Mit Bild.de ist man für alle möglichen Ereignisse bestens informiert:
Mit Dank an @ma_ma_sz für den Screenshot!
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So sieht ein heilloses Durcheinander aus:
In diesen 27 Zeilen plus Überschrift stecken gleich mehrere Fehler.
Erstmal grundsätzlich, um das Wirrwarr etwas zu ordnen: Die Zahl 1558 (die auch nicht ganz richtig ist — dazu gleich mehr) bezieht sich auf die durchschnittlich täglich angezeigten Straftaten im Jahr 2016. Die Zahlen zu den Rauben (5146), Taschendiebstählen (44.722) und Kfz-Diebstählen (7349) beziehen sich hingegen auf das komplette Jahr 2016. Völlig falsch sind die Sternchen an den jeweiligen Zahlen, die darauf hinweisen sollen, dass es sich um “Straftaten pro 100.000 Menschen” handelt. Das stimmt nicht — es sind die in Berlin insgesamt angezeigten Straftaten pro Tag beziehungsweise Raube, Taschen- und Kfz-Diebstähle pro Jahr.
Gehen wir der Reihe nach durch. Die Überschrift:
Jeden Tag 1558 Straftaten
Wenn die “Bild”-Redaktion den Anspruch hätte, exakt zu berichten, müsste sie schreiben: “Jeden Tag 1554 Straftaten”. In Ordnung wäre auch noch “Jeden Tag 1559 Straftaten”. “Jeden Tag 1558 Straftaten” ist rechnerisch jedenfalls falsch. Die “Polizeiliche Kriminalstatistik 2016” des Bundeskriminalamts, auf die sich “Bild” bezieht, gibt für Berlin 568.860 “erfasste Fälle” an (PDF, Seite 25). 2016 war ein Schaltjahr mit 366 Tagen. Demnach gab es durchschnittlich gerundet 1554 angezeigte Straftaten pro Tag. Lässt man die Sache mit dem Schaltjahr weg und rechnet mit 365 Tagen, kommt man — wenn man richtig rundet — auf 1559 täglich angezeigte Straftaten.
Die Hauptstadt ist auch die Hauptstadt des Verbrechens
… und …
Auf die Bevölkerung gerechnet ist das mehr als in jedem anderen Bundesland.
Beides stimmt — wenn man es wie “Bild” “auf die Bevölkerung” rechnet. In Berlin gab es 2016 pro 100.000 Einwohner 16.161 angezeigte Straftaten (PDF, Seite 25). In Bremen waren es mit 13.687 am zweitmeisten, Hamburg lag mit 13.384 auf Platz 3. Absolut lag Nordrhein-Westfalen ganz vorne: Im bevölkerungsreichsten Bundesland gab es 2016 1.469.426 angezeigte Straftaten. Nimmt man nicht die Bundesländer, sondern die Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern, hat Berlin immer noch die höchste Quote, allerdings ist der Vorsprung deutlich geringer als bei den Bundesländern: In Leipzig waren es 15.811 angezeigte Straftaten pro 100.000 Einwohner, in Hannover 15.764 und in Frankfurt am Main 15.671 (PDF, Seite 27).
Es werden die meisten Raube (5146) begangen
Das ist doppelt falsch. Tatsächlich waren es laut “Polizeilicher Kriminalstatistik 2016” für Raubdelikte (PDF, Seite 28) 5156 Raube. Die Statistik zeigt auch, dass Berlin weder bei den absoluten Zahlen noch bei der 100.000-Einwohner-Quote auf Platz 1 liegt: In Nordrhein-Westfalen gab es 2016 12.647 angezeigte Raube. In Bremen gab es pro 100.000 Einwohner 172,9 Raub-Anzeigen — und damit mehr als in Berlin (146,5).
es wurden 44 722 Taschendiebstähle angezeigt
Das ist richtig (PDF, Seite 84).
und die meisten Autos (7349) geklaut.
Das ist wiederum falsch. Die Zahl stimmt zwar, es waren aber nicht “die meisten Autos”. In Nordrhein-Westfalen (7518) wurden 2016 mehr Kfz-Diebstähle angezeigt als in Berlin (PDF, Seite 76).
Der Rest müsste stimmen, wobei es in anderen Bundesländern 2016 mehr Ermittlungen “gegen Täter aus dem Bereich Organisierte Kriminalität” gab (Nordrhein-Westfalen: 107, Bayern: 76, Niedersachsen: 66) als in Berlin (PDF, Seite 7) und es in anderen Bundesländern 2016 mehr Tatverdächtige gab (Nordrhein-Westfalen: 494.885, Bayern: 446.433, Baden-Württemberg: 251.141, Niedersachsen: 222.092, Hessen: 178.260) als in Berlin (PDF, Seite 48).
Seit vielen Jahren schreiben wir hier nun schon über die Gefahren, die eine ausgiebige Berichterstattung über Suizide mit sich bringt. Manchmal, so wie heute, haben wir das Gefühl, dass sich etwas verbessert hat. Manchmal, so wie heute, haben wir aber auch das Gefühl, dass einigen Redaktionen es völlig egal ist, was der “Werther-Effekt” ist, und dass ihre Berichte und Videos im schlimmsten Fall Menschenleben kosten können.
Nachdem der “Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien” die 20-jährige Haftstrafe gegen Slobodan Praljak heute bestätigt hatte, vergiftete sich der frühere bosnisch-kroatische General selbst. Praljak sagte nach der Urteilsverkündung noch, dass er kein Kriegsverbrecher sei, und trank dann eine Flüssigkeit, bei der es sich nach Angaben seiner Verteidigerin um Gift handelte. Slobodan Praljak starb später in einem Krankenhaus.
Völlig verständlich, dass so gut wie alle überregionalen Medien über den Vorfall in Den Haag berichten.
Die Frage ist, wie die Redaktionen darüber berichten.
Süddeutsche.de zeigt beispielsweise weder ein Foto noch ein Video, auf beziehungsweise in dem Praljak das Gift nimmt. Genauso “Zeit Online”, wobei die Redaktion — anders als alle anderen — noch eine Box mit Informationen zu “Hilfe und Beratung” ans Ende ihres Artikels gestellt hat:
Die “taz” verwendet zur Bebilderung ihres Textes ein Standbild aus einem Video, das Slobodan Praljak kurz vor dem Trinken der giftigen Flüssigkeit zeigt. Im Artikel bei Welt.de ist ein Video eingebettet, in dem Praljak zwar im Gerichtssaal in Den Haag zu sehen ist — allerdings ist es so geschnitten, dass die Einnahme des Gifts nicht darin vorkommt. Ähnlich hat “Spiegel Online” es gelöst. Tagesschau.de zeigt, wie Praljak zum Trinken ansetzt und friert das Bild dann ein.
All diese Medien haben entschieden, den eigentlichen Suizid nicht zu zeigen.
Anders sieht es bei Bild.de, “Focus Online”, RTL.de, FAZ.net und Handelsblatt.com aus. Sie alle haben Videos veröffentlicht, in denen der Suizid von Slobodan Praljak zu sehen ist, bei Bild.de und “Focus Online” sogar mehrfach wiederholt und bei Bild.de zusätzlich noch in Zeitlupe. Die Bild.de-Redaktion hatte das Video heute tagsüber ganz oben auf der Startseite und direkt zum Anklicken platziert:
(Unkenntlichmachung durch uns.)
Mit Dank an Peter K. und Daniel für die Hinweise!
Nachtrag, 1. Dezember: Mehrere Leser haben uns darauf hingewiesen, dass die “Tagesschau” in einem Facebook-Post das Video, das Slobodan Praljak bei der Einnahme des Gifts zeigt, nicht eingefroren hat. Dort ist alles komplett zu sehen. Außerdem hat auch das ARD-Studio Brüssel bei Twitter ein Video veröffentlicht, das den Suizid zeigt. Die “Deutsche Welle”, die Mitglied der ARD ist, zeigt auf ihrer Website einen Zusammenschnitt, in dem das Trinken des Gifts mehrfach zu sehen ist.
In einer früheren Version als der von uns beschriebenen scheint auch “Spiegel Online” die Gift-Einnahme gezeigt und sie erst später aus dem Video geschnitten zu haben. Auch “n-tv” und die “heute”-Redaktion des ZDF sollen Aufnahmen gesendet beziehungsweise in den Sozialen Medien gepostet haben, auf denen Slobodan Praljaks Suizid zu sehen ist.
Ausgesprochen befremdlich ist der Umgang der österreichischen “Kronen Zeitung” mit dem Vorfall in Den Haag. Dort kommentiert Kurt Steinitz, es handele sich um einen “starken Abgang wie einst von Göring”:
Mit Dank an Karolin, Patrick, BH, Sven P., Jörn K., Martin R., Andi W., Marco F., Isabel H., Frank S., Bullen N., Laura R., Arne C., Marcel D., Jörg S., Otto W., Wilfried S., @BchnerBuechner, @druemshausen, @fattony2k, @derAlteMannFFM, @Wirkungsmann und @bassena für die Hinweise!
400 Typen gefickt du Schlambe stirb!
Alter wie ekelhaft wie ausgeleihert sie bestimmt bereits ist abartig jeder man der sie nimmt baaah muss jetzt dabei denken das 400 männer oder mehr vor ihn bereits eingelocht haben
400 super 😉 Bist bestimmt stolz drauf ne Muschi wie nen Scheunentor, da freut sich deine Freund bestimmt drauf … ich kotze gleich im Quadrat.
Das kommt dabei raus, wenn Bild.de eine Schlagzeile erfindet, und Bild.de-Leser aufgrund dieser erfundenen, falschen Schlagzeile Schaum vor dem Mund haben.
Es geht um diese Überschrift, die die “Bild”-Onlineredaktion bereits am 17. Oktober veröffentlicht hat:
Das Zitat, das Bild.de in die Titelzeile gepackt hat, ist nie gefallen, jedenfalls nicht von Ilan Stephani, um die es in dem “Bild plus”-Artikel geht und der die angebliche Aussage von der Redaktion zugeschrieben wird. Es wäre auch merkwürdig, wenn Stephani sagen würde, sie habe “mit über 400 Männern geschlafen”, denn das hat sie nicht. Das Zitat ist also nicht nur erfunden, sondern inhaltlich auch noch falsch.
Ilan Stephani hat zwei Jahre lang in einem Berliner Bordell als Prostituierte gearbeitet. Im Oktober erschien ein Buch von ihr über diese Zeit. Rund um die Veröffentlichung hat Stephani mit mehreren Journalisten gesprochen, darunter auch eine Autorin, die für “B.Z.” und “Bild” schreibt. In einem Artikelentwurf, der Stephani zum Absegnen vorgelegt worden sei, steht dieser Satz:
Dort arbeitete sie zwei Jahre lang im Schnitt einmal in der Woche, betreute bis zu fünf Männer und hatte mindestens 400 Mal bezahlten Sex.
Damit es auch die Leute bei Bild.de verstehen: Wenn man “mindestens 400 Mal bezahlten Sex” hatte, gibt es ganz viele verschiedene und zwei extreme Möglichkeiten, wie diese Zahl zustande gekommen sein kann: Man hat als Prostituierte entweder mit 400 unterschiedlichen Männern jeweils einmal geschlafen. Oder man hat mit demselben Mann 400 Mal geschlafen. Das Ergebnis in beiden Fällen: Man hatte “mindestens 400 Mal bezahlten Sex”.
Die Wahrheit liegt bei Ilan Stephani irgendwo zwischen diesen beiden Extremen, wie sie uns auf Nachfrage bestätigte: Sie habe nach einer gewissen Zeit Stammfreier gehabt, zwischendurch seien neue Männer dazugekommen. 400 verschiedene Männern seien es jedenfalls nicht ansatzweise gewesen. Sie könne allerdings auch keine exakte Zahl nennen und habe dies auch nie getan.
Der eine Satz aus dem Artikelentwurf hat es am Ende nicht in den Bild.de-Text und auch nicht in den der “B.Z.” geschafft — er wurde offenbar von den Redaktionen gestrichen. Dafür landete er falsch übersetzt und in Zitatform in der Bild.de-Überschrift und verbreitete sich von dort aus. “Focus Online” hat die falschen “400 Männer” zum Beispiel aufgegriffen:
Wie die “Bild” berichtet, hat die junge Frau in dieser Zeit mit mehr als 400 Männern Geschlechtsverkehr in einem Berliner Bordell gehabt.
Genauso die Onlineredaktion des “Berliner Kuriers” …
… Express.de …
… Mopo.de …
… und oe24.at:
Die Unfähigkeit der Bild.de-Redaktion, Fakten sauber zu recherchieren, führt zu vielen weiteren falschen Artikeln und hasserfüllten Kommentaren bei Facebook.
Nachtrag, 17:53 Uhr: Weil die Gefahr besteht, dass dieser Punkt in unserer Kritik untergeht: Was die Kommentatoren bei Facebook geschrieben haben, wäre genauso arschgeigig, wenn Ilan Stephani oder irgendeine andere Frau tatsächlich mit 400 Männern geschlafen hätte. Völlig egal, ob mit vier Männern, mit 400 oder mit 40.000 — es gibt keinen Grund auf dieser Welt, sich derart frauenfeindlich zu äußern.
Julian Reichelt will nicht über Geld reden. Über sein eigenes jedenfalls nicht. Über das Geld anderer Leute reden und schreiben Reichelt und seine “Bild”-Kollegen liebend gern: So viel verdient Bundesliga-Star XY, das bekommt DAX-Manager Soundso, lesen Sie mal, wie viel Moderator Trallala kassiert. Kaum eine Woche, in der “Bild”, “Bild am Sonntag” und Bild.de nicht über das hohe Einkommen und das immense Vermögen einzelner Personen berichten.
Geht es allerdings um seine eigenes Gehalt, findet Julian Reichelt dieses Verhalten hochgradig gefährdend. Als das Medienmagazin “kress pro” in der Titelgeschichte seiner Oktoberausgabe über die Jahresgehälter von Verlagsmanagern und Chefredakteuren schrieb, kam darin auch der “Bild”-Oberchef vor:
Im nationalen Geschäft liegt die Schallmauer inzwischen bei 500.000 Euro, die aber nur eine Handvoll erreichen. “Spiegel”-Chef Klaus Brinkbäumer dürfte geschätzt in dieser Liga spielen, auch “FAZ”-Digitalchef Mathias Müller von Blumencron gilt als Kandidat. “Stern”-Chef Christian Krug und die “SZ”-Doppelspitze liegen geschätzt 50.000 bis 100.000 Euro darunter. Deutlich darüber liegen müssten Julian Reichelt, Chef der “Bild”-Gruppe, und “Zeit”-Chef Giovanni di Lorenzo. Reichelt verantwortet den umsatzstärksten Titel und offenbar zahlt Springer mit einem guten Anteil variabler Vergütung. Reichelts Vorgänger Kai Diekmann soll nach seinem Abgang eine deutlich siebenstellige Summe bekommen, was auf ein siebenstelliges Gehalt hinweist. Diekmann dürfte jahrelang der bestbezahlte Chefredakteur gewesen sein. Reichelt müsste also irgendwo zwischen 500.000 Euro und 1 Million liegen.
Diese wenigen, nüchtern gehaltenen Zeilen passten Reichelt offenbar überhaupt nicht. In der November-Ausgabe von “kress pro” schreibt Chefredakteur Markus Wiegand über “die Widersprüche des ‘Bild’-Chefs”:
Einige der Betroffenen kommentierten die Schätzung informell, die meisten verzichteten jedoch auf einen Kommentar.
Julian Reichelt war der einzige Chefredakteur, der uns bat, auf eine Schätzung zu verzichten. Er argumentierte, dass eine Schätzung seines Gehalts das Risiko finanziell motivierter Straftaten gegen seine Familie erhöhen würde.
Wir konnten die Argumentation nicht nachvollziehen, boten aber ein informelles Gespräch an, um den Fall zu klären. Reichelt lehnte dies ab.
Die Logik hinter Reichelts Argumentation scheint zu sein: Kriminelle, die bisher dachten, dass der Chef von “Bild”, “Bild am Sonntag”, Bild.de und “B.Z.” vielleicht 3000 oder 4000 Euro im Monat verdiene, dürften durch die Veröffentlichung einer groben Schätzung seines Gehalts verstanden haben, dass bei ihm deutlich mehr zu holen sein könnte.
Sollte dieser Gedanke stimmen, ergibt sich automatisch die Frage: Bringen Julian Reichelt und die “Bild”-Medien seit Jahren regelmäßig die Familien anderer Menschen in Gefahr?
Zum Beispiel die Familie von WDR-Intendant Tom Buhrow. Vor etwas mehr als zwei Monaten titelte Bild.de:
Im dazugehörigen Artikel steht:
Angeführt wird die Liste von WDR-Intendant Tom Buhrow. Sein Verdienst: 399 000 Euro im 2016 — umgerechnet auf 12 Monate wären das 33 250 Euro!
Auf den folgenden Plätzen liegen:
• Ulrich Wilhelm, der Intendant des BR, mit 367 000 Euro
• NDR-Intendant Lutz Marmor, welcher 348 000 Euro verdiente.
Das niedrigste Gehalt der ARD-Bosse bezog bei 237 000 Euro Jahresvergütung der SR-Chef Thomas Kleist.
Oder die Familie von “Radio Bremen”-Intendant Jan Metzger.
Als Sender ist Radio Bremen der kleinste unter den neun ARD-Anstalten. Doch sein Chef ist beim Verdienen ganz vorne mit dabei.
242 000 Euro erhielt Intendant Jan Metzger im Jahr 2011. So zumindest steht es im Branchen-Nachrichtendienst “Funkkorrespondenz”.
Oder die Familie von TV-Moderator Günther Jauch.
Und wie viel verdient Jauch wirklich? Fakt ist: Ein Vielfaches vom jährlichen Bruttogehalt der Kanzlerin. Angela Merkel erhält 194 000 Euro im Jahr.
Die ARD überweist Jauchs Produktionsfirma “I & U” nach BILD-Informationen allein für die Talk-Sendungen 10,5 Mio. Euro im Jahr. Nach Branchenschätzungen sollen ihm davon mehr als 1 Million bleiben. Dazu kommen TV-Honorare für die RTL-Shows “Wer wird Millionär?” und “5 gegen Jauch”. Außerdem produziert er mit seiner Firma bis zu 130 weitere Sendungen im Jahr.
Oder die Familien verschiedener BBC-Moderatoren und -Moderatorinnen.
Das höchste Gehalt bei der BBC bezieht demnach der Moderator Chris Evans: Er bekam im vergangenen Jahr ein Gehalt von umgerechnet rund 2,5 Millionen Euro.
Der ehemalige Fußballstar und Sportmoderator Gary Lineker verdiente umgerechnet rund 2 Millonen Euro.
Die am besten verdienende Frau bei der BBC ist die TV-Moderatorin Claudia Winkleman — sie erhält ein jährliches Salär zwischen umgerechnet rund 509 000 und 565 000 Euro.
Oder die Familie von Fußballer Matija Nastasic.
Schalkes Neuer verdient 250 000 Euro im Monat!
BILD enthüllt die Details des Nastasic-Vertrages:
► Der Nationalverteidiger erhält ein monatliches Grundgehalt von exakt 250 000 Euro, für das halbe Jahr also fixe 1,5 Mio Euro.
► Dazu kommt noch eine Prämie, wenn er mit Schalke die Champions League erreicht.
Oder die Familie von Daimler-Boss Dieter Zetsche.
Erfolg zahlt sich für ihn buchstäblich aus: Daimler-Chef Dieter Zetsche streicht erneut mehr Gehalt ein.
Nach mehr als 8,2 Millionen Euro im Vorjahr kassiert der Konzernlenker für 2014 knapp 8,4 Millionen Euro.
Oder die Familie von Zetsches Pendant bei BMW, Harald Krüger.
Oder die Familie von Tennisspieler Alexander Zverev.
Oder die Familie von Fußballer Franck Ribéry.
Oder die Familie von Burkhard Jung, Oberbürgermeister in Leipzig.
Oder die Familie von Fußballtrainer Jürgen Klopp.
Oder die Familie von Sängerin Taylor Swift.
Oder die Familie von SAP-Chef Bill McDermott.
Wir könnten diese Liste noch ewig weiterführen. Mit Bundesliga-Torwart René Adler, mit “Deutschlands Top-Managern”, mit HSV-Profi Bobby Wood, mit Fußballtrainer Carlo Ancelotti, mit den “wichtigsten Berlin-Managern”, mit “Promis in Politik, Wirtschaft, Show und Sport” und mit vielen, vielen anderen.
Einen Widerspruch zwischen dem, was er für sich selbst einfordert, und dem, was er und seine Kollegen Tag für Tag, Woche für Woche produzieren, scheint Julian Reichelt nicht erkennen zu können.
“Deutscher Raketeningenieur” schreibt die “Bild”-Redaktion in der ganz kurzen Biografie über Wernher von Braun, der das heutige “ZITAT” des Tages auf der Titelseite des Boulevardblatts liefert. Dabei war von Braun viel mehr: Vater der Raumfahrt, in leitender Position bei der NASA, ausgestattet mit 25 Ehrendoktortiteln, großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, Goldene Medaille der Humboldt-Gesellschaft und so weiter.
So jemanden kann man zitieren.
Vorher war Wernher von Braun NSDAP-Mitglied. Er machte Karriere bei der SS, bis zum Sturmbannführer. Adolf Hitler ernannte ihn persönlich zum Professor. 1944 bekam von Braun das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern verliehen. Er forderte immer wieder KZ-Häftlinge als Arbeitskräfte an, war an ihrer Ausbeutung beteiligt. Wernher von Braun war im Konzentrationslager Buchenwald und suchte dort selbst Häftlinge aus, die in der Raketenproduktion arbeiten mussten. Er sah nach eigener Aussage die “Hungergestalten”, die bei der unterirdischen Produktion in einem Stollen eingepfercht waren. Rund um den Bau von von Brauns V2-Rakete sollen nach SS-Akten 12.000 Zwangsarbeiter gestorben sein, manche Schätzungen gehen von mehr als 20.000 Toten aus. Zeitzeugen berichten, dass von Braun die Leichen bei seinen Inspektionen nicht habe übersehen können.
Will man wirklich ein Zitat dieses Mannes auf der eigenen Titelseite haben?
Denn die Frage ist doch auch: Womit war Wernher von Braun “nie zufrieden”? Mit seiner eigenen Leistung und der seiner NASA-Kollegen beim Wettlauf um die erste Mondlandung? Oder mit den sich zu Tode schuftenden Zwangsarbeitern aus den Konzentrationslagern? Sowohl als auch?
Man kann sich nicht mit der einen Seite von Wernher von Braun auf der eigenen Titelseite schmücken, ohne die andere dazuzubekommen.
Mit Dank an @paulschm und @_marc_baumann für die Hinweise!
Wer derzeit das Gefühl hat, bei der komplizierten politischen Lage in Deutschland den Überblick verloren zu haben, aber gern wieder etwas mehr Durchblick bekommen möchte, sollte auf jeden Fall nicht bei Bild.de vorbeischauen. Dort herrscht das völlige Durcheinander: Der letzte Ministerpräsident der DDR ist auf einmal Bundesinnenminister, Schlagersänger Patrick Lindner ist plötzlich Politiker, und ein CDUler wird zum “Juso”-Chef. Die Bild.de-Redaktion zeigt, dass sie noch immer beides beherrscht: die kleinen Dämlichkeiten und die große Falschinformation.
Fangen wir klein an. Laut Bild.de gab es eine personelle Sensation, die sonst keine Redaktion mitbekommen hat: Lothar de Maizière sitzt wieder im Bundestag — und er hat gleich einen Ministerposten abbekommen:
Wir haben noch mal ganz genau hingeschaut: Es ist gar nicht Lothar de Maizière (weiße Haare, weißer Bart), sondern dessen Cousin Thomas de Maizière (graue Haare, kein Bart). Immerhin: Beide tragen eine Brille.
Bild.de konnte noch eine weitere falsche Personalsensation präsentieren: Schlagersänger Patrick Lindner ist neuer FDP-Chef!
Intensives Hingucken hat ergeben: Es ist doch weiterhin Christian Lindner.
Paul Ziemiak ist laut Bild.de zwar in der CDU, aber gleichzeitig auch Chef der “Jusos”, der Jugendorganisation der SPD:
Tatsächlich ist Ziemiak Chef der “Jungen Union”.
Bild.de macht aber nicht nur diesen kleinen Fehler. In einem Kommentar zum Scheitern der Gespräche zwischen CDU/CSU, FDP und Grüne schreibt “Bild”-Chefchef Julian Reichelt:
Die Grünen sind nicht nur, aber auch eine autoritäre Verbotspartei, die dazu aufruft, den Nachbarn zu denunzieren, wenn er sich das Bad schick fliesen lässt (“Luxussanierung”). Dass Menschen die Fliesen in ihrem eigenen Bad nicht frei wählen sollten, ist eine Überzeugung, die man haben kann — bloß passt sie nicht zur FDP, hat sie nie.
Erstmal: Schade, dass die Jamaika-Sondierungen an ein paar Fliesen im Bad gescheitert sind.
Reichelt hat recht, dass die Grünen sich gegen die “Verdrängung aufgrund von Luxussanierung” aussprechen. Allerdings hat das nichts mit dem Denunzieren des Nachbars zu tun, der “sich das Bad schick fliesen lässt”, außer dieser Nachbar schickt die Handwerker nicht in sein eigenes Bad, sondern in meines, weil er mein Vermieter ist, und verlangt danach mehr Miete von mir. Dann könnte man von einer “Luxussanierung” sprechen. Was Reichelt schreibt, ist allerdings Unsinn.
Ebenfalls Unsinn ist diese Meldung, die bei Bild.de auftauchte:
Schaut man sich die “Maischberger”-Folge an, erkennt man schnell: Der Vorschlag kommt gar nicht von Malu Dreyer, sondern von Sandra Maischberger, die Dreyer von ihrer “verrückten” Idee des Kanzlerwechsels erzählt. Bild.de hat diesen Fehler nach einiger Zeit klammheimlich und ohne irgendeinen Hinweis vertuscht korrigiert.
Falsche Namen, falsche Posten, falsche Verbote, falsche Zitatgeber — in politisch komplizierten Zeiten ist immerhin auf die Unfähigkeit der Bild.de-Redaktion Verlass.
Mit Dank an @WieselerSusanne, @MarkusMK73, Markus T., Tim F. und Ralf H. für die Hinweise!
Bei Sätzen wie diesen …
Sein Geschäftsmodell ist so menschenverachtend, dass BILD bewusst darauf verzichtet, den Namen der Webseite zu nennen — um keine Werbung für dieses Unternehmen zu machen.
… könnte man fast meinen, dass es in der Bild.de-Redaktion doch noch ein letztes Fünkchen Anstand gibt. Vielleicht sitzt dort irgendwo ein einsamer Mitarbeiter, der kurz vor der Veröffentlichung eines Textes etwas sagt wie: “Moment mal! Das können wir aber nicht machen!” Doch so ist es leider nicht. Der oben zitierte Satz hat nichts mit Anstand zu tun — er ist einfach nur verlogen.
Man findet ihn in einem Artikel vom vergangenen Donnerstag über eine 19-Jährige, die im Internet ihre Jungfräulichkeit für 2,5 Millionen Euro versteigert haben soll. Auch “ein Hollywood-Star” sowie “ein russischer Politiker” sollen laut Bild.de am Wettbieten teilgenommen haben (Bild.de: “krass”). Am Ende soll ein Geschäftsmann aus Abu Dhabi am meisten geboten haben:
Im Text steht:
Die Versteigerung wurde von Deutschland aus organisiert. Dort wohnt der Mann (27), der die Webseite betreibt. Er lebt noch bei seinen Eltern, obwohl er inzwischen steinreich sein dürfte. Dem Magazin “Forbes” sagte er, er erhalte von jedem Verkauf 20 Prozent.
Sein Geschäftsmodell ist so menschenverachtend, dass BILD bewusst darauf verzichtet, den Namen der Webseite zu nennen — um keine Werbung für dieses Unternehmen zu machen.
Soso, einmal den Namen genannt — schon Werbung für ein Unternehmen mit menschenverachtendem Geschäftsmodell gemacht. Vor etwas mehr als einem Jahr, im September 2016, schrieb “Bild”-Chefreporter John Puthenpurackal einen Artikel über einen damals 26-Jährigen, der von Deutschland aus Versteigerungen organisiert, in denen Frauen ihre Jungfräulichkeit anbieten können. Der Mann nehme eine Provision von 20 Prozent, schrieb Puthenpurackal. Und er nannte selbstverständlich die Namen des Unternehmens und des Unternehmers:
Aber das Geschäft macht ein Unternehmer aus Deutschland! Die Firma [XY] von Geschäftsführer [YX] (26) hat ihren Sitz in Kamen (NRW). […]
Die Jungfrauen aus den Auktionen zahlen 20 Prozent Provision an die Betreiber.
Zweieinhalb Stunden, nachdem sein erster Artikel online ging, veröffentlichte John Puthenpurackal noch einen zweiten zum Thema. Auch darin macht er — aus Sicht von Bild.de — Werbung für ein menschenverachtendes Geschäftsmodell:
Ariana (20) aus Russland möchte ihre Jungfräulichkeit an den Höchstbietenden verkaufen. Mindestgebot: 150 000 Euro! Kunden aus der ganzen Welt bieten auf der Seite von [XY] für sie.
Wir haben bewusst die Namen des Unternehmers uns seiner Firma durch Platzhalter ersetzt und verzichten auf Links zu den zwei Bild.de-Artikeln, in denen die Name genannt werden — um keine Werbung für dieses menschenverachtende Unternehmen zu machen. Und damit meinen wir ausnahmsweise mal nicht Bild.de.
In der “Bild”-Zeitung von heute kann man mal wieder sehr schön sehen, wie unsauber “Bild”-Oberchef Julian Reichelt arbeitet, wie egal es ihm ist, seine Leserschaft ordentlich zu informieren, wie sehr er auf journalistische Verantwortung und verantwortlichen Journalismus pfeift. Und das alles nur, um mal wieder so richtig losknallen zu können.
Es geht um eine Entscheidung des Landgerichts Frankfurt am Main. Das hat gestern Ansprüche eines Studenten aus Israel gegen “Kuwait Airways” auf Beförderung sowie auf Entschädigung wegen Diskriminierung zurückgewiesen. Der junge Mann wollte mit der staatlichen Fluglinie von Frankfurt nach Bangkok reisen, mit Zwischenstopp in Kuwait. Als die Airline von seiner Staatsangehörigkeit erfuhr, stornierte sie sein Ticket. In Kuwait gibt es ein Gesetz, das Geschäftsbeziehungen jeglicher Art mit Staatsbürgern Israels verbietet. Dieses “Einheitsgesetz zum Israel-Boykott” kann man empörend und das Verhalten von “Kuwait Airways” schäbig finden. Genauso kann man es völlig zurecht schrecklich finden, dass einem Menschen aufgrund seiner Staatsangehörigkeit ein Flug verweigert wird.
Das Landgericht Frankfurt gab “Kuwait Airways” gestern allerdings recht — es entschied, dass es den israelischen Studenten nicht befördern müsse. “Bild”-Chefchef Julian Reichelt kommentiert dazu heute in “Bild” und bei Bild.de:
Der Israeli klagt in Deutschland — und verliert. Der Israeli sei Kuwait Airways — und jetzt kommt ein Zitat — “nicht zumutbar”, so das Landgericht Frankfurt.
Dass Juden in irgendeiner Weise “nicht zumutbar” sein sollen, ist die Sprache der “Nürnberger Rassengesetze”, die wiederum Grundlage für Boykott, Deportation und schließlich “Endlösung” waren.
Dass ein deutscher Richter sich dieser Sprache bedient, um ein Skandalurteil zu rechtfertigen, ist eine Schande für Deutschland.
Erstmal: So ungewöhnlich ist die Wendung “nicht zumutbar” in Gerichtsentscheidungen nicht. Einem Richter aufgrund von zwei regelmäßig verwendeten Worten vorzuwerfen, er bediene sich der “Sprache der ‘Nürnberger Rassengesetze'”, ist bemerkenswert.
Was noch bemerkenswerter ist: Auch wenn Julian Reichelt sich alle Mühe gibt (“und jetzt kommt ein Zitat”), es so aussehen zu lassen, als würde er in seinem Kommentar sauber zitieren, arbeitet er extrem unsauber. Er reißt die zwei Worte “nicht zumutbar” komplett aus dem Zusammenhang.
Das Landgericht Frankfurt hat — anders als Reichelt es darstellt — nicht gesagt, der Israeli sei “Kuwait Airways” “nicht zumutbar”. Stattdessen schreibt es in einer Pressemitteilung, dass es für die Fluglinie “nicht zumutbar” sei, gegen ein in Kuwait geltendes Gesetz zu verstoßen und damit rechtliche Folgen für die eigenen Mitarbeiter in Kauf zu nehmen:
Das Landgericht hat heute entschieden, dass es der kuwaitischen Fluggesellschaft aus rechtlichen Gründen unmöglich ist, den Kläger aufgrund seiner israelischen Staatsbürgerschaft zu befördern. Das Einheitsgesetz zum Israel-Boykott verbiete es nämlich der kuwaitischen Fluggesellschaft als juristischer Person des Staates Kuwait, einen Vertrag mit einem israelischen Staatsangehörigen zu schließen. Verstöße dagegen würden in Kuwait mit Gefängnisstrafe, harter Arbeit oder Geldstrafe geahndet. Es sei einer Vertragspartei nicht zumutbar, einen Vertrag zu erfüllen, wenn sie damit einen Gesetzesverstoß nach den Regeln ihres eigenen Staates begehe und sie deswegen damit rechnen müsse, dort bestraft zu werden. Das Landgericht hat ausgeführt: “Es geht bei der Beurteilung einer rechtlichen Unmöglichkeit nicht darum, aus Sicht eines deutschen Gerichts zu beurteilen, ob das Gesetz eines fremden Staates — hier das Gesetz (…) des Staates Kuwait — sinnvoll ist und ob es nach den Wertungen der deutschen und europäischen Rechtsordnung Bestand haben könnte.” Eine inhaltliche Bewertung des kuwaitischen Einheitsgesetzes zum Israel-Boykott ist mit dem heute verkündeten Urteil daher nicht — auch nicht mittelbar — verbunden.
Julian Reichelt ist ja nicht doof, er kann lesen. Er ist in der Lage, die Begründung des Gerichts zu verstehen. Er will sie aber nicht verstehen. Ihm ist es offenbar egal, dass er seinen Leserinnen und Lesern falsche Fakten präsentiert.
Auch nach der (noch nicht rechtskräftigen) Entscheidung des Landgerichts Frankfurt kann man das kuwaitische “Einheitsgesetz zum Israel-Boykott” erbärmlich finden. Man kann die Begründung des Landgerichts Frankfurt für völlig falsch halten und von einem “Skandal-Urteil” sprechen. Man kann auch, so wie es Reichelt in seinem Kommentar tut, die Bundeskanzlerin auffordern, “Kuwait Airways” die Start- und Landerechte in Deutschland zu entziehen. Man sollte aber, damit alles zur eigenen Meinung passt, nicht irgendwelche Zitate erfinden.
Auf der “Bild”-Titelseite gab es gestern noch mehr Fehler als sonst — und die waren sogar absichtlich dort:
Die Methode “Schreiben nach Gehör” sorge “für Ärger und Verunsicherung”, schreibt die “Bild”-Redaktion, die weiter hinten in derselben Ausgabe auch titelt:
Bei dieser Bild.de-Geschichte von vorgestern …
… könnte man beim ersten Hinsehen meinen, dass es ebenfalls ums “Schreiben nach Gehör” geht. Dabei dürfte es dem Bild.de-Team nur darum gehen, sich über das Deutsch einer Ausländerin lustig zu machen.
“Bild”-Chefreporter John Puthenpurackal (der offenbar mal auf eine Betrügerin reingefallen ist und in “Bild” groß die vermutlich falsche Geschichte verbreitet hat, dass es sich bei der Frau um die Ex-Freundin des “Germanwings”-Piloten Andreas Lubitz handelt) hat mit der “Bauer sucht Frau”-Kandidatin Tiwaporn gesprochen. Er schreibt:
Die Narumol [eine “Bauer sucht Frau”-Teilnehmerin einer früheren Staffel] der 13. Staffel ist Tiwaporn, mindestens genauso unterhaltsam und unfreiwillig komisch.
“Unfreiwillig komisch” wohl, weil sie nicht perfekt deutsch spricht. Um das zu zeigen, hat Puthenpurackal Tiwaporns Aussagen eins zu eins transkribiert. Das Interview fängt schon so an:
BILD: Was heißt Tiwaporn?
Tiwaporn: “Die Übeletzung lautet ‘schöne Tag'”.
Und so geht es auch weiter:
Ist denn alles schön mit Klaus?
Tiwaporn: “Ik habe spontan bei ‘Bauer sucht Frau’ mitgemakt und habe guten Mann gefunden. Ik glaube, das ist der lichtige Mann für mik. Da habe ich Glück gehabt. Er ist ein lieber Mensch. Er sagt nie Nein! Wir laken viel.”
Was mögen Sie an Klaus?
Tiwaporn: “Er ist ganz ehlich! Er ist ganz lieb und verständnisvoll. Wenn ik ihn bitte, iss langsam, dann versukt er es, aber schafft es nit. Wenn ik was pauke, hat er sofort alles besorkt. Ik glaube, ik habe mik nok nie sooo gut gefühlt. Klaus ist sooo toll.”
Den Rest sparen wir uns.
In machen Fällen kann es sicher Sinn machen, sprachliche Besonderheiten zu verschriften, beispielsweise in einem Artikel, in dem es konkret ums Berlinern geht oder um den Slang von Jugendgangs. Aber was soll in Puthenpurackals Artikel der Mehrwert der “Ik”s und “mik”s sein — außer, dass er und die “Bild”-Redaktion damit die Frau vorführen können und ein paar billige Lacher bekommen?
Dass John Puthenpurackal und seine Kollegen es in einem Beitrag, in dem sie sich über das falsche Deutsch einer Person lustig machen, nicht mal hinbekommen, eine Bildunterschrift unfallfrei zu verfassen, ist nur ein weiterer trauriger Punkt:
Mit Dank an @NymosArno, @1A_Entrepreneur und Sorgenboy für die Hinweise!