Suchergebnisse für ‘Klima’

Frauenaufstand im Vatikan, Apples Pläne, Abgeschminkte „Welt“-Auflage

Vorbemerkung: Aus aktuellem Anlass folgt im Lauf des Tages eine Sonderausgabe zur umstrittenen EU-Urheberrechtsreform.

1. Frauenaufstand im Vatikan
(sueddeutsche.de, Matthias Drobinski)
Die vatikanische Frauenzeitschrift „Donne Chiesa Mundo“ hat sexuelle Gewalt von Priestern und Ordensmännern gegen Nonnen angeprangert. Papst Franziskus musste einräumen, dass dieses Problem existiert. Trotzdem ist die komplette Redaktion aus elf Frauen zurückgetreten. Chefredakteurin Lucetta Scaraffia: „Wir werfen das Handtuch, weil wir uns von einem Klima des Misstrauens und einer fortschreitenden Delegitimierung umgeben sehen.“ Auch andere Vatikan-Journalisten würden darüber klagen, dass ausgerechnet unter Papst Franziskus die Freiräume für sie enger geworden seien.
Weiterer Lesetipp: In Australien drohen 23 Journalisten Geldstrafen und Haft. Ihr „Vergehen“: Sie hatten trotz Berichterstattungsverbot über den Missbrauchsprozess gegen den ehemaligen und mittlerweile zu sechs Jahren Haft verurteilten Vatikan-Finanzchef George Pell berichtet (sueddeutsche.de).

2. „Die Welt“ kündigt Ende der Auflagen-Kosmetik an
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Keine andere überregionale Tageszeitung habe eine derartige Auflagenkosmetik betrieben wie die „Welt“, so Uwe Mantel bei „DWDL“: Rechne man alle kosmetischen Maßnahmen heraus, bleibe weniger als die Hälfte übrig. Das soll sich nun ändern, halb freiwillig, halb durch die Umstände gezwungen.

3. Wenn alle sehen, wie man pinkelt
(taz.de, Finn Holitzka)
Das Fotoprojekt #DeinKindAuchNicht wirbt mit provozierenden Bildern dafür, die Privatsphäre von Kindern in sozialen Netzwerken zu wahren. Die Botschaft richtet sich dabei vor allem an die stolzen Eltern, die oft gedankenlos die Bilder ihrer Sprösslinge ins Netz stellen.

4. Bevor Sie als Verleger in Apple News+ die Zukunft für Ihre digitalen Medien sehen, sollten Sie das hier lesen
(meedia.de)
Anfang der Woche hat Apple seinen neuen Dienst Apple News+ vorgestellt, ein Flatrate-Angebot für Magazine und Zeitungen, das gerne auch als „Netflix für News“ bezeichnet wird. Was bedeutet dies nun für die Verlage? Wird Apples neuer Dienst gar den weltweiten Medienmarkt umkrempeln? Bei „Meedia“ gibt es eine spannende Analyse mit allen wichtigen Hintergrundinformationen und einigen Argumenten für und gegen Apples neuen digitalen Zeitungsstand.

5. Kommentar: Apple TV+ ist viel heiße Luft
(heise.de, Ben Schwan)
Apple hat am Montag nicht nur seinen neuen Dienst Apple News+ vorgestellt, sondern auch den Streamingdienst Apple TV+ für den Herbst angekündigt. Ben Schwan äußert sich zurückhaltend: „Alles in allem bleibt von Apple TV+ bislang nicht viel mehr als heiße Luft — das zu verbergen gelang nicht einmal den vielen Promis auf der Bühne. Wenn man bedenkt, wie lange die Vorbereitungszeit war, die Apple für den Streamingdienst hatte, ist das enttäuschend. Apple versucht offensichtlich angesichts all der Ankündigungen der Hollywood-Studios und TV-Channel, eigene Streamingdienste zu starten, Claims abzustecken.“

6. Meisterwerke nach ihren schwarzen Modellen umbenannt
(diepresse.com)
Für die Ausstellung „Das schwarze Modell — Von Gericault bis Matisse“ im Pariser Musée d’Orsay sind Meisterwerke nach ihren schwarzen Modellen umbenannt worden. Dem ging eine aufwändige Recherche voraus, so die Kuratorin. Zwar hätten Schwarze bei der Entstehung moderner Kunst in Paris eine wichtige Rolle gespielt, doch seien ihre Namen unerwähnt geblieben und ihr Einfluss in der Kunstgeschichte wegen Rassismus und Stereotypen in den Hintergrund gedrängt worden.

Durchgestochen, Wikipedias Protest-Abschaltung, Gewalt-Verharmloser

1. „Ein faires Strafverfahren steht auf dem Spiel“
(rbb24.de, Martin Krebbers)
Im Fall der vermissten, 15-jährigen Rebecca aus Berlin wurden zahlreiche Details über erste Ermittlungsergebnisse und die Familie sowie Fotos des Tatverdächtigen veröffentlicht. Die Vereinigung Berliner Strafverteidiger hat mit der Form von Echtzeit-Berichterstattung ein Problem. Ihr Vorsitzender Stefan Conen erklärt im Interview: „Das ist ja nicht nur ein Problem, was ich habe, sondern auch der Gesetzgeber. Informationen aus Ermittlungskreisen durchzustechen — und das wird hier vornehmlich die Polizei sein, die Staatsanwälte kenne ich, von denen glaube ich das nicht — das ist eine Straftat.“

2. Gibt es noch gute Nachrichten, Herr Wickert?
(zeit.de, Jochen Wegner & Christoph Amend, Audio: 12:18 Minuten)
Im „Zeit“-Podcast „Alles gesagt“ wird so lange gesprochen, bis der Gast befindet, dass es nun gut sei. Das kann schon mal fünf Stunden dauern wie beim Gespräch der „Zeit Online“- beziehungsweise „Zeit Magazin“-Chefs Wegner und Amend mit dem Musiker Herbert Grönemeyer. Beim Interview mit dem Journalisten und Bestsellerautor Ulrich Wickert lief alles anders: Kaum hatte das unterhaltsame Gespräch mit dem langjährigen „Tagesthemen“-Moderator begonnen, war es auch schon wieder zu Ende. Wickert hatte (versehentlich?) sein Stopp-Wort gesagt. Die gut zwölf Minuten lohnen sich trotzdem. Außerdem bleibt die Hoffnung, dass es sich nur um einen Cliffhanger für eine längere Folge handelt.
Weiterer Tipp: Bei ARD-Alpha gibt es ein Gespräch mit Wickert zu sehen, das immerhin 45 Minuten dauert.

3. Protest gegen Artikel 13: Wikipedia schaltet sich ab
(heise.de, Torsten Kleinz)
Als Protest gegen die EU-Urheberrechtsreform soll am 21. März die deutschsprachige Wikipedia komplett abgeschaltet werden. So haben es die Wikipedia-Autoren bei einer Abstimmung beschlossen. Die Wikipedia-Community befürchtet die Errichtung einer Zensur-Infrastruktur und sieht die Gefahr, dass der freie Fluss von Informationen eingeschränkt werde.

4. So wird Gewalt an Frauen verharmlost
(orf.at, Romana Beer)
In Österreich wurden vergangenes Jahr über 40 Frauen von Männern ermordet. Derlei Gewalttaten werden in den Medien immer wieder verharmlost, den Opfern wird eine Mitschuld zugeschrieben. Morde werden unter anderem als „Ehedrama“, „Beziehungsdrama“ und „Familiendrama“ bezeichnet und auf diese Weise als familiäre Zwiste kleingeschrieben. Brutale Angriffe auf Frauen werden als „missglückter Flirt“ bezeichnet und Vergewaltigungen sprachlich in die Nähe von (einvernehmlichem) Sex gerückt. Romana Beer hält eine angemessene und sprachlich sensible Berichterstattung für einen Teil der Prävention: „Indem sie ihre Wortwahl kritisch hinterfragen, können Redaktionen einen Teil dazu beitragen, ein Klima zu schaffen, in dem Gewalt an Frauen nicht verharmlost wird.“ Weiterer Lesetipp: Wie der Boulevard sexuelle Gewalt verharmlost (kobuk.at, Philipp Pramer).

5. „Ich war eine Alibifrau“
(taz.de, Simone Schmollack)
Marlies Hesse wurde 1968 Pressechefin des „Deutschlandfunks“ und war dort die erste Frau in einer Führungsposition. Eine „Alibifrau“, wie man ihr gegenüber später zugab. Die „taz“ hat sich mit Hesse unterhalten, die für die Gleichberechtigung von Frauen im Journalismus eintritt und den nach ihr benannten Preis für Nachwuchsjournalistinnen gestiftet hat.

6. „Achillesfersen finden, nutzen und schauen was passiert“
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Miguel Robitzky war gerade mal 16 Jahre alt, als er sich mit seinen Karikaturen beim Medienportal „DWDL“ bewarb. Das ist nun fünf Jahre und über 250 Karikaturen her und Anlass, sich mit dem jungen Zeichner über seine Arbeit zu unterhalten. Robitzky auf die Frage, wie er mit Kritik umgeht: „(…) ich reagiere auf Kritik wie ich auf alles reagiere: mit Masturbation.“

Bild.de lässt Bergmänner am Times Square demonstrieren

Die Bundesregierung hat beschlossen, bis 2038 aus der Braunkohle auszusteigen. Doch die „Bild“-Zeitung ist dagegen.

Der Ausstieg sei viel zu „teuer und kompliziert“, wetterte „Bild“-Vize Nikolaus Blome schon kurz nach dem Beschluss. Wenn es nach den Grünen und den Umweltschützern ginge, säßen wir „irgendwann alle im Dunkeln.“

Von „Öko-Irrsinn“ ist die Rede, von „Klima-Chaos“. Der Kohleausstieg: ein riesiger Fehler! „Unser Wohlstand verträgt keinen übereilten Kohle-Ausstieg!“, schreit „Bild“ schon vor dem Beschluss und warnt: „STANDORT DEUTSCHLAND IN GEFAHR!“ Und nicht nur das!

BILD-Titelseite: Steuern! Strompreis! Arbeitsplätze! DAS KOSTET UNS DAS KOHLE-AUS
Schlagzeile Bild.de: Experten rechnen mit Strompreis-Hammer
Schlagzeile Bild.de: Energiewende - Wie viel Kohle ist uns das wert?
Schlagzeile BILD: Kohle-Aus kostet bis zu 78,5 Milliarden Euro
Schlagzeile BILD: Milliarden-Loch - Scholz geht wegen Kohle-Aus die Kohle aus
Schlagzeile BILD: Merkel äußert Zweifel am Kohle-Ausstieg - Wenn wir so weitermachen, werden wir scheitern

Heute präsentiert Bild.de …

Schlagzeile Bild.de: 5 Gründe, warum der Kohle-Ausstieg so nicht funktioniert

Grund Nummer 3:

Widerstand in den Regionen. Aus den betroffenen Kohle-Regionen — Sachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg — gibt es Widerstand gegen das Kohle-Aus, weil viele Jobs wegfallen. Im Saarland unterzeichneten mindestens ein Dutzend Bürgermeister einen Brief an die Bundesregierung, sie fordern finanzielle Unterstützung. Sogar am Times Square in New York wurde demonstriert.

Der Link steht da so im Original, und wer sich die Mühe macht, ihn anzuklicken, sieht schnell, dass das keine Demonstration empörter Braunkohlearbeiter war …

Schlagzeile Bild.de: Bergbau-Label "Grubenhelden" mit Flashmob aus New York - Pott-Kumpel leuchten am Times Square - Mode-Start-Up nimmt auch an der Fashion Week teil

… sondern eine PR-Kampagne von einem Modelabel.

Mit Dank an den Hinweisgeber!

Tichys Taktik, Giffey im Visier, Tipps zum Umgang mit Rechtspopulisten

1. Kein Kampf: Roland Tichy macht sich zum Opfer
(uebermedien.de. Stefan Niggemeier)
Der Publizist Roland Tichy („Tichys Einblick“) ist von der Mediengruppe Madsack abgemahnt worden. Nach Informationen von „Übermedien“ sei das Unternehmen im Kern gegen zwei Tatsachenbehauptungen Tichys vorgegangen: Dass die SPD bestimme, was in den Zeitungen der Gruppe stehe, und dass es sich bei den Madsack-Medien um „SPD-Medien“ handele. Daraufhin löschte Tichy den Artikel und inszenierte sich in einem neuen Beitrag als unschuldiges Zensur-Opfer. Eine Strategie, die Stefan Niggemeier mit deutlichen Worten kritisiert: „Tichys ursprünglicher Artikel war ein übles Machwerk, aber seine Reaktion auf die Abmahnung ist besonders perfide. Er wird wissen, warum er eine juristische Auseinandersetzung scheut: Er müsste all seine forschen und extrem aggressiv formulierten Behauptungen von der Parteipropaganda belegen, die die SPD zentral gesteuert über Medien wie das RND verbreite.“

2. Ein Verdacht ist schnell in der Luft
(faz.net, Jochen Zenthöfer)
Jochen Zenthöfer kritisiert die Berichterstattung des „Spiegel“ über die Plagiatsvorwürfe gegen Familienministerin Franziska Giffey. Diese sei laut „Spiegel“ wegen ihrer politikwissenschaftlichen Dissertation ins „Visier der Plagiatsjäger“ geraten. Zenthöfer kommentiert: „Ehrlicher müsste man wohl sagen: Giffey ist ins Visier des „Spiegel“ geraten, der nicht abwarten konnte, bis die Plagiatsprüfung zuerst zu Ende geführt wird.“

3. Gutachten: Macht den Journalismus gemeinnützig!
(netzwerkrecherche.org, Thomas Schnedler)
Ein im Auftrag der nordrhein-westfälischen Landesregierung erstelltes Gutachten empfiehlt, den Journalismus steuerrechtlich als gemeinnützig anzuerkennen. Kommt die vorgeschlagene Gesetzesänderung zur Umsetzung, schaffe dies auch Rechtssicherheit. Bislang mussten journalistische Institutionen wie die „Kontext:Wochenzeitung“, das Recherchezentrum „Correctiv“ oder das Online-Magazin „MedWatch“ Umwege bemühen, um von den Finanzbehörden als gemeinnützig anerkannt zu werden. Was die Umsetzung auf Bundesebene anbelangt, geben sich die Gutachter optimistisch: „Das politische Klima der 19. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages scheint für eine Gesetzgebungsinitiative günstig.“

4. 5 Empfehlungen zum Umgang mit Rechtspopulisten in der Berichterstattung (und Talkshows)
(neuemedienmacher.de)
Der Umgang mit rechtspopulistischen Parteien ist für Medienschaffende nicht einfach. Die „Neuen deutschen Medienmacher*innen“ haben daher eine Handreichung mit fünf Empfehlungen ausgearbeitet.

5. Wissenschaftler wollen Merkels Facebook-Seite für Nachwelt erhalten
(spiegel.de)
Angela Merkel hat sich von Facebook verabschiedet und ihre Seite mit immerhin 2,5 Millionen Likes abschalten lassen, was von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kritisch gesehen wird. So fordert der Bibliotheksjurist Eric Steinhauer, dass die Seite zumindest sichtbar im Netz hätte bleiben müssen: „Jedermann sollte noch auf das Konto zugreifen können.“

6. Trumps Feind ist unser Feind
(taz.de, Jürn Kruse)
Amazon-Chef Jeff Bezos wirft dem „National Enquirer“ Erpressung vor. Es sei ihm per Mail mit der Veröffentlichung von privaten Nachrichten und intimen Fotos gedroht worden, die er anscheinend mit seiner neuen Lebensgefährtin ausgetauscht hatte. Die Hintergründe dazu lesen sich wie der Plot zu einer neuen Netflix-Serie.

„Bild“ abgemahnt, Geistig Umnachtet, „Aus Frust schlug er zu“

1. Nach tödlichem S-Bahn-Streit: Familien mahnen „Bild“ ab
(nordbayern.de)
Nach Angaben von nordbayern.de haben die beiden Familien der bei dem Unglück an der Nürnberger S-Bahn-Station Frankenstadion ums Leben gekommenen Jugendlichen einen Medienanwalt beauftragt und die Axel Springer SE abgemahnt. „Bild“ hatte unverpixelte Fotos veröffentlicht, auf denen die beiden verstorbenen 16-Jährigen gut zu erkennen waren.

2. Sich mit den Tätern anlegen
(kontextwochenzeitung.de, Oliver Stenzel)
Die „Kontext Wochenzeitung“ hat sich mit dem Enthüllungsjournalisten und langjährigen „Stern“-Autor Arno Luik über dessen Spezialgebiete Stuttgart 21 und Deutsche Bahn unterhalten. Luik kommentiert das Versagen von Politik und Medien. Schon der Einstieg sei nicht einfach gewesen: „(…) als ich KollegInnen vorgeschlagen hatte, etwas über S 21 zu machen, da hieß es zunächst sinngemäß: S 21, was ist denn das? Interessiert doch kein Schwein. Sollen die Stuttgarter unter sich ausmachen. Es hat auch deswegen niemanden interessiert, weil Stuttgart von Hamburg aus gesehen so sexy ist wie ein überfahrener Frosch.“

3. Die Macht der Geschichten
(spektrum.de, Theodor Schaarschmidt)
Diplompsychologe und Wissenschaftsjournalist Theodor Schaarschmidt hat sich Gedanken gemacht, warum wir immer wieder auf Hochstapler hereinfallen und warum packende Geschichten eine derartige Sogwirkung entfalten: „Offenbar brauchen wir narrative Strukturen, um uns die Welt zu erschließen. Wo keine Geschichten zu finden sind, halluzinieren wir manchmal sogar welche herbei!“

4. Die frustrierend falsche Berichterstattung zu Implantaten, Prothetik und Wissenschaftsthemen
(ennopark.de)
Forscher und Forscherinnen der New Yorker Columbia University haben mit einem Hirnimplantat gemessen, was im Hörzentrum des Gehirns passiert, wenn Menschen gesprochener Sprache zuhören. Über ein KI-System sei es gelungen, die gehörte Sprache während des Zuhörens aus dem Hörzentrum zu rekonstruieren. Mit „Gedankenlesen“ habe dies ausdrücklich nichts zu tun, doch genau das behaupteten viele internationale Medien in ihrer Berichterstattung. Enno Park, Vorsitzender des Vereins Cyborgs e.V., kommentiert: „Manchmal sind die Artikel schlicht falsch, manchmal haben die Autor:innen völlig korrekt abgeliefert aber Redakteur:innen offenbar den Inhalt des Textes ignoriert und eine Clickbait-Überschrift drübergetackert. Der Verantwortung der Medien wird ein solches Vorgehen jedenfalls nicht gerecht.“

5. «Aus Frust schlug er zu!»
(infosperber.ch, Barbara Marti)
Immer wieder wird in der Berichterstattung über Gewalttaten gegen Frauen die Täterperspektive übernommen. Dann ist vom „Flirt-Frust“ die Rede, vom „Beziehungsdrama“ oder der „Eifersuchtstat“. Dadurch werden die Taten bagatellisiert, den Opfern wird eine Teilschuld zugeschoben. Auch Heute.at berichtete in dieser Form und korrigierte sich erst nach zahlreichen Protesten im Netz.

6. Geistige Umnachtung an der Falkenstrasse
(nureinefrage.blogspot.com, Benjamin Blume)
Die „NZZ am Sonntag“ veröffentlichte ein „Quiz“ über die junge Klimaaktivistin Greta Thunberg, in dem verschiedene Krankheitsformen zur Auswahl gestellt wurden. Mittlerweile hat sich der Chefredakteur der „NZZ am Sonntag“ bei Twitter mit einem knappen „Wurde geändert. Danke für die Hinweise“ gemeldet. Für ein Wort des Bedauerns oder eine Entschuldigung reichte es augenscheinlich nicht …

7. „Abtreibungsärzte“
(twitter.com, Lorenz Meyer)
Als siebter und damit zusätzlicher Link, weil vom „6 vor 9“-Kurator: „Abtreibungsärzte“…. Müssen wir wirklich solche Vokabeln framen, lieber Spiegel Online?

Soko Chemnitz, Schal mit schalem Beigeschmack, Non Paper

1. Provokation gelungen: #SokoChemnitz nimmt Ermittlungen auf
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter beschäftigt sich mit der neuesten Aktion des Künstler- und Politkollektivs „Zentrum für politische Schönheit“, dem Online-Pranger auf soko-chemnitz.de. Reuter kommentiert: „Wer sich heute das laue mediale Lüftchen anschaut, das die Hannibal-Enthüllungen auslösten — und den Sturm der Entrüstung, der auf diese grenzwertige und umstrittene Kunstaktion folgt, der sieht eben auch gesellschaftliche Konfliktlinien und Defizite. Diese sichtbar zu machen, ist dann wieder Kunst, auch wenn es wehtut und möglicherweise justiziabel ist.“

2. Alles für den guten Zweck?
(taz.de, Anne Fromm)
Käuferinnen und Käufer des „Spendenschals“ der „Brigitte“, glauben, dass sie damit in allererster Linie syrische Kinder unterstützen. Die größten Profiteure des Charityverkaufs könnten jedoch die „Brigitte“ selbst und ein an der Aktion beteiligtes Unternehmen sein. Anne Fromm hat für die „taz“ den Taschenrechner angeworfen, die Materialpreise addiert und ist auf merkwürdige Kalkulationsdifferenzen gestoßen. Auffällig sei zudem, dass seit einiger Zeit nur noch die Rede davon ist, dass alle Beteiligten die Aktion unterstützten. Das bei früheren Schalverkäufen verwendete Wort „unentgeltlich“ sei unauffällig eliminiert worden.

3. Wie ein virtueller Mitarbeiter die t-online.de-Redaktion unterstützt
(t-online.de, Björn Schumacher)
t-online.de hat sich einen Bot programmieren lassen, der die Redaktion bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt. „Buddy“, so der Name des virtuellen Kollegen, klinkt sich in die Chat-Software Slack ein und informiert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort über Seitenaufrufe, meldet Rechtschreibfehler und Floskeln und schlägt Alarm, wenn besonders viele Leser aus einem Artikel abspringen.

4. Non Paper: Dokumente, die offiziell nicht existieren
(investigativ.welt.de, Manuel Bewarder)
In der Politik existieren Geisterpapiere, die zwar von Beamten in Ministerien geschrieben werden, aber offiziell nicht existieren. Derartige „Non Papers“ kommen ohne Stempel, Unterschrift oder Aktenzeichen aus, was bedeutet, dass sie nicht zugeordnet werden können, und sich niemand für sie rechtfertigen muss. Manuel Bewarder vom Investigativressort der „Welt“ erklärt, was es damit auf sich hat.

5. Für Leugner ist kein Platz mehr
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz & Michael Borgers, Audio, 5:15 Minuten)
Muss man für eine ausgewogene Berichterstattung über den Klimawandel auch Klimawandelleugner einbeziehen? Bei der BBC gibt es dazu eine interne Richtlinie, die vor einem „falschen Gleichgewicht“ warnt. Doch wie verfahren die deutschen Medien? Der „Deutschlandfunk“ hat mit dem Wissenschaftsjournalisten Christopher Schrader über das Thema gesprochen.
Weiterer Lesehinweis: Neutralität mit Nebenwirkungen (riffreporter.de, Christopher Schrader): „Wer in der Debatte über die Klimakrise partout keinem Lager angehören will, gerät womöglich gerade damit auf eine Seite.“

6. Warum der Influencer-Hype bald vorbei sein könnte
(spiegel.de, Florian Gontek)
Ist der Hype um die Influencer bald vorbei? Nun, es könnte zumindest schwerer für sie werden, wie eine Studie der Werbeagentur Werbeagentur Jung von Matt/Sports besagt. Der Markt stoße an seine Grenzen, ein Verdrängungswettbewerb setze ein. Facebook spiele für Personen- und Influencer-Marketing kaum noch eine Rolle. Außerdem gebe es ein Glaubwürdigkeitsproblem. „Die Follower und vor allem die Unternehmen lassen sich immer seltener für dumm verkaufen“, so der Jung-von-Matt-Werber Toan Nguyen.

Sehen alle gleich aus (17)

Was haben Kabarettist Serdar Somuncu und Komiker Abdelkarim gemeinsam? Beide haben eher wenig Haare, beide tragen einen Bart, beide stehen auf der Bühne. Joar.

Für Bild.de sind Serdar Somuncu und Abdelkarim nicht auseinanderzuhalten.

Nachdem die Klima-Allianz Deutschland im Hambacher Forst Portraitfotos von Prominenten an einzelnen Bäumen angebracht hat, weil diese Prominenten für diese Bäume Patenschaften übernommen haben, zeigt Bild.de in einem Artikel einige der teilnehmenden Personen: Moderatorin Enie van de Meiklokjes zum Beispiel und Schauspieler Benno Fürmann. Und ihn hier:

Screenshot Bild.de - Komiker Serdar Somuncu hat auch eine Baumpatenschaft übernommen - zu sehen ist ein Foto, das mehrere Bäume im Hambacher Forst zeigt, an denen große Fotos von Prominenten hängen, ein Mann und eine Frau hängen gerade das Foto des Komikers Abdelkarim an einen der Bäume

Anders als von Bild.de in der Fotozeile …

Komiker Serdar Somuncu hat auch eine Baumpatenschaft übernommen

… behauptet, hat Serdar Somuncu gar keine Baumpatenschaft im Hambacher Forst übernommen. Und er ist auf dem Bild auch nicht zu sehen: Weder bei dem Mann in der roten Jacke noch bei der Frau mit der Wollmütze noch bei dem Mann, dessen Foto gerade am Baum befestigt wird, handelt es sich um Somuncu. Letzterer ist, ihr ahnt es bereits: Abdelkarim.

Mit Dank an @1Maggie12 und @phillip_bien für die Hinweise!

Nachtrag, 24. Oktober: Bei Bild.de ist Abdelkarim nun Abdelkarim und nicht mehr Serdar Somuncu:

Komiker Abdelkarim hat auch eine Baumpatenschaft übernommen

Auf einen Hinweis, dass die Bildunterschrift mal falsch war, hat die Redaktion verzichtet.

EU bringt Internet in Gefahr, Buhrows Klatsche, Williams-Karikaturenstreit

1. Diese Überschrift dürfen Sie künftig nicht mehr zitieren
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Gestern beschloss eine Mehrheit im EU-Parlament entgegen aller Kritik von Fachleuten und fast einer Million Unterschriften von skeptischen Bürgern die EU-Urheberrechtsreform. Entsprechend groß ist das Entsetzen bei den Medienbeobachtern.
„Zeit Online“-Redakteurin Lisa Hegemann schreibt: „Die Lobbyarbeit ist aufgegangen: Die EU-Urheberrechtsreform belohnt die Verlage. Für uns alle ist sie desaströs. Die freie Verbreitung von Informationen ist in Gefahr.“
Muzayen Al-Youssef kommentiert im „Standard“: „Die Verschärfung des Urheberrechts fördert Zensur und zeigt, dass das EU-Parlament Netzaktivisten, IT-Koryphäen und Bürger ignoriert hat.“
Patrick Beuth kommentiert bei „Spiegel Online“: „Die Mehrheit der EU-Abgeordneten hat mit ihrer Zustimmung zur Urheberrechtsreform bewiesen, dass sie das Internet nicht versteht — und an magische Lösungen für technische Probleme glaubt.“
Und Richard Gutjahr spricht auf Facebook von einem „Ausverkauf des Journalismus“.
Es gab im Vorfeld jedoch auch Äußerungen von Befürwortern, wie den Beitrag der „SZ“-Größe Heribert Prantl. Einen Kommentar, den Stefan Niggemeier auf „Übermedien“ als „Verleumdung im Dienst der Aufklärung“ bezeichnet.

2. Eine 22-seitige Klatsche für Tom Buhrow
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Als eine „22-seitige Klatsche für Tom Buhrow“ bezeichnet „SZ“-Kolumnist Hans Hoff den Abschlussbericht zum Umgang des WDR mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung. Mit der Erstellung des Berichts war die ehemalige Gewerkschaftsvorsitzende Monika Wulf-Mathies betraut worden. Und die gibt dem Sender schlechte Noten: Der WDR brauche dringend einen Kulturwandel, eine Verbesserung des Betriebsklimas und mehr gegenseitige Wertschätzung.
Weiterer Lesehinweis: Nur die Spitze des Eisbergs (taz.de, Wilfried Urbe).

3. „Eingeimpft“ im MedWatch-Check Teil 2: „Wenn ungeimpfte Kinder sterben, ist das Schicksal“
(medwatch.de, Hinnerk Feldwisch Drentrup)
Nach einer Recherche von „MedWatch“ kommen in Dokumentarfilm „Eingeimpft“ fragwürdige Forscher zu Wort, die Gelder von Anti-Impf-Lobbyorganisationen erhalten. „MedWatch“ hat Produzenten, Geldgeber und weitere Experten um eine Bewertung gebeten.

4. Zeitung verteidigt umstrittene Serena-Williams-Karikatur
(spiegel.de)
Nach dem Wutausbruch der Tennisspielerin Serena Williams im Finale der US Open erschien in der australischen „Herald Sun“ eine vielfach kritisierte Karikatur: Der Zeichner Mark Knight hatte die Tennisspielerin als wutschnaubende Schwarze mit dicken Lippen, breiter Nase und großem Hinterteil gezeichnet. Tausende Menschen, darunter auch Promis wie die Autorin J.K. Rowling, warfen der Zeitung darauf unter anderem Rassismus vor. Das Blatt stellte sich jedoch hinter ihren Zeichner und druckte die Karikatur erneut ab, diesmal sogar auf dem Titel.
Weiterer Lesehinweis: Ebenfalls auf „Spiegel Online“ kommentiert Hannah Pilarczyk: „In dieser Karikatur stecken diverse rassistische Stereotype. Ob sie absichtlich benutzt wurden oder nicht, ist egal: Einem Profizeichner darf so etwas nicht passieren.“

5. Erdogan nimmt Geisel
(jungewelt.de, Alp Kayserilioglu & Joan Adalar)
In der Türkei ist ein weiterer kritischer Journalist verhaftet worden: der österreichische Autor Max Zirngast, der dort seit 2015 Politikwissenschaften studiert. Vielleicht störten sich die türkischen Behörden an Zirngasts Engagement für eine alternative Sommerschule für Kinder aus armen Familien, vielleicht an seinen politischen Publikationen. Was ihm genau zum Vorwurf gemacht wird, sei jedoch unklar.
Weiterer Lesehinweis: Im österreichischen „Standard“ erzählt der Journalist und Türkei-Kenner Markus Benrath von einer Begegnung mit Zirngast, dem „baumlangen, sympathischen Steirer“ in Ankara.

6. „Jetzt bin ich halt der Ottlitz“
(mediummagazin.de, Jens Twiehaus)
Stefan Plöchinger ist in der Medienwelt ein bekannter Name: Er war Digital-Chef der „Süddeutschen Zeitung“ und ist vor Kurzem als Leiter der Produktentwicklung beim „Spiegel“ in die Geschäftsleitung aufgestiegen. Doch viele werden sich umgewöhnen müssen, denn Plöchinger heißt jetzt Ottlitz. Das „Medium Magazin“ hat sich bei ihm danach erkundigt, wie es dazu gekommen ist, dass er seinen branchenbekannten Namen abgelegt hat.

AfD-Ehemaligentreffen, Trauermarsch und Terrormarsch, Strichmenschen

Das gesellschaftliche Klima scheint rauer, die politischen Fronten verhärteter zu werden. Das bekommen auch die Medien zu spüren, die immer öfter zum Zielobjekt von Ablehnung und Hass werden. Die Vorkommnisse auf den rechtsgerichteten Kundgebungen in Chemnitz zeichnen ein besorgniserregendes Bild. Manche sprechen gar von einer Zäsur. Hier eine Sonderausgabe unserer „6 vor 9“, welche ausschließlich von den jüngsten Entwicklungen in Chemnitz handelt. Die reguläre „6 vor 9“-Ausgabe von heute findest Du hier.

1. „Noch nie so viel Hass auf Medien erlebt“
(tagesschau.de, Dominik Lauck)
Bei den rechtsgerichteten Kundgebungen in Chemnitz kam es immer wieder zu Angriffen auf Journalisten. Reporter wurden nicht nur bepöbelt und bedroht, sondern auch tätlich angegriffen. Dominik Lauck lässt auf tagesschau.de Medienvertreter und ihre Chefredakteure zu Wort kommen. Der den Reportern entgegenschlagende Hass ist mehr als besorgniserregend. „T-Online“-Chef Florian Harms wandte sich mit einem Tweet an die sächsische Polizei: „Unfassbar. @PolizeiSachsen warum schaffen Sie es nicht, Journalisten wie unseren Reporter vor diesem Mob zu schützen? Was muss denn noch passieren, damit ihr solche Lagen in den Griff bekommt?“
Weiterer Lesehinweis: Auf Facebook hat die Initiative „Gegen die AfD“ ebenfalls Material und Stimmen zusammengetragen und befindet: „Dieser sogenannte „Trauermarsch“ ist ein Terrormarsch gewesen! Und zwar Terror von Rechtsextremen.“

2. Aufstieg der AfD: „Die Mitte muss auf die Barrikaden gehen“
(zeitgeist.rp-online.de, Merlin Bartel)
Beim Campfire-Festival, einer Veranstaltung für Journalismus und digitale Zukunft, diskutierte die Publizistin Liane Bednarz mit Michael Bröcker, Chefredakteur der „Rheinischen Post“, und „Correctiv“-Geschäftsführer David Schraven über das Thema „Rückkehr zum Vertrauen: Verantwortung der Medien für den Aufstieg der AfD“. Dabei geht es um Fragen wie: Was hat zum Erfolg der AfD geführt? Welche Maßnahmen helfen gegen rechten Hass? Wo liegen die Ursprünge für den AfD-Erfolg? Und kennen Journalisten noch die Sorgen der Bürger?
Hörtipp: Beim „Polik Betreuung“-Podcast von Jenny Günther ist die AfD-Aussteigerin Franziska Schreiber zu Gast. Schreiber war 2013 in die Partei eingetreten und hatte dort eine steile Karriere gemacht, die sie bis in den Bundesvorstand führte. Eine Woche vor der Bundestagswahl verkündete sie öffentlichkeitswirksam ihren Austritt. Über ihre Zeit bei der AfD schrieb sie ein vielbeachtetes Buch. Im Podcast geht es natürlich um ihre Zeit bei der AfD, die Strategie der Partei („Die AfD als Feigenblatt für ein Neonazi-Bündnis“), aber auch um die generelle Entwicklung der Demokratie.

3. Zimperlich sind die, die am Schreibtisch bleiben
(spiegel.de, Raphael Thelen)
„Spiegel“-Redakteur Jan Fleischhauer hatte in seiner Kolumne Journalisten, die über Angriffe durch Rechtsradikale auf Demos klagen, als „zimperlich“ bezeichnet. Raphael Thelen hat eine Replik auf Fleischhauer verfasst, die mit zahlreichen konkreten Beispielen aufwartet und der Empfehlung an Fleischhauer, „seine behagliche Münchner Doppelhaushälfte mal zu verlassen.“
Weiterer Lesehinweis: Vielleicht interessiert sich „Spiegel“-Kolumnist Jan Fleischhauer ja auch noch für den Beitrag „Journalisten als Zielscheibe“ seiner „Spiegel Online“-Kollegen: „Der Hass gegen die Presse war bei der Demonstration am Samstag in Chemnitz beispiellos, berichten Reporter. Journalisten wurden bepöbelt, am Filmen gehindert und mitunter sogar verletzt.“

4. Barley lässt nach Chemnitz-Protesten rechte Netzwerke überprüfen
(welt.de)
Justizministerin Katarina Barley will aufklären lassen, welche Organisationen hinter der Mobilisierung rechter Gewalttäter bei den Protesten in Sachsen stehen. Rechtsradikale dürften nicht die Gesellschaft unterwandern.
Parallel wirft Außenminister Maas seinen deutschen Mitbürgern Bequemlichkeit im Kampf gegen Rassismus vor: „Wir müssen vom Sofa hochkommen und den Mund aufmachen.“ (rp-online.de) Man möchte antworten: „Nur zu, Herr Maas. Nur zu.“

5. Die rechten Rosenkavaliere: Wie sich die AfD in Chemnitz inszenierte
(stern.de, Florian Schillat)
Zunächst hatten AfD-Funktionäre noch vollmundig getönt, dass man mit der islam- und fremdenfeindlichen Pegida nicht zusammen demonstrieren werde („Ein Schulterschluss mit Pegida findet nicht statt“, so Frank Hansel, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD). Dieser Vorsatz hat nicht lange gehalten: Auf dem Flyer zum Chemnitzer Schweigemarsch prangten stolz beide Logos. Florian Schillat ordnet bei Stern.de die unheilige Allianz ein und erklärt die Hintergründe.

6. Strichmenschen gegen den Hass
(zeit.de, Linda Fischer)
Der Künstler „Krieg und Freitag“ ist für seine witzigen Strichmännchen auf Twitter bekannt. Nach den Ausschreitungen in Chemnitz startete er eine Spendenkampagne: Für jede fünf Euro, die gespendet werden, malt er eine Figur. Zunächst waren „nur“ 5000 Euro anvisiert, jetzt liegen bereits mehr als 16.000 Euro im Spendentopf.

Der Pegida-Pöbler des LKA, Genuas Brücke, Hartes Whistleblower-Urteil

1. Attacke auf Fernseh-Team ging von LKA-Mitarbeiter aus
(dnn.de)
Es ist in der Tat eine erstaunliche Wende: Die Attacke auf das Fernsehteam, das für die ZDF-Sendung „Frontal 21“ bei einer Anti-Merkel-Demo filmte, ging von einem Mitarbeiter des sächsischen Landeskriminalamts aus, der dort als Privatmann unterwegs gewesen sein soll. Dies wurde jedenfalls vom sächsischen Innenministerium so mitgeteilt.
Bei der „Süddeutschen“ beschreibt Ulrike Ninz den minutengenauen Ablauf der 45-minütigen Lahmlegung der Journalisten durch die sächsische Polizei. In einem weiteren Beitrag kommentiert Ninz das Verhalten des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Der Landeschef tue zu wenig, um Journalisten zu schützen. Nicht nur sein Ruf nehme Schaden dabei.
Dazu passend ein Hinweis auf das Gespräch des „Deutschlandfunks“ mit dem Rechtsextremismus-Blogger Henrik Merker. Dieser sieht in dem Vorgehen des Anzeige erstattenden Pegida-Pöblers eine Methode, die in rechten Kreisen schon lange gepflegt werde.
Weiterer Lesehinweis: Auf Freitag.de kommentiert Klaus Raab den Vorgang und fragt: „Die Anzeige eines aufgebrachten Mannes, der „Lügenpresse“ skandiert, kann dafür sorgen, dass ein Fernsehteam, das bei einer öffentlichen Demonstration filmt, von der Polizei bei der Arbeit behindert wird? Und: Findet Sachsens CDU das tatsächlich angemessen?“

2. Die Brücke und die Multikultimilliardäre
(de.ejo-online.eu, Petra Reski)
Vor wenigen Tagen ist im italienischen Genua eine Autobahnbrücke eingestürzt. Etwa 30 Fahrzeuge fielen rund 45 Meter in die Tiefe, es gab viele Tote und Verletzte. Die Journalistin und Schriftstellerin Petra Reski kritisiert deutsche Medien für das Narrativ der „grundguten Multikultimilliardärsdynastie“ und Autobahnbetreiberfamilie Benetton und der „bösen, hässlichen italienischen Populisten“. Eine Betrachtung, die Italienkennerin (und Mafiaexpertin) Reski zu schlicht ist.

3. Die Unwucht in unserer Wahrnehmung
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Wie kommt es, dass eine im Mittelmeer aus Seenot gerettete Britin als Sensation gefeiert wird, während Hunderte in Seenot geratene Flüchtlinge höchstens als abstrakte Zahlen Beachtung finden? Sascha Lobo sucht nach Gründen für dieses Phänomen und denkt über Übermedialisierung und rassistische Denkmuster nach.

4. Soko Hamburg
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel & Claudia Tieschky)
Zum vierten Mal in zehn Jahren bekommt der „Spiegel“ eine neue Chefredaktion. Der aktuelle Chefredakteur Klaus Brinkbäumer wird ersetzt durch ein Führungstrio unter Steffen Klusmann, der zuletzt als Chefredakteur des ebenfalls zum Spiegel Verlag gehörenden „Manager Magazins“ tätig war. Die Personalentscheidung hat viel mit der Ausrichtung des Verlags und den inneren Personalstrukturen zu tun. Der „Spiegel“ gehört zu 50,5 Prozent der Mitarbeiter KG, zu 25,5 Prozent dem Hamburger Verlag Gruner + Jahr und zu 24 Prozent den Erben von Gründer Rudolf Augstein.

5. NSA-Leak: Hartes Urteil gegen Whistleblowerin Reality Winner erwartet
(netzpolitik.org. Constanze Kurz)
Heute könnte ein Gericht in Georgia die höchste Strafe aussprechen, die je in den Vereinigten Staaten für die Weitergabe von geheimem Dokumenten an Medien verhängt wurde. Der von der Whistleblowerin Reality Winner geleakte Bericht machte Versuche öffentlich, Wahlsoftware zu hacken. Die ehemalige NSA-Mitarbeiterin hat bereits einer drakonischen Strafe von 63 Monaten Haft zugestimmt. Das endgültige Urteil wird für 16 Uhr (deutsche Zeit) erwartet.

6. Anti-Netflix? Wie sich YouTube Premium unterscheiden will
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Nachdem Youtube sein Bezahlmodell in den USA etabliert hat, wendet man sich nun augenscheinlich verstärkt Europa zu. Ein Youtube-Vertreter hat beim Edinburgh TV Festival über die Geschäftsstrategie und den Unterschied zu Netflix gesprochen. „DWDL“-Chef Thomas Lückerath war dabei und hat die fünf wichtigsten Erkenntnisse notiert.

Blättern:  1 ... 7 8 9 ... 24