Archiv für Mai, 2026

Mal wieder ein X-Exodus, Digitalabgabe, Nachrichtenmüde

1. SPD, Grüne und Linke verlassen X
(tagesschau.de)
SPD, Grüne und Linke hätten angekündigt, ihre Aktivitäten auf X (vormals Twitter) in einer gemeinsamen Aktion zu beenden, weil die Plattform aus ihrer Sicht zunehmend von Chaos und Desinformation geprägt sei. Betroffen seien sowohl Partei- und Fraktionsaccounts als auch viele Profile führender Politikerinnen und Politiker. Die Konten sollen zunächst stillgelegt, aber nicht gelöscht werden. Auf Bluesky kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Liebe SPD, Grüne und Linke: Ihr habt Euch Zeit gelassen, X zu verlassen. Zu viel Zeit, sagen manche und sie haben nicht ganz unrecht. Aber ihr habt Euch entschieden, immerhin. Ein kleiner Trost, falls es schmerzt: Ihr habt nichts verloren. Ihr habt nur aufgehört, so zu tun, als wär’s noch was wert.”

2. Kulturstaatsminister Weimer will Digitalabgabe auf den Weg bringen
(zeit.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wolle noch vor der Sommerpause eine Digitalabgabe für große Internetplattformen wie Google, Meta oder TikTok voranbringen. Die Einnahmen sollen, anders als in Österreich, gezielt der Medienförderung dienen und vor allem den wirtschaftlich unter Druck geratenen klassischen Journalismus stärken. Weimer begründe diesen Schritt damit, dass Werbegelder und Aufmerksamkeit zunehmend zu den großen Plattformen abwandern würden. Dadurch seien besonders Lokal- und Regionalmedien gefährdet.

3. Soziale Medien ersetzen Lokalzeitungen – die zunehmend sterben
(handelsblatt.com)
In den vergangenen zwei Jahrzehnten seien in den USA fast 40 Prozent aller lokalen Zeitungen verschwunden. In vielen Gemeinden bleibe nur noch eine einzige klassische Nachrichtenquelle übrig, rund 50 Millionen Menschen hätten nur noch eingeschränkten oder gar keinen Zugang zu verlässlichen lokalen Nachrichten. Diese Entwicklung führe zu sogenannten “news deserts”, also Nachrichtenwüsten, die vor allem die demokratische Kontrolle vor Ort schwächen würden.

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4. Wie Medien nach Lösungen gegen die Nachrichtenmüdigkeit suchen
(horizont.net)
Immer mehr Menschen würden Nachrichten zumindest zeitweise bewusst meiden. Gründe seien vor allem die psychische Belastung durch negative Themen, die ständige Verfügbarkeit von Nachrichten und bei Jüngeren oft auch das Gefühl, dass viele Meldungen für das eigene Leben wenig relevant seien. Expertinnen und Experten würden warnen, dass diese Nachrichtenmüdigkeit problematisch für Öffentlichkeit und Demokratie werden könne. Als Gegenstrategie käme unter anderem ein stärkerer Lokaljournalismus in Frage.

5. Meta-Prozess in den USA: Was sich für soziale Medien ändern könnte
(euronews.com, Theo Farrant)
Ein Prozess im US-Bundesstaat New Mexico gegen den Social-Media-Konzern Meta könnte weitreichende Folgen für Soziale Netzwerke haben. Eine Jury habe Meta bereits schuldig gesprochen und hohe Strafzahlungen verhängt, weil das Unternehmen Kinder mit seinen Plattformen und Geschäftspraktiken unzureichend schütze. In der nun laufenden zweiten Phase gehe es um die Frage, ob Meta zu grundlegenden Änderungen gezwungen werden kann.

6. News-Charts: Traue keiner Statistik, die nicht viral ging
(dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pychas April-Auswertung der TikTok-News-Charts zeigt, welche Publisher mit einzelnen Themen besonders viel Reichweite erzielt haben. Auffällig sei, dass “Nius” trotz früherer Sperren mit einem neuen Account auf TikTok zurück sei, bislang aber noch ohne ganz großen Durchbruch. Gleichzeitig werde am Beispiel von “BR24” deutlich, dass die Videoplattform Medien für eigene Effekte und Filter inzwischen mit sichtbaren Statussymbolen und Bonusfunktionen belohne. Inhaltlich erfolgreich seien im April vor allem Videos zu Gewalt, Unfällen, Blaulichtlagen, Krisen und stark emotionalisierenden Nachrichtenmomenten gewesen.

Weimers Klatsche, Mit KI zum K.o.?, Nachrichtenwert Nacktheit

1. Gericht untersagt Weimers Äußerung zu Berliner Buchladen
(sueddeutsche.de, Jörg Häntzschel)
Das Verwaltungsgericht Berlin habe Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Eilverfahren untersagt, die Betreiberinnen des Berliner “Buchladens zur schwankenden Weltkugel” als “politische Extremisten” zu bezeichnen. Das Gericht sehe dafür keine belastbare Tatsachengrundlage und werte Weimers Äußerung als Verletzung des Persönlichkeitsrechts der Buchhändlerinnen. Hintergrund ist der Streit um den Deutschen Buchhandlungspreis, von dessen Preisträgerliste Weimer drei Buchläden hatte streichen lassen, darunter auch die Berliner Buchhandlung.

2. Führt die KI zum K.o. der Pressefreiheit?
(taz.de, Andre Wolf)
Andre Wolf argumentiert in seinem Essay, dass Künstliche Intelligenz nicht direkt die Pressefreiheit abschaffe, aber die Bedingungen verändere, unter denen Öffentlichkeit, Information und Journalismus funktionieren. Vor allem Algorithmen und KI-Systeme könnten Inhalte filtern und emotional aufladen. Eine mögliche Folge sei, dass sich dadurch die Wahrnehmung von Realität verschiebe. Für den Journalismus sei KI deshalb zugleich Werkzeug und Risiko.
Weiterer Lesetipp: Tamedia: Die KI löscht Leserkommentare: “Leser von Tamedia-Zeitungen wundern sich, dass ihre Kommentare einfach so gelöscht werden. Jetzt ist klar: KI steckt dahinter.” (infosperber.de, Marco Diener)

3. Nachrichtenwert Nacktheit: 500 Artikel zeigen die systematische Sexualisierung im Boulevard
(kobuk.at, Isis Lauermann)
Eine Analyse von über 500 Artikeln auf Krone.at, Heute.at und oe24.at zeige, dass Boulevardmedien Frauen sehr häufig sexualisieren und auf ihr Aussehen reduzieren würden. Berichtet werde vor allem über Nacktheit und Kleidung, angebliche “Pannen” und Körperformen. Männer kämen in dieser Berichterstattung zwar auch vor, aber deutlich seltener. Isis Lauermann sieht darin ein strukturelles Problem, das sexistische Rollenbilder und unrealistische Schönheitsideale verstärke.

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4. “Ich bin im Herzen schüchtern”
(journalist.de, Jan Freitag)
Im Interview erzählt Sarah Bosetti, warum für sie Humor, Satire und Journalismus eng verknüpft seien. Gute Kommunikation halte eine demokratische Gesellschaft zusammen. Politische Satire könne helfen, deprimierende Entwicklungen gemeinsam auszuhalten und einzuordnen. Bosetti spricht außerdem über das neue, von “Correctiv” unterstützte YouTube-Format “Fun Facts”.

5. Mit dem Fahrrad von Paris nach Mainz: Journalismus-Studenten kämpfen um deutsch-französischen Master
(mediummagazin.de, Jana Ballweber)
Jana Ballweber schildert, wie zwei Studierende des deutsch-französischen Masterstudiengangs “Transnationaler Journalismus” mit einer Fahrradtour von Paris nach Mainz gegen das Aus ihres Studiengangs protestieren. Der seit 2019 bestehende Master gelte fachlich als erfolgreich und hochrelevant, solle aber wegen fehlender Finanzierung eingestellt werden.

6. Hier macht Karl-Heinz alles: Der kleinste Fernsehsender Deutschlands
(dwdl.de, Christian Richter)
Christian Richter erzählt die außergewöhnliche Geschichte des “Friesischen Rundfunks”, eines von Karl-Heinz Sünkenberg gegründeten lokalen TV-Senders, den dieser seit über 20 Jahren mit viel Improvisation, mit Beharrlichkeit und zuletzt fast im Alleingang am Leben halte. Entstanden sei die Idee 2004 im Rettungshubschrauber. Später habe Sünkenberg trotz verschiedenster Probleme ein Programm aufgebaut, das zeitweise sogar beachtliche Reichweiten erzielt habe.

KW 18/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Nörgeln Journalisten zu viel?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 18:05 Minuten)
Holger Klein fragt im “Übermedien”-Podcast Christoph Hickmann, den Leiter des “Spiegel”-Hauptstadtbüros, ob der Politikjournalismus manchmal zu sehr ins Nörgeln und ins Hämische gerät. Ausgangspunkt ist Hickmanns Überlegung (nur mit Abo lesbar), ob überzogene Kritik an Regierung und Politik am Ende demokratiefeindlichen Stimmungen in die Hände spielen könne. Die Frage sei, wie weit journalistische Kritik gehen sollte und ob Journalistinnen und Journalisten auch vermitteln müssten, warum das politische System trotz aller Mängel verteidigungswert sei.

2. Sind unsere Kinder glücklicher ohne soziale Medien?
(zeit.de, Jochen Wegner & Lisa Hegemann, Audio: 55:13 Minuten)
Im “Zeit”-Podcast “Nur eine Frage” geht es um den verantwortungsvollen Umgang von Kindern mit Sozialen Medien: “US-Psychologe Jonathan  Haidt  sieht die Kindheit bedroht: durch  Smartphones,  soziale Medien  und  KI-Teddybären.  Auch Computer im Klassenzimmer seien  falsch. Hat er recht?” Wichtiger Hinweis: Es handelt sich um die mittels Künstlicher Intelligenz übersetzte Version des englischen Originalgesprächs, mit den geklonten Stimmen der Hosts und des Gastes.

3. Zwischen Hofflohmarkt und Schützenfest – wie viel Perspektivenvielfalt braucht der Journalismus?
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 50:42 Minuten)
Lukas Schöne spricht mit Till Opitz, Journalist beim Deutschlandfunk und Medientrainer, darüber, welche Perspektiven im Journalismus fehlen und warum. Im Zentrum des Gesprächs steht die Diagnose, dass das Problem weniger mit angeblich linken Redaktionen zu tun habe als mit ökonomischem Druck, Großstadtblasen, Zeitmangel und der Tendenz, vor allem laute, negative oder polarisierende Themen abzubilden. Opitz plädiert dafür, journalistische Kritik nicht mit populistischen Medienfeindbildern zu verwechseln, zugleich aber blinde Flecken ernst zu nehmen.

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4. Wie Verschwörungstheorien funktionieren – und wem sie nutzen
(youtube.com, Martin Fehrensen, Video: 32:47 Minuten)
Martin Fehrensen hat die Autorin und Politikwissenschaftlerin Katharina Nocun zu Gast. Die beiden sprechen darüber, wie Verschwörungserzählungen in Familien und Gesellschaft hineinwirken. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, warum Menschen in Krisen und Situationen des Kontrollverlusts anfälliger für solche Ideologien werden, welche psychologischen Funktionen sie erfüllen und warum sie politisch besonders von rechten und autoritären Akteuren strategisch genutzt werden.

5. Jura-Influencer bei FUNK, die Juristen, Jura für Massenpublikum erklären, Umgang mit Hate Speech und Kommis
(irgendwasmitrecht.de, Marc Ohrendorf, Audio: 27:22 Minuten)
Marc Ohrendorf unterhält sich in “Irgendwas mit Recht” mit Clemens Pfeifer vom ZDF über dessen Weg vom Jurastudium in den Rechtsjournalismus sowie über Pfeifers Arbeit für das “funk”-Format “Die Juristen”: Wie bereitet man juristische Themen für ein junges Publikum auf Social Media verständlich, präzise und zugleich kurz auf, ohne fachlich zu stark zu vereinfachen? Außerdem geht es um den Umgang mit Algorithmen, Hate Speech, Desinformation und KI-Falschbehauptungen.

6. Wal-Wahnsinn: Haben wir es übertrieben?
(youtube.com, Marek Walde & Raja Khadour, Video: 21:56 Minuten)
Beim NDR-Medienmagazin “Zapp” geht es darum, wie ein gestrandeter Buckelwal an der Ostsee binnen weniger Wochen zu einem riesigen Medien- und Social-Media-Ereignis wurde. Der Beitrag zeigt, wie klassische Medien mit Livetickern, Dauerschalten und Personalisierung des Tiers den Hype befeuerten, während auf TikTok, Instagram und Co. eine emotionale Parallelwelt entstand.
Weiterer Gucktipp: Der österreichische “Standard” fragt: Warum Wal Timmy Esoteriker, Influencer und Querdenker anzieht (youtube.com, Peter Zellinger, Video: 34:12 Minuten).

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