Archiv für Januar 26th, 2017

Martin Schulz chancenlos, aber mit guten Chancen gegen Angela Merkel

Gestern Abend bei Bild.de:

Das Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (62, CDU) und ihrem SPD Herausforderer Martin Schulz (61) — wenn es nach den Deutschen geht, dann hat die Amtsinhaberin klar die Nase vorn!

Eine „Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA“ („Bild plus“-Artikel hinter Bezahlschranke) habe diesen recht deutlichen Vorteil von Angela Merkel gegenüber dem neuen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz ergeben:

Gestern Abend in den „Tagesthemen“ (ab Minute 5:06):

Sven Lorig, der die Zahlen in der Sendung präsentiert, sagt dazu:

Wir stellen ja regelmäßig die Frage, wie sich die Bürger entscheiden würden, wenn sie den Bundeskanzler oder die Kanzlerin direkt wählen könnten. Angela Merkel käme in der Direktwahlfrage auf 41 Prozent. Das sind zwei Punkte weniger als im Dezember, als wir die Frage zuletzt gestellt hatten. Und Martin Schulz? Festhalten. Der käme ebenfalls auf 41 Prozent. Das sind fünf Punkte mehr als im Dezember. Und damit liegen beide gleichauf.

Diese Gegenüberstellung der Ergebnisse soll nicht bedeuten, dass das eine besser oder schlechter, richtiger oder falscher ist als das andere. Wir finden die sehr unterschiedlichen Werte aber durchaus interessant. Und es dürfte Gründe geben, die zumindest ein Stück weit erklären, warum sie so unterschiedlich sind.

Erstmal gibt es aber einige Ähnlichkeiten: Bei der „INSA“-Umfrage, die Bild.de veröffentlicht hat, wurden 1009 Leute befragt. „Infratest dimap“, verantwortlich für die Daten der „Tagesthemen“, hat 1011 Leute befragt. In beiden Fällen wurden die Antworten am Telefon eingeholt.

Und auch die Fragen, die bei dieser fiktiven Bundeskanzler-Direktwahl gestellt wurden, sind sehr ähnlich. „INSA“ fragte:

Wenn Sie den Bundeskanzler direkt wählen könnten, für wen würden Sie stimmen?

Und „Infratest dimap“ (PDF):

Wenn man den Bundeskanzler direkt wählen könnte, für wen würden Sie sich entscheiden: für Angela Merkel oder für Martin Schulz?

Allerdings sind die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten verschiedene gewesen. Bei der „INSA“-Umfrage gab es drei: „Angela Merkel“, „Martin Schulz“ und „keinen von beiden“. Bei „Infratest dimap“ gab es hingegen nur zwei: „Angela Merkel“ und „Martin Schulz“. Nur wenn der Angerufene von sich aus gesagt hat, dass er keinen der zwei Kandidaten wählen würde, zählte die Stimme als „keiner von beiden“.

Und auch der Befragungszeitraum war nicht komplett deckungsgleich: „INSA“ hatte die Befragten am Dienstag und am Mittwoch angerufen. „Infratest dimap“ nur am Mittwoch. Also zu einem Zeitpunkt, als man der Berichterstattung über den neuen SPD-Kanzlerkandidaten nicht mehr entkommen konnte.

Ablauf mit Gabriel, Antisemitismus im Schulbuch, UFO-Theorien bei „N24“

1. Erster!
(sueddeutschte.de, David Denk)
Wie lief das jetzt eigentlich genau mit der Gabriel-Geschichte? Wessen Scoop war das? Und wer hat wann zuerst berichtet? David Denk rekonstruiert: Eigentlich habe es eine Sperrfrist (Dienstagabend) gegeben, damit Sigmar Gabriel vorher die SPD-Gremien unterrichten könne. Dann aber platzte der Branchendienst „Meedia“ dazwischen, der wohl aus „Grossistenkreisen“ von der „Stern“-Story erfahren hatte. Und dann war die Geschichte in der Welt. Bei faz.net erzählt „Stern“-Chefredakteur Christian Krug im Interview, wie es zum Gabriel-Interview kam.

2. Live bei Cobra-Einsatz: „Krone“-Lecks mit Tradition
(derstandard.at)
Vergangenen Freitag in Wien: Um 18:03 Uhr wird ein möglicher Attentäter festgenommen. Um 18:09 Uhr twittert die Redaktion der „Kronen Zeitung“ über die Festnahme des möglichen Attentäters. „Da stellen sich Fragen wie: Wenn die Bedrohung tatsächlich so dramatisch war, wie sie insbesondere die ‚Krone‘ beschrieb — könnte eine so frühe Veröffentlichung nicht etwa mögliche Mittäter zum Losschlagen motivieren?“ derStandard.at über die „lange Geschichte von „Festnahmen mit ‚Krone‘-Begleitung“.

3. Harald Martenstein macht „Lügenpresse“-Vorwürfe salonfähig
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
In seiner (inzwischen vergangenen) Kolumne im „Zeit Magazin“ schreibt Harald Martenstein „über Einwanderung und Abschiebungen“ und einen Hindu aus Afghanistan, von dessen Fall er im „ZDF“ erfahren habe. Weil Martenstein „ARD“ und „ZDF“ misstraut („Tagesschau“, „heute“ und „Tagesthemen“ erinnerten ihn „wegen ihrer Regierungsnähe zunehmend ans DDR-Fernsehen“), recherchiert er den Fall selber nach. Und es zeigt sich: Es ist alles so gewesen, wie das „heute journal“ berichtet hat. Stefan Niggemeier kann das nicht so richtig fassen: „Das ist also der Anlass für Martenstein, ausführlich im ‚Zeit Magazin‘ darzulegen, dass er ARD und ZDF für DDR-fernsehhaft hält und erstmal davon ausgeht, dass sie die Unwahrheit sagen: Dass er erleben musste, dass ein ZDF-Bericht einer Überprüfung standhält.“ Im zweiten Teil der Martenstein-Kolumne geht es um die deutsche Flüchtlingspolitik. Und auch da wird’s nicht besser.

4. Kein Anfangsverdacht gegen Anne Will
(faz.net, Michael Hanfeld)
Nachdem im November vergangenen Jahres im „Ersten“ die Konvertitin Nora Illi zu sehen und zu hören war, gingen bei der Staatsanwaltschaft Hamburg sieben Strafanzeigen gegen „ARD“-Moderatorin Anne Will sowie gegen Verantwortliche der „ARD“ ein. Illi hatte sich unter anderem relativierend zu den Verbrechen der Terrormiliz „IS“ geäußert. Vier ihrer Ermittlungen habe die Staatsanwaltschaft nun beendet, schreibt Michael Hanfeld, es fehle ein begründeter Anfangsverdacht: „Für die Moderatorin sieht es gut aus.“

5. Wie es eine antisemitische Karikatur in deutsche Schulbücher geschafft hat
(vice.com, Philipp Frohn)
Ein Schulbuch des „Klett“-Verlags zeigt in einer Illustration ein riesiges gelbes Wesen, das gerade dabei ist, Europa zu verschlingen. Im Hintergrund kann man den Schriftzug „ROTHSCHILDBANK“ lesen. Philipp Frohn schreibt dazu: „Eine solche Zeichnung hätte in einem deutschen Schulbuch des 21. Jahrhundert niemals auftauchen dürfen. Denn die Vorstellung, dass die jüdische Bankiersfamilie der Rothschilds im Verborgenen die Geschicke der Welt (zum Nachtteil der Mehrheit) beeinflusst, ist eine klassische antisemitische Verschwörungstheorie, die sich schon die Nazis zunutze gemacht haben.“

6. UFO-Sichtungen in Nachrichtensendern
(ndr.de, Caroline Ebner, Video, 4:15 Minuten)
Schon mal nachts aus Versehen bei „N24“ reingeraten? Zwei Möglichkeiten gibt es dann: Entweder läuft irgendwas über Hitler. Oder irgendwas über UFOs (manchmal auch irgendwas über UFOs im Dritten Reich). Seit Herbst vergangenen Jahres gibt es zusätzlich den Spartenkanal „N24 Doku“, wo man noch mehr UFO-Filme mit Suggestivfragen und starken Verschwörungstendenzen („Soll hier etwas vertuscht werden?“) findet. Caroline Ebner hat bei „N24“ nachgefragt — dort sehe man „die Glaubwürdigkeit als Nachrichtensender“ nicht in Gefahr.