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Fußnotenjournalismus

“Mit einer Fülle an Exklusivmeldungen
verschafft BILD den Lesern jeden Tag
einen Informationsvorsprung”
(Aus einer “Bild”-Selbstdarstellung)

 
Rudolf Scharping*, Abgeordneter des Wahlkreises Montabaur im Deutschen Bundestag, schreibt heute einen Gastbeitrag in “Bild”, weil Franz Müntefering vor einem Jahr die Nachfolge von Gerhard Schröder als SPD-Parteivorsitzender antrat. “Bild” schreibt dazu:

“Exklusiv in BILD zieht Ex-SPD-Chef Rudolf Scharping
eine Bilanz der Arbeit seines Nachfolgers.”

Und, naja, immerhin wäre Scharping, wenn bei der Bundestagswahl 1994 nicht die CDU gewonnen hätte, wohl Bundeskanzler geworden. Er hätte, wäre es bei der Bundestagswahl 1994 schon zu einem Regierungswechsel gekommen, nach 12 Jahren Amtszeit Helmut Kohl abgelöst. Und das ist noch nicht alles. Doch weil sich vielleicht trotzdem nicht jeder “Bild”-Leser erinnert, wer noch gleich dieser Rudolf Scharping war ist, haben die Politikredakteure der “Bild”-Zeitung (siehe auch Bild.de) am Ende seines Gastbeitrags auf Seite 2 freundlicherweise folgende Fußnote angefügt:

“Ex-Verteidigungsminister Scharping (57) war
von 1995 bis 2001 SPD-Vorsitzender”

Dumm ist nur, dass das nicht stimmt.

*) Rudolf Scharping war von 1993 bis 1995 SPD-Vorsitzender. (Ihm folgten 1995 Oskar Lafontaine, 1999 Gerhard Schröder und 2004 Franz Müntefering.) Von 1995 bis 2001 war Scharping Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE).

Mit Dank an Thomas P. für den Hinweis.

“Bild” wirkt

“Spiegel Online” berichtet:

Morddrohung gegen SSW-Spitzenkandidatin

(…) Dass Rot-Grün im Norden weiterregieren kann, obwohl die CDU bei der Wahl am 20. Februar die meisten Stimmen bekommen hatte, hat in den vergangenen Tagen zu einem erbitterten politischen Streit in Schleswig-Holstein geführt. Mitglieder der dänischen Minderheitenpartei wurden beschimpft, unmittelbar vor Beginn des Parteitages des SSW gab es sogar eine Morddrohung gegen Spitzenkandidatin Anke Spoorendonk. Die Drohung werde sehr ernst genommen, sagte ein SSW-Mitarbeiter in Flensburg. Das Bundeskriminalamt bestätigte den Vorfall.

Wäre es nicht schön, wenn die größte Boulevardzeitung des Landes angesichts dieser Entwicklung von sich sagen könnte, sie habe unabhängig, zurückhaltend und sachlich korrekt berichtet, keine Ressentiments gegen Ausländer und Minderheiten geschürt und nicht Überschriften verfasst wie “Warum dürfen diese zwei Dänen die deutsche Politik bestimmen”?

Deutliche politische Willenserklärung

Am Sonntag war Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Die “Bild”-Zeitung ist, kurz gesagt, unglücklich mit dem Ausgang und sehr, sehr, sehr unglücklich, dass womöglich Heide Simonis Ministerpräsidentin bleibt. Und bei Zeitungen ist das nicht anders als bei Menschen: Wenn jemand emotional sehr aufgewühlt ist, leidet häufig die Rationalität.

Am Dienstag beginnt der “Bild”-Kommentar zur Wahl mit folgendem Satz:

Deutlicher als die Wähler in Schleswig-Holstein kann man eine politische Willenserklärung kaum abgeben.

Wenn Kommentator Georg Streiter ein bisschen weniger erregt gewesen wäre, wären ihm vielleicht doch ein paar Möglichkeiten eingefallen, eine noch deutlichere Willenserklärung abzugeben als eine, bei der CDU und FDP zusammen 46,8 Prozent der Wählerstimmen bekommen haben. Etwa die Möglichkeit, dass sie zusammen eine knappe Mehrheit im Landtag bekommen hätten. Oder die Möglichkeit, dass sie zusammen eine deutliche Mehrheit im Landtag bekommen hätten. Oder die Möglichkeit, dass die CDU eine absolute Mehrheit der Stimmen bekommen hätte. Doch, doch, sowas gibt’s, und das sind deutliche politische Willenserklärungen.

Am Mittwoch titelt “Bild” “Aufstand gegen Dänen-Partei”. Wer probt den Aufstand? Nicht die Mitglieder des SSW, wie man annehmen würde, oder das Volk an sich, sondern der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU, der ihr das Recht zum Mitregieren abspricht.

Am Donnerstag schreibt “Bild”, jetzt sei “eine offene Diskussion über Neuwahlen in Schleswig-Holstein entbrannt!” Die “offene Diskussion” besteht darin, dass zwei CDU-Politiker aus Schleswig-Holstein und ein CDU-Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern Neuwahlen fordern.

Ebenfalls am Donnerstag schreibt “Bild”, es werde “bereits über mögliche Abweichler in den Reihen der SPD spekuliert, die der Wahlverliererin, Ministerpräsidentin Heide Simons, bei der geplanten Wiederwahl am 17. März ihre Stimme versagen könnten”. Wer spekuliert? Richtig: Die CDU, genauer: ihr Landessprecher Henning Görtz.

Und wenn man also so richtig emotional aufgewühlt ist und die Unzufriedenheit so gar nicht weggehen will, suchen sich Menschen gerne Außenseiter, Minderheiten, auf die sie ihren Zorn projizieren können. Wie praktisch, dass sich da im konkreten Fall gleich eine Gruppe anbietet: die Dänen.

Warum dürfen diese zwei Dänen die deutsche Politik bestimmen?

fragt “Bild” groß am Dienstag, worauf mindestens dreierlei zu antworten ist: Erstens ist der eine “Däne” gar kein Däne, sondern Friese. Zweitens haben beide “Dänen” die deutsche Staatsbürgerschaft (was “Bild” konsequent verschweigt). Und drittens entscheiden nicht so sehr “zwei Dänen” als vielmehr 51.901 Wähler des SSW.

“Bild” bringt außerdem die Frage auf, ob auch andere Minderheiten die deutsche Landespolitik mitbestimmen könnten, “(z. B. eine ‘Türken-Partei’ in NRW)”, und beantwortet sie so:

Ja. Voraussetzung ist aber der deutsche Paß, um für ein deutsches Parlament zu kandidieren. Für eine “Türken-Partei” würde die übliche Fünf-Prozent-Hürde gelten. Und: Nur Türken mit deutschem Paß dürften sie wählen.

Der letzte Satz ist gleich doppelt irreführend: Natürlich dürften auch nicht-türkischstämmige Deutsche eine solche “Türken-Partei” wählen. Vor allem aber suggeriert “Bild”, dass der SSW auch von Dänen ohne deutschen Pass gewählt werden durfte. Keineswegs. Wahlberechtigt waren auch in Schleswig-Holstein ausschließlich deutsche Staatsbürger.

Deutlicher als “Bild” kann man eine politische Willenserklärung kaum abgeben.

“Bild” pokert – und verliert

Es ist doch wirklich sonderbar. In “Bild” kann man heute auf der Seite zwei folgende Schlagzeile lesen:

Und im dazugehörigen Text steht dies:

Um 18.42 Uhr ließ zum ersten Mal eine ZDF-Hochrechnung auch das letzte Fünkchen für Heide Simonis (61/SPD) erlöschen: Selbst die zwei Abgeordneten des Südschleswigschen Wählerverbandes können sie nicht mehr ins Amt der Ministerpräsidentin retten – CDU und FDP haben mit 35 Sitzen die absolute Mehrheit der Mandate errungen!

Andererseits kann man in “Bild” heute auf der Seite zwei aber auch dies hier lesen (übrigens unter der Überschrift “Heide stürzt ab, Merkel lacht”):

Wer regiert künftig in Schleswig-Holstein? Noch unklar!
(…)
Nach einer stundenlangen Zitterpartie stand erst kurz vor Mitternacht fest: Weder für Rot-Grün (33 Sitze) noch für Schwarz-Gelb (34) reicht es zur absoluten Mehrheit.

Das ist zwar fast das Gegenteil des eingangs Zitierten, im Grunde ist es aber einfach zu erklären: Teile der “Bild”-Auflage werden früher gedruckt, als andere, weshalb das vorläufige amtliche Endergebnis dort nicht berücksichtigt werden konnte. Und in dieser Hinsicht unterscheidet “Bild” sich nicht von anderen Zeitungen. In der Hinsicht, dass sie entgegen einfachsten journalistischen Grundregeln derart knappe Hochrechnungen als feststehendes Wahlergebnis präsentiert, allerdings schon.

Quasi als Beleg seien hier deshalb noch einige Zeitungen von heute zitiert, die das vorläufige amtliche Endergebnis auch nicht mehr ins Blatt bekommen haben, dafür aber bestimmte Wörter, die in “Bild” gänzlich fehlen, und die den entscheidenden Vorteil mit sich bringen, dass in diesen (nicht mehr aktuellen) Texten immer noch die Wahrheit steht:

“Union (…) schafft voraussichtlich den Regierungswechsel”
“Süddeutsche Zeitung”

“Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein zeichnet sich ein Machtwechsel ab
“die tageszeitung”

“die CDU (…) kann womöglich zusammen mit der FDP (…) wieder die Landesregierung stellen.”
“Frankfurter Allgemeine Zeitung”

Wald vor lauter Bäumen

Einige Wochen lang hat “Bild” eine Liste veröffentlicht, in der steht, “Was unsere Abgeordneten noch so nebenbei machen”. Keine schlechte Idee, eigentlich, kann man so doch jederzeit nachschlagen, welche Politiker, für welche Unternehmen arbeiten oder von ihnen bezahlt werden. Das kann helfen, Forderungen oder Vorschläge von Abgeordneten besser einzuordnen. Zum Beispiel sowas hier:

CDU fordert: Thailand-Urlaub steuerlich fördern

Genau genommen war es ein gewisser Albrecht Feibel, der das vergangenen Dienstag in “Bild” gefordert hat. Übrigens derselbe Feibel, über den “Bild” am 27. Dezember 2004 folgendes veröffentlichte:

Albrecht Feibel (64/CDU), Mandelbachtal: Geschäftsführender Gesellschafter, F & T ReiseService KG, Saarbrücken; Flughafen-Betriebsgesellschaft, Saarbrücken (Mitglied des Aufsichtsrates); Flughafen-Eigentümergesellschaft, Saarbrücken (Mitglied des Aufsichtsrates); Hafengesellschaft, Dillingen (Mitglied des Aufsichtsrates)

Nun wäre es aus journalistischer Sicht natürlich wünschenswert gewesen, genau das bei dem Artikel über die steuerliche Förderung des Thailand-Urlaubs dazu zu schreiben, damit man sich als Leser so seine Gedanken hätte machen können, ob es Feibel tatsächlich nur um “Aufbauhilfe” in den Flutgebieten geht, oder ob die Forderung nicht auch ein wenig von Eigeninteresse motiviert ist – am Dienstag stand es aber trotzdem nicht in “Bild”. Glücklicherweise aber am Mittwoch in der “Berliner Zeitung”.

Mon cher ami

Franz-Josef Wagner schreibt heute einen Brief an Klaus Wowereit, und wir müssen ein bisschen ausholen.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin musste sich nämlich gestern im Abgeordnetenhaus dafür rechtfertigen, dass er bei einer öffentlichen Veranstaltung Désirée Nick geküsst hat. Einige Fotos von diesem Moment machten in Berlin und in “Bild” Schlagzeilen. Nachdem ein CDU-Abgeordneter gefragt hatte, ob das mit der Würde seines Amtes vereinbar sein, rechtfertigte sich Wowereit ausführlich.

Franz-Josef Wagner fühlte sich bei dieser Rede an die Sätze von Willy Brandt und Richard von Weizsäcker im Abgeordnetenhaus erinnert, bzw.: nicht erinnert. Denn die hätten die Freiheit verteidigt, Wowereit aber sein “Fundi-Schwulsein”.

Unter “Fundi-Schwulsein” versteht Wagner dem Anschein nach das, was gemeinhin “Homosexualität” genannt wird: Männer, die nicht schwach werden, wenn plötzlich, sagen wir, Paris Hilton vor ihnen steht. Das ist ein bisschen unflexibel, aber das gibt es. “Fundi” ist natürlich alles andere als ein positiv besetzter Begriff in der Welt von “Bild”.

Wagner weiter:

Sie verwahrten sich gegen Unterstellungen, Désirée Nick habe Sie umgedreht.

Das ist typisch, riefen Sie in den Plenarsaal, da ist ein schwuler Mann und eine schöne Frau (na, na, der Kolumnist) und schon heißt es “umgedreht”. Das sei wie bei Frau Schavan, die als lesbisch diskriminiert wird. Es sei gegen die Menschenwürde, ereiferten Sie sich.

Mon cher ami, ist es wirklich so schrecklich, in den Verdacht zu geraten, nicht 150prozentig schwul zu sein?

“Nein”, rufen natürlich an dieser Stelle die “Bild”-Leser im Chor, die nicht aufgepasst haben. Denn darum ging es Wowereit nicht. Als diskriminierend bezeichnete er die Annahme, dass man Schwule nur mit einer schönen Frau konfrontieren müsse, und schon könne man sie ändern.

Das ist genau, was “Bild” mit seiner Titel-Schlagzeile getan hat, und das ist in der Tat diskriminierend. Es ist auch mehr als nur ein lustiger Boulevardzeitungswitz, wie man zum Beispiel hier nachlesen kann.

Wagner suggeriert weiter, Wowereit hätte sich mit dem Thema in die Öffentlichkeit gedrängt, anstatt wichtigere Dinge zu verhandeln. Jedenfalls ist zu vermuten, dass er das suggerieren will, wenn er diese Sätze hintereinander schreibt:

Mon cher ami, ist es wirklich so schrecklich, in den Verdacht zu geraten, nicht 150prozentig schwul zu sein? Ist es nicht viel schrecklicher, daß 40 Prozent unserer Berliner Türken arbeitslos sind. Die Quote der türkischen Sozialhilfeempfänger ist dreimal so hoch. Ist es nicht schrecklich, daß ein Türke, der Deutsch lernen will, in Berliner Volkshochschulen abgelehnt wird – kein Geld, keine Lehrer.

Nach Darstellung verschiedener Medien hat Wowereit wohl tatsächlich sehr, sehr lange zu dem Thema geredet. Tatsache ist aber auch, dass Wowereit das Foto und das Thema nicht groß in die Öffentlichkeit gebracht hat (das war “Bild”) und dass er es auch nicht auf die Tagesordnung im Berliner Abgeordnetenhaus gesetzt hat (das machte die Opposition durch ihre Frage danach).

O-Ton Wagner:

Die Würde der Schwulen geht mir langsam auf den Keks – und Ihr Markenzeichen schwul auch. Schwulsein ist nicht besser.

Noch einmal zum Mitdenken: “Bild” stellt ein Foto vom knutschenden Wowereit auf die Titelseite und bringt es in absurder Weise in Verbindung mit seinem Schwulsein. Und wenn Wowereit sich darüber beschwert, schreibt “Bild”, er soll doch aufhören, dauernd sein Schwulsein in den Vordergrund zu stellen.

Den Satz “Die Würde der Schwulen geht mir langsam auf den Keks” muss man sich merken. Das ist ungefähr so, als würde sich ein Schläger darüber beklagen, dass die Schreie seiner Opfer immer so einen ruhestörenden Lärm verursachen.

“Bild” will sie endlich stoppen!

Im Gegensatz zu anderen schreibt die “Bild”-Zeitung ja seit dem 4. Oktober 2004 bekanntlich “wieder klassisch richtig” (= in alter Rechtschreibung) — und auf ihrer heutigen Titelseite dies:

Weiter heißt es:

“Jetzt soll der Bundestag die Schlechtschreibreform kippen!

Anlass für die Schlagzeile ist ein Antrag der CDU/CSU-Fraktion (Überschrift: “Klarheit für eine einheitliche Rechtschreibung”). Und liest man den vergleichsweise unspektakulären CDU/CSU-Antrag im Wortlaut (PDF), kann man ihn ungefähr so zusammenfassen wie die Nachrichtenagenur AFP:

“Die Union spricht sich in dem Antrag nicht ausdrücklich für eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung aus.”

In der AFP-Meldung steht außerdem:

“Vor zwei Wochen hatte sich die Union nicht auf einen Antrag zur Rechtschreibreform einigen können. Dies gelang nun offensichtlich dadurch, dass sich die Fraktion weder auf eine Rückkehr zur alten Schreibung noch auf eine Änderung der Reform festlegt.”

Eine ebenso treffende Überschrift wie die von “Bild” gewählte wäre also: “Schlechtschreibreform – Union will sie beibehalten!

Ein dringendes Bedürfnis

Das Ende der Schlechtschreibung rückt näher!

So steht’s mal wieder in “Bild”, und der Text dazu klingt, als sollte man das tatsächlich Ernst nehmen:

Der Kulturausschuss der CDU/CSU-Bundestagsfraktion verlangt jetzt in einem Dringlichkeitsantrag vom Bundestag, die neuen Regeln zu stoppen. Die Abgeordneten sollen die Länder auffordern, “alsbald eine abschließende Entscheidung bezüglich der Regeln” zu treffen.

Interessant daran ist, dass die CDU/CSU-Bundestagsfraktion gar keinen eigenen Kulturausschuss hat, nur so eine Art Arbeitsgemeinschaft, die sich gelegentlich trifft, um kulturpolitische Fragen zu diskutieren. Tatsächlich wurde in dieser AG kürzlich auch über die Rechtschreibreform gesprochen. Fragt man allerdings bei der Fraktion nach, weiß dort niemand etwas von einem Dringlichkeitsantrag oder sonstigem Beschluss, der vom Bundestag fordert, “die neuen Regeln zu stoppen”.

Andererseits könnte man nach der “Bild”-Lektüre sogar glauben, dass eine derartige Forderung Erfolg haben könnte, schließlich zitiert “Bild” nicht nur aus dem vermeintlichen “Dringlichkeitsantrag”, sondern auch Peter Gauweiler. Und Gauweiler seinerseits sorgte als bekennender Rechstschreibreformgegner nicht nur kürzlich in erwähnter CDU/CSU-AG für entsprechende Diskussionen, er ist auch stellvertretender Vorsitzender des Kulturausschusses des Bundestags, in dem sieben CDU/CSU-, sieben SPD-, zwei Grünen- und ein FDP-Politiker sitzen – weshalb man ihn auf keinen Fall mit dem nichtexistenten Kulturausschuss der CDU/CSU-Fraktion verwechseln sollte. Und dieser Gauweiler sagte “Bild” offenbar:

Der Bundestag hat bereits vor acht Jahren die Rechtschreibreform kritisiert. Es ist Zeit, dass diesen Worten jetzt Taten folgen.

Ob Peter Gauweiler mit dem Wort “kritisiert” wohl halbherzige Formulierungen wie die folgenden meint?

Der Deutsche Bundestag nimmt mit Besorgnis zur Kenntnis, daß die Art und Weise der Umsetzung der Rechtschreibreform und ihre Inhalte bei den Bürgern unseres Landes ein hohes Maß an rechtlicher und sprachlicher Unsicherheit über die deutsche Rechtschreibung hervorgerufen haben.

Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass Gauweiler “gutachterliche, publizistische, Vortrags- oder sonstige Tätigkeiten” für die Axel-Springer-Verlag AG wahrnimmt bzw. von Zeit zu Zeit in “Bild” und “BamS” Kommentare schreibt.

Partei, die schrumpft

Am Freitag machte “Bild” PDS-Chef Lothar Bisky zum Verlierer des Tages. Weil seiner Partei die Mitglieder weglaufen:

Vergangenes Jahr gaben 5052 Genossen ihr Parteibuch ab – ein Minus von rund 7 Prozent. Nur noch 65 753 Menschen gehören der SED-Nachfolgepartei an. In den alten Bundesländern gibt es gerade einmal 4378 bekennende Sozialisten.

BILD meint: PDS – Partei, die schrumpft!

Stimmt. Richtig ist auch, dass die PDS in aktuellen Umfragen bundesweit auf 7 Prozent kommt, im Osten mit 28 Prozent zweitstärkste Partei nach der CDU würde und bei der Landtagswahl in Brandenburg mit 34 Prozent der Stimmen die mit Abstand meisten Stimmen bekommen könnte.

Und: Nein, das wird Bisky nicht zum Gewinner des Tages in “Bild” machen.

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