Suchergebnisse für ‘Klima’

Transgender-Beitrag, Medien in der Klimakrise, Erfolgreich verloren

1. Heftige Debatte um Transgender-Beitrag in der “Welt”
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Vor einigen Tagen veröffentlichte die “Welt” einen Artikel, in dem “fünf Gastautoren, Biologen und Mediziner”, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine “bedrohliche Agenda” vorwarfen. Bei Welt.de war der Beitrag ursprünglich mit “Wie ARD und ZDF unsere Kinder sexualisieren und umerziehen” überschrieben (unsere Lesetipps vom vergangenen Freitag dazu: “Übermedien” und “Volksverpetzer”). Die Debatte um den “Welt”-Artikel hat weiter Fahrt aufgenommen: Springer-Vorstand Mathais Döpfner hat dem Gastbeitrag widersprochen, “Welt”-Chef Ulf Poschardt ist, zumindest teilweise, zurückgerudert.
Weiterer Lesetipps: “Nollendorf”-Blogger Johannes Kram fragt: Was hat Axel Springer auf dem CSD zu suchen?, und bei Queer.de kommentiert Micha Schulte das “Springer-Gaga”.

2. Medien in der Klimakrise: Warum die aktuelle Klima-Berichterstattung in jede Zeitung und ins Abendprogramm der ARD gehört
(l-iz.de, Ralf Julke)
Die Initiative “Klima vor acht” verfolgt das Ziel, die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten “davon zu überzeugen, wissenschaftlich fundierte Klimaberichterstattung zu produzieren, die täglich zur besten Sendezeit ausgestrahlt wird und so viele Zuschauerinnen und Zuschauer wie möglich erreicht”. In einem neuen Buch beschreiben 28 Autorinnen und Autoren für “Klima vor acht”, “wie und warum die Medien in ihrer eigenen Klima-Krise stecken.” Ralf Julke hat sich das Buch angeschaut.

3. Erfolgreich verloren: Klage gegen die Brema abgewiesen
(uebermedien.de, Eckhard Stengel & Boris Rosenkranz)
Als Cornelia Holsten, die Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt (Brema), in einem eigenen Podcast auffällig unkritisch einen nicht immer sauber arbeitenden Influencer befragte, stieß dies auf ungläubiges Staunen. Es bestand aber noch ein weiteres Problem, wie “Übermedien” seinerzeit berichtete: “Der Podcast wurde kostenlos von einer Firma aus der RTL-Gruppe produziert – und das, obwohl die brema für die Aufsicht des Regionalprogramms von RTL Nord zuständig ist, was einen Interessenkonflikt darstellen könnte.” Im Bemühen um weitere Details zog das “Übermedien”-Team vor Gericht und erlitt eine juristische Niederlage, die jedoch auch ihre positiven Seiten hat.
Weiterer Hörtipp: Was hat die Klage gegen die Brema gebracht – und wie funktioniert das IFG? (übermedien.de, Holger Klein, Audio: 23:31 Minuten)

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4. Notfalls müssen wir übermächtige Konzerne wie Facebook aufspalten
(gutjahr.biz, Richard Gutjahr)
Jan Philipp Albrecht ist vielen als Vater der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bekannt. Nach zehn Jahren im EU-Parlament und knapp vier Jahren als Umweltminister in Schleswig-Holstein wechselt Albrecht demnächst in den Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. Kurz vor diesem Schritt hat sich Richard Gutjahr mit ihm nochmal über Apple, Facebook und Google sowie die Schlacht um unsere Daten unterhalten.

5. Telegram hält sich neuerdings an Gesetze, zumindest ein bisschen
(spiegel.de, Max Hoppenstedt & Marcel Rosenbach)
“Auch wenn das Unternehmen das Gegenteil behauptet: Telegram hat nach ‘Spiegel’-Informationen Nutzerdaten an das BKA gegeben. Die Regierung verbucht das als Erfolg, trotzdem missachtet Telegram weiter deutsche Vorschriften.” Max Hoppenstedt und Marcel Rosenbach fassen zusammen, wie es derzeit um die behördliche Zusammenarbeit mit dem Messengerdienst bestellt ist, der von vielen als vorgeblich rechtsfreier Raum genutzt wird.

6. Grundstücksver­kehrsgenehmigungs­zuständigkeitsüber­tragungsverordnung
(zeit.de, Ulf Schönert)
“Behördensprache ist wie eine Fremdsprache, mit eigenen Vokabeln und eigener Grammatik. Niemand redet so. Trotzdem haben wir uns daran gewöhnt. Ärgerlich, nervig. Mehr anscheinend nicht.” In Ulf Schönerts Text über Behördendeutsch geht es um Verständlichkeitsforschung, eine Pilotstudie, eine Analyse-Software und Defizite der deutschen Behördenkultur.

Musk und die Folgen, Klimakrise, Clickbait mit Asteroiden

1. Elon Musk überschätzt Twitter – und unterschätzt dessen Nutzer
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Beim “Spiegel” kommentiert Patrick Beuth das selbstbewusste bis breitbeinige Auftreten des wahrscheinlich neuen Twitter-Eigentümers Elon Musk: “Wer Twitter verändern will und dabei mit ‘ich’ anfängt, wird scheitern. Es war noch nie das Management, das Twitters Potenzial freigesetzt hat. Es waren immer die Nutzerinnen und Nutzer. Im Guten wie im Schlechten, im Brillanten wie im Bösartigen.”
Weitere Lesehinweise: Torsten Kleinz erklärt, ebenfalls beim “Spiegel”, wie die Twitter-Alternative Mastodon funktioniert, und Alexander Fanta führt bei netzpolitik.org aus, warum ein neues “Mega-Gesetz” der EU für Elon Musk zum Stolperstein werden könnte: Der EU droht die Kraftprobe mit Elon Musks Twitter.

2. “Kommt die Klimakrise nicht in der Tagesschau, kann es nicht so schlimm sein”
(tagesspiegel.de, Ruth Ciesinger)
Die Journalistin Sara Schurmann ist Mitbegründerin des Netzwerks Klimajournalismus Deutschland, das unlängst eine Klima-Charta veröffentlicht hat. Im Gespräch mit dem “Tagesspiegel” erklärt Schurmann, warum sie den Schritt für notwendig hält und wie guter Klimajournalismus aussieht.

3. Der Geschichtenerzähler
(journalist.de, Celine Schäfer)
“Kennt ihr das, euch fehl am Platz zu fühlen in einer Welt, in der alle klüger, gebildeter, besser und sowieso einfach krasser sind als ihr? Trotz Journalismus-Preisen und Job bei ‘Zeit Online’: Ganz aufgehört hat die Angst noch nicht.” Mit diesen Worten weist Manuel Stark bei Twitter auf einen Text im “journalist” hin, in dem er und seine Geschichte im Mittelpunkt stehen. Lesenswert, nicht nur für Menschen, die gelegentlich (oder fortwährend) unter dem Impostor-Syndrom leiden.

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4. Foto-Fail: Tamedia zahlt 8000 Euro für unerlaubte Bildveröffentlichung
(medienwoche.ch, Benjamin von Wyl)
Benjamin von Wyl berichtet von dem beschwerlichen Weg eines dänischen Fotografen, an das ihm zustehende Bildhonorar zu gelangen. Der Schweizer Medienkonzern Tamedia hatte Bilder des Fotografen ohne dessen Einverständnis veröffentlicht und lenkte erst ein, als der Fotograf nach unzähligen Versuchen der direkten Kontaktaufnahme den Vorgang publik machte.

5. Die beliebtesten Genres im Streaming
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Das Berliner Unternehmen “JustWatch” ist eine internationale Film- und Seriendatenbank, die über die Online-Verfügbarkeit von Serien und Filmen Buch führt. Anhand der “JustWatch”-Daten reportiert Petra Schwegler die wichtigsten Erkenntnisse über die Sehgewohnheiten der letzten Zeit und fasst die Aussagen eines Experten-Talks zusammen.

6. “Riesiger Asteroid rast auf Erdumlaufbahn zu”
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Der Astronom und Wissenschaftsblogger Florian Freistetter ist über eine Schlagzeile des österreichischen Boulevardmedius “oe24” gestolpert, nach der ein “riesiger Asteroid” auf uns “zurase”. Freistetter kommentiert: “Korrekt wäre die Überschrift: ‘Typischer Asteroid fliegt mit typischer Geschwindigkeit durchs Weltall’. Aber damit kriegt man natürlich keine Clicks und kann keine Diskussionen in den sozialen Medien auslösen.”

Der Hass der Corona-“Querdenker”, Drosten, Klimathemen für Kinder

1. Corona-Querdenker: “Er will mich impfen, ich will ihn schlagen”
(hessenschau.de)
Es ist immer wieder erschütternd, wieviel Hass und Hetze Medienschaffenden von Seiten einiger Corona-“Querdenker” entgegenschlägt. Für manche Journalistinnen und Journalisten stehen übelste Anfeindungen auf der Tagesordnung, und manchmal bleibt es nicht nur bei Worten: Bei Protesten werden Reporter und Reporterinnen teilweise auch körperlich angegangen. Die “Hessenschau” lässt einige Betroffene zu Wort kommen.

2. Christian Drosten: “Die Wissenschaft muss frei sprechen können”
(riffreporter.de, Kai Kupferschmidt)
Der Virologe Christian Drosten war im “Pandemia”-Podcast zu Gast und hat sich dort unter anderem zu Anfeindungen, die Rolle von Medien und die Tücken der Wissenschaftskommunikation geäußert. Nun haben die “RiffReporter” das Gespräch verschriftlicht. Ob sich die mediale Berichterstattung im Verlauf der Pandemie verändert hat? Drosten: “Ich hatte am Anfang das Gefühl, dass die Medien relativ passiv sind und einfach auch nicht Bescheid wussten. Das war jetzt aber keine irreführende Information, die dabei entstanden ist. Und dann kam so eine Zeit, die leider sehr, sehr lang war, die vielleicht im Sommer oder späten Frühjahr mit dem Ende des ersten Lockdowns losging und die eigentlich jetzt erst vor kurzer Zeit sich ein bisschen gebessert hat, dass man wirklich solche Lager hatte und eine gewisse Absichtlichkeit und auch Agenda spüren konnte.”

3. Türkei wegen langer U-Haft von prominenter Journalistin verurteilt
(rnd.de)
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Türkei zur Zahlung von 16.000 Euro Schadensersatz an die prominente, regierungskritische Journalistin Nazlı Ilıcak verurteilt. Ilıcak hatte zuvor mehrere Jahre und ohne abschließendes Urteil in Untersuchungshaft gesessen. Das Urteil gegen die Türkei sei allerdings noch nicht rechtskräftig und könne innerhalb von drei Monaten von beiden Seiten angefochten werden.

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4. Verlegerangebot unzureichend
(djv.de, Hendrik Zörner)
Die Tarifverhandlungen zwischen dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) und den Zeitungsverlegern (BDZV) gestalten sich schwierig: Die zweite Runde wurde nach mehreren Stunden ohne Ergebnis auf Ende Januar vertagt. “Wir erwarten dann ein deutlich verbessertes Angebot”, so der Verhandlungsführer des DJV. Der BDZV hält hingegen die von ihm gerade erst gemachte Offerte offenbar schon für recht ordentlich: “Unser Angebot berücksichtigt sowohl die für Verlage schwierige aktuelle Corona-Situation als auch das berechtigte Interesse der Redakteure nach tabellenwirksamer Erhöhung.”

5. “Die Welt gerät für manche aus den Fugen”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber vom “Tagesspiegel” hat sich mit dem NDR-Filmchef Christian Granderath über das deutsche Fernsehen im Allgemeinen und die Produktion “Das Haus” im Speziellen unterhalten. Dabei geht es auch um Funktion und Positionierung der öffentlich-rechtlichen Mediathek. Medienredakteur Huber sorgt sich: “Ich fürchte, dass so komplexe und schwierige Geschichten wie ‘Das Haus’ in die Mediathek geschoben werden, umgekehrt das Publikum des Ersten in ‘Roten Rosen’ gebadet wird. Was fürchten Sie?”

6. Behutsames Berichten
(taz.de, Wilfried Urbe)
Kinder interessieren sich einer internationalen Studie zufolge ausdrücklich für Klima- und Umweltthemen. Wilfried Urbe hat sich angeschaut, wie Medien diese Themen behandeln, und festgestellt, dass vielfach auf positive und konstruktive Erzählweisen gesetzt werde: “Kein Weltuntergangsszenario, sondern Impulse zur Selbstermächtigung der jungen Mediennutzer*innen, um etwas zu einer besseren Welt beizutragen.”

Ausgezeichneter Journalismus, “Klima vor acht”, Ampel-Symbolik

1. 84 Presserat-Beschwerden gegen “Bild”-Bericht
(sueddeutsche.de, Anna Ernst)
Gegen den vielfach kritisierten “Bild”-Artikel “Die Lockdown-Macher” liegen beim Deutschen Presserat bereits 84 Beschwerden vor. Presseratssprecherin Sonja Volkmann-Schluck erklärt: “Die Beschwerdeführer kritisieren, es werde der falsche Eindruck erweckt, dass Wissenschaftler Corona-Maßnahmen beschließen, für die aber die Politik verantwortlich ist. Dies schüre Verschwörungstheorien und sei zudem ein Aufruf zur Hetze gegen Wissenschaftler.”

2. Deutscher Reporter:Innen-Preis 2021
(reporter-forum.de)
Es muss eine Menge Arbeit gewesen sein, die vielen Einreichungen für den Reporter:Innen-Preis 2021 zu sichten und zu bewerten. Nun hat die zuständige Jury zwölf Reportagen, Essays, Podcasts und Multimedia-Projekte ausgezeichnet (PDF). Alle Nominierten und ihre 102 Beiträge, Werkstattgespräche mit den Preisträgerinnen und Preisträgern sowie die Aufzeichnung der Preisgala sind online abrufbar.

3. Weniger Sprüche, mehr tun: Klima vor acht setzt Themen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die Initiative “Klima vor acht” hat mit ihrer Forderung nach einer kurzen Klimasendung im Ersten viel Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt und traf letztendlich auf Gehör, wenn auch bei einem anderen Sender: Zweimal in der Woche gibt es bei RTL nun das “Klima Update”. Timo Niemeier schildert, wie es der Initiative gelang, die Thematik auch im Fernsehen voranzubringen.

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4. Unsere Einnahmen und Ausgaben und was eine Stunde netzpolitik.org kostet
(netzpolitik.org, Stefanie Talaska)
netzpolitik.org ist laut Eigenbeschreibung ein “Medium für digitale Freiheitsrechte”. Die Redaktion befasst sich unter anderem mit staatlicher Überwachung, Open-Source-Software, Telekommunikationsgesetzen sowie schöpferischem Gemeingut und einer freien Wissensgesellschaft. Das Angebot von netzpolitik.org finanziert sich fast komplett aus Spenden von Lesern und Leserinnen. Stefanie Talaska schlüsselt die Einnahmen und Ausgaben des Vereins auf, bei dem viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter davor geschützt werden müssten, sich zu sehr selbst auszubeuten.

5. Keynote von Zoë Beck: Sexismus in der Buchbranche
(blog.buecherfrauen.de, Zoë Beck)
Die Keynote zur Eröffnung der Jahrestagung der “BücherFrauen” wurde in diesem Jahr von der Autorin, Verlegerin und Übersetzerin Zoë Beck gehalten und stand unter der Überschrift “Sexismus in der Buchbranche”. Sexismus habe eine Menge mit Sichtbarkeit zu tun: “Unsere weibliche Sichtbarkeit wird nicht von uns bestimmt, sondern vom männlichen Blick. Was dieser Blick sehen will, und das muss sich natürlich nachhaltig ändern. Ich sage nachhaltig, weil es dank der Frauenbewegung schon eine Sichtbarmachung von Frauen in der Kunst-, Musik-, Literatur-, Wissenschaftsgeschichte usw. gab. Nur wurden diese Frauen dann seltsamerweise wieder vergessen. Weil sie dann doch nicht in die Geschichtsbücher und Anthologien aufgenommen wurden oder in den Kanon, der für Schulen und Universitäten gilt. Wir erleben gerade eine neue Welle der Sichtbarmachung. Und wir müssen dafür sorgen, dass es diesmal bei der Sichtbarkeit bleibt.”

6. Die Paprika-Kugelschreiber-Servietten-Koalition: Die 13 dollsten Ampel-Symbolfotos
(uebermedien.de)
Berichterstattung über die Ampel-Koalition kommt vielfach nicht ohne Symbolbilder aus. Oft wirkt es jedoch recht bemüht, was die Symbolbild-Komponisten da an roten, gelben und grünen Gegenständen oder Symbolen zusammenpacken. “Übermedien” zeigt 13 besonders eindrucksvolle Beispiele.
Weiterer Lesehinweis: Im Interview erklärt die dpa-Fotochefin Silke Brüggemeier, wie man Symbolfotos moderner und journalistischer produzieren kann. “Symbolbilder sind ein bisschen in Verruf geraten”: Von Ampeln und anderem Gemüse (uebermedien.de, Stefan Niggemeier).

Nischenthema Klimawandel, Angriff auf MDR-Team, “Drecksblätter”

1. Klimawandel bleibt ein Nischenthema
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 7:47 Minuten)
Angesichts der Klimakonferenz in Glasgow findet man in den Medien derzeit verhältnismäßig viele Beiträge zum Thema Klima. Michael Brüggemann, Professor für Kommunikationswissenschaft in Hamburg, bezeichnet dies jedoch als “Ausnahmesituation”. Insgesamt sei das Niveau der Klimaberichterstattung recht niedrig. Nur zwei bis drei Prozent der von ihm untersuchten Nachrichtenartikel enthielten das Wort “Klimawandel” oder entsprechende Synonyme. Das werde dem Problem nicht gerecht, so der Wissenschaftler.

2. MDR verurteilt Angriff auf eigenes TV-Team in Zwickau
(mdr.de)
Ein MDR-Team wurde am Montagabend in Zwickau tätlich angegriffen, während es für “MDR exakt” bei einem sogenannten “Spaziergang” gegen Corona-Maßnahmen drehte. Zu der nicht genehmigten Versammlung hatten unter anderem die “Freien Sachsen” aufgerufen, die vom sächsischen Verfassungsschutz zuletzt als rechtsextremistische und verfassungsfeindliche Bestrebung eingestuft wurden. MDR-Intendantin Karola Wille kommentiert: “Die immer gewalttätigere Auseinandersetzung um Corona-Maßnahmen ist erschreckend und unerträglich, der MDR verurteilt den Angriff aufs Schärfste.”

3. Springer-Mitarbeiter sollen Beziehungen am Arbeitsplatz offenlegen
(sueddeutsche.de)
In einem Gespräch mit der “Financial Times” habe Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner angekündigt, die Angestellten des Konzerns dazu zu verpflichten, sexuelle Beziehungen von Führungskräften mit Mitarbeitenden offenzulegen. Springer müsse sich auf dem Weg zu einem globalen Unternehmen bewusst sein, dass auf dem wichtigen US-Markt striktere Regeln am Arbeitsplatz üblich seien.

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4. Hat der WDR im Fall von Nemi El-Hassan gegen Arbeitsrecht verstoßen?
(berliner-zeitung.de, Stefan Buchen)
Die Ärztin und Journalistin Nemi El-Hassan sollte eigentlich die Moderation der WDR-Wissenschaftssendung “Quarks” übernehmen, doch im Vorfeld tauchten Vorwürfe hinsichtlich El-Hassans Gesinnung auf, die auch von “Bild” befeuert wurden. Nachdem sich Nemi El-Hassan mit einer Stellungnahme in der “Berliner Zeitung” zu Wort gemeldet hatte (“Ich bin Palästinenserin – deal with it!”), rückte der WDR endgültig von einer Zusammenarbeit ab. Nun stelle sich die Frage, ob der Sender in Vorgesprächen womöglich zu weit gegangen ist und arbeitsrechtlich unzulässige Fragen gestellt hat.

5. DJV Update – Bundesverbandstag und eine kleine Bild-Geschichte
(getrevue.co, DJV Sachsen)
In seinem aktuellen Newsletter berichtet der DJV Sachsen von seiner Teilnahme am Bundesverbandstag des Deutschland Journalisten-Verbands. Im Anschluss gibt es noch eine kleine “Bild”-Geschichte: “Die Bild-Zeitung hat sich für ihre Berichterstattung über die Querdenker- und Neonazi-Demonstration am vergangenen Sonnabend in Leipzig beim Instagram-Account zweier junger Leipziger Kollegen bedient und einen Screenshot eines Videos als Foto genutzt. Offenbar in der Bundesausgabe, immerhin mit – kleinem – Quellenhinweis, ganz bestimmt aber ohne Rückfrage und Genehmigung.”

6. Wie und warum Günther Jauch gegen die “gelben Drecksblätter” kämpft
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Was Mats Schönauer über die Abwehrschlacht des TV-Unterhalters Günther Jauch gegen die Yellow Press zusammengetragen hat, ist in mehrfacher Hinsicht erschütternd: Es zeigt, mit welch industrieller Perfidie die Regenbogenbätter ihre Leserinnen und Leser in die Irre führen und welch gewaltigen Aufwand an Zeit und juristischen Mitteln Jauch seit Jahren an den Tag legt, ohne dass es grundsätzlich besser wird.

Klima-Medienkrise, “Falter-Gate”, Gesichtserkennung geht weiter

1. Programmauswertung: Wir haben mal nachgezählt…
(klimavoracht.de)
“Klima vor acht” versteht sich als “Initiative zur Förderung von Klimaberichterstattung zur besten Sendezeit”, also kurz vor 20 Uhr, unmittelbar vor der “Tagesschau”. Die Mitglieder der Initiative haben sich das zurückliegende öffentlich-rechtliche Programm seit 2016 angeschaut und kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: Im Verhältnis zum öffentlichen Interesse an der Klimakrise gebe es deutlich zu wenig Sendungen bei ARD und ZDF, die sich mit dem Thema befassen.

2. Facebook arbeitet weiter an Gesichtserkennung
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Wer die Nachrichten der vergangenen Tage verfolgt hat, könnte meinen, Facebook verabschiede sich von seiner umstrittenen Gesichtserkennnung. Wenn man die Pressemitteilung des Mutterkonzerns Meta genau lese, ergebe sich jedoch ein anderes Bild, schreibt Sebastian Meineck: Facebook halte nach wie vor an der Technologie fest, wolle sie nur gezielter einsetzen. Meinecks Tipp: “Wer auch in Zukunft sein Gesicht vor möglicher, biometrischer Erfassung durch den Konzern schützen will, sollte eher keine Facebook-Produkte nutzen.”

3. Falter-Gate: Wie kritische Journalist:innen eingeschüchtert werden sollen
(youtube.com, Moment Magazin, Natascha Strobl, Video: 3:41 Minuten)
In Österreich hat sich im ÖVP-nahen Umfeld eine Kampagne gegen Florian Klenk, Chefredakteur der Zeitschrift “Falter”, und gegen die Staatsanwaltschaft, die unter anderem gegen Ex-Kanzler Sebastian Kurz ermittelt, gebildet. Natascha Strobl erklärt in ihrer Video-Kolumne die dahinterstehende Strategie: “Desinformation wie Falter-Gate bietet eine Gegenrealität zur realen, auf Fakten basierenden Realität. In dieser Gegenrealität werden die eigentlichen Täter:innen zu Opfern und die Aufdecker:innen zu Täter:innen”.

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4. Holt mehr Journalistinnen mit Behinderung in die Redaktion!
(uebermedien.de, Andrea Schöne)
“Diversity in den Medien ist die Debatte schlechthin für den Journalismus der Zukunft. Meistens geht es hier um die Förderung von Frauen, von Menschen mit Migrationsgeschichte oder queeren Menschen. Alles wichtig. Genauso wichtig wäre aber, auch über die Sichtbarkeit von behinderten Menschen in Medien zu reden oder über ihre Mitarbeit hinter den Kulissen.” Die freie Journalistin Andrea Schöne beschreibt bei “Übermedien” ihre Erfahrungen als Journalistin mit Behinderung und erklärt, was sich tun müsste, damit der Zugang in den Journalismus endlich barrierefrei(er) wird.

5. “Müssen wir uns jetzt wieder beschimpfen lassen?”
(journalist.de, Thilo Komma-Pöllath)
Claudia Neumann ist seit 1999 Sportreporterin beim ZDF, seit 2008 kommentiert sie Fußballspiele live, seit 2016 auch Partien der Männer. Bei Letzterem schlagen ihr regelmäßig sexistische Kommentare, Beschimpfungen und Hass entgegen. Der “journalist” hat sich mit Neumann über ihre Vorbildrolle, die unterschiedliche Beurteilung von Frauen und Männern und den Umgang mit Fehlern unterhalten.

6. Expertinnen warnen vor Netflix-Serie “Squid Game” für jüngere Kinder
(rnd.de)
Die aus Südkorea stammende Serie “Squid Game” ist die weltweit erfolgreichste Netflix-Produktion aller Zeiten. Sie steht jedoch wegen ihrer Gewalttätigkeit in der Kritik. Vor allem für Kinder sei die Serie nach Ansicht von Experten und Expertinnen ungeeignet. Eltern sollten die Altersfreigabe ab 16 Jahren berücksichtigen und gegebenenfalls mit ihren Kindern über das Gesehene sprechen, um bei der Verarbeitung zu helfen.

Russland droht, Nasen-OP von “Zeit Campus”, Klima-Fossile beim ZDF

1. Russland droht mit Sperrung von YouTube
(spiegel.de)
Am Dienstag hat Youtube die deutschsprachigen Kanäle des kremltreuen Senders RT gesperrt. Nun droht Russland der Onlineplattform mit Vergeltungsmaßnahmen. Man fordert das US-Unternehmen auf, die Sperrungen aufzuheben. Andernfalls könnten “Maßnahmen zur vollständigen oder teilweisen Beschränkung” gegen Youtube getroffen werden. Das russische Außenministerium spreche von einem “beispiellosen Akt der Medienaggression” und vermute eine Unterstützung vonseiten deutscher Behörden. Die Bundesregierung weist die Vorwürfe zurück – es handele sich allein um eine Entscheidung von Youtube.

2. Bearbeitetes Foto auf dem Cover von ZEIT Campus
(blog.zeit.de, Chefredaktion von ZEIT Campus)
Am Dienstag ist eine Ausgabe von “Zeit Campus” mit einem Cover-Foto der Bestsellerautorin Şeyda Kurt erschienen. Auf diesem Foto wurde ihre Nase mit einem Bildbearbeitungsprogramm verändert. Bei Instagram kommentiert Kurt: “Das ist natürlich besonders absurd, wenn das in einer Ausgabe passiert, in der es u.a. um Menschenfeindlichkeit, Schönheitsnormen und Feminismus etc geht.” Sie schlägt vor: “Für jede in Umlauf gebrachte falsche Nase sollte der Zeit-Verlag 2 Euro an die Seebrücke spenden.” Ein Vorschlag, den die “Zeit-Campus”-Chefredaktion in ihrer Bitte um Entschuldigung dezent ausklammert.

3. Volker Angres (ZDF): Fossile im Fernsehen
(klima-luegendetektor.de)
“Hä? Neue Kohlekraftwerke sind das Erste, was dem obersten Umweltjournalisten des ZDF als europäische Klimaschutzmaßnahme einfällt? Und die einzige überhaupt, die er hier vor riesigem Publikum nennt?” Der “Klima-Lügendetektor” ist entsetzt über Äußerungen des Leiters der ZDF-Umweltredaktion Volker Angres und erklärt, was Angres stattdessen hätte sagen können.

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4. Geld wie Heu
(taz.de, Wilfried Urbe)
Die Streamingdienste pumpen immer mehr Geld in den Markt. Netflix kündigte zum Beispiel jüngst an, im deutschsprachigen Raum in drei Jahren 500 Millionen Euro in lokale Inhalte investieren zu wollen. Bei dem Streaming-Riesen hätten sich jedoch über 15 Milliarden US-Dollar Verbindlichkeiten angehäuft, schreibt Wilfried Urbe: “Viele Bran­chen­be­ob­ach­te­r*in­nen gehen davon aus, dass Streaming-Anbieter aus wirtschaftlicher Sicht nur eine Chance haben: Ein noch größerer Mediengigant kauft ihn.”

5. “Bild TV” übernimmt Inhalte von ARD und ZDF ohne Zustimmung – Debatte um CC-Lizenzen im öffentlichen Rundfunk
(irights.info, Maya El-Auwad)
Die nicht genehmigte Übernahme von öffentlich-rechtlichen Inhalten durch den Privatsender “Bild TV” am Wahlabend treibt eine Debatte um CC-Lizenzen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk voran. Einer generellen Freigabe der Inhalte stünden derzeit einige Dinge entgegen, trotzdem tue sich etwas bei dem Thema, wie Maya El-Auwad bei irights.info berichtet.

6. Gruppenbild mit Dame: Wie ein grün-liberales Selfie Geschichte schreibt
(rnd.de, Imre Grimm)
Es gab kaum eine Chance, dem Bild zu entgehen: Das grün-liberale Vierer-Selfie mit den Spitzen von FDP und Grünen dominierte einen Tag die Sozialen Netzwerke – ob als Original oder abgewandelte Parodie. Imre Grimm hat dazu eine unterhaltsame Bildanalyse verfasst und zeigt, was das Netz an kreativen Einfällen hatte.

Corona-Radikalisierung von “Bild”, Klimakrise verschlafen, Elefanten

1. Die Corona-Radikalisierung von “Bild” und der Mord von Idar-Oberstein
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Medienkritiker Stefan Niggemeier hat sich angeschaut, wie “Bild” über den Mord von Idar-Oberstein berichtet hat, und dies in Relation zur sonstigen Corona-Berichterstattung gesetzt. Sein Fazit: “Aus legitimer und notwendiger Kritik an Maßnahmen im Namen der Corona-Bekämpfung ist bei ‘Bild’ in den vergangenen Monaten eine rasende Wut auf ‘die’ Politik und den Staat geworden. Das Blatt hält zwar Abstand zu Querdenkern und der AfD – aber nicht zu vielen ihrer Positionen. Gleichzeitig befeuert sie mit ihrer Radikalität immer neu deren Wut.”

2. Wie österreichische Medien in den deutschen Wahlkampf eingreifen
(correctiv.org, Tania Röttger & Alice Echtermann & Till Eckert)
Recherchen von “Correctiv” und “Undone” zeigen: Österreichische Medien verbreiten Desinformation in Deutschland und mischen sich so in die Bundestagswahl ein. Dahinter stecke ein Netzwerk mit dubioser Finanzierung und zahlreichen Verbindungen zur rechten Szene. Die spannenden Enthüllungen sind auch als Podcast im Rahmen der Serie “Noise” erschienen: Vienna Calling (Audio: 30:01 Minuten). Eine Rekonstruktion der Desinformation in Deutschland vor der Bundestagswahl gibt es hier als Text und hier als interaktive Grafik.

3. Was ist mit den Medien los? Eine Kritik der Wahlberichterstattung.
(twitter.com/MalteHeynen)
Auf Twitter hadert der Journalist Malte Heynen mit seiner Zunft. Fast alle Medien würden die Klimakrise verschlafen: “Klima ist nur ein Thema unter vielen. Irgendwo zwischen Panorama und Sport, Autotests und Börsenberichten. Auch die meisten Headlines zeigen nicht, wie dramatisch die Lage ist. Das muss sich dringend ändern.” Union und SPD hätten beim Klimaschutz versagt, ein Versagen, das die Menschheit gefährde. Heynens bittere Schlussworte: “Wenn Medien es nicht schaffen, dieses Versagen herauszuarbeiten, machen sie ihren Job nicht.”

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4. Bundesregierung darf nicht länger zögern
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Rettung afghanischer Journalistinnen und Journalisten durch die Bundesregierung geht nach Ansicht von Reporter ohne Grenzen (RSF) zu schleppend voran. Nicht nachvollziehbar bleibe die Entscheidung, nach einem bestimmten Stichtag keine Fälle mehr anzunehmen: “Noch immer erreichen RSF täglich verzweifelte Hilferufe afghanischer Journalistinnen und Journalisten, die es nicht geschafft haben, mit einem Evakuierungsflug aus Kabul gerettet zu werden oder in Drittstaaten Gefahr laufen, aufgegriffen und nach Afghanistan zurückgeschickt zu werden.”

5. Podcast-Nutzung steigt rasant, Werbemarkt dreht ins Plus
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Die Einschaltquotenmesser der AGF melden einen rasanten Anstieg der Podcast-Nutzung. Laut aktuellem “Convergence Monitor” sei die Zahl der Personen, die mindestens einmal im Monat einen Podcast hören, im Vergleich zum Vorjahr um satte 42,6 Prozent gestiegen. Uwe Mantel hat sich ein paar interessante Zahlen aus der Erhebung herausgepickt und liefert weitere Neuigkeiten aus dem Bereich Audio.

6. Fernsehmomente der Wahrheit
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider)
Beim Deutschlandfunk blickt Nikolaus Brender, ehemaliger Chefredakteur des ZDF, auf die sogenannten Elefantenrunden der Spitzenpolitiker am Wahlabend zurück. Als Moderator bereite man sich tagelang auf unterschiedlichste Varianten vor, aber mit dem Auftritt von Noch-Kanzler Gerhard Schröder im Jahr 2005 habe er nicht gerechnet. War Schröder an dem Abend angetrunken, wie von vielen vermutet? Nein, so Brender: “Mein Eindruck war, dass Gerhard Schröder keinen Alkohol getrunken hatte – das waren die Endorphine.”

Hildmann-Vertrauter packt aus, Rüge für “Bild”, Anti-Klimaschutz

1. Attila Hildmanns engster Vertrauter packt aus
(t-online.de, Lars Wienand)
Vor einigen Tagen hat die Hackergruppe Anonymous Telegram-Kanäle und Websites von Attila Hildmann vom Netz genommen. Der ehemalige Kochbuch-Autor hatte über den Messenger rechtsextremistische, antisemitische und verschwörungsideologische Inhalte an seine teilweise mehr als 100.000 Abonnenten ausgespielt. Die Anonymous-Aktion war nur deshalb möglich, weil ein ehemaliger Vertrauter und IT-Administrator Hildmanns die Daten an das Hackerkollektiv weitergegeben hatte. Jetzt hat dieser Mann vor Journalisten über die Zeit mit Hildmann, dessen Gedankenwelt und Netzwerk gesprochen.
Weiterer Lesehinweis: Facebook löscht Konten und Gruppen der Querdenken-Bewegung: “Facebook hat knapp 150 Accounts und Gruppen auf seinen Plattformen gelöscht, die zur umstrittenen Querdenken-Bewegung gehören sollen. Es ist nach Angaben des Unternehmens weltweit die erste gezielte Aktion, die sich gegen eine Gruppierung richte, die einen ‘koordinierten sozialen Schaden’ (coordinated social harm) hervorruft.” (zeit.de)

2. Erinnert ihr euch an das schreckliche Seilbahn-Unglück in Italien
(twitter.com, Niema Movassat)
Der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat hat sich – neben einigen BILDblog-Leserinnen und -Lesern – beim Presserat über “Bild” beschwert und Zustimmung erhalten. Auf Twitter schreibt Movassat: “Erinnert ihr euch an das schreckliche Seilbahn-Unglück in Italien, bei dem ein Kind seine Familie verlor? Das Drecksblatt Bild hat nicht davor zurückgeschreckt, das Bild des Kindes abzudrucken. Ich habe mich beim Presserat beschwert – die Bild bekommt nun eine öffentliche Rüge.” In den Kommentaren wird berechtigterweise die Frage nach den Folgen diskutiert: “Wenn die Lehrerin immer nur Tadel einschreibt und das keine Konsequenzen hat, interessiert das die Jungs, die den Unterricht stören halt einen Scheiss. Also? Konsequenzen?”

3. „Nicht den Anschein erwecken, wir bevorzugen jemanden“
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 6:08 Minuten)
Wie berichten die Sender des Deutschlandradios kurz vor der Bundestagswahl? Welche Politikerinnen und Politiker werden dann noch interviewt? Und wie steht es um journalistische Nebentätigkeiten? Im Gespräch mit @mediasres, dem Medienmagazin im Deutschlandfunk, spricht Friedbert Meurer, Leiter der Abteilung Aktuelles, über die Grundsätze des Senders bei der Berichterstattung kurz vor der Wahl.

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4. Warum der Fall Nemi El-Hassan die Krise des deutschen Journalismus aufzeigt
(berliner-zeitung.de, Hanno Hauenstein)
Hanno Hauenstein findet die Debatte um den WDR und die designierte “Quarks”-Moderatorin Nemi El-Hassan scheinheilig. Die Diskussion sei “Ausdruck einer inzwischen normalisierten deutschen Sehnsucht, die Deutungshoheit über Antisemitismus gegen Minderheiten in Anschlag zu bringen. Ob diese nun jüdisch, muslimisch oder links sind, scheint dabei kaum mehr eine Rolle zu spielen.” Der Beitrag ist auch deshalb empfehlenswert, weil er neue Gedanken und Perspektiven zur Bewertung des Konflikts einbringt.

5. Pressefreiheit: Wahlversprechen unter der Lupe
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen hat die Parteien zu Kernthemen rund um die Pressefreiheit befragt. Die acht “Wahlprüfsteine” behandeln etwa den Umgang mit zunehmenden gewalttätigen Übergriffen auf Journalistinnen und Journalisten, das Sanktionieren mangelnder Rechtsstaatlichkeit in EU-Staaten und die Frage, wie zwischen staatlichen Überwachungsbefugnissen und dem Recht auf vertrauliche Kommunikation im Internet abzuwägen ist. Alle der im Bundestag vertretenen Parten haben geantwortet – abgesehen von der AfD.

6. Bild: Anti-Klimaschutz-Propaganda verbreiten
(klima-luegendetektor.de)
“Bild” sprach mit dem Vorsitzenden der IG Metall über allerlei aktuelle Themen, darunter auch die arbeitsmarktrelevanten Aspekte der Klimapolitik. Die Folge war ein “Bild”-Titel mit der verzerrenden und irreführenden Schlagzeile: “IG-Metall-Boss Hofmann warnt: Klima-Schutz kostet Hunderttausende Jobs!” (siehe dazu auch unseren gestrigen Beitrag “Bild”-Verzerrung kostet richtige Klimaschutz-Aussage). Den Experten und Expertinnen des “Klima-Lügendetektors” sind noch weitere bemerkenswerte Dinge zur “Bild”-Geschichte aufgefallen.

“Bild”-Verzerrung kostet richtige Klimaschutz-Aussage

Jörg Hofmann, Vorsitzender der IG Metall, war zum Interview bei “Bild”. In dem Gespräch ging es unter anderem um die Debatte über die Anhebung des Renteneintrittsalters, um im Wahlkampf versprochene Steuersenkungen und auch um den Klimaschutz. Auf die Frage von “Bild”-Redakteur Johannes C. Bockenheimer “Industriepolitik und Klimapolitik widersprechen sich also?” antwortete Hofmann:

Nein, ich bin überzeugt, dass wir den Wandel zu einer klimaneutralen Wirtschaft schaffen können. Aber dafür brauchen die Industrie und die dort Beschäftigten jetzt Planungssicherheit, andernfalls sind weit mehr als 100 000 Jobs in Gefahr. Wenn wir aber jetzt massiv Ladesäulen bauen, in Batteriezellfabriken und Recycling investieren, eine Wasserstoffinfrastruktur aufbauen, Unternehmen davon abhalten, alles in Billiglohnländer zu verlagern und die Menschen aktiv weiterbilden, dann kann die Transformation ein Erfolgsmodell werden. Aber was wir bei Teilen der Politik und der Unternehmen erleben, ist Trägheit – und die gefährdet Arbeitsplätze.

Daraus macht die “Bild”-Redaktion heute auf der Titelseite diese Schlagzeile:

Ausriss Bild-Titelseite - IG-Metall-Boss Hofmann warnt - Klima-Schutz kostet Hunderttausende Jobs

Bei Bild.de wird aus dem “IG-Metall-Boss” zwar der “IG-Metall-Chef”, die Schlagzeile ist aber auch dort genauso verzerrend:

Screenshot Bild.de - IG-Metall-Chef Jörg Hofmann warnt - Klimaschutz kostet Hunderttausende Jobs

Online kann jeder, der sich die Mühe macht, immerhin nachlesen, dass Jörg Hofmann keineswegs findet, dass Klimaschutz per se “Hunderttausende Jobs” kosten wird, sondern dass der aus seiner Sicht richtig gemachte Klimaschutz sogar “ein Erfolgsmodell” sein kann. In der gedruckten “Bild” ist das nicht möglich. Dort ist kein Wortlautinterview erschienen, sondern nur eine Zusammenfassung Bockenheimers. Der “Bild”-Autor schreibt lediglich:

Hofmanns Sorge: Es sind “weit mehr als 100 000 Jobs in Gefahr!”

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