Suchergebnisse für ‘Frankfurter Rundschau’

Echo auf Echo-Tod, Verleger hinter (Absperr)Gittern, “Spiegel” goes +

1. Neuanfang: Musikpreis Echo wird komplett abgeschafft
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach den Vorkommnissen der letzten Wochen hat die Musikindustrie die Notbremse gezogen und den umstrittenen Musikpreis „Echo“ komplett abgeschafft.
Bei „Spiegel Online“ hält Arno Frank das für “ausgezeichnet geheuchelt”: „Böse Buben wie Kollegah und Kollegen werden jetzt zwar keinen Preis mehr bekommen — doch die Musikindustrie macht weiterhin fetten Umsatz mit ihnen. Ihre Entscheidung ist billig.”
Im „Stern“ fordert Jens Maier den Vorstand des Bundesverbands der Musikindustrie zum Rücktritt auf: Der Echo ist abgeschafft, das Problem bleibt: diese fünf Herren. Und bei “Zeit Online” warnt Jens Balzer, der selbst in der Echo-Jury saß: „Bislang spiegelte der Echo weitgehend ungefiltert die Schlechtheit der Welt und der dazugehörigen Musik. Wenn es ihn nicht mehr gibt, dürfen wir auch ohne seine Skandale die skandalöse Realität der aktuellen Popkultur nicht aus den Augen verlieren. Nicht nur Kollegah und Farid Bang werden uns ohne Zweifel erhalten bleiben.“

2. Verleger hinter Gittern
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Die sonst eher unbekannte “Eßlinger Zeitung” feiert ihren 150. Geburtstag mit einer illustren Gästeschar: Springerchef Mathias Döpfner und Ministerpräsident Kretschmann sind dabei, aber auch jede Menge demonstrierende JournalistInnen vor der Haustür. Josef-Otto Freudenreich berichtet von einer Geburtstagsfeier, bei der die Gäste mit Sperrgittern geschützt werden und die Mitarbeiter draußen stehen und streiken.

3. Frankfurter Neue Unsicherheit
(journalist-magazin.de, Josephine Pabst)
Seit dem ersten April gehören „Frankfurter Rundschau“ und „Frankfurter Neue Presse“ zum Zeitungsimperium von Verleger Dirk Ippen. Und der setzt auf einen radikalen Sparkurs: Der Chefredakteur der „FNP“ musste gehen und viele Redakteure würden um ihren Job bangen.

4. Was uns das vorhersehbar gewesene Ende von Spiegel Daily über die deutsche Medienwelt sagt
(neunetz.com, Marcel Weiss)
Vor ein paar Tagen konnte man in einem Blogbeitrag des „Spiegel“ lesen, wie man sich dort die digitale Zukunft vorstellt und an welchen digitalen Erlösmodellen zur Zeit gebastelt wird. Dem vorausgegangen war das misslungene Experiment mit „Spiegel Daily“, das bis heute gerade mal 5.000 Abonnenten für sich gewinnen konnte. Marcel Weiss kommentiert: „Grundsätzlich steht der Spiegel mit der neuen Strategie sehr viel besser dar als mit dem, was man vor einem Jahr gemacht hat. Aber das ist nun wahrlich keine Messlatte, an der sich irgendjemand messen sollte.“
Weiterer Lesetipp: “Spiegel Daily”: Chronik eines angekündigten Todes (blog-cj.de, Christian Jakubetz)

5. Wie die „Krone“ für ihre Leser einen Flüchtlingssturm entfacht
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Die österreichische „Krone“ berichtet von einem Zwischenfall an der französisch-italienischen Grenze und lässt dabei wichtige Zusammenhänge außer Acht. „Erneut stürmen Migranten eine europäische Grenze“ heißt es dort in der Schlagzeile, und es wird alles getan, um die Stimmung anzuheizen. Wenn man so will, mit Erfolg: In den Kommentaren fordern die „Krone“-Leser: „alle abschießen“.

6. Perfekte Symbiose: Schönheits-Doc im Privat-TV
(ndr.de, Sebastian Asmus)
In vielen Casting- und Reality-Shows taucht das Thema Schönheits-OPs auf. Gelegentlich werden die Teilnehmerinnen sogar mit Filmkameras bis in den Operationsraum begleitet. Auffällig oft taucht dabei der Schönheitschirurg Dr. Mehmet Atila auf, der das Spiel mit den Medien perfektioniert hat und daraus einen Deal auf Gegenseitigkeit gemacht hat. Für die Ärztekammer ein “Grenzfall“.

#miomiogate, Antisemitismus, Schleichwerbeverdacht

1. „Man hätte sehen können, dass es ein Fake sein kann“
(faz.net, Oliver Georgi)
Reißerisch und prominent auf der Titelseite schrie „Bild“ eine schier unglaubliche Geschichte in die Welt hinaus: Juso-Chef und Groko-Gegner Kevin Kühnert hätte in Kontakt mit russischen Trollen gestanden. Ziel der angeblichen Zusammenarbeit mit Mittelsmann „Juri“: Die Juso-Kampagne gegen die große Koalition zu unterstützen. „Bild“ meinte Belege für diese Räuberpistole zu haben. „Ein unfassbarer E-Mail-Wechsel, der BILD exklusiv vorliegt“, schrieb die Zeitung (obwohl große Zweifel bestanden,BILDblog berichtete).
Nun behauptet die „Titanic“, dass das ganze Russenmärchen auf ihr Konto geht. Im Interview mit der „FAZ“ erzählt „Titanic“-Redakteur Moritz Hürtgen, wie leicht es gewesen sei, die Geschichte der „Bild“ unterzujubeln: 
„Wir haben einfach eine Runde „Copy and paste“ gespielt und uns eine Konversation zwischen Kevin Kühnert und einem ominösen Russen namens Juri aus St. Petersburg ausgedacht. Dieser Mailwechsel umfasst neun Mails, die angeblich zwischen beiden hin- und hergingen. Wir haben die Mails aufgeschrieben, die Zeitstempel angepasst und auch einige Serverdaten in eine Maildatei hineinkopiert. Das haben wir dann einem Politikredakteur der „Bild“ per Mail zugespielt, den wir uns vorher ausgesucht und über Twitter kontaktiert hatten.“
Mittlerweile hat Julian Reichelt in einer einzigartigen Kombination aus Rechtfertigungsversuch und Uneinsichtigkeit reagiert, die wir hier auf BILDblog bereits eingeordnet haben.
Weitere Lesetipps: Medienwissenschaftler Volker Lilienthal schreibt “Auf die ‘Bild’-Zeitung ist kein Verlass” und berichtet von seiner persönlichen Haltungsänderung: Seine Einschätzung, “Bild” habe sich sozusagen zivilisiert, sei blauäugig gewesen. Er nehme sie zurück …
Stefan Kuzmany kommentiert im „Spiegel“: “‘Bild’ ist in der Kühnert-Mail-Affäre nicht etwa einer ‘Titanic’-Fälschung aufgesessen. Vielmehr scheint dem Springer-Blatt jede noch so windige Geschichte recht zu sein, um der SPD einen Tritt zu versetzen.”
In der “Frankfurter Rundschau” schreibt Arnd Festerling: “Das Boulevard-Blatt hat eine erfundene Nachricht für ihre niederträchtigen Ziele benutzt und ist deshalb kein Opfer.”
Einzig Jakob Augstein sorgt auf Twitter für, nennen wir es neutral: Erstaunen.

2. Was bleibt von #MeToo?
(deine-korrespondentin.de, Pauline Tillmann)
Unter dem Hashtag „metoo“ haben sich weltweit Frauen zu Wort gemeldet und von ihren Erfahrungen mit Sexismus oder sexualisierter Gewalt berichtet. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Hat die Debatte etwas verändert? Die Journalistin Pauline Tillmann hat fünf Medienfrauen nach ihrer Einschätzung gefragt.

3. “Die Menschheit hat nach Auschwitz nichts gelernt”
(derstandard.at, Vanessa Gaigg & Oona Kroisleitner)
Der „Standard“ hat sich mit der Kognitionswissenschafterin Monika Schwarz-Friesel über Antisemitismus unterhalten: „Wir können Antisemitismus ohne seine starke emotionale Basis überhaupt nicht verstehen, erklären und auch nicht bekämpfen. Eigentlich ist Antisemitismus eine Emotionskategorie für sich. Es findet eine sehr starke Abwehr statt, verbunden mit Hass und Argwohn. Antisemitismus ist ein Glaubenssystem: Antisemiten glauben so unerschütterlich an ihre Konzeptualisierung, wie sie daran glauben, dass es Erde und Mond gibt .“

4. Tödliche Fake-News in Zentralafrika
(nzz.ch, David Signer)
Zentralafrika ist eines der ärmsten Länder der Welt und ohne funktionierende Medien. Gefährlicher als Granaten seien die Handys mit denen Falschnachrichten und Gerüchte verbreitet werden: „In einem Umfeld wie Zentralafrika können Nachrichten wie ein Zündholz wirken, das in ein Pulverfass geworfen wird – oder wie Wasser, das ein Feuer löscht, bevor es zum Flächenbrand wird.“ Eine der wenigen Hoffnungsschimmer sei „Radio Ndeke Luka“, das sich um Objektivität und Ausgewogenheit bemühe, aber immer wieder von Rebellengruppen ins Visier genommen werde.

5. “Sie können gar nicht an Mediamarkt vorbeigucken”
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio, 5:14 Minuten)
Die neue Pastewka-Staffel bei Amazon strotzt vor eingebetteter Marken. Die Medienaufseher gehen nun dem Verdacht der Schleichwerbung nach. Doch noch ist unklar, wer den Anbieter Amazon Prime überhaupt beaufsichtigt, wie Stefan Fries im Deutschlandfunk berichtet.

6. Copyright Update #2: Upload-Filter für alle außer Google, Facebook & Co?
(netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Leonhard Dobusch berichtet über den derzeitigen Stand in Sachen Upload-Filtern. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD würde sich gegen die Einführung von Upload-Filtern zur Urheberrechtsdurchsetzung aussprechen. Auf EU-Ebene hätte der deutsche CDU-Abgeordnete Axel Voss jedoch einen Vorschlag vorgelegt, der weiterhin Upload-Filter vorsieht und die Dominanz von großen Internetunternehmen weiter verschärfen könnte.

Überzeugt uns nicht, Pekings Komplizen, Gamescom und Politik

1a. BILDblog braucht Deine Hilfe — unterstütze uns bei Steady
(bildblog.de)
Hier beim BILDblog sieht es finanziell nicht gut aus. Wenn sich nichts ändert, müssen wir den Laden Ende September dichtmachen. Deswegen brauchen wir Dich, um die Zukunft von BILDblog zu sichern. Helfen ist ganz einfach: Bei Steady kannst Du uns monatlich oder jährlich per Lastschrift, Paypal oder Kreditkarte unterstützen. Unser wichtigstes Ziel: Bis zum 30. September brauchen wir 2000 Euro monatliche Einnahmen direkt von Euch, unseren Leserinnen und Lesern. Dann kann es hier auch im Oktober weitergehen.
Unterstütze uns auf Steady

1b. Ich bin nicht überzeugt!
(jetzt.de, Berit Dießelkämper)
Mit „Überzeugt uns! Der Politikercheck” wollte die ARD junge Menschen erreichen, doch die von Ronja von Rönne und Ingo Zamperoni moderierte Politiksendung ging gründlich schief. Berit Dießelkämper hat sich ihren Frust in einem Offenen Brief an das Fernsehen von der Seele geschrieben: „Du hältst uns für zu doof, um komplexe politische Vorgänge zu verstehen. Anstatt etwas zu riskieren und mit uns auf Augenhöhe zu sprechen, fütterst du uns mit videoclipartigen Wissensschnipseln. Aber weißt du, die, die es eh nicht interessiert werden es nicht gucken, da kannst du das Format noch so hip machen. Und die anderen fühlen sich verarscht.“
Andere Medien teilen die Kritik: Die „Frankfurter Rundschau“ spricht von einem Desaster und Boris Rosenkranz stöhnt auf „Übermedien“ entnervt: „Dann lieber Katzen-GIFs“

2. Sollen Internetkonzerne Nazis die Infrastruktur entziehen?
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Jüngst kündigten mehrere große IT-Firmen einer amerikanischen Neonazi-Webseite die Verträge oder verbannten sie von ihren Diensten. Dadurch entzogen sie der Webseite die Infrastruktur, sie ist nur noch beschwerlich als Hidden Service im Tor-Netzwerk erreichbar. Nun wird diskutiert, ob marktmächtige Unternehmen in die Inhalte eingreifen dürfen oder sich neutral verhalten sollten. Markus Reuter fasst den Stand der komplizierten Debatte zusammen.

3. Breitbart ist das Portal der Frustrierten
(sueddeutsche.de, Jürgen Schmieder)
Trump-Berater Stephen Bannon ist zur rechtspopulistischen Nachrichtenseite “Breitbart” zurückgekehrt. Entsprechend martialisch verkündete er: “Ich habe meine Hände zurück an den Waffen. Ich verlasse das Weiße Haus und ziehe für Trump gegen seine Widersacher in den Krieg.” Doch „Breitbart“ habe an Einfluss verloren: Die Besucherzahlen seien gesunken, der Werbeboykott einiger Firmen sorge für sinkende Werbeeinnahmen und die großspurig angekündigten Expansionspläne seien erstmal bis auf weiteres verschoben. Das kann sich jedoch alles ändern, denn man munkelt von weiteren Finanzspritzen des amerikanischen Milliardärs Robert Mercer.

4. Pekings Komplizen
(taz.de, Pola Kapuste)
Der älteste Verlag der Welt, „Cambridge University Press“, kam den Zensurwünschen Chinas nach und löschte 300 akademische Texte. Man verteidigte sich mit dem Argument, man wolle mit der Zensuraktion sichergehen, dass andere Artikel in China verfügbar blieben. Erst nach internationalem Protest und Boykottandrohungen revidierte der Verlag seine Entscheidung. Einer der zensierten Autoren spricht von einem „unumkehrbaren Schaden“.

5. Katholische Medien in Polen – nah am Staat?
(de.ejo-online.eu, Patricia Averesch)
Seit die nationalkonservative PiS-Partei in Polen an der Macht ist, stehen konservative Werte im Vordergrund. Die Gesellschaftsvorstellungen von Politik und katholischer Kirche rücken wieder näher zusammen, befindet Patricia Averesch und wirft einen kritischen Blick auf die katholischen Medien. Es ließe sich jedoch nicht sagen, so ihr Fazit, dass die katholischen Medien in Polen als Instrument der Regierungspartei dienen: „So gespalten wie die katholischen Medien gegenüber der PiS-Partei scheinen, ist auch die Bevölkerung Polens.“

6. Politik ist auch nur ein Spiel
(zeit.de, Eike Kühl)
Erstmals wurde die Videospielmesse Gamescom von der Bundeskanzlerin eröffnet. Der prominente Auftritt kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die Beziehungen zwischen Games und Politik in Deutschland nicht ohne Spannungen sind. Einige Entwickler wünschen sich mehr Wertschätzung und Fördermittel und verweisen auf die teilweise besseren Bedingungen im Ausland.

Schmähvokabel Staatsfunk, Sicherheitsrisiko Seibert, Trend

1. “Liebesbrief” an die FAZ-KollegInnen
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz)
„Deutschlandfunk“-Autorin Brigitte Baetz hat den Kollegen von der „FAZ“ einen öffentlichen Brief zukommen lassen. Anlass ist die von der Zeitung wiederholt verwendete Vokabel vom „Staatsfunk: 
„Immer wieder druckt Ihr dieses böse Wort vom Staatsrundfunk. Wo es doch in Deutschland seit dem Fall der Mauer gar keinen mehr gibt. Denn – glaubt es oder nicht – der Rundfunk ist in unserem demokratischen Land staatsfern organisiert. Das will die Verfassung so – und die Richter am Bundesverfassungsgericht erst Recht. Und irgendwie verstehen wir nicht, warum Ihr das nicht versteht.“
Auch der Journalist Stefan Fries kritisiert anhand von Beispielen die regelmäßig auftretenden „Staatsfunk“-Schmähungen. Diese seien fern von Meinungsäußerung und hätten Methode: „Es handelt sich in der Permanenz dieser Zuschreibungen vielmehr um eine Kampagne gegen die öffentlich-rechtlichen Medien.“

2. Risiko für die Meinungsfreiheit
(taz.de, Pascal Beucker)
Pascal Beucker kommentiert in der „taz“ den Entzug der Akkreditierungen einiger G20-Journalisten. Von keinem der vor dem G20-Gipfel beschuldigten Journalisten sei eine Gefahr ausgegangen. Das Sicherheitsrisiko hätte vielmehr an anderer Stelle bestanden: „Wenn also jemand im Zusammenhang mit dem Hamburger G20-Gipfel als „Sicherheitsrisiko“ eingeschätzt werden kann, dann neben dem Bundeskriminalamt wohl vor allem das Bundespresseamt mit seinem Leiter Seibert. Denn dessen fragwürdiges Agieren war und ist ganz sicher ein Risiko für die Presse- und Meinungsfreiheit.“

3. Nicht auszurechnen
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Als es in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ hieß, der Rundfunkbeitrag würde von € 17,50 auf € 21 steigen, war die Empörung groß. Dabei liegt dem die Modellrechnung zugrunde, was passieren würde, wenn man den Beitrag Jahr für Jahr fix um jeweils 1,75 Prozent anhöbe. Dann wäre er 2029 nämlich glatte 20 Prozent teurer. Die Idee, den Beitrag an einen Index zu koppeln, sei jedoch längst nicht beschlossene Sache und werde auch intern kritisch gesehen. Wie und ob die Idee einer Indexierung weiterverfolgt wird, werde sich erst beim Treffen der Intendanten im September erweisen. „Bis dahin wird der Beitragserhöhungszirkus noch an manchem Ort seine Zelte aufschlagen und immer wieder laut und “exklusiv” mit den 21 Euro für 2029 trommeln. Hereinspaziert!“

4. Artikel zwischen Werbung
(detektor.fm, Lucas Kreling & Benjamin Fredrich)
Das „Katapult Magazin“ hat nachgezählt wie hoch der Werbeanteil bei deutschen Printmagazinen ist. Das Ergebnis: In Zeiten sinkender Auflagen ist Werbung noch dichter geworden und macht beim Spitzenreiter „Zeit Magazin“ ein Viertel aus. Danach kämen die Finanzmagazine „brand eins“ und die „Wirtschaftswoche“. Hier würden die Werber einkommensstarke Leser erwarten und besonders gern inserieren. „detektor.fm“-Moderator Lucas Kreling hat mit Benjamin Fredrich vom „Katapult-Magazin“ über Anzeigen in Zeitschriften, Zielgruppen und die Toleranz der Leser gesprochen.

5. „Aufreger lassen sich nicht planen“
(fr.de, Danijel Majic & Leo Fischer)
„Titanic“-Redakteur Leo Fischer wurde jüngst vom „Zeit-Magazin“ gebeten, für eine Woche als „Gast-Twitterer“ zu fungieren. Eine Ehre, die vor ihm schon „viele führende Journalisten“ innehatten. Nach einigen satirisch eher harmlosen Tweets drehte Fischer auf und meldete den Tod des Ex-Fußballprofis Mehmet Scholl und einen Atomangriff auf die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang. Im Interview plaudert er über seinen anschließenden Rauswurf, Medien und Medienmacher, brennende Autos und dickmachende Burger. Zum Abschied gibt er dem Interviewer von der „Frankfurter Rundschau“ noch seine persönliche Wertung über dessen Arbeitgeber mit auf den Weg: „Ich vergleiche die FR gerne mit Monica Lierhaus. Erst sehr beliebt, dann eine schreckliche Katastrophe. Doch nach und nach kommt sie wieder auf den Damm, fängt wieder von vorne an und macht allen Leuten Hoffnung.“

6. Wohin sich die Welt bewegt
(herrfischer.net, Martin Fischer)
Vor einem Jahr hat Martin Fischer den Social-Bot @liegtimtrend eingerichtet, der automatisch alles twittert, was Medienberichten zufolge „im Trend“ liegt. Zeit für eine Zwischenbilanz …

6-vor-9-Sonderausgabe: Unsere Empfehlungen für den zweiten Tag der re:publica 2017

Tausende Blogger, Medienleute und Netzaktivisten sind nach Berlin zur re:publica gereist, um die Themen der digitalen Gesellschaft zu diskutieren. Auch wir konnten dem Lockruf nicht widerstehen und sind dort. Besonders interessieren uns natürlich alle Themen, die im weitesten Sinne mit Medien zu tun haben. Deshalb haben wir aus der Vielzahl von Vorträgen die für uns interessanten Veranstaltungen des zweiten Tags herausgepickt (was bei dem Überangebot nicht leicht war) und samt der offiziellen Beschreibungstexte hier aufgeführt. Vielleicht sieht man sich ja…

1. Flachsinn – über gute und schlechte Aufmerksamkeit, wie man sie bekommt, wer gewinnt und wohin alles führt (Stage 1 – 10:00 bis 11:00 Uhr)
(re-publica.com)
Früher war es nicht so gut, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. “Gehe nicht zum Fürst, wenn du nicht gerufen wirst.” Man wollte bestimmt nicht “auffällig” werden, weil Normabweichungen zu Nachteilen führten. Heute hat derjenige Erfolg, der Aufmerksamkeit auf sich zieht, “attraktiv” oder “visible” ist, also weithin “auffällig” wirkt und als “besonders” gilt. Die Aufmerksamkeit mausert sich seit Jahren zu einer Ersatzwährung.
Gunter Dueck (CEO Omnisophie)

2. Anonymous.Kollektiv & Migrantenschreck: Warum wir bei Rechten geklingelt haben (Stage 2 – 10:00 bis 11:00 Uhr)
(re-publica.com)
Hunderte Deutsche haben illegale Schusswaffen beim Online-Shop “Migrantenschreck” bestellt. Wir haben Dutzende besucht, viele von ihnen sind Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Das zeigt: Rechte Parolen sind im Mainstream angekommen, das Bild des angeblich kriminellen Flüchtlings verfängt. Wie können Journalisten damit umgehen? Wie ernst sollen wir die Ängste der besorgten Bürger nehmen?
Karolin Schwarz (Social Media Redakteurin & Journalistin Hoaxmap)
Max Hoppenstedt (Chefredakteur MOTHERBOARD)
Simon Hurtz (Redakteur SZ.de)

3. »Wir hab’n Polizei!« – Chancen & Herausforderungen beim Einsatz sozialer Medien in der Polizeiarbeit (Stage 2 – 11:15 bis 12:15 Uhr)
(re-publica.com)
Aufgezeigt werden soll, wie ein ganzer Berufsstand durch seine Kommunikation in den sozialen Medien eine Art Imageaufschwung von »dislikable« zu »loveable« erfahren hat, welche positiven Signale dies für unsere Gesellschaft, den Rechtsstaat und die Zukunft der digitalen Präsenz der Polizei haben kann, vor welche Herausforderungen der offene Dialog die Beamten aber auch stellt (Stichworte: Falschmeldungen, Hatespeech, Whistleblowing, Terrorwarnungen …) und wie diese Weise der »neuen Kommunikation« anderen Berufsgruppen zum Vorbild gereichen kann.
Alexa Brandt (Digitalredakteurin I Head of PR & Social Media result gmbh)
Katharina Kleinen-von Königslöw (Professor University of Hamburg)
André Karsten (Social Media Communicator / Polizeisprecher Soziale Medien Polizei Frankfurt am Main)
Thomas-Gabriel Rüdiger (Kriminologe FHPol Brandenburg)

4. Survival of the fakest? ARD und andere Medien im Kampf gegen gezielte Falschinformationen im Netz
(re-publica.com)
Derzeit scheint das Netz von Fake News durchsetzt zu sein. Meldungen, die im Internet kursieren, können weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Wie können wir uns gegen Falschmeldungen wappnen?
Stefan Niggemeier (Gründer Übermedien)
Juliane Leopold (Journalistin und Beraterin)
David Biesinger (Programmchef)
Patrick Gensing (Leiter Faktenfinder Tagesschau)
Richard Gutjahr (Journalist und Blogger G! blog)
Niddal Salah-Eldin (Head of Social Media WELTN24)

5. Exit Journalism: Dating-, Shopping-, und Vergleichsportale. Bestimmen sie die Zukunft der Medienkonzerne? (Stage 7 – 11:15 bis 12:15 Uhr)
(re-publica.com)
Springer macht in Immobilienanzeigen, Burda in Dating und P7S1 in Vergleichsportalen. Es scheint als ob die journalistischen Produkte nur noch als Startrampe für besser bezahlte Aktivitäten im Netz gesehen werden. Welche Rolle spielt Journalismus für die Konzerne? Wie kann sich das journalistische Kerngeschäft weiter entwickeln und eigenständig bestehen?
Hansi Voigt (Freier Medienberater)
Arne Wolter (Chief Digital Officer Gruner+Jahr GmbH + Co KG)
Caroline von der Groeben (Chief of Staff to the board Axel Springer SE)

6. What’s Up TV? Television from Abroad (Stage 6 – 12:30 bis 13:00 Uhr)
(re-publica.com)
Der Markt für Fernsehformate ist international, und TV-Trends verbreiten sich schnell über die ganze Welt. Trotzdem unterliegt jedes Land nationalen Eigenheiten und Geschmäckern. Was trotzdem Trend ist – oder zu einem werden könnte, welche Formate in der TV-Branche diskutiert werden und was für kuriose Auswüchse die TV-Produktion zuweilen zustande bringt, präsentiert die Session.
Marcel Amruschkewitz (Leiter Creative Unit VOX)

7. Beitragskürzung oder erweiterter Auftrag. Wohin entwickelt sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk? (Stage 7 – 12:30 bis 13:30 Uhr)
(re-publica.com)
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter Veränderungs- und Rechtfertigungsdruck, in Deutschland und in ganz Europa. Der Druck kommt nicht nur durch neue Medientechnologien und veränderte Medienrezeptionsgewohnheiten der Nutzer, sondern auch aus Politik und den eigenen Reihen. Innerhalb der Rundfunkanstalten wird in Arbeitsgruppen über zukünftige Strukturen, Reformansätze, Angebote und die Vorstellungen der Beitragszahler diskutiert.Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter Veränderungs- und Rechtfertigungsdruck, in Deutschland und in ganz Europa. Der Druck kommt nicht nur durch neue Medientechnologien und veränderte Medienrezeptionsgewohnheiten der Nutzer, sondern auch aus Politik und den eigenen Reihen. Innerhalb der Rundfunkanstalten wird in Arbeitsgruppen über zukünftige Strukturen, Reformansätze, Angebote und die Vorstellungen der Beitragszahler diskutiert.
Tabea Rößner (MdB Bündnis 90/Die Grünen)
Ulrike Simon (freiberufliche Medienjournalistin)
Hans Demmel (Vorsitzer / Geschäftsführer VPRT e. V. / n-tv)
Prof. Dr. Karola Wille (Intendantin des MDR und Vorsitzende der ARD)
Lauri Kivinen (CEO Yle – Finnish Broadcasting Company)

8. Jemand vor Ort? Lokaljournalismus zwischen Innovation, gesellschaftlicher Bedeutung und staatlicher Förderung. (Stage 7 – 15:00 bis 16:00 Uhr)
(re-publica.com)
In immer mehr Regionen in Deutschland gibt es nur noch eine Tageszeitung, auch im lokalen Rundfunk nimmt die Konzentration zu. Hyperlokale Blogs erschienen kurze Zeit als Alternative, die Finanzierung bleibt jedoch in den meisten Fällen schwierig. Um lokale Vielfalt zu erhalten, werden unterschiedliche Konzepte zur Weiterentwicklung und Förderung von Lokaljournalismus diskutiert und in einzelnen Bundesländern auch probiert.
Prof. Dr. Hansjürgen Rosenbauer (Vorsitzender des Medienrats Medienananstalt Berlin-Brandenburg)
Prof. Dr. Frank Lobigs (Professor für Journalistik, Schwerpunkt “Ökonomische Grundlagen des Journalismus” Inst. f. Journalistik, TU Dortmund)
Thomas Kralinski (Chef der Staatskanzlei & Beauftragter für Medien Staatskanzlei Land Brandenburg)
Patricia Schlesinger (Intendantin Rundfunk Berlin-Brandenburg)
Prof. Bascha Mika (Chefredakteurin Frankfurter Rundschau GmbH)
Isa Sonnenfeld (Head of Google News Lab DACH)
Andrea Hansen (Freie Journalistin und stellvertretende Landesvorsitzende DJV NRW)

9. Schöner Schein oder tiefgreifende Erkenntnisse? – Datenjournalismus im redaktionellen Alltag (Stage 4 – 16:15 bis 17:15 Uhr)
(re-publica.com)
Datenjournalismus schafft Ordnung im Chaos, zeigt komplexe Zusammenhänge auf und macht riesige Zahlenmengen auf einen Blick begreifbar. Datenjournalismus ist die Antwort auf die großen Datenmengen unserer Welt. Aber zeigt Datenjournalismus wirklich Neues? Interessieren sich die NutzerInnen dafür? Welche Reichweiten lassen sich damit erzielen? Und wie bindet man die Datenjournalisten sinnvoll in den Redaktionsalltag ein? Auf der Bühne: Macher und Experten mit Daten, Erfahrungen und Gedanken zu einem wichtigen Thema im Journalismus – nicht nur Online.
Lorenz Matzat (Journalist & Unternehmer Lokaler Infosystems)
Wolfram Leytz (Redaktionsleiter rbb|24 Rundfunk Berlin-Brandenburg)
Uli Köppen (BR Data)
Teresa Sickert (Journalistin Radiobüro)
Christina Elmer (Ressortleitung Datenjournalismus Spiegel Online)

10. Fake News und die Glaubwürdigkeitsdebatte. Wie dringt Journalismus noch durch? (Stage 7 – 17:30 bis 18:30 Uhr)
(re-publica.com)
Erst die Fake-News teilen, sich dann über die Gegenposition in den Medien aufregen, um sich schließlich bei Russia Today zu informieren. Der Kampf um Aufmerksamkeit im Social Web schafft schiefe Anreize für Medienmacher und Nutzer. Wie geht man mit den Unwahrheiten um? Wie stärkt der Journalismus seine Glaubwürdigkeit und dringt zu den Nutzern durch?
Dr. Barbara Hans (Chefredakteurin SPIEGEL ONLINE GmbH)
Jim Egan (CEO BBC Global News Ltd)
Dr. Joachim Huber (Leiter Ressort Medien Der Tagesspiegel)
Niddal Salah-Eldin (Head of Social Media WELTN24)
Dr. Maren Urner (Co-Founder and editor-in-chief Perspective Daily)
Dr. Rasmus Kleis Nielsen (Director of Research Reuters Institute, University of Oxford)

11. Fake sells: Eine wahre Geschichte in 2000 Facebook-Copys (Stage 1 – 18:45 bis 19:15 Uhr)
(re-publica.com)
Fake News sind immer die News der anderen? Unsere Datenanalyse zeigt, wie sich Falschmeldungen auszahlen und mit welchen Strategien Medien Fakes verbreiten: Jeder dritte Facebook-Post enthält Spuren von Unwahrheit. Um dem Problem beizukommen, gilt es zu differenzieren: zwischen Propaganda, Clickbait und Fahrlässigkeit. Wir präsentieren das Thema als interaktive Game Show mit zwei Kandidaten und einer Hydraulikpresse (Modell „Lügenpresse™“) auf der Bühne, die über Wahrheit und Fake richtet.
Theresa Locker (MOTHERBOARD)

12. Unfragen und Umfragen: Wenn Meinungsforschung Meinung macht
(re-publica.com)
Wir konsumieren Eindeutigkeit: 2,5 Milliarden Euro pro Jahr geben deutsche Politik und Wirtschaft für quantitative Meinungsforschung aus, 150 Umfragen beauftragt allein das Bundeskanzleramt jährlich. Doch nach Wahlkämpfen, die mitunter von Bots und sogenannten Fake News bestimmt wurden, scheint es immer schwieriger, diese Eindeutigkeit zu finden. Große Medien nutzen zur Steigerung ihrer Engagement-Raten häufig einfache Klick-Tools, um Meinungen abzufragen. Welche Meinungen diese Ergebnisse widerspiegeln ist fraglich.
Christian Humborg (Of Counsel CORRECT!V)
Janina Mütze (Co-Founder & COO Civey)

Kika-Post, Milchmärchen, Wasserkonflikt

1. “Ich bin fassungslos, dass dieser verblödete Schrott gesendet wird!”
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Bei der Zuschauerredaktion von „Kika“, dem öffentlich-rechtlichen Kinderfernsehen, trudeln jedes Jahr ca. 67.000 Briefe und 25.000 E-Mails ein. Während die Zuschriften der jüngeren Kinder den Mitarbeitern oft große Freude machen würden, sähe das bei der Post der Älteren oft anders aus: Die Kritik habe in letzter Zeit zugenommen und der Ton sich verschärft.

2. Der unrühmliche Sturz des Kabelkönigs
(spiegel.de, Marc Pitzke)
Der amerikanische Fernsehsender „Fox News“ musste sich von Bill O’Reilly trennen, einem der bekanntesten Fernseh-Moderatoren Amerikas und bekennendem Trump-Fan. Die „New York Times“ hatte berichtet, dass fünf Frauen O’Reilly vorgeworfen hatten, sie sexuell belästigt zu haben und von ihm mit insgesamt 13 Millionen Dollar abgefunden worden zu seien.

3. Das Milchmärchen vom Milchmädchen
(udostiehl.wordpress.com)
In Deutschland lebende türkische Staatsbürger haben jüngst über Verfassungsänderungen in der Türkei abgestimmt. „63 Prozent der Türken in Deutschland für Präsidialsystem“, so die Schlagzeile der „Frankfurter Rundschau“ am Tag danach und an anderer Stelle „Das bedeutet unterm Strich: 412 000 von 2,8 Millionen Deutsch-Türken stärkten Erdogan den Rücken“ Udo Stiehl hat sich die Mühe gemacht und den Rechenweg auf deutsche Gegebenheiten angewandt.

4. Die multimediale Preisträgerin – Fünf Fragen an Katharina Thoms
(watch-salon.blogspot.de, Christine Olderdissen)
Der Journalistinnenbund feiert dieses Jahr sein 30jähriges Jubiläum. Bis zum Stichtag werden innerhalb der Interviewserie “Fünf Fragen” in lockerer Folge ganz unterschiedliche Journalistinnen vorgestellt. Im aktuellen Interview steht Katharina Thoms Rede und Antwort, die u.a. wegen ihrer preisgekrönten Webdoku über die „Erstaufnahmestelle Meßstetten“ vom “medium magazin” zu den Top 3 Journalistinnen 2016 regional gewählt wurde.

5. Journalisten der Nowaja Gaseta schützen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Zwei Journalistinnen der „Nowaja Gaseta“ haben über schwere Menschenrechtsverletzungen an Homosexuellen in Tschetschenien berichtet und werden nun von der tschetschenischen Führung bedroht. Drohungen, die man ernst nehmen müsse, weil im Nordkaukasus schon öfter kritische Berichterstatter ermordet worden seien. „Die russische Regierung muss endlich den Teufelskreis von Gewalt gegen Journalisten und Straflosigkeit für die Täter in Tschetschenien stoppen“, so der Geschäftsführer von „Reporter ohne Grenzen“.

6. Skurriler Wasserstreit um Til Schweiger
(haz.de)
Um schnödes Wasser geht es beim Streit zwischen Til Schweiger und der „Hamburger Morgenpost“. Nachdem diese Anfang des Jahres berichtet hatte, dass der Schauspieler in seinem Restaurant „Hamburgs teuerstes Leitungswasser“ verkaufe, wehrte der sich gegen den Vorwurf. Nun musste die Zeitung eine Gegendarstellung veröffentlichen, nutzte dies jedoch für einen erneuten Konter.

Funk-Echo, Oettinger, Podcasts

1. Kleines Medien-Echo zu “Funk”, dem neuen Jugendprogramm von ARD & ZDF
(Links in der folgenden Zusammenfassung)
Am Samstag, dem 1. Oktober startet “Funk”, das junge Digitalangebot von ARD und ZDF, das mit Webvideos die 14- bis 29-jährigen Zuschauer zurückgewinnen will.
Christian Meier fragt in der “Welt”, ob so die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen aussehe. Meier hat mit den “Funk”-Machern gesprochen, erzählt die Geschichte hinter der Idee und bilanziert zum Schluss: “Der Beweis steht noch aus, dass es einen tatsächlichen Bedarf an öffentlich-rechtlichen Web-Videos gibt. Was aber den Ansatz angeht, die Inhalte freizugeben, statt in ein Senderkorsett zu zwängen – das ist schon radikal. Aber es ist auch klar, dass ARD und ZDF dieses nur auf einer Spielwiese zulassen und ansonsten weiter daran arbeiten, ihre Beitragsmilliarden in den permanenten Ausbau des Status quo zu investieren.”
“Zeit”-Autorin Jana Gioia Baurmann hat “Funk” einen Brief geschrieben: “Dass es Dich gibt, ist schon sinnvoll, aber die erste Zeit, sorry, dass ich das so sage, wird nicht einfach werden für Dich. Weil Du diesen Spagat hinbekommen musst. Und auch wenn Helikoptereltern nerven können: Ich hoffe, dass ARD und ZDF – trotz YouTube-Hype – nicht vergessen, was ihr Auftrag ist.”
Stefan Niggemeier war für “Übermedien” bei der Programmvorstellung in Berlin zugegen und sieht allerhand auf uns zukommen, was Anlass zu Kritik geben wird, aber eben auch die Chancen: “Doch bei der Vorstellung lag, dank der entsprechend euphorisierten „Creators“, ein Gefühl im Raum, dass ARD und ZDF hier etwas möglich machen, das es sonst nicht geben würde. Und wenn es gelingt, dass sich der unübersehbare Spaß der Macher an der Arbeit in Relevanz und Kreativität übersetzt, hat „Funk“ vieles richtig gemacht.”
Und bei “Broadmark” gibt es schließlich ein Interview mit Florian Hager, dem “Funk”-Programmgeschäftsführer.

2. Leistungsschutzrecht: Günther Oettinger twittert sich um Kopf und Kragen
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Gestern twitterte EU-Digitalkommissar Günther Oettinger allerhand zum Thema Leistungsschutzrecht für Verleger, und viele Mitleser wussten nicht, ob sie lachen oder weinen sollten. Vor kurzem war Oettinger noch mit seiner Forderung aufgefallen, kritische Journalisten auf Linie zu bringen, nun twitterte er sich mit allerlei schiefen Vergleichen und kruden Argumenten regelrecht um Kopf und Kragen. Markus Reuter von “Netzpolitik.org” hat die Causa aufbereitet und kommentiert die Argumentationslinien des Kommissars.

3. kontertext: Marktschreier
(infosperber.ch, Heinrich Vogler)
Heinrich Vogler greift einen Essay des Schweizer Kabarettisten und Satirikers Andreas Thiel in der “NZZ” auf, in der dieser das Hohe Lied des Marktliberalismus predige. Vogler kritisiert: “Der Autor ernennt sich selbst zum Freiheitshelden. Indem er sich der Freiheit an die Brust wirft. Er assortiert Versatzstücke aus der Mottenkiste des Marktliberalismus. Und gibt sich der gängigen reinen Lehre hin, wonach jeder ausschliesslich seines eigenen Glückes Schmied ist, als hätte es nie so etwas wie die Soziale Marktwirtschaft gegeben.”

4. Eine Kampfansage
(fr-online.de, Peter Rutkowski)
Peter Rutkowski, Politik-Redakteur der “Frankfurter Rundschau”, fordert zum Abschluss der FR-Serie “Die Mythen der Rechten” mehr Selbstkritik der Medien und mehr persönlichen Einsatz und Haltung der Journalisten: “Die „vierte Gewalt“ der Demokratie bietet zu wenig Antworten auf die brennenden Fragen der Zeit an. Manche Journalisten haben ihren moralischen Kompass eingetauscht gegen privates Glück und clevere Pensionspläne. Nichts gegen Familie und einen gesicherten Lebensabend, aber zum Journalismus sollte man aus einem Drang nach Aufklärung streben, gemäß dem nachkriegsdeutschen Medienmythos. Nicht, weil man „irgendwas mit Medien machen“ will. Auch nicht, weil es „die Hölle ist, aber immer noch besser als Arbeiten“.”

5. Podcasts als Frischzellenkur für Audio
(radioszene.de, Bernt von zur Mühlen)
Podcasts werden immer beliebter, sowohl in den USA als auch hier in Europa. Bernt von zur Mühlen schreibt fachkundig und unter Hinzuziehung von Beispielen und Zahlen über Entwicklung und aktuellen Stand des Mediums: “Jahrzehntelang schien es so, dass in der Audiowelt Musik das Primat hatte. Und Radio dazu verdammt war, ein Begleitmedium zu werden. Also nur für Musik taugte. Das dreht sich jetzt. Weil das Hören on-demand, das Storytelling, die Personality, die Show, das Hintergründige wieder nach vorne holt. Die Omnipräsenz von Smartphones als Ausspielgeräte, die Verbreitung über Social Media hat den Podcast vollständig mobil gemacht.”

6. „Zeit“-Unterschiede in der Flüchtlingsfrage
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Ulrike Simon fragt sich in ihrer neuesten Kolumne, wie grün sich “Zeit”-Chef Giovanni di Lorenzo und sein Vize Bernd Ulrich noch seien. Anlass sind die widerstreitenden Positionen der prominenten “Zeit”-Macher in der Flüchtlingsdebatte.

Das Phantom der Burka

Manchmal gibt es gute Mittwoche. Dann spricht Heinz Buschkowsky beispielsweise darüber, warum er “aus dem Fahrrad-Club ausgetreten” ist, oder er erzählt von der Sprengung eines alten Sendemastes. Viel öfter aber gibt es schlechte Mittwoche. Nämlich immer dann, wenn der Ex-Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln in seiner “Klartext”-Kolumne bei “Bild” über irgendwas schreibt, das mit dem Islam oder mit Muslimen oder beidem zu tun hat. Heute ist so ein schlechter Mittwoch.

Buschkowsky greift für seinen aktuellen Text die Diskussion ums “Burka-Verbot” auf. Und schon in der Überschrift wird klar, wie er dazu steht:

Als ich den Londoner Stadtteil Whitechapel besuchte und auf dem Wochenmarkt fast ausschließlich umgeben war von Burka tragenden Frauen, versetzte es mich in eine surreale Gefühlswelt.

“Scotty, beam mich zurück!”, hätte ich am liebsten gerufen. “Hol mich zurück in die britische Hauptstadt.” So stark war die Botschaft dieses Kleidungsstücks für mich. Genauso erging es mir immer wieder beim Anblick von Burkaträgerinnen auf den Straßen Neuköllns. Als käme einem eine andere Welt auf dem Bürgersteig entgegen.

Nun weiß ich nicht, was Buschkowsky alles in Whitechapel gesehen hat. Ich verbringe aber seit gut drei Jahren ziemlich viel Zeit in Neukölln, gar nicht weit von Heinz Buschkowskys früherem Arbeitsplatz, dem Rathaus Neukölln. In dieser Zeit ist mir keine Person in Burka begegnet. Klar, Frauen im Niqab sieht man immer mal wieder, vielleicht jeden dritten Tag eine oder zwei. Aber in einer Burka? Keine einzige in drei Jahren.

Vielleicht kennt Heinz Buschkowsky ganz andere Neuköllner Ecken als ich und begegnet andauernd Burka-Trägerinnen. Vermutlich meint er aber einfach gar nicht die Burka, sondern eben den Niqab, einen Schleier, der ebenfalls viel verhüllt, im Gegensatz zur Burka aber meist die Augen freilässt. Später in seiner Kolumne erwähnt Buschkowsky den Niqab auch noch einmal explizit. (Um das Vokabular noch etwas zu ergänzen: Der Tschador und der Hidschab sind noch mal andere Kleidungsstücke.)

Mit dem Durcheinanderwürfeln der Begriffe ist Heinz Buschkowsky nicht allein. Die “Bild”-Redaktion hat seinen Artikel zum “Burka-Verbot” mit einer Niqab-Trägerin bebildert:

Und auch in den vergangenen Tagen wollten oder konnten die “Bild”-Medien kein Foto einer Burka-Trägerin in Deutschland auftreiben und veröffentlichen. Sie zeigen immer nur Frauen, die in einer anderen Variante verschleiert sind:


(“Bild” vom 12. August)

(“Bild” vom 13. August)

(Bild.de vom 14. August)

(“Bild” vom 17. August)

Schaut man sich die derzeitige Berichterstattung zum “Burka-Verbot” an, wird man das Gefühl nicht los, dass es nicht besonders viele Frauen hier in Deutschland gibt, die eine Burka tragen. Wenn Eric Markuse in “Bild” kommentiert: “Die Burka gehört nicht zu Deutschland”, will man ihm am liebsten antworten: Es gibt sie hier anscheinend ja auch so gut wie gar nicht.

Natürlich darf man der Meinung sein, dass auch der Niqab problematisch ist, und nicht nur die Burka, sondern Vollverschleierung im Allgemeinen verboten werden sollte. Aber dann sollte man nicht von einem “Burka-Verbot” sprechen, nur weil es griffiger ist als “Niqab-Verbot” oder “Verbot der Vollverschleierung”. Es geht hierbei schließlich nicht um einen Olympiasieger aus Vietnam, den man im Boulevardstil schnell mal “Pistolen-Vietnamesen” nennen kann. Es geht um eine Debatte, die in letzter Konsequenz bedeutet, dass einem Teil der Bevölkerung verboten wird, ein bestimmtes Kleidungsstück anzuziehen. Und bei einem derartigen Eingriff ins Privatleben dieser Leute sollte es doch möglich sein, die richtigen Vokabeln zu benutzen.

Doch so, wie die meisten Medien aktuell berichten, dürfte sich das falsche Vokabular in der Gesellschaft etablieren. “Focus Online” berichtet über das “Burka-Verbot” und zeigt Niqab-Trägerinnen:

Die “Huffington Posts” berichtet über das “Burka-Verbot” und zeigt Niqab-Trägerinnen:

Die “Frankfurter Rundschau” berichtet über das “Burka-Verbot” und zeigt eine Niqab-Trägerin:

Genauso “Zeit Online”, “NWZ Online”, augsburger-allgemeine.de. Die Auswahl ist beliebig und ließe sich noch lange fortführen. Manche Redaktionen zeigen Fotos von Burka-Trägerinnen in Afghanistan. Aber ein Bild einer Frau in Burka in Deutschland hat offenbar noch keine von ihnen gefunden.

Im Fernsehen sieht es nicht besser aus. Ein Beispiel: ein Beitrag im “Sat.1-Frühstücksfernsehen” von gestern über “Burkas in Garmisch: So reich machen Araber die Region!” In den 4:57 Minuten sind zwar einige verschleierte Frauen zu sehen, aber keine einzige trägt eine Burka. Manche von ihnen tragen sogar lediglich einen Hidschab:

Bei meiner Suche nach Bildern von Burka-Trägerinnen in Deutschland bin ich am Ende dann doch noch fündig geworden: Bei sueddeutsche.de sind zwei Personen zu sehen, beide in einer Burka verhüllt, eine kleine Deutschlandfahne ist auch noch zu erkennen — Volltreffer. In der Bildunterschrift steht:

Wie fühlt man sich mit einer Burka? Besucher einer Ausstellung im Kunstverein Wiesbaden konnten das im Jahr 2012 ausprobieren.

“The European” wärmt den “Sex-Mob-Alarm” auf

Peter Harzheim, der Präsident des “Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister” (BDS) hat in der “Rheinischen Post” neulich folgenden Vorschlag gemacht: Man könnte doch eine gewisse Zahl Geflüchteter zu Bademeistern ausbilden.

“Uns fehlen Fachkräfte. Darum wäre es fahrlässig, diese Ressourcen nicht zu nutzen”, betonte der BDS-Chef. Außerdem könnten zum Schwimmmeister ausgebildete Flüchtlinge dazu beitragen, dass es in den Bädern seltener zu interkulturellen Konflikten kommt.

Klingt nach einer Idee, die zumindest nichts schlimmer machen würde und vielleicht ein paar Probleme im Schwimm- und Freibadalltag lösen könnte. Sprachschwierigkeiten von ausländischen Badegästen zum Beispiel.

Joachim Nikolaus Steinhöfel, unter anderem Anwalt von Akif Pirinçci und Matthias Matussek, scheint kein Unterstützer von Harzheims Einfall zu sein. Er schreibt bei “The European”:

Full disclosure: Ich bin jetzt nicht mehr dazu gekommen, abschließend zu recherchieren, ab welcher Überdosis Chlorwasser mit nachhaltigen Schädigungen des Denkvermögen zu rechnen ist. Oder beim Springen vom Beckenrand, wenn das Wasser vorher abgelassen wurde.

Aber eigentlich geht es Steinhöfel auch gar nicht um die Sache mit den möglichen neuen Bademeistern. Er will viel lieber über ein anderes Thema sprechen. Das macht er schon im Teaser des Artikels klar, direkt unter der “Mohammad”-Überschrift:

Im Text führt er weiter aus:

Was gibt es bei diesen Temperaturen schöneres, als eine sachkundig ausgeführte Arschbombe in einem öffentlichen Schwimmbad. Sie muss ja nicht unbedingt vom sympathischen Peter Altmaier demonstriert werden, dem 16-Tonner unter den Bundespolitikern. Nur muss ich da gleich etwas Wasser in den Wein kippen. Denn die Meldungen über einem enormen Anstieg sexueller Übergriffe in Schwimmbädern häufen sich. Laut Auskunft der Kriminalpolizei insbesondere Vergewaltigung und sexueller Mißbrauch von Kindern. Die Täter seien in erster Linie “Zuwanderer”, zitiert die “Bild” aus einem internen Polizeidokument.

Folgendes Problem: Es ist längst bekannt, dass der “Bild”-Artikel, auf den Steinhöfel sich bezieht, und der damit verbundene “Sex-Mob-Alarm” völliger Unsinn sind.

Dass Joachim Nikolaus Steinhöfel die “Bild”-Geschichte dennoch vor wenigen Tagen aufgreift, obwohl sie schon längst entkräftet ist, verdeutlicht das Folgeproblem an unsauberer Berichterstattung über Geflüchtete und Zuwanderer: Einmal veröffentlicht, werden die Artikel von Leuten herangezogen, die populistische Thesen in die Welt jagen wollen und die sich nicht sonderlich dafür interessieren, ob eine Meldung stimmt oder nicht, solange sie eine Quelle haben, die zur eigenen Position passt. Da kann man noch so viel richtigstellen.

Mit Dank an @Sancho_P für den Hinweis!

Nachtrag, 27. Juli: Joachim Nikolaus Steinhöfel hat sich zu diesem Beitrag geäußert und führt fünf Punkte an, warum doch alles in Ordnung ist mit seinem Text:

1. Fehler in der Berichterstattung unterlaufen jedem Medium. Sogar der „Süddeutschen“, „Neues Deutschland“ und der „Frankfurter Rundschau“. Ob man das „bildblog“ hier ausnehmen muss, kann ich nicht sagen, da ich ihn in der Regel nicht lese. Es genügt in jedem Falle journalistischen Standards auch der MSM, wenn man sich zum Beleg für eine Behauptung auf andere seriöse journalistische Quellen bezieht. Diese Arbeitsweise genügt auch den rechtlichen Anforderungen an Berichterstattung im Bereich des Persönlichkeits- und Presserechts. Wenn dieselbe Tatsache in der „Bild“ und im übrigen auch in der „Welt“ veröffentlicht wird, besteht kein Anlaß, sie ohne begründete Zweifel nochmals zu überprüfen. „bildblog“ gehört nicht zur notwendigen Lektüre eines Journalisten. Ob dort tatsächlich etwas entkräftet wurde, kann man durch Zufall erfahren. Eine Recherchepflicht auf gerade diesem Medium existiert nicht. Die erkennbare ideologische Schlagseite des Blogs macht es auch in der Regel verzichtbar.

2. Die Quellen hatten den Zweck, die Zunahme an Delikten, insb. Sexualdelikten durch „Flüchtlinge“, insb. in Schwimmbädern zu belegen. Hierbei ist der Tatort Schwimmbad nachrangig, da massenhafte Sexualdelikte durch „Flüchtlinge“, egal wo verübt, grundsätzlich kein Qualifikationskriterium für die Bademeisterschaft zu sein scheinen.

3. Wenn diese Masse an Sexualdelikten von „Flüchtlingen“ aber gegeben ist, ist es für die Zielrichtung des Artikel nachrangig, ob die Quelle stimmt. Stimmt die Behauptung trotzdem, wäre eine falsche Quelle unerfreulich, aber sekundär. Denn die aufgestellte Behauptung ist wahr.

4. Öffentlich zugänglichen Quellen wie Presseberichten und Angaben der Polizei sind mindestens 747 sexuelle Übergriffe, 107 (auch versuchte) Vergewaltigungen und 600, auch sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche durch „Flüchtlinge“ zu entnehmen.

5. Vor dem geschilderten Tatsachenhintergrund den von mir verfassten Artikel zu kritisieren, ist tatsächlich „unsaubere Berichterstattung“. Oder, um in der Terminologie des Autoren des „bildblog“ zu bleiben: Linke Hetze.

Joar.

NPD-Unfall, Atom-Ente, Porno-Reißleine

1. Von NPD-Kadern und Flüchtlingen
(hanningvoigts.de)
Seit Jahren schreibt Hanning Voigts in der “Frankfurter Rundschau” u.a. über eine Führungsfigur der rechtsextremen NPD. Doch, was ihm da zunächst als unscheinbare Polizeimeldung auf den Schreibtisch flattert und von ihm recherchiert wird, entwickelt sich zur weltweit verbreiteten Meldung: Der NPD-Politiker hat einen schweren Unfall gebaut, die Ersthelfer stammen aus Syrien und dem Sudan… Die lesenswerte Geschichte einer Meldung, die um die Welt ging.

2. Falsch bleibt falsch
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
“Übermedien” beschäftigt sich mit eine der Top-Falschmeldungen der letzten Tage: Vor einem Atomkraftwerk in Belgien sei ein Wachmann erschossen worden. Und die Täter seien im Besitz seines Dienstausweises! Ein Medium nach dem anderen übernimmt ungeprüft die Falschmeldung, und dichtet teilweise klickheischende Überschriften, die mit der Angst vor einem atomaren Terroranschlag spielen. Als sich herausstellt, dass an all dem nichts dran ist, korrigieren die Wenigsten.

3. “Der Spiegel” und seine Haltung
(sprengsatz.de, Michael Spreng)
Der Journalist und Politberater Michael Spreng ist unzufrieden mit einem Interview des “Spiegel” mit der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry. Diese habe unwidersprochen die geschönte Version ihrer menschenverachtenden Äußerungen über Schusswaffengebrauch an der Grenze vortragen können. Sie hätte mehrfach auf ihr Originalinterview verwiesen, das den “Spiegel”-Redakteuren offenbar nicht vorgelegen hätte, denn sie hätten ihr nicht widersprochen. So erscheine Petry am Ende dieser Gesprächspassage im “Spiegel” als ein Opfer der Medien.

4. Warnstreik bei „Zeit Online“
(taz.de, Anne Fromm)
Nach jahrelangen erfolglosen Verhandlungen von Betriebsrat und Verlagsgeschäftsführung ist es nun soweit: Im April wollen Mitarbeiter von “Zeit Online” mit einem Warnstreik auf ihre Forderungen aufmerksam machen. Der Hintergrund: Onliner verdienen deutlich weniger als ihre Print-Kollegen bei der “Zeit”. Sie sind in eine Digital-GmbH ausgelagert und müssen nicht nach dem Tarifvertrag für Zeitschriften bezahlt werden.

5. Alles „Lügenpresse“ oder was?
(medienkorrespondenz.de, Norbert Schneider)
Der ehemalige Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) Norbert Schneider setzt sich ausführlich mit dem Begriff Lügenpresse auseinander, von der historischen Dimension bis zur Bedeutung in der Jetztzeit. Schneider kommt zum Schluss: “Wer Lügenpresse schreit, betreibt nicht eine besonders radikale Pressekritik. Er gibt zu verstehen, dass er keine Presse will.”

6. This Charity Bookstore Is Begging People To Stop Donating Their Copies Of ‘Fifty Shades Of Grey’
(distractify.com, Lindsey Robertson)
Ein Oxfam-Charity-Buchladen in South Wales zieht die Reißleine: Keine Buchspenden von “Fifty Shades Of Grey” mehr! Die Bücher seien Ladenhüter und wegen der Spezialbindung nicht recyclebar. Im Büro haben die Mitarbeiter nun im Trockenbauverfahren aus Exemplaren des Hausfrauen-Softpornos eine architektonisch imposante Mauer samt Durchgang errichtet.

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