Maschmeyer, Schwimmkurse, Zyankali

1. Die Presse hat kein Recht auf Informationen des Bundestages mehr
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat Auskunftsansprüche von Journalisten gekürzt: Der Bundestag muss keine Auskünfte über staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Abgeordnete geben. Das Gericht wies eine Informationsklage des „Tagesspiegel“ ab und hob ein Urteil der Vorinstanz auf. Als Grund wurde angegeben, dass „der deutsche Bundestag als besonderes Organ der Gesetzgebung“ keine auskunftspflichtige Behörde im Sinne des Presserechts sei.

2. Dranbleiben am Thema
(taz.de, Daniel Bouhs)
Nach dem Berliner Recherchebüro „Correctiv“ setzt nun eine weitere journalistische Plattform auf Einzelspenden und Fördermittel von Stiftungen: „Codastory“ heißt das Portal, das bereits mit dem britischen „Guardian“ zusammenarbeitet, aber in Deutschland noch Partner sucht. Daniel Bouhs hat sich in Berlin mit „Coda“-Mitgründer Ilan Greenberg unterhalten.

3. „Trump ist ein dunkler Twitter-Präsident“: Zeit-Online-Chef Wegner über Wahlen, Bots und ein neues Transparenz-Blog
(meedia.de, Alexander Becker)
Bei „Meedia“ analysiert „Zeit-Online“-Chefredakteur Jochen Wegner den US-Wahlkampf, den Einfluss von Bots, Fake-News und die Rolle der Medien. „Dass die meisten Journalisten diese Entscheidung nicht nachvollziehen können, ist zunächst einmal das Problem der Journalisten. Vielleicht helfen etwas Abstand und eine gewisse Demut dabei, sich den Ausgang der Wahl zu erklären, statt sich jetzt mit Erklärungsversuchen zu überschlagen.“ Wegner überlegt, welche Lehren Journalisten daraus für die Bundestagswahl ziehen können und kündigt ein Transparenz-Blog an, in dem journalistische Arbeitsweise erklärt wird. Zum Schluss wünscht er sich Medien, die den „gefühlten Mainstream durchbrechen, eine große Zahl von Lesern erreichen und dabei journalistische Prinzipien respektieren“ und denkt dabei an „eine sehr konservative FAZ“.

4. Maschmeyers Image – frisch geliftet?
(ndr.de, Sabine Schaper, Video, 6:09 Minuten)
Seit jüngstem gibt sich der ehemalige AWD-„Drückerkönig“ Carsten Maschmeyer bei „Die Höhle der Löwen“ (Vox) als väterlicher Mentor junger Startup-Unternehmer und arbeitet auch ansonsten an seinem Image-Wechsel zum Saubermann. Viele Medien würden das Spiel mitmachen, so „Zapp“-Autorin Sabine Schaper.

5. Bundespressekonferenz empört mit fiktiver Anzeige
(sueddeutsche.de, David Denk)
Die Bundespressekonferenz gibt seit 1951 einen satirischen „Almanach“ heraus. (Zitat aus der Erklärung der Bundespressekonferenz im Original-Wortlaut: „Seitdem begleitet er das abgelaufene Politik-Jahr mit satirischen Beiträgen, die in ihrer zugespitzten Form politische Debatten aufgreift und begleitet“) In der diesjährigen Ausgabe erschien eine Fake-Anzeige der fiktiven „Bundesbade-Agentur“, die „Schwimmkurse für Flüchtlinge“ anbietet, darunter ein „Vorschul-Flüchtlingsschwimmen (ab 3 Jahre)“. Dies löste vielerlei kontroverse Meinungsäußerungen aus („Ihr habt sie nicht mehr alle, oder?“). Eine Gruppe von zehn ARD-Korrespondenten hat einen Brief an den BPK-Vorsitzenden Gregor Mayntz geschrieben, in dem sie den Vorstand aufforderten, sich von dem Beitrag zu distanzieren. Der Vorstand der Bundespressekonferenz hat als Antwort auf die Kritik eine Erklärung veröffentlicht.

6. Lance Armstrong will sich zurückquatschen
(tagesanzeiger.ch, Andreas Tobler)
Der einstige Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong hat neuerdings einen Podcast. „Tagesanzeiger“-Autor Andreas Tobler hat reingehört und findet es „zum Zyankalinehmen“.