KI-Lokaljournalismus, Wo war Wolfram Weimer?, Block-Aufnahmen

1. Rechter Autor, linkes Medium
(taz.de, Ann-Kathrin Leclere)
Das Datenleck der AfD belaste den Religionswissenschaftler Thomas K. Gugler, berichtet Ann-Kathrin Leclere in der “taz”. Gugler schreibe seit 2019 regelmäßig für die linke Wochenzeitung “Jungle World”, vor allem zu den Themen Pakistan und Islam. Den geleakten Unterlagen zufolge sei er jedoch bereits 2017 in die AfD aufgenommen worden und habe sich in den Jahren 2018 und 2022 auf Referentenstellen der Partei in Nordrhein-Westfalen beworben. Die “Jungle World” habe von der Parteizugehörigkeit Guglers nichts gewusst. Stelle sich heraus, dass Autorinnen oder Autoren der AfD angehören oder ihr nahestehen, beende die Redaktion grundsätzlich die Zusammenarbeit.

2. Lokaljournalismus, der keine Lokaljournalisten mehr braucht
(uebermedien.de, Annika Schneider)
Nach der Entlassung aller rund 60 Lokalredakteurinnen und -redakteure der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft fülle das Kölner Medienhaus DuMont seine Umlandzeitungen wie den “Rhein-Sieg-Anzeiger” zunehmend mit fehlerhaften, KI-gestützten Inhalten. An die Stelle gewachsener Redaktionsstrukturen vor Ort seien kleine, zentral gesteuerte “Regio-Teams” getreten. Diese würden externe Online-Quellen und Pressemitteilungen mithilfe automatisierter Werkzeuge auswerten. Die Folge seien grobe Falschmeldungen, unkritisch übernommene PR-Texte sowie ortsfremde Füllinhalte.

3. Kammer hält an Sicher­stel­lung von Pod­cast-Auf­nahmen fest
(lto.de, Jakob Hoffmann)
Das Landgericht Hamburg halte trotz Beschwerden an der Sicherstellung der Rohaufnahmen für den “Zeit”-Podcast “House of Block” fest. Eine Gefährdung der Pressefreiheit liege nicht vor, da sich die Gesprächspartner selbst als Quellen identifiziert hätten und um die Aufzeichnung wüssten. Vertrauliche Hintergrundgespräche seien weiterhin geschützt. Über die Rechtmäßigkeit der Maßnahme entscheide nun das Hanseatische Oberlandesgericht.

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4. Milei wünscht Journalisten auf den Scheiterhaufen – Amnesty reagiert empört
(spiegel.de)
Eine verbale Entgleisung des argentinischen Präsidenten Javier Milei gegen Journalistinnen und Journalisten sorge für Kritik, sowohl von Menschenrechtsorganisationen als auch aus den eigenen politischen Reihen. Bei einem Auftritt vor einer Denkfabrik habe Milei Medienschaffende namentlich als korrupt attackiert und geäußert, manche von ihnen sollten auf dem Scheiterhaufen brennen. Anlass seines Zorns sei die vorangegangene Berichterstattung über eingestellte Betrugsermittlungen gewesen. Amnesty International sehe darin eine gefährliche Eskalation und wolle den Fall vor die Vereinten Nationen sowie die Interamerikanische Menschenrechtskommission bringen.

5. “Denkverbote”? Wo war Wolfram Weimer die letzten Jahre?
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der jüngste Gastbeitrag von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zur Zukunft von ARD und ZDF bringe die medienpolitische Debatte nicht voran, kommentiert Uwe Mantel bei “DWDL”: “Sich jetzt nochmal als Vordenker zu präsentieren, ohne die Ideen des Zukunftsrats auch nur zu erwähnen (ohne dass man sie alle teilen müsste), und stattdessen altbekannte Überlegungen als neu zu verkaufen, ist mehr Eitelkeitenpflege als weiterführender Diskussionsbeitrag.”

6. Metas Willkür unterworfen
(netzpolitik.org, Anna Ströbele Romero)
Die automatisierte Kontenmoderation bei Instagram und Facebook führe vermehrt zu willkürlichen Sperrungen queerer, migrantischer und politischer Stimmen, berichtet Anna Ströbele Romero bei netzpolitik.org. Trotz europäischer DSA-Vorgaben nenne Mutterkonzern Meta meist keine konkreten Gründe, Einsprüche würden oft automatisiert abgewiesen. Das Unternehmen bestreite eine gezielte Benachteiligung und verweise auf einheitliche Regeln. Wegen mangelhafter Beschwerdewege und des Verdachts auf Zensur würden Verfahren der EU-Kommission laufen; zudem hätten NGOs in den Niederlanden Klage eingereicht.