Archiv für 6 vor 9

Dannundwann-rechtspopulistisch, Tichy, Trolle

1. “Tagesschau” nennt AfD nicht immer “rechtspopulistisch”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Die “ARD” will in ihren Nachrichtensendungen die AfD nicht mehr als “rechtspopulistisch” bezeichnen. Jedenfalls nicht mehr so oft, denn man halte sie immer noch für rechtspopulistisch, wolle dies aber seltener sagen, wie Chefredakteur Gniffke im Tagesschau-Blog anmerkt. Frauke Petry, Bundesvorsitzende der rechtspopulistischen AfD, zeigte sich erfreut und postete rasch eine Bildtafel mit “Tagesschau erkennt AfD als demokratisch legitimierte Partei an”.

2. “Bezos will uns zu einer dominanten Kraft machen”
(manager-magazin.de, Philipp Alvares de Souza Soares)
Tracy Grant ist leitende Redakteurin bei der “Washington Post” und Vorgesetzte von gut 700 Journalisten. Im Interview mit dem “Manager Magazin” spricht sie über die Unabhängigkeit der US-Medien im Wahlkampf, warum sie die Tweets ihrer Redakteure kontrolliert und über den journalistischen Einfluss des Amazon-Gründers und Post-Eigentümers Jeff Bezos.

3. Dreimal „deutsch“ in einem Satz
(taz.de, Peter Weissenburger)
Peter Weissenburger hat sich für die “taz” das neue politische Meinungsmagazin “Tichys Einblick” angeschaut. “Ein neues liberal-konservatives Magazin wäre eine Chance, entfremdete Konservative abzuholen und sachliche Debatten zu liefern. Stattdessen reproduziert Tichys Einblick die alten rechtspopulistischen Muster: Probleme (Einwanderung) werden rhetorisch aufgeblasen statt angepackt. Der Gegner (Merkel) ist eindeutig – und ein mystisches Gut (Deutschland) ist in Gefahr. Das ist nicht besonders originell. Aber immerhin gibt’s das jetzt in ansprechendem Design.”

4. Weil wir dich lieben: Wie die BVG dank Social-Media cool wurde
(dirkvongehlen.de)
Peter Wittkamp ist ein kreatives Allround-Talent. Er schreibt unter anderem für die “heute show online” und ist dafür verantwortlich, dass die “Berliner Verkehrsbetriebe” (BVG) im Netz so beliebt sind. Dirk von Gehlen hat sich mit dem Autor über seine Arbeit unterhalten.

5. „Wir Journalisten verteilen unsere Inhalte ziemlich blöd und naiv“
(gruenderszene.de, Michel Penke)
Michel Penke berichtet auf “Gruenderszene” über ein journalistisches Startup. “xMinutes” heißt die von einem Datenjournalisten betriebene App mit individualisierten News. Man hat sich bereits zahlreiche Medienmarken in die App geholt und will Anfang Dezember in die geschlossene Beta-Phase gehen. Mehrheitsinvestor sei Google, die Firma habe jedoch kein Mitspracherecht bei der Entwicklung und auch die Daten würden nicht weitergegeben.

6. Trolle füttern bis sie platzen: Warum du einmal pro Tag einem Netz-Unruhestifter widersprechen solltest
(t3n.de, Martin Weigert)
Eigentlich sollte man Trolle im Netz nicht beachten (“Don´t feed the troll!”). Abweichend davon plädiert Martin Weigert in seiner Kolumne dafür, die Online-Unruhestifter mit Kommentaren zu überhäufen. “Wenn jeder User und jede Userin nur einmal täglich bei Facebook oder Twitter auf einen einzigen Troll-Kommentar reagiert, dann prasseln auf die paar zehntausend oder im schlimmsten Fall wenigen hunderttausend Troll-Konten Tag für Tag Millionen an Gegen-Kommentaren ein. Es geht gar nicht darum, ein langes Streitgespräch zu führen oder argumentativ zu brillieren – nicht allen ist das Diskutieren in die Wiege gelegt. Es genügt, einmal kurz den Inhalt eines Troll-Kommentars mit einem konträren Fakt, einer kritischen Rückfrage oder einer satirischen Bemerkung in Frage zu stellen. Einfach um zu zeigen: „Ich widerspreche.“”

Übles Fernsehspiel, AfD-Besuch, Haftbefehl vom “rbb”

1. “Terror” – Ferdinand von Schirach auf allen Kanälen!
(Thomas Fischer, zeit.de)
Thomas Fischer, Bundesrichter in Karlsruhe und bekannter “Zeit”-Kolumnist, hat sich den vieldiskutierten Fernsehfilm “Terror” angeschaut, die Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Ferdinand von Schirach. Ein “übles Spiel zu Lasten der Bürger” nennt er es, was Autor, Verlag und Medien dort betreiben würden. Fischer in gewohnt direkter Weise: “Die lieben Zuschauer werden nach Strich und Faden verarscht, und zwar sowohl vom rechtsgelehrten Autor als auch vom quotengeilen Sender. Ihnen werden Belehrungen über die Rechtslage zuteil, die hinten und vorne falsch sind und die entscheidende Fragestellung gar nicht enthalten. Auf dieser Bananen-Ebene dürfen sie dann “abstimmen” und “über das Schicksal eines Menschen entscheiden”. Eine Kunst, die aus Lüge, Denkfaulheit und Inkompetenz besteht, ist nicht mehr als die Imitation ihrer selbst.”

2. Terror als Populisten-Porno
(sueddeutsche.de, Heribert Prantl)
Auch der Journalist und Jurist Heribert Prantl findet kritische Worte zur Schirach-Verfilmung. Der Film würde kluge ethische Fragen aufwerfen, die Zuschauer aber zugleich zu “Deppen” erklären: “Schirach und die ARD haben fälschlicherweise so getan, als gäbe es beim Urteilsspruch nur die Alternative Freispruch oder lebenslang. Schirach und die ARD haben der bloßen Spannung wegen die Zuschauer genarrt, sie haben sie zu einer Entscheidung genötigt, die es in Wahrheit so nicht gibt. Sie haben so getan, als müsse man das Recht verraten, um ihm Genüge zu tun: Sie haben dem Zuschauer verschwiegen, dass das Recht einen Täter schuldig sprechen und ihn trotzdem milde oder gar nicht bestrafen kann.”

3. „Deutschland wirkt in letzter Zeit sehr verzagt“
(welt.de, Christian Meier)
Thomas Roth verlässt die „Tagesthemen“. Sein Nachfolger wird der US-Korrespondent Ingo Zamperoni, der ausgerechnet in der heißen Phase des US-amerikanischen Wahlkampfs wieder zurück nach Deutschland wechselt. Im Interview geht es um seinen neuen Job als Anchorman des Ersten, aber natürlich auch um die Wahlentscheidung in den USA.

4. ‚Planen sie was?‘ – AfD Parteitag in Henstedt-Ulzburg
(janzegal.de, Carsten Janz)
Carsten Janz ist für den “NDR” nebst Kameramann zum AfD-Parteitag nach Henstedt-Ulzburg (Schleswig-Holstein) gereist: “Das kann ja alles nicht so stimmen, was über die AfD berichtet wird – habe ich mir gedacht. In Schleswig-Holstein ist das nicht so schlimm – habe ich gehofft. Ausreißer gibt es sicherlich, aber im Gros wird es halbwegs gesittet von Statten gehen – vermutete ich. Doch leider kam alles anders.”

5. Lügen, Lücken und Mediendiät
(medienwoche.ch, Lothar Struck)
Lothar Struck hat sich in einem großen Beitrag gleich drei wichtige und aktuelle Bücher zur Medienkritik vorgenommen: Uwe Krügers “Mainstream”, Ulrich Teuschs “Lückenpresse” und “Redaktionsschluss” von Stephan Schulz. In seiner Dreier-Rezension geht er auf die unterschiedlichen Perspektiven der Autoren ein und ergänzt, was ihm noch wichtig erscheint.

6. Nicht gezahlt – Haftbefehl
(taz.de, Anne Fromm)
Eine in Brandenburg lebende Frau weigert sich, ihre Rundfunkbeiträge zu leisten. Mit der Begründung, sie würde am Existenzminimum leben. Nun droht ihr Haft. Anne Fromm in der “taz” dazu: “Welcher Haftbefehl ist schon verhältnismäßig, wenn es um ein paar Hundert Euro Rundfunkbeitrag geht? Ein Tag in einem Brandenburger Gefängnis kostet laut brandenburgischem Justizministerium 146,87 Euro – halb so viel, wie Kathrin Weihrauch dem rbb schuldet. Dazu kommt ein immenser Imageschaden für die Rundfunkanstalten.”

Terror-Volksabstimmung, Trump, Goldener Oktober

1. Ex-Minister Baum kritisiert ARD-Film “Terror – Ihr Urteil”
(abendblatt.de, Theresa Martus)
In der Filmversion von Ferdinand von Schirachs Theaterstück “Terror” konnten die Zuschauer über Schuld oder Unschuld eines Piloten abstimmen, der einen Flieger mit 164 Menschen an Bord abschießt, um einen von ihm befürchteten Terroranschlag zu verhindern. Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum hat ein Urteil erstritten, in dem derartige Abschüsse verboten werden und kritisiert die Abstimmung: “Die Würde des Menschen darf nicht qualitativ oder quantitativ bewertet werden. Ein todgeweihtes Leben ist genauso viel wert wie ein Leben mit Zukunft, fünf Leben sind genauso wertvoll wie 50 oder 5.000. Das ist unsere Verfassung, so, wie sie von Anfang an interpretiert worden ist. Der Kampf gegen den Terror darf uns nicht veranlassen, den Boden des Rechts zu verlassen. Diesen Gefallen dürfen wir den Terroristen nicht machen. Und es gibt eben kein Allheilmittel gegen das Risiko.”
Weiterer Lesetipp: Die TV-Kritik von Ruth Schneeberger in der “SZ”: Die TV-Zuschauer stimmen gegen das Grundgesetz

2. Christoph Bauers Operation an den Herzkammern des Verlages
(horizont.net, Uwe Vorkötter)
Beim Medienunternehmen DuMont wird seit einiger Zeit umgebaut, doch die derzeitig anstehenden Änderungen könnten elementar sein. Eine “Operation an den Herzkammern des Verlages” sei es, die der CEO der DuMont Mediengruppe da durchführe. Uwe Vorkötter schreibt bei “Horizont” über die unterschiedlichen Interessenlagen und die sich daraus ergebenden Szenarien für ein Medienimperium im Wandel.

3. Trump treibt den Journalismus in einen Ausnahmezustand
(welt.de, Clemens Wergin)
Donald Trump bricht so ziemlich alle Regeln des Wahlkampfs. Immer mehr US-Journalisten schlagen zurück, geben ihre Neutralität auf – und riskieren so, Trump am Ende unfreiwillig zu helfen, so Clemens Wergin in der “Welt”.

4. Warum Sachsens Medienanstalt keine Online-Verstöße ahndet
(flurfunk-dresden.de, Klaus-Dieter Müller)
In zwölf Bundesländern sind die Landesmedienanstalten auch für Telemedien zuständig. Nur der Freistaat Sachsen und drei weitere Landesregierungen haben die Aufgabe an staatliche Behörden delegiert. Dies führt zu einer für die Nutzer kaum zu durchschauenden Gemengelage, so der “Flurfunk Dresden”: “Sie heißt zwar Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM). Aber für das, was die meisten Leute unter „neuen Medien“ verstehen, sind die Regelwächter erstaunlicherweise nicht zuständig. Wenn zum Beispiel ein sächsischer Privatsender auf seiner Website rechte Hetze verbreitet oder bei Facebook ein fragwürdiges Gewinnspiel startet: Dann ist es nicht Sache der Landesmedienanstalt, das zu unterbinden.”

5. Journalisten: Nutzt die neuen Werkzeuge, sonst tun es andere
(lousypennies.de, Stephan Goldmann)
Stephan Goldmann sieht Journalisten in der Pflicht, sich der Kommunikation mit den Lesern zu stellen: “Wenn Ihr den Auftrag als Vierte Macht im Staate noch ernst nehmt, dann geht dahin, wo es weh tut, wo die Konflikte der heutigen Zeit ausgetragen werden. Pegida, Verschwörungstheoretiker, Hetzpropaganda nutzen diese Werkzeuge mit Erfolg. Sie ihnen einfach zu überlassen, wäre der Tod des Journalismus zugunsten von Propaganda. Darum kämpft endlich um die Köpfe und Herzen der Leser – auf Social, in den Kommentarspalten und auf den Suchmaschinen.”

6. Der goldene Oktober der “Bild”
(twitter.com, Jörg Lorenz, Video 01:54 Min.)
Jörg Lorenz alias @A3803 hat sich die Wetterprognosen von @WetterExperte und @BILD angeschaut und eine visuelle Verifikation gebastelt.

Trump-Bots, Afrika, Nichtigkeiten

1. Die BBC – so hochgelobt wie umstritten
(sueddeutsche.de, Christian Zaschke)
Die vielgelobte “BBC” hat in Großbritannien keinen leichten Stand und wird von politischer Seite immer wieder attackiert. Doch der Sender genießt in der Bevölkerung eine enorme Popularität. “Ihr Spitzname ist “Tantchen”, sie gehört zur Familie. Sie hat eine emotionale Bedeutung für Großbritannien, eine Bindung zum Land, und selbst die konservativsten unter den Tories wissen, dass sie sich mit der Abschaffung der BBC wenig Freunde machen würden.”

2. Duell der Wahlbots
(faz.net, Adrian Lobe)
Die Zahlen, die das Online-Tool “Twitteraudit” über Donald Trumps Follower ausspuckt, sind erschreckend. 12,4 Millionen Follower hat der Präsidentschaftsbewerber, bei 4,6 Millionen davon soll es sich um Fake-Accounts handeln. Adrian Lobe schreibt über das Phänomen “Wahlbots”: “Der politische Diskurs scheint sich immer mehr in ein automatisiertes System zu verwandeln, bei dem Maschinen (Algorithmen, Bots, virtuelle Assistenten) dem Menschen Informationen vorsetzen und der Bürger mit seiner Partizipation nur noch Daten für die Meinungsmaschinerie erzeugt.”

3. Mit Podcasts in den Wahlkampf
(nzz.ch, Oliver Fuchs)
Oliver Fuchs hat sich für die “NZZ” den amerikanischen Wahlkampf angeschaut. Seine Feststellung: “Jedes neue Medium hat den Wahlkampf in den USA grundlegend verändert. Im Jahr 1924 war es das Radio, 1960 das Fernsehen. 2008 prägten Facebook und Twitter den politischen Wettbewerb. Nun kommen Podcasts ins Spiel.”

4. Afrika-Milizionäre in Deutschland
(ndr.de, Daniel Bouhs, Video 04:55 Min.)
Die “taz”-Journalisten Dominic Johnson und Simone Schlindwein wurden für ihre Berichterstattung über afrikanische Kriegsverbrecher vom Journalistenverband Berlin-Brandenburg ausgezeichnet. Daniel Bouhs hat mit den Preisträgern gesprochen und sie gefragt, wie gefährlich ihre Arbeit im Kriegsgebiet ist und warum sie sich oft über die Afrika-Berichterstattung deutscher Medien ärgern.

5. Auf ins Pegida-Land
(zeit.de, Matthias Daum)
Die Kulturchefin des Schweizer Fernsehens Nathalie Wappler verlässt Zürich und wird Programmdirektorin beim Mitteldeutschen Rundfunk. Matthias Daum hat sie in der Schweiz-Ausgabe der “Zeit” zu den Hintergründen befragt.

6. Jetzt spricht – der Zwischenhändler der Nichtigkeiten
(dwdl.de, Hans Hoff)
“DWDL”-Kolumnist Hans Hoff hat ein neues Berufsziel: “Den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, soziale Netzwerke durchforsten und auf mehr oder weniger belanglose Reaktionen hoffen. “Jetzt spricht…” in die Überschrift – und fertig ist der Artikel.”

Trumpismus, Eltern, Wetten, dass..?

1. Die Medien und der Donald: Wer macht den Trump?
(ndr.de, Andrej Reisin)
Haben die Medien Schuld an Donald Trumps Aufstieg? So viel Medienpräsenz wie Trump hatte noch keiner. Laut “New York Times” vereinte Trump nahezu doppelt so viel unbezahlte Sendezeit auf sich wie alle anderen republikanischen Kandidaten im Vorwahlkampf zusammen. Entsprechend frustriert reagieren Ron Nehring und Alice Stewart von “Ted Cruz for President”. Scott Goodstein, verantwortlich für die Social Media Kampagne des Demokraten Bernie Sanders, findet hingegen anerkennende Worte. Trump sei es gelungen, mit vielen seiner nächtlichen Tweets das Thema des nächsten Tages zu setzen.

2. Die Zeitschrift “Eltern” wird 50
(ndr.de, Katrin Spranger, Video, 2:27 Min.)
Die Zeitschrift “Eltern” wird 50. Katrin Spranger vom “NDR” hat die Zeitschrift besucht und mit “Eltern”-Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki über den Kampf gegen mittlerweile 30 Konkurrenz-Blätter gesprochen.

3. Warnschuss für Alternativmedien
(taz.de, Bernd Pickert)
In Kuba wächst der Druck auf Journalisten. Aktuell wurde eine Gruppe von Reportern festgenommen, die über die Folgeschäden des Hurrikans „Matthew“ berichten wollten. Sie wurden zwar im Verlaufe des Tages wieder freigelassen, ihnen wurde aber verboten, das Gebiet erneut zu betreten.

4. Journalist entführt und gefoltert
(reporter-ohne-grenzen.de)
“Reporter ohne Grenzen” ist schockiert über die Entführung und Folterung eines Journalisten im Südsudan. Der Reporter habe über die Wirtschaftskrise und Korruption berichtet und Präsident Salva Kiir und dessen Familie für Armut und Hunger verantwortlich gemacht. Nun wurde er entführt, gefoltert und nach drei Tagen schwer verletzt auf einem Friedhof zurückgelassen.

5. Dezente Reform des britischen Rundfunks
(medienwoche.ch, Peter Stäuber)
Die BBC kann sich über eine elfjährige Verlängerung ihrer Konzession mit moderaten Anpassungen freuen. Der von einigen erwartete Todesstoss für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk blieb aus. Trotzdem werde der Druck anhalten, die BBC sei weiterhin darauf angewiesen, durch den Verkauf von Inhalten Geld zu generieren.

6. Gockeln wie einst Gottschalk
(sueddeutsche.de, Carolin Gasteiger)
Carolin Gasteiger hat sich den ersten Teil von Jan Böhmermanns “Wetten, dass..?”-Neuverfilmung angesehen: “Wie bei den Rolling Stones gilt auch für Böhmermann: Wahre Fans werden ihn auch in der Wetten, dass..?-Kulisse lieben. Alle anderen befällt vielleicht ein bisschen Wehmut – und später sicher Erleichterung, dass die Sendung vorbei ist.”

Gerichtsstand, Schwarm-Extremisten, Schwatzgelb

1. Trotz ihrer Kritik an “Bild”: Gisela Friedrichsen wechselt zu Axel Springer
(kress.de, Jochen Zenthöfer)
Vor kurzem berichtete der “Spiegel” in einer Meldung in eigener Sache vom Abschied von Gerichtsreporterlegende Gisela Friedrichsen. Nun stellt sich überraschend raus, dass die 72-jährige Friedrichsen zu Axel Springers “Welt”-Gruppe wechselt. Was etwas pikant ist: Im Zuge des Kachelmann-Prozesses hatte Springers “Bild” sie wegen ihrer Berichterstattung im “Spiegel” noch als “Lügenpresse” tituliert.

2. Fußball-Berichterstattung: “Nennen wir das bitte nicht Journalismus”
(kress.de, Frank Hauke-Steller)
Der freie Journalist Ronny Blaschke hat ein Buch geschrieben, in dem er die öffentlich-rechtlichen Sender wegen ihrer Fußballberichterstattung kritisiert. Viele soziale Projekte der Vereine seien nicht ehrlich gemeint, Sportjournalisten seien oft mehr Fans denn objektive Begleiter. “kress.de” hat mit dem Autor gesprochen und unter anderem gefragt, ob die Milliarden, die die Sender für die Übertragungsrechte ausgeben, einen Maulkorb für Reporter bedeuten würden.

3. «Extremisten benehmen sich wie ein Schwarm»
(tagesanzeiger.ch, Jonathon Morgan)
Der US-Amerikaner Jonathon Morgan ist Datenwissenschaftler und untersucht, wie IS-Terroristen oder Rechtsextreme im Netz kommunizieren. Morgan über seine Analysetechnik: “Es ist wie im richtigen Leben. Menschen, die Schaden anrichten, haben bestimmte Verhaltensweisen – online und in der realen Welt. Wir nutzen Algorithmen und Datenanalyse, um diese Muster zu finden. So identifizieren wir Gruppen, die radikale Ideologien annehmen, anhand ihrer Sprache. Extremisten vertreten per Definition extreme Ansichten, sprechen eine extreme Sprache. Das können wir messen.”

4. Koran und Analsex
(taz.de, Natalie Mayroth)
Das Online-Magazin „renk“ soll Klischees über Deutschtürken widerlegen. Dank Crowdfunding erscheint nun auch eine Printausgabe. Natalie Mayroth ist durchaus angetan von dem Projekt: “Designs und Fotografierichtungen werden gemixt, Plätze getauscht: Sie langt ihm an den Po, nicht er; das Inhaltsverzeichnis ist hinten, nicht vorne, und die Schrift wechselt mit jedem Artikel – dennoch hält renk seinen Namen: Es ist sogar rengarenk – kunterbunt. Mit dieser Mischung halten sie ihr buntes Versprechen und stellen sich als Gesellschaftsmagazin auf.”

5. Redaktionsnetzwerk Rumpelding
(bilanz.de, Bernd Ziesemer)
Bernd Ziesemer äußert sich kritisch über Zusammenlegungen von Zeitungen, Redaktionsnetzwerke und Mediengruppen: “Wenn Verlage sich statt ihrer Marken in den Mittelpunkt stellen, geht es mit beiden bergab. Sie werden austauschbar wie die Texte der Gemeinschaftsredaktionen.” Unter den Printmedien würden sich immer noch diejenigen Zeitungen und Zeitschriften am besten schlagen, die ihre Marken weiter in den Vordergrund rücken: Das “Handelsblatt” etwa oder die “Zeit”, der “Spiegel” oder die “Frankfurter Allgemeine”.

6. Kampf gegen Rechts: Die “BVB Freunde Deutschland” im Porzellanladen
(schwatzgelb.de, Malte S.)
Als die “BVB Freunde Deutschland” bekanntgeben, sich aus dem aktiven Kampf gegen Rechtsextremismus zurückzuziehen, gibt es ein großes mediales Echo. Das Fanzine “Schwatzgelb.de” bezweifelt die Aussagekraft der Meldung: Der nach eigenen Angaben rund 1.400 Mitglieder große Fanclub sei weitgehend unbekannt und im Stadion nicht präsent. Belege für ein antirassistisches Engagement gebe es auch nicht: “Dass die BVB Freunde Deutschland also – um es mal vorsichtig auszudrücken – nicht die Speerspitze des antirassistischen Engagements bei Borussia Dortmund bilden, hätte man mit weniger als einer Stunde Recherchearbeit herausfinden können. Dass neben dem eingangs erwähnten sport.de auch Focus Online journalistische Arbeit gegen ein paar sichere Klicks tauscht, überrascht nicht wirklich. Schließlich sind beide Seiten nicht dafür bekannt, fanpolitische Themen differenziert beziehungsweise mit entsprechendem Aufwand aufzubereiten.”

Sendeschluss, Medien-Honorare, Bundesliga

1. Das war’s dann
(taz.de, Jürgen Gottschlich)
Ein Besuch bei der letzten Mitarbeiterversammlung des türkischen Senders “IMC TV” brachte die traurige Gewissheit: Der unabhängige, linke Fernsehsender muss dicht machen, die mehr als 100 Mitarbeiter sind arbeitslos. Nun bleibt nur noch der Gang nach Straßburg zum Gerichtshof für Menschenrechte. Doch das kann Jahre dauern und der bisherige Finanzier befürchtet eine Enteignung, sollte er den Sender finanziell unterstützen. Damit seien im türkischen Fernsehen jetzt praktisch nur noch regierungsnahe Kanäle zu sehen.

2. “Tichys Einblick” – die konservative Alternative
(sueddeutsche.de, Johannes Boie)
Johannes Boie hat sich das Monatsmagazin “Tichys Einblick” angeschaut, hinter dem der Ex-Chef der “Wirtschaftswoche” Roland Tichy steckt. “Tichy kann es”, befindet der Autor. Das neue Heft habe eine Auflage von 70 000, erste Abos seien verkauft, Immobilienmaklern und Banken würden Inserate schalten. Unter den Autoren würden sich bekannte Konservative, aber auch “Internetkrawallos” befinden. “Tichy positioniert sich seriös, profitiert aber selbstverständlich vom Pegida-Narrativ der “Lücken- und Lügenpresse”. Es klingt nur vornehmer bei ihm: Sein Blatt, so schreibt er, sei “für Menschen, die die Nase voll haben vom bevormundenden Mainstream-Journalismus, die selber denken, die die Wahrheit vertragen”. Das stimmt. Jedenfalls solange die eigene Wahrheit ist, dass Merkel dringend abgewählt werden muss.”

3. Medien-Honorare: David gegen Goliath
(carta.info, Laurent Joachim)
Laurent Joachim fragt sich, warum Deutschlands Journalisten in fremden Angelegenheiten so mutig seien, aber innerhalb ihrer Verlage so verzagt. In kaum einer anderen Branche seien die Stundenlöhne so schlecht wie in den Medien. Und kaum irgendwo sonst würden sich die Betroffenen so selten dagegen wehren. Joachims trauriges Fazit: “Inzwischen ist Lohndumping überall so verbreitet, dass keine Krähe einer anderen ein Auge aushacken kann, ohne sich selbst in Verlegenheit zu bringen. Eigentlich ein perfektes Machtsystem samt Schweigekartell.”

4. Erdogan geht gegen Einstellung des Böhmermann-Verfahrens vor
(zeit.de)
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan wehrt sich gegen die Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen gegen den ZDF-Moderator Jan Böhmermann. Die Generalstaatsanwaltschaft in Koblenz muss nun über die Beschwerde Erdoğans entscheiden.

5. Seniorbook heißt jetzt Wize.life
(horizont.net, Katrin Ansorge)
Das Netzwerk “Seniorbook” weicht einem Rechtsstreit mit Facebook aus und benennt sich “freiwillig” um in “wize.life”. Laut IVW hätte “Wize.life” im September dieses Jahres 5,9 Millionen Visits verzeichnen können, bei 320.000 registrierten Nutzern.

6. Wie sich das Facebook-Wachstum der Bundesliga-Klubs ins Ausland verschiebt
(andreasrickmann.de)
Der FC Bayern hat 39 Millionen Fans auf Facebook. Doch nicht einmal mehr 10 Prozent kommen aus Deutschland. Ein Trend, der auch bei anderen Bundesligisten zu sehen ist und die Vereine vor neue Herausforderungen stellt, findet Andreas Rickmann. So habe der FC Bayern seine Teamvorstellung im August via Facebook Live auf Englisch gestreamt. Dies sei im Sinne von über 90 Prozent der Facebook-Fans und konsequent am (Facebook) Publikum ausgerichtet gewesen, hätte aber für Unmut bei den heimischen Fans gesorgt. Rickmann spricht von einem Spagat, vor dem gerade Traditionsklubs im Bereich der Internationalisierung stehen würden: “Die Emotionen und Identität der wichtigen deutschen Fans respektieren, die Werte und die Seele des Klubs wahren und zugleich neue Zielgruppen erschließen.”

Trump-Enthüller, Russia-Today-Undercover, ZDF-Gutachten

1. Der Wadenbeisser aus Washington
(nzz.ch, Peter Winkler)
Die NZZ berichtet über den “Washington Post”-Reporter David Fahrenthold, der für einen großen Teil der Negativschlagzeilen über Trumps Wahlkampagne verantwortlich sei. Auch die Enthüllung der sexistischen Prahlereien des Präsidentschaftsbewerbers ginge auf sein Konto. “Der Reporter hatte sich bereits wie ein Terrier an den Behauptungen Trumps über seine wohltätige Großzügigkeit festgebissen und aufgedeckt, dass von angeblich gespendeten sechs Millionen Dollar für amerikanische Kriegsveteranen nach Monaten praktisch nichts auffindbar war. Weitere Enthüllungen Fahrentholds betrafen unzulässige politische Spenden aus seiner wohltätigen Stiftung und die Tatsache, dass Trump seit 2009 kein eigenes Geld mehr in diese Stiftung einbrachte, sondern seine «Großzügigkeit» von anderen bezahlen ließ.”

2. Jetzt wird sich zeigen, wie gut wir sind
(faz.net, Harald Staun)
Harald Staun hat sich in der “FAZ” mit dem TV-Produzenten Oliver Berben über moderne Erzählformen, anspruchsvolle Zuschauer und den Grund für die Übermacht amerikanischer Serien unterhalten. Zum Schluss geht es noch um die Adaption von „Terror – Ihr Urteil“, dem Theaterstück von Ferdinand von Schirach. Dabei wird die Frage gestellt, ob man ein Flugzeug abschießen darf, das von Terroristen entführt wurde, die es über einem Fußballstadion abstürzen lassen wollen. Wie im Theater würden auch im Fernsehen die Zuschauer am Ende über diese Frage abstimmen können. Staun fragt den Produzenten, ob es sich dabei nur um einen programmmacherischen Trick handelt und wendet auf dessen Argumentation ein, dass man manche Fragen aus gutem Grund nicht stelle.

3. 100’000 Abos zusätzlich – und die NZZ-Medien sind werbefrei!
(medienwoche.ch, Ronnie Grob)
Die “NZZ” hat ihre Frontseite an einen Werbetreibenden abgetreten und kassiert dafür viel Kritik. Ronnie Grob kann dem nicht zustimmen: “Die Realität ist jedoch, dass auch einige von denen, die «Geldgier!» oder «Seele verkauft!» rufen, kein NZZ-Abo bezahlen. Sie lesen die Inhalte online und löschen von Zeit zu Zeit ihre Cookies, um die aufgestellte Bezahlmauer wieder einzureißen. Sie haben in ihren Browsern Adblocker installiert. Und wenn sie es tatsächlich mal mit Print versuchen, hangeln sie sich – «Geiz ist geil!» – von vergünstigtem Probeabo zu vergünstigtem Probeabo.”

4. NEON Undercover bei Russia Today
(blog.neon.de, Video, 2:34 Minuten)
Drei Wochen lang recherchierte der Journalist Martin Schlak für “Neon” undercover bei der Berliner Redaktion von “Russia Today”. Er hatte sich dort für ein Praktikum beworben und bereits nach zwei Wochen Arbeit ein Jobangebot bekommen. In einem kleinen Werbevideo für den Beitrag im Heft erzählt er, wie es ihm bei Russia Today ergangen ist und wie die Redaktion “tickt”, aber auch über seine Selbstzweifel.

5. ARD, ZDF & „Cloud-TV“: Ein Gutachten wie ein Requiem
(carta.info, Hermann Rotermund)
Das ZDF hat ein Gutachten zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Auftrag gegeben. Das 108-seitige Papier („Legitimation und Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Zeiten der Cloud“) weise gravierende Mängel auf, so Carta-Autor Hermann Rotermund. “Das vom ZDF bestellte Gutachten bestätigt den Auftraggebern letztlich nur ihren Status quo. Weil sie damit keinen Beitrag zur Formulierung der Zukunftsaufgaben für das öffentlich-rechtliche System und deren medienrechtliche und medienpolitische Bahnung leisten, schaufeln die Gutachter am Grab dieses Systems mit.”

6. 38 Hilarious Tweets That Perfectly Sum Up The Second Debate
(buzzfeed.com)
Eine Zusammenstellung von 38 teilweise verstörend komischen Tweets zur zweiten TV-Debatte von Hillary Clinton und Donald Trump.

Town Hall Meeting, Wachhund, Schabernack

1. “Die hässlichste Debatte der US-Geschichte”
(spiegel.de)
Beim “Town Hall Meeting” haben sich heute Nacht Hillary Clinton und Donald Trump um Dinge wie Trumps frauenfeindliche und sexistische Sprüche, Clintons E-Mail-Affäre und Pläne für Steuern und Einwanderung gestritten. Welcher Kandidat konnte im TV-Duell am meisten überzeugen? Der “Spiegel” fasst die Urteile einiger großer amerikanischer Medien zusammen.

2. Bittere Bilanz: 10 Jahre nach dem Mord an Anna Politkowskaja
(dw.com)
Vor zehn Jahren wurde die renommierte russische Journalistin und Menschenrechtlerin Anna Politkowskaja erschossen. Die Täter sind inzwischen verurteilt, die Auftraggeber bis heute unbekannt. Die “Deutsche Welle” blickt zurück.

3. «Wir wollen unser Baby wach, intelligent, ohne Bullshit»
(persoenlich.com, Edith Hollenstein)
Viele Jahre war der Schweizer Constantin Seibt Redakteur beim Schweizer “Tages-Anzeiger” (“Tagi”). Nun verlässt er die Zeitung und wagt mit einem Start-up im Medienbereich den Schritt in die Selbstständigkeit. “Unser Ziel dabei ist, dem Journalismus seinen Platz in der Demokratie zurückzugeben: als verlässlicher Wachhund. Wir wollen unser Baby wach, intelligent, ohne Bullshit. Das Kindchen muss groß genug sein, um Strahlkraft zu haben. Und eine Stimme in den wichtigsten Debatten. Und es muss schlank genug sein, um auf dem freien Markt überleben zu können.”

4. Die Relevanz der Langeweile
(de.ejo-online.eu, Kurt W. Zimmermann)
“Schon wieder eine Studie zur Medienqualität. Und schon wieder wissenschaftlicher Schabernack”, ächzt der Schweizer Journalist Kurt W. Zimmermann. Stein des Anstoßes ist das Schweizer “Medienqualitätsrating 2016”, mit dem das News-Angebot der 43 führenden Schweizer Zeitungen, Online-Sites, TV- und Radioangebote getestet wurde. Zimmermann bezeichnet es als “wissenschaftlichen Humbug”, Medien wie die “NZZ” und den “Blick” an denselben Kriterien zu messen. “Ich glaube, wir sollten unsere abgehobenen Medienwissenschaftler in die tägliche Medienrealität zurückholen. Wenn es nach ihnen ginge, dann hätten wir im Journalismus bald die höchste Qualität – und die höchste Langeweile.”

5. “Ich helfe, wo ich kann”
(sueddeutsche.de, Katharina Riehl & Ralf Wiegand)
Andreas Petzold war Reporter bei der “Münchner Abendzeitung”, gründete später die Frauenzeitschrift “Allegra” und war 14 Jahre lang Chefredakteur des Magazins “Stern”. Derzeit ist er Herausgeber von “Stern” und “Neon”. Im Interview mit der “SZ” spricht er über Krisen, Reiseziele als Titelgeschichten – und darüber, ob die einst so erfolgreiche, aber mittlerweile wackelnde Zeitschrift “Neon” noch zu retten ist.

6. @PolizeiSachsen: Kleingeist-Tweet führt zu Twitter-Diskussionen
(flurfunk-dresden.de)
Die sächsische Polizei hat es auf Twitter manchmal nicht leicht. Nach ihrem Tweet gegen das Verbreiten von Ressentiments und Sinnlos-Meldungen musste sie sich auch noch mit “Bild.de”-Chef Julian Reichelt rumschlagen, der ihr unterstellt, es auf “billigen Social-Media-Applaus” abgesehen zu haben.

Ken-Jebsen-Interview, BND-Klausel, Trumpinator

1. Die Leute sollen politisiert werden.
(planet-interview.de, Jakob Buhre, Adrian Arab)
Es ist das längste Interview, das bisher auf “Planet Interview” erschienen ist: Ganze vier Stunden haben sich Jakob Buhre und Adrian Arab mit dem politischen Journalisten und Aktivisten Ken Jebsen unterhalten. Themen sind u.a. sein Werdegang, NATO, “Eliten”, Terroranschläge, Mustererkennung, Pressefreiheit, Tilo Jung, KenFM, journalistische Unabhängigkeit, Ukraine-Konflikt, Drohungen gegen Jebsen – und warum Jebsen so schnell spricht. Lesen sollte man unbedingt auch betr. Interview mit Ken Jebsen, das eine Art Making of und einordnende Rückschau ist. So hat es bei der Freigabe wohl etwas geknirscht. Bei der Autorisierung habe Jebsen fünf seiner Antworten komplett gestrichen.

2. Falscher Scheich auf Tauchstation
(faz.net, Gina Thomas)
Der britische Enthüllungsreporter Mazher Mahmood ist vor Gericht als Betrüger entlarvt und verurteilt worden. Die Jury habe den „König der verdeckten Recherche“ (Eigenbezeichnung) für schuldig befunden, in dem Verfahren gegen die Sängerin Tulisa Contostavlos Beweismaterial gefälscht zu haben. Mahmood sei zwei Mal als Reporter des Jahres ausgezeichnet worden, obwohl sein Vorgehen wie seine Glaubwürdigkeit wiederholt in Frage gestanden hätten. Die Karriere des fragwürdigen Promi-Täuschers ist nun jedoch beendet: Seinem Arbeitgeber “News UK”, der zu Rupert Murdochs Medienimperium zählt, sollen Schadensersatzklagen von achthundert Millionen Pfund drohen.

3. Digital killed the Radio Star: Warum irgendwann alle Popsongs gleich klingen werden
(netzpiloten.de, Joshua Reiss)
Für eine Studie haben Wissenschaftler aus den USA und Österreich über 500.000 Alben, viele Genres und 374 Sub-Genres untersucht. Das Ergebnis: Genres klingen mit zunehmender Popularität immer ähnlicher. Doch auch andere Faktoren würden dafür sorgen, dass Musik von den Hörern als immer ähnlicher wahrgenommen wird. Joshua Reiss nennt da zunächst den “Krieg der Lautstärke”. Außerdem würde eine überraschend hohe Anzahl von Plattenfirmen die “Autotune”-Funktion verwenden, um die Tonhöhe ihrer Sänger zu korrigieren.

4. Zerstörung, Hunger und Massenflucht in Jemen
(infosperber.ch)
“Infosperber” lenkt den Blick auf den Jemen. Medien würden in Wort und Bild fast nur über Gräueltaten in Syrien berichten. Über das unmenschliche Elend in Jemen werde hingegen wenig berichtet. Dabei sei die Bilanz in Jemen nicht minder grauenvoll. UNO und UNICEF hätten veranschlagt, dass 1,5 Millionen Kinder an Unterernährung leiden. Mehr als 2.100 Schulen seien zerstört. Wegen der täglichen Gewalt würden im letzten Jahr 350.000 Schulkinder ohne Unterricht geblieben sein. Und über 2,4 Millionen Jemeniten mussten aus ihren Häusern an andere Orte im Land flüchten.

5. netzwerk recherche gegen „BND-Klausel“ bei der Akteneinsicht
(netzwerkrecherche.org, Manfred Redelfs)
Manfred Redelfs erklärt, warum das “Netzwerk Recherche” fordert, die sogenannte „BND-Klausel“ des Gesetzentwurfs zur Neuregelung des Bundesarchivrechts zu streichen. Bei der geplanten Novellierung des Bundesarchivgesetzes sei eine Schutzklausel geplant, nach der der BND selbst entscheiden könne, was an das Bundesarchiv abgegeben wird und was weiterhin in seinen eigenen Beständen unter Verschluss bleibt. Dies sei ein Bruch mit der bisherigen Regelung, dass die Bundesbehörden ihre Bestände nach 30 Jahren an das Bundesarchiv abgeben. “Netzwerk Recherche”-Vorstandsmitglied Redelfs dazu: “Auch die Geheimdienste müssen sich demokratischer Kontrolle und mehr Transparenz stellen. Informationen, die einst sensibel waren, sind es oft nach vielen Jahren nicht mehr und sollten deshalb offengelegt werden. Eine “BND-Klausel” im Bundesarchivgesetz ist deshalb genau das falsche Signal.”

6. The 273 People, Places and Things Donald
Trump Has Insulted on Twitter: A Complete List

(nytimes.com, Jasmine C. Lee & Kevin Quealy)
Die “New York Times” hat mit viel Sammelfleiß eine Liste der 273 bevorzugten Donald Trumpschen Hassobjekte und -Subjekte zusammengestellt. Viele davon hat er ausdauernd und immer wieder aufs Neue betrumpt.

Blättern:  1 ... 265 266 267 ... 525