Journalisten in Haft, Mafia-Berichte, Projekt „Schmalbart“

1. Justiz muss führende Journalisten freilassen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Seit über zwei Wochen sitzen die myanmarischen Journalisten Than Htut Aung und Wai Phyo in Untersuchungshaft. Sie hatten in einem Kommentar Korruptionsvorwürfe gegen einen Politiker der regierenden „Nationalen Liga für Demokratie“ angedeutet. Die „Reporter ohne Grenzen“ fordern ihre sofortige Freilassung und berichten in ihrem Appell über die aktuelle Situation der Pressefreiheit in Myanmar, das auf der „Rangliste der Pressefreiheit“ auf Platz 143 von 180 Staaten liegt.

2. Flüchtlinge — Presserat bietet „Checkliste“ für Berichterstattung
(derstandard.at)
Der Presserat in Österreich hat eine Checkliste zum „verantwortungsvollen Journalismus in der Flüchtlingsberichterstattung“ veröffentlicht. Zehn Fragen sollen dabei helfen, sachlich über das Thema zu berichten, das „in der Bevölkerung, aber auch in den Medien ‚emotional und kontrovers‘ diskutiert“ werde. Kostprobe: „Würde ich über ein Fehlverhalten auch dann berichten, wenn es nicht von einem Ausländer/Asylwerber/Migranten gesetzt worden wäre?“ oder „Bin ich mir im Klaren darüber, welche Absichten meine Hinweisgeber/ Recherchequellen verfolgen?“

3. „Ich gewinne leider nie“
(taz.de, Ambros Waibel)
Claudio Cordova hat vor vier Jahren die Webzeitung „il dispaccio“ gegründet, die über die Mafia und das Beziehungsgeflecht der Ndrangheta berichtet. Im Interview mit „taz“-Redakteur Ambros Waibel erzählt er von investigativer Arbeit im Umfeld der organisierten Kriminalität, einer Million Euro Schadenersatz und das Problem mit Werbekunden, die zur Mafia gehören könnten.

4. Staunen über eine Nachricht zur ARD-Struktur: Wenn „Bild“ medienpolitisch aktiv wird
(medienkorrespondenz.de, Dietrich Leder)
Vergangene Woche meldeten die „Bild“-Medien, es gebe einen Fusionsplan für die „ARD“: Statt den bisher neun Anstalten könnte es bald nur noch vier geben. Das Presseteam der „ARD“ sagte ziemlich schnell, dass das „blanker Unsinn“ sei. Dietrich Leder erkennt in der steten Diskussion „um etwaige oder reale Reformpläne des öffentlich-rechtlichen Systems“ Interessen der Zeitungsverlage: „Die Zeitungsverleger haben sich mit der Existenz dieses nicht-privatwirtschaftlichen Mediensystems bis heute nicht abfinden können und delegieren deshalb an dieses öffentlich-rechtliche System permanent die Ursachen ihres eigenen Versagens, etwa was ihre Situation im Internet betrifft.“

5. Wie geht das genau mit dem Gegenlesen?
(tagesanzeiger.ch, Philipp Loser)
„Nun sag, wie hast du’s mit dem Gegenlesen?“ Philipp Loser erklärt, wie der „Tages-Anzeiger“ es mit dem Autorisieren von Interviews, Zitaten und ganzen Texten hält. Er hofft auf mehr Politiker, Verwaltungsangestellte, Funktionäre, die souverän aufs Gegenlesen verzichten, auch im Sinne eins guten Journalismus: „Wer von Anfang weiss, dass der Politiker nicht mehr draufschauen wird, formuliert exakter, wortgetreuer.“

6. Projekt „Schmalbart“ — eine Einladung
(christophkappes.de)
Die Ankündigung von „Breitbart“, bald auch in Deutschland einen Ableger der „Alt-Right“-„Nachrichten“-Seite aufzubauen, führte bei einigen Leuten zur gleichen Reaktion: „Dagegen muss man doch was tun!“ Auch bei Christoph Kappes. Damit auch wirklich was dagegen getan wird, hat er ein schon ziemlich detailliertes Konzept entwickelt für das „Projekt ‚Schmalbart'“. Mitstreiter sind sehr willkommen.