Suchergebnisse für ‘hamburger morgenpost’

Julian Reichelts Auflagen-Märchen

Was Print angeht, ist unser Ziel, das bei Kaufzeitungen marktübliche prozentual zweistellige Auflagenminus auf das zu beschränken, was strukturell bedingt ist. Das bedeutet für uns als Redaktion, um jenen Anteil am Rückgang zu kämpfen, der nicht markt-, sondern journalistisch bedingt ist. Das scheint uns zu gelingen, denn Bild hat rund drei Prozentpunkte weniger an Auflage verloren als der Verlag prognostiziert hat und ist dazu hochprofitabel.

… sagte „Bild“-Chef Julian Reichelt neulich im Interview mit „Horizont“. Wir haben uns mal genauer angeschaut, was an dieser Aussage dran ist: Gelingt es „Bild“ wirklich, den Rückgang der Auflage auf den „strukturell bedingten“ Anteil zu beschränken?

So sieht die Auflagenentwicklung von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ aus:

Aber wie gering oder stark verlieren „Bild“ und „BamS“ im Vergleich zur Konkurrenz?

Erstmal wäre die Frage, welchen Markt Julian Reichelt genau meint. Er könnte den Boulevardmarkt meinen. Dort nimmt „Bild“ als einzige überregionale Tageszeitung eine Sonderstellung ein. Alle andere deutschen Boulevardblätter erscheinen nur regional: die „Mopo“ in Hamburg, die „B.Z.“ und der „Berliner Kurier“ in Berlin, der „Express“ in Köln, die „tz“ und die „Abendzeitung“ in München und die „Morgenpost“ in Sachsen.

Dies ist die relative Auflagenentwicklung der deutschen Boulevardzeitungen seit 1998 (soweit reicht das Archiv der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) zurück):


(zum Knick bei der „Abendzeitung“ siehe hier)

Bei allen Blättern geht es dramatisch runter, nur die „tz“ kann sich noch einigermaßen halten. „Bild“ (-67,6 Prozent) verliert, nach „Abendzeitung“ (-73,5), „Express“ (-72,9) und „B.Z.“ (-70,6) am viertstärksten. Schaut man sich nur die Entwicklung seit 2017 an, also seit Julian Reichelt Vorsitzender der „Bild“-Chefredaktionen ist, liegt „Bild“ (-9,0) ebenfalls auf dem viertletzten Platz: Nur der „Express“ (-17,3), die Hamburger „Mopo“ (-17,2) und die ebenfalls von Reichelt verantwortete „B.Z.“ (-9,6) haben noch stärker verloren. Wirklich positiv ragt Reichelts Blatt also nicht aus dem Boulevardmarkt heraus.

Nun haben wir aber sowieso Zweifel, dass Julian Reichelt „Bild“ auf einem Level mit der „Morgenpost“ aus Sachsen oder dem „Berliner Kurier“ sieht. Zumal er in einem anderen Interview behauptete, „Bild“ halte sich in einer Liga mit „Washington Post“ und „New York Times“:

Wir sind da, wo die „Post“ oder die „New York Times“ sind, oder umgekehrt: Die sind da, wo wir sind. In dieser Liga halten wir uns

Werden wir mal nicht völlig größenwahnsinnig: Wie macht sich „Bild“ im Markt der überregionalen Tageszeitungen in Deutschland? Noch schlechter:


(die Auflage der „Welt“ ab 2005 zusammen mit „Welt kompakt“; die „Frankfurter Rundschau“ fehlt hier, da die Auflage seit 2013 nicht mehr gesondert gemeldet wird)

Auch hier verlieren alle, aber niemand verliert so stark wie „Bild“. Nicht annähernd. Und dabei ist es völlig egal, welchen Bezugspunkt man nimmt: ob seit 1998 (-67,6 Prozent), seit 2001 (-66,4), als Kai Diekmann die Chefredaktion übernahm, seit 2010 (-50,8), seit 2016 (-15,5), als Tanit Koch die Chefredaktion übernahm, oder seit 2017 (-9,0) — immer liegt „Bild“ auf dem letzten Platz.

Genauso schlecht sieht es bei der „Bild am Sonntag“ im Vergleich mit anderen Wochen- und Sonntagszeitungen aus:


(„der Freitag“ ohne IVW-Angaben für 2009 und 2010; die „FAS“ gibt es erst seit 2001)

Was sagte „Bild“-Chef Julian Reichelt noch mal im Interview mit „Horizont“?

Das bedeutet für uns als Redaktion, um jenen Anteil am Rückgang zu kämpfen, der nicht markt-, sondern journalistisch bedingt ist.

Das scheint ihm und seinem Team ganz offensichtlich nicht zu gelingen.

Dazu auch:

Die Totklicker von „Intouch“, Filmen erlaubt?, Automatenbranche-Spende

1. Totgeklickt: Die Bestatter von Bauers „Intouch“
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
„Bei „Intouch“, dem Klatschmagazin aus dem Hamburger Bauer-Verlag, arbeiten keine Redakteure, sondern Bestatter“, so die Feststellung von Boris Rosenkranz. Und in der Tat hat „Intouch“ („Promi-News und heißer Gossip rund um Deine Stars“) ein besonders widerwärtiges und schäbiges Geschäftsmodell für sich entdeckt: Schocknachrichten über den angeblichen Tod von Promis, die Nachrufen ähneln.

2. Diskretion war einmal
(onlinejournalismus.de, Matthias Eberl)
Der Journalist Matthias Eberl hat Datenschutzbeschwerde und Strafantrag gegen die Reiseplattform Booking.com eingereicht. Das Unternehmen habe seine vertraulichen Buchungsdaten, darunter seine E-Mail-Adresse und die Buchungsorte Wien und Bern an Facebook weitergereicht. Booking.com sei bei Weitem nicht das einzige Unternehmen, das Kundendaten an Facebook ohne Einwilligung der Nutzerinnen und Nutzer weitergibt. Auch „Spiegel Online“ und „Zeit Online“ würden ähnlich forsch verfahren, was den Umgang mit Nutzerdaten anbelangt. Eberl hat die drei Unternehmen exemplarisch untersucht und ist auf, wie er schreibt, ziemlich absurde Sachen gestoßen. Er wirft damit Licht auf eine Stelle, die bei den Medienhäusern sonst im Dunklen bleibt.

3. Was verbindet Dunja Hayali mit einer Spielautomatenfirma?
(morgenpost.de, Kai-Hinrich Renner)
„Was verbindet Dunja Hayali mit einer Spielautomatenfirma?“, fragt Kai-Hinrich Renner in der „Morgenpost“ und bleibt bei der Beantwortung relativ auf sich allein gestellt: Die sich sonst für Transparenz im Journalismus starkmachende Journalistin antwortete nur äußerst knapp auf seine Fragen. Klar ist wohl, dass die Gauselmann-Gruppe (Marktführer der Spielautomatenbranche) Dunja Hayalis Verein Vita e. V. Assistenzhunde mit einer 200.000-Euro-Spende bedacht hat. Und dass Hayali auf Jahrestagungen des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie Dinge sagt wie: „Ihre Branche hat sich seit den 90er-Jahren sehr verändert, heraus aus der Schmuddelecke“. Sätze, die für die Automatenaufsteller Gold wert seien und unter Marketingaspekten entsprechend ausgeschlachtet würden.

4. Was dürfen Journalisten auf Demos?
(spiegel.de, Elisa von Hof)
Durfte das Fernsehteam des ZDF, das für „Frontal 21“ bei einer Pegida-Demonstration anwesend war, einen Demonstranten filmen, der sich dagegen lautstark wehrte („Hören Sie auf, mich zu filmen! Sie begehen eine Straftat. Sie haben mir ins Gesicht gefilmt.“)? Über diese und damit verwandte Fragen spricht „Spiegel“-Justiziar Sascha Sajuntz im Interview. Das Gespräch lohnt auch deshalb, weil ähnliche Fragestellungen immer mal wieder auftauchen.
Weitere Lesehinweise: Wer sich noch mal über den umstrittenen Polizeieinsatz gegen die ZDF-Journalisten in Sachsen informieren will, sei an tagesschau.de verwiesen, wo auch die Justizministerin zu Wort kommt.
Und wem bei dem ernsten Thema nach etwas Leichterem zumute ist: Netzpolitik.org berichtet über den Satire-Account @lkasachsen, der auf Twitter sein Unwesen treibt.

5. Haben Sie einen Rat an den türkischen Präsidenten, Can Dündar?
(sz-magazin.sueddeutsche.de)
Im „Interview ohne Worte“ beschreibt der in Deutschland im Exil lebende Journalist Can Dündar mit Mimik und Gestik, was er vom Özil-Erdogan-Foto hält, was er am meisten an der Türkei vermisst und was er Angela Merkel im Umgang mit seinem Geburtsland rät.

6. Die große „Buzzfeed“-Show
(taz.de, Daniel Bouhs)
Daniel Bouhs hat sich die neue Netflix-Dokuserie „Follow this“ über „Buzzfeed“ angeschaut, die vor allem eines sei, Werbung: „Da sitzen Buzzfeed-ReporterInnen in Buzzfeed-Büros vor Buzzfeed-Laptops oder schreiben mit Buzzfeed-Kugelschreibern in Buzzfeed-Blöcke. Sind die JournalistInnen unterwegs, dann sieht das Skript in jeder einzelnen Folge vor: Sie rufen ihre Buzzfeed-KollegInnen an, um zu erzählen, was sie für Buzzfeed wieder Irres recherchiert haben. Passenderweise ist die Reihe über Buzzfeed-Reporter dann auch gleich eine Produktion von — Überraschung! — Buzzfeed. Netflix bekommt die Inhalte, Buzzfeed die Werbefläche.“

Kriminalität der Nationen, Hetze bei Facebook, Werbung auf Hetz-Seite

1. „Nationalität spielt bei Kriminalität keine Rolle“
(wdr.de, Dominik Reinle)
Die wichtigste Aussage diese Interviews steht schon in der Überschrift. Der Kriminologe Christian Pfeiffer stellt die aufgeregte Diskussion um vermeintlich überdurchschnittlich kriminelle Migranten vom Kopf auf die Füße. Nahezu jeder Satz eignet sich als Punchline für einen Tweet. Drei Vorschläge:
1. „Richtigerweise müsste gefragt werden: Wie sind die Merkmale von Männern, die Frauen vergewaltigen? Dann merken Sie, dass Nationalität bei Kriminalität keine Rolle spielt.“
2. „Die Kriminalität in Deutschland geht im Gewaltbereich um 15 Prozent nach unten, gleichzeitig haben wir ein starkes Anwachsen des Anteils der ‚Fremden‘. Die Schnellschuss-Antwort, die Ausländer sind die Bösen und verantwortlich für die Kriminalität, ist einfach falsch.“
3. „Wenn Max von Moritz verprügelt wird, ist die Anzeigebereitschaft 19 Prozent, wird Max von Mehmet verprügelt, ist sie über 31 Prozent.“

2. „Die ganzen Verschwörungstheoretiker irren“
(br.de, Florian Schairer)
Hannes Grassegger und Mikael Krogerus haben etwas geschafft, das vor einer Woche undenkbar schien: Hunderttausende teilen einen Text über Big Data und Psychometrie — beides bislang nicht unbedingt als besonders populäre Themen bekannt. Sogar der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar schaltete sich ein und warnte vor „der Manipulation demokratischer Wahlverfahren durch Massendatenauswertung“. Auf die gewaltige Aufmerksamkeit folgte binnen weniger Tage eine mindestens genauso gewaltige Welle der Kritik, teilweise aggressiv und polemisch, nicht immer fair. Hannes Grassegger scheint aber ganz gut damit umgehen zu können: „Wir begrüßen wirklich jede Form des Weiterdenkens — und dazu gehört natürlich auch Kritik.“ Außerdem sind gestern die wohl drei besten und differenziertesten Auseinandersetzungen mit dem Thema erschienen: von Daniel Mützel bei „Motherboard“, von Patrick Beuth bei „Zeit Online“ und von Matthias Kolb bei süddeutsche.de, der den Text vor allem aus US-amerikanischer Perspektive beleuchtet und erklärt, welche politischen Faktoren zum Sieg von Donald Trump geführt haben.

3. Ein Thema, das keins sein sollte
(taz.de, Anne Fromm)
Halb Mediendeutschland streitet sich über eine Nachricht, die gar keine war — zumindest nicht in der „Tagesschau“ am Samstag, was wiederum viele haupt- und nebenberufliche Medienkritiker für ein Problem halten. Oder, wie es Anne Fromm ausdrückt: „Freiburg ist das neue Köln.“ Das mag eine recht steile These sein, der aktuellen Diskussion fügt ihr Text aber einen interessanten Aspekt hinzu: „Dass nun aber Politiker bewerten, wann, was und wie Journalisten über den Mord in Freiburg hätten berichten sollen, ist fatal. Es spielt denen in die Hände, die der Meinung sind, Journalisten seien von oben gelenkt.“

4. Wie Facebook bei Hetze gegen Künast mit Fake-Zitat zuschaut
(morgenpost.de, Lars Wienand)
Am Sonntag teilte der Schweizer Rechtspopulist Ignaz Bearth auf seiner Facebook-Seite ein erfundenes Zitat von Renate Künast, als Quelle gab er die „Süddeutsche Zeitung“ an. Der Bild-Post ging viral, Facebook tat — nichts. Stefan Plöchinger, Chefredakteur von süddeutsche.de, schrieb wiederum auf seiner Facebook-Seite: „Ein paar Stunden lang nicht wissen, was man mit so einem demokratiezersetzenden Dreck machen soll — das kann man sich als Multimilliardenmedienkonzern schon mal erlauben, gell?“. Mittlerweile hat Facebook reagiert und das Posting gesperrt, das Grundproblem aber bleibt: Wie schnell muss das Unternehmen reagieren, wenn sich auf der Plattform strafbare Inhalte (ein erfundenes Zitat erfüllt den Straftatbestand der Verleumdung) verbreiten, die den Opfern (in diesem Fall Renate Künast) schaden können?

5. Empörung über deutsche Werbung auf rechter Hetz-Seite
(spiegel.de, Ann-Kathrin Nezik)
Ein bekanntes (wenn auch umstrittenes) Bonmot aus der Werbebranche lautet: „There is no such thing as bad publicity.“ Insofern könnte es durchaus eine gute Idee sein, Anzeigen auf der rechten Nachrichtenseite „Breitbart“ zu schalten. In den vergangenen Tagen taten das etliche bekannte deutsche Unternehmen, darunter die „Telekom“, „Vapiano“, „Lieferheld“ oder der Elektronikmarkt „Conrad“ — meist, ohne es überhaupt zu merken. Während etwa „Lieferheld“ sagt, man sei „nicht von der Gesinnungspolizei“, wollen andere Firmen die fragwürdige Platzierung ihrer Werbung zumindest prüfen, „BMW“ und „Braun“ haben „Breitbart“ sogar auf eine Blacklist gesetzt.

6. Wie wahr ist wahrscheinlich?
(gutjahr.biz, Richard Gutjahr)
Die Wahrscheinlichkeit, dass MH17 von pro-russischen Militärs abgeschossen wurde? Exakt 95,3 Prozent. Und wer hat das Giftgas in Syrien eingesetzt? Zu 92,4 Prozent waren es Rebellen, nicht Assad. Das behauptet jedenfalls das israelische Start-up „rootclaim“. Richard Gutjahr hat mit den beiden Gründern der Plattform gesprochen, die mit Hilfe von Algorithmen Fakten checken wollen.

Merkels Geschwafel, Hundepimmel Diekmann, umgefallener Reissack

1. „Washington Post“ schimpft über „Merkels Geschwafel“
(welt.de)
Die Herausgeber der „Washington Post“ haben scharfe Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkels Haltung im Fall Böhmermann geübt. Das deutsche Gesetz, das ausländischen Staatsführern erlaube, Kritiker in Deutschland zu verklagen, sei anachronistisch und müsse abgeschafft werden. Und: „Merkels Geschwafel ist dazu angetan, Erdogan und andere Regime, die kritische Äußerungen sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer Grenzen unterdrücken wollen – China kommt uns in den Sinn –, zu ermutigen“.

2. TITANIC-Super-Scoop: Das erste Interview mit Böhmermann-Interviewer Kai Diekmann!
(titanic-magazin.de)
Fake vs Fake: Der Titanic ist es gelungen, den Böhmermann-Interviewer Kai Diekmann zu interviewen. „Lieber Hundepimmel, sämtliche deutsche Prominente außer Ex-Papst Benedikt, Affe Charly, die aktuelle Schwiegermutter von Lothar Matthäus und Hans-Dietrich Genscher haben sich bereits zum Fall Böhmermann geäußert. Nun also auch noch Sie – mit einem peinlichen Fake-Interview, das nicht mal „Meedia“ gefällt. Wozu die Scheiße?“

3. ZDF-Stellungnahme gegenüber der Staatsanwaltschaft Mainz
(presseportal.zdf.de)
Das ZDF hat eine Stellungnahme zum Ermittlungsverfahren gegen Jan Böhmermann abgegeben. Man stützt sich dabei auf ein Rechtsgutachten, das zum Ergebnis gekommen sei „dass die in Rede stehende Sequenz einschließlich des so genannten „Schmähgedichts“ rechtlich zulässig war und daher die Grenzen zur Strafbarkeit nicht überschritten worden sind. Die grundgesetzlich garantierte Satirefreiheit umfasse gerade im Zusammenhang mit Angelegenheiten von öffentlichem Interesse auch den Einsatz grober Stilmittel…“ Trotzdem sah sich das ZDF augenscheinlich genötigt, sich vom Gedicht abzugrenzen. Es entspreche nicht den „Qualitätsansprüchen und Regularien des ZDF“.

4. „Eine Kritik aus Deutschland ist für Erdogan Gold wert“
(heise.de, Gerrit Wustmann)
Baris Uygur, Mitgründer des türkischen Satiremagazins „Uykusuz“, im Interview über Erdogan gegen Böhmermann und die Lage der Satire und der Medien in der Türkei. „Außerdem braucht Erdogan Feinde. Er bekämpft die Opposition, die Journalisten, Künstler, Satiriker nicht aus Angst. Es wäre falsch, sehr falsch, das so zu verstehen. Er hat keine Angst. Im Gegenteil. Jede Kritik an seiner Person ist für ihn eine willkommene Gelegenheit, Angst zu verbreiten. Und seine Anhänger glauben ihm. Eine Kritik aus Deutschland ist für ihn Gold wert. Seine Anhänger sind anfällig für Verschwörungstheorien. Wenn er sagt, Deutschland oder die USA würden eine gezielte Kampagne gegen ihn führen, dann verfängt das bei seinem Publikum.“

5. Konzern gerät durch Parteispenden unter Rechtfertigungsdruck
(horizont.net, Ulrike Simon)
Die Funke Mediengruppe (früher „WAZ-Gruppe“) ist das drittgrößte Verlagshaus Deutschlands und einer der größten Regionalzeitungsverlage Europas. Sie verlegt in Deutschland 12 Tageszeitungen, mehr als 170 Publikums- und Fachzeitschriften, über 70 Anzeigenblätter sowie 400 Kundenzeitschriften und besitzt eine Reihe von Großdruckereien. Nun stellt sich heraus, dass die Mediengruppe 15.000 Euro an die CDU überwiesen hat. Dies sei besonders unangenehm für die Journalisten der Zeitungen, von „WAZ“ bis „Hamburger Abendblatt“, von „Berliner Morgenpost“ bis „Braunschweiger Zeitung“. Diese würden nun betonen, trotz der Parteispende ihres Unternehmens parteipolitisch unabhängig arbeiten zu können.

6. +++ EIL +++ In China ist ein Sack Reis umgefallen +++ EIL +++
(udostiehl.wordpress.com, Udo Stiehl, Jost Langheinrich & Steffen Wurzel)
Die Sondersondersendung zum umgefallen Reissack in China. Natürlich mit Live-Schaltung und ARD-Experten!

Bild  

„Die von der ‚Bild‘ sind ja nicht doof — aber eben schlechte Menschen“

Seit fast fünf Jahren verkauft Winfried Buck in seinem Kiosk in Hamburg-Ottensen keine „Bild“-Zeitung mehr. Wir haben ihn besucht.

BILDblog: Auf dem Weg hierher habe ich eine Passantin gefragt, wie ich denn zu dem Kiosk komme, bei dem es keine „Bild“ mehr zu kaufen gibt. Sie sagte: „Sowas gibt’s hier nicht. Ein Kiosk ohne ‚Bild‘ kann ja gar nicht überleben.“ Nagen Sie schon am Hungertuch, Herr Buck?

Nein, mir geht’s prima. Fairerweise muss man aber sagen, dass hier in dieser Gegend die „Bild“ nicht das vorherrschende Medium ist. Hätte ich jetzt einen Laden im Hamburger Hafen oder im Industriegebiet von Duisburg, dann wäre das sicherlich eine andere Geschichte.

BILDblog: Warum haben Sie damals entschieden, die „Bild“-Zeitung zu boykottieren?

Das war eine ganz spontane Idee. Damals kam diese berühmte Ausgabe raus, die mit dem Sarazzin-Thema …

BILDblog: … „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“.

Buck: Genau. Und da waren der Herr Krause [der ein paar Meter weiter eine Bäckerei betreibt, Anm.] und ich dermaßen wütend, dass wir gesagt haben: Jetzt ist Schluss. Wir verkaufen die nicht mehr.

BILDblog: Wie haben die Leute darauf reagiert?

Wir wurden regelrecht überflutet. Viele haben uns gelobt und beglückwünscht, manche haben uns auch gehasst und gefragt, was das soll, und dann kamen der Deutschlandfunk und die „taz“ und andere Medien, das war aber alles gar nicht beabsichtigt. Ich meine, wir haben nur ein Blatt rausgenommen. Das riesige Echo hat uns total überrascht. Dann breitete sich auch im Internet ein tierischer Schwall aus, auch in den rechtsradikalen Foren, sogar mit Drohungen gegen uns. Da kann man auch schon sehen, in welchem Spektrum die Freunde der „Bild“-Zeitung angesiedelt sind.

Ein Kunde kommt rein, legt wortlos die „Süddeutsche“ auf den Tresen, stellt sich in eine Ecke und hört dem Interview zu. Offenbar kommt er öfter hierher.

BILDblog: Das heißt, Sie haben sich auch vorher schon über die „Bild“-Zeitung aufgeregt, nicht nur über die Sarazzin-Geschichte?

Buck: Die „Bild“-Zeitung hab‘ ich immer schon gehasst. Ich hab‘ auch noch nie in meinem Leben eine gekauft. Das war schon in meinem Elternhaus ein No-Go. Aber wenn du so einen Laden hast, verkaufst du halt auch alles, was dazugehört.

Kunde: Musst du auch, Winnie. Auch wenn’s wehtut. Das ist Pluralismus. Geht nicht anders.

BILDblog (zum Kunden): Sie finden es also nicht gut, dass es hier keine „Bild“-Zeitung gibt?

Kunde: Eigentlich kannst du das nicht machen.

Buck: Hmm …

Kunde: Das ist so! Das ist Pluralismus. Was man machen kann: Die Leute, die das Ding kaufen, mal ein bisschen strafend angucken. Aber zu sagen: „Bild“ verkaufe ich nicht, ist eigentlich nicht haltbar im demokratischen Sinne.

Buck: Streng genommen hast du da recht.

BILDblog: Aber es ist auch nicht haltbar im demokratischen Sinne, gegen die Griechen zu hetzen.

Kunde: Ja, aber … es ist schwierig. Wo die Meinungsfreiheit enden darf und kann, ist ja immer auch von Subjektivität getragen.

Buck: Presserechtlich ist es auf jeden Fall interessant. Ich bin zum Beispiel verpflichtet, das, was ich geliefert bekomme, auch anzubieten. Das mache ich natürlich nicht, weil ich so viele Sachen geliefert bekomme, von denen ich weiß, dass ich sie auf keinen Fall verkaufen werde. „Fisch & Wurm“ und „Angel & Watt“ und so, die remittiere ich, das machen auch de facto alle so. Und wenn ich die [rechtsextreme, Anm.] „National-Zeitung“ kriege, schicke ich die auch zurück, obwohl ich sie eigentlich anbieten müsste. Es gibt ja auch Einzelhändler, die sagen: Ich verkaufe keine Produkte von Nestlé. Oder Produkte mit Gen-Food von Monsanto.

Kunde: Es ist schwierig. Ich hab‘ einfach schnell Bauchschmerzen, wenn es darum geht, das Recht der Medien zu kappen. Ich finde aber auch: Wenn man eine Zeitung machen will, muss man sich verdammt im Klaren darüber sein, was für eine Verantwortung man da hat.

Buck: Zwei „Bild“-Ausgaben kriege ich auch immer noch geliefert. Also wenn jetzt jemand unbedingt darauf bestehen würde, sie zu bekommen, dann würde ich sie ihm auch geben. Und es ist ja nicht so, dass es hier keine „Bild“ sonst gäbe. Man muss nur ein paar Meter weiter gehen, zum Griechen, der verkauft sie noch.

Der Kunde muss los, seine Tochter wartet schon, er bezahlt und geht.

BILDblog: Diskutieren Sie häufiger mit Kunden über das Thema?

Buck: Am Anfang war das schon so, ja. Inzwischen wissen die Leute, die hier herkommen, aber meistens schon Bescheid, darum kommen solche Grundsatzdiskussionen nicht mehr so häufig vor. Wobei die allermeisten ohnehin gesagt haben, dass sie die Aktion gut finden.

BILDblog: Haben Sie denn auch Kunden verloren?

Buck: Natürlich. Aber auch viele neue dazugewonnen, die ihre „Zeit“ oder ihr „Abendblatt“ jetzt eben bei mir kaufen. Aber das war wirklich nicht beabsichtigt.

BILDblog: Konnten Sie auch Leute dazu bewegen, die „Bild“-Zeitung nicht mehr zu lesen?

Buck: Es gab, wie ich gehört habe, tatsächlich einige Familiendiskussionen über das Thema. Und mir sind drei Leute bekannt, die gesagt haben: Im Grunde ist das richtig — und sie seitdem nicht mehr lesen. Ich habe auch einen Brief aus Süddeutschland bekommen: Da hat jemand den „taz“-Artikel ausgeschnitten, ist damit zu seinem Kiosk gegangen und hat gesagt: Hier, guck mal, es geht!

BILDblog: Hat er die „Bild“ dann auch rausgenommen?

Buck: So weit ich weiß, nicht.

BILDblog: Kennen Sie denn andere Kioskbetreiber, die keine „Bild“ mehr verkaufen?

Buck: Nein, nur den Kollegen Krause hier aus der Straße.

BILDblog: Was glauben Sie, woran das liegt?

Buck: Mein Eindruck ist, dass es vielen Kioskbetreibern eigentlich völlig egal ist, was sie verkaufen. Die verkaufen auch Biersorten, die ich nie anbieten würde. Das sind Gewinnmaschinen, denen ist das egal.

BILDblog: Wie viele „Bild“-Ausgaben haben Sie vorher pro Tag verkauft?

Buck: 15 bis 20.

BILDblog: Und wie hoch ist da der Gewinn?

Buck: In der Regel 18 bis 20 Prozent.

BILDblog: Also gut 13 Cent pro Ausgabe. Insgesamt drei Euro pro Tag.

Buck: Ja, es hält sich also in Grenzen. Aber wenn du einen Kiosk hast, ist es ja so: Der Kunde kauft nicht nur die „Bild“, sondern nimmt auch eine Schachtel Zigaretten mit oder den „Stern“ oder was auch immer.

BILDblog: Ihnen geht also schon Geld durch die Lappen.

Buck: Im ersten Schritt, ja. Aber jeder Kioskbetreiber verkauft natürlich lieber eine „Zeit“ für 4,50 als eine „Morgenpost“ für 80 Cent. Ich kann 12 „Mopos“ verkaufen oder einmal die „brand eins“ oder den „Cicero“, und da verkauft man natürlich lieber das höherwertige Produkt.

BILDblog: Was sagt eigentlich der Grossist, der Sie mit Zeitungen beliefert?

Buck: Erstmal war natürlich großer Aufruhr. Der Grossist hier in Hamburg gehört ja zum Axel-Springer-Verlag, der dachte sich bestimmt: Was macht der Irre aus Ottensen denn jetzt schon wieder?

BILDblog: Hatten Sie ihm denn vorher Bescheid gesagt?

Buck: Nö, der hat das auch erst aus der Presse erfahren. Er meinte zwar, dass das so nicht geht, aber er wollte es vermutlich nicht an die große Glocke hängen, und jetzt ist es halt so. Ich hab‘ aber auch nicht damit gerechnet, dass der Springer-Verlag irgendwas gegen uns macht. Das kann ja nur peinlich für so einen Konzern werden, wenn er sich einen 15-Quadratmeter-Kiosk vorknöpft.

BILDblog: Andere Zeitungen von Springer verkaufen Sie aber weiterhin.

Buck: Ja. Das wird von den Leuten auch häufiger mal angesprochen. Die sagen: Wenn du konsequent wärst, dürftest du die „Mopo“ auch nicht mehr verkaufen. Ich sehe das nicht so. Die „Mopo“ ist auch ein Boulevardblatt, aber der Unterschied zur „Bild“ ist, dass die „Bild“ definitiv eine politische Agenda hat. Das ist für mich der entscheidende Punkt. Ich verkaufe auch die „Bild der Frau“ oder die „Auto Bild“. Springer stellt ja auch vernünftige Zeitungen her. Das Entscheidende ist, dass die „Bild“-Zeitung diese widerliche politische Agenda hat. Und für dieses Ansinnen ist die schon verdammt gut gemacht: Die Anordnung, wie Themen zusammengebracht werden, wie Dinge immer wiederholt werden, wie Meinungshoheit geschaffen wird, wie Themen überhaupt erst angerührt werden, das machen die schon sehr gut. Die sind nicht doof. Aber eben schlecht. Das sind schlechte Menschen.

Ein älterer Herr steht schon länger im Laden und verfolgt kaffeetrinkend das Interview.

Buck (zeigt auf den Kunden): Der Herr da drüben war übrigens dabei, als alles losging. (Zum Kunden:) Du hast doch damals sogar noch eine „Bild“-Zeitung gekauft und zerknüllt draußen hingelegt.

Kunde (grinst): Echt? Zerknüllt? Pfui, war ich damals radikal! Gut, dass ich inzwischen die Altersmilde erworben habe.

Buck: Das Problem an der „Bild“-Zeitung ist auch, dass sie permanent spaltet. Mal sind es Rentner gegen Beamte, dann Beamte gegen Selbstständige, dann Selbstständige gegen Griechen … und immer wieder: Islam. Islam. Islam. Wie Hagen Rether schon im Kabarett sagt: Das Wort muss man immer nur wiederholen, dann spürt man schon, wie die Angst den Rücken hochgekrochen kommt: Islam. Islam. Islam. Die spalten halt immer — unter dem Deckmäntelchen der Meinungsfreiheit.

Kunde: Sie benutzen das größte Machtmittel: Angst.

Buck: Genau. Verlustangst, Rentenangst …

Kunde: Das haben schon alte Philosophen gesagt: Beherrsche die Angst eines Volkes, und du hast es in der Hand.

Buck: … Krebsangst, Arbeitsplatzangst, Griechenangst, Islamangst …

Kunde: Die Angstkette darf nicht abreißen.

BILDblog: Und wie lange wollen Sie mit Ihrem Boykott noch dagegensteuern?

Buck: Bis zum Schluss. Solange ich hier drin bin, wird es keine „Bild“-Zeitung geben.

Im Zweifel gegen den Griechen

Wenige Tage vor der Wahl in Griechenland hat Yanis Varoufakis, inzwischen neuer griechischer Finanzminister, der französischen Zeitung „La Tribune“ ein Interview gegeben. Deutsche Medien nahmen zunächst kaum Notiz davon, seit der Wahl aber wird es plötzlich überall zitiert, oder vielmehr: ein bestimmter Satz daraus.


(Welt.de)


(T-Online.de)


(„Huffington Post“)

Auch von „Spiegel Online“ wird diese Aussage zitiert, genau wie von FAZ.net, Bild.de, n-tv.de, „Focus Online“, der „Berliner Morgenpost“, dem „Hamburger Abendblatt“, in der Folge auch von einigen Politikern und vielen, vielen empörten deutschen Steuerzahlern in den Kommentarspalten dieses Landes.

Eine Drohung sei dieser Satz, findet FAZ.net, für Bild.de klingt er gar „wie eine Erpressung“, und auch die anderen sehen darin einen eindeutigen Beleg für die Raffgier und Dreistigkeit der neuen griechischen Regierung, die sich auf unsere Kosten aus der Misere gaunern will, die will, dass Deutschland ewig weiterzahlt und das jetzt sogar „ganz unverhohlen“ („T-Online“) und „mit entwaffnender Offenheit“ (Welt.de) zugibt.

Und so ganz abwegig ist diese Interpretation ja tatsächlich nicht, zumindest, wenn man nur diesen einen Satz kennt. Schaut man sich aber mal den Kontext an, aus dem das Zitat gerissen wurde, ergibt sich ein völlig anderes Bild.

In der englischen Version des Interviews lautet die Passage wie folgt:

And the last pillar of Syriza program?

This will finally address the humanitarian crisis in Greece. But again, I think we should reflect on the European level. In the US, food stamps helped out of poverty hundreds of thousands of households. Why not use the benefits of the Eurosystem, the network of central banks of the euro area, to finance such good in Europe? This would create the political strength in Europe, people could actually see the benefits of membership in the euro area.

However, it was felt that such proposals inevitably likely to face a refusal, particularly German, since, in Berlin, we do not want a union of transfers …

I beg to differ. Whatever Germany does or says, it pays anyway. And in 2010, I felt that we had not, we Greeks, the moral right to accept money from German taxpayers, to pay our creditors. In reality, this money goes into a black hole, and we ask them is that they spend their money more wisely. Why ask Greece to borrow money from German taxpayers to repay the ECB? Because Jean-Claude Trichet, the worst central banker in history, has decided once? Let us be able that the EIB do the work for which it was created.

Was Varoufakis also eigentlich meint, ist: „Schlimmerweise stopfen die Deutschen immer weiter Geld in ein Schwarzes Loch, egal, was sie sagen“. Oder anders: „Die machen immer weiter mit dem Blödsinn, obwohl es nicht funktioniert und auch nie funktionieren wird.“

Das passt dann — im Gegensatz zur Interpretation der deutschen Medien — auch zu der Linie, die er schon seit Jahren vertritt. Er hält das Hilfsprogramm nämlich seit Beginn an für falsch, schon 2011 schrieb er in einem Gastbeitrag für „Zeit Online“, es sei eine „Medizin, die sich als schlimmer als die eigentliche Krankheit herausgestellt hat“. Auch gegenüber der BBC sagte er kürzlich, statt weiteres Geld – auch der deutschen Steuerzahler – in einem Schwarzen Loch zu versenken, sollte lieber über eine Neuordnung der alten Schulden verhandelt werden. Und: Das Problem sei nicht, dass die Deutschen zu wenig gezahlt hätten, sondern viel zu viel.

(Nur) so macht auch sein Tweet von letzter Woche Sinn:

Dass die deutschen Journalisten allesamt das genaue Gegenteil behaupten, lässt im Grunde nur drei Schlüsse zu: Entweder haben sie das Interview zufälligerweise allesamt gleich falsch verstanden. Oder sie haben es bewusst sinnentstellt wiedergegeben. Oder es überhaupt nicht gelesen.

Mit Dank an Simon K. und Michalis P.!

Nachtrag, 13.45 Uhr: „Zeit Online“ hat den Finanzminister in einem heute veröffentlichten Interview auf das Zitat angesprochen:

ZEIT ONLINE: Wenn die griechische Wirtschaft nicht wächst, müssten die Gläubiger also auf Zinsen verzichten. In deutschen Zeitungen wurden sie schon mit der Aussage zitiert: Egal was passiert, Deutschland wird ohnehin zahlen.

Varoufakis: Das Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen. Ich habe nicht gesagt: Die Deutschen zahlen und das ist gut so. Ich habe gesagt, sie haben schon viel zu viel gezahlt. Und sie werden noch mehr zahlen, wenn wir das Schuldenproblem nicht lösen. Nur dann können wir das Geld überhaupt zurückerstatten, das man uns geliehen hat.

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, dass Sie absichtlich falsch verstanden werden?

Varoufakis: Ich hoffe, es handelt sich nur um ein Missverständnis.

Gefährlicher Journalismus

Journalisten sollten den Werther-Effekt kennen. Jene Tatsache also, dass sich mehr Menschen das Leben nehmen, wenn zuvor ausführlich über einen Suizid berichtet wurde. Dieser Effekt ist schon in vielen Untersuchungen bestätigt worden: Je länger und prominenter über einen Suizid berichtet wurde, desto größer war der folgende Anstieg der Selbstmordrate.

Darum fordern viele Institutionen — darunter der Deutsche Presserat, die Weltgesundheitsorganisation und die Deutsche Depressionshilfe –, dass Medien zurückhaltend über Suizide berichten sollen. Insbesondere dann, wenn es sich um einen Prominenten handelt.

Journalisten wissen also, dass sie eine große Verantwortung tragen, wenn sie über solche Fälle berichten. Dass sie ganz genau abwägen sollten, was und wie sie berichten — weil sie im schlimmsten Fall dazu beitragen könnten, dass sich Menschen das Leben nehmen.

Doch vielen scheint das egal zu sein.

Nach dem Tod von Robert Enke hatten etliche Medien tagelang ohne jede Rücksicht über dessen Suizid berichtet. Die Zahl der Selbsttötungen stieg daraufhin massiv an. „In Anbetracht früherer Befunde zum Werther-Effekt scheint sich dieser Zusammenhang ohne Einfluss der Medienberichterstattung kaum zu erklären“, schrieben Kommunikationswissenschaftler der Uni Mainz später in einer Analyse der Enke-Berichterstattung. Auch sie kamen zu dem Ergebnis, dass sich in der Berichterstattung über Selbstmorde einiges ändern muss, um Nachahmungstaten zu verhindern.

Nur leider ist das vielen Journalisten immer noch egal.

Gestern wurde bekannt, dass sich der Schauspieler Robin Williams das Leben genommen hat.

Genügt das nicht schon an Informationen? Ist es für das Verständnis dieses Ereignisses wirklich erforderlich zu erfahren, wo, wie und womit er sich umgebracht hat, was er dabei anhatte, wie er aufgefunden wurde? Reicht es nicht, wenn die Leser erfahren, dass es ein Suizid war?

Offenbar nicht:




Viele Überschriften wollen wir gar nicht zitieren, weil sie einzig aus der Beschreibung der Suizidmethode bestehen. Und es sind nicht nur die Boulevardmedien, die ausführlich auf die „traurigen Details seiner letzten Minuten“ eingehen. Beschrieben werden die Begleitumstände unter anderem bei den Agenturen AFP und AP, in der „Berliner Morgenpost“, im „Südkurier“, im „Express“, bei „RP Online“, „Focus Online“ und der „Huffington Post“, auf den Internetseiten der „Tagesschau“, der „Welt“, der „FAZ“, der „Deutschen Welle“, der „tz“, des „Hamburger Abendblatts“, der „Mopo“, der „Gala“, der „Bunten“, der „inTouch“, von N24, RTL, der österreichischen „Krone“, dem Schweizer „Blick“ und vielen, vielen mehr.

Aber es gibt zum Glück auch positive Entwicklungen. Ein paar Medien halten sich tatsächlich zurück, etwa die dpa, die nicht auf die Begleitumstände von Williams‘ Tod eingegangen ist. Eine bewusste Entscheidung, wie uns dpa-Sprecher Christian Röwekamp auf Anfrage mitteilte. Es habe „intensive Gespräche“ gebeben, auch mit den Kollegen in den USA, woraufhin die Agentur beschlossen habe, „eine sehr zurückhaltende Linie zu fahren“.

Und die „Bild“-Zeitung nennt unter ihrem heutigen Artikel immerhin die Nummer der Telefon-Seelsorge. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass ihr wirklich etwas daran liegt, die Zahl der Nachahmer gering zu halten — ein paar Zeilen weiter oben beschreibt auch sie ganz ausführlich, wo und wie sich Williams das Leben genommen hat.

Die wahre traurige Geschichte hinter Cristiano Ronaldos neuer Frisur

Inzwischen ist es ja normal, dass deutsche Journalisten total am Rad drehen, sobald irgendein Fußballer (oder Trainer) irgendwas mit seinen Haaren anstellt. Diesmal ist es aber besonders extrem. Nicht nur, weil es um Superstar Cristiano Ronaldo geht, der beim letzten WM-Spiel mit einem ins Haupthaar einrasierten Zickzack-Muster auflief, sondern weil sich hinter dieser Frisur eine „ergreifende“ bzw. „rührende“ bzw. „traurige“ bzw. „dramatische“ Geschichte verbirgt.

Im März wurde nämlich bekannt, dass Ronaldo eine Familie finanziell unterstützen will, deren kleiner Sohn Erik an einer Hirnerkrankung leidet und eine teure Operation benötigt.

Was das mit der Frisur zu tun hat? Nun, der „Blitz“ sei in Wirklichkeit kein Blitz, schreiben die Medien, sondern er zeichne die OP-Narbe des kleinen Jungen nach, der Ende letzter Woche operiert worden sei. Ein Zeichen der Verbundenheit also. Hach!

Erzählt wurde diese ergreifende Geschichte bislang unter anderem von „RP Online“, „Focus Online“, Stern.de, Bild.de, DerWesten.de, Blick.ch, HNA.de, Heute.at, dem „Sport-Informations-Dienst“ (auf dem einige der anderen Artikel beruhen), den Online-Auftritten von „Handelsblatt“, NDR, „Weser Kurier“, „Bunte“, „intouch“, „Sportbild“, „Berliner Zeitung“, „Augsburger Allgemeine“, „tz“, „Hamburger Abendblatt“, „Münchner Abendzeitung“, „Mopo“, N24, „Berliner Morgenpost“, außerdem vom „Express“, der „Süddeutschen Zeitung“, der „Nürnberger Zeitung“, der „FAZ“, der „Welt“ und vielen mehr.

Eine Quelle geben viele Medien dabei allerdings nicht an. Und das ist der Haken an der Sache.

Wahrscheinlich beruht die Geschichte ursprünglich auf diesem Tweet:


Sieht zwar recht seriös aus, ist aber, wie sich nach anderthalbsekündiger Recherche zeigt, ein Fake-Account („Not affifilated with the FIFA World Cup“). Und der wiederum hat die Story offenbar von diesem hier:

Auch hier hält sich die Seriosität eher in Grenzen. Andere Tweets des Nutzers lauten zum Beispiel:

Oder:

Davon abgesehen leidet der kleine Junge nicht, wie in den Tweets (und in ihren zahlreichen Varianten) behauptet wird, an einem Tumor, sondern an kortikaler Dysplasie. Einen Beleg dafür, dass Ronaldos Frisur irgendwas mit der OP-Geschichte zu tun hat, liefern die Tweets ohnehin nicht. Spätestens hier hätten die Journalisten — so sie denn recherchiert hätten — also stutzig werden müssen. Und allerspätestens am Montagabend. Da schrieb die Mutter des kleinen Jungen auf ihrer Facebookseite nämlich:

Ich habe gesehen, dass in den sozialen Netzwerken das Gerücht verbreitet wird, Cristiano Ronaldo hätte sich einen Haarschnitt zu Ehren von Eriks Operation machen lassen, aber ich möchte klarstellen, dass das nicht der Fall ist. Mein Sohn wurde noch gar nicht operiert. Cristiano Ronaldo hat zugesagt, einen Teil der Kosten für die Operation zu übernehmen, wenn mein Sohn sich dieser unterziehen muss, aber dieser Tag ist zum Glück noch nicht gekommen.

(Übersetzung von uns.)

Inzwischen sind auch einige Medien wieder halbwegs zurückgerudert. „Bild“ und „Sportbild“ beispielsweise haben ihre Artikel um den Hinweis ergänzt, dass es keine offizielle Bestätigung für die Frisurengeschichte gebe. Das „Handelsblatt“ hat den Online-Artikel kurzerhand gelöscht. Und Stern.de hat zwar die Sache mit der Operation korrigiert („Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass Erik Ortiz Cruz bereits operiert worden sei. Das ist nicht der Fall“), findet aber immer noch, dass die Frisur einen tieferen Sinn habe:

Ronaldo wollte nicht symbolisieren, dass er (blitz-)schnell ist. Die einrasierte Stelle steht für eine Narbe am Kopf. Und damit für eine bewegende Botschaft: Der einjährige Erik Ortiz Cruz leidet an einer schweren Hirnerkrankung, er muss operiert werden, auch sein Kopf wird einmal über eine solche Narbe verfügen.

Offenbar findet Stern.de die Geschichte dann doch zu schön, um sie ganz aufzugeben.

Mit Dank an Claudia und pre.

Übers Ziel hinaus

Der südafrikanische Leichtathlet Oscar Pistorius ist heute festgenommen worden, weil er im Verdacht steht, seine Lebensgefährtin getötet zu haben.

So berichteten deutsche Online-Medien heute Mittag darüber:

Bild.de:
Paralympics-Sieger Oscar Pistorius - MORDANKLAGE! Hat er seine Freundin wirklich AUS VERSEHEN erschossen?

„Spiegel Online“:
Mordanklage gegen Pistorius: Todesschüsse um vier Uhr nachts

Tagesschau.de:
Freundin erschossen aufgefunden - Mordanklage gegen Paralympics-Star Pistorius

Heute.de:
Freundin erschossen - Pistorius unter Mordanklage

„Die Welt“:
Paralympics-Star Pistorius wegen Mordes angeklagt

„RP Online“:
Paralympics-Star unter Mordanklage - Der Fall Oscar Pistorius ist ein Rätsel

„Hamburger Abendblatt“:
Freundin getötet: Pistorius unter Mordanklage

Bunte.de:
Oscar Pistorius - Steht unter Mordanklage

„Berliner Morgenpost“:
Mordanklage gegen Sprint-Star Pistorius

Auch viele andere Medien berichteten, jetzt stehe „der ‚Blade Runner‘ unter Mordanklage“ (mopo.de) oder „die Polizei“ (!) habe „Anklage erhoben“ (stern.de). Doch wie man es auch dreht: Es stimmt einfach nicht, dass der Mann unter „Mordanklage“ steht. Bisher besteht lediglich ein Verdacht. Das ist im Strafrecht ein gewaltiger Unterschied — nicht nur in Deutschland, auch in Südafrika.

Ein deutschsprachiger Anwalt aus Pretoria hat uns auf Anfrage geschrieben:

Die endgültige Anklage wird erst viel später formuliert. Zur Zeit geht es lediglich darum, dass die Polizei eine Mordanklage untersucht. Ob es für Mord Beweise geben wird bleibt abzuwarten (…).

(…) Zur Zeit geht es lediglich um die Frage ob Pistorius auf Kaution freigelassen wird. Bis es zur Verhandlung kommt werden mindestens sechs Monate, wahrscheinlich aber über ein Jahr vergehen.

Immerhin ruderten einige Medien im Laufe des Nachmittags zurück und korrigierten sich (heimlich). „Spiegel Online“ etwa hat in der Überschrift die „Mordanklage“ durch „Mordverdacht“ ersetzt und schreibt:

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Leichtathlet erst am Freitag einem Haftrichter in Pretoria vorgeführt worden. Dieser muss dann entscheiden, ob Mordanklage erhoben wird und ob Pistorius gegen Zahlung einer Kaution auf freien Fuß gesetzt werden kann. Zunächst hatten Nachrichtenagenturen gemeldet, es sei bereits Mordanklage gegen Pistorius erhoben worden.

Stutzig gemacht haben diese Agenturmeldungen aber offenbar niemanden.

Mit Dank an Martin.

Nachtrag, 18.01 Uhr: Bild.de hat die Anklage jetzt ganz übersprungen und aus dem Verdacht schon mal Gewissheit gemacht:Paralympics-Sieger Pistorius erschießt seine Freundin

Sie war die strahlende Frau an der Seite des Sprint-Stars Oscar Pistorius (26). Jetzt ist sie tot!

Der Sportler erschoss seine Freundin letzte Nacht in Südafrika.

Nachtrag, 16. Februar: Dass Bild.de schreibt, Pistorius habe seine Freundin erschossen, ist natürlich nicht mit einer Vorverurteilung im Sinne von „hat seine Freundin ermordet“ gleichzusetzen. Dieser Eindruck ist im ersten Nachtrag vielleicht entstanden. Wir wollten lediglich darauf hinweisen, dass Bild.de die — gewiss sehr wahrscheinliche, aber eben nicht zweifelsfrei erwiesene — Vermutung bereits kurz nach der Festnahme als Tatsache dargestellt hat. Vielleicht sind wir, was den Umgang mit Tatverdächtigen angeht, ein bisschen empfindlich geworden.

Vision, Ihr Luschen!

Zugegeben: Das mit Europa, das ist unübersichtlich. Es gibt die Europäische Union (EU), die auf die Europäischen Gemeinschaften (nicht zu verwechseln mit der Europäischen Gemeinschaft) zurückgeht, den Europarat (nicht zu verwechseln mit dem Europäischen Rat oder dem Rat der Europäischen Union), den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (nicht zu verwechseln mit dem Europäischen Gerichtshof der Europäischen Union, obwohl genau das immer wieder geschieht), das Europäische Parlament und die Europäische Kommission, die wiederum Teil der EU sind, außerdem die Europäische Rundfunkunion, die UEFA und die Band Europe. Da kann man schon mal durcheinander kommen.

Soweit wir selbst vor rund anderthalb Jahren, als es mal wieder darum ging, dass nicht alles, wo „Europa“ drauf steht, auch gleichzeitig mit der Europäischen Union (EU) zu tun hat. Diesmal wird es noch komplizierter, denn nicht auf allem, was im weiteren Sinne mit Europa zu tun hat, steht auch „Europa“ drauf.

Die oben bereits eingeführte Europäische Rundfunkunion (EBU) richtet seit 1956 alljährlich eine Veranstaltung aus, die seit 1992 offiziell „Eurovision Song Contest“ heißt und am vergangenen Samstag im aserbaidschanischen Baku stattfand. Auch in den Jahren davor trug sie schon oft diesen Titel, auch wenn sie im Volksmund immer noch als „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ oder schlicht „Schlager-Grand-Prix“ bekannt ist. Nie, hingegen, hieß sie „European Song Contest“ — was auch ziemlicher Quatsch wäre, da zu den EBU-Mitgliedern auch Staaten in Nordafrika und Vorderasien gehören.

Auftritt deutsche Medien:

„Express“, 15. Mai:

In Baku (Aserbaidschan) gab es bei einer Demo von Regierungsgegnern gegen Zwangsenteignungen Verletzte und 10 Festnahmen. In Baku sind seit 2009 4000 Gebäude abgerissen worden. In der Stadt findet am 26. Mai der European Song Contest statt.

„Hamburger Abendblatt“, 16. Mai:

Ob die gefühlvolle Ballade „Standing Still“ des deutschen Teilnehmers Roman Lob, 21, ankommt, wird vom Umfeld abhängen. Das Lied, das der englische Ausnahmekünstler Jamie Cullum komponierte, hat unbestritten internationales Pop-Potenzial, so wie der Song „Euphoria“ der Schwedin Loreen, die bei den englischen Buchmachern als Favoritin geführt wird – beim European Song Contest 2012, diesmal eben aus Absurdistan.

tagesspiegel.de, 16. Mai:

Aserbaidschan: Vor dem European Song Contest in Baku

„Rheinische Post“, 19. Mai:

Bei der Vorbereitung für den European Song Contest in Aserbaidschan war das Know-how von Gardemann-Arbeitsbühnen gefragt. In Alpen sitzen die Fachberater für Auslandseinsätze.

„Welt am Sonntag“, 20. Mai:

Welt am Sonntag: Herr Schreiber, Herr Urban, haben Sie die Gewinner des vergangenen European Song Contest in Düsseldorf noch in Erinnerung?

(In dem Interview mit ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber und dem ESC-Kommentator der ARD, Peter Urban, wird den beiden ESC-erfahrenen Gesprächspartnern mehrfach die Formulierung „European Song Contest“ in den Mund gelegt.)

„Nürnberger Zeitung“, 21. Mai:

Schon vor dem Halbfinale des European Song Contest hat sich die NZ die wichtigsten Beiträge im Internet angesehen.

AFP, 24. Mai:

Baku:
– Zweites Halbfinale beim European Song Contest (21.00 Uhr)

Reuters, 24. Mai ff:

NEU-ULM/ULM – Aktionen von Amnesty International in NEU-ULM (10:40) unter dem Motto „0 Points für Menschenrechte in Aserbaidschan“ anlässlich des European Song Contest und in ULM (11:30) unter dem Motto „Hände hoch für Waffenkontrolle – Für einen starken ‚Arms Trade Treaty'“

„Handelsblatt“, 25. Mai:

In Aserbaidschans Hauptstadt Baku findet morgen das Finale des European Song Contest (ESC) statt.

n-tv.de, 25. Mai:

Oslo oder Düsseldorf mögen sich für den European Song Contest mächtig ins Zeug gelegt haben – gegen das, was in Baku aufgefahren wird, waren das allenfalls Sandkastenspiele.

„Westfälische Nachrichten“, 25. Mai:

Peter von Wienhardt ist Pianist und Komponist – aber der Professor an der Musikhochschule Münster hat auch ein gutes Gespür für die Chancen der Kandidaten beim European Song-Contest.

br.de, 25. Mai:

In Baku, der Haupstadt von Aserbaidschan, findet in diesem Jahr der European Song Contest statt. Die Opposition des Landes nutzt die Chance, um die Stimme gegen das autoritäre Regime zu erheben.

Auch an diesem Samstag werden wieder Millionen Fans des European Song Contests (ESC) vor den Fernsehern sitzen, um sich mehr oder weniger gelungene Lieder und deren Interpreten anzuschauen. Mit Spannung verfolgen die Menschen die Entscheidung, wer das Finale gewinnt.

„Spiegel Online“/“Perlentaucher“, 25. Mai:

In einem Pro und Contra widmen sich Jan Feddersen und Stefan Niggemeier der Frage, wie deutsche Journalisten vom European Song Contest aus Aserbaidschan berichten sollen und ob es Heuchelei wäre, wenn sie über dortige Menschenrechtsverletzungen schreiben.

(Im verlinkten Artikel auf taz.de schreiben Feddersen und Niggemeier nur vom „Eurovision Song Contest“.)

„Spiegel Online“/“Perlentaucher“, 26. Mai:

So langsam scheint es, als müsse man den European Song Contest ernst nehmen, staunt Wolfgang Michal auf Carta.

(Im verlinkten Artikel auf carta.info schreibt Wolfgang Michal auch nur vom „Eurovision Song Contest“.)

„Mannheimer Morgen“, 26. Mai:

Mehr als 100 Millionen Zuschauer werden heute Abend vor dem Fernseher sitzen, wenn der European Song Contest ins Finale geht.

„Berliner Morgenpost“, 26. Mai:

Die Berichterstattung in den deutschen Medien zur Lage Aserbaidschans kritisiert der PR-Berater. Viele Journalisten würden nicht fair und objektiv recherchieren. Beispielsweise bei den Umsiedlungen der Menschen, die dem Bau der neuen Konzerthalle für den European Song Contest weichen mussten.

dapd, 27. Mai:

Hamburg (dapd). NDR-Intendant Lutz Marmor hat Anke Engelke für ihre kritischen Äußerungen beim Finale des European Song Contest gelobt. „Ein besonderes Kompliment hat sich Anke Engelke verdient“, erklärte Marmor am Sonntag. „Bei der Punktevergabe live von der Grand-Prix-Party in Hamburg hat sie genau den richtigen Ton getroffen. Danke, Anke!“

(In seiner Pressemitteilung hatte der NDR selbstverständlich „Eurovision“ geschrieben.)

neuepresse.de, 27. Mai:

ESC: Schweden gewinnt European Song Contest in Baku

„Euphoria“ in Baku: Zum fünften Mal gewinnt Schweden den Eurovision Song Contest. Die Sängerin Loreen ist die Siegerin des wohl politisch brisantesten Grand Prix der Fernsehgeschichte.

dapd, 27. Mai:

Spektakulärer Auftritt von Anke Engelke beim European Song Contest (ESC): Bei der Verlesung der deutschen Punktwertung für die anderen ESC-Teilnehmer kritisierte sie von der Hamburger Reeperbahn aus vor einem 100-Millionen-Publikum die Regierung des ESC-Gastgeberlandes Aserbaidschan. (…)

Nach dem ESC-Erfolg von Sängerin Loreen darf Schweden den Eurovision Song Contest 2013 ausrichten.

„Berliner Morgenpost“, 27. Mai:

Der 57. European Song Contest bietet Unterhaltung und manche Überraschung

dapd, 29. Mai:

Die 28-Jährige ist laut eigener Aussage noch zu haben. „Ich bin Single, leider auch sehr schüchtern.“ Loreen gewann am Samstag beim European Song Contest in Baku mit dem Lied „Euphoria“.

„Spiegel Online“/“Perlentaucher“, 29. Mai:

Und: Gerrit Bartels stellten sich beim European Song Contest die Nackenhaare auf: „So viel unfassbare schlechte Musik, die da über drei Stunden zu hören war!“

(Auch hier gilt natürlich: Gerrit Bartels schreibt im verlinkten Artikel auf tagesspiegel.de nur vom „Eurovision Song Contest“.)

dpa, 30. Mai:

Aserbaidschan: Anschläge vor European Song Contest verhindert

Baku/Moskau (dpa) – Aserbaidschanische Sicherheitskräfte haben nach eigenen Angaben vor dem Finale des Eurovision Song Contest (ESC) in der vergangenen Woche mehrere Terroranschläge verhindert.

n-tv.de, 31. Mai:

Jetzt, wo der European Song Contest vorbei ist – haben Sie Angst, dass die Regierung sich rächen wird für all die Kritik, die Sie veröffentlicht haben, und für all die Proteste, die Sie und andere organisiert haben?

Blättern:  1 ... 7 8 9 10 11