Archiv für Bild am Sonntag

Der frühe Vogel

Martin Eisenlauer ist der Mann, den sie in „Bild am Sonntag“ den „Tech-Freak“ nennen, was vermutlich so etwas bedeuten soll wie „der nette Nerd von nebenan“. Gestern schrieb er über „die spannendsten Neuheiten in Google und Bing Maps“, was vermutlich so etwas bedeuten soll wie „verrückte Sachen, die ich jetzt erst entdeckt habe“.

Über den Kartendienst von Microsofts Suchmaschine Bing schreibt er:

Besonders eindrucksvoll ist die neue 
Vogelperspektive.

Sie ersetzt die klassische „Satelliten“- Ansicht und zeigt statt Dächern die Seitenwände von Gebäuden. Dazu wurden rund 215 Terabyte neuer Bilder hochgeladen, das ist eine Menge, wenn man weiß, dass 1 Terabyte 1024 Gigabyte sind.

Nun ja: Die halbhohe Vogelperspektive „ersetzt“ nicht das Luftbild von oben, sie ist zusätzlich verfügbar.

Und sie ist auch nicht „neu“: Die ersten „Bird’s Eye View“-Bilder von deutschen Städten gingen vor fünfeinhalb Jahren online.

Neu sind in der Tat die 215 Terabyte Bilder, die das bisherige Angebot ergänzen und aktualisieren sollen, wie es im Bing-Blog heißt.

Entsprechend alt ist dann auch das, was „Bild am Sonntag“ unter „Neuheiten von Google Maps und Bing“ beschreibt:

Dank der „Vogelperspektive“ kann man sich viel besser anhand von Luftbildern orientieren. Jeder Kartenabschnitt ist in vier verschiedenen Perspektiven verfügbar, man kann Gebäude also von allen Seiten betrachten. Aufgerufen wird diese Funktion unter maps.bing.de durch einen Klick auf „Vogelperspektive“ oben links in der Kartenansicht.

Mit Dank an Knut W.

Abwärts

Die „Bild“-Zeitung, größte deutsche Tageszeitung, hat ihren Auflagenrückgang gestoppt. (…) Ulrike Fröhling von der „Bild“-Verlagsgeschäftsführung führte die aktuelle Entwicklung am Dienstag auf die Veränderungen bei dem Blatt seit dem Wechsel in der Chefredaktion zurück. Neuer Chefredakteur von „Bild“ ist seit Anfang des Jahres Kai Diekmann (…).

dpa, 17. April 2001

Der Jubel hielt nicht lange an. Und als es mit der Auflage der „Bild“-Zeitung kurz danach wieder bergab ging, sollte es nicht mehr am Chefredakteur liegen.

Im April 2002 hatte Kai Diekmann noch eine originelle Erklärung dafür, warum deutlich weniger Leute die „Bild“-Zeitung kauften. Der „Tagesspiegel“ gab sie damals so wieder:

Seien früher die Leute morgens zum Kiosk gegangen, hätten eine Mark für „Bild“ hingelegt und automatisch vom Verkäufer den vorbereiteten Groschen rübergeschoben bekommen, würden sie nun auf der Suche nach Münzen im Portmonee fummeln. An der Kasse bilden sich Schlangen, der Kaufvorgang sei im Gegensatz zu früher kein unbewusster mehr.

Schuld seien außerdem das Gefühl der Verbraucher, dass alles teurer geworden sei, die hohe Arbeitslosigkeit und die sinkende Zahl von Verkaufsstellen.

Das war vor knapp zehn Jahren.

Und so haben sich die Auflagen von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ weiter entwickelt, nachdem die Menschen sich an das neue Geld gewöhnt hatten und die Arbeitslosigkeit gesunken war:

Als sich Anfang 2011 abzeichnete, dass das Blatt bald keine drei Millionen Exemplare mehr verkaufen würde, sagte er dem „Focus“ wie zur Erklärung:

Schauen Sie mal raus. Es ist kalt, es schneit, da gehen weniger Menschen zum Kiosk.

Es hörte auf zu schneien, es wurde Sommer, die Auflage der „Bild“-Zeitung sank weiter.

Diekmann hat aber noch eine andere Ausrede, auf die er seit Jahren zurückgreift: Sein Blatt verliere zwar Käufer, aber nicht so viel wie die anderen Blätter. Im Verhältnis zum schrumpfenden Markt gewinne „Bild“ also sogar an Auflage.

Im Gespräch mit dpa, 2012:

dpa: „Wenn wir die Verkaufskurve weiterziehen, gibt es in 15, 20 Jahren keine „Bild“ mehr…“

Diekmann: „Da wir kontinuierlich Marktanteile gewinnen, würden vorher sehr viele andere Zeitungen und Zeitschriften vom Markt verschwinden. Im Ernst, diese Rechnung ist Quatsch.“

Gegenüber dem „Focus“ 2011:

„Wir haben in Deutschland einen insgesamt rückläufigen Markt. Das Mediennutzungsverhalten ändert sich. Die junge Generation bezieht ihre Informationen nicht mehr automatisch auf Papier, sondern etwa über digitale Kanäle. In diesem Markt ist „Bild“ stabiler als andere. Deshalb haben wir unseren Marktanteil bei den Boulevardzeitungen weiter ausgebaut.“

Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ 2010:

„Der Tageszeitungsmarkt ist insgesamt rückläufig, die Auflage fast aller Zeitungen geht zurück. In diesem Umfeld verdienen wir mit Bild so viel wie noch nie. Wir haben mit mehr als zwölf Millionen Lesern die höchste Reichweite und im Einzelverkauf den größten Marktanteil unserer Geschichte.“

Im „Tagesspiegel“ 2002:

„In einem Marktumfeld, in dem unseren Wettbewerbern die Hände und Füße abfrieren, niesen wir gerade mal. Das macht mich nicht glücklich. Aber immerhin trotzten wir im letzten Jahr dem rückläufigen Markttrend, gewannen sogar Auflage hinzu. Doch jetzt konnten wir uns dem Markttrend zumindest nicht völlig entziehen.“

Spiegelt die sinkende Auflage von „Bild“ (und „Bild am Sonntag“) also wirklich nur den Abwärtstrend bei Zeitungen insgesamt wider? Und schlagen sich die Blätter, wie Diekmann seit vielen Jahren in leicht wechselnden Formulierungen behauptet, innerhalb dieses Trends besser als die Konkurrenz?

Nun. Dies ist die relative Entwicklung der Boulevardzeitungen in Deutschland seit 1998:

Alle haben Auflage verloren, aber „Bild“ ragt dabei keineswegs positiv heraus. Sie verliert mit erstaunlicher Konstanz dramatisch Käufer. Wenn man als Bezugspunkt 2001 nimmt, das Jahr des Dienstantritts von Kai Diekmann, hat keine Boulevardzeitung in diesem Zeitraum einen so hohen Anteil an Auflage verloren wie „Bild“ (38 Prozent) und „Bild am Sonntag“ (44 Prozent). Auch bezogen auf die vergangenen beiden Jahre stehen „Bild“ und „Bild am Sonntag“ schlechter da als die regionale Konkurrenz mit Ausnahme ihres Berliner Schwesterblattes „B.Z.“

Falls nicht die kleinen regionalen Boulevardzeitungen der richtige Bezugspunkt für „Bild“ sind, sondern die anderen überregionalen Blätter:

Und, der Vollständigkeit halber: So gut hat „Bild am Sonntag“ im Vergleich zu anderen Sonntags- und Wochenzeitungen ihre Auflage in den vergangenen zehn Jahren gehalten:

Die „Bild“-Zeitung hat es unter anderem dank Preiserhöhungen um insgesamt 100 Prozent seit dem Amtsantritt Diekmanns geschafft, ihre Gewinne trotz sinkender Auflagen zu erhöhen. Misst man den publizistischen Erfolg des Blattes aber an der Zahl seiner Käufer — wie Kai Diekmann es tat, solange die Auflage stieg — ist die Bilanz vernichtend. Und das liegt nicht am Wetter und nicht am Euro.

Opfer eines Autounfalls instrumentalisiert

Das Foto zeigt einen Vater, der weinend auf der Straße hockt und Abschied nimmt von seinem Sohn, der an dieser Stelle gerade bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.

Die „Bild am Sonntag“ stellte diesen intimen Moment groß aus; die „Bild“-Zeitung zeigte das Foto am nächsten Tag noch einmal (BILDblog berichtete). Sie taten das angeblich nicht, um die Schaulust zu befriedigen, sondern um die Zahl der Opfer von alkoholisierten Autofahrern zu reduzieren.

Die „Maßnahmen“ des Presserates:

Hat eine Zeitung, eine Zeitschrift oder ein dazugehöriger Internetauftritt gegen den Pressekodex verstoßen, kann der Presserat aussprechen:

  • einen Hinweis
  • eine Missbilligung
  • eine Rüge.

Eine „Missbilligung“ ist schlimmer als ein „Hinweis“, aber genauso folgenlos. Die schärfste Sanktion ist die „Rüge“. Gerügte Presseorgane werden in der Regel vom Presserat öffentlich gemacht. Rügen müssen in der Regel von den jeweiligen Medien veröffentlicht werden. Tun sie es nicht, dann tun sie es nicht.

Der Presserat missbilligte ihre Berichterstattung trotzdem.

Mehrere Menschen hatten sich über „Bild am Sonntag“ und „Bild“ beschwert. Sie hätten die Betroffenen ein zweites Mal zu Opfern gemacht und ihre Gefühle der Angehörigen nicht respektiert.

Das Justiziariat der Axel Springer AG erwiderte, die ausschließliche Motivation der Berichterstattung sei es gewesen, auf die schrecklichen Folgen von Alkoholmissbrauch am Steuer hinzuweisen. Es sei unstreitig, dass weniger Unfälle passieren würden, wenn Verkehrsteilnehmern diese Folgen deutlich gemacht würden — auch die Deutsche Verkehrswacht nutze Plakate mit drastischen Darstellungen.

Außerdem sei die Leiche abgedeckt und keiner der Beteiligten identifizierbar.

Der Presserat sah in den Veröffentlichungen zwar keinen Verstoß gegen die Menschenwürde (Ziffer 1 des Pressekodex) und auch keine unangemessen sensationelle Darstellung von Leid (Ziffer 11). „Bild am Sonntag“ habe aber die Privatheit der Opfer missachtet (Ziffer 8). In Richtlinie 8.3 heißt es:

Bei Familienangehörigen und sonstigen durch die Veröffentlichung mittelbar Betroffenen, die mit dem Unglücksfall oder der Straftat nichts zu tun haben, sind Namensnennung und Abbildung grundsätzlich unzulässig.

Die Familie sei aufgrund vieler Details identifizierbar. Ihre private Trauer werde einer großen Öffentlichkeit gezeigt. Wenn die Zeitung auf die Gefahren von Alkohol am Steuer hinweisen wollte, hätte sie über den Unfall auch in anderer Form berichten können. „Bild am Sonntag“ habe die Betroffenen „instrumentalisiert“.

Alles auf Zucker

Pünktlich zum Beginn des Sommerlochs der Sommerferien titelte die jüngste Ausgabe der „Bild am Sonntag“:
Die Zucker-Falle

Er ist eine süße, versteckte Droge, die wir jeden Tag mit unserer Nahrung aufnehmen: Zucker! Inzwischen verzehrt jeder Deutsche rund 35 Kilo im Jahr. Denn in vielen Getränken und Lebensmitteln ist weit mehr Zucker, als wir vermuten.

Gut, so was erzählen Zahnärzte und Mütter seit Jahrzehnten. Jetzt sind es also die Enthüllungsjournalisten von der „BamS“, die dieser Zucker-Sache mal auf den Grund gehen:

Bild am Sonntag enthüllt, wie viel Zucker wirklich in unseren Lebensmitteln steckt.

Das hat allenfalls mittelgut geklappt.

Denn bei „Bild am Sonntag“ haben sie gewürfelt:

BILD am SONNTAG hat 55 Lebensmittel auf ihren Zuckergehalt untersucht und in Zuckerwürfel umgerechnet.

Mit „untersucht“ ist offenbar nichts anderes gemeint, als dass die Leute von „Bild am Sonntag“ die Nährwert-Angaben von den Verpackungen abgelesen haben. Dabei haben sie festgestellt:

Die Ergebnisse (…) machen mitunter fassungslos.

In der Tat.

So sieht nach „Bild“-Umrechnung zum Beispiel der Zuckergehalt von Marmelade aus:

Über 60 Würfel! Im Gegensatz dazu wirkt das Nutella, das mit weniger als drei kleinen Würfelchen irgendwo zwischen Bauerntopf und Müsli auftaucht, geradezu gesund:

Allerdings liegt das nicht an der guten Milch und den Nüssen. Es liegt daran, dass die „Bild am Sonntag“ völlig unterschiedliche Bezugsgrößen verwendet hat: Während sich der Zuckergehalt bei der Marmelade auf das ganze Glas bezieht, wird er bei Nutella nur für einen einzigen Esslöffel angegeben. Auf die gleiche Menge wie die Marmelade (350 Gramm) hochgerechnet, enthielte Nutella 65,3 Würfel Zucker, auf ein normales Nutella-Glas (450 Gramm) bezogen stolze 84. Damit wäre der bei „Bild“ sonst so populäre Brotaufstrich mit Abstand das Produkt mit dem höchsten Zuckergehalt.

Überhaupt hat sich „Bild am Sonntag“ große Mühe gegeben, die verschiedenen Produkte für den Leser möglichst schlecht vergleichbar zu gestalten: Da trifft „ein Glas Fanta“ (0,25 Liter, 8 Würfel Zucker) auf eine „halbe Flasche Coca-Cola“ (0,5 Liter, 17,7 Würfel) und „eine Flasche BioZisch von Voelkela Zitrone“ (0,33 Liter, 9,3 Würfel), „ein Riegel Yogurette“ (12,5 Gramm, 2,3 Würfel Zucker) auf „eine halbe Tüte Haribo Goldbären“ (keine genauere Mengenangabe, 15,2 Würfel) und „ein Glas Apfelkompott von Spreewaldhof“ (360 Gramm, 20,52 Würfel) und bei den Frühstücksflocken werden mal Portionen von 30, mal von 40 Gramm herangezogen.

Wenn Sie demnächst also im Freibad sitzen und eine Mutter beobachten, die ihrem Kind die Wassermelone („133 Würfel Zucker“) aus der Hand schlägt und stattdessen ein Glas Nutella reicht, wissen Sie, woran das liegen könnte.

Mit Dank an Dennis K.

Was sich Leute alles einfallen lassen

„Bild am Sonntag“ verbrachte neulich einen Nachmittag mit Heidi Klum. Im „exKLUMsiv“- Interview ereignet sich auch folgender Dialog:

Laufen Sie eigentlich, um abzunehmen?

Nein. Aber um fit zu bleiben. Nebenbei, so dünn bin ich nicht. Viele Zeitungen verkündeten sogar, ich sei schwanger, nur weil ich in einem engen Kleid ein Bäuchlein hatte. Und dann wird gerätselt, ob ich ein Höschen trage, nur weil ein Foto im Umlauf ist, das 100-prozentig retuschiert ist. Es ist schon seltsam, was sich Leute alles einfallen lassen, um Schlagzeilen zu haben!

Aus dem Gespräch geht leider nicht hervor, ob diese Passage als eine Art Gegendarstellung gedacht ist, oder ob die Leute bei „Bild am Sonntag“ tatsächlich nicht gemerkt haben, was das für Leute waren, die sich für ihre Schlagzeilen was hatten einfallen lassen.

Die Unten-ohne-Debatte

Zur Erinnerung: Es waren die Leute von „Bild“!

Mit Dank an Dennis und Katharina Sch.

Löw hält sich nicht an „Bild“-Wissen

Heute hat der DFB den vorläufigen Kader für die Fußball-EM in Polen und der Ukraine bekanntgegeben.

„Bild“ war sich vorher sicher:

EM-Kader: Jogi holt den Tony

Nun: Am Mittag wurde der Kader vorgestellt und Tony Jantschke ist ebenso wenig dabei wie Patrick Helmes, den „Bild am Sonntag“ gestern „fast sicher“ nominiert wähnte.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 20.20 Uhr: Zahlreiche Leser haben uns darauf hingewiesen, dass in dem „Bild“-Artikel oben noch ein Fehler steckt: Die Nominierungsfrist für den finalen Kader endet am 29. Mai, nicht – wie von „Bild“ behauptet – am 25.

2. Nachtrag, 8. Mai: Das ist lustig: Auf Bild.de steht jetzt „Den endgültigen 23er-Kader muss er am 29. Mai der Uefa melden“.

Hupen im Stadtverkehr

Kaum wird es draußen endlich wärmer, passieren solche Geschichten:

Nackte Frau auf Motorrad: Sie bekam ein Knöllchen für oben ohne Helm. Fahren oben ohne ist keine Ordnungswidrigkeit. Fahren ganz oben ohne schon. Auch in Rumänien herrscht Helmpflicht auf dem Motorrad. Und daher erhielt diese leichtsinnige Frau von der Polizei in Constanta in Südost-Rumänien ein saftiges Knöllchen. Sofort bezahlen konnte sie die Strafe vermutlich nicht. Fassen Sie mal einer nackten Frau in die Tasche . . .

Laut Fotocredit hat „Bild am Sonntag“ diese Geschichte von „Central European News“, einer in Wien ansässigen Möchtegern-Nachrichtenagentur, die sich auf den Verkauf von Trash-Nachrichten aus dem zentraleuropäischen Raum nach Großbritannien spezialisiert hat.

Und in Großbritannien lief die Geschichte von der nackten Motorradfahrerin aus Rumänien letzte Woche schon ganz gut.

Der „Daily Mirror“ hatte gar ein paar zusätzliche Insiderinformationen:

„Der Beamte war ein Verkehrspolizist und der einzige Verstoß, den sie begangen hat, war, keinen Helm zu tragen“, erklärte ein Zeuge heute den rumänischen Medien.

„Also gab er ihr eine Verwarnung und einen Strafzettel und wies sie und ihren Begleiter an, fortzufahren“, hieß es weiter.

(Übersetzung von uns.)

Alles an dieser Geschichte ist zweifelhaft: Die Fotos sind mitnichten von letzter Woche, sondern stehen mindestens seit dem 31. Oktober 2007 online — hochgeladen von einem Fotografen, der sich auf das Ablichten von nackten Frauen in der Öffentlichkeit spezialisiert zu haben scheint.

Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass die Bilder tatsächlich im rumänischen Constanta entstanden sind: Straßen- und Nummernschilder sind eindeutig aus Tschechien.

All solche Details sind – mal wieder – egal, solange es nur um Brüste geht. Das größere Rätsel ist, warum sich Medien ernsthaft auf Central European News als Quelle verlassen:

Mit Dank an Pascal S. und Alexander K.

Das sind nicht 22 Nanometer

Martin Eisenlauer gibt in „Bild am Sonntag“ den „Tech-Freak“. Gestern schrieb er über die neuen Prozessoren für PCs und Notebooks, die der Chiphersteller Intel heute vorstellen will:

Die Chips bekommen die gleichen langweiligen Namen wie ihre Vorgänger, nämlich je nach Geschwindigkeit entweder i5 oder i7.

Doch die Namen sind das einzig lahme an den neuen CPUs. Sie nutzen erstmals dreidimensionale Bau-Strukturen, bei denen die einzelnen Leiterbahnen nur noch 22 Nanometer groß sind (ein Nanometer sind eine Million Millimeter). Damit erreichen sie rund 20 Prozent mehr Leistung und verbrauchen weniger Strom.

Wenn ein Nanometer „eine Million Millimeter“ wären, wären das eintausend Meter — eine Größenordnung, die bisher als „Kilometer“ bekannt war. Die einzelnen Leiterbahnen wären dann ungefähr so breit wie Manhattan lang.

Tatsächlich entspricht ein Nanometer einem Millionstel Millimeter. Die Umrechnung in Haare, Fußballfelder und das Saarland überlassen wir Ihnen.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 17.04 Uhr: Ein aufmerksamer Leser hat uns darauf hingewiesen, dass der „Tech-Freak“ auch bei anderen Aussagen daneben liegt. Es sind nicht die einzelnen Leiterbahnen, die nur noch 22 Nanometer groß bzw. klein sind, sondern die sogenannten Gates in den Transistoren. Auch die dreidimensionale Baustruktur betrifft nur die Transistoren und nicht die ganze CPU.

Faszination Sexy Cora

In der Redaktion der „Bild am Sonntag“ dürften die Sektkorken geknallt haben, als bei der Auswertung von Beate Zschäpes halbverschmortem Rechner herauskam, dass von dort wohl unter anderem auch Pornoseiten der verstorbenen Erotikdarstellerin Sexy Cora angesurft wurden.

Sex, Tod und Nazis — und das alles auf einmal! Mehr kann sich eine Boulevardzeitung nun wirklich nicht in einer Story wünschen. Sogar ein Nacktfoto von Cora hat „Bild am Sonntag“ für diesen halbseitigen Artikel aus dem Archiv gekramt (in unserem Ausriss nicht enthalten):

Das bizarre Internet-Protokoll

Und in einem Folgeartikel derselben Autoren auf Bild.de lautet die Überschrift so:

Beate Zschäpe surfte immer wieder auf Pornoseiten Was faszinierte die Nazi-Braut an "Sexy Cora"?

Dabei müssten genau diese Frage „Bild“ und Bild.de doch eigentlich am besten beantworten können (BILDblog berichtete).

Die Sexy-Cora-Obsession von Bild.de ist so extrem, dass wir sie sogar in mehrere Phasen einteilen mussten:

Die Big-Brother-Ära:

Wie viel Nacktheit verträgt „Big Brother“? – Sexy Cora wird zum menschlichen Busenhalter (14.1.2010)

Jetzt wird es noch nackter! – Porno-Klaus zieht zu sexy Cora ins „Big Brother“-Haus (18.1.2010)

Callboy Klaus‘ erste Nacht im „Big Brother“-Haus – Porno-Klaus befummelt sexy Cora (19.1.2010)

„Big Brother“ – Cora und Micaela im sexy Dusch-Duett (21.1.2010)

„Big Brother“: Porno-Klaus, pass auf! Hier kuschelt deine sexy Cora mit Tobias fremd (21.1.2010)

„Big Brother“, Tag 12 – Tränen-Abschied von sexy Cora (23.1.2010)

„Big Brother“ – Lüftet sexy Cora das Geheimnis um ihren überstürzten Auszug? (25.1.2010)

Erotikdarstellerin zog wieder ins Big-Brother-Haus ein – Jetzt kann sexy Cora wieder mit Tobias kuscheln (26.1.2010)

Eine Frau und drei Männer – Sexy Cora: Dusch-Orgie im „Big Brother“-Haus (27.1.2010)

Sexy Party im „Big Brother“-Haus – Cora und Kristina strippen für die Fans (28.1.2010)

Tränen im „Big Brother“-Haus – Sexy Cora in der Sinnkrise (3.2.2010)

Verliebt im „Big Brother“-Haus – Sexy Cora und Tobias kommen sich immer näher (4.2.2010)

Tobias will ausziehen! Ist sexy Cora bald wieder „Big Brother“-Single? (6.2.2010)

Versprechen gebrochen – „Big Brother“-Cora duscht wieder nackt (17.2.2010)

Im „Big Brother“-Container – Cora schockt Tobias mit Slip-Geständnis! (19.2.2010)

„Big Brother“: sexy Cora geht baden – So sexy räkelt sich Badenixe Cora in der Wanne (22.2.2010)

Big Brother 10 – Sexy Coras heiße Wannen-Show (23.2.2010)

„Big Brother“ ohne Erotikdarstellerin? Sexy Cora denkt an Auszug (24.2.2010)

„Big Brother“ – Sexy Cora: „Ich fühle mich hässlich!“ (28.2.2010)

Lap-Dance-Kurs bei Big Brother – Cora zu sexy: Tobi schiebt Liebesfrust! (4.3.2010)

Big Brother 10: Neuzugang Anne – Macht sie sexy Cora im BB-Haus Konkurrenz? (8.3.2010)

Tobi unter Tränen – Ausgeduscht! Sexy Cora verlässt das „Big Brother“-Haus (9.3.2010)

Die eher ruhige Post-Big-Brother-Phase:

Zu viele Regeln, keine freie Entfaltung – Für Erotik-Star sexy Cora war Big Brother Quälerei (3.5.2010)

Porno-Sternchen entdeckt Mallorca – Sexy Cora zieht am Ballermann blank (20.5.2010

Nachlass unterm Hammer – Porno-Cora ersteigert Domenicas Perlencollier (3.11.2010)

Die Koma-Artikel:

Sie wollte noch dickere Brüste – Sexy Cora aus BB: Koma nach sechster Brust-OP (13.1.2011)

Nach OP im Koma – Jetzt spricht der Busen-Arzt von sexy Cora! (14.1.2011)

Nach Brust-OP im Koma – Staatsanwalt ermittelt gegen Busen-Arzt von sexy Cora (14.1.2011)

„Big Brother“- Star im Koma – Coras Ehemann: „Ich spüre, wie sie um ihr Leben kämpft“ (15.1.2011)

Herzstillstand nach 6. Brust-OP – Wird sexy Cora heute aus dem Koma geholt? (16.1.2011)

Hamburgerin liegt weiter im Koma – Fieber-Drama um „Big Brother“-Star Cora (17.1.2011)

„Big Brother“-Star – Coras Hirn nach Busen-OP für immer geschädigt (18.1.2011)

„Big Brother“-Star nach Busen-OP im Koma – Arzt: Warum ich Cora nicht operieren wollte (19.1.2011)

Die Berichterstattung am Tag, an dem „Sexy Coras“ Tod bekannt wurde:

Nach Busen-OP – „Big Brother“-Star Cora tot (21.1.2011)

Tod nach Busen-OP – Obduktion nächste Woche (21.1.2011)

Tod nach Busen-OP – Coras Ehemann: „Ich war immer gegen OPs“ (21.1.2011)

Tod nach Busen-OP – Tausende Fans trauern um „Big Brother“-Star Cora (21.1.2011)

Tod nach Busen-OP – Verwirrung um Coras OP-Protokolle (21.1.2011)

Sie starb nach der sechsten Schönheits-OP „Big Brother“-Cora († 23): BILD erklärt ihren Körper-Kult (21.1.2011)

Ursachensuche, Porträts und Nachrufe:

Totes Busen-Model Cora – Jetzt ermittelt die Mord-Kommission! (22.1.2011)

Nach Tod von „Big Brother“-Star – Coras Busen-Arzt darf weiteroperieren (22.1.2011)

„Sexy Cora“ (†23) – Protokoll eines verpfuschten Lebens (23.1.2011)

Im Video zeigt sie uns noch fröhlich ihre Wohnung – So war „Big-Brother“-Cora († 23) wirklich (24.1.2011)

Montag wurde Coras Leiche obduziert – Sie starb an Hirnlähmung (25.1.2011)

Sie starb bei ihrer 6. Busen-OP – So landete Cora im Rotlicht-Milieu (26.1.2011)

VON KÖRBCHENGRÖSSE 70 B AUF 70 F – Coras tödlicher Busen-Wahn (26.1.2011)

Ein verpfuschtes Leben – Die letzten Stunden im Leben von Cora (†23) (26.1.2011)

Sexy Busenstar – So brummt das miese Geschäft mit der toten Cora (27.1.2011)

Das geheime Grab – Hier findet Sexy Cora ihre letzte Ruhe (1.2.2011)

Tod nach Busen-OP – „Big Brother Cora“: Beerdigung in einem rosa Sarg (2.2.2011)

Die bis heute andauernde letzte Phase:

Nach dem Tod des Big Brother-Stars – Fans pilgern zu Coras Grab (4.2.2011)

St. Pauli-Film „Gegengerade“ feierte Premiere – „Big Brother“-Cora (†23) mit Mario Adorf auf der Leinwand (15.2.2011)

Auf der Hamburger Reeperbahn – Trauer-Marsch für „Sexy Cora“ (21.2.2011)

Sie starb nach einer Busen-OP – „Big Brother“-Cora (†): Mann klagt auf Millionen (11.4.2011)

Widersprüchliche OP-Protokolle, fehlende Unterlagen – Der rätselhafte Tod von „Big Brother“-Cora (28.4.2011)

Widersprüche in Medizin-Akten – Starb „Sexy Cora“ durch Ärzte-Pfusch? (28.4.2011)

Bilder am Grab zu sexy – BB-Cora: Friedhof will Grabstein abreißen (8.5.2011)

Abriss im Morgengrauen – Friedhof entfernt Grab-Platte von „BB-Cora“ (9.5.2011)

Nach Abriss der Foto-Platten – Fan-Demo für Grab von „Big Brother“-Cora (10.5.2011)

Staatsanwalt – Big-Brother-Cora: Kein Drogenmissbrauch (21.6.2011)

7 Monate nach ihrem tragischen Tod – Sexy Cora im ZDF-Krimi (12.7.2011)

„CORAzón“ – Ex-Supertalent schreibt Song über „Sexy Cora“ (20.7.2011)

Gutachten bestätigt – Ärzte sind schuld an „Big Brother“-Coras Tod! (19.8.2011)

Schuldfrage bei Tod von „Sexy Cora“ offen (19.8.2011)

Das ZDF zeigt sie im Krimi – Tote Porno-Cora Samstag im TV (25.8.2011)

Neun Monate nach dem Todes-Drama – Fährt der Porno-Witwer hier die neue Cora vor? (27.9.2011)

Porno-Witwer Tim Wosnitza – Jetzt spricht seine neue „Sexy Cora“ (2.10.2011)

Keine Anklage, nur hilflose Trauer – Heute vor einem Jahr starb „Sexy Cora“ (20.1.2012)

TV-Star starb bei Busen-Op – Wird der Tod von Sexy Cora nie gesühnt? (22.3.2012)

Beate Zschäpe surfte immer wieder auf Pornoseiten – Was faszinierte die Nazi-Braut an „Sexy Cora“? (15.4.2012)

Fortsetzung folgt bestimmt.

Mit Dank an Benjamin K.

„Bild“ zeigt’s dem Suffraser

Das muss man auch erst einmal können: Sich auf die Straße hocken, wo gerade ein Unfall passiert ist und ein junger Mann tot auf dem Asphalt liegt, und ein Foto davon machen, wie der Vater sein Gesicht in der Hand des Jungen vergräbt und weint und um seinen Sohn trauert.

Das muss man auch erst einmal können. Das muss man auch erst einmal wollen.

Der Fotograf Tim Foltin kann das und will das. Auf seiner Internetseite steht:

ICH KANN WEIL ICH WILL WAS ICH MUSS

In seinem Portfolio zeigt er auch eindrucksvolle Fotos, die er von den Toten auf der Loveparade in Duisburg gemacht hat, wie sie im Müll liegen, ihre nackten Arme und Füße ragen unter den notdürftigen Abdeckungen heraus.

In der Nacht zum Samstag überfuhr ein alkoholisierter Autofahrer vor einer Discothek in Dinslaken zwei Fußgänger, die die Straße überquerten. Einer kam mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus, der andere verstarb noch am Unfallort. Hier machte Foltin das eingangs beschriebene Foto.

Foltin arbeitet für die „Bild“-Zeitung. Am nächsten Tag erschien die „Bild am Sonntag“:

Der Artikel liest sich, als zeige „Bild am Sonntag“ das Foto aus pädagogischen Gründen. Als diene die Veröffentlichung nicht, die Schaulust zu befriedigen, sondern als könne sie helfen, die Zahl der Opfer von alkoholisierten Autofahrern zu reduzieren. Der Text endet mit den Worten:

Vielleicht wird der Totraser irgendwann dieses Foto sehen. Und mit ihm jeder, der immer wieder betrunken Auto fährt und damit das Leben anderer aufs Spiel setzt.

Vielleicht wollte „Bild“ bloß ganz sicher gehen, dass der „Totraser und mit ihm jeder, der immer wieder betrunken Auto fährt“ das Foto sieht, und hat es deshalb am Montag noch einmal gebracht:

Diesmal soll das Foto — ergänzt u.a. um eine Aufnahme, wie die eingepackte Leiche weggetragen wird — offenbar nicht nur andere aufrütteln, sondern auch Teil der Strafe für den Verursacher des Unfalls sein:

Schau her, Suffraser, das hast DU angerichtet! Vielleicht sehen dieses Foto auch andere Fahrer, die gerne mal ein Gläschen trinken — und lassen das Auto jetzt lieber stehen!

Ist das eine realistische Annahme? Ist das ein legitimes Anliegen?

Das sind ernst gemeinte, keine rhetorische Fragen. Aber dazu kommt die folgende: Ist das eine glaubwürdige Rechtfertigung für die Veröffentlichung, wenn sie von einem Blatt kommt, das regelmäßig beweist, dass ihm die Befriedigung niederer menschlicher Instinkte im Zweifel wichtiger sind als die Möglichkeit, Positives zu bewirken?

Und noch eine Frage: Wäre nicht trotzdem die Einwilligung der Familie des getöteten Jungen notwendig, die Zustimmung des Vaters, bevor man ihn in diesem intimsten Moment zeigt?

Wir haben Tim Foltin, den Fotografen gefragt, ob er eine Genehmigung hatte und ob er sie für notwendig hält. Seine Antwort:

Eine Einwilligung des Vaters habe ich nicht.

Sowas macht im Prinzip aber niemand bei Unfällen.

Wie aber da die genaue Rechtslage aussieht, weiß ich leider nicht.

Gedruckt wurde das Foto ja und von daher wird das so auch OK sein.

Die „Bild“-Zeitung teilte uns mit, sie äußere sich grundsätzlich nicht zu „Redaktionsinterna“.

Nachtrag, 23:45 Uhr. Foltins Homepage ist nicht mehr zugänglich. Und Bild.de hat seinen Namen unter dem Foto entfernt.

Nachtrag, 20. März. Jetzt ist Foltins Homepage wieder da — anscheinend auch in ihrer ursprünglichen Form.

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