Archiv für 6 vor 9

Sueddeutsche.de, Red Bull, Mainstream

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Hamburg, keine Perle“
(timklimes.de, Video, 2:50 Minuten)
Wie sich Tom Hillenbrand nach einem Tweet und einem Blogtext als „Hamburg-Hasser“ auf der Titelseite der „Hamburger Morgenpost“ wiederfand.

2. „Im Namen der Dose“
(zeit.de, Stefan Müller und Joachim Riedl)
Die Tochterfirma des Getränkeherstellers Red Bull aus Fuschl am See baut ihre Medienaktivitäten nach und nach aus: „Zum Portfolio des Red Bull Media House mit 530 Mitarbeitern gehören unter anderem eine Radiostation in Neuseeland sowie die Magazine Seitenblicke und Speedweek. Flaggschiff ist das Red Bulletin, das in einer Auflage von 4,6 Millionen Stück produziert wird und in neun Ländern, seit diesem Jahr auch in den USA, verschiedenen Tageszeitungen beiliegt.“

3. „Bei uns gibt es die besseren Texte“
(journalist.de, Svenja Siegert)
Der Chefredakteur von sueddeutsche.de, Stefan Plöchinger, spricht über sein Produkt: „Auf allen, wirklich allen Nachrichtenportalen gab es in der Vergangenheit Exzesse von Klickstrecken. Da würde ich auch bei Spiegel Online einige finden. Websites haben den Fehler gemacht, zu lange nur auf Klicks, also Page Impressions, zu optimieren. Das Resultat: ewig lange Bildergalerien, die in die Irre führen, Zeit von Redakteuren binden, Leserinteressen nicht gerecht werden, Qualität vernachlässigen.“

4. „Teamarbeit – nicht nur auf dem Spielfeld“
(blog.tagesschau.de, Tanja Körbl)
Tanja Körbl beschreibt, wie deckungsgleich (und redundant?) ARD und ZDF arbeiten: „Die rote Lampe an der Kamera geht aus, der Moderationstisch wird schnell ausgetauscht (unvorstellbar – eine ARD-Sendung mit einem Tisch vom ZDF…). Die Windschütze auf den Mikrofonen müssen auch gewechselt werden – von leuchtendem Orange zum Königsblau. Alle wieder auf Position. Und das Ganze noch einmal.“

5. „Mutig auf den Mainstream scheißen“
(taz.de, David Denk)
David Denk hat „ein paar zunächst vielleicht verrückt klingende Vorschläge für neue Fernsehformate“.

6. „BILD-Zeitung wird auf den Mond geschossen!!!“
(schreibenfuergeld.wordpress.com, DL2MCD)

DDR-Journalisten, Frauenfußball, WWF

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1. „Das Panik-Orchester“
(freitag.de, Jakob Augstein)
Jakob Augstein beurteilt den rechtlichen Kampf der Printverlage gegen öffentlich-rechtliche Anstalten und Internetpublizisten. „Die Verlage können es sich leisten, gegen die Öffentlich-Rechtlichen zu Felde zu ziehen und beim Leistungsschutz widersprüchliche Forderungen zu stellen, weil sie die Meinungs- und Veröffentlichungsherrschaft innehaben. Es ist für die Politik kein Spaß, sich mit dem Kartell der großen Häuser anzulegen. Wer will Springer, Burda, Süddeutsche, FAZ, DuMont und die WAZ-Gruppe gegen sich haben?“

2. „Die Katastrophen-Profiteure“
(sueddeutsche.de, Katharina Riehl)
Live berichtende Onlinemedien und Nachrichtensender profitierten überdurchschnittlich von der Katastrophe in Japan. Nachrichtenmagazine dagegen nicht.

3. „Niemand beim WWF will ein Feigenblatt sein“
(nzz.ch, Marco Metzler)
Marco Metzler befragt Hans-Peter Fricker, CEO des WWF Schweiz, zum ARD-Dokumentarfilm „Der Pakt mit dem Panda“: „Die Dame, die im Film zu Wort kam, arbeitete erst seit wenigen Wochen in einer unteren Charge beim WWF und ist schon deshalb keine repräsentative Sprecherin. Leider hat der Filmemacher das Angebot des WWF Deutschland abgelehnt, mit der wirklich zuständigen Fachperson ein Interview zu führen.“

4. „DDR-Journalisten im Visier“
(neues-deutschland.de, Wilfried Neiße)
Das ehemalige Zentralorgan der SED, „Neues Deutschland“, nennt das Gutachten von Ariane Mohl, das sich mit „personellen und institutionellen Übergängen im Bereich der brandenburgischen Medienlandschaft“ befasst (Auszüge hier), „bizarr“. „Man erfährt wenig über die wirklichen Umbruchverhältnisse nach 1990, aber alles über einen von Rachsucht und Mitleidlosigkeit geplagten Menschen.“

5. „Die DFL und ihre Macht über die Medien“
(ndr.de, Video, 7 Minuten)
Wie Grit Fischer und Stephanie Zietz aufzeigen, unterliegt die Berichterstattung über Fußball vielfältigen Restriktionen des Deutschen Fußballverbands DFL.

6. „Mein Problem mit Frauenfußball“
(novo-argumente.com, Matthias Heitmann)
Durch gezielte Regelveränderungen in den letzten Jahren sei der Fußball familienfreundlicher, friedlicher und weniger draufgängerisch gemacht worden, glaubt Matthias Heitmann. „Von der traditionellen Gewissheit, dass das Fußballstadion der einzige Ort sei, an dem Erwachsene nicht nur hemmungslos weinen, sondern auch das Wort ‚Wichser‘ schreien können, so oft und so laut sie wollen, ohne die geringste Aufmerksamkeit zu erregen, wie es Nick Hornby in seinem Roman ‚Ballfieber‘ liebevoll schildert, entfernen wir uns immer mehr.“

Deutsche Welle, Yogeshwar, Klotzek

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1. „Deutsche Welle nutzt kundenkunde.de als ‚Inspiration'“
(kundenkunde.de, Peter Soltau)
Ein aktueller Beitrag von dw-world.de erinnert Peter Soltau an einen eigenen Text, den er im Mai 2010 veröffentlicht hatte.

2. „Experten fordern nach Fukushima Besinnung auf journalistische Grundtugenden“
(kas.de)
In der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung wurde eine Bilanz zur Fukushima-Berichterstattung gezogen. Dem Fernsehen attestierte Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar eine „miserable Rolle“, was bemerkenswert sei, denn anders als 1986 bei der Katastrophe von Tschernobyl sei zahlreiches aktuelles Bildmaterial vorhanden gewesen. Siehe dazu auch einen Bericht von pro-medienmagazin.de.

3. „‚Neon‘-Gründer soll SZ-Magazin aufpolieren“
(dradio.de, Georg Gruber)
Georg Gruber porträtiert den neuen SZ-Magazin-Chefredakteur Timm Klotzek. „Um sich überhaupt nicht angreifbar zu machen, finde ich ist es wirklich wichtig, dass man Geld verdient mit seinem Titel und dass man sagt: diese Freiheit, Geld auszugeben für Recherchen, die erarbeitet man sich besser und ist nicht auf verlegerische Gönner angewiesen.“

4. „Ein Tag vorm Fernseher“
(katalogvonallem.wordpress.com, Florian Leu)
Nach sechs Jahren TV-Abstinenz verbringt Florian Leu einen Tag von 8 Uhr bis 20 Uhr vor dem Fernseher: „2 Stunden und 31 Minuten sitze ich erst hier, doch ich habe schon die halbe Welt gesehen: einen Zoowärter, der mit einer Giraffe redet, sprechende Katzen, Präsident Obama, die U-17-Nationalmannschaft, handverlesene Nazis, Rentner als Talkshow-Claqueure. Ich vermute: Fernsehsender haben Verträge mit Altersheimen geschlossen und teilen sich die Betreuung.“

5. „The Brain on Trial“
(theatlantic.com, David Eagleman, englisch)
Aussergewöhnliche kriminelle Taten werden von Boulevardmedien gerne zum Mysterium hochgeschrieben. In einzelnen Fällen sind die Ursachen banaler – es handelt sich um neurologische Gründe.

6. „10 Fragen an Yang Yanyi“
(de-cn.net)
Yang Yanyi, „Expertin für komparatistische musikpädagogische Forschung zu Deutschland und China“, erzählt, wie sie Deutschland und die Deutschen wahrnimmt.

Nico Rosberg, Pink, Frankreich, Brandenburg

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1. „Es gab eine gravierende Fehlinterpretation“
(nicorosberg.com)
Formel1-Rennfahrer Nico Rosberg stellt eine Abschrift eines Interviews online, das wegen einer Aussage zur Fußball-WM der Frauen für Aufregung gesorgt hatte.

2. „Important Note From P!nk“
(pinkspage.com, englisch)
US-Sängerin Pink schreibt über Paparazzi: „Why are celebrities/public figures having to seek restraining orders to keep strange grown men with still and video cameras from sitting perched outside of their children’s pre-schools and elementary schools, preying on little innocent kids? (…) To anyone out there that buys a magazine, or goes onto a website to look at pictures of other people’s children, may you at least think for a second about what you may inadvertently be supporting.“

3. „It’s not permission to be sloppy“
(guardian.co.uk, Frédéric Filloux, englisch)
Frédéric Filloux vergleicht journalistische Standards: „French journalists are not genetically worse than others. It’s their culture; they are simply poorly trained and managed.“ Über die prekäre Situation von Journalisten in Frankreich berichtet auch die Sendung „Kontext“ des Schweizer Radios (Audio, Margrit Hillmann, 27:30 Minuten).

4. „Bauchnabel“
(kontextwochenzeitung.de, Willi Germund)
In der Auslandsberichterstattung deutscher Medien gehe es immer weniger um das Ausland und immer mehr um Deutschland, beklagt Willi Germund.

5. „Einmal DDR-Blatt, immer DDR-Blatt?“
(moz.de, Dietrich Schröder)
Für die „Märkische Oderzeitung“ bespricht Dietrich Schröder das Gutachten „Personelle und institutionelle Übergange im Bereich der brandenburgischen Medienlandschaft“ von Ariane Mohl (öffentliche Diskussion der Enquete-Kommission des Brandenburger Landtags am 1. Juli). Der letzte Satz lautet: „Kein differenzierter Umgang mit der Geschichte.“

6. „Die Leiden des stöhnenden Porno-Beat“
(20min.ch, A. Hirschberg)
Ein auf YouTube vielfach verbreiteter Casting-Auftritt einer Pornovideo-Audio-Synchronisation belastet das Leben eines Ostschweizers schwer. Gegen die Aufnahme vorgehen kann er nicht, da er die Rechte daran abgetreten hat. „Wenn alle seine Geschichte kennen, wird er weniger interessant, glaubt er. Die Leute werden ihn dann endlich wieder in Ruhe lassen – vielleicht.“

Spiegel Online, Springer-Boys, Oliver Kalkofe

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1. „Über das Spektakuläre an ‚Spiegel online'“
(titanic-magazin.de, Stefan Gärtner)
Stefan Gärtner denkt über „Spiegel Online“ und seine Auswirkungen nach: „Anders als Springers Kettenhund nicht im Schmuddeleck angepflockt, hat ‚Spon‘ mit demselben Crossover aus Sex, Crime und Politik (‚Türkischer Wahlkampf: Sexvideos und Größenwahn‘) paradigmatisch werden können: Nichts hat der allgemeinen Sensationitis und Boulevardisierung im Preßbereich so den Boden bereitet wie die Kopplung des Nimbus vom ewigen Nachrichtenmagazin ans sexy Atemlose des Netzmediums.“

2. „Die fabelhaften Springer-Boys“
(wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal schreibt über Mitarbeiter des Axel-Springer-Verlags: Mathias Döpfner, Kai Diekmann, Christoph Keese, Thomas Schmid und Manfred Hart.

3. „Der neue Medienjournalismus“
(funkkorrespondenz.kim-info.de)
Die Funkkorrespondenz wundert sich über die ausserordentliche Produktivität von Alexander Krei auf dwdl.de und erkennt in ihm „einen Medienjournalisten neuen Typs“. Der Besprochene antwortet: „All das ist schnell (und, soweit ich das beurteilen kann, auch sauber) vermeldet. Den sich daraus möglicherweise ergebenden (versteckten) Vorwurf, die Qualität bleibe dabei möglicherweise auf der Strecke, müssen natürlich andere beurteilen.“

4. „Ein neuer Typus von Web-Journalisten“
(2axbecker.blogspot.com, Alexander Becker)
Alexander Becker nimmt die Diskussion auf: „Das fast schon selbstverständliche Aggregieren der Leistungen anderer Medien in Form von eigenen Meldungen, wie es Redaktion wie DWDL, genauso wie MEEDIA.de und viele andere Web-Portale betreiben, ist eine Reaktion auf die noch recht junge Blogger-Kultur. Denn der ihr innewohnenden Anspruch alle Nachrichten möglichst schnell und direkt bloggen zu wollen, haben sich vor allem kleine Fach-Redaktionen – wie selbstverständlich – zu eigenen gemacht.“

5. „Oliver Kalkofe: Kein Mitleid für 9live“
(rockbär.de, Sebastian Pertsch)
Oliver Kalkofe im ausführlichen Interview. Zur Einstellung des TV-Senders 9Live sagt er: „Das war ein Auswuchs des modernen Fernsehens, was ganz deutlich gezeigt hat, wie in Deutschland momentan gedacht wird: Du machst etwas, das billig ist und was Kohle bringt. Das ist Betrug – wir können es nicht schön reden.“

6. „FOCUS killt Künast-Interview“
(gruene-bundestag.de, Michael Schroeren)
Die Grünen ärgern sich über den „Focus“: „Ein abgestimmtes Interview, das ohne nachvollziehbare Begründung aus dem Heft geworfen wird: Das ist mehr als ein starkes Stück, das ist ein beispielloser Affront.“

Papier, WWF, Frauenfußball

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1. „Ich habe sie so lange bearbeitet, bis sie ‚Ja‘ sagten“
(einestages.spiegel.de, Hanno Krusken)
Hanno Krusken erinnert sich an seine Zeit als Fotograf für die Illustrierte „Quick“. „Der Brotjob bestand im Aufspüren menschlicher Schicksale. Und wenn es keine dramatischen Ereignisse gab, musste sich die Redaktion etwas einfallen lassen – etwa mit einer Anzeige in der Lokalzeitung, in der sie ‚Kindermütter‘; ‚Eltern, die ihr Kind verloren haben‘ oder sonst wie anders Betroffene suchte, deren Erlebnisse sie zu Sammelgeschichten zusammenfasste und dann einen ‚Trend‘ deklarierte.“

2. „Betonierung des status quo“
(perlentaucher.de, Thierry Chervel)
Thierry Chervel kommentiert die Klage deutscher Printverlage gegen die „Tagesschau“-App: „Sie versuchen im Moment des Verschwimmens der Gattungsgrenzen zwischen den Medien ihren vormaligen Status zu zementieren. (…) Das eigentlich Absurde an den öffentlich-rechtlichen Anstalten sind jedenfalls nicht die Tagesschau-Apps. Die politischen Aufgaben sind viel tiefgreifender. Das Problem ist das Festhalten an Strukturen, die vor dreißig jahren noch Sinn gehabt haben mögen.“

3. „Das Hoffen auf die ewige Kraft des Papiers“
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Zeitungs- und Zeitschriftenmacher neigen dazu, die technische Entwicklung zu ignorieren und Print zu romantisieren. „Irgendwann werden bis auf einige wenige Sammler alle Konsumenten über die Pro-Print-Argumente aus der Zeit des digitalen Wandels schmunzeln.“

4. „Die verflixten 7“
(journalist.de, Ernst-Marcus Thomas)
Sieben Tipps für eine lebendige Radiomoderation, die ohne abgestandene Formulierungen und unpassende Adjektive auskommt.

5. „Der Pakt mit dem Panda: Was uns der WWF verschweigt“
(mediathek.daserste.de, Video, 43 Minuten)
Eine WDR-Reportage beleuchtet die Zusammenarbeit des WWF mit der Bank HSBC und Palmölherstellern: „Warum kooperiert der WWF mit Unternehmen, die die Natur zerstören?“ Eine Entgegnung findet sich auf wwf.de, ein Interview mit dem Autor des Films, Wilfried Huismann, auf radiobremen.de (Audio, 7 Minuten).

6. „sportstudio-Classics: Die Anfänge des Frauenfußballs“
(youtube.com, Video, 3:27 Minuten)
Das Thema Frauenfußball im Sportstudio von 1970 mit dem Moderator Wim Thoelke.

Paul Ronzheimer, Soft-News, Bienenbüttel

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1. „Jugend hetzt“
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Lukas Heinser fragt sich, was den 25-jährigen, mit dem Herbert Quandt Medien-Preis für die Artikel-Serie „Geheimakte Griechenland“ ausgezeichneten Paul Ronzheimer dazu bringt, „in Europas größter Boulevardzeitung Halbwahrheiten und plumpe Hetze zu verbreiten“. Siehe dazu auch Stefan Niggemeier: „Und die Eulen wollen wir auch zurück!“.

2. „Qualitätsjournalismus unter Druck“
(nzz.ch, Martina Leonarz, Werner A. Meier und Gabriele Siegert)
Autoren des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich fassen mehrere wissenschaftliche Analysen zusammen. Im Abschnitt Boulevardisierung heisst es: „Unterhaltung und Soft-News werden wichtiger. Aus einer wirtschaftlichen Warte wird Boulevardisierung mit der Sicherung der Leserschaft verbunden.“

3. „Katz-und-Maus-Spiel in Chinas Medien“
(diepresse.com, Jutta Lietsch)
Ein Interview mit der Journalistin Nailene Chou Wiest über Medienzensur in China: „Wer die Anweisungen der Propaganda-Abteilungen nicht befolgt, darf seine Nachrichtenseite 24 Stunden lang nicht aktualisieren. Das ist tödlich fürs Geschäft.“

4. „Wie Bienenbüttler über Journalisten denken“
(ndr.de, Video, 3:22 Minuten)
EHEC: Einwohner von Bienenbüttel erzählen mit Belustigung und Verwunderung von der kurzzeitigen Belagerung durch internationale TV-Teams.

5. „Merkels Verkäuferin“
(tagesspiegel.de, Thomas Gehringer)
Ein Kurzporträt von Eva Christiansen, Medienberaterin der Bundeskanzlerin. Zum Verhältnis zwischen Medien und Politik sagt sie: „Wir sind auf beiden Seiten Getriebene und treiben uns gegenseitig. Ich empfinde mein Tagesgeschäft als ein Hinterherlaufen der Nachricht der Nachricht der Nachricht.“

6. „Preisträger des Grimme Online Award 2011“
(grimme-institut.de)

AOL, Tagesschau-App, Konflikte

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1. „AOL Hell: An AOL Content Slave Speaks Out“
(thefastertimes.com, Oliver Miller, englisch)
Ein eindrücklicher Bericht aus der AOL-Klickfabrik, in der es ganz egal geworden ist, was in einem Artikel steht, solange alles andere stimmt: „When it comes to an article, what AOL cares about is the title, and the ‚keywords‘ that will make the article more likely to show up among the top results on Google. You type phrases into ‚Google Trends,‘ and it suggests the most popular combination of words associated with that topic. You then stick those words into your title and first paragraphs. Rinse, wash, and repeat.“ Siehe dazu auch diesen Artikel auf t3n.de. Hintergründe zum „eighth degree, black belt idiot“ auf techcrunch.com.

2. „The Schlong Goodbye“
(thedailyshow.com, Video, englisch, 4 Minuten)
Wie US-TV-Sender reagieren, als Nancy Pelosi bei einer Pressekonferenz gleich zu Beginn klarstellt, dass sie nicht über den aufgrund einer Sexaffäre zurückgetretenen Abgeordneten Anthony Weiner, sondern über Jobs, Medicare und die Mittelklasse reden wird.

3. „Die Tagesschau-App und das Märchen von der Wettbewerbsverzerrung“
(claushesseling.de)
Claus Hesseling hält die Klage verschiedener deutscher Zeitungsverlage gegen die App von tagesschau.de für einen schlechten Witz. „Vielleicht dämmert es auch bald den Verlagsmanagern: Aktuelle Nachrichten wird es immer immer immer frei und kostenlos im Netz geben. Egal ob auf tagesschau.de, Twitter oder anderen Quellen.“

4. „Ha-haaaaaaaaa“
(katjakullmann.de)
„Soeben ereilt mich ein überaus dringender Anruf. Ein berühmtes People-Magazin aus München war dran: Man habe gehört, dass ich komplett pleite sei und kaum noch zu essen habe – ob man bitte schnell eine Homestory machen könne (‚mit Fotos‘) – und ob und wann denn mein neues Buch eigentlich erscheine.“

5. „BILD gefällt mir nicht!“
(duesteregrenze.wordpress.com, Stefan Grenz)
Stefan Grenz schreibt über „Bild“: „Solange Journalisten anderer Medien BILD zitieren, solange machen sie sich mitschuldig am Erfolg von BILD.“

6. „Wie deutsche Medien Konflikte klassifizieren“
(graphitti-blog.de, katja)

Spiegel Online, Blödmaschinen, Griechen

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1. „Spiel, Spaß, Spannung, ‚Spiegel Online'“
(stefan-niggemeier.de)
„Spiegel Online“ wünscht sich von den Ereignissen, dass sie spannend sind. „Vielleicht hätten sie beim ZDF, sobald sie ahnten, dass die Intendanten-Wahl so glatt über die Bühne gehen würde, wenigstens das Fernsehballett einladen können oder gefährliche Tiere oder Lady Gaga, und zwar am besten ohne Anlass, damit ‚Spiegel Online‘ aufgeregt ‚Überraschung bei der Intendantenwahl‘ titeln könnte.“

2. „Ihr könnt nach Hause fahr’n“
(11freunde.de, Dominik Drutschmann)
Auf Antrag werden die anwesenden Journalisten von der Jahreshauptversammlung des Fußballvereins Schalke 04 ausgeschlossen. Bleiben darf nur, wer Mitglied des Vereins ist.

3. „Print Bam Bino für die Kunden von morgen“
(welt.de, Marc Reichwein)
Mit Titeln wie „Dein Spiegel“, „Geolino“ oder „mare Ahoi“ betreiben Printverlage eine Aktivinvestition in die Lese-Sozialisiation von Kindern. „Wer eine ganze Kindheit & Jugend weitgehend printmedienabstinent war, wird sich den regelmäßigen Konsum von Zeitungen und Zeitschriften wohl auch als Erwachsener kaum noch angewöhnen.“

4. „Der letzte Dreck“
(dradio.de, Ariadne von Schirach)
Ariadne von Schirach entdeckt in den 780 Seiten von „Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität“ von Markus Metz und Georg Seeßlen „brillante Analyse, polemische Anklage und undifferenziertes Geraune“. „Die obszöne Totalität einer blödmaschinenenvermittelten Wirklichkeit führt bei Metz und Seeßlen zu einem ebenfalls obszönen Exzess an Kritik.“

5. „Jon Stewart Eviscerates Fox News On Fox News“
(gothamist.com, Video, 24:11 Minuten, englisch)
Jon Stewart zu Besuch bei Chris Wallace von „Fox News Sunday“. Sie sprechen über das Fox-News-Motto „Fair & Balanced“, über die Agenda von Medien, über die Aufmerksamkeit im Fall Anthony Weiner.

6. „Das griechische Volk ist unschuldig“
(zeit.de, Zacharias Zacharakis)
Griechenland: Zacharias Zacharakis stellt fest, dass nicht die einfachen Leute, sondern die Elite für die Schuldenkrise verantwortlich ist. „Die Griechen fühlen sich betrogen von den Eliten des Landes, die am stärksten von dem weitverbreiteten System der Korruption profitiert haben. Ganz am Ende dieser Nahrungskette standen immer die einfachen Leute, die für Arztbesuche, für Behördengänge, dafür, dass ihre Angelegenheiten überhaupt erledigt wurden, in das korrupte System einzahlen mussten, auch wenn es sich oft um geringe Beträge handelte. Profitiert haben davon Beamte, Ärzte, Notare, Anwälte, die dieses Geld nahmen und davon Ferienhäuser und Autos kauften.“

Kachelmann, Kriegsfotografie, Korrektheit

6 vor 9

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1. „Diese Welt braucht Journalisten mehr denn je“
(dw-world.de, Sandra Petersmann)
Joel Simon vom „Committee to Protect Journalists“ mag Personen, die Journalismus betreiben, nicht mehr voneinander abgrenzen: „Einfach gesagt sind Journalisten dazu da, Informationen zu sammeln und zu verbreiten, die für die Öffentlichkeit von Bedeutung sind. Es gibt professionelle Journalisten, die das machen, und es gibt Menschen, die das als Bürger machen.“

2. „So haben uns die Griechen reingelegt“
(ruhrbarone.de, Michael Voregger)
Michael Voregger stimmt es nachdenklich, dass die Jury des Herbert-Quandt-Preises sich für „Bild“-Autoren entschieden hat (BILDblog berichtete), das werfe „kein gutes Licht auf den Wirtschaftsjournalismus im Lande“. Er kritisiert auch öffentlich-rechtliche Nachrichtenformate: „Die Redaktionen orientieren sich am Mainstream, regierungsnahe Positionen werden kommentarlos übernommen und kritische Experten tauchen nicht auf. Das Unwort des letzten Jahres ‚alternativlos‘ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.“

3. „In eigener Sache: Neuer Umgang mit Leser-Kommentaren“
(blog.handelsblatt.com/handelsblog, Olaf Storbeck)
Olaf Storbeck ändert den Umgang mit Leser-Kommentaren: „Um ein gewisses Grundniveau der Diskussion zu gewährleisten, werde ich daher tumbe nationalistische und per se Euro-feindliche Kommentare nicht mehr freischalten – zum Beispiel solche, die Nazi-Deutsch enthalten (‚Finanzknechtschaft‘), die Geschichte verdrehen (‚Muss erst wieder ein Krieg gegen Deutschland geführt werden?‘) oder darüber räsonniert wird, ‚wie ein nachgewiesener Maßen intelligentes Volk wie die Deutschen sich derart ausnutzen lassen kann‘. Das gleiche gilt für Verschwörungstheorien jeder Art.“

4. „Früher herrschten die Gewalttäter, heute herrschen die Wohl-Täter“
(heise.de/tp, Eren Güvercin)
Eren Güvercin spricht mit Maternus Millett über politische Korrektheit. „Die politische Korrektheit als das ‚absolut Gute‘ hat das gesellschaftliche Klima bereits so weit polarisiert und vergiftet, dass auch eine kritische Diskussion des ‚absolut Guten‘ – also des Versagens der Bildungs- und Integrationspolitik, der selektiven Toleranz Straftaten von Immigranten gegenüber, der bedingungslosen Sozialleistungen für alle – kaum noch möglich ist. Folglich können alle, die provokante Kritik anmelden, sehr leicht moralische Empörung auslösen und sich als Rebellen gegen das neue, linke, permissive Establishment und als ‚Opfer von Repression‘ darstellen.“

5. „The shot that nearly killed me: War photographers – a special report“
(guardian.co.uk, englisch)
Kriegsfotografen kommentieren die Entstehung einzelner Fotos. Vorsicht, einige Bilder sind sehr drastisch.

6. „Lächerlicher Wahnsinn“
(weltwoche.ch, Roger Köppel)
Jörg Kachelmann gewährt nach dem Gespräch in der „Zeit“ auch der „Weltwoche“ ein sehr ausführliches Interview: „Die heuchlerischen Aufrufe der Medien, dass ich nun doch aus taktischen Gründen demütigst zu schweigen und zu verschwinden hätte, sind der Versuch, deren menschenverachtende Vorverurteilung möglichst schnell vergessen zu machen. Nun wollen gerade die mein Schweigen, die sich vorher als die willfährigsten Sprachrohre der lügenden Staatsanwaltschaft Mannheim geriert haben: Springer, Burda, Stern, Süddeutsche.“ Interviewer Roger Köppel betont, dass für das Interview kein Geld bezahlt wurde.

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