Plattform “Douban” als asiatisches Pendant zu “Goodreads”. Tetzlaff kritisiert die westliche, oft angelsächsisch verengte Medien- und Literaturblase, die viele Gegenwartsdiskurse und Werke aus Asien systematisch übersehe.

Katastrophe von Ceuta, Social-Media-Verbot, Journalismus mit Lösung

1. Wie es zur Katastrophe von Ceuta kam
(belltower.news, Patrick Gensing)
Patrick Gensing argumentiert in einem Beitrag für “Belltower News”, dass die Katastrophe von Ceuta mit mindestens 88 Toten das tödliche Potenzial von Desinformation offenbart habe. Gezielte Falschmeldungen über ein spanisches Gerichtsurteil hätten die falsche Hoffnung geweckt, die Grenze sei offen. Dies habe zu lebensgefährlichen Handlungsanweisungen in Sozialen Netzwerken geführt. Gensing betont, dass Desinformation kein reines Wissens- oder Medienkompetenzproblem sei, sondern seine größte Sprengkraft dort entfalte, wo Armut herrscht.

2. Fünf erste Lehren aus dem Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Eine erste offizielle Evaluation des im Dezember 2025 gestarteten australischen Social-Media-Verbots für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren liefere laut netzpolitik.org keine Hinweise auf einen echten Erfolg der Maßnahme. Die meisten betroffenen Minderjährigen seien weiterhin auf Plattformen wie TikTok oder Instagram aktiv, da die Betreiber das Alter der Nutzerinnen und Nutzer nur punktuell überprüfen oder Kontrollen mit einfachen Mitteln wie falschen Altersangaben, VPNs oder der Hilfe von Eltern umgangen würden. Zudem würden viele Jugendliche auf Messenger oder Online-Games ausweichen.

3. Trump weist Berichte über Munitionsknappheit zurück
(taz.de)
US-Präsident Donald Trump habe Medienberichte über angebliche Engpässe bei Waffen und Munition infolge des Irankriegs scharf zurückgewiesen und den Urhebern vertraulicher Leaks mit langjährigen Haftstrafen gedroht. Wie die dpa unter Berufung auf Beiträge von CNN und der “Washington Post” berichtet, hätten Journalisten zuvor gemeldet, dass das US-Militär erhebliche Teile seiner Vorräte an Abfang- und Präzisionsraketen aufgebraucht habe.

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4. US-Gericht verdonnert Meta wegen Gefährdung von Kindern zu 567 Millionen US-Dollar Strafe
(spiegel.de)
Ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico habe den Facebook-Mutterkonzern Meta zur Zahlung von 567 Millionen US-Dollar verurteilt. Meta gefährde die psychische Gesundheit von Jugendlichen und schütze sie nur unzureichend vor sexueller Ausbeutung, so das Gericht. Die Entscheidung folge der zweiten Phase eines richtungsweisenden Verfahrens. Bereits im März sei das Unternehmen zur Zahlung von 375 Millionen US-Dollar Schadensersatz verurteilt worden, womit sich der Gesamtbetrag auf 942 Millionen US-Dollar summiere.

5. “Bunte” muss Gegendarstellung von Karl-Theodor zu Guttenberg veröffentlichen
(sueddeutsche.de)
Das Landgericht Offenburg habe den Burda-Verlag dazu verurteilt, auf der Titelseite der Zeitschrift “Bunte” eine Gegendarstellung des ehemaligen Bundesministers Karl-Theodor zu Guttenberg zu veröffentlichen. Anlass sei eine Schlagzeile aus dem Juli, in der fälschlicherweise über ein “Liebes-Aus” zwischen Guttenberg und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche berichtet worden sei. Die Kosten des Rechtsstreits trage der Burda-Verlag.

6. “Spiegel” will lösungsorientierten Journalismus stärken
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der “Spiegel” verstärke unter dem Label “Spiegel Solutions” seine Berichterstattung über lösungsorientierte Ansätze in Politik und Gesellschaft. Wie “DWDL” berichtet, soll die von Autorin Susanne Beyer vorangetriebene Initiative in allen Ressorts aufzeigen, wo gesellschaftliche Ansätze gelingen, ohne dabei den kritischen Blick auf Missstände aufzugeben. Als neues Format werde ein Streitgespräch in Form einer “Mediation” eingeführt, bei der gegensätzliche Diskutanten nach gemeinsamen Schnittmengen suchen. Den Auftakt bilde das Aufeinandertreffen von Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer und dem CDU-Politiker Sepp Müller (nur mit Abo lesbar).

Russland desinformiert, Weniger Frauen, KI-Bücher fluten den Markt

1. Russland verstärkt vor Landtagswahlen offenbar Desinformation
(spiegel.de)
Russland habe seine zentral gesteuerten Desinformations-Aktionen im Vorfeld der anstehenden Landtagswahlen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern drastisch verschärft. Die Kampagnen würden darauf abzielen, etablierte Parteien (CDU, SPD, Grüne, FDP) sowie Lokalpolitikerinnen und -politiker durch gefälschte Medienbeiträge gezielt zu diskreditieren und das politische Klima zu polarisieren.

2. Weniger Frauen in Führungspositionen
(verdi.de)
Eine aktuelle Auswertung des Vereins ProQuote Medien zeige, dass der Frauenanteil in den Führungsspitzen der Leitmedien seit dem Höchststand im Jahr 2023 kontinuierlich sinke. Die Vorstandsvorsitzende Helena Ott warne vor einem anhaltenden Abwärtstrend, der die mühsam erkämpfte Repräsentation von Frauen im Journalismus gefährde. Während die “taz” mit einem Frauenmachtanteil von knapp 62 Prozent weiterhin den Spitzenplatz belege, hätten andere Medienhäuser wie die “Süddeutsche Zeitung”, die “Welt” oder die “Zeit” Verluste verzeichnet.

3. Die Vermutung war richtig: Was eine neue Studie über KI-Bücher auf Amazon beweist
(buchmarkt.de, Patrick Meier)
Ein Forschungsteam habe in der Preprint-Studie “Generative AI floods and dilutes the market for books” anhand von über 14.000 selbstveröffentlichten E-Books nachgewiesen, dass die Flut KI-generierter Titel den Buchmarkt auf Amazon KDP massiv verwässert. Wie Patrick Meier berichtet, sei das Titelangebot zwischen 2023 und 2026 etwa um das 38-Fache gewachsen, während der Gesamtumsatz nur um das rund Neunfache gestiegen sei. Der Umsatz pro verkauftem Buch sei dadurch auch bei Titeln ohne KI-Anteil um durchschnittlich ein Fünftel gefallen. Besonders stark treffe dieser Verdrängungseffekt den Abodienst Kindle Unlimited.

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4. Klimaskepsis durch »Alternativmedien«? (PDF)
(journalistik.online, Luis Paulitsch)
Eine Fachuntersuchung des Medienethikers Luis Paulitsch in der Zeitschrift “Journalistik” analysiert die systematischen Methoden deutschsprachiger rechtsalternativer Medien zum Schüren von Klimaskepsis und Ablehnung der Energiewende. Anhand von Faktenchecks etablierter Prüforganisationen identifiziert der Autor vier zentrale Muster: “(1) Angriffe gegen klimawissenschaftlichen Konsens; (2) unseriöse Quellen und »Experten«; (3) irreführende Wiedergabe; (4) Diskreditierung politischer Gegner:innen.”

5. Audio oder Video? Wie sich Podcasting durch Plattformen verändert
(dfjv.de, Brigitte Hagedorn)
Die Podcasting-Landschaft verändere sich durch die wachsende Bedeutung von Videopodcasts und empfehlungsgetriebenen Plattformen wie YouTube oder Spotify nachhaltig. Wie Brigitte Hagedorn ausführt, böten Videopodcasts erhebliche Vorteile bei der Sichtbarkeit, Hörergewinnung und Weiterverwendung von Inhalten als Kurzvideos für Social Media. Dennoch verliere der klassische Audiopodcast aufgrund seiner unkomplizierten Verbreitung via RSS-Feed und seiner Stärke als alltägliches Begleitmedium nicht an Relevanz.

6. Christian Meier wird Weimers neuer Kommunikationschef
(dwdl.de, Alexander Krei)
Christian Meier, langjähriger Medienjournalist und ehemaliger Co-Chefredakteur von “Meedia” sowie Reporter bei der “Welt”, wechsele in die Politik: Er übernehme die Leitung des Kommunikationsstabs bei Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Meier folge auf Hero Warrings, der das Haus nach rund einem Jahr in Richtung freie Wirtschaft verlasse. Zusammen mit Christiane Uhlig soll Meier künftig die strategische Kommunikation verantworten.

Ceuta-Vorgeschichte, Interaktives Theater, Schlechter Lernfortschritt

1. Marokko sieht die Schuld bei Sozialen Medien
(tagesschau.de, Stefan Ehlert)
Nach dem Massenandrang auf die spanische Exklave Ceuta habe Marokkos Innenministerium Stellung bezogen und die Verantwortung vor allem auf gezielte Falschinformationen im digitalen Raum zurückgeführt. Wie ARD-Korrespondent Stefan Ehlert berichtet, seien den Ereignissen Aufrufe und Kampagnen auf TikTok, Facebook und Instagram über eine vermeintlich mühelose Einreise vorausgegangen.

2. Keine Gel­dent­schä­d­i­gung wegen Arti­kel­serie über Helene Fischers Mut­ter­schaft
(lto.de, Xenia Piperidou)
Der Bundesgerichtshof habe entschieden, dass die Veröffentlichung einer sechsteiligen Artikelserie mit heimlich aufgenommenen Babyfotos von Helene Fischer in verschiedenen Magazinen desselben Verlags zwar rechtswidrig gewesen sei, der Sängerin jedoch kein Anspruch auf Geldentschädigung zustehe. Eine Entschädigung bei mehreren weniger schweren Eingriffen setze eine “wiederholte und hartnäckige” Verletzung des Persönlichkeitsrechts voraus. Da alle betroffenen Artikel erschienen seien, bevor dem Verlag die erste einstweilige Verfügung zugegangen sei, habe es an dieser Voraussetzung gefehlt, so das Gericht.

3. Frühes Social-Media-Konto = schlechtere Schulleistung?
(spiegel.de)
Eine im Fachblatt “Nature Human Behaviour” veröffentlichte Studie der Universität Milano-Bicocca zeige, dass Jugendliche, die bereits ab der sechsten bis achten Klasse ein Social-Media-Konto besitzen, in standardisierten Leistungstests in Mathematik und der Muttersprache signifikant schlechter abschneiden als Mitschüler, die mindestens bis zur neunten Klasse (circa 14 bis 15 Jahre) damit warten. Dieser Leistungsunterschied entspreche laut Experten dem Lernfortschritt eines halben Schuljahres.

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4. Über Trauma sprechen: Interaktives Theater bereitet Journalismusstudierende vor
(de.ejo-online.eu, Glenda Cooper)
Die interaktive Methode des Forumtheaters lasse sich wirksam einsetzen, um Journalismusstudierende auf die emotionale und ethische Belastung von Trauma-Interviews vorzubereiten. Eine Begleitstudie zu mehrjährigen Workshops zeige, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Rollenspiele und einen Perspektivwechsel nicht nur vorgefasste Vorurteile hinterfragen, sondern auch praktische Empathie und Vertrauen aufbauen können. Der geschützte Raum helfe den Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten, sensible Interviewtechniken zu entwickeln.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 259
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Christina Elmer)
Der aktuelle Newsletter des Netzwerk Recherche schlägt einen Bogen von anstehenden Fachveranstaltungen bis hin zu medienpolitischen Entwicklungen. So stehe im September die 10. SciCAR-Konferenz in Dortmund an, die sich mit datenbasiertem Journalismus, KI-Anwendungen und der Kooperation zwischen Wissenschaft und Medien befasse. Zudem thematisiert der Newsletter aktuelle Stipendienprogramme für Lokal- und Klimarecherchen, Warnungen vor veränderten US-Visabestimmungen für ausländische Medienschaffende sowie neue Fortbildungs- und Unterstützungsangebote.

6. News-Charts: Wer Ikkimel vom TikTok-Thron verdrängte
(dwdl.de, Simon Pycha)
Bei “DWDL” hat Simon Pycha die aktuellen News-Charts auf TikTok zusammengestellt: Die “Tagesschau” habe sich in der Juli-Analyse der meistgesehenen journalistischen TikTok-Accounts den ersten Platz gesichert. Auf den Plätzen zwei und drei folgen RTL West sowie “ZDFheute”. Neben dem Jugendwort des Jahres seien im Juli vor allem Blaulichtreportagen, Warnungen vor Vibrionen und Beiträge zu neuen Geldschein-Designs die reichweitenstärksten Themen gewesen.

KW 31/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Berichten wir falsch über die Klimakrise?
(ardsounds.de, Sophie Morár, Audio: 27:16 Minuten)
In dieser Folge von “BR24 Medien” thematisiert Sophie Morár die abnehmende Präsenz der Klimakrise im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Hintergrund ist eine aktuelle Studie (PDF) der Initiative Klima° vor acht. Im Studio mit dabei: Lea Dohm, Psychologin und aktiv bei “Psychologists for Future”, Claudia Reiser, Klimajournalistin beim MDR und der ARD-Klimaredaktion, und Özden Terli, Meteorologe und Wettermoderator beim ZDF.

2. Berichterstattung über Waldbrände und Gema vs. Suno AI
(wdr.de, Steffi Orbach, Audio: 43:06 Minuten)
Die WDR5-Sendung “Töne, Texte, Bilder” deckt ein breites Spektrum aktueller Medienthemen ab: ARD-Korrespondent Michael Heussen schildert die Herausforderungen der Berichterstattung vor Ort aus den Waldbrandgebieten in Südwestfrankreich. Musikerin Ella Rohwer ordnet ein noch nicht rechtskräftiges Urteil zugunsten der GEMA gegen das KI-Musikunternehmen Suno AI ein. Außerdem geht es um die EU-Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte und den Einfluss von Künstlicher Intelligenz im israelischen Wahlkampf. Abgerundet wird die Ausgabe durch eine Glosse zum medialen Sommerloch von Philipp Anft.

3. Desinformation: Wie sie unseren Umgang mit Wissen ruiniert
(deutschlandfunknova.de, Romy Jaster, Audio: 53:53 Minuten)
In ihrem Vortrag an der Europa-Universität Viadrina warnt die Philosophin Romy Jaster von der Berliner Humboldt-Universität vor den strukturellen Folgen von Desinformation. Das Problem von “Fake News” beschränke sich nicht nur auf das Erzeugen konkreter Falschannahmen, sondern greife das Wissenssystem als Ganzes an. Durch Strategien wie das gezielte Überfluten des öffentlichen Raums mit Falschinformationen (“Flood the Zone with Shit”) werde die Aufmerksamkeit der Rezipienten überlastet und die Fähigkeit zur begründeten Urteilsbildung untergraben.

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4. Liquid Content: So verändert KI den Journalismus
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 33:41 Minuten)
Im Podcast “Satzzeichen” spricht Gastgeber Christian Jakubetz mit Sascha Devigne, Chefredakteur vom regionalen Fernsehsender Studio 47, über das Konzept des “Liquid Content”. Dabei würden gründlich recherchierte journalistische Inhalte nicht mehr starr für ein einzelnes Medium produziert, sondern dank moderner Künstlicher Intelligenz modular und flexibel für unterschiedlichste Zielgruppen und Plattformen aufbereitet: “Es geht um neue Arbeitsweisen, veränderte Berufsbilder und die Frage, wie journalistische Inhalte in einer fragmentierten Medienwelt möglichst viele Menschen erreichen können.”

5. Das goldene Zeitalter? Wie Communitys, Non-Profit-Redaktionen und TikTok den Journalismus prägen (mit Pauline Tillmann)
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 56:29 Minuten)
Bei “This is Media Now” diskutiert Lukas Schöne mit der Journalistin, Gründerin und Trainerin Pauline Tillmann über die Zukunftsfähigkeit und die Qualitätskriterien des modernen Journalismus. Tillmann vertritt die Auffassung, dass das “goldene Zeitalter des Journalismus” trotz des massiven wirtschaftlichen Drucks weiterhin bestehe. Sie plädiert für einen konstruktiven Journalismus, der Betroffene als handelnde Subjekte porträtiert, sowie für den gezielten Ausbau von Community-Formaten und die Nutzung von Plattformen wie TikTok im Lokaljournalismus.

6. Geheime TikTok-Deals enthüllt: Das dreckige Geschäft mit der Aufmerksamkeit
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 30:25 Minuten)
Mats Schönauer enthüllt mutmaßlich illegale Marketingpraktiken und Schleichwerbekampagnen, die sich gezielt an Jugendliche auf TikTok und anderen Plattformen richten: “Ich habe exklusiv Zugriff auf Dokumente bekommen, die zeigen, wie Unternehmen mit Schleichwerbung und Algorithmus-Manipulation die Plattformen und Communities täuschen.” Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

Anstalt vs. “Anstalt”, Unmut beim DLF, Trump verhökert seine Posts

1. Wir­k­lich ein “Ein­griff in die Mei­nungs- und Kunst­f­rei­heit”?
(lto.de, Jacob Hoffmann)
Das ZDF hat einen geplanten Auftritt des Rappers Danger Dan und des Pianisten Igor Levit in der 100. Ausgabe der Satire-Sendung “Die Anstalt” kurzfristig gestrichen. Die Musiker wollten dort Danger Dans antifaschistischen Song “Keine Angst” präsentieren, der sich mit dem Widerstand gegen Rechtsextremismus befasst. Die ZDF-Intendanz untersagte den Auftritt mit der Begründung, der Text überschreite die Grenze zum Aufruf zu Gewalt und zur Selbstjustiz, was den hauseigenen Programmrichtlinien widerspreche. Jacob Hoffmann ordnet das Geschehen juristisch ein.
Weiterer Lesetipp: Das ZDF hat in einem Beitrag in eigener Sache Stellung bezogen: “Keine Angst”: Warum das ZDF keinen Gewaltaufruf sendet.
Und noch ein Gucktipp: In der ZDF-Sendung “Aspekte” hat Jo Schück mit Expertinnen und Experten gesprochen: “Was sind die Hintergründe für diese Entscheidung? Wie ist dieser Song juristisch einzuschätzen? Wo sind die Grenzen der Kunstfreiheit? Und welche Mittel sind im Kampf gegen den Rechtsextremismus erlaubt?” (zdf.de, Video: 15:11 Minuten)

2. Funken für die neue Medienwelt
(taz.de, Ann-Kathrin Leclere)
Der Deutschlandfunk plane ab dem 30. November eine umfassende Programmreform, die tägliche Fachmagazine wie “Forschung aktuell” oder das Medienmagazin “Mediasres” streiche und deren Inhalte stattdessen in größere Informationsstrecken sowie monothematische Hintergrund-Podcasts einbette. In der Belegschaft und bei der Freienvertretung rege sich massiver Unmut. Auch der Deutsche Journalisten-Verband warne vor einem Verlust an publizistischer Vielfalt und fachlicher Tiefe.

3. Wissenschaftsjournalismus aus der Hölle: Der Boulevard und seine “Studien”
(kobuk.at, Sophie Tiganas)
Eine Analyse des Medienblogs “Kobuk” entlarvt den österreichischen Boulevard (“Krone”, “Oe24”, “Heute”) und dessen systematisch irreführende Berichterstattung über wissenschaftliche Erkenntnisse. Im Jahr 2025 hätten demnach fast die Hälfte von rund 1.500 untersuchten Artikeln Studien verzerrt, unvollständig oder schlicht falsch präsentiert. Die Redaktionen hätten dabei verharmlosende Werbeumfragen von Dating-Plattformen oder Firmen als “Schock-Studien” genutzt, massive methodische Mängel verschwiegen oder komplexe Nuancen in Panik-Schlagzeilen verwandelt.

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4. Untersuchung: ARD und ZDF berichten weniger über Klimakrise
(medien.epd.de)
Eine automatisierte Programmanalyse der Initiative “Klima vor acht” zeige, dass die öffentlich-rechtliche Klimaberichterstattung im ersten Halbjahr 2026 deutlich abgenommen habe. Die Kürzungen träfen laut der Untersuchung ausgerechnet ein Halbjahr mit extremen Hitzewellen. Klimafragen hätten fast nur noch dann mediale Aufmerksamkeit erhalten, wenn sie an politische Konflikte gekoppelt gewesen seien, wie den Koalitionsstreit um das Heizungsgesetz oder den Petersberger Klimadialog.

5. Wie wir Hass bekämpfen, ohne die Freiheit des Wortes zu verlieren
(netzpolitik.org, Johannes Masing)
In einer Grundsatzrede auf dem Kongress “Wehrhafte Demokratie”, dokumentiert von netzpolitik.org, warnt der Rechtswissenschaftler und ehemalige Bundesverfassungsrichter Johannes Masing vor einer inhaltlichen Aushöhlung der Meinungsfreiheit durch den Staat. Das Grundgesetz gewähre die Meinungsfreiheit im Vertrauen auf die freie Auseinandersetzung prinzipiell auch den Feinden der Freiheit. Inhaltliche Grenzen würden für Bürgerinnen und Bürger als Individuen oder Vereinigungen nicht existieren, solange Äußerungen friedlich bleiben und nicht in aggressive Rechtsgutverletzungen umschlagen.

6. Trump will sich Expresszugriff auf seine Social-Media-Posts bezahlen lassen
(spiegel.de)
US-Präsident Donald Trump wolle über sein Medienunternehmen Trump Media & Technology Group künftig den schnellen Zugriff auf seine eigenen Onlinebotschaften monetarisieren. Mit dem neuen Bezahlangebot “Truth API”, das am 1. August starten soll, könnten Abonnentinnen und Abonnenten gegen Gebühr einen lizenzierten Echtzeitzugriff auf die Beiträge reichweitenstarker Konten der Plattform Truth Social erhalten. Da Trumps Äußerungen regelmäßig weltweite Schlagzeilen auslösen und Finanzmärkte bewegen, richte sich der Dienst vor allem an Börsenhändler und Finanznachrichtendienste, für die ein Zeitvorsprung im Sekundenbruchteil entscheidend sein kann.

Weimer ändert Verfahren, Erfolg für HateAid, Deutschlandfunk-Reform

1. Weimer ändert Auswahlverfahren beim Deutschen Verlagspreis
(deutschlandfunk.de)
Nach dem anhaltenden Wirbel um den Deutschen Buchhandlungspreis habe Kulturstaatsminister Wolfram Weimer das Auswahlverfahren für den Deutschen Verlagspreis geändert. Künftig treffe der Kulturstaatsminister die finale Auswahl der auszuzeichnenden unabhängigen Verlage selbst, basierend auf den Empfehlungen der Jury. Ein Veto dürfe er laut einem Sprecher nur einlegen, wenn verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse zu den Nominierten vorliegen. Zudem werde ein neues Beratungsgremium mit Fachleuten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Kurt-Wolff-Stiftung installiert, um etwaige Streitfälle zu klären.

2. EU-Kommission verlangt grundlegende Änderungen von Instagram und Facebook
(netzpolitik.org, Anna Ströbele Romero)
Die Europäische Kommission habe dem Social-Media-Konzern Meta in einem vorläufigen Ermittlungsergebnis Verstöße gegen den Digital Services Act vorgeworfen. Facebook und Instagram würden durch Mechanismen wie endloses Scrollen, automatische Wiedergabe und hochgradig personalisierte Empfehlungen ein süchtig machendes Design verwenden, das zwanghaftes Nutzungsverhalten fördere. Zudem schütze der Konzern Minderjährige unzureichend vor exzessiver Nutzung in der Nacht. Bei einer finalen Feststellung des Verstoßes könnten Meta Geldbußen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen.

3. Erfolg für HateAid: AfD-Abgeordneter entfernt ein Dutzend Falschaussagen aus “NGO Files”
(hateaid.org)
Die gemeinnützige Organisation HateAid berichtet in eigener Sache, dass man einen juristischen Erfolg gegen gezielte Diffamierungskampagnen aus dem AfD-Umfeld erzielt habe. Wie die NGO mitteilt, habe der AfD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Maack (Betreiber der Plattform “NGO Files” und Sprecher einer fraktionseigenen Arbeitsgruppe) nach einer Abmahnung eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben. Maack habe auf einer Website systematisch Falschbehauptungen über die Organisation verbreitet. HateAid-Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg betont, wie wichtig die Gegenwehr sei, da Falschinformationen im Netz andernfalls schleichend zu gefühlten Fakten würden.

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4. Friedrich Küppersbusch: “Analoges Fernsehen ist was für Leute über 60”
(dwdl.de, Senta Krasser)
Wie Senta Krasser bei “DWDL” berichtet, blicke der Journalist und Produzent Friedrich Küppersbusch, einst prägendes Gesicht des WDR-Politmagazins “ZAK”, kritisch auf die schwindende Experimentierfreude des linearen Fernsehens. Dass er mit seiner Kölner Firma probono ausgerechnet zum 75. Geburtstag der ARD die erfolgreichste Primetime-Doku des Jahres 2025 für den Senderverbund produzierte, empfinde er selbst als Ironie. Seine persönliche kreative Befreiung erlebe der 65-Jährige ohnehin seit 2020 auf seinem eigenen YouTube-Kanal “Küppersbusch TV”, der Anfang 2026 die Marke von 100.000 Abonnenten geknackt hat.

5. Orientierung statt Reichweite
(djv.de, Hendrik Zörner)
Gemeinsam mit einem Bündnis aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft sowie Klima- und Verbraucherschutzverbänden fordert der Deutsche Journalisten-Verband Korrekturen bei der geplanten Programmreform des Deutschlandfunks. In einem offenen Brief warnen die Organisationen vor einem Verlust an publizistischer Tiefe, Fachkompetenz und redaktioneller Kontinuität. Es bestehe die Gefahr, dass komplexe Zusammenhänge und Themen abseits des schnellen Nachrichtenzyklus hinter der tagesaktuellen Berichterstattung zurücktreten müssten.

6. Comedy-Presseschau
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
In der aktuellen Ausgabe seiner “Comedy-Presseschau” greift Bernhard Hiergeist die Debatten der Stand-up-Welt auf, darunter Dieter Nuhrs jüngste Äußerung über Femizide. US-Kritiker Seth Simons warne derweil vor dem Satz “Funny is funny”. Abgerundet wird der Überblick von einem Hinweis auf Stefan Stuckmanns Kritik an der hiesigen TV-Landschaft sowie von Berichten über 35 Jahre “Quatsch Comedy Club” und verdeckte Marketing-Kampagnen hinter viralen Onlinetrends.

KI-generierte Nachrichten, “Saure Froschfresse”, Herausgabebeschluss

1. Hilfe, die KI-generierten Nachrichtenseiten sind da
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Wie Andrea Gutschi berichtet, dringen KI-generierte Nachrichtenseiten wie “Weltstimme” oder “Brandaktuell” mit erfundenen Redaktionsprofilen auf den österreichischen Medienmarkt. Ihre täglich Dutzenden Artikel würden fast vollständig auf Plagiaten realer Medien basieren, deren Texte automatisiert umgeschrieben und deren Fotos ohne Hinweis übernommen würden. Bei der werbefreien “Weltstimme” würden falsche Impressumsangaben und unbelegte Berichte zum Ukraine-Krieg auf russische Einflussnahme hindeuten.

2. Echt jetzt!? KI in den Nachrichten
(ndr.de, Lisa Beusch, Video: 14:19 Minuten)
Ein versehentlich ausgestrahltes KI-Video in der ZDF-Nachrichtensendung “heute journal” habe bei dem öffentlich-rechtlichen Sender eine schwere Krise ausgelöst und zeige, wie verletzlich Redaktionen mittlerweile seien. Gegenüber dem NDR-Medienmagazin “Zapp” räumt ARD-aktuell-Chefredakteur Marcus Bornheim ein, dass ein solches Durchrutschen von Fake-Material jede Redaktion treffen könne. “Zapp”-Reporterin Lisa Beusch ist der Frage nachgegangen, was für Schlüsse daraus zu ziehen sind.

3. “Letzte-Gene­ra­tion”-Beschluss ist trotz Sorge vor Straf­ver­fol­gung her­aus­zu­geben
(lto.de, Markus Sehl)
Das Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein habe entschieden, dass das Landgericht Flensburg eine wichtige Entscheidung über die Klimagruppe “Letzte Generation” veröffentlichen müsse. Das Landgericht habe befürchtet, dass sich seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter strafbar machen könnten, weil das Gerichtsverfahren noch laufe und es ein Gesetz gebe, das die Veröffentlichung von Dokumenten aus laufenden Verfahren verbiete. Das Verwaltungsgericht habe zudem kritisiert, dass es Journalistinnen und Journalisten in Deutschland oft zu schwer gemacht werde, direkt aus Gerichtsunterlagen zu zitieren.

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4. Kriegsbilder in sozialen Medien lösen bei Jugendlichen Belastungssymptome aus
(deutschlandfunk.de)
Bilder und Videos von Krieg und Gewalt in Sozialen Medien würden bei vielen jungen Menschen psychische Belastungssymptome auslösen. Dies sei das Ergebnis einer Studie der Universität Regensburg, für die 2.000 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 21 Jahren befragt worden seien. Demnach hätten 93 Prozent der Befragten solche Inhalte bereits online gesehen. Ein Viertel von ihnen berichte über Vermeidungsverhalten, 15 Prozent über erhöhte Anspannung und zehn Prozent über Schlafprobleme. Die Studienautorinnen und -autoren würden deshalb fordern, die Medienkompetenz junger Menschen zu stärken und die Verbreitung von Gewaltdarstellungen auf Plattformen strenger zu regulieren.

5. ORF in der Krise: Der Fisch stinkt vom Kopf her
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der österreichische öffentlich-rechtliche Rundfunk ORF befinde sich in der tiefsten Krise seiner Geschichte, wofür Medienberichten zufolge vor allem der Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer verantwortlich gemacht werde. Bei “DWDL” kommentiert Timo Niemeier: “Heinz Lederer ist Teil des Problems. Das ist nach den vergangenen Wochen und Monaten allzu offensichtlich. Dass er trotz der für Österreich-Verhältnisse großen Kritik an seinem Sessel klebt und alles an ihm abperlt, passt aber irgendwie auf tragische Art und Weise. Denn auch das ist Österreich wie es leibt und lebt.”

6. »Berliner Zeitung« verliert gegen Böhmermann im Streit über »saure Froschfresse«
(spiegel.de)
Das Landgericht Köln habe der “Berliner Zeitung” per Versäumnisurteil untersagt, eine Falschbehauptung über den Satiriker Jan Böhmermann zu verbreiten. Das Blatt habe fälschlicherweise berichtet, Böhmermann habe in seinem Podcast “Fest und Flauschig” den Journalisten Ulf Poschardt als “saure Froschfresse” bezeichnet. Tatsächlich stamme die Äußerung jedoch von Böhmermanns Kollegen Olli Schulz, der damit Poschardts Mimik in einer Debatte mit der Journalistin Melanie Amann beschrieben habe. Da die “Berliner Zeitung” keinen Einspruch eingelegt habe, habe sie ihren Artikel um eine Richtigstellung ergänzen und an Böhmermann rund 600 Euro zahlen müssen.

KW 27/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Türkei: Pressefreiheit unter Druck
(ardsounds.de, Ingo Lierheimer, Audio: 25:19 Minuten)
Benjamin Weber, Türkei-Korrespondent der ARD, und Christiane Schlötzer, ehemalige Türkei-Korrespondentin der “Süddeutschen Zeitung”, zeichnen bei “BR24 Medien” ein düsteres Bild der Pressefreiheit in der Türkei. Im Vorfeld des anstehenden NATO-Gipfels in Ankara sei es erneut zu einer Festnahmewelle von Journalisten und willkürlichen Akkreditierungsverweigerungen gekommen. Kritisiert wird auch das Verhalten der EU und der Bundesregierung, die die anhaltenden Menschen- und Medienrechtsverletzungen weitgehend schweigend hinnähmen.

2. Studie: Wie die “Heizungshammer”-Kampagne der BILD Mainstream wurde und das Heizungsgesetz letztlich kippte
(wochendaemmerung.de, Katrin Rönicke & Holger Klein, Audio: 21:56 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe der “Wochendämmerung” wird eine neue wissenschaftliche Untersuchung zur “Heizungshammer”-Kampagne der “Bild”-Zeitung besprochen. Ein Forschungsteam der TU Dortmund, der University of Oxford und des Öko-Instituts habe darin hunderte Artikel des Boulevardblatts zur Reform des Gebäudeenergiegesetzes aus dem Jahr 2023 analysiert. Die Studie zeige, wie das aggressive, populistische Framing der “Bild”-Redaktion das Thema emotional aufgeladen habe. Die mediale Dynamik habe schlussendlich maßgeblich zum Aus des Gesetzes im Jahr 2026 beigetragen.

3. Alte Probleme, neue Herausforderungen
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 35:45 Minuten)
Im Medienpodcast “Nach Redaktionsschluss” diskutieren die Investigativjournalistinnen Angelique Geray (RTL) sowie Isabell Beer und Isabel Ströh (NDR) über den Wandel ihres Handwerks. Die Grundidee, Missstände aufzudecken, sei seit den Zeiten Günter Wallraffs gleich geblieben. Die Methodik habe sich durch das Internet und Soziale Medien jedoch drastisch verändert. Bei ihren prämierten Undercover-Recherchen in rechtsextremen Jugendgruppen (“Braune Kinderzimmer”) und digitalen Vergewaltigungsnetzwerken (“Rapetapes”) gehe die digitale Arbeit im Vergleich zu früher mit neuen Risiken wie KI-Gesichtserkennung, Doxing und immensen psychischen Belastungen einher.

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4. Wo bleibt der mediale Druck auf Politiker, sich zur Klimakrise zu äußern?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 20:28 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast hat Holger Klein den Mitgründer des Netzwerk Klimajournalismus Jürgen Döschner zu Gast. In ihrem Gespräch geht um die “Hitzeberichterstattung”: “Wie kann das Klima auch abseits von Hitzewellen Teil der täglichen Berichterstattung werden? Warum braucht es dafür erst eine dramatische Hitzewelle? Und welche Rolle spielt ein womöglich klimamüdes Publikum?”

5. Hauptstadtjournalismus im Wandel: Zwischen Social Media und Tagesschau
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 32:56 Minuten)
Im Podcast “Satzzeichen” hat sich Christian Jakubetz mit dem ARD-Hauptstadtkorrespondenten Philip Kuntschner unterhalten. Thema ist Kuntschners Arbeit als Politikjournalist in Berlin und sein Weg vom bayerischen Regionaljournalismus in die Hauptstadt. Es geht darum, wie Soziale Medien und die Digitalisierung den Beruf verändern, und um die Frage, wie Journalistinnen und Journalisten exklusive Geschichten finden. Außerdem sprechen die beiden über die Fragen von Haltung und professioneller Distanz.

6. Marinićs Freiheit: Nu(h)r Femizide?
(hr2.de, Jagoda Marinić, Audio: 35:23 Minuten)
Jagoda Marinić spricht in dieser Solo-Folge von “Freiheit Deluxe” über die hitzige öffentliche Debatte rund um einen geschmacklosen Witz des Comedians Dieter Nuhr, den dieser auf Kosten von Opfern von Femiziden gemacht habe. Sie analysiert, warum dieser Vorfall so heftige, emotionale Reaktionen bei Befürwortern und Kritikern auslöst: Wer hat sich durch die Kritik angegriffen gefühlt? Und was sagt die Diskussion über den aktuellen Zustand der Gesellschaft aus?

KI-Firmen kaufen Antiquariate leer, Alte “Bild”-Meldungen, RTL-Saison

1. KI-Firmen kaufen Antiquariate leer – und vernichten die Bücher
(srf.ch, Sven Ahnert)
KI-Unternehmen würden mutmaßlich europäische Antiquariate leerkaufen, die Bücher als Trainingsdaten einscannen und danach wegwerfen. Ein kanadisches Unternehmen namens Zoom Books habe palettenweise vergriffene Sachbücher und Romane geordert, gezielt je ein Exemplar pro Titel. Dahinter stehe vermutlich ein Konstrukt aus dem US-Urheberrecht: Wer Bücher physisch besitze und nach dem Scannen vernichte, könne sich auf das Fair-Use-Prinzip berufen. Gedruckte Bücher seien begehrt, weil die frei zugänglichen Onlinetexte für das Training weitgehend ausgeschöpft seien.

2. Nein, alte “Bild”-Meldungen widerlegen nicht den Klimawandel
(zdfheute.de, Oliver Klein)
In den Sozialen Medien würden tausendfach geteilte alte “Bild”-Schlagzeilen auftauchen, die mit Hitzemeldungen von 1957 und 1975 den Klimawandel infrage stellen sollen. Die Schlagzeilen seien zwar echt, ihre Verwendung aber irreführend: Die “56 Grad” von 1957 seien im Inneren eines Uhrgehäuses gemessen worden, die “40 Grad” von 1975 nur eine Prognose gewesen, die damals nirgends erreicht worden sei. Oliver Kleins Fazit: “Meldungen über einzelne Hitzewellen in den 50er- oder 70er-Jahren beweisen nicht, dass das Klima in Deutschland damals bereits ähnlich heiß war wie heute. Der Trend, dass die Temperaturen in Deutschland und der ganzen Welt ansteigen, ist hingegen gut belegt.”

3. Endlich ich!
(taz.de, Adrian Lobe)
Adrian Lobe argumentiert in seinem Kommentar, KI könne pseudoobjektive Diskurssimulation gut, und genau deshalb müsse der Journalismus persönlicher werden. Anlass seien die KI-generierten Texte des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt in der “FAZ” und des Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner in der “Welt am Sonntag”. Faktenlastige Standardware wie Agenturmeldungen und Länderporträts könne die Maschine übernehmen. Was KI jedoch nicht könne: eigene Eindrücke sammeln und Stimmungen einfangen.

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4. SEED-​Newsletter Nr. 37
(netzwerkrecherche.org)
Thomas Schnedler warnt im Editorial des “SEED”-Newsletters des Netzwerk Recherche davor, dass der Lokaljournalismus auf dem Land immer schwächer werde. Anlass sei eine Bilderstrecke im AfD-Blatt “Blauer Mut”, das der Thüringer Gratiszeitung “Bürgerzeit aktuell” beiliege. Zwei Bilder würden dasselbe Freibad zeigen: “früher” friedlich, “heute” voller Müll und Gewalt mit Menschen, die wie das AfD-Bild von Migranten aussähen. Die Bilder seien offenbar von einer Künstlichen Intelligenz erzeugt, ohne dass darauf hingewiesen werde. Solche kostenlosen Anzeigenblätter sprängen dort ein, wo es kaum noch echte Lokalzeitungen gebe, und könnten so rechte Botschaften unauffällig verbreiten. Das Netzwerk Recherche fordere deshalb, guten Lokaljournalismus zu stärken.

5. Wer weiß wie wann was mit Raab am besten funktioniert?
(dwdl.de, Timo Niemeier)
In seiner Bilanz zur RTL-Saison 2025/26 stellt Timo Niemeier fest, dass der Versuch einer wöchentlichen Stefan-Raab-Show auch im zweiten Jahr gescheitert sei. Die Sport-Strategie mit 2. Fußball-Bundesliga und NFL bringe nur überschaubare Reichweiten, während Länderspiele und Einzelevents wie die Basketball-EM erfolgreich gewesen seien. Die eigentliche Stärke des Senders liege in Dauerbrennern wie “Ich bin ein Star”, “Wer wird Millionär?” und “Let’s Dance”, die ihre Marktanteile stabil gehalten hätten.

6. Co-Regis­­seur von “Kau­­litz & Kau­­litz” muss genannt werden
(lto.de)
Das Oberlandesgericht Köln habe entschieden, dass Pablo Ben Yakov, einer von drei Regisseuren der Netflix-Serie “Kaulitz & Kaulitz”, als Co-Regisseur im Nominierungstext des Deutschen Fernsehpreises genannt werden müsse. Der Preis habe 2025 die zweite Staffel der Serie ausgezeichnet, im Text aber nur Annika Blendl und Michael Schmitt als “Regie-Duo” geführt, was den falschen Eindruck erweckt habe, Ben Yakov sei nicht beteiligt gewesen.

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